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Suura 5 "Der Tisch" Aja 82 –
Suura 6 "Das Vieh" Aja 110
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82. Wahrlich, du wirst finden, dass die Menschen, die am heftigsten in der Feindschaft gegen die Mu’mins, sind die Juden und die Götzendiener. Und du wirst bestimmt finden, dass die, die den Mu’mins am meisten zugeneigt, jene sind, die sagen: "Wir sind Christen!"283 Dies weil unter ihnen Gottesgelehrte284 und Mönche sind und weil sie nicht hochmütig sind.285 283. Dies bedeutet nicht, dass sie sich lediglich als Christen bezeichnen, sondern dass sie so aufrichtige Christen sind, dass sie die Tugenden der Muslime schätzen können, wie es bei den Abessiniern der Fall war, zu denen die Muslime zur Zeit der Verfolgung in Mekka auswanderten. Sie sagten: "Wir sind zwar Christen, aber wir verstehen euren Standpunkt, und wir wissen, dass ihr gute Menschen seid." Sie sind im Herzen Muslime, was immer ihre äußere Bezeichnung sein mag. (Juusuf 'Allii) Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seine Schreiben mit den Aufruf zum Islam an die Könige und Oberhäupter der verschiedenen Völker schickte, waren die Antworten der Christen unter ihnen die freundlichsten. Die wahre Ursache für die Feindschaft der einen und die Freundschaft der anderen war in ihrer Geisteshaltung zu finden, die durch ihre religiösen Überlieferungen und Bräuche und durch ihre kulturelle und soziale Erziehung beeinflusst wurde. Der Qur’an weist in diesen Aja auf den Grund für die Zuneigung der Christen hin, unterlässt es aber, auf die Ursache für die Feindschaft der Juden und die Götzendiener den Moslems gegenüber näher einzugehen, da dies in vielen Suuras zur Genüge erklärt wird. (Al-Manar) Das 11. Vatikanische Konzil sagt in seiner, "Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen" , über den Islam: "Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie bemühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der Islam sich gern beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria ...Überdies erwarten sie den Tag des Gerichts, an den Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deswegen legen sie Wert auf eine sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten. Da es jedoch im Laufe der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu üben und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen." (Anm. d. Übers.) 284. Quraisch habe ich übersetzt mit "die sich der Gelehrsamkeit widmen", wie es der Ansicht der Kommentatoren entspricht. Es scheint sich um ein Fremdwort aus den Abessinischen oder eher noch aus den Syrischen zu handeln, denn es bezieht sich wohl auf die Abessinischen Christen. Ihr Eifer beim Studium und die Weltentsagung der Mönchsorden werden der heuchlerischen Arroganz der Pharisäer und Schriftgelehrten gegenübergestellt. (Juusuf 'Allii) 285. Der Fall, den diese Ajas behandeln, beschreibt den Zustand einer bestimmten Gruppe von Menschen, die sagen. "Wir sind Christen". Unter dieser Gruppe sind solche, die genauestens den wahren christlichen Glauben kennen. Diese werden nicht hochmütig sein gegenüber der Wahrheit, wenn sie sie genau erkannt haben. (Qutb) Sie glauben nicht, Allahs Offenbarung sei ein exklusives Geschenk für die Kinder Israel, wie es die Juden tun; und ihre Priester und Mönche lehren sie, dass Demut das Wesen allen wahren Glaubens ist. Bemerkenswert ist, dass der Qur’an in diesen Zusammenhang die Christen nicht zu denen rechnet, die "etwas außer Gott Göttlichkeit zuschreiben", denn obwohl sie sich durch die Vergötterung Isa as des Schirk (Beigesellung anderer Wesen zu Allah) schuldig machen, verehren die Christen nicht bewusst eine Mehrzahl von Gottheiten, insofern als ihre Theologie Glauben an den Einen Gott postuliert, der verstanden wird als jemand, der sich in den drei Personen manifestiert. Wie sehr auch immer diese Lehre dem Qur’an widerspricht, so ist ihr Schirk doch nicht auf bewusster Absicht begründet, sondern entstammt ihrer "Übertreibung" in der Verehrung Isa as. Vergleiche hierzu Suura 4:171 und 5:80 sowie die Fußnote zu Suura 6:23. (Asad)
83. Und wenn sie286 hören, was dem Gesandten offenbart worden ist, siehst du, wie ihre Augen von Tränen überfließen287 wegen dessen, was sie (darin) als Wahrheit erkennen können. Sie sagen: "Unser Herr, wir verinnerlichen den Imaan wahrlich. So zähle uns zu denjenigen, die Zeugnis ablegen. 286, Dies bezieht sich auf die freundlich gesinnten Christen zur Zeit des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die sich allmählich dem Islam zuwandten. (Darjabaadi) 287, Sie begnügten sich nicht mit Tränen der Rührung und ihre Haltung der Wahrheit gegenüber, die sie so aufs Äußerste rührte, als sie den Qur’an hörten, war nicht passiv, Nein! Sie nahmen eine eindeutig bejahende Haltung zu dieser Wahrheit ein. Sie bekannten sich zu ihr und riefen ihren Herrn an, sie zu denen zu rechnen, die diese Wahrheit bezeugten, und sie in die Gemeinschaft einzufügen, die sich für diese Wahrheit einsetzt, nämlich die Muslime, (Qutb) Das Verb “sami'a“ bedeutet in erster Linie "er hörte", darüber hinaus jedoch auch oftmals "er verstand", "er begriff", Ich habe deswegen übersetzt "wenn sie begreifen." (Asad) Ein Beispiel für die Christen, auf die dieser Aja anspielt, ist der Abessinische Kaiser. Als Dschafar, der Vetter des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und Sprecher der muslimischen Auswanderer in Abessinien, dem Kaiser von den wunderbaren Veränderungen in ihrem Leben berichtete, die durch den Imaan an Muchammeds Prophetentum und die Befolgung seiner Lehre bewirkt worden waren, brachte dieser den Wunsch zum Ausdruck, etwas von der Offenbarung Allahs zu hören. Dschafar trug daraufhin die einleitenden Ajas der Suura Marjam (19. Suura) vor, worin von der Geburt Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, berichtet wird, Davon waren der Kaiser und die ihn umgebenden Bischöfe zu Tränen gerührt, und der Kaiser rief: "Mir scheint, diese Worte und die, die Jesus offenbart wurden, sind Strahlen des Lichts, das von derselben Quelle herkommt!" (Siddiqi)
84. Und warum sollten wir nicht an Allah und an das den Imaan verinnerlichen, was zu uns an Wahrheit gekommen ist,288 wo wir uns doch danach sehnen, dass unser Herr uns unter das Volk der Gerechten eingehen lässt." 288. Isa as selbst sagte die Ankunft des Propheten Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, voraus, wobei er ihn mit dem Namen "Geist der Wahrheit" bezeichnete: "Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten, Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkünden..." (Johannes 16:13), (Siddiqi)
85. Und Allah belohnt sie für das, was sie gesagt haben289 mit Gärten, durch die Ströme fließen290 Dort sollen sie (ewig) verweilen. Und das ist der Lohn für diejenigen, die Gutes tun. 289. Wörtlich:" Wegen dessen, was sie gesagt haben" -nämlich womit sie ihren Imaan zum Ausdruck gebracht haben. (Asad) Allah kennt nämlich die Wahrhaftigkeit ihrer Herzen und Zungen und ihre wahre Entschlossenheit, diesem Weg zu folgen und Zeugnis für diese neue Religion abzulegen, der sie beigetreten waren, dementsprechend bestimmt Er für sie das Paradies und bezeugt, dass sie wohltätig sind. “Ichsa“ (gutes aufrichtiges Handeln) ist nämlich der höchste Grad des Imaans und "des Islams (Hingabe), und Allah bezeugt für diese Schar von Menschen, dass sie zu denen gehören, die Mu’mins (gute, aufrichtige Menschen) sind. (Qutb) 290. Wörtlich: Unter denen Ströme fließen. (Anm. d. Übers.)
86. Und diejenigen, die kaafir sind, und Unsere Zeichen geleugnet haben, das sind die Bewohner des Höllenfeuers.
Abschnitt 1287. O ihr Mu’mins! Verbietet nicht die guten Dinge, die Allah euch erlaubt hat291 Doch geht nicht über diese hinaus.292 Wahrlich, Allah liebt nicht jene, die (seine Gesetze) übertreten. 291. Nahrung, Kleidung und andere erlaubte gute Dinge des Lebens. (Darjabaadi) Die meisten Kommentatoren -einschließlich Tabari, Samachsari und Rasi -erklären den Ausdruck "La tuharrimuu" لاَ تُحَرِّمُواْ (wörtlich: "verbietet nicht" oder "erklärt nicht für verboten") im Sinne von "schließt euch nicht aus von", und verstehen ihn als Bezugnahme auf die Selbstkasteiung, die besonders von christlichen Priestern und Mönchen praktiziert wurde. (Asad) Dieses Gebot Gottes umfasst zweierlei: 1. Ihr habt keine Vollmacht, gewisse Dinge für erlaubt und andere für verboten zu erklären, sonst folgt ihr eurer eigenen Gesetzgebung statt der Allahs. 2. Ihr sollt kein Asketenleben führen wie christliche, hinduistische und buddhistische Mönche. Eine solche Tendenz ist bei religiösen Menschen immer vorhanden, weil sie glauben, sich Allah nur dadurch nähern zu können. Die Muslime werden hier davor gewarnt. (Mauduudi) Da ihr nur Menschen und Diener Allahs seid, sollt ihr eure Religion entsprechend nicht für euch die speziellen Aufgaben Allahs in Anspruch nehmen, die Ihm allein zustehen. So steht es euch nicht-zu, die Genüsse, die Allah euch erlaubt hat, zu verbieten oder in einer Art von Entsagung zu unterlassen, von etwas zu essen, was Allah euch als rein und zulässig gegeben hat. Denn Allah ist Derjenige, Der euch damit beschenkt hat, und Ihm allein steht es zu, zu erlauben und zu verbieten. (Qutb) 292. Bei gutem und erlaubten Genuss liegt der Fehler in der Übertreibung. Bloße Enthaltsamkeit oder Askese ist keine Tugend in sich, auch wenn die damit verbundene Demut und Selbstlosigkeit ihren Wert haben mag. In Suura 5:85 werden christliche Mönche ihrer besonderen Tugenden wegen gelobt, während dort wie an anderen Stellen des Mönchstum missbilligt wird. Macht Gebrauch von Allahs Gaben mit Dankbarkeit; Übertreibung und Verschwendung jedoch liebt Allah nicht. (Juusuf 'Allii) Anas berichtet: Drei Gruppen von Leuten kamen eines Tages zu den Wohnungen der Frauen des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und erkundigten sich über seine ’Ibadach. Als ihnen davon berichtet wurde, erschienen sie ihnen zu wenig. Sie sagten: "Was sind wir im Verhältnis zu Allahs Gesandtem, dem Allah schon alle seine vergangenen und zukünftigen Fehler vergeben hat?" Und einer von ihnen sagte: "Ich bete die ganze Nacht hindurch," Ein anderer sagte: "Ich faste die ganze Zeit ohne das Fasten zu brechen." Der dritte sagte: "Und ich halte mich von den Frauen fern und heirate niemals „Da kam Allahs Gesandter zu ihnen heraus und sagte: "Ihr habt dies und jenes gesagt, Aber bei Allah, ich bin derjenige, der Ihn am meisten von euch fürchtet und Seine Gebote achtet. Trotzdem faste ich manchmal und dann wieder nicht. Ich bete und ich schlafe, und ich verheirate mich mit den Frauen. Wer sich von meiner Sunna entfernt, der gehört nicht zu mir.“ (Qutb) Selbstauferlegte Gelübde der Buße und Enthaltsamkeit haben keinen Sinn, solange sie nicht in Übereinstimmung mit den durch die Offenbarung gesetzten Grenzen erfolgen. (Darjabaadi) Nach Ansicht von Imaam Qurtubi zeigen diese Worte eindeutig, dass die Übertretung von Allahs Geboten nach beiden Richtungen hin falsch ist, Allah will weder, dass wir wie Mönche auf die guten Dinge verzichten, die Er uns erlaubt hat, noch dass wir übertriebenen Wert auf irdischen Genuss legen. (Siddiqi)
88. Und esst von dem Erlaubten (und) Guten, das Allah euch bereitet hat. Und fürchtet Allah, an Den ihr ja den Imaan verinnerlicht habt.293 293. Hier finden wir einen Hinweis auf die Art und Weise, wie wir die guten Dinge genießen sollen. Dies ist uns nicht nur erlaubt, sondern wir werden sogar dazu aufgefordert, sollen jedoch die Taqwa dabei bewahren, (Siddiqi)
89. Allah zieht euch nicht wegen eurer unbedachten (geäußerten) Schwüre zur Rechenschaft.294 Jedoch rechnet Er euch die mit Vorsatz geschworenen Eide295 an. Die Sühne dafür soll sein,296 dass ihr zehn Bedürftigen zu essen gebt, so wie ihr (für gewöhnlich297 euren Angehörigen zu essen gebt, oder sie kleidet oder einen Sklaven befreit298 Und wer dazu nicht in der Lage ist, der soll drei Tage lang fasten. Dies ist die Sühne für die Eide, die ihr geschworen habt. Und haltet eure Schwüre!299 Auf diese Weise macht euch Allah Seine Zeichen klar, auf dass ihr dankbar sein möget. 294. Ibn Abbas berichtet über den Hintergrund der Offenbarung dieses Ajas: Die Leute versagten sich selbst gutes Essen, Kleidung und die Ehe. Als jedoch die Worte kamen ,,O ihr, die ihr den Imaan verinnerlicht habt, verbietet nicht die guten Dinge, die Allah erlaubt hat...", da sagten sie: "Was machen wir jetzt bloß mit unseren Gelübden!" Daraufhin wurde dieser Aja offenbart, (Qutb) Gelübde der Buße oder Enthaltsamkeit können gelegentlich nutzlos sein oder sogar einer wirklich guten Handlung im Wege stehen. Vergleiche Suura 2:224-226 und Fußnoten. Die allgemeinen Grundsätze sind folgende: 1. legt keine sinnlosen Gelübde oder Eide ab; 2. gebraucht nicht Allahs Namen, wörtlich oder implizit, um euch selbst an erlaubten oder guten Handlungen zu hindern; 3. haltet eure Eide und Gelübde nach äußerstem Vermögen; 4. wenn ihr dazu nicht in der Lage seid, macht euer Versäumnis gut, indem ihr den Armen Nahrung und Kleidung gebt oder jemandem zu seiner Freiheit verhelft, wenn ihr dazu auch nicht in der Lage seid, dann durch Fasten. Dies, soweit es den geistigen Aspekt betrifft. Wenn durch euer Versäumnis jemand einen Schaden hat, steht ihm ein Ausgleich zu, aber dies ist eine Frage von Recht und Gerechtigkeit. (Juusuf 'Allii) Al-Hafidh ibn Kasir hat die überlieferten Aussagen zusammengefasst und fing mit der wahrscheinlichsten Aussage an, wenn man nämlich unabsichtlich sagt "Bei Allah, nein! und "Bei Allah, doch!" Dazu zählt auch, was man im Spaß sagt oder im Ärger und auch, wenn man schwört, etwas vom Essen, Trinken oder von der Bekleidung wegzulassen, worauf die Worte "verbietet nicht die euch erlaubten guten Dinge" zutreffen würden. (Al Manar) 295. Gelübde, die sich auf eine Verpflichtung in der Zukunft beziehen. (Darjabaadi) 296. Wörtlich: "die Buße dafür soll sein" -wobei sich das "dafür" auf den implizierten Bruch eines Gelübdes bezieht. Wie aus dem Zusammenhang hervorgeht, bezieht sich diese Möglichkeit der Wiedergutmachung auf "Eide, die gedankenlos ausgesprochen worden sind", nicht auf absichtliche Verpflichtungen, die andere Personen betreffen. Diese soll der Mu’min -wie am Anfang dieser Suura erwähnt wurde -gewissenhaft erfüllen, soweit es in seiner Kraft steht. (Asad) 297. Wörtlich: im Durchschnitt: das heißt weder überreichlich noch zu knapp bemessen. (Darjabaadi) 298. Indem ihr einen Mu’min (Mann oder Frau) aus der Sklaverei oder Gefangenschaft befreit. (Darjabaadi) 299. Das heißt, schwört nicht leichtfertig oder oft. (Asad) "Achtet auf eure Schwüre" bedeutet dreierlei: 1. wir sollen Eide und Gelübde auf rechte Weise anwenden und nicht für Nutzloses und Sündhaftes missbrauchen; 2. wir sollen uns an unsere Eide und Gelübde erinnern und sie nicht vergessen; 3. wenn wir bewusst ein Gelübde abgelegt haben, müssen wir es erfüllen, und wer dazu nicht in der Lage ist, soll einen Ausgleich erbringen. (Mauduudi) Einige Gelehrte sind der Ansicht, dass man nicht übereilte Eide aussprechen oder Gelübde ablegen sollte, und dass man sich diese Möglichkeit für Anlässe aufsparen sollte, wo es unumgänglich ist. (Siddiqi)
90. O ihr Mu’mins! Wein300 und Glücksspiel301 und Opfersteine302 und Lospfeile303 sind eines der Gräuel aus dem Werk Scheytaans. So meidet dies (alles), auf dass ihr erfolgreich sein möget. 300. Das Wort "hamr" خَمْر (abgeleitet von dem Verb "hamara", "er verbarg" oder "er verdeckte") bedeutet jede Substanz, deren Gebrauch den Intellekt verhüllt, das heißt, die berauscht. Deswegen umfasst das in diesem Aja ausgesprochene Rauschmittelverbot nicht nur alkoholische Getränke, sondern auch Drogen, die eine ähnliche Wirkung haben. Die einzige Ausnahme von diesem totalen Verbot bildet der Fall der "dringenden Notwendigkeit" (im strengsten Sinne des Wortes), wie im letzten Satz von Aja 4 dieser Suura zum Ausdruck kommt, nämlich in Fällen, wo Krankheit Verletzung den Gebrauch berauschender Medikamente oder von Alkohol unumgänglich machen. (Asad) 301. Vergleiche Suura 2:219 und Fußnoten. (Juusuf 'Allii) Die Leidenschaft des Glücksspiels ist nicht auf ein Volk oder Land beschränkt, auch nicht auf eine Gesellschaftsschicht oder Kultur. Inbegriffen sind alle Arten von Glücksspiel. (Darjabaadi) Alkohol, Glücksspiel, Götzenaltäre und abergläubische Praktiken waren die Merkmale der Zeit der Unwissenheit und in der vorislamischen Gesellschaft tief verwurzelt. Sie bildeten ein eng miteinander verknüpftes Brauchtum. Damals trank man Wein im Übermaß und prahlte und wetteiferte damit in den Zusammenkünften; um den Wein drehten sich Poesie und Literatur. Zu den Trinkgelagen gehörte das Schlachten von Vieh, um mit deren Blut die Götzenfiguren zu besprengen, und Glücksspiel durfte auch nicht fehlen, weil damit das Fleisch verlost wurde, was zu vielen Ungerechtigkeiten führte. Das islamische Gesetz begann nicht gleich von Anfang an, dieses Brauchtum zu unterbinden, sondern behandelte (diesen moralischen Übelstand, Anm. d. Verf.) von seiner Wurzel her. Der Islam beginnt bei der Problematik der menschlichen Seele, nämlich bei der inneren Überzeugung, und ersetzt zunächst die Vorstellungen aus der Zeit der Unwissenheit durch wahre islamische Vorstellungen und Auffassungen. Entsprechend dieser Entwicklung wird das Verbot von Alkohol und Glücksspiel allmählich eingeführt, und zwar in drei Phasen: den ersten Schritt bildet Suura 2:219 ("Sie befragen dich über Wein und Glücksspiel..."). Der zweite Schritt ist das Verbot, im berauschten Zustand am Gebet teilzunehmen, in Suura 4:43. Dieser Aja schließlich bringt das endgültige Verbot zum Ausdruck. (Qutb) 302. Vergleiche Suura 5:4. Bei den dort erwähnten Steinen handelt es sich um Steinaltäre oder Steinsäulen, auf die Öl als Opfer gegossen wurde, oder Steinplatten, auf denen den Götzen Fleisch dargebracht wurde. Alle götzendienerischen und abergläubischen Praktiken werden hier verboten. (Juusuf 'Allii) 303. Vergleiche Suura 5:4. Die erwähnten Pfeile wurden benutzt, um durch eine Art Auslosung Fleisch zu verteilen. Sie wurden jedoch auch zum Wahrsagen benutzt, beispielsweise um glück- oder unglückbringende Augenblicke vorauszusagen, oder um den Willen der "Götter" in Erfahrung zu bringen. Alle abergläubischen Praktiken werden hier verurteilt. (Juusuf' Allii)
91. Scheytaan will fürwahr (nur) Feindschaft und Hass zwischen euch säen304 durch Wein305 und Glücksspiel306 und euch vom Gedenken Allahs und vom Gebet abwenden. Wollt ihr also nicht (damit) aufhören?307 304. Scheytaan versucht, eure Solidarität zu untergraben. (Darjabaadi) 305. Die enge Beziehung zwischen Alkoholismus und Kriminalität ist bekannt. Den Statistiken zufolge werden bis zu 85% aller Verbrechen in Verbindung mit Alkohol begangen. (Darjabaadi) 306. Die demoralisierende Wirkung des Glücksspiels ist so vielseitig, dass sie nicht ausführlich behandelt werden kann. Im Prinzip ist es nichts anderes als Diebstahl im gegenseitigen Einverständnis. Glücksspiel führt darüber hinaus oft zu anderen Lastern; wenig Gutes liegt im allgemeinen in zu leicht erworbenem Geld, und sowohl der Gewinner als auch der Verlierer versucht, seine Emotionen mit Alkohol und ähnlichem abzureagieren. Sogar zu Selbstmordfällen kommt es in diesem Zusammenhang. (Darjabaadi) 307. Hier werden dem Gewissen des Muslims die Ziele Scheytaans enthüllt, die Mu’mins durch diese Mittel vom Gedenken Allahs und vom Gebet abzulenken. Die Gefahren liegen nicht nur in den offensichtlichen Folgen, sondern in der entstehenden Abhängigkeit. (Qutb) Diese rhetorische Frage impliziert die Notwendigkeit, von diesen Dingen Abstand zu halten. (Asad)
92. Und gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und seid auf der Hut.308 Und wenn ihr euch abwendet, dann wisset, dass Unserem Gesandten nur die klare Verkündigung der Botschaft obliegt.309 308. Das heißt: Hütet euch davor, euch gegen Allah und dem Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, aufzulehnen. Und es heißt auch: Nehmt euch in acht vor dem, was euch als Strafe treffen könnte, wenn ihr Seine Anordnungen missachtet. Dies könnte eine harte Prüfung im Diesseits und eine Bestrafung im Jenseits sein. Denn Er hat euch nur das verboten, was euch in beiden Leben Schaden zufügen könnte. (Al-Manar) Hier werden wir aufgefordert, des Geboten Allahs zu folgen (die immer mit der Vernunft übereinstimmen), statt abergläubisch zu sein (was irrational ist), durch Rauschmittel künstliche Stimmungen zu erzeugen oder durch Glücksspiel unrechten Gewinn zu erzielen. In letzteren mag vorübergehendes Vergnügen oder Nervenkitzel enthalten sein, aber sie führen nicht zu wahrem Glück und wahrem Erfolg. (Juusuf ’Allii) Dies ist die Basis, auf die alle Angelegenheiten des Imaans zurückgeführt werden: auf Gehorsam gegenüber Allah und Seinem Gesandten. Es ist eine restlose Hingabe, die nichts anderes übrig lässt, als absoluten Gehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten und die Vorsicht vor Übertretungen. (Qutb) 309. Vergleiche Suura 5:70. Sowohl der weltliche als auch der geistige Aspekt des Verlustes wird betont. Kann Allahs Botschaft mehr tun? (Juusuf ’Allii) Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden auf ihm, kann die Menschen nicht zum Imaan zwingen und ist deswegen nicht verantwortlich, wenn sie sich weigern. (Asad)
93. Es ist kein Vergehen für diejenigen,310 die den Imaan verinnerlichen und gute Werke tun, in dem was sie (früher) aßen311, wenn sie nur mutaqi312 sind und den Imaan verinnerlichen und gute Werke tun, (und) abermals mutaqi sind und den Imaan verinnerlichen,313 (und) abermals mutaqi sind und aufrichtig handeln. Und Allah liebt die Aufrichtigen.314 310. Dies bezieht sich auf all jene Muslime, die bereits gestorben waren, bevor Alkohol und Glücksspiel verboten wurden und die möglicherweise nicht völlig darauf verzichtet hatten. (Darjabaadi) 311. Das Verb "ta'ima" طَعِمُواْ bedeutet in erster Linie "er aß", "er schmeckte" im übertragenen Sinne jedoch auch "er genoss", "er nahm teil an" -bezogen auf alles, was erstrebenswert ist. Die meisten Kommentatoren sind der Ansicht, dies bezieht sich auf die vor dem Alkoholverbot verstorbenen Muslime. Mir scheint es jedoch, dass es eine viel weiter gefasste Bedeutung hat und sich auf die "guten Dinge des Lebens" bezieht, die Allah nicht verboten hat und die sich die Mu’mins deswegen nicht zu versagen brauchen (siehe oben Aja 90). (Asad) Hierin liegt eine allgemeine Gesetzmäßigkeit für die Rechtleitung der Muslime. Die erste entscheidende Handlung eines Muslims ist, dass er ein tiefes Bewusstsein von Allah hat, und durch dieses Bewusstsein gibt es in seinem Herzen das Gefühl von Allahs Anwesenheit. Dieses Gefühl und das Bewusstsein der Verantwortlichkeit vor Ihm stärkt seinen Imaan an Ihm und veranlasst ihn zum rechten Handeln. Wenn sich also ein Mensch voll der Anwesenheit Allahs bewusst ist, hält er Abstand von allem Bösen, das Er verboten hat. (Siddiqi) 312. Diese Wiederholung von "Furcht und Imaan" impliziert die Stabilität dieser beiden Gemütszustände. (Siddiqi) 313. Enthaltsamkeit vom Bösen ist zweifellos eine Tugend und zeigt die Taqwa eines Menschen. Die höchste Frömmigkeit ist dann letzteres -solche guten Handlungen auszuführen, die in die Kategorie von "Al-Ichsan" gehören -über die Pflichten hinaus, die den Menschen Allah näher bringen und ihn dazu erziehen, immer nur Sein Wohlgefallen zu suchen. Deswegen weist diese Ausdrucksweise auf eine Abfolge des Wachstums und der Intensivierung hin. (Siddiqi) 314. Die Aufzählung solch schlichter, alltäglicher Gebote wie der Speisegebote oder der Ehrfurcht vor den heiligen Orten und Einrichtungen muss im Zusammenhang mit den höheren Pflichten des Menschen erklärt werden. Baidawi teilt diese Pflichten ganz richtig in drei Kategorien ein: Pflichten Allah gegenüber, Pflichten sich selbst gegenüber (entsprechend der Selbstachtung) und Pflichten anderen Geschöpfen Allahs gegenüber. Vielleicht haben alle Pflichten diesen dreifachen Aspekt. Die erstere kann man mit Imaan oder Vertrauen bezeichnen, die zweite als Selbstschutz vor dem Bösen oder Gewissen; und die dritte als rechtschaffenes Handeln. Die einfachsten physischen Regeln, beispielsweise bezüglich Reinlichkeit, Ernährung und so weiter, sind auf diese höheren Aspekte bezogen. Wenn wir uns schlecht ernähren, schaden wir uns selbst, belästigen unsere Mitmenschen und sind Allah Ungehorsam. Wenn wir den Imaan verinnerlichen und rechtschaffen sind, wie kann uns dann das Gewissen fehlen? Wenn wir gewissenhaft und Imaan haben, ist es dann möglich, dass wir nicht rechtschaffen handeln? Wenn Gewissen und Rechtschaffenheit vorhanden sind, können sie dann eine andere Grundlage haben als den Imaan? Alle drei manifestieren sich in willigem Gehorsam gegenüber Allah und Liebe zu Ihm. Wir erfahren Seine Liebe, indem wir Seine Geschöpfe lieben und ihnen Gutes tun; ohne dies ist unsere Liebe zu Ihm sinnlos. (Juusuf 'Allii) Handeln gemäß Allahs Gesetz ist ein notwendiger Anfang für den willigen Gehorsam Ihm gegenüber. Dies ist Islam im Sinne von Unterwerfung und Hingabe. Erst nach diesem Gehorsam kann der menschliche Verstand im Rahmen seiner Möglichkeiten Allahs Weisheit in Seinen Gesetzen und Verboten zu ergründen versuchen. (Qutb)
94. O ihr Mu’mins! Gewiss will Allah euch prüfen in einer Sache, nämlich mit Jagdbeute, die ihr mit euren Händen oder euren Lanzen erreichen könntet,315 damit Allah erkenne,316 wer Ihn im Verborgenen fürchtet. Wer nun nach diesem (Beschluss die Gesetze) übertritt, dem wird eine schmerzliche Strafe zuteil.317 315. Wörtlich: "mit etwas von dem Wild, das eure Hände und Lanzen (vielleicht) erreichen." (Asad) 316. Wörtlich: "damit Er weiß" oder "erfährt". Vergleiche Suura 3:166. Im heiligen Bezirk ist die Jagd verboten. Wer dieses Verbot absichtlich übertrifft, besitzt weder Imaan noch Respekt. (Juusuf 'Allii) Am Anfang dieser Suura wurde den Mu’mins verboten, im Zustand der Weihe Tiere zu jagen, und die Symbole Allahs und den heiligen Monat zu entweihen. (vergleiche Aja 2-3). Es wurde damals keine Bestrafung für den Übertreter vorgesehen, sondern wurde zur Sünde erklärt. Jetzt wird die Bestrafung in Form einer Sühne vorgeschrieben. Wie alle anderen Abschnitte, so beginnt auch dieser mit der Anrede: ,,O ihr, die ihr den Imaan verinnerlicht habt“, und die Mu’mins werden darüber informiert, dass ihnen eine Versuchung bevorsteht in Bezug auf die Jagd, die ihnen im Zustand der Weihe verboten wurde. (Qutb) 317. Vergleiche auch Suura 2:3. (Asad) Wer eine Überschreitung begeht, indem er in irgendeiner Weise an der Jagd teilnimmt, obwohl hier eindeutig darüber gesprochen wurde, so erwartet ihn eine schmerzliche Strafe, weil er der Prüfung Allahs keine Beachtung geschenkt hat. Er hat sich selbst das Zeugnis ausgestellt, dass er Allah nicht im Verborgenen fürchtet, sondern nur den Tadel und die Zurückweisung der Mu’mins in Betracht gezogen hat, als er sich unter ihren Augen an der Jagdbeute beteiligte. Und dies ist der Charakter der Heuchler. (Al-Manar) Die Taqwa im Verborgenen ist die Grundlage für Imaan und Gewissen des Muslims, worauf Imaan und Verhalten aufbauen und wovon das dem Menschen anvertraute Amt des Statthalters Allahs auf Erden abhängig ist. Allah ist für die Menschen nicht sichtbar, aber sie erfahren Seine Anwesenheit in sich selbst, wenn sie den Imaan verinnerlicht haben. Er ist Der Erhabene, vor ihnen verborgen, aber sie erfahren Dm insgeheim und haben Ehrfurcht vor Ihm. Die Sicherheit dieser Wahrheit und ihre bewusste Wahrnehmung ist gleichwertig mit dem Bekenntnis zum Islam: ja sie überwiegt es sogar. Und wenn der Mu’mins das Bekenntnis zum Islam: Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, ausspricht, obwohl er Allah nicht gesehen hat, bedeutet dies einen großen Schritt in der Aufwärtsentwicklung des menschlichen Wesens. (Qutb) Anmerkung des Überarbeiters: auch wenn man ihn nicht sieht, sind doch die Beweise im Qur’an und in der Natur gegeben, sonst könnte man den Imaan nicht verinnerlichen.
95. O die ihr den Imaan verinnerlicht habt! Tötet kein Wild, während der Pilgerweihe.318 Und wer von euch es absichtlich tötet,319 dann ist ein Ausgleich im Wert dessen, was er getötet hat, an Vieh zu leisten,320 das als Schenkung zur Ka'ba gebracht wird,321 so wie es zwei Gerechte322 unter euch entscheiden, oder die Sühne sei die Speisung von Bedürftigen323 oder dem entsprechenden Fasten, damit er die Folgen seiner Tat koste.324 Allah vergibt, was vordem geschehen ist.325 Wer es aber von neuem tut, den unterwirft Allah der Vergeltung. Und Allah ist allmächtig und vermag sehr wohl zu vergelten. 318. Vergleiche Suura 2:196 und Fußnoten. (Juusuf 'Allii) Es ist verboten zu jagen oder anderen auf irgendeine Weise bei der Jagd zu helfen. Es ist weiterhin nicht erlaubt, dass ein Pilger Wild isst, das speziell für ihn erlegt wurde. Wenn jedoch ein anderer, der kein Pilger ist, für sich selbst Wild erlegt und einem Pilger davon ein Geschenk gibt, dann kann dieser davon essen. Selbstverständlich können 1ebensbedrohende Tiere wie Schlangen und Skorpione jederzeit getötet werden. (Mauduudi) 319. Aus dem letzten Satz dieses Ajas wird deutlich, dass sich das "absichtliche Töten" hier nur auf einen Einzelfall beziehen kann, nicht auf willkürliche, dauernde" Verletzung der gebotenen Grenzen", die der vorige Aja so streng verurteilt. (Asad) 320. Entsprechend dem Wert dieses Tieres. (Darjabaadi) 321. Das heißt, zur Verteilung unter die Armen. Ka'ba bedeutet in diesem Zusammenhang metonymisch das heilige Gebiet von Mekka, nicht nur das Heiligtum selbst (Rasi). Die beiden rechtschaffenen Personen sollen den ungefähren Wert des erlegten wilden Tieres ermitteln und auf dieser Grundlage entscheiden, was für ein Haustier zum Ausgleich geopfert werden soll. (Asad) 322. Das heißt, Personen mit Integrität, Ehre und Erfahrung. (Darjabaadi) 323. Nach Imaam Hanifi Ansicht soll er entweder Getreide entsprechend der Sadaqat-ur Fitr im Wert des zu opfernden Tieres unter die Armen verteilen, oder er soll entsprechend der Anzahl der Bedürftigen, die dieses Getreide erhalten hätten, ebenso viele Tage fasten. (Siddiqi) 324. Für einen unbeabsichtigten Verstoß gegen dieses Gebot scheint es keine Strafe zu geben. Ein absichtlicher Verstoß sollte möglichst vorher verhindert werden. Wenn dies nicht gelingt, ist Ausgleich vorgeschrieben, wobei es drei Alternativen gibt: ein gleichwertiges Tier wird zur Ka'ba gebracht und geopfert, und in diesem Falle wird das Fleisch unter die Armen verteilt; oder den Armen soll in Naturalien oder Geldwert Nahrung entsprechend dem Wert des getöteten Tieres zur Verfügung gestellt werden; oder der Übertreter soll so viele Tage lang fasten, wie es der Anzahl der zu ernährenden Armen entspricht. Die letzte Alternative ist wohl nur dem Übertreter offen, der zu arm ist, sich die erste oder zweite leisten zu können, aber in diesem Punkt sind die Kommentatoren unterschiedlicher Ansicht. (Juusuf 'Allii) Ibn Dscharir und Abi Rattern, von denen ibn Abbas es übernahm, erzählten: Wenn ein Muchrim irgendein Jagdtier tötet, so hat er einen Ausgleich zu leisten. Ist das, was er getötet hat, ein Reh oder etwas ähnliches, so muss er ein Schaf schlachten, und zwar in Mekka. Hat er keines zur Verfügung, so muss er sechs arme Menschen speisen, ist ihm auch dies nicht möglich, drei Tage fasten. Tötet er aber einen Hirsch, muss er eine Kuh schlachten. Hat er keine, muss er zwanzig Tage fasten. Ist das erlegte Tier ein Strauß oder ein Zebra, dann ist das Schlachten einer Kamelstute erforderlich. Findet er keinen, muss er dreißig bedürftige Menschen speisen. Ist ihm auch das nicht möglich, so muss er dreißig Tage fasten. (Al-Manar) Das "Kosten" der Folgen dieser Tat steht hier allgemein für Begreifen, nicht für das spezielle Kosten mit der Zunge. (Al-Manar) Man könnte hier auch sagen: "... damit ihm die Schwere seiner Tat bewusst wird." (Anm. d. Übers.) 325. Das heißt vor dieser speziellen Offenbarung oder vor dem Verbot der Jagd während der Pilgerfahrt. (Darjabaadi)
96. Erlaubt ist euch, (die Tiere) des Meeres zu fangen und zu verzehren326 als Versorgung für euch und die Reisenden.327 Und verboten ist euch die Jagd auf dem Festland, solange ihr euch in der Pilgerweihe befindet. So fürchtet Allah, bei Dem ihr (dereinst) versammelt werdet! 326. "Wasser" bezieht sich auf Meer. Fluss, Teich und ähnliches. (Juusuf 'Allii) Wörtlich: "Jagdbeute des Meeres und seine Nahrung." Letzteres bedeutet entweder "was das Meer an Nahrung hervorbringt", nämlich Fisch und andere Meerestiere, die vielleicht auch am Strand angeschwemmt werden, oder –nach Samachsari- die Nahrung der Wassertiere. Beide Erklärungen sind insofern annehmbar, als alle Arten von Wassertieren für den Mu’min erlaubt sind, sei er auf der Pilgerfahrt oder nicht. (Asad) Wassertiere wurden erlaubt, weil unterwegs auf einer Seereise, wenn der Proviant knapp wird, nichts anderes zu essen da ist. (Mauduudi) Mit Meer ist alles gemeint, was das Wasser mit sich führt, wie etwa Flüsse, Brunnen, Teiche etc., in denen Wassertiere, die man fangen kann, leben. "Fang der Meere" ist das, was normalerweise darin lebt, auch wenn es das Wasser für kurze Zeit verlassen kann, wie Krebse und Wasserschildkröten, oder anders ausgedrückt: das, was nur im Wasser lebensfähig ist. Demnach gehören Wasservögel nicht dazu. Sie gehören nicht zu den Wassertieren, weil ihnen das Wasser nur als Nahrungsquelle dient und nicht als Lebenselement. Dies sagt Imaam Schafi'i und meint weiter: Was erlaubt worden ist, ist, was im Wasser lebt, weil es als Fang des Meeres gilt. Mit dem Ausdruck "keine Nahrungsmittel" ist das gemeint, was das Meer auswirft, beispielsweise bei Ebbe, oder was obenauf schwimmt. Wäre diese oder andere Überlieferungen, die die gleiche Meinung vertreten, nicht gewesen, hätte ich persönlich diesen Aja so verstanden: Es ist euch erlaubt, im Meer zu fangen und von dem zu essen, was aus seinen Tieren gewonnen werden kann, wobei es gleichgültig ist, ob ihr selbst oder jemand anderes es für euch gefangen hat, oder aber ob das Meer es ausgeworfen hat. (Al-Manar) 327. Nach Al-Hasan Al-Basri ist der Begriff "Reisender" in diesem Zusammenhang gleichbedeutend mit dem Begriff "Pilger": in anderen Worten, Wassertiere aller Art sind den Mu’min erlaubt, ob sie sich auf der Pilgerfahrt befinden oder nicht. (Asad)
97. Allah hat die Ka'ba, das Heilige Haus, zu einem Rückhalt328 für die Menschen gemacht und ebenso den Heiligen Monat329 und die Opfertiere und (die mit) Girlanden.330 Dies, damit ihr wissen möget, dass Allah alles weiß, was in den Himmeln und was auf Erden ist und dass Allah Kenntnis bat von allen Dingen.331 328. Es ist nicht allein das Gebiet der Sicherheit und des Friedens -zeitlich wie räumlich -und nicht nur der Sicherheitsgürtel, der Mensch sowie Tier umschließt, sondern die Sicherheit und der Frieden, die sich auf die menschliche Seele senken, in der sich sonst eine Menge Widerstreit findet. So wird ihr Frieden und Güte eingeflößt, so dass der Pilger davor zurückschreckt, seine Hand gegen einen Vogel oder ein Tier auszustrecken. Es ist somit die Zone der Biegsamkeit und der Schulung der menschlichen Seele, in der sie sich läutert und versucht, die himmlische Schar zu erreichen. (Qutb) Sowohl Pilgern als auch Nichtpilgern ist Jagd aller Art in der Umgebung der Ka'ba verboten, das heißt im Gebiet von Mekka und seiner Umgebung, denn dies ist ein Ort der Sicherheit (vergleiche Suura 2: 125) für alle Lebewesen. In Suura 2: 125 ff wird seine besondere Beziehung zu Ibraahiim as erläutert. Der Name Ka'ba, unter dem -seiner Form gemäß -das Gebäude seit jeher bekannt ist, bedeutet "würfelförmiges Gebäude". Es scheint, dass der Erbauer der Ka'ba -die seit Ibraahiims as Zeiten mehrmals in derselben Form wieder aufgebaut wurde -bewusst die denkbar einfachste Form eines dreidimensionalen Gebäudes gewählt hat, den Kubus, als Ausdruck für die Demut und Ehrfurcht des Menschen vor Allah, dessen Größe und Macht über alles hinausgeht, was der Mensch mit architektonischer Schönheit zur Geltung bringen kann. Diese Symbolik wird deutlich in dem Ausdruck “Qijam“ (wörtlich: "Stütze"), der in seinem abstrakten Sinne etwas bezeichnet, wodurch die Angelegenheiten des Menschen gefestigt oder gestärkt werden (Rasi); dementsprechend habe ich den Ausdruck übersetzt mit , „ein Symbol für die ganze Menschheit." (Asad) In Arabien war die Ka'ba nicht nur ein geheiligter Ort, sondern sie nahm eine zentrale Position im Land ein und stabilisierte seine Wirtschaft und Kultur. Menschen aus dem ganzen Land vollzogen dort die Pilgerfahrt, und diese riesige Versammlung trug dazu bei, das Gemeinschaftsgefühl der Araber zu stärken, die ansonsten durch Stammesfehden zersplittert waren. Die Pilger kamen aus den verschiedenen Stimmen und knüpften kulturelle Beziehungen an. Dichterwettkämpfe trugen zum Reichtum ihrer Sprache und Literatur bei. Handel und Gewerbe, die mit diesem Anlass verbunden waren, erfüllte die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen. Die heiligen Monate sicherten den Arabern einen viermonatigen Frieden, die einzige Zeit, in der ihre Karawanen in Sicherheit von einem Ort zum anderen reisen konnten. Der Begriff "qijaam" قِيَام hat noch eine weitere Bedeutung. Einige Gelehrte sind der Ansicht, dass auf der Existenz der Ka'ba selbst im Zentrum religiöser Begeisterung die Existenz der Menschheit beruht. (Siddiqi) 329. Vergleiche Suura 3:194 und 5:3. (Juusuf 'Allii) Allah setzte die Heiligkeit dieser Dinge bei der Erbauung dieses Hauses durch Ibraahiim as und Ismail fest und machte es zum Ort der Sicherheit für die Menschen. Damit erwies Er sogar den heidnischen Arabern Seine Gnade. Sie fühlten sich darin ganz sicher, während die Menschen ringsherum weggerafft wurden. Bei seinem Einzug in Mekka bestätigte der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Heiligkeit der Stadt. Aber auch die Stadt Medina wurde für heilig erklärt gemäß der Aussage des Propheten: , „Ibraahiim hat Mekka für heilig erklärt und betete für sie, und ich habe die Stadt (Medina) für heilig erklärt, so wie Ibraahiim as Mekka." (Qutb) 330. Die als Opfer für Allah markiert sind. (Darjabaadi) Die Pilgerfahrt und die damit verbundenen Riten sind Symbole der Hingabe des Menschen an Allah. (Asad) 331. Allah hat dieses Gebot ausgesprochen, damit der Mensch erfährt, dass Allah alles im Himmel und auf Erden kennt und erfährt, dass Ihm die Disposition des Menschen bekannt ist. Diese Religion entspricht genau der Natur des Menschen und regelt das menschliche Leben in allen seinen Aspekten. (Qutb) Während der Pilgerfahrt treffen verschiedene Menschen aus allen Erdteilen zusammen. Sie dürfen nicht denken, dass sie Fremde sind, dass niemand sie kennt und sie sich verhalten können, wie es ihnen in den Sinn kommt. Dies ist Allahs Haus, und Er hat gründliche Kenntnis von allen Dingen und von allen Gedanken und Motivationen. Wie der nächste Aja besagt, vergibt Er immer wieder um ist barmherzig, aber Er ist auch streng, wenn er Achtung vor seinen ~ fordert. (Juusuf 'Allii) Gründliches Nachdenken über die Weisheit, die in der Heiligkeit der Ka'ba und der mit der Pilgerfahrt verbundenen Restriktionen sowie deren Nutzen enthalten ist, führt zu der Überzeugung, dass Allah, der diese Gebote festgelegt hat, das Wohl und die Bedürfnisse Seiner Geschöpfe von Grund auf kennt. Jedes dieser Gebote nützt verschiedenen Aspekten des menschlichen Lebens. Selbst während des Jahrhunderte langen Chaos vor der Ankunft des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hat Allah die Ka'ba zu einem Mittelpunkt der Sicherheit und des nationalen Lebens der Araber gemacht, obgleich diese selbst es darauf anlegten, dieses zu zerstören. Jetzt schützen diese Gebote die Sicherheit der Muslime. Sie sollen sie deshalb in ihrem eigenen Interesse halten, denn es liegt ein verborgener Nutzen darin, den sie weder vorhersehen noch mit eigenen Mitteln herbeiführen können. (Mauduudi)
98. Wisset, dass Allah streng ist im Strafen332 und dass Er verzeihend, barmherzig ist.333 332. Er ist streng, wenn Er Respekt vor Seinen Geboten fordert und diejenigen bestraft, die verletzen, was Er unverletzlich gemacht hat. (Darjabaadi) 333. Der Aja beinhaltet Drohung wie Verheißung: Drohung für denjenigen, der sich des Kufrs schuldig macht und sich von den Geboten des Buches Allahs abwendet, und Verheißung für denjenigen; der mu’min ist und Rechtes tut. Die Erwähnung der Strafe vor der Verzeihung und Barmherzigkeit ist vielleicht deshalb erfolgt, um darauf hinzuweisen, dass die Strafe oft in Barmherzigkeit und Verzeihung mündet gemäß der Regel, dass Allahs Barmherzigkeit Seinem Unwillen zuvorkommt. (Al-Manar) Darum beeilt euch, Ihm um Verzeihung zu bitten. Wendet euch zu Ihm und erfleht Seine Barmherzigkeit. (Darjabaadi)
99 .Dem Gesandten obliegt nur die Verkündigung der Botschaft. Und Allah weiß, was ihr offenbart334 und was ihr verbergt.335 334. Was ihr mit Worten und Taten bekannt gebt. (Darjabaadi) 335. Was ihr in euren Herzen verbergt, nämlich eure geheimen Gedanken und Gefühle. (Darjabaadi)
100. Sprich: Nicht gleich sind das Schlechte336 und das Gute,337 auch wenn dich die Menge des Schlechten in Erstaunen versetzen mag.338 Darum fürchtet Allah, O ihr, die ihr einsichtig seid, auf dass ihr erfolgreich sein möget! 336. Was Allah ablehnt und verurteilt. (Darjabaadi) 337. Was Sein Wohlgefallen gewinnt. (Darjabaadi) Der Abschnitt schließt ab mit einem Maßstab, den Allah für die Wertschätzung der Dinge einsetzt, und wonach der Muslim abzuwägen und zu beurteilen hat. In seiner Waage soll das Gute überwiegen. Das Böse hingegen soll unbedeutend sein und niemals und nirgends den Muslim durch seine Menge täuschen. Dies ist eine wichtige Ermahnung für die Gemeinschaft, die Allahs Weg auf der Erde verwirklichen und sich für das Gute einsetzen soll. (Qutb) 338. Vergleiche Suura 2:204. Die Menschen urteilen oft nach Quantität statt nach Qualität. Von Zahlen sind sie leicht beeindruckt: ihr Herz wird gefangen genommen durch das, was sie um sich herum wahrnehmen. Aber ein Mensch, der über Vernunft und Unterscheidungsvermögen verfügt, urteilt nach anderen Normen. Er weiß, dass Gutes und Böses nicht miteinander verwechselt werden dürfen, und wählt sorgfältig das Beste aus, das vielleicht das Seltenste sein kann, und vermeidet das Schlechte, auch wenn ihm das Übel auf Schritt und Tritt begegnet. (Juusuf 'Allii) Dieser Aja setzt ein neues Wertesystem ein, das sich grundsätzlich von dem Wertesystem derer unterscheidet, die nur nach dem oberflächlichen Anschein gehen. Nicht Menge oder Anzahl einer Sache bestimmen ihren Wert -beispielsweise bei Geld -sondern die Frage, ob es mit rechtmäßigen oder unrechtmäßigen Mitteln erworben wurde. Der Weise wird sich mit dem Erlaubten zufrieden geben, selbst wenn es unbedeutend und gering erscheint, und niemals versuchen, nach Unerlaubtem zu greifen, selbst wenn es verlockend und großartig aussieht. (Mauduudi)
Abschnitt 13 101. O ihr Mu’mins! Fragt nicht nach Dingen, die, wenn sie euch offenbar würden, euch nur verärgern könnten.339 Doch wenn ihr danach fragt, wenn der Qur’an herabgesandt wird, dann werden sie euch klar erscheinen.340 Allah hat sie aus Grade übergangen.341 Und Allah ist verzeihend, nachsichtig. 339. Verschiedentlich traten Leute an den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, heran mit Fragen über Angelegenheiten, in denen weder ein Gebot noch ein Verbot offenbart worden war, oder sie verlangten eine ausführliche Darlegung von Geboten, die im Qur’an nur mit kurzen Worten zusammengefasst sind. Beispielsweise sagte unser Prophet Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm: "Ihr Menschen, die Pilgerfahrt ist euch vorgeschrieben." Da stand ein Mann auf und fragte: "Jedes Jahr, Gesandter Allahs?" Dieser jedoch wandte sich von ihm ab, worauf ihn der Mann bedrängte und fragte: "Jedes Jahr, Gesandter Allahs?" Da sprach der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm: "Wer ist derjenige, der da spricht?" Die anderen sagten: "Er ist Soundso." Da sagte er: "Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist, wenn ich ja gesagt hätte, dann hätte ich es zur Pflicht gemacht, und wenn ich es zur Pflicht gemacht hätte, würde es über eure Kraft gehen, wenn es über eure Kraft ginge, dann hättet ihr euch von der Religion abgewandt." Darauß1in offenbarte Allah diesen Aja. Eine weitere bekannte Aussage unseres Propheten Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, lautet: "Allah hat euch Pflichten auferlegt, darum vernachlässigt sie nicht; und Er hat Grenzen bestimmt, darum überschreitet sie nicht; und Er hat Dinge geheiligt, darum entweiht sie nicht. Und Er hat euch aus Barmherzigkeit gewisse Dinge verschwiegen, ohne sie vergessen zu haben, darum fragt nicht danach." (Qutb) Der Aja ist direkt mit Aja 102 verbunden, in dem es heißt, dass der Gesandte nur seine Botschaft zu verkünden hat. In Verbindung mit dem Satz "heute habe Ich für euch eure Religion vervollkommnet..." in Aja 3 dieser Suura bedeutet diese Aussage, dass die Mu’mins nicht versuchen sollten, "zusätzliche" Gebote zu den im Qur’an deutlich erklärten oder vom Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, festgelegten Anordnungen herzuleiten, denn, ,dies könnte euch Schwierigkeiten verursachen, das heißt, euch eine zusätzliche Last auferlegen." Aufgrund dieses Ajas haben einige der größten islamischen Gelehrten die Schlussfolgerung gezogen, dass das islamische Gesetz in seiner Gesamtheit aus nichts weiter besteht als den eindeutigen Geboten, die aus dem offenkundigen Wortlaut (Sahir) des Qur’an hervorgehen, und den Anordnungen des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und dass es folglich unzulässig ist, die Reichweite solcher offenkundigen Gebote durch subjektive Herleitungsmethoden zu erweitern. Dies hindert jedoch die muslimische Gemeinschaft nicht daran, bei Bedarf dem Geist des Qur’an und der prophetischen Lehren entsprechende zusätzliche, zeitbedingte Gesetze zu entwickeln; es muss jedoch deutlich hervorgehoben werden, dass diese nicht als Teil des islamischen Gesetzes an sich betrachtet werden können. (Asad) Der Aja wendet sich auch gegen überflüssige und spöttische Scheinfragen, die aus Neugier oder falscher Frömmigkeit gestellt werden. (Darjabaadi) 340. Viele Geheimnisse sind uns wohlweislich verborgen. Wenn uns unsere Zukunft bekannt wäre, dann wären wir nicht notwendigerweise glücklich. Vielfach würden wir uns sogar elend fühlen. Wenn uns die innere Bedeutung einiger von unseren Augen befindlicher Dinge enthüllt würde, könnte dadurch großes Unheil entstehen. Allahs Botschaft liegt klar und offen vor uns, soweit es für die Herausbildung unseres Verhaltens notwendig ist. Aber es gibt vieles, was zu tief ist, als dass wir es verstehen könnten, sowohl individuell als auch kollektiv. Es wäre töricht, die Nase hineinstecken zu wollen, wie es einige Leute zur Zeit des Propheten taten. Wenn etwas im Koran erwähnt wird, können wir mit aller Achtung nach seiner Bedeutung fragen, das ist nicht verboten. Aber wir sollten nicht die Grenzen überschreiten 1. unserer eigenen Fähigkeit des Verstehens, 2. der Zeit und des Anlasses zur Fragestellung, und 3. des Teils des universalen Planes Allahs, den Er uns erst noch offenbaren will. (Juusuf 'Allii) Die Prinzipien des religiösen Gesetzes sind folgende: was der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf sich, nicht erwähnt hat -weder befohlen noch verboten -, das ist erlaubt (mubach), das heißt weder verboten noch obligatorisch. Was er befohlen hat, ist obligatorisch (Fars), und was er verboten hat, ist verboten (Haram), und was immer er uns zu tun befohlen hat, ist verbindlich für uns nur entsprechend unseren Fähigkeiten. Zu beachten ist, dass in diesem Zusammenhang der Begriff "der Prophet" auch den Qur’an mit umfasst, denn durch den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wurde die Botschaft des Qur’an der Menschheit übermittelt. (Asad) 341. "'afaa llahu 'anhaa" عَفَا اللّهُ عَنْهَا kann man nach zwei Auslegungen zweifach übersetzen. Die erste Überlieferung besagt: Die Dinge, nach denen zu fragen euch verboten ist, sind die, die Allah stillschweigend übergangen und euch nicht auferlegt hat. Darum sollt auch ihr darüber schweigen. Dies wird bestätigt durch den Ausspruch des Propheten: "Allah hat über Dinge geschwiegen aus Barmherzigkeit euch gegenüber und nicht aus Vergesslichkeit. Darum fragt nicht danach." Die zweite Auslegung ist die, dass Allah euch euer Fragen vor dem Verbot verziehen hat, gemäß Seiner überaus großen Barmherzigkeit und Nachsicht, wie es auch an einer anderen Stelle im Qur’an heißt: "Allah verzeiht, was bereits geschehen ist." (Al-Manar) Indem Allah gewisse Dinge unausgesprochen und der Entscheidung des Menschen überlassen hat, ermöglicht Er es ihm, in Übereinstimmung mit seinem Gewissen und im besten Interesse der Gemeinschaft zu handeln. (Asad) Anmerkung des Überarbeiters: das menschliche Gehirn reicht nicht aus um machen Dinge zu verstehen. Ein Beispiel ist, ein Kind kann nicht alles nachvollziehen was ein Erwachsener macht. Den die Logik reicht nicht aus, und dass muss man zum Verhältnis Allah Mensch sehen. Der Vergleich ist nicht angebracht, und zu Simpel, dennoch könnte es helfen das zu verstehen, dass wir Menschen nie hinter der Weisheit Allahs kommen könnten.
102. Bereits vor euch haben Leute solche Fragen gestellt.342 Doch sie schenkten ihnen dann den Kufr.343 342. Beispielsweise die Streitfragen, mit denen die Juden Musa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gegenübertraten (vergleiche Suura 2:68-71); sie zeigten damit, dass sie keinen Imaan hatten. Wenn sinnlose Fragen gestellt werden und es keine Antwort darauf gibt, erschüttert dies auch den Imaan der Törichten. (Juusuf 'Allii) 343. Indem sie der Antwort nicht die geringste Aufmerksamkeit schenkten. Vergleiche Lukas 22:67: "... und sprachen: Bist du der Christus, so sage es uns! Er aber sprach zu ihnen: Sage ich's euch, so glaubet ihr's nicht ..." (Darjabaadi) Ein Beispiel für ein Volk, das durch sinnlose und unnütze Fragerei dem Kufr verfiel, ist das der Juden. Zuerst befassten sie sich mit Haarspalterei, die sie zu nutzlosen Fragen über Details der Religion und des Gesetzes führte. Als Folge davon legten sie sich selbst im Laufe der Zeit in dem Maße Einschränkungen auf, dass sie sie nicht mehr befolgen konnten, und machten sich des Ungehorsams und des Kufr schuldig. Wie schade, dass die Muslime trotz der Warnungen des Qur’ans und des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Schritt für Schritt dieser Praxis der Juden folgen! (Mauduudi)
103. Es war nicht Allah, Der (abergläubische Vorstellungen344 wie) eine ba’hira,345 eine sa'iba,346 eine wasila347 oder einen hami348 hervorgerufen hat, sondern es waren die Kaafirs, die eine Lüge gegen Allah ersonnen haben.349 Doch die meisten von ihnen begreifen nicht. 344. Dies bezieht sich auf eine Anzahl abergläubischer Praktiken der heidnischen Araber. In der Vorstellungswelt der Heiden, die nicht die verborgenen Geheimnisse der Natur verstanden, wurden verschiedene Phänomene dem Zorn Allahs zugeschrieben und von abergläubischer Furcht begleitet, die auf ihr gesamtes Leben einwirkte. Die hier erwähnten Einzelbeispiele weisen auf eine allgemeingültige Wahrheit hin: Dass Aberglaube auf Unwissenheit zurückzuführen und somit entwürdigend für den Menschen und Lästerung gegenüber Allah ist. (Juusuf 'Allii) 345. Ein Mutterkamel, dessen Milch die heidnischen Arabern ihren Göttern weihten. Es handelte sich dabei um eine Kamelstute, die zehn Jahre geboren hatte, woraufhin ihr Ohr geschlitzt und sie losgelassen wurde, um frei zu weiden. Wenn sie starb, wurde ihr Fleisch nur von den Männern gegessen, während es den Frauen verboten war. (Darjabaadi) 346. Ein Kamel, das als geweihtes Tier losgelassen wurde, so dass es weiden konnte und nicht mehr zur Arbeit herangezogen werden durfte, gewöhnlich als Erfüllung eines Gelübdes. (Darjabaadi) 347. Als wasila wurde irgendein Haustier bezeichnet, einschließlich Ziege oder Schaf, das beim siebten Wurf beziehungsweise Deckungsakt ein männliches und ein weibliches Junges hervorgebracht hatte. (Darjabaadi) 348. Ein Kamelhengst, der losgelassen wurde, nachdem er zehn Junge gezeugt hatte. (Darjabaadi) Zusammengefasst: Gewisse Arten von Vieh, die aufgrund abergläubischer Vorstellungen ausgesondert und von der Nutzung durch den Menschen ausgenommen wurden. Dies ist auch der Konsens aller Kommentatoren, wie unterschiedlich sie auch die einzelnen Arten definieren mögen. Dass sie hier erwähnt werden (wie auch impliziert in Suura 6:138-139 und 143-144), illustriert im Zusammenhang mit den vorherigen Ajas die willkürliche Erfindung angeblich "religiöser" Gebote und Verbote. (Asad) 349. Diese abergläubischen Riten sind nicht Gebote Allahs, sondern Erfindungen der Unwissenden. (Darjabaadi) Der Islam ist gekommen, um das Innerste des Menschen von den Vorstellungen und den Knoten des Heidentums zu befreien, dem menschlichen Verstand seine Würde zurückzugeben und ihn aus den Schlingen der Götzen und ihrer Anbetung zu befreien. Daher hat er das Heidentum in all seinen Erscheinungsformen aufs Schärfste bekämpft. Er verfolgte es überall, sei es in den Tiefen der Seele oder in den religiösen Riten, in den Lebensregeln, den Vorschriften oder im System. Und dies ist eine der heidnischen Krümmungen der vorislamischen Zeit Arabiens, die der Islam behandelt, um sie zurechtzubiegen. (Qutb)
104. Und wenn ihnen gesagt wird: "Kommt herbei zu dem, was Allah (vom Qur’an) offenbart hat und dem Gesandten," sagen sie: "Uns genügt das, bei dem wir unsere Väter fanden,350 auch wenn ihre Väter überhaupt nichts wissen und wenn sie nicht rechtgeleitet sind? 350. Vergleiche Suura 2:170. Wenn ein Gesandter mit der Wahrheit kommt, um uns eine bessere Lebensweise zu lehren ist es dumm zu sagen: "Uns genügt, was unsere Vorfahren taten." (Juusuf 'Allii) Für die meisten polytheistischen Völker -unter ihnen die vorislamischen Araber -ist die Religion nicht eine Sache der Vernunft und der Offenbarung Allahs, sondern bloßer Brauch -von den Vätern auf ihre Kinder überlieferte Riten und Dogmen. (Darjabaadi) Viele Araber waren der Annahme, sie folgten der Religion Ibraahiims as, die dieser von Allah gebracht hatte, denn sie hatten Allah nicht gänzlich verleugnet, sondern wussten um Seine Existenz, Seine Macht und Seine Lenkung der Geschehnisse des Daseins. Sie hatten jedoch selbst zusätzlich für sich Gesetze gemacht, die sie dann Allah zuschrieben. Somit waren sie in den Kufr hineingeraten, wie alle Unwissenden immer und überall. (Qutb)
105. O ihr Mu’mins! Ihr seid nur für euch selbst verantwortlich.351 Wer irregeht, kann euch keinen Schaden zurügen, solange ihr (selbst) rechtgeleitet seid.352 Zu Allah wird euer aller Rückkehr sein.353 Dann wird Er euch Kunde davon geben, was ihr zu tun pflegtet.354 351. In erster Linie. Die nächstliegende Pflicht für jeden einzelnen ist es, seine eigene Seele zu retten und sich nicht unangemessen um andere zu sorgen. Vergleiche im Neuen Testament Galater 6:4-5: "Ein jeglicher aber prüfe sein eigen Werk; und alsdann wird er an sich selbst den Ruhm haben und nicht an einem anderen; denn ein jeglicher wird seine Last tragen."(Darjabaadi) Solange ihr euch nämlich an den Pfad des Rechts und der Tugend haltet und eure Pflicht gegenüber anderen erfüllt, indem ihr sie zur Rechtschaffenheit mahnt, berührt es euch wenig, wenn sie auf ihrer Schlechtigkeit und ihrem willkürlichen Ungehorsam bestehen. (Darjabaadi) 352. Dies ist eine Warnung vor einer gewöhnlichen menschlichen Schwäche. Einige Menschen halten ständig Ausschau nach den Fehlern anderer, um sie zu kritisieren. Sie werden hier ermahnt, ihre Aufmerksamkeit auf ihre eigenen Handlungen, Moralvorstehungen und Religionsüberzeugungen zu konzentrieren, statt sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen. Wenn ein Mensch selbst Allah gehorsam ist, seine Pflichten gegenüber Allah und den Menschen erfüllt und den Pfad von Tugend und Rechtschaffenheit beschreitet, wozu es sicherlich auch gehört, Gutes zu verwirklichen und Böses auszurotten, dann kann die Bosheit und Schlechtigkeit anderer ihm nicht schaden. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass ein Mensch nur auf sein eigenes Heil bedacht sein und die Reformierung anderer außer acht lassen sollte. Abu Bakr As-Siddiq wies dieses Missverständnis in einer Ansprache zurück, indem er sagte: "Ihr Leute, ihr tragt diesen Aja vor und interpretiert ihn falsch. Ich selbst habe den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagen hören: „Wenn ein Volk so gleichgültig wird, dass es Böses sieht und nicht versucht, es zu entfernen, oder einen ungerechten Menschen sieht, wie er Unrecht tut, und nicht versucht, ihn davon abzubringen, kann Allah alle dafür bestrafen.“ Ich schwöre bei Allah, dass es eure Pflicht ist, Gutes zu gebieten und Böses zu verwehren; sonst wird Allah euch dem schlimmsten Volk ausliefern, das euch unterdrückt. Dann werden die Guten unter euch Gebete sprechen, aber Er wird sie nicht annehmen." (Mauduudi) Rechtschaffenheit und Liebe zu Allah verlangt, anderen Menschen den Weg der Rechtschaffenheit und Frömmigkeit zu zeigen. Wenn ihr euer Möglichstes getan habt, die Menschen für die Sache der Rechtschaffenheit aufzurufen, dann habt ihr euer Bestes getan und seid in keiner Weise verantwortlich für die Missetaten anderer. Die Verantwortung für ihre Sünden liegt allein bei ihnen. (Siddiqi) 353. Darum seid nicht ungeduldig, wenn die Bösen nicht gleich bekommen, was sie verdienen. (Darjabaadi) 354. Vergleiche Suura 5:51. Die Einheit Allahs wird Meinungsunterschiede klären. Die Einheit des Richters wird dem Verhalten jedes einzelnen sein Recht zukommen lassen, wie verschieden in der Form es auch in dieser Welt in Erscheinung getreten ist. (Juusuf ’Allii) In diesem einen Aja wird der politische Aspekt im Wesen der muslimischen Gemeinschaft und im Wesen ihrer Beziehungen zu den übrigen Gemeinschaften und Nationen umrissen. Die muslimische Gemeinschaft ist Allahs Partei, und es ist ihre Pflicht, sich untereinander zu solidarisieren, zu beraten und zu ermahnen und sich führen zu lassen. Alsdann soll es sie nicht kränken, wenn die Menschen um sie herum irregehen. Dies heißt aber nicht, dass sie von ihrer Pflicht entbunden sind, die Menschen allesamt zur Rechtleitung aufzurufen. (Qutb)
106. O ihr Mu’mins! (Nehmt) Zeugen aus euren Reihen, wenn sich bei einem von euch die Zeichen des (nahenden) Todes einstellen. Dann sollen zwei eurer rechtschaffenen, ehrenvollen Männer,355 Zeugen der letztwilligen Verfügung sein,356 oder zwei andere, die nicht zu euch gehören, falls ihr auf Reisen seid und euch das Schicksal des Todes ereilt. Haltet sie nach dem Gebet auf und lasst sie beide bei Allah schwören, sofern ihr Zweifel hegt: "Wir wollen dadurch keinen Gewinn erzielen,357 selbst wenn es sich um einen Verwandten handelt,358 und wir werden Allahs Zeugnis nicht verschweigen, sonst wären wir wahrlich Sünder." 355. Personen mit Ehre und Integrität. (Darjabaadi) "Minkum" مِّنكُمْ (wörtlich: von euch) bedeutet nach Ansicht der meisten Kommentatoren "aus eurer eigenen Gemeinschaft", nämlich der muslimischen. (Asad) 356. Solche, die keine Muslime sind. (Darjabaadi) Wenn keine Muslime zur Verfügung stehen, ist es erlaubt, Nichtmuslime heranzuziehen. (Mauduudi) 357. Selbst wenn er mit uns verwandt ist und unser Zeugnis zu seinen Gunsten ausfällt. (Darjabaadi) 358. Dieser Schwur sollte die entscheidende Rolle spielen und die Angelegenheit hiermit beendet sein. Sollte sich jedoch herausstellen, dass der Eid falsch war, dann müssen -wie im nächsten Aja erwähnt -andere Beweismittel herangezogen werden. (Juusuf 'Allii) Wer spürt, dass sein Ende naht, hat die Pflicht, wenn er seinen Verwandten seinen Besitz vermachen will, zwei rechtschaffene Muslime herbeizurufen, um ihnen das zu übergeben, was er seinen nicht anwesenden Angehörigen vermachen will. Dies ist so im Fall, dass er sich zuhause befindet. Ist er aber auf Reisen, und es lassen sich keine Muslime finden, die er mit dieser Aufgabe betrauen kann, so dürfen diese zwei Zeugen Kaafir sein. Hegen die Muslime oder die Verwandten des Toten Zweifel an der Richtigkeit der Zeugenaussage und an ihrer Aufrichtigkeit, so können sie die Zeugen je nach Religionszugehörigkeit nach der Verrichtung des Gebets zurückhalten und sie bei Allah schwören lassen, dass sie nicht nach Vorteil für sich oder für andere trachten. Alsdann wird ihre Zeugenaussage angenommen. (Qutb)
107. Doch wenn sich herausstellt, dass sich die bei den einer Sünde schuldig gemacht haben, dann sollen zwei andere an ihrer Stelle vortreten aus dem Kreis der nächsten Anverwandten, die ein Recht zu beanspruchen baben.359 Sie sollen bei Allah schwören: "Wir bezeugen wahrhaftig, unsere Zeugenaassage ist aufrichtiger als ihre Zeugenaussage, und wir Wollen damit niemanden verletzen. Sonst würden wir wahrlich Unrecht tun. 359. Zwei andere, und zwar in diesem Fall von den Erben, gegen deren Interessen sich die Vollstrecker nun bekanntlich vergangen haben. (Darjabaadi) "Istahaqqa" اسْتَحَقَّا: er verdient, etwas (Gutes oder Böses) zugeschrieben zu bekommen. Daher die verschiedenen Bedeutungen: 1. er beging eine Sünde oder machte sich schuldig; 2. er beanspruchte ein ihm zustehendes Recht (auf Eigentum) oder macht seinen Anspruch geltend. Es gibt einen Präzedenzfall aus der Zeit des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm: Ein Mann aus Medina starb unterwegs, nachdem er seine Waren zwei Freunden anvertraut hatte, die sie seinen Erben in Medina überbringen sollten. Sie jedoch unterschlugen einen wertvollen Silberbecher. Als sich dieser Sachverhalt herausstellte, wurden denjenigen, die mit den wahren Verhältnissen vertraut waren, Eide abgenommen und der Gerechtigkeit Genüge getan. (Juusuf 'Allii)
108. Dies ist besser, damit sie wahrheitsgemäßes Zeugnis ablegen360 oder fürchten, dass Eide nach ihren Eiden gefordert werden.361 So fürchtet Allah und gehorcht! Und Allah leitet nicht das Volk der Frevler. 360. Entsprechend der Absicht des Erblassers. (Darjabaadi) 361. Das heißt die Eide, mit denen die Erben den Eiden der Vollstrecker widersprechen. (Darjabaadi) Wörtlich: "Damit nicht (widersprechende) Eide nach ihren Eiden geboten werden. (Asad) Dies sind die geeignetesten Mittel um den Zeugen dazu zu veranlassen, wahrheitsgemäß auszusagen. Wenn er nämlich nach dem Gebet in aller Öffentlichkeit schwört, so bemüht er sich, das ihm Anvertraute weiterzugeben, ohne etwas daran zu verändern, entweder aus Ehrfurcht vor Allah oder aus Furcht vor Seiner Bestrafung oder um Lohn von Ihm zu erhalten. Und wenn nicht aus diesen Gründen, dann aus Angst vor einer Bloßstellung, da er sich einer Sünde schuldig gemacht hat und seine Zeugenaussage zurückgewiesen wurde. (Al-Manar)
Abschnitt 15 109. Und (gedenket) des Tages, an dem Allah die Gesandten zusammenbringen und sagen wird:362 "Was war die Antwort auf euer Aufruf?" Sie werden sagen: "Wir besitzen kein Wissen. Wahrlich, Du bist Derjenige, der das Verborgene weiß."363 362. In Anwesenheit ihrer Völker. (Darjabaadi) Die Gesandten, die Er im Laufe der Zeiten über alle Teile der Erde verteilt und an die verschiedenen Nationen gesandt hat, alle mit einer einzigen Botschaft, so verschieden die Zeiten, die Orte und die Völker auch waren.. (Qutb) 363. Hier wird uns eine Szene am Tage des Gerichts vorgestellt, die die Verantwortung und auch die Grenzen jener Männer Allahs beschreibt, die entsandt wurden, Allahs Botschaft den Menschen zu predigen -hier mit besonderer Bezugnahme auf die Botschaft Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Die Gesandten wurden geschickt, um die Wahrheit zu verkünden. Es war für sie unvorstellbar und liegt außerhalb ihrer Verantwortung, welche phantastischen Formen ihre Botschaft durch die Reaktion der Menschen darauf angenommen hat. (Juusuf 'Allii) Die Propheten sind Menschen wie andere auch. Sie kennen nur das offen Sichtbare, nicht das Verborgene. Der Gesandte kann weder die Echtheit der Überzeugung des einen, noch die Beweggründe für die Ablehnung des anderen kennen. Er kann nur die Dinge so beurteilen wie sie erscheinen. Tiefgehende Kenntnisse aber besitzt nur Allah allein. (Qutb) Sie kannten weder zu ihren Lebzeiten die geheimen Gedanken und Absichten ihrer Völker, noch konnten sie voraussehen, was diese nach dem Tod ihres Propheten glauben und praktizieren würden. (Darjabaadi) Vergleiche Aja 102: Die Pflicht eines Gesandten ist lediglich, seine Botschaft zu übermitteln -denn weder kann er Menschen zwingen, dem rechten Pfad zu folgen, noch kann er wissen, was in ihren Herzen ist. Vergleiche auch Suura 4:41-42. (Asad)
110. Und wenn Allah sagen wird: ,,O ’Isa, Sohn der Marjam! Gedenke Meiner Gnadenerweise364 an dir und deiner Mutter, als Ich dich durch den heiligen Geist unterstützte,365 so dass du zu den Menschen in der Wiege und im Mannesalter sprachst,366 und als Ich dich die Schrift und die Weisheit lehrte367 und die Thora und das Evangelium,368 und als du aus Lehm etwas in Gestalt eines Vogels formtest6369 mit Meiner Ermächtigung370 und ihm (Leben) einhauchtest und es ein Vogel wurde mit Meiner Ermächtigung,371 und als du die Blinden und die Aussätzigen heiltest mit Meiner Ermächtigung,372 und als du die Toten wieder ins Leben zurückriefst373 mit Meiner Ermächtigung. Und (gedenke der Zeit) als ich die Kinder Israels von dir zurückhielt,374 als du mit den klaren Beweisen zu ihnen kamst und die Kaafirs unter ihnen sagten: „Dies ist nichts anderes als offenkundige Zauberei.“375 364. In einer feierlichen Szene beim Jüngsten Gericht wird Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, aufgefordert, alle Wohltaten und Gnadengeschenke aufzuzählen, die Allah ihm hat zukommen lassen, so dass sich seine Anhänger ihrer Undankbarkeit schämen, seine Botschaft entstellt zu haben, während sie aus ihrer Reinheit und geistigen Wahrheit so viel Nutzen hätten ziehen können. Dieses Argument wird bis zum Ende der Suura fortgesetzt. (Juusuf ’Allii) Die Ansprache wird in aller Öffentlichkeit vor seinen Anhängern, die ihn zu Allah erhoben und angebetet haben, an 'Isa. Allahs Segen und Frieden auf im, gerichtet, vor den Anhängern, die Geschichten und Übertreibungen um ihn und um seine Mutter erdichtet haben. Zuerst wird er an die vielen Gnadenerweise Allahs an ihm und an seiner Mutter erinnert, und die Wunder werden aufgeführt, die ihm Allah mitgab, durch die die Menschen zur Religion geführt werden sollten. Als erstes wird die Unterstützung durch den heiligen Geist in seiner Kindheit erwähnt, so dass er im Säuglingsalter mit den Menschen redete. Dann die Freisprechung seiner Mutter von den Anschuldigungen, die seine ungewöhnliche Geburt aufgeworfen hatte, alsdann die Fähigkeit, im Mannesalter zu den Menschen zu sprechen, um sie zum Imaan an Allah aufzurufen; dass ihm das Lesen beigebracht und ihm die Fähigkeit verliehen wurde, in allen Angelegenheiten mit Weisheit zu urteilen. Allah lehrte ihn die Thora, die bei den Kindern Israels bereits vorhanden war, und das Evangelium, das ihm Allah offenbarte. Ihm wurde auch die Vollbringung mancher Wunder mitgegeben, wozu kein Mensch fähig wäre, außer mit Allahs Ermächtigung. (Qutb) 365. "Der heilige Geist" (Ruuch Al-Qudus رُوحِ الْقُدُسِ ) kann sieh beziehen auf die Offenbarungen oder den Engel Dschibriil, der sie den Propheten überbrachte, oder auf die ,heilige Seele Isas as, die Allah in Reinheit erschaffen hat. Der Begriff "ruuch" wird im Qur’an auch im Sinn von Eingebung verwendet -siehe 16:2,40:15,42:52,58:22,97:4. ,Der heilige Geist" hat außer dem Namen nichts gemeinsam mit dem ,Heiligen Geist' des Christentums der dritten Person der ,Heiligen Dreieinigkeit". (Siddiqi) 366. Die Sendung Allahs Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, soll nur drei Jahre gedauert haben, von seinem 30. bis zu seinem 33. Lebensjahr, als er angeblich gekreuzigt wurde. Doch im Neuen Testament (Lukas 2:46) wird davon gesprochen, dass er bereits als Knabe mit den Rechtsgelehrten im Tempel diskutierte und sogar schon vorher (Lukas 2:40), dass "das Kind aber wuchs und erstarkte in der Fülle der Weisheit. In einigen apokryphen Evangelien ist die Rede davon, dass er bereits im Kindesalter predigte. (Juusuf 'All) 367. Mit der "Schrift" könnte das Evangelium bzw. die Thora gemeint sein, auch die eigentliche Fähigkeit des Lesens und Schreibens. (Qutb) 368. "Und die Thora und das Evangelium". Die Konjunktion "und" am Anfang dieses Ausdrucks soll die Tatsache betonen, dass sowohl Thora als auch Evangelium in der Isa. Allahs Segen und Frieden auf ihm, übermittelten Offenbarung (Al-Kitab) enthalten waren. Obgleich die Thora eine ältere Offenbarung war, wird gesagt, dass sie Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gelehrt wurde, denn seine eigene prophetische Sendung war auf dem Gesetz Musa. Allahs Segen und Frieden auf ihm, begründet, das durch das Evangelium nur bestätigt, nicht aber aufgehoben werden sollte (vergleiche Matthäus 5:17-.19). (Asad) 369. Das Wunder der Lehmvögel ist in einigen der apokryphen Evangelien zu finden; das des Heilens der Blinden und Aussätzigen und des Auferweckens der Toten in den kanonischen Evangelien. Das ursprüngliche Evangelium bestand nicht aus den verschiedenen Geschichten, die erst später von den Jüngern aufgeschrieben worden sind, sondern aus der Botschaft, die Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst verkündet hat. (Juusuf 'Allii) Das Bemerkenswerte an dieser Ansprache ist, dass sie aus Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, eigenem Munde kommt, so wie es Marjam von Allah vorausgesagt wurde und später tatsächlich eintraf. Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, stellt dabei klar, dass ein jedes "seiner" Wunder ein Wunder von Allah ist. (Qutb) 370. Das heißt, durch Allahs Willen, nicht durch Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Willen. (Darjabaadi) 371. Der Begriff "tayr" oder auch "ta'ir" طَّيْرِ wird im vorislamischen Sprachgebrauch wie auch im Qur’an oft im Sinne von" Schicksal' , benutzt (vergleiche beispielsweise Suura 7:131; 27:47 oder 36: 19, oder noch deutlicher in Suura 17:13). Beispiele für diesen idiomatischen Gebrauch der Begriffe sind in allen maßgeblichen Lexika zu finden. Auf diese Weise wird auf die von Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, so geliebte gleichnishafte Art darauf hingewiesen, wie er aus dem "Lehm" des (sehr materialistischen -Anm. d. Übers.) Lebens der Kinder Israel für sie die Zukunftsperspektive geistiger Erhebung schafft, und dass diese Zukunftsperspektive, belebt durch Allahs Inspiration, durch Seinen Willen und mit ihrem Imaan, in ihrem Leben verwirklicht werden kann. (Asad) Ob es sich hier um ein Gleichnis oder um eines der Wunder Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, handelt, entzieht sich unserem begrenzten menschlichen Wissen -Anm. d. Übers. Der Ausdruck "mit Meiner Ermächtigung" soll darauf hinweisen, dass Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, diese Fähigkeit nicht stets hatte, wie die normalen körperlichen Funktionen, sondern dieses Wunder wurde nur erbracht, wenn Allah ihm die Erlaubnis und die Ermächtigung dazu gab (Al-Manar). 372. Alle diese Wunder wurden für Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, getan, nicht von ihm. (Darjabaadi) Beachte, wie die Worte, ,mit Meiner Ermächtigung" bei jedem dieser Wunder wiederholt werden, um damit zu betonen, dass sie nicht aus Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Macht oder Willen heraus geschahen, sondern aus Allahs Macht und Willen heraus und mit Seiner Erlaubnis, denn Er ist erhaben über Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und alle anderen Sterblichen. (Juusuf 'Allii) 373. Vergleiche Suura 3:49, sowie für die übertragene Bedeutung auch Suura 6: 122. (Asad) 374. Lange vor ihrem Versuch, Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu kreuzigen, hatten die Juden es auf sein Leben abgesehen: vergleiche Lukas 4:28-29. Ihr Versuch, ihn zu kreuzigen, schlug schließlich auch fehl, vergleiche Suura 4: 157. (Juusuf 'Allii) 375. Nach Lukas 11:15 beispielsweise wurde Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nach der Austreibung eines Teufels aus einem Menschen vorgeworfen, er triebe den Teufel durch den Obersten der Teufel aus, das heißt, man beschuldigte ihn, Schwarze Magie zu betreiben. Im Qur’an wird ein solches Wunder der Teufelsaustreibung nicht erwähnt, und wir werden auch nicht aufgefordert, an dämonische Besessenheit dieser Art zu glauben. Aber Musa, Isa und Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, wurden von denjenigen, die keine andere Erklärung für Allahs Machtausübung finden wollten, der Magie und Zauberei bezichtigt. (Juusuf 'Allii) Wie merkwürdig ist doch die Mentalität fehlgeleiteter Menschen! Wenn sie in einem Menschen göttliches Wirken feststellen, versgöttlichen sie diesen Menschen, oder sie setzen ihn herab auf die Stufe der Hexenmeister, wobei sie die durch ihn sichtbar gewordenen Wunder als Magie abtun. (Siddiqi)
111. Und (gedenke der Zeit) als Ich den Jüngern376 eingab, dass sie an Mich und an Meinen Gesandten den Imaan verinnerlichen sollten.377 Sie sagten: „Wir haben den Imaan gewiss verinnerlicht. So bezeuge, dass wir (Allah) ergeben378 sind. 376. "Hawariun" -hier mit Jüngern übersetzt -ist der Plural von Hawari, was soviel bedeutet wie "derjenige der aufrichtig zu einem ist, treu in seiner Freundschaft, insgeheim und öffentlich". In der Grundsprache bedeutet es: reine weiße Farbe. (Al-Manar) 377. Das heißt: Auch der Imaan der Jünger war eines der Gnadengeschenke Allahs für Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm; er selbst hätte nicht die Macht gehabt, einen einzigen Menschen auf den rechten Weg zu bringen. (Mauduudi) 378. Das heißt Muslime sind. (Anm. d. Übers.) Vor oder nach der Sendung Muchammeds auf dieser Erde sind alle, die sich Allahs Willen unterwerfen, Muslime, und ihre Religion ist Islam ("Hingabe an Allah"). Vergleiche auch Suura 3:52 und Fußnote. (Juusuf 'Allii) Die ersten Jünger Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, glaubten an ihn nicht als Sohn Allahs, sondern als Gesandten Allahs, so wie sie auch an Allahs Einheit und das Prophetentum Seiner Gesandten den Imaan verinnerlichten, wie es der Überzeugung der Muslime entspricht. (Siddiqi)
112. (Gedenke der Zeit) als die Jünger zu Isas, dem Sohn Marjams, sagten: "Kann dein Herr379 uns einen Tisch380 vom Himmel herabsenden?" Er sagte: "Fürchtet Allah, wenn ihr den Imaan verinnerlicht habt seid."381 379. Dieser Dialog enthüllt uns die Natur des Volkes Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und insbesondere der Auserwählten unter ihnen, der Jünger. Es wird ein großer Unterschied zwischen ihnen und den Gefährten des Propheten Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, deutlich. Die Jünger, denen Allah den Imaan an Ihn und an 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, eingab, so dass sie nicht nur den Imaan verinnerlichten, sondern Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zum Zeugen ihrer Ergebenheit machten, verlangen trotz allem, was sie an Wunder Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesehen haben, nach einem neuen Wunder, um ihre Herzen damit zu beruhigen und die Gewissheit zu bekommen, dass er ihnen die Wahrheit gesagt hat, und um 'als Zeugen für ihre Nachkommen aufzutreten. Muchammeds, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Gefährten aber verlangten nach ihrem Bekenntnis zum Islam kein einziges Wunder. Durch ihre Imaan waren sie sicher im Herzen und sie verlangten danach keine Beweise seiner Aufrichtigkeit von ihm. Sie verinnerlichten den Imaan an ihn, ohne dass ein Wunder vollbracht worden wäre außer dem Wunder dieses Qur’ans. Die Kommentare über "Kann dein Herr..." sind unterschiedlich. Wie konnten die Jünger in dieser Formulierung eine solche Frage stellen, nachdem sie an Allah den Imaan verinnerlichten und Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zum Zeugen ihrer Ergebenheit machten! Die einen meinen, dass nicht das "Können" hier gemeint sei, sondern die erforderliche Macht, ihnen den Tisch herabzusenden. Dagegen meinen die anderen, dass es bedeuten soll: "Wird deine Bitte erfüllt, wenn du sie aussprichst?" Wie dem auch sei, Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, antwortete ihnen, indem er sie davor warnte, Wunder zu wünschen, denn dies sei kein Merkmal der Mu’mins. (Qutb) Die Frage, „Kann dein Herr..." im Munde der mu’min Jünger kann nur folgendes bedeuten: gibt es nicht vielleicht irgendetwas in Allahs Plan, das einem solchen Wunder entgegensteht? (Darjabaadi) 380. Ma'ida bedeutet nicht nur "ein Tisch mit Speisen darauf", sondern auch "Speisen an sich" ohne einen Tisch. In diesem Zusammenhang ist möglicherweise nicht von einem Tisch die Rede. Es geht wohl um ein Wunder von zubereiteter himmlischer Speise, um das die Jünger baten. (Darjabaadi) Die Geschichte von der himmlischen Speise wird in den Evangelien, wie sie heute bestehen, oder in anderen Schriften der Christen nicht erwähnt. Die heute in der Bibel enthaltenen Evangelien sind nicht identisch mit dem Evangelium (Indschil), das Allah Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm offenbart hat; jedoch erscheint in den biblischen Evangelien ein Anklang an dieses Speisewunder in einer abgewandelten Form, beispielsweise in Matthäus 15:32-38: "Und Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach: Es jammert mich des Volkes; denn sie sind nun schon drei Tage lang bei mir und haben nichts zu essen, und ich will sie nicht ohne Speise von mir lassen, auf dass sie nicht verschmachten auf dem Wege. Da sprachen zu ihm seine Jünger: Woher sollen wir soviel Brot nehmen in der Wüste, dass wir so viel Volk sättigen? Und Jesus sprach zu ihnen: Wie viel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben und wenige Fischlein. Und er hieß das Volk sich lagern auf die Erde und nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. Und sie aßen alle und wurden satt; und hoben auf, was übrig blieb von Brocken, sieben Körbe voll. Und die da gegessen hatten, waren viertausend Mann, ohne die Frauen und Kinder." Ähnliche Versionen sind in den anderen biblischen Evangelien zu finden. (Qutb) 381. Die Bitte der Jünger klingt ein bisschen nach 1. Mangel an Imaan; 2. zu großer Wertschätzung physischer Nahrung; und 3. einem naiven Wunsch nach Zeichen und Wundern. All dies ist auch in den kanonischen Evangelien feststellbar. 1. Ziemlich am Anfang der Geschichte (Lukas 5:8) bittet Simon Petrs Jesus, von ihm fortzugehen, da er (Simon) ein sündiger Mensch sei. Derselbe Petrus verleugnet später schamlos mehrmals seinen Meister, als sich dieser in der Hand seiner Feinde befindet. Einer der Jünger ist es sogar, der Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verrät. 2. Selbst in den kanonischen Evangelien geht es in zahlreichen Wundererzählungen um Speise und Trank, beispielsweise die Verwandlung von Wasser in Wein (Johannes 2:1-11), die Verwandlung von fünf Broten und zwei kleinen Fischen in Speise für 5000 Menschen (Johannes 6:5-13) (das einzige Wunder, das in allen vier Evangelien geschildert wird), die wunderbare Anzahl der gefangenen Fische (Lukas 5:4-11), der Fluch gegen den Feigenbaum, weil er keine Früchte trug (Matthäus 21: 18-19), die Allegorie von Jesu Fleisch und Blut, das gegessen und getrunken wird (Johannes 6:53-57).3. Da die Samariter Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht in ihrem Dorf beherbergen wollten, verlangten die Jünger Jakobus und Johannes, dass ein Feuer vom Himmel herabfallen und sie verzehren sollte (Lukas 9:54). (Juusuf 'Allii) Die Worte Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm zeigen deutlich, dass er die Forderungen seiner Jünger nicht befürwortet, denn sie beinhalten einen naiven Wunsch nach Wundem als Beweis für Allahs Wohltaten. (Siddiqi)
113. Sie sagten: "Wir wollen davon essen und unsere Herzen beruhigen und erkennen, dass du uns, die Wahrheit gesagt hast, und dass wir dafür Zeugnis ablegen."382 382. Trotz Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Ermahnung zur Taqwa bestehen jedoch die Jünger weiterhin auf ihrer Bitte, Sie wollen von diesen einzigartigen Speisen essen, die auf dieser Erde nicht ihresgleichen haben, und mit diesem Wunder, das sich vor ihren Augen vollzogen hat, ihre Herzen beruhigen. (Qutb) Ihr vorrangiger Wunsch war es, an dem darin liegenden Segen teilzuhaben und Zeugen dafür zu sein. (Darjabaadi)
114. Da sagte Isa, der Sohn Marjams: ,,O Allah, unser Herr, sende uns einen Tisch vom Himmel herab,383 damit es ein Fest384 für uns sei, für den ersten und den letzten von uns, und ein Zeichen von Dir,385 und versorge uns, denn Du bist der beste Versorger.386 383. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass in der Bitte der Jünger keine Respektlosigkeit oder Arroganz enthalten war. (Darjabaadi) Das heißt: Als 'Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Aufrichtigkeit ihrer Absicht erkannt und dass sie nicht Allahs Macht auf die Probe stellen wollten, sprach er diese Bitte aus. (Al-Manar) 384. Das Wort 'Id wird nicht nur für Freude und Glück benutzt, sondern auch für religiöse und volkstümliche Feste. Deswegen hat "Al-Suddi" in seiner Erklärung d |