Von Suura 4 "Die Frauen" Aja 24 - 147

 

24. Und (verboten sind euch auch) die Unbescholtenen unter den Frauen, mit Ausnahme derer, die ihr besitzt59 Eine Vorschrift Allahs (für euch. Und davon abgesehen ist euch erlaubt, dass ihr mit eurem Vermögen (Ehefrauen zu erlangen) sucht, in Keuschheit und nicht in Unzucht.60 Und für (die Annehmlichkeiten) die ihr an ihnen genossen habt, gebt ihnen (als Entschädigung) die vorgeschriebene Morgengabe.61 Und es ist kein Vergehen (für euch, wenn ihr euch nach Aussetzen der Morgengabe (anders) einigt.62 Wahrlich, Allah ist wissend, weise.63

59. Der Begriff "Al-Muchsenaa" الْمُحْصَنَا bedeutet wörtlich "eine Frau, die (gegen Unkeuschheit) gefestigt ist". Dies hat wiederum drei Bedeutungen:

1) "eine verheiratete Frau",

2) "eine keusche Frau", und

3) "eine freie Frau". Nach Ansicht fast aller Gelehrten bedeutet "Al-Muhsanat" im obigen Zusammenhang "verheiratete Frauen".

(wörtl:) "Die eure Rechte besitzt": das heißt Gefangene im Dschihaad, dem Kampf unter der Führung eines gerechten Imaam gegen diejenigen, die den Islam bedrohen. In solchen Fällen lösen die Feindseligkeiten zwischenmenschliche Bindungen auf. (Juusuf 'Allii)

Wenn die Beziehungen der weiblichen Kriegsgefangenen zu ihren kaafir Ehemännern im Dar-ul-Harb abgeschnitten sind, gelten sie nicht als verheiratete Frauen, und es ist erlaubt, sie zu heiraten, nachdem man sich vergewissert hat, dass sie nicht schwanger sind. Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass die Muslime ihre Gefangenen immer mit Respekt ihrer Menschlichkeit gegenüber behandelt haben. (Qutb)

Die Kommentatoren, die obige Ansicht vertreten, gehen davon aus, dass man eine Sklavin heiraten kann ohne Rücksicht darauf, ob sie in ihrem Ursprungsland einen Ehemann hat oder nicht. Ganz abgesehen von den grundlegenden Meinungsverschiedenheiten selbst unter den Sahaba vertreten einige der bekanntesten Kommentatoren die Ansicht, dass "maa malakat aimaanukum" مَا مَلَكَتْ أَيْمَانُكُمْ hier bedeutet "Frauen, die durch die Ehe euer sind", so z.B. Rasi, der darauf hinweist, dass sich jeder Aja an die Erwähnung der verbotenen Verwandtschaftsgrade anschließt und das Verbot sexueller Beziehungen zu allen Frauen außer der eigenen Ehefrau betonen soll. (Asad)

60. Nach der Definition der verbotenen Verwandtschaftsgrade besagt dieser Aja weiter, dass alle nicht aufgeführten Frauen geheiratet werden dürfen, aber selbst dann nicht des bloßen Lustgewinnes wegen, sondern um zwischen den Geschlechtern die Keuschheit zu fordern. "Heirat" wird hier mit jenem Ausdruck bezeichnet, der im ursprünglichen Arabisch an "Festung" (hisn) erinnert: die Institution der Ehe ist sozusagen eine Festung der Keuschheit. (Juusuf 'Allii)

Zur Eheschließung gehört die juristisch angemessene Form mit allen ihren Erfordernissen mindestens zwei Zeugen, gegenseitiges Einverständnis und die Absicht zu einer dauernden Bindung. (Siddiqi)

Die Institution der Ehe erlaubt sexuelle Beziehungen von Mann und Frau zur Fortpflanzung des Menschengeschlechts und zur Förderung von Liebe und Einigkeit zwischen den Partnern. Die Heiligkeit der Ehe gehört zu den Grundzügen der islamischen Rechtsprechung. "Wirkliche Befriedigung," sagt ein amerikanischer Beobachter, "kommt nicht von bloßer sexueller Erfahrung, sondern von einer dauerhaften Beziehung, die auf Liebe, Hingabe und Zärtlichkeit aufgebaut ist." (Darjabaadi)

61. Da in der Ehe die Frau ihre Person hingibt, muss auch der Mann (außer einem Teil seiner Unabhängigkeit) zumindest, entsprechend seinem Vermögen, etwas von seinem Eigentum hingeben. Darauf ist das Gesetz der "Brautgabe" begründet. Ein Mindestmaß für die Brautgabe ist vorgeschrieben, aber man braucht sich nicht mit diesem Mindestmaß zu begnügen, und bei der Schaffung einer neuen Gemeinschaft wird den Partnern empfohlen, sich gegenseitig Vertrauen und Großzügigkeit zu erweisen. (Juusuf 'Allii)

62. Indem man die Morgengabe erhöht, vermindert oder ganz absetzt. (Al-Manar)

63. Diese beiden Attribute Allahs werden hier erwähnt, um die Menschen daran zu erinnern, dass sie ihre Motivationen und Absichten zwar vor Menschen verbergen können, Allah diese aber sehr wohl kennt. Gleichzeitig sollten sie bedenken, dass alle diese Gebote und Anordnungen nicht von einem Willkürherrscher stammen, sondern von einem all weisen Herrn, Der sie Seiner unendlichen Weisheit entsprechend angeordnet hat. (Siddiqi)

 

25. Und wer von euch nicht die Mittel hat, um freie, unbescholtene, mu’min Frauen zu heiraten, der (heirate jene) unter den mu’min Mägden, die euch gehören.64 Und Allah kennt euren Imaan am besten.65 Die einen von euch sind von den anderen.66 Und heiratet sie mit Erlaubnis ihrer Angehörigen. Und gebt ihnen ihre Brautgabe auf angemessene Weise.67 Sie sollten keusch sein, nicht Unzucht treiben und sich keine Liebhaber nehmen.68 Und wenn sie (durch Heirat) frei geheiratet haben und sich dann einer Unsittlichkeit schuldig machen, dann soll ihnen nur die Hälfte der Strafe zuteil werden wie freien, verheirateten Frauen.69 Dies gilt für den unter euch, der fürchtet, sich zu versündigen. Und dass ihr Geduld übt ist besser für euch.70 Und Allah ist verzeihend, barmherzig.

64. Der Ausdruck "lam jastat minkum twaulan"  لَّمْ يَسْتَطِعْ مِنكُمْ طَوْلاً   wird oft als "er kann sich nicht leisten" verstanden, das heißt in finanzieller Hinsicht. Aber Muchammed Abduh spricht sehr überzeugend die Ansicht aus, dass sich dies auf alle Arten hinderlicher Umstände bezieht, seien sie materiell, persönlich oder gesellschaftlich. (Asad)

Dies bezieht sich auf Kriegsgefangene im Dschihaad, vergleiche oben Aja 24. "Eure Rechte" bedeutet nicht unbedingt, dass man selbst sie besitzt. Alle Kriegsgefangenen gehören der Gemeinschaft, in diesem Sinne sind sie "euer". Wenn man eine solche Person heiratet, soll man dies nicht aus niedrigen Beweggründen tun. Wahre deinen Imaan, und achte darauf, dass auch sie mu’min ist. Sie gehört jedenfalls der Menschheitsfamilie an, und ihre Situation ist gegebenheitsbedingt und nicht endgültig. Wenn eine Sklavin ihrem Herrn ein Kind gebar, wurde sie (spätestens nach seinem Tode -d. Übers.) frei. Im wahren Geiste des Islam ist die Sklavin heute überholt, aber es gibt andere Situationen, in denen die Freiheit einer Frau (oder eines Mannes) eingeschränkt ist, und das Prinzip ist auch darauf anwendbar. (Juusuf 'Allii)

65. Da alle Menschen, ungeachtet ihres "sozialen Status" –der selben Menschheitsfamilie angehören und daher vor Allah gleich sind, unterscheiden sich die Menschen lediglich durch die Stärke und Schwäche ihres Imaans.

vergleiche auch Suura 3:195: "Und ihr Herr erhörte sie (und antwortete): "Ich lasse das Tun desjenigen unter euch, der (Gutes) tut, gewiss nicht verloren gehen, sei es Mann oder Frau. Die einen von euch sind von den anderen. Und denjenigen, die ausgewandert oder aus ihren Häusern vertrieben worden sind, und die auf Meinem Weg Ungemach erleiden mussten und die gekämpft haben und getötet worden sind, werde Ich gewiss ihre Schwächen vergeben und sie eintreten lassen in Gärten, durch die Ströme fließen. Eine Belohnung von Allah. Und bei Allah ist die schönste Belohnung." (Asad)

Allah allein weiß, wessen Imaan stark ist und wessen Imaan schwach ist. Daraus wird deutlich, dass eine Sklavin unter Umständen Allah näher stehen kann als ihr freier Ehemann. Dies sollte man beachten und nicht Sklavinnen und Sklaven gering achten. (Darjabaadi)

66. Der gleiche Status der Geschlechter wird im Islam nicht nur anerkannt, sondern mit Nachdruck betont. Und wenn schon Geschlechtsunterschiede, die in der Natur begründet sind, in geistigen Dingen nicht zählen, dann zählen natürlich um so weniger künstliche Unterschiede wie etwa gesellschaftlicher Rang, Besitz, Position, Rasse, Hautfarbe, Geburt und dergleichen. (Juusuf 'Allii)

67. Der Qur'an nennt diejenigen, in deren Besitz sie sind, nicht, "Besitzer" sondern Angehörige und er bestimmt die Brautgabe für die Frau und nicht für ihren Herrn, und macht sie so zum Recht der Sklavin. Aus diesem Grunde fallt die Brautgabe aus der Grundregel heraus, dass ihr Verdienst ihm gehört. Die Brautgabe ist kein Verdienst, sondern ein Recht, das ihr zusteht, wenn sie sich mit einem Mann bindet.

Hier wird Rücksicht auf die Menschenwürde dieser Frauen gefordert, die ohnmächtig ihrer gegenwärtigen Situation ausgeliefert sind. Im Gegensatz zu der Zeit der Unwissenheit, als die Sklaven ihrer Rechte und ihrer Menschenwürde beraubt wurden, zeigt sich hier die ganze Reichweite der islamischen Gesetzgebung, ihnen diese Menschenwürde zu garantieren. (Qutb)

Die Brautgabe ist den Sklavinnen ebenso zu zahlen wie den freien Ehefrauen, auf die vorgeschriebene, ehrenhafte Weise, nicht wie ein unehrenhaftes Entgelt. (Darjabaadi)

68. Wörtlich: "und nicht, indem sie sich heimliche Liebesgefährten nehmen", Dieser Satz legt eindeutig fest, dass sexuelle Beziehungen zu Sklavinnen nur im Rahmen der Ehe erlaubt sind und in dieser Beziehung kein Unterschied zwischen ihnen und freien Frauen besteht. Folglich ist Konkubinat ausgeschlossen. (Asad)

69. Der schwächere soziale Status einer Sklavin setzt sie offensichtlich mehr der Versuchung aus als eine freie Frau. (Asad)

Dies bezieht sich auf die Bestrafung durch Schläge. Wenn eine Muslima Sklavin Ehebruch begeht, erhält sie die Hälfte der Strafe, die für eine unverheiratete freie Frau vorgesehen ist. Über die Bestrafung einer unverheirateten Sklavin waren die Gelehrten einig, ob sie dieselbe sein soll, nämlich die Hälfte der für die unverheiratete freie Frau vorgesehene, und ob der Imaam der Gemeinschaft dafür zuständig ist, oder ob es lediglich ein Disziplinarverfahren sein soll, für das ihr Besitzer zuständig ist. Ausführliches darüber ist in den Fiqh-Werken nachzulesen. (Qutb)

70. Abgesehen von der Ermahnung, in der Sexualität Selbstbeherrschung zu üben, scheint der Qur’an Ehen mit Sklavinnen nicht zu empfehlen -offensichtlich mit der Absicht, eine Hauptattraktion der Sklaverei zu unterbinden und auf diese Weise ihre Abschaffung zu fördern. (Siddiqi)

Allah will Seine Diener nicht in Bedrängnis bringen und ihnen keine Last auferlegen und sie nicht in der Versuchung aussetzen. Dies soll zu ihrer Würde und zum Wetteifer in ihre Strebens beitragen, alles im Rahmen ihrer menschlichen Natur, ihrer latenten Fähigkeiten um ihrer wirklichen Bedürfnisse. Auf diese Weise erleichtert Allah den Menschen ihren Weg. (Qutb)

 

Abschnitt 5

26. Allah will euch (Seine Weisheit) klarmachen und euch auf dem Weg derer, die vor euch waren,71 recht leiten. Er will Sich euch (gnädig) wieder zuwenden. Und Allah ist wissend, weise.

71. Allah will euch Seine Weisheit enthüllen, und Er will, dass ihr diese Weisheit sehen und darüber nachdenken könnt, so dass ihr mit offenen Augen, Verstand und Herzen auf sie zugeht. Denn ihr seid befähigt, sie zu begreifen, wenn sie euch dargelegt wird. Und dies ist eine Ehrung des Menschen. Dieser Weg ist der Weg Allahs, den Er für alle Muslime vorgeschrieben hat. Es ist der Weg, der in seinen Wurzeln feststeht, in seinen Grundsätzen vereinigt ist, und dessen Zielsetzungen beständig sind. Dies ist der Weg aller Muslime in der Vergangenheit und in der Zukunft. (Qutb)

Der letzte Teil des Ajas weist auf alle echten religiösen Lehren in der Vergangenheit hin, die danach streben, eine Harmonie zwischen der physischen Natur des Menschen und den Bedürfnissen seines Geistes zuwege zubringen -eine Harmonie, die zerstört wird, sobald Askese als einzige Alternative zur Zügellosigkeit gefordert wird.

Vergleiche Suura 2:143:

"Und so machten Wir euch zu einer Gemeinde der Mitte, auf dass ihr Zeugen seiet über die Menschen, und der Gesandte Zeuge sei über euch. Und Wir setzten die Qibla, nach der du dich (bisher) gerichtet hattest..."

Die Bezeichnung "Gemeinde in der Mitte" schließt alle jene Eigenschaften ein die, die Gemeinde der Muslime aufweisen soll. Sie ist von Allah selbst dazu auserkoren Zeugen über die Menschen zu sein, das unter ihnen Gerechtigkeit und Gleichgewicht herbeizuführen, ihnen Maßstäbe an die Hand zu geben, nach denen sie urteilen können. Diese Muslim-Gemeinde soll der ganzen Menschheit die ewigen Prinzipien übermitteln, nach denen sie das Gute vom Bösen unterscheiden, alle Bereiche menschlichen Schaffens richtig bewerten und die ihnen zukommenden Proportionen zuerkennen kann. Diese Maßstäbe haben allerdings ihren Ursprung nicht in menschlichen Vorstellungen und Neigungen, sondern ausschließlich im Wort Allahs, das Sein Prophet den Menschen überbracht hat. Und der Gesandte soll seinerseits Zeuge sein über die Muslime, damit sie ihrer großen Aufgabe gerecht werden.

Die Gemeinde der Muslime ist also dazu aufgerufen, sich "in der Mitte" zu halten und zwar in jeder Beziehung. Es soll eine Gemeinde sein, die jedem Extrem ablehnend gegenübersteht, die Ausgewogenheit, wie sie nur in der Mitte zu finden ist, sucht und wahrt. Alle Übertreibungen, die lediglich einen Aspekt des menschlichen Lebens fördern und dadurch alle anderen in ihrer Entwicklung hemmen oder gar abtöten, sollen dieser Gemeinde fremd sein. Das islamische Ideal des Menschen liegt in Ebenmaß und Gleichgewicht, denn nur so kann der Mensch sein diesseitiges Ziel erreichen und seine Aufgabe hier erfolgreich lösen: der Stellvertreter Allahs auf Erden zu sein.

Die Tatsache, dass die Muslim-Gemeinde heute nicht fähig ist, den Platz in der Welt einzunehmen, den Allah selbst ihr zugedacht hat, ist nur ein Beweis dafür, dass sie andere Wege eingeschlagen hat als die im Qur’an aufgezeigten. Und sie wird ihrer Aufgabe in der Welt nicht gerecht, bis sie wieder bereit ist, der Führung Allahs unbedingt Gehorsam zu leisten. (Qutb)"

Dieser Hinweis ist mit der Erörterung der Sexualmoral im vorherigen Abschnitt verbunden. (Asad)

 

27. Und Allah will Sich euch (gnädig) wieder zuwenden. Doch diejenigen, die ihren Begierden folgen wollen, dass ihr ganz und gar (vom rechten Weg) abweicht.72

72. Dieser Aja enthüllt kurz gefasst etwas von der Wahrheit, zu der Allah die Menschen durch Seinen Weg leiten will, und er zeigt, wohin es führt, den eigenen Launen und Gelüsten zu folgen und von Allahs Wegen abzuweichen -denn wer von Allahs Wegen abweicht, der folgt den eigenen Gelüsten. Es gibt jedoch nur einen einzigen Weg zu Allah, der von Ernsthaftigkeit, Geradheit und Verantwortlichkeit bestimmt ist. (Qutb)

Die Heuchler und die Unwissenden sowie die Juden in den Vororten von Medina hatten es sich zum Ziel gesetzt, die Muslime vom rechten Weg abzubringen. Erstere zwei Gruppen widersetzten sich entschieden den Änderungen, die an ihren jahrhundertealten Sitten und Bräuchen vorgenommen wurden. Sie waren gegen 

a) den Anteil der Töchter an der Erbschaft,

b) die Befreiung der Witwen von den durch die Familie ihres Mannes auferlegten Einschränkungen,

c) die Freiheit der Witwen, nach Ablauf ihrer Wartezeit Männer ihrer eigenen Wahl zu heiraten,

d) das Verbot, die Stiefmutter bzw. zwei Schwestern gleichzeitig zu heiraten. Sie wandten sich gegen die Reform der Adoptionsregeln, die den Anteil eines Adoptivsohns am Erbe ausschloss und das Eheverbot mit ihren geschiedenen Frauen oder Witwen aufhob. (Mauduudi)

 

28. Allah will es euch leicht machen,73 denn der Mensch ist (ja) schwach erschaffen.

73. Allah will dem Menschen nicht nur Güte erweisen, sondern auch seine Last erleichtern. (Darjabaadi)

Das heißt, durch Seine Rechtleitung will Er alle Möglichkeiten des Konflikts zwischen dem Geist des Menschen und seinen körperlichen Regungen unterbinden und eine Lebensweise aufzeigen, in der diese beiden Elemente der menschlichen Natur harmonisch miteinander verbunden und voll entfaltet werden können. (Asad)

 

29. O die ihr den Imaan verinnerlicht habt! Bringt euch nicht gegenseitig in betrügerischer Art und Weise um euer Hab und Gut,74 sondern treibt Handel im gegenseitigen Einvernehmen.75 Und tötet nicht euch selbst.76 Wahrlich, Allah ist barmherzig gegen euch.

74. Wörtlich: "Eigentum durch Betrug fressen", das umfasst alle Arten des Güteraustauschs unter den Menschen, die von Allah nicht erlaubt oder gar verboten sind, darunter Betrug, Bestechung, Spekulation, Preistreibende Monopolgeschäfte mit lebensnotwendigen Gütern sowie sämtliche Arten des verbotenen Handels und insbesondere Wucher. (Qutb)

75. "Gegenseitiges Einvernehmen" bedeutet, dass Geschäftsvorgänge nach vorheriger Vereinbarung abgeschlossen werden sollen, nicht durch Erpressung oder Betrug. Es ist zum Beispiel offensichtlich, dass, obwohl im Falle von Wucher und Bestechung ein gegenseitiges Einverständnis vorliegt, der bedürftige Geschäftspartner durch sie Umstände gezwungen ist, auf ein solches Geschäft einzugehen. Ähnliches gilt für alle Transaktionen, bei denen Betrug im Spiel ist: der Betrogene ist einverstanden auf Grund des Missverständnisses, es handle sich um ein ehrliches Geschäft. Wüsste er, dass er betrogen werden soll, so wäre er niemals einverstanden. (Mauduudi)

76. Ich möchte diesen Aja umschreiben, denn darin liegt eine tiefe Bedeutung.

1) Euer gesamtes Eigentum ist ein euch anvertrautes Gut, ob es euch persönlich gehört oder der Gemeinschaft oder Menschen, für die ihr verantwortlich seid. Es ist unrecht, es zu Verschwenden.

2) In Suura 2:188 findet sich derselbe Ausdruck, um uns vor Habgier zu warnen. Hier erscheint er, um uns zu ermutigen, unser Vermögen durch Handel und Gewerbe zu vermehren, ganz wie in dem Gleichnis in Matth. 25:14-30, wo die Knechte, die das Vermögen ihres Herrn vermehrt hatten, belohnt wurden, der Knecht aber in die Finsternis hinausgeworfen wurde, der es gehortet hatte.

3) Wir werden davor gewarnt, dass Verschwendung unseren eigenen Untergang herbeiführt ("tötet bzw. zerstört nicht euch selbst!"). Aber hier liegt auch eine allgemeine Bedeutung: wir müssen mit unserem Leben und dem unserer Mitmenschen sorgfaltig umgehen. Wir dürfen keine Gewalttaten verüben. Dies wäre das genaue Gegenteil zu "Handel und Gewerbe und gutem Willen".

4) Gewalt gegenüber unseren Mitmenschen ist besonders abscheulich, wenn wir sehen, dass Allah uns und alle Seine Geschöpfe liebt und mit Gnadengeschenken überschüttet. (Juusuf 'Allii)

Hier wird auch Selbstmord in jeder Form verboten. Der Begriff "anfusakum" أَنفُسَكُمْ kann auch kollektiv Verstanden werden; in diesem Fall würde übersetzt: "Tötet euch nicht gegenseitig". Dies erklärt dann das Leben des Muslims als ebenso unverletzlich wie sein Eigentum im vorigen Teil des Ajas. (Darjabaadi)

"Tötet euch nicht selbst" steht unmittelbar nach dem Verbot unrechtmäßigen Umgangs mit dem Eigentum. Dies wurde offenbart, um den direkten Zusammenhang aufzuzeigen, wie nämlich den Erwerb von Besitz durch Betrug im Leben einer Gemeinschaft deren Untergang verursacht: es ist gleichbedeutend mit Töten. Allah verbietet dies weil Er sich der Mu’mins erbarmen und sie schützen will. (Qutb)

Die kriminelle Mentalität, die einen Verbrecher zu Eigentumsdelikten veran1aßt, führt auch dazu, sich gegen das Leben anderer Menschen und -in einem Anfall von Wahnsinn -selbst gegen das eigene Leben zu vergehen. (Siddiqi)

 

30. Und wer dies in Übertretung und zu unrecht tut,77 den werden Wir der Feuerglut aussetzen. Und dies ist für Allah ein Leichtes.

77. Das heißt, wer dies mit bewusster krimineller Absicht tut, nicht durch Irrtum oder Fehleinschätzung. (Darjabaadi)

 

31. Wenn ihr euch von den schlimmsten Sünden, die euch untersagt sind, fernhaltet.78 Werden Wir euer Vergehen vergeben und euch eingehen lassen in einen ehrenvollen Ort

78. Was sind die großen Sünden? Uns sind Hadiise überliefert, die einige Arten von ihnen, aber nicht alle, aufzählen. In jedem dieser Hadiis wurden große Sünden erwähnt, die eine aktuelle Gegebenheit behandelten. Es ist nicht schwer für den Muslim, diese "schlimmen" Sünden zu erkennen, auch wenn ihre Zahl und ihre Art von Milieu zu Milieu und von Generation zu Generation sich unterscheidet.

Es gibt keine feststehende Regel zur Unterscheidung von großen Vergehen und geringfügigen. Selbst eine kleine Sünde, die in bewusstem Trotz gegen Allahs Gebot begangen wurde, wird zu einer großen. Mauduudi hat in diesem Zusammenhang wichtige Beobachtungen gemacht. Er vertritt die Ansicht, dass jede Tat, durch welche die Rechte Allahs, der Eltern oder anderer Menschen und sogar die eigenen Rechte verletzt werden, eine große Sünde ist. Darüber hinaus sind alle Taten große Sünden, welche die Verbindung der Einigkeit und Integration zerstören, auf der, der Friede im menschlichen Leben beruht. (Siddiqi)

 

32. Und begehrt keinesfalls das, womit Allah den einen von euch bevorzugt hat vor den anderen79 Die Männer bekommen den Anteil dessen, was sie erworben haben, so und die Frauen bekommen den Anteil dessen was sie erworben haben. Und bittet Allah um Seine Huld.81 Wahrlich, Allah ist aller Dinge gewahr.

79. In diesem Aja gibt Allah eine wichtige ethische Lehre, die wenn sie befolgt würde, dem heutigen turbulenten Gesellschaftsleben Frieden bringen könnte. Er lehrt die Menschen, nicht neidisch auf die Gaben anderer zu sein, denn in Seiner Weisheit hat Er die Menschen unterschiedlich erschaffen. (Mauduudi)

Die Unterschiede zwischen den Menschen liegen in ihren Aufgaben und in ihren Befähigungen, in ihren Anlagen und Begabungen, in Besitz und Eigentum und allem, worin die Anteile in dieser Welt verschieden sind. (Qutb)

80. Was den Satz betrifft: "Die Männer bekommen den Anteil dessen was sie erworben haben" bin ich der Ansicht, dass er bedeutet: Frauen sollen Männer nicht beneiden und Männer sollen Frauen nicht beneiden um irgendwelchen Vorzug, den die einen über die anderen aus Allahs Überfluss bekommen haben. Sie sollten von allem, was ihnen gegeben wurde, vollen Gebrauch machen und sicher sein, dass jeder nach seinem Verdienst seinen gerechten Anteil erhält. (Mauduudi)

81. Bittet Allah um moralische Vervollkommnung und geistige Entwicklung, damit ihr vor eurem Herrn zeigen könnt, dass ihr Seine Gaben mit dem äußersten Verantwortungsbewusstsein als wahre Diener Allahs genutzt habt. (Siddiqi)

 

33. Und jedem haben Wir Erbberechtigte82 für das bestimmt, was Eltern und nahe Verwandte hinterlassen. Und jenen, denen ihr eure rechte Hand verpfändet habt,83 gebt ebenfalls ihren Anteil. Wahrlich, Allah ist Zeuge über alle Dinge.

82. Mawali, Plural von Maula; von der Wurzel wala, nahe stehen bezüglich Ort oder Verwandtschaftsgrad, folgen. Maula kann deshalb bedeuten:

1) nahe verwandt,

2) Erbe,

3) Teilhaber oder Partner; diese drei Bedeutungen sind hier impliziert;

4) Nachbar, Freund, Beschützer oder Klient (45:44);

5) Herr oder Meister (16:76). (Juusuf 'Allii)

Dieser Aja setzte einen altarabischen Brauch außer Kraft. Man schloss nämlich damals Freundschafts- oder Bruderschaftsbündnisse miteinander, aufgrund derer man gegenseitig erbberechtigt war. Ebenso wurde ein Adoptivsohn der Erbe seines Adoptivvaters. Dieser vorislamische Brauch wird hier abgeschafft und befohlen, die Erbschaft gemäß denen von Allah gegebenen Geboten zu verteilen. Es ist jedoch erlaubt, zu Lebzeiten diesen Menschen beliebig zu geben. (Mauduudi)

83. Das heißt, denen ihr Unterstützung und die Erbschaft versprochen habt. (Al-Dschalalein)

Nach "Al-Manar" ist es die Erbberechtigung durch Eheschließung, die, wie es Brauch war, durch Handschlag erfolgte. (Anm. d. Übers.)

Anlässlich der Auswanderung von Mekka nach Medina wurden zwischen Auswanderern und Helfern Bruderschaftsbünde geschlossen und sie hatten auch Teil am gegenseitigen Erbe. Als später die Gemeinschaft fest etabliert war und die Beziehungen mit den in Mekka Zurückgebliebenen wieder aufgenommen werden konnten, wurden sowohl die Rechte der Blutsverwandten in Mekka als auch die der Helfer in Medina, mit denen Bruderschaft bestand, gesichert. Das ist die spezielle Bedeutung hier. Die allgemeingültige Bedeutung ist ähnlich: respektiert eure Blutsverwandtschaft sowie auch die Rechte der Nachbarschaft und Freundschaft. Seid gerecht zu allen. (Juusuf 'Allii)

 

Abschnitt 6

34. Die Männer sind die Verantwortlichen84 für die Frauen, weil Allah den einen von ihnen mit mehr Vorzügen ausgestattet hat als die anderen85 und weil sie von ihrem. Vermögen hingeben.86 Darum sind tugendhafte Frauen jene, die demütig ergeben sind,87 die in Abwesenheit das bewahren, was Allah ihnen zu bewahren aufgab.88 Und jene, von denen ihr Widerspenstigkeit89 befürchtet, ermahnt sie,90 haltet euch fern von ihren Liebestätten und schlagt sie.91 Und wenn sie euch (wieder) gehorchen, dann trachtet nach keinem anderen Mittel gegen sie.92 Wahrlich, Allah ist der Erhabene, Allerhöchste.

84. Jemand, der fest für die Sache eines anderen eingesteht, seine Interessen schützt und für seine Angelegenheiten Sorge trägt; es kann auch heißen: jemand, der für seine eigene Sache einsteht und mit stetiger Entschlossenheit seine Angelegenheiten regelt. (Juusuf 'Allii)

85. Der Qu'ran benutzt hier einen bedeutungsvollen Ausdruck, um einige wichtige Punkte hervorzuheben. Bloße Überlegenheit des Mannes über die Frau hätte besser ausgedrückt werden können mit "faddalahum 'alayhinna" "Er gab ihnen (den Männern) Vorzug gegenüber ihnen (den Frauen)". Aber Qur'an drückt etwas anderes auf: "faddala-llahu ba'dahum 'ala ba'd" فَضَّلَ اللّهُ بَعْضَهُمْ, "Er bevorzugte einige von ihnen vor den anderen". Der dahinter liegende Gedanke ist, dass Männer und Frauen sich ergänzen und der Vorzug des einen nicht den Nachteil des anderen bedeutet, denn beide sind untrennbar miteinander verbunden. (Siddiqi)

86. Die Familie ist das erste Fundament im menschlichen Leben. Allah hat die Menschen männlich und weiblich erschaffen, als Partner und Grundsteine zum Aufbau dieses Daseins. Unter anderem hat er es zu den Aufgaben der Frau gemacht, die Frucht ihrer Verbindung mit dem Mann auszutragen, zur Welt zu bringen, zu pflegen und dafür zu sorgen. Diese Aufgabe ist nicht nur umfangreich, sondern äußerst wichtig. Sie ist keineswegs von geringem Wert oder einfach. Deshalb ist es nur gerecht, wenn die zweite Hälfte der Verantwortung dem Mann übertragen wird, nämlich die Sorge für den Lebensunterhalt und damit der Sicherheit für die Frau, so dass sie Zeit und Möglichkeiten hat, ihrer wichtigen Aufgabe nachzukommen. ihr soll nicht auferlegt werden, auszutragen und zu gebären und zu pflegen und zu sorgen, und dann zusätzlich noch für den Lebensunterhalt zu arbeiten und sich abzuhetzen und schlaflos zu sein. Gerechtigkeit liegt auch darin, dass dem Mann die besonderen körperlichen, nervlichen, geistigen und psychischen Fähigkeiten zur Erfüllung dieser Aufgabe gegeben wurden, und dass der Frau die entsprechenden körperlichen, nervlichen, geistigen und psychischen Anlagen für ihre Aufgabe geschenkt sind. (Qutb)

"Weil sie von ihren Vermögen hingeben" oder "weil sie zum Unterhalt verpflichtet sind." (Anm. d. Übers.)

87. Zu den Eigenschaften einer tugendhaften mu’min Frau gehört demütige Ergebenheit, dass heißt: freiwilliger Gehorsam, Aufmerksamkeit und Liebe, nicht gezwungenermaßen und widerwillig oder mit Ausweichen und Überdruss! Deswegen wird "demütig ergeben" und nicht "gehorsam" gesagt, denn diese Ausdrucksweise beinhaltet Ruhe, Harmonie und Schutz in dem Heim, das die Heranwachsenden beherbergt und mit seinem Milieu prägt. (Qutb)

In diesem Zusammenhang ist eine Warnung notwendig. Gehorsam gegenüber Allah ist wesentlich wichtiger als Gehorsam gegenüber dem Ehemann und hat davor den Vorrang. Es ist daher die Pflicht der Ehefrau, ihrem Mann den Gehorsam zu verweigern, sobald und wann immer er von ihr verlangt, etwas zu tun, was Allahs Geboten widerspricht. In diesem Falle ist es eine Sünde, ihm zu gehorchen. (Mauduudi)

88. "Sie schützen (in Abwesenheit ihrer Ehemänner), was Allah ihnen zu schützen geboten hat". Der Satz kann auch so übersetzt werden: "...und (die Interessen ihrer Ehemänner) in deren Abwesenheit schützen, so wie Allah sie beschützt hat."

Die erstere Formulierung kann so Verstanden werden: eine gute Ehefrau ist gehorsam und harmonisch in Anwesenheit ihres Mannes und schützt in seiner Abwesenheit seinen Ruf und sein Eigentum sowie ihre eigene Tugend, wie Allah es ihr befohlen hat. Mit der zweiten Formulierung kommen wir mit etwas anderer Akzentsetzung zum gleichen Ergebnis: in Abwesenheit ihres Mannes tut eine gute Ehefrau, die sich der gesicherten Stellung bewusst ist, die Allah ihr gegeben hat, alles, um diese Stellung zu rechtfertigen, indem sie ihre eigene Tugend sowie seinen Ruf und sein Eigentum schützt. (Juusuf 'Allii)

89. Der Begriff "Auflehnung", umfasst absichtlich böswilliges Verhalten einer Frau gegenüber ihrem Mann oder eines Mannes gegenüber seiner Frau, einschließlich dessen, was man heute mit "seelischer Grausamkeit" bezeichnet; auf den Mann bezogen heißt es auch "Misshandlung" -im körperlichen Sinne -der Frau (vergleiche Aja 128 dieser Suura). In diesem Zusammenhang bedeutet böswilliges Verhalten einer Frau absichtliches, ständiges Vernachlässigen ihrer ehelichen Pflichten. (Asad)

90. Die erste Maßnahme ist die Ermahnung, und dies ist eine Pflicht, die dem Beschützer der Familie auferlegt ist. Da aber die Ermahnung manchmal nicht hilft, folgt dann die zweite Maßnahme. Die widerspenstige Frau neigt meistens zum Nachgeben angesichts der Standhaftigkeit ihres Mannes an einer äußerst empfindlichen Stelle. Und wenn auch dieses Vorgehen nicht Abhilfe schafft, dann muss eine härtere Maßnahme herangezogen werden, die wenn auch hart, doch weniger schlimm ist als der Ruin der ganzen Institution. In Anbetracht des Zieles dieser Maßnahmen darf die Strafe nicht als Rache und Genugtuung oder als Verachtung und Erniedrigung angewandt werden. (Qutb)

91. Wie aus vielen authentischen Überlieferungen ersichtlich ist, hat unser Prophet Muchammed, Allahs Frieden und Segen auf ihm, selbst entschieden den Gedanken verabscheut, die Ehefrau zu schlagen, und mehr als einmal hat er gesagt: "Ist es für einen von euch wirklich möglich, seine Frau zu schlagen, als wäre es eine Sklavin, und dann am Abend zu ihr zu gehen?" (Bucharii und Muslim) Einer anderen Überlieferung zufolge verbot er, Frauen überhaupt zu schlagen: "Schlagt niemals Allahs Dienerinnen!" (Abu Daawuud, Nesa’i, Achmed ibn Hanbal und andere) Als der obige Aja offenbart wurde, soll der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihm, selbst gesagt haben: "Ich wollte das eine, aber Allah wollte das andere -was Allah will, muss das Beste sein." (Al-Manar)

Aufgrund all dessen forderte er in seiner Predigt anlässlich der Abschiedspilgerfahrt kurz vor seinem Tode, dass Schläge nur ein letztes Mittel sein dürfen, wenn sich die Frau "auf eindeutige und offensichtliche Weise unmoralisch verhalten hat", und dass sie keine Schmerzen verursachen dürfen (Dschhayr mubarrih); authentische Überlieferungen hierzu gibt es in den meisten Hadiissammlungen. Aufgrund dieser Überlieferungen betonen alle Gelehrten, dass "Schläge", wenn man überhaupt zu diesem Mittel greifen muss, mehr oder weniger symbolisch erteilt werden sollen. Einige der größten Gelehrten (zum Beispiel Schafi'i) vertreten die Ansicht, dass dies nur gerade eben erlaubt ist und weitestgehend vermieden werden muss; sie begründen dies mit den persönlichen Gefühlen des Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihm, selbst in dieser Frage. (Asad)

Dafür spricht auch die im Qur'an vorgeschriebene Reihenfolge:

1. Ermahnen,

2. sexuelle Enthaltsamkeit (also in der Regel mindestens eine Nacht) und dann erst in

3. Strafe. Schlagen im Affekt ist also in jedem Fall verboten. Eine über längere (Bedenk-) Zeit aufgeschobene Strafe wird ohne Zweifel nur bei schwerwiegenden Verstößen Anwendung finden (Anm. d. Übers.)

92. Jähzorn, Stichelei, Sarkasmus, Streit vor fremden Leuten, Bezugnahme auf vergangene Fehler, die längst vergeben und vergessen sein sollten all dies ist verboten. Der Grund hierfür ist charakteristisch für den Islam: verbringe dein ganzes Leben in Allahs Gegenwart, denn Er ist hoch über uns, aber Er sieht uns. Wie kleinlich und sinnlos erscheinen unsere kleinen Reibereien in Seiner Gegenwart! (Juusuf 'Allii)

Sucht keine falschen Vorwände, um eure Frauen zu belästigen oder zu misshandeln! (Siddiqi)

 

35. Und wenn ihr Zwietracht zwischen den Eheleuten93 befürchtet,94 dann setzt einen Schiedsrichter aus (den Reihen) seiner Angehörigen und einen Schiedsrichter aus (den Reihen) ihrer Angehörigen ein.95 Wenn sie eine Versöhnung wollen, dann wird Allah einen Ausgleich zwischen ihnen herbeiführen. Wahrlich, Allah ist wissend, kundig.

93. Wörtlich: zwischen den beiden (Anm. d. Übers.)

94. Hier bietet der Islam eine Methode zur Beilegung der Feindseligkeit und des Widerwillens gegeneinander an, damit nicht übereilt eheliche Verbindungen zertrennt und Familien zerstört werden, denn die Familie ist im Islam geheiligt und von größter Wichtigkeit beim Aufbau der Gemeinschaft und der Heranbildung der neuen Generation. (Qutb)

Es ist eine hervorragende Strategie zur Beilegung von Familienstreitigkeiten, ohne dass die Öffentlichkeit einbezogen oder schmutzige Wäsche gewaschen oder juristische Schikanen durchlitten werden müssen. Es ist bedauerlich, dass nicht alle Muslime davon Gebrauch machen, wie sie es eigentlich sollten. Schiedsrichter aus den jeweiligen Familien würden die Eigenheiten beider Parteien kennen und wären mit Allahs Hilfe in der Lage, eine wirkliche Versöhnung herbeizuführen. (Juusuf 'Allii)

Cumar soll gesagt haben:" Solche Fälle sollten den Mitgliedern der eigenen Familie zur Entscheidung vorgelegt werden, so dass durch deren eigene Vermittlung eine Möglichkeit zur Versöhnung gefunden werden kann, denn eine gerichtliche Entscheidung hinterlässt (manchmal) Groll in den Gemütern." (Siddiqi)

95. Hier ist nicht erwähnt, wer die Schiedsrichter ernennen soll, so dass jeder Ehepartner selbst einen Schiedsrichter aus seiner Familie ernennen kann, wenn sie ihre Unstimmigkeiten beilegen wollen, dass aber auch die Oberhäupter der beiden Familien die Initiative ergreifen können. Bezüglich der Vollmachten der Schiedsrichter gibt es verschiedene Ansichten. Nach der hanifitische und schafi'itische Rechtsschule haben sie nicht die Vollmacht, eine endgültige Entscheidung auszusprechen, sondern können zur Versöhnung führende Maßnahmen vorschlagen, die von den Ehepartnern angenommen oder abgelehnt werden können. Hasan Basri, Qatada und einige andere Rechtsgelehrte sind der Ansicht, dass sie bevollmächtigt sind, eine Versöhnung durchzusetzen, nicht aber eine Trennung. Wieder andere vertreten die Meinung, dass die Schiedsrichter in der Lage sein sollen, ihre Entscheidung bezüglich Versöhnung oder Trennung durchzusetzen, wie sie es für angemessen halten. (Mauduudi)

 

36. Und dient Allah und stellt Ihm nichts an die Seite96, und erweist den Eltern Wohltaten und ebenso den Verwandten,97 Waisen und Armen,98 den nahe stehenden Nachbarn und den fernen Nachbarn99, dem Gefährten an (eurer) Seite und dem Reisenden100 und denen, die euch gehören.101 Wahrlich, Allah liebt nicht die, die überheblich (und) stolz sind.102

96. Der Ausdruck "Schay'an" شَيْئاً  (wörtlich: eine Sache) verdeutlicht, dass Schirk nicht auf die Verehrung anderer "Gottheiten" beschränkt ist, sondern sich auf die Zuschreibung göttlicher oder gottähnlicher Macht auf Personen oder Objekte bezieht, die nicht als Gottheiten zu betrachten sind. Mit anderen Worten, er bezieht sich auch auf Heiligenverehrungen und ähnliches. (Asad)

97. Das erste Gebot ist, Allah zu dienen. Das zweite -ein Verbot -einem anderen außer Ihm zu dienen. Unmittelbar darauf folgt das Gebot, sich insbesondere den Eltern, aber auch den übrigen Verwandten gegenüber gut zu verhalten. Die meisten Gebote verpflichten die Kinder zur Güte gegenüber den Eltern, vernachlässigen umgekehrt aber auch nicht, die Eltern dazu zu ermahnen. Denn Allah ist barmherziger zu den Kindern als ihre Väter und Mütter. (Qutb)

98. Das Wesen des Islam ist, Allah zu dienen und den Mitgeschöpfen Gutes zu tun. Dies ist umfassender als "Liebe Allah und deinen Nächsten", denn es beinhaltet auch Pflichten gegenüber Tieren, die unsere Mitgeschöpfe sind, und die Betonung liegt auf tätigem Dienst, nicht so sehr auf Gefühlen. (Juusuf 'Allii)

99. Nahestehende Nachbarn: sowohl räumlich als auch die enge Beziehung betreffend; fremde Nachbarn umfasst entsprechend alle, die wir nicht kennen, die entfernt von uns wohnen oder in einem völlig anderen Gebiet leben. (Juusuf 'Allii)

Unser Prophet Muchammed, Allahs Frieden und Segen auf ihm, hat oft die moralische Verpflichtung eines Muslims gegenüber seinen Nachbarn betont, ungeachtet dessen Religionszugehörigkeit; seine Haltung hat er in folgenden Worten zusammengefasst: "Wer an Allah und den Jüngsten Tag den Imaan verinnerlicht hat, soll seinem Nachbarn Gutes tun.'" (Asad)

100. Der Gefährte an deiner Seite kann dein naher Freund und Gefährte sein, während der Wanderer oder Reisende, dem du begegnest, jemand sein kann, den du unterwegs zufällig getroffen hast. Dies ist viel weiter gefasst als "der Fremde in deinen Toren". (Juusuf 'Allii)

Der Gefährte an deiner Seite ist nach Ansicht von Allii ibn Abuu Talib und anderen Sahaba die Ehefrau oder der Ehemann. (Asad)

101. Wörtlich: "Was deine Rechte besitzt": jeder, der keine Bürgerrechte hat. Dies umfasst Gefangene und Sklaven (wo und in welcher Form auch immer solche vorhanden sind), Menschen, die in einem Abhängigkeitsverhältnis sind, aber auch Tiere, mit denen du umgehst. Sie alle sind Allahs Geschöpfe und verdienen unser Mitgefühl und unseren tätigen Dienst. (Juusuf 'Allii)

In diesem Zusammenhang sind Sklaven beiderlei Geschlechts gemeint. Da dieser Aja dazu aufruft, allen Menschen Gutes zu tun, zu denen man in Beziehung steht, und es für einen Sklaven das Beste ist, wenn er befreit wird, fordert dieser Satz elliptisch zur Befreiung von Sklaven auf (Al-Manar).

Vergleiche auch Suura 9:60: "Wahrlich, die Sadaqa ist nur für die Armen, Bedürftigen und die, die damit beschäftigt sind, und jene, deren Herzen gewonnen werden sollen, und für die Befreiung von Sklaven und die Verschuldeten, und für die Sache Allahs, und für den Wanderer. Dies ist eine Vorschrift Allahs, und Allah ist Allwissend, Allweise."

Hier wird ausdrücklich erwähnt , dass Saka-Gelder für den Freikauf von Menschen verwendet werden sollen. (Asad)

102. Wirkliche Hilfe und Freundlichkeit entstammt nicht der Prahl sucht oder einem Überlegenheitsgefühl (vergleiche "White Man's Burden" von Kipling), sondern einem freien Eingeständnis unserer eigenen Demut und der wahren Bedürfnisse unserer Mitgeschöpfe vor Allah. Denn in unseren jeweiligen Bedürfnissen sind wir vor Allah gleich; oder vielleicht ist sogar der beste von uns (in den Augen der Welt) schlechter als der schlechteste von uns. (Juusuf 'Allii)

Hochmütige und prahl süchtige Menschen verhalten sich ihren Untergebenen gegenüber nicht gut. (Siddiqi)

 

37. Jene, die geizig sind und die Menschen zum Geiz verleiten103 und verbergen, was Allah ihnen von seiner Huld104 zuteil  werden ließ. Und für die Kaafirs105 haben Wir eine erniedrigende106 Strafe bereitet.

103. Arroganz ist ein Grund, warum unsere Taten der Liebe und Freundlichkeit nicht gedeihen. Ein weiterer Grund ist Geiz und Selbstsucht. Allah liebt weder das eine noch das andere, denn beides entstammt einem Mangel an Liebe zu Allah oder Imaan an. Geizig ist der "clevere" Mensch, der sich nicht nur selbst weigert, sich für den Dienst am Nächsten zu engagieren, sondern durch Rat und Beispiel andere davon abhält, dies zu tun, weil er sonst von seinen Mitgeschöpfen verabscheut würde. Darum macht er entweder aus seinem Geiz eine Tugend, oder er verheimlicht die Gaben, die ihm geschenkt worden sind -Besitz, Position, Begabung, und vieles andere. (Juusuf 'Allii)

Neben Arroganz und Prahlsucht ist die Liebe zu materiellem Besitz eine krankhafte Erscheinung, die den Imaan eines Menschen untergräbt. Ein solcher Mensch ist nicht nur selbst geizig, sondern bringt durch sein schlechtes Beispiel andere davon ab, zu geben und zu helfen. Menschen mit einer solchen Mentalität sind Allah gegenüber undankbar, denn sie halten den Lebensunterhalt zurück, den Allah ihnen gegeben hat. (Siddiqi)

104. Huld oder auch Lebensunterhalt entweder in der Form von materiellem Besitz oder in Form von Wissen. (Darjabaadi)

105. Das Wort Kaafir kann hier in seiner ursprünglichen Bedeutung verstanden werden, nämlich "undankbar", dass heißt gleichgültig gegenüber den vielen Gaben, die Allah der Menschheit hat zukommen lassen. (Darjabaadi)

106. Es ist bemerkenswert, wie die Strafe dem Vergehen entspricht. Der Geizige verachtet andere, aber indem er dies tut, wird er selbst verachtenswert. (Juusuf 'Allii)

 

38. Und jene, die von ihrem Besitz spenden, um von den Menschen gesehen zu werden.107 Und sie haben den Imaan nicht an Allah verinnerlicht und (auch) nicht an den Jüngsten Tag. Und wer Scheytaan zum Kumpanen nimmt für ein übler Kumpan ist er!108

107. Im genauen Gegensatz zum Geiz, aber auch im Gegensatz zu wirklicher Freigebigkeit liegt ein weiterer Fehler: verschwenderisch zu geben, um von den Menschen gesehen zu werden. Dies ist reine Heuchelei; es gibt in solchem Verhalten keine Liebe, weder zu Allah, noch zu den Menschen. (Juusuf 'Allii)

Vergleiche auch Suura 2:268: "Schaytaan droht euch mit Armut und gebietet euch Abscheulichkeit, während Allah euch Seine Verzeihung verspricht und Huld. Und Allah ist allumfassend, wissend."  (Siddiqi) 

108. Wenn hier gesagt wird: "Allah liebt nicht jene ...", dann bedeutet das nicht, dass Allah Gefühlen des Hasses und der Liebe unterliegt wie der Mensch, sondern Allah straft die Menschen mit dem, was ihrem Stolz und ihrem Hochmut entgegengesetzt ist, nämlich mit Verachtung und Verbannung. Und durch den Zusatz, dass Scheytaan ihr Gefährte sei, soll in den Seelen Abscheu vor diesen Eigenschaften hervorgerufen werden. (Qutb)

 

39. Und was wäre schon für sie dabei gewesen, wenn sie an Allah und an den Jüngsten Tag den Imaan verinnerlicht hätten und von dem gespendet hätten, was Allah ihnen geschenkt hat?109 Und Allah kennt sie wohl.

109. Lebensunterhalt: materiell, intellektuell, physisch -alles, was zum Leben und Wachstum dazugehört. Unser Dasein ist von Allah; wir sollen uns selbst deshalb frei für Allah hingeben. Wie könnte das eine Last sein? Es ist lediglich eine Antwort auf die Forderungen unserer eigenen gesunden Natur. (Juusuf ’Allii)

Es bringt keinen Schaden, wenn die Menschen aufrichtig an Allah den Imaan verinnerlichen und Seinem Lohn im jenseitigen Leben entgegensehen und deshalb großzügig spenden, um des Herrn willen, von dem sie alles als Gnadengeschenk erhalten haben. Ihre Mentalität ist jedoch so weit abgeirrt, dass sie diese schlichte Tatsache nicht begreifen: alles, was sie spenden, ist nicht von ihnen selbst, sondern von Allahs Großmut. (Siddiqi)

 

40. Wahrlich, Allah rügt niemandem Unrecht zu, nicht einmal im Gewicht eines Stäubchens.110 Und wo Gutes (getan worden) ist, vervielfacht Er (den Lohn).111 Und Er gewährt aus Seiner (Gnadenfülle) einen großartigen Lohn112

110. Das heißt, Er bestraft keinen Unschuldigen und hält den Lohn für gute Taten nicht zurück. Hier soll betont werden, dass selbst nach menschlichen Gerechtigkeitsnormen Seine Entscheidungen niemals ungerecht sind. "Mitqala sarratin" مِثْقَالَ ذَرَّةٍ  bedeutet das kleinstmögliche Maß. (Darjabaadi)

111. Das geringste bisschen Gutes, das wir tun, kommt von der Reinheit unseres Herzens. Durch Allahs Gnade und Barmherzigkeit wird seine Wirkung in der Welt vervielfacht; ein unvergleichlich größerer Lohn aber kommt von Ihm selbst, Seine Zufriedenheit, die uns Ihm näher bringt. (Juusuf ’Allii)

112. Der Weg des Islams ist also unter allen Umständen und in jeder Hinsicht sicherer und gewinnbringender. Was hindert die Menschen dann daran, an Allah und den Jüngsten Tag den Imaan zu verinnerlichen und von dem zu spenden, was Allah ihnen geschenkt hat? Sie spenden doch nicht Dinge, die sie selbst geschaffen haben, sondern es ist Allahs Geschenk für sie. Trotzdem vervielfacht er ihnen ihre Spende und schenkt ihnen mehr von Seiner Huld. (Qutb)

 

41. Und wie (wird es also sein), wenn wir aus jeder Gemeinschaft einen Zeugen herbeibringen und dich als Zeugen (für oder) gegen jene herbeibringen?113

113. Jeder Prophet und jede führende Persönlichkeit ist Zeuge für sein Volk und seine Zeitgenossen diejenigen, die Allah akzeptieren und diejenigen, die Ihn ablehnen. (Juusuf ’Allii)

 

42. An jenem Tag werden die, die kaafir gewesen sind und sich dem Gesandten widersetzt haben, wünschen, dass die Erde über ihnen eingeebnet würde. Aber vor Allah werden sie nichts Geschehenes verbergen können.114

114. Wenn die Augen derer geöffnet werden, die Allahs Botschaft ablehnen, werden sie wünschen, in Staub zerfallen zu dürfen, solchen Schmerz wird ihnen ihre Weiterexistenz verursachen. Sie möchten sich vielleicht in der Erde verstecken, aber nichts kann vor Allah versteckt werden. Ihre gesamte Vergangenheit wird offen vor Ihm liegen. (Juusuf ’Allii)

 

Abschnitt 7

43. O die ihr den Imaan verinnerlicht habt! Begebt euch nicht zum Gebet, während ihr betrunken seid,115 bis ihr (wieder) wisst, was ihr sagt,116 und (auch) nicht, wenn ihr rituell unrein117 seid, außer wenn ihr euch unterwegs befindet, bis ihr gebadet habt. Doch wenn ihr krank118 oder auf Reisen seid oder wenn einer von euch vom Austreten kommt oder ihr Frauen berührt habt119 und kein Wasser findet,120 dann sucht euch guten, sauberen Sand121 und streicht euch damit über eure Gesichter und Hände. Wahrlich, Allah ist vergebend, verzeihend.122

115. Dies bezieht sich entweder auf den Rauschzustand oder auf einen Zustand der Benommenheit durch Schläfrigkeit oder anderes. Möglicherweise ist beides impliziert. Bevor das generelle Rauschmittelverbot ausgesprochen wurde, war es zumindest ungehörig, in einem solchen Zustand am Gebet teilzunehmen, Für das Gebet ist es angemessen, dass wir uns sammeln und Allah mit Ehrfurcht gegenübertreten, (Juusuf 'Allii)

Die Bezugnahme auf das Gebet an dieser Stelle knüpft an die Erwähnung der Auferstehung in den vorigen Ajas an, wo der Mensch sich vor Allah für das verantworten muss, was er in seinem irdischen Leben getan hat: denn im Gebet steht der Mensch während seines irdischen Lebens geistig Allah gegenüber und erinnert sich an seine Verantwortung gegenüber seinem Schöpfer. Bezüglich des Verbots, "im berauschten Zustand" zu beten, nehmen einige Kommentatoren an, dass diese Anordnung die erste Phase des völligen Rauschmittelverbots bildete und folglich durch das Gebot völliger Enthaltsamkeit von Rauschmitteln, "O ihr Mu’mins! Wein und Glücksspiel und Opfersteine und Lospfeile sind eines der Gräuel aus dem Werk Scheytaans. So meidet dies (alles), auf dass ihr erfolgreich sein möget." (Suura 5:90) aufgehoben wurde. Ganz abgesehen jedoch von der Tatsache, dass die "Abrogationslehre", nicht haltbar ist "Wenn Wir einen Aja (aus den Offenbarungen) aufheben oder der Vergessenheit anheim fallen lassen, (so) bringen Wir einen besseren als ihn, oder (zumindest) einen gleichwertigen180 so. Weißt du denn nicht, dass Allah Macht hat über alle Dinge?" (Suura 2:106 und Fußnoten), besteht keine Berechtigung zu der Annahme, dieser Aja sei ein "erster Schritt", der nach dem Totalverbot sozusagen überflüssig wurde. Es ist selbstverständlich wahr, dass der Qur’an den Gebrauch von Rauschmitteln zu jeder Zeit verbietet und nicht nur beim Gebet, da aber der Mensch "schwach erschaffen wurde" (4:28), ist ein Fehltritt nie ausgeschlossen; damit er aber nicht zusätzlich noch die Sünde begeht, im berauschten Zustand zu beten, wurde dieser Aja offenbart. Der Ausdruck "im berauschten Zustand"  beschränkt sich außerdem nicht ausschließlich auf Trunkenheit, denn in seinem weiteren Sinne bezeichnet der Begriff "Sufi" jeden Zustand geistiger Unausgeglichenheit, der den Menschen daran hindert, vollen Gebrauch von seinen intellektuellen Fähigkeiten zu machen, das heißt, er ist auch anwendbar auf vorübergehende Beeinträchtigungen des Bewusstseins durch Medikamente, Schwindelgefühl oder Leidenschaft sowie so genannte "Schlaftrunkenheit" -auf jeden Zustand also, in dem die normale Urteilfähigkeit beeinträchtigt oder aufgehoben ist. Da der Qur'an darauf besteht, dass bewusstes Handeln ein unerlässlicher Bestandteil jeder 'Ibaada Handlung ist, ist das Gebet nur erlaubt, wenn der Mensch im völligen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ist und "weiß, was er spricht. (Asad)

116. Aus diesem Grunde lehrte der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihm, dass jemand, der sich sehr müde und schläfrig fühlt, so dass er beim Gebet immer wieder einnickt, sein Gebet abbrechen und erst einmal schlafen sollte. (Mauduudi)

117. In den vorigen Ajas wurden Handlungen erwähnt, die 'Ibaada Handlungen schaden oder sie beeinträchtigen, wie Götzendienst, Geiz und Verschwendung, um die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen. Ein weiteres Hindernis speziell für das Gebet ist der Zustand geistiger Beeinträchtigung. Ein drittes Hindernis ist der Zustand ritueller Verunreinigung. (Siddiqi)

118. Wenn im Krankheitsfalle befürchtet werden muss, dass Wasser die Heilung behindert oder verzögert. (Darjabaadi)

119. Eine Umschreibung für Geschlechtsverkehr. (Siddiqi)

Auf den Reisenden bezogen bedeutet dieser Text, dass zwischen der größeren Unreinheit, die ein Bad erforderlich macht, und der kleineren Unreinheit, die eine Waschung erfordert, nicht unterschieden wird. Das gleiche gilt für den Kranken. (Qutb)

120. Strengste Sauberkeit und Reinheit von Körper und Seele wird gefordert, besonders zum Gebet. Aber es kommt vor, dass Wasser für die Waschung nicht leicht zugänglich ist, besonders in den trockenen Gebieten Arabiens, und dann wird Reinigung mit trockenem Sand oder Erde empfohlen. Vier solche Fälle werden hier erwähnt: die beiden letzteren, wenn Waschungen oder ein Bad erforderlich sind, die beiden ersteren, wenn das erforderliche Wasser nicht leicht erreichbar ist. Ein Kranker kann nicht weit gehen, um Wasser zu suchen, und ein Reisender hat nicht immer völlige Übersicht über seine Lage. In allen vier Fällen, wenn Wasser nicht erreichbar ist, kann man sich mit trockenem Sand oder Erde reinigen. Dieser Vorgang heißt Tayjammum. (Juusuf ’Allii)

121. Man könnte hier fragen: Warum wurde Erde zur Reinigung empfohlen? Erde ist nach Wasser in der Welt am leichtesten zugänglich. Ihr Gebrauch erinnert ferner den Menschen an seinen Ursprung aus der Erde und an seine Rückkehr zur Erde. Sie über Gesicht und Hände zu streichen packt dem Menschen außerdem an der Wurzel seiner Eitelkeit und flößt ihm Demut ein. (Siddiqi)

122. Allahs Gebote sind keine Last; Er gebietet nur das, was leicht zu erfüllen ist. (Darjabaadi)

Du musst dein bestes tun, um physische Sauberkeit, seelische Reinheit und geistige Größe zu erlangen, wenn aber deine Bemühungen keinen vollkommenen Erfolg bringen, wird Allah dir vergeben. (Siddiqi)

 

44. Hast du nicht jene gesehen, denen ein Teil des Buches gegeben worden ist?123 Sie haben sich den Irrtum124 erkauft und wollen, dass (auch) ihr vom (rechten) Weg abirrt.

123. Es gibt in Wirklichkeit nur ein Buch Allahs, wobei die Thora der Juden und das Evangelium der Christen nur einen Teil dieses einen Buches darstellen. Den Muslimen schließlich wurde das gesamte Buch offenbart, denn der Qur’an beinhaltet nicht nur die Grundlagen sämtlicher Religionen, sondern noch viel weitergehende Prinzipien. (Qutb)

An verschiedenen Stellen sagt der Qur’an von den Gelehrten der Schriftbesitzer, ihnen sei, ,ein Teil des Wissens gegeben worden". Diese Ausdrucksweise wird benutzt, weil sie tatsächlich einen Teil ihrer Schriften verloren haben und dem Geist und wahren Ziel des übrigen Teiles entfremdet sind. Ihr Interesse daran war auf polemische Kontroversen, kleinere Einzelheiten der Gebote und philosophische Spitzfindigkeiten im Glauben beschränkt. Darum kannten sie den wahren Charakter der Religion nicht und hatten keinen Zugang zu ihrem Wesen, obwohl sie "Theologen" und "Rabbiner" genannt und anerkannte Führer ihrer Gemeinschaft waren. (Mauduudi)

Ihnen ein Teil der Schrift zu geben, wäre dazu angetan gewesen, sie zur wahren Religion finden zu lassen, denn Allah gab ihnen durch Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Thora. Sie aber übergehen diesen Teil. Sie übergehen die Rechtleitung und erkaufen sich den Irrtum. Mit dem Ausdruck erkaufen ist Vorsatz und Bestreben zum Tausch gemeint. Sie haben die Rechtleitung in Händen, aber sie lassen sie beiseite und nehmen dafür die Irrleitung als ob dies ein Handel wäre, den sie wissentlich und absichtlich abschließen und keineswegs aus Unwissenheit oder Schwäche. Eine Sache die merkwürdig und verwerflich erscheint. (Qutb)

124. Hier greift der Qur’an sein Hauptthema wieder auf: die Verantwortlichkeit des Menschen für seine Handlungen, insbesondere für die Art, wie er auf die Rechtleitung antwortet, die Allah ihm durch die Offenbarung zukommen ließ. (Asad)

 

45. Doch Allah kennt eure Feinde wohl.125 Und Allah ist ein vortrefflicher Beschützer und Allah ist ein vortrefflicher Helfer.

125. Dies bezieht sich auf die Leute der Schrift allgemein. Es wurde aber daraus entnommen, dass die Juden in Medina damit gemeint seien. (Qutb)

 

46. Unter den Juden sind welche, die den Sinn der Worte verdrehen.126 Und sie sagen: "Wir hören und wir gehorchen nicht"127 und "höre das Unerhörte",128 und "ra'ina",129 mit einer Doppelzüngigkeit und indem sie die Religion schmähen130.Und wenn sie nur gesagt hätten: "wir hören und gehorchen, und höre uns und gewähre uns Auf­schub",131 dann wäre es besser für sie gewesen und richtiger. Allein, Allah hat sie wegen ihres Kufrs verflucht.132 Und sie haben nicht den Imaan verinnerlicht nicht außer einigen wenigen (von ihnen).

126. Wörtlich: "diejenigen, die sich zum Judentum bekennen". Diese Ausdrucksweise soll darauf hinweisen, dass sie ursprünglich "Muslime" waren, so wie die Gemeinschaft jedes Propheten "Muslim" ist. (Mauduudi)

127. Vergleiche Suura 2:93. Die Juden verdrehten Worte und Redewendungen und machten auf diese Weise die ernsten Lehren der Religion lächerlich. Anstelle von "Wir hören und gehorchen" sagten sie laut: "Wir hören", und leise und undeutlich: "Wir gehorchen nicht". (Juusuf 'Allii)

Sie verändern Worte und Abschnitte der heiligen Texte, entstellen ihre Bedeutung und verdrehen ihre Formulierung. Der Qur’an war nicht der erste, der den Juden die Entstellung ihrer Schriften vorwarf. Auch Justinian beschuldigte sie gegen  Anfang des 2. nachchristlichen Jahrhunderts, "sich unsittlich verhalten und aus ihren Büchern vieles entfernt zu haben, was für das Christentum sprach. Diese Vorwürfe wurden von den späteren christlichen Autoren wiederholt." Die moderne jüdische Theologie der Reformschule gibt nicht nur, "den menschlichen Ursprung der Heiligen Schriften" zu und erkennt, dass an "der überlieferte Stoff manchmal nachgewiesenen Ergebnissen der modernen historischen, physikalischen und psychologischen Forschung widerspricht", sondern gelangt zu folgenden Schlussfolgerungen:

1) Die überlieferte Vorstellung einer Verbal Inspiration muss aufgegeben werden.

2) Die Seher und Autoren von Juda müssen als Menschen mit menschlichen Schwächen angesehen werden, jeder mit seiner Eigenart in Stil und Gefühl.

3) Der Gedankengang, dass "der Prophet oder der Verfasser einer heiligen Textes sich unter dem Einfluss des Heiligen Geistes befand, während er in Wort oder Schrift religiöse Gedanken offenbarte, "besagt, dass das menschliche Element in ihnen nicht ausgelöscht war, folglich konnten sie bezüglich ihrer Aussagen, ihres Wissens und ihrer Kommunikationsform nur als Kinder ihres Zeitalters gehandelt haben. (Darjabaadi)

128. Die Tefsirschreiber meinen, dass diese Worte ein Verwünschen bedeuten. Und das heißt soviel wie Allah macht dich unhörig. (Al-Manar)

129. Vergleiche Suura 2:104. In respektvollem Arabisch gebraucht bedeutet das Wort "ra'ina" "Bitte achte auf uns". Absichtlich falsch ausgesprochen bekommt das Wort eine beleidigende Bedeutung; auf Hebräisch bedeutet es gar: "O du Schlechter!" (Juusuf 'Allii)

130. Wörtlich: "Die Religion einen Stoß geben", das heißt ihm einen grundlegenden Defekt zuschreiben. Indem die Juden sagen: "Höre du uns zu" bringen sie die Ansicht zum Ausdruck, sie hätten von den Lehren des Propheten Muchammed, Friede und Segen auf ihm, nichts zu lernen, er sollte sich lieber ihren religiösen Ansichten anschließen. (Asad)

131. Während sie das Buch lesen, verdrehen sie ihre Zungen und geben dadurch gewissen Worten oder Sätzen, die ihren selbstsüchtigen Interessen zuwiderlaufen, eine andere Wendung. (Mauduudi)

Sie suchen in Allahs Buch nach Sätzen und Ausdrücken, die im übertragenen Sinn gebraucht werden, um sie verdreht zu interpretieren und ihnen eine neue, ihnen genehmere Bedeutung zu geben. Sodann gaukeln sie den Leuten vor, dies sei ein Teil des Buches. Dieses Verhalten ist nicht allein für die Besitzer des Buches bezeichnend. Auch andere Völker, die Allahs Lehre für billig erachten, handeln dementsprechend. (Qutb)

Das heißt: ....hätten sie gesagt : "Wir haben deine Rede gehört und wir gehorchen deinen Anordnungen und höre auch was wir sagen: "Unsurna": "Gewähre uns Aufschub, lass uns Zeit und dränge uns nicht zur Eile". Es könnte aber auch heißen: " und schenke uns einen Blick der Fürsorge und der Aufmerksamkeit." (Al-Manar)

132. Vergleiche Suura 2:88 und Fußnoten. Alle Religionsaussagen der Juden sind auf sie selbst und ihren angeblichen bevorzugten Status vor Allah zentriert. (Asad)

 

47. O ihr, denen die Schrift gegeben worden ist! Verinnerlicht den Imaan an das, was Wir (als Offenbarung) herabgesandt haben als Bestätigung dessen, was bei euch (an früheren Offenbarungen bereits) ist,133 bevor Wir (euch) das Gesicht verlieren lassen und es nach hinten kehren134 oder sie verfluchen, wie Wir die Gefährten des Sabats135 verflucht haben. Denn Allahs Anordnung wird gewiss in die Tat umgesetzt werden.

133. Da sie die Schrift erhalten haben. ist diese Rechtleitung für sie nicht fremd. Allah, Der ihnen die Schrift gab, ist auch Derjenige, Der sie aufruft, an das den Imaan zu verinnerlichen, was Er im Qur’an herabgesandt hat und das bestätigt, was sie zuvor bekamen. (Qutb)

134. Wörtlich: "Bevor Wir einige Züge (oder Gesichter) austilgen und sie von vom nach hinten drehen": diese arabische Redewendung muss frei übersetzt werden, um ihre wirkliche Bedeutung zu treffen. Das Gesicht ist der Hauptausdruck des wahren menschlichen Wesens, es zeigt auch seinen Ruf und seine Wertschätzung an. Allah hatte dem Volk der Schrift durch geistige Enthüllungen eine besondere Gunst erwiesen. Sobald es sich als unwürdig erwies, "verlor es sein Gesicht". Aufgrund ihres eigenen Verhaltens sollte sich ihre Erhabenheit in Erniedrigung verwandeln. Andere sollten ihren Platz einnehmen. "Die Ersten sollen die Letzten sein, und die Letzten sollen die Ersten sein" (Matt. 19:30). (Juusuf 'Allii)

Eine andere Übersetzungsmöglichkeit: "Bevor wir das auslöschen, wohin sie sich wenden, oder wonach sie in Erwartung streben (Manar V, 144 ff), und ihnen ein Ende setzen". Der Begriff "Dubur" (Plural: adbar أَدْبَارِ) bedeutet nicht immer "Rücken" oder "Rückseite", wie viele Übersetzer annehmen, sondern bedeutet oft "letzter Teil" oder "Ende". (Asad)

135. Vergleiche Suura 2:65 und Fußnoten. (Juusuf 'Allii)

Siehe auch Suura 7:163-166, wo die Geschichte der Sabbatbrecher ausführlich wiedergegeben ist, und zugehörige Fußnoten. (Asad)

 

48. Wahrlich, Allah verzeiht nicht, dass Ihm (Götzen) an die Seite gestellt werden.136 Doch Er verzeiht davon abgesehen wem Er will.137 Und wer Allah (Götzen) an die Seite stellt, der hat fürwahr eine gewaltige Sünde138 ersonnen

136. Allahs Gesandter –Allahs Friede sei mit ihm -sagte: "Wenn jemand stirbt, ohne Allah etwas beigesellt zu haben, dann bestraft Allah ihn, wenn Er es als angebracht befindet, oder vergibt ihm, wenn Er es als angebracht befindet. Allah vergibt nicht, dass man Ihm etwas beigesellt; außer diesem vergibt Er alles, wem er will."

137. Sowohl kleine als auch große Sünden. (Darjabaadi)

Dies soll nicht bedeuten, dass man leichtsinnig andere Sünden begehen kann, wenn man sich nur von Schirk (Götzendienerei) fernhält, sondern hier soll die Bedeutung dieser großen Sünde betont werden, die oft für trivial gehalten wird. (Mauduudi)

138. So wie in einem irdischen Königreich Hochverrat das schwerste Verbrechen ist, das die Existenz des Staatswesens gefährdet, so besteht im geistigen Reich das unverzeihliche Vergehen in Verrat gegen Allah, indem man Seine Geschöpfe zu seinen Rivalen erhebt. Dies ist eine Auflehnung gegen das Wesen und den Ursprung des geistigen Lebens. Plato hätte es mit "Lüge in der Seele" bezeichnet. Aber selbst in dem Falle, wo diese Auflehnung aus Unwissenheit geschieht und Einsicht und aufrichtige Umkehr darauf folgt, steht Gottes Barmherzigkeit immer offen. siehe ).

"Wahrlich, Verzeihung ist nur bei Allah für diejenigen, die Böses getan haben aus Unwissenheit, dann bald darauf (aber) reuevoll umkehren -und denen gewährt Allah Verzeihung. Und Allah ist wissend, weise." (Suura 4 "Die Frauen"  Aja 17) (Juusuf 'Allii)

Die ständige Betonung auf Allahs transzendentaler Einheit und Einzigartigkeit im Qur’an zielt darauf ab, den Menschen von jeder Abhängigkeit von anderen Einflüssen und Mächten zu befreien und ihn auf diese Weise geistig zu erheben und eine Reinigung zu bewirken, wie sie im folgenden Aja behandelt wird. Da diese Zielsetzung durch Schirk (anderem außer Allah göttliche Eigenschaften zuschreiben) beeinträchtigt wird, bezeichnet der Qur’an diese Sünde als "unverzeihlich", solange sie anhält, das heißt, bis der Sünder umkehrt. (Asad)

 

49. Hast du nicht jene gesehen, die sich selbst als rein bezeichnen?139 Doch nein! Allah läutert, wen Er will. Und ihnen wird nicht im geringsten140 unrecht getan.

139. Das heißt als heilig, unfehlbar, Kinder Allahs, oder in besonderer Beziehung zu Allah stehend. (Darjabaadi)

Scheinheilige Menschen oder solche, die sich selbst für heilig halten, sind am weitesten von Heiligkeit und Reinheit entfernt, denn diese kann nur von Allah ausgehen. Sie können nicht mit Allahs Wahrheit spielen und dennoch beanspruchen, von Allah geleitet, gereinigt und gerechtfertigt zu sein. Ihr Trug selbst verurteilt sie, es bedarf keines weiteren Beweises für ihre Selbstsucht und Bösartigkeit. (Juusuf 'Allii)

Das heißt, die Juden, die sich für das "auserwählte Volk Allahs" und von daher besonders für Allahs Gnade prädestiniert halten, und die Christen, die an Isa, Allahs Segn und Frieden auf ihm, "stellvertretende Sühne" für die Sünden der Menschheit glauben. Es besteht ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dieser Bemerkung und der Bezugnahme auf Schirk (Götzendienerei) im vorigen Aja, weil Juden und Christen, während sie nicht ausdrücklich an die Existenz einer anderen Gottheit neben Allah den Imaan verinnerlichen, bestimmten menschlichen Wesen in verschiedenen Grade göttliche oder gottähnliche Eigenschaften zuschreiben: die Christen, indem sie 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu einer Manifestation in Menschengestalt erheben und offen eine Hierarchie von Heiligen von, und die Juden, indem sie ihren großen Talmudgelehrten gesetzgeberische Vollmachten zuerkennen, so dass ihre Rechtsentscheidungen notfalls sogar Gebote der Schrift außer Kraft setzen können (vergleiche diesbezüglich Suura 9:31). Es braucht nicht besonders erwähnt zu werden, dass sich dies auch auf jene Muslime bezieht, die sich ähnlicher Vergehen schuldig gemacht haben. Folglich umfasst der Ausdruck "diejenigen, die sich selbst als geläutert bezeichnen" in diesem Zusammenhang alle, die sich für Monotheisten halten (einfach aus dem Grund, weil die nicht bewusst mehrere Gottheiten verehren), trotzdem aber in diesem tieferen Sinne die Sünde des Schirk (Götzendienerei) begehen. (Asad)

Die Juden behaupteten seit alters her, sie seien Allahs auserwähltes Volk. Allah hatte sie tatsächlich auserwählt, nämlich um die Verantwortung des Prophetentums zu tragen. Zu jener Zeit hatte Er sie vor der ganzen Menschheit bevorzugt, von Pharao und seinen Fürsten befreit und ihnen das Heilige Land gegeben. Sie aber wandten sich danach von Allahs Wegen ab und begingen im Lande große Gewalttaten und himmelschreiendes Unrecht, und ihre Gelehrten verdrehten Allahs Wort; obwohl sie Allahs Gesetz sehr wohl kannten, vertauschten jene Gelehrten darin Erlaubtes und Verbotenes. In­dem sie dies zuließen und befolgten, nahmen die Juden ihre Gelehrten zu Herren neben Allah, während ihre Bindung an Allahs Religion und Seine offenbarte Schrift schwach war. (Qutb)

140. Wörtlich: Das Häutchen oder Fädchen in der Rille eines Dattelkerns, ein Ding ohne jeden Wert. (Juusuf 'Allii)

Die meisten Philologen verstehen unter "fatiel"- einen "dünnen Faden, den man zwischen den Fingern drehen kann"- eine Bezeichnung, die auch, aber keineswegs ausschließlich, auf die winzige Faser in der Rille eines Dattelkerns verwandt wird. Diese Redewendung kann sowohl am besten übersetzt werden mit "um Haaresbreite". Der obige Aja besagt erstens, dass geistige Reinheit nicht das Privileg einer bestimmten Gruppe oder Gemeinschaft ist, und zweitens, dass der Mensch nur durch Allahs Gnaden rein werden oder bleiben kann, denn "der Mensch ist schwach geschaffen" (siehe Aja 28 oben). (Asad)

 

50. Schau, wie sie eine Lüge gegen Allah ersinnen. Doch das allein schon stellt eine offenkundige Sünde dar.141

141. Wörtlich: "Und dies genügt als offenkundige Sünde". Der Aja bezieht sich auf verschiedene willkürliche theologische Aussagen, wie etwa die jüdische Behauptung, Allahs auserwähltes Volk und auf diese Weise vor Allahs Strafe sicher zu sein; die christliche Lehre der "stellvertretenden Sühne"; die Darstellung Allahs als "Dreieinigkeit" mit "Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, als der "zweiten Person"; und vieles mehr. (Asad)

 

Abschnitt 8

51. Hast du nicht jene gesehen, denen ein Teil der Schrift gegeben worden ist?142 Sie glauben an Magie und an den Bösen.143 Und sie sagen von denen, die kaafir sind, dass sie besser auf dem (rechten) Weg geleitet seien als jene, die den Imaan verinnerlicht haben.l44

142. "Hast du nicht jene gesehen, denen ein Teil des Buches gegeben worden ist? Sie wurden zum Buch Allahs aufgerufen, um (damit) untereinander zu richten. Doch dann wandten sich einige von ihnen in Widerwillen ab." (Suura 3 "Al-'Imraan" Aja 23)

Es gibt in Wirklichkeit nur ein Buch Allahs, wobei die Thora der Juden und das Evangelium der Christen nur einen Teil dieses einen Buches darstellen. Den Muslimen schließlich wurde das gesamte Buch offenbart, denn der Qur’an beinhaltet nicht nur die Grundlagen sämtlicher Religionen, sondern noch viel weitergehende Prinzipien. (Qutb)

"Hast du nicht jene gesehen, denen ein Teil des Buches gegeben worden ist? Sie haben sich den Irrtum erkauft und wollen, dass (auch) ihr vom (rechten) Weg abirrt." Sura 4 "Die Frauen" Aja 44 (Juusuf ’Allii)

Zum Wesentlichen früherer Offenbarungen gehört, dass der Mensch dieser Schrift folgen und nicht Götzen dienen soll, wie es diejenigen tun, die Allah nicht leitet; dass er die Schrift zur entscheidenden Instanz in seinem Leben macht und sich nicht an Autoritäten außer Allah orientiert. Die Juden waren beispielsweise auf diesem Weg zum Götzendienst gelangt, indem sie Wahrsagerei betrieben und Verhaltensweisen einführten, die Allah nicht erlaubt hatte. Sie folgten dem, indem sie sich an Rechtsentscheidungen orientierten, die eine andere Grundlage als Allahs Gesetz hatten, was Unterdrückung zur Folge hat. (Qutb)

143. Das Wort "Dschibt" جِبْت bedeutet Wahrsagerei, Zauberei, Magie oder Abgötterei verschiedener Art. "Tadschut" (vergleiche auch Suura 2 "Die Kuh" Aja 256) bedeutet "der Böse", der sich über alle Grenzen hinwegsetzt, Scheytaan; es kann sich hier auch auf einen altarabischen Götzen beziehen, mit dem die medinensischen Juden gegen Allahs Gesandten Ränke schmiedeten. Die Juden hatten einen starken Hang zur Zauberei, Wahrsagerei, Magie und anderen Aberglauben. (Juusuf 'Allii)

144. Sie waren so unvernünftig, dass sie offen erklärten, die Götzendiener seien besser geleitet als die Muslime, das heißt mit anderen Worten, sie gaben dem Götzendienst eindeutig den Vorzug gegenüber dem Islam. (Siddiqi)

 

52. Sie sind diejenigen, die Allah verflucht hat. Und wen Allah verflucht hat, für den wirst du keinen Helfer finden.145

145. Die Juden verbündeten sich damals mit den mekkanischen Götzendienst gegen Muchammed, Allahs Frieden und Segen auf ihm, aber abgesehen davon, dass sie keine Hilfe bekamen, wurden sie und die Götzendiener beide überwunden. Dies war der unmittelbare Anlass, aber die Worte haben eine allgemein gültige Bedeutung. (Juusuf 'Allii)

Allah ist Helfer dessen, der Ihm hilft, indem Er nämlich dem beisteht, der aufrichtig an Ihn den Imaan verinnerlicht, Seinem Weg wahrhaftig folgt und sich bei Zweifel oder Zwistigkeiten mit innerer Zufriedenheit und Zustimmung an Seinem Gesetz orientiert. (Qutb)

 

53. Haben sie etwa teil an der Herrschaft? Doch dann würden sie den Menschen nicht das Allergeringste abgeben.l46

146. "Naqir" نَقِيراً  bedeutet wörtlich "die Rille eines Dattelkerns", eine Sache ohne jeden Wert. Geiz und Neid gehören zu den übelsten Formen des Egoismus und wirken besonders unangebracht bei Menschen, die über Macht, Einfluss und Autorität verfügen, denn von ihnen erwartet man Großzügigkeit im Geben und in der Sorge für das Allgemeinwohl. (Juusuf 'Allii)

Der Qur’an führt den Mythos von Macht und Einfluss ad absurdum indem er fragt: Haben sie etwa Anteil an der göttlichen Autorität, so dass sie sich für kompetent genug halten zu entscheiden, wer auf dem rechten Weg ist und wer nicht? Diese Autorität liegt allein in Allahs Hand, und wenn jene kurzsichtigen Menschen Anteil daran hätten, würden sie nie einem anderen das geringste bisschen davon zugestehen. Wie können solche voreingenommenen Menschen, die voller Eifersucht die Wahrheit ablehnen, wenn sie von jemandem außerhalb ihrer eigenen Konfession dargelegt wird, sich leisten, Privilegien an andere abzutreten? (Siddiqi)

 

54. Oder beneiden sie die Menschen um das, was Allah ihnen von Seiner Huld gegeben hat?147 Aber Wir haben bereits der Familie Ibraahiims148 die Schrift und die Weisheit gegeben und Wir haben ihnen ein gewaltiges Reich gegeben.149

147. Es ist vielleicht der Neid auf Allahs Gesandten -Friede und Allahs Segen sei mit ihm -und die Muslime und das, was Allah ihnen aus Seiner Güte geschenkt hat -auf diese Religion, die ihnen Kraft gibt, ein neues Leben schenkt, ihr Dasein menschlich macht und ihnen Licht, Vertrauen, Zuversicht und Gewissheit, sowie Sauberkeit, Reinheit, Würde und Festigkeit gibt. (Qutb)

Die Juden werden hier kritisiert, weil sie den Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihm, und seine Anhänger um Allahs Geschenk (das Prophetentum) beneiden, auf das sie selbst Anspruch erheben, obwohl sie sich als unwürdig erwiesen haben. Statt Reue über ihr Verhalten zu zeigen, das sie unwürdig für Allahs Gabe gemacht hat, hegen sie Groll gegen den Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihm, der durch Allahs Gnade die größte geistige, moralische und intellektuelle Revolution hervorbrachte. Ihre Eifersucht veranlasste sie, Partei für die Götzendiener zu ergreifen und sich gegen die Muslime zu wenden. (Mauduudi)

148. Ibraahiims Familie, Allahs Segn und Frieden auf ihm und sie, umfasst selbstverständlich Ismaa'iil und Ishaaq in gleicher Weise. (Darjabaadi)

Der Qur’an betont, dass ihre Eifersucht auf den Islam und unsern Propheten Muchammed, Allahs Frieden und Segen auf ihm,  keinerlei Rechtfertigung hat. Sie hegen lediglich in ihren Herzen einen Groll darüber, dass Allah jemandem außerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft die Offenbarung zukommen ließ. Der Qur’an fordert sie zum Nachdenken über ihre widersprüchlichen Positionen auf: einerseits halten sie sich für wahre Nachfolger Ibraahiims, die an das den Imaan verinnerlichen, was ihm von Allah offenbart wurde; andererseits nähren sie Hass gegen Muchammed und lehnen ab, was ihm von Allah gegeben wurde, obwohl Muchammed ein direkter Nachkomme Ibrahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, ist, dessen Botschaft der Qu’an bewahrt und bestätigt. (Siddiqi)

149. Wie beispielsweise die Reiche Daawuuds as und Suleymaans as, die in der ganzen Welt berühmt waren. (Juusuf 'Allii)

Das arabische Wort "Mulk 'asiim" مُّلْكاً عَظِيمً  (mächtiges Herrschaftsgebiet) bezieht sich auf die Führung und Leitung der Welt und die Überlegenheit über andere Nationen, die zustande kommt, indem man das Wissen und die Weisheit des Buches Allahs in die Praxis umsetzt. Wenn dieses Privileg der Familie Ibraahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, den Juden als Ursache für Ehre und Stolz gilt, weil sie sich als seine Anhänger betrachten, warum sollten sie dann beruhigt sein, wenn ebendiese Privilegien auf den Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihm, übertragen werden, der ebenso von Ibrahim abstammt wie jeder israelitische Prophet? (Siddiqi)

 

55. Unter ihnen sind manche, die an ihn den Imaan verinnerlicht haben haben150 und manche, die sich von ihm abgewendet haben. Und die Hölle genügt als Feuerglut.151

150. Indem sie Ibraahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Botschaft treu geblieben sind. (Asad)

151. Neid ist wie ein inneres Feuer, das in sich selbst eine Hölle ist. (Juusuf 'Allii)

 

56. Wahrlich, jene, die Unsere Zeichen leugnen, werden Wir schon bald dem Feuer aussetzen.152 Jedes Mal wenn ihre Haut verbrannt ist, tauschen Wir sie gegen eine andere Haut aus,153 damit sie die Strafe kosten mögen. Wahrlich, Allah ist allmächtig, weise.

152. Allahs Gesetz ändert sich nicht. Wer den Propheten Muchammed, Allahs Frieden und Segen auf ihm, als Allahs Gesandten ablehnt und nicht an das den Imaan verinnerlicht, was ihm von Allah gegeben wurde, der muss die gleichen Konsequenzen tragen wie diejenigen, die frühere Propheten abgelehnt haben. (Siddiqi)

Die Haut ist der Ort, wo man den Schmerz im Verbrennungsfall spürt. Sobald diese verbrannt ist, wird kein Schmerz mehr empfunden, deshalb bestraft Allah die Höllenbewohner am Tag der Auferstehung damit, indem Er ihnen immer wieder eine neue Haut erschafft. Zur Zeit der Überlieferung wussten die Menschen nichts davon, daher ist ein weiterer Beweis das der Qur'an von Allah kommt. (Abdul Madschiid As-Sindani)

153. Dies ist die Vergeltung für Lästerung gegenüber Allah, nachdem die Mittel zur Erlangung des Imaans gegeben worden waren. Sie ist beabsichtigt, als eine ausgleichende Vergeltung. (Qutb)

Dieses furcht erregende Bild vom Leiden im zukünftigen Leben soll die unvorstellbar lange Dauer dieses Leidens betonen. (Asad)

 

57. Und jene, die den Imaan verinnerlicht haben und gute Werke tun, werden Wir in Gärten eingehen lassen, durch die Ströme fließen.154 Dort werden sie ewig verwellen. Sie werden dort Gefährten und Gefährtinnen von vollkommener Reinheit155 haben und Wir werden sie in wohltuenden Schatten156 eingehen lassen.

154. Wörtlich: unter denen Ströme fließen. (Anm. d. Übers.)