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Von Suura 3 "Die Familie von Al-'Imraan" Aja 92 –
Suura 4 "Die Frauen" Aja 58
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92.
Ihr werdet die Güte nicht erreichen, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr
liebt.161
Und was immer ihr spendet, Allah weiß wahrlich darüber Bescheid162. 161.
Der Beweis echter Wohltätigkeit liegt darin. dass man etwas gibt, was einem viel
wert ist, was man selbst sehr liebt. Wenn man sein Leben für eine gute Sache
hingibt, so ist dass das Größte, was man zu geben vermag. Wenn man sich selbst
gibt, also sich mit allen Kräften für etwas einsetzt, seine Fähigkeiten, seine
Handfertigkeit, sein Wissen anderen zugute kommen lässt, dann ist dies das
nächstgrößte Opfer. Gibt man seine Einkünfte, sein Eigentum, seinen Besitz hin,
so ist auch dies eine wirkliche Gabe, denn viele Menschen lieben gerade dies
weit mehr als alles andere. Es gibt auch weniger Greifbares wie die eigene
Stellung, das persönliche Ansehen, das Wohlergehen derjenigen, die wir lieben,
die Wertschätzung jener, die uns nützlich sein können. Allah fordert
Selbstlosigkeit von uns, und es gibt keine selbstlose Tat, wie gering und
unwägbar sie auch sein mag, ohne dass Allah um sie weiß. (Juusuf 'Allii) 162. Nachdem in den vorausgehenden Ajas denen, die wissentlich die Wahrheit verleugnen, gesagt wird, dass ihr wohlmeinendes Aufwenden von Bemühungen und Besitz während ihres Erdendaseins ihnen am Tag des Jüngsten Gerichts nichts nützen wird, erinnert der Qur´an nun die Muslime daran, dass andererseits ihr Imaan an Allah nicht als vollkommen erachtet werden kann, solange er ihnen nicht die Augen für die materiellen Bedürfnisse ihrer Mitmenschen öffnet. Nicht darin besteht die Güte,, dass ihr eure Gesichter (beim Gebet) dem Osten oder dem Westen zuwendet; Güte ist vielmehr, an Allah zu den Imaan zu verinnerlichen, den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten, (von) dem Besitz- obwohl man ihn liebt zu geben den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Wanderer, den Bettlern und für (das Freikaufen von) Sklaven, das Gebet zu verrichten und Seka zu geben. Und (gut sind) diejenigen, die ihr Versprechen halten, wenn sie es gegeben haben und diejenigen, die in Elend, Not und zu Zeiten von Krieg geduldig sind. Sie sind es, die wahrhaft und mutaqi sind. (2:177) (Asad)
93. Alle Speisen waren den
Kindern Israa'iils erlaubt, außer dem, was sich Israa'iil selbst verboten hatte, bevor
die Thora herabgesandt wurde.163 Sprich: "Bringt (doch) die Thora
herbei und lest sie vor, wenn ihr wahrhaft seid."164 163.
Die Juden zogen an den Haaren Vorwände und Kniffe herbei, um die Echtheit der
Botschaft unseres Propheten Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in Zweifel zu ziehen,
die Gedanken zu verwirren und Misstrauen zu erregen. Wenn es im Qur´an hieß: "Er
ist eine Bestätigung für das, was in der Thora steht", fragten sie: "Wie kommt
es dann, dass im Qur'an einige der Speisen erlaubt sind, die den Kindern Israa'iil
verboten sind?" In den Überlieferungen heißt es nämlich, dass z.B. Kamelmilch
und Kamelfleisch für die Kinder Israa'iil verboten sind; hier aber hat Allah das
Verbotene für die Muslime für erlaubt erklärt. An dieser Stelle verweist der Qur'an auf die historische Wirklichkeit, die sie ignorieren... Tatsächlich waren
vor der Offenbarung der Thora den Kindern Israa'iil alle Speisen erlaubt außer
denen, die Israa'iil -nämlich Jaquub, der Friede sei mit ihm. sich selbst versagte.
Die Tradition berichtet, dass ihn einmal eine schwere Krankheit befiel und er
Allah gelobte, freiwillig auf seine Lieblingsspeisen Kamelmilch und
Kamelfleisch zu verzichten, wenn Er ihn wieder gesund werden ließ. Allah nahm
sein Gelübde an, und seine Sunnah veranlasste die Kinder Israa'iil dazu, sich
selbst zu verbieten, was sich ihr Vorvater versagt hatte. Außerdem verbot Allah
den Kindern Israa'iil weitere Speisen, um sie damit für ihren Ungehorsam zu
strafen. Allah weist hier klar auf diese Tatsache hin, um den Juden in
Erinnerung zu rufen, dass ihnen diese Speisen ursprünglich erlaubt waren. Das
Verbot erfolgte dann aus Gründen und unter besonderen Umständen, die nur die
Juden selbst etwas angehen. Wenn Allah also den Muslimen diese Speisen erlaubt,
so stellt das lediglich einen Rückgriff auf den Ursprungszustand dar. Es gibt
also keinen Grund, gegen den Qur´an und dessen Authentizität Einwände zu erheben
oder an ihm zu zweifeln. Der Qur`an fordert vielmehr die Juden dazu auf, in der
Thora nachzulesen, wodurch ihnen begreiflich werden muss, dass die Speiseverbote
eine nur ihnen auferlegte Besonderheit waren und keine allgemeine Gültigkeit
besitzen. (Qutb) 164.
Die Juden zu Zeit des Propheten Muchammed (Friede sei mit ihm) beschuldigten die
Muslime, dass sie gewisse Speisen zu sich nähmen, die seit Ibraahiims Zeiten
verboten gewesen seien. Der Qur´an weist diese Anschuldigungen zurück und bringt
die Juden zum Schweigen, indem er sich auf ihre eigenen Schriften bezieht.
(Darjabaadi) Auf ähnliche Weise argumentierten die Juden, als es um die Änderung der Qibla ging, nachdem sich der Gesandte Allahs -Friede sei mit ihm bis zum 16. oder 17. Monat nach der Hidschra beim Gebet nach Jerusalem gewandt hatte. (Qutb)
94. Wer also danach noch eine
Lüge gegen Allah erdichtet, das sind diejenigen, die unrecht tun.
95. Sprich:
,,Allah hat die
Wahrheit gesprochen. Darum folgt dem Bekenntnis Ibraahiims, der Imaan hatte und
nicht den Götzendienern angehörte."165 165. Das heißt: Sprich, O Prophet, zu den Juden, im Hinblick auf das alte Gesetz und die Praxis Israa'iils, dass sie Ibraahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm,, dem Urvater ihrer Rasse und dem eigentlichen Quell ihrer Religion folgen sollen, denn der Imaan Ibraahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war nichts anderes als Islam.
Und sie sagen: "Werdet
Juden oder Christen, (dann) werdet ihr rechtgeleitet sein. Sprich: "Nein! (Wir
befolgen) das Bekenntnis Ibraahiims, der Rechtschaffenheit hatte und nicht den
Götzenanbetern angehörte." (2:135) (Darjabaadi) Die Juden behaupteten, Ibraahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Erben zu sein. Aber auch hier verweist der Qur´an wieder auf Ibraahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Wahrheit, die rein war von jeder Abgötterei, und macht darüber eine zweifache Aussage: einmal das Ibraahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ein Hanif (jemand mit Imaan) war, und zum anderen, dass er kein Götzendiener war. Wie kommt es dann, dass sie die Juden Götzendienerei betreiben? Obwohl dieses Thema bereits ausführlich in Suura 2 Aja 142 behandelt worden ist und daraus bereits ersichtlich war, dass die Bestimmung der Ka'ba als Qibla -Gebetsrichtung -der ursprünglichen Gebetsrichtung Ibraahiims entspricht und ihr daher Vorrang zukommt, während die Hinwendung nach Quds während das Volk aufzuwiegeln und Unruhe und Zweifel zu säen, um so die Wahrheit zu untergraben. (Qutb)
96.
Tatsächlich, das erste Haus, das für die Menschen errichtet worden ist, ist das
in Bekka,166
ein Segen und eine Rechtleitung für (die Menschen in) aller Welt.167 166.
Alle Gelehrten sind sich darüber einig, dass die Stadtbezeichnung Bekka
gleichbedeutend ist mit Mekka. Die Erwähnung des Hauses Allahs in Mekka, dem
Sitz der Ka'ba ist wohl darauf zurückzuführen, dass es sich dabei um die im
Qur´an festgelegte Gebetsrichtung (Qibla) handelt. Da die Ka'ba in ihrer Urform
von Ibraahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und Ismaa'iil erbaut worden ist
(siehe auch 2:125 ff.), ist sie wesentlich älter als der Tempel Suleymaan,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, in Quds. Die Einsetzung der Ka'ba als die
Qibla für die Muslime bedeutet also keineswegs einen Bruch mit der Tradition
Ibraahiims (auf der letztlich die ganze Bibel beruht), sondern sie stellt im
Gegenteil die unmittelbare Verbindung zu dem Patriarchen wieder her. (Asad) Die Orientierung nach der Ka'ba ist die
ursprünglichere, denn sie ist das erste Haus, das zum ’Ibade auf Erden erbaut
wurde.. .Allah segnete sie und machte sie zu einem Versammlungsort für die
Menschheit, bei dem sie Rechtleitung zu finden vermag, Rechtleitung durch Allahs
offenbarte Religion, wie Ibraahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sie empfing. Innerhalb des so genannten
heiligen Bezirks der Ka'ba finden sich deutliche Zeichen, so der Ort Abrahams,
ein historischer Stein, auf dem Ibraahiim, Friede sei mit ihm, beim Bau der
Ka'ba gestanden haben soll. (Qutb) 167. "'Aalamiin" عَالَمِين kann bedeuten "Welten", wie in 1:2 "alle Welt, alle Völker", wie in 3:42; oder "alle Geschöpfe", wie in 3:97. (Juusuf 'Allii)
97.
Darin sind deutliche Zeichen,168 so die Stätte Ibraahiims; wer dort
eintritt, ist in Sicherheit.l69 Die Menschen sind Allah gegenüber
verpflichtet, zu Seinem Haus zu pilgern jene, die dazu die Möglichkeit finden.170
Doch wenn jemand den Imaan verleugnet, so ist Allah wahrlich auf Seine Geschöpfe
nicht angewiesen. 168.
Diese deutlichen Zeichen, die mit "dem Haus" verbunden sind, beweisen, dass
Allah es als "Sein Haus" angenommen und gutgeheißen hat. Obwohl es an einem
öden, unfruchtbaren Platz errichtet worden ist, hat Allah die dort lebenden
Menschen stets mit allem reichlich versorgt, das sie zum Leben benötigten.
Abgesehen davon war diese Stätte, obwohl es in den etwa 2.500 Jahren vor der
Verkündung des Islam in ganz Arabien Unruhe und Unordnung gab, stets ein Ort des
Friedens und der Sicherheit. Auch war durch die Ka'ba und ihre Umgebung für ganz
Arabien alljährlich eine Zeit von vier Monaten festgesetzt, in der Frieden zu
herrschen hatte. (Mauduudi) 169.
Die unverletzliche Heiligkeit der Ka'ba wurde von allen selbst zu Zeiten der
finstersten Unwissenheit derart geachtet, dass auch die blutrünstigsten Feinde
sich dort nicht anzurühren wagten. (Mauduudi) Anlässlich des Einzugs in Mekka sagte der
Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm): "Diese Stadt hat Allah am Tag der
Schöpfung von Himmel und Erde geheiligt; durch Allahs Heiligung ist sie heilig
bis zum Tag der Auferstehung. Er hat vor meiner Zeit niemandem erlaubt, darin zu
kämpfen, und Er erlaubte es mir nur zu einer Stunde an einem Tag. Durch Allahs
Heiligung ist sie heilig bis zum Tag der Auferstehung. Ihre Dornbüsche dürfen
nicht beschnitten und ihre Wildtiere nicht gestört werden. Fundsachen dürfen nur
nach öffentlicher Bekanntgabe aufgehoben werden, und ihre Grünpflanzen dürfen
nicht abgeschnitten werden." Es ist exegetisch bemerkenswert, dass die Verpflichtung zur Hadsch allgemein "für die Menschen" formuliert ist. Darin ist nämlich impliziert, dass sie auch denjenigen Juden vorgeschrieben war, die über die Hinwendung der Muslime nach Mekka im Gebet diskutierten, während sie selbst sich für verpflichtet hielten, sich nach dem Haus ihres Vaters Ibraahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu orientieren. Es entsteht der Eindruck; alle Menschen müssten dem Anspruch dieser Religion genügen und ihre religiösen Verpflichtungen und Riten erfüllen, einschließlich der Orientierung nach Mekka beim Gebet und der Pilgerfahrt. Alles andere ist Kufr, auch wenn sie vorgeben, religiös zu sein. Allah ist reich und braucht weder ihren Imaan noch ihre Pilgerfahrt; es ist lediglich in ihrem eigenen Interesse, wenn sie den Imaan verinnerlichen und Allah dienen. Einer der Vorzüge dieses Hauses ist, dass jeder, der sich darin befindet, sich sicher fühlen kann. Somit ist die Ka'ba ein Schutz- und Zufluchtsort für jeden Ängstlichen, in Bedrängnis Geratenen geworden wie kein anderer Ort auf dieser Erde... Und so blieb es, seitdem die Ka'ba von Ibraahiim und Ismaa'iil, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, erbaut wurde, selbst in den finstersten Zeit, die. die Araber durchlebten und in denen sie weit von der Religion Ibraahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, abgewichen sind. Auch dann wurde die Heiligkeit des Orts gewahrt. Hassan Al-Basri und andere wissen zu erzählen: "Wenn jemand einen anderen Menschen umgebracht hatte, wickelte er sich einen Wollschal um den Hals und ging zur Ka'ba. Wenn ihm der Sohn des Ermordeten dort begegnete, durfte selbst dieser ihm nichts tun, ehe er nicht das "Haus" verließ. So hochgeehrt und geachtet wurde es Allah zuliebe, selbst zu einer Zeit, als die Menschen dort in Götzenanbetung lebten. Zur Heiligung des Ortes gehört, dass dort Wild weder gejagt noch aus seinem Bau vertrieben werden und keine Bäume umgeschlagen werden dürfen. (Qutb)
98. Sprich: ,,O ihr Besitzer
des Buches, warum verleugnet ihr die Zeichen Allahs, wo doch Allah (Selbst)
Zeuge ist für das, was ihr tut?,,171 170.
Wer die Unbequemlichkeiten der Reise und die Kosten der Pilgerfahrt zu tragen
vermag, wird die Erfahrung machen, dass sein Weg dorthin sicher ist. Die
Pilgerfahrt ist eine der fünf Säulen des Islam. (Siddiqi) 171.
So dass alles Verbergen nichts nützt. Er ist der Ewiglebende, ständig Anwesende,
der Zeuge allen menschlichen Handelns, aller unserer Leidenschaften und
Beweggründe. Wenn schon nicht aus Liebe zu Ihm, dann sollte uns die Ehrfurcht
vor Ihm und das Bewusstsein Seiner Allgegenwart dazu anhalten, wahrhaft und
menschenwürdig zu leben. (Darjabaadi) Eine Kritik wie diese wiederholt sich in vielen anderen Suuras. Den Schriftleuten wird hier die Wirklichkeit ihrer Haltung entgegengehalten, dass sie nämlich Kaafir sind, wenn sie sich auch der äußeren Erscheinung nach religiös zeigen. Sie hatten nicht den Imaan an die Zeichen Allahs im Qur´an. Wer aber an etwas von Allahs Buch nicht den Imaan verinnerlicht, der verinnerlicht auch nicht den Imaan an Seine Bücher insgesamt. Denn wenn sie an das den Imaan verinnerlichen würden, was ihnen gegeben wurde, so würden sie an sämtliche Propheten den Imaan verinnerlichen, die nach ihrem eigenen Propheten von Allah gekommen sind. (Qutb)
99.
Sprich: ,,O ihr Besitzer des Buches, warum haltet ihr die, die den Imaan
verinnerlicht haben, vom Pfad Allahs ab, indem ihr danach trachtet, ihn krumm zu
machen, wo ihr doch selbst Zeugen seid?l72 Und Allah ist nicht
achtlos dessen, was ihr tut." 172. Die Menschen, auf die sich dies bezieht, sind die Juden und die Christen. Dadurch, dass sie die Bibel angenommen haben, in der das Kommen des Propheten Muchammad, Friede sei mit ihm, vorausgesagt wird, wurden sie zu "Zeugen" der Wahrhaftigkeit seines Prophetentums. Siehe auch die vorstehenden Aja 70 und 81. (Asad) Hier wird nochmals darauf hingewiesen, dass die jüdischen Gelehrten, die zur Zeit des Propheten, Friede sei mit ihm, in Arabien lebten, ganz eindeutig verstanden hatten, dass er ein wahrhaftiger Prophet war, und dass sie auch Zeugnis abgelegt hatten, ebenso wie dafür, dass die von ihm übermittelten Lehren dieselben waren wie die früherer Propheten. Doch trotz alledem verleugneten sie ihn nicht nur, sondern widersetzten sich ihm auch wegen ihrer jahrhundertealten Vorurteile, ihrer Halsstarrigkeit und ihrer feindseligen Einstellung der Wahrheit gegenüber. (Mauduudi)
Durch eure eigenen Schriften. Hier wird Bezug
genommen auf die Versuche der Juden und Christen, zu "beweisen", dass Muchammed,
Allahs Segen und Frieden auf ihm,
die wichtigsten Gedanken des Qur´an aus der Bibel entlehnt und sie so aus
dem Zusammenhang gerissen habe, dass sie seine eigenen, angeblich "ehrgeizigen
Pläne" untermauerten. (Asad) Allahs Weg ist gerade. Alles andere ist krumm und verbogen. Wenn die Mu´mins von Allahs Pfad abgehalten werden, verliert alles an Aufrichtigkeit, die Maßstäbe werden fehlerhaft, und es herrscht eine solche Verzerrung, dass sie nicht wieder gerade zu biegen ist. (Qutb)
100. O die ihr den Imaan
verinnerlicht habt, wenn ihr einem Teil derjenigen gehorcht, denen das Buch
gegeben worden ist,174 dann werden sie euch, nachdem ihr die Religion
angenommen habt,175 wieder zu Kaafir machen. 173.
Oder es zulässt, dass sie euch beeinflussen. (Darjabaadi) Den Besitzern des Buches zu folgen, sich an
ihnen zu orientieren und ihre Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen zu
kopieren, führt zuallererst zu einer inneren Niederlage und zur Aufgabe der
Führungsposition, zu der die muslimische Gemeinschaft berufen ist. Außerdem
werden dadurch Zweifel an der Eignung des Weges Allahs verursacht, den Menschen
zu stetigem Wachstum und Aufstieg zu führen, sofern das Leben nach dessen Lehren
gestaltet wird. Auf diese Weise schleicht sich, ohne dass die nahende Gefahr
erkannt wird, der Kufr in die Seele ein. (Qutb) 174.
Die Muslime werden ermahnt, dass sie in dieser Welt als neue religiöse Kraft
auftreten. Daher droht ihnen die größte Gefahr, der sie ausgesetzt sind, von
jener religiösen Gruppe von Schriftbesitzern, die es sich in den Kopf gesetzt
hat, sie mit Hilfe von "frommen" Machenschaften und Zungenfertigkeit dazu zu
bringen, dass sie in der alten Religion zurückfallen. (Siddiqi) 175. Wörtlich: nach eurer Religion. Viele von den Besitzern des Buches möchten, dass sie euch, nachdem ihr den Imaan angenommen habt, wieder zu Kaafirs machen (könnten); (dies) aus Neid in ihren Seelen, nachdem ihnen die Wahrheit klar gemacht worden ist. Doch vergebt (ihnen) und meidet (sie), bis Allah (darüber) Seine Entscheidung ergehen läßt. Wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge. (2:109) (Anm. d. Übers.)
101. Wie könnt ihr (wieder)
Kaafir werden, während euch die Zeichen Allahs vorgetragen werden und Sein
Gesandter176 unter euch ist? Doch wer an Allah festhält, der wird
gewiss rechtgeleitet auf den geraden Weg. 176.
Körperlich unter euch, solange er am Leben war, geistig aber selbst nach seinem
Tode, nämlich durch sein Handeln und seine Worte, die Sunnah. Was hier betont
werden soll, ist, dass es keinen denkbaren Grund gibt, sich erneut der
unrichtigen Religion zuzuwenden, solange es den Qur´an und die Sunnah gibt.
Vielmehr sollte jedermann sich dazu bewogen fühlen, ein guter und aufrichtiger
Muslim zu sein. (Darjabaadi) Wie ist es denkbar, dass jemand von euch der
Religion verleugnen kann, wenn die Offenbarungen von Muchammed, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, vorgetragen werden und er sich auch physisch unter euch
befindet als lebendige Verkörperung der Zeichen Allahs. Man sollte sich klar vor
Augen führen, dass die Stellung Muchammeds (Friede sei mit ihm) bis in alle
Ewigkeit unverändert bleibt, weil es ihm bestimmt ist, durch die unantastbare
Aufzeichnung seines vorbildlichen Lebens und seiner großartigen Lehren, von
denen jede kleinste Einzelheit auf das Sorgfältigste aufbewahrt und von einer
Generation zur nächsten weitergereicht worden ist als kostbarster Schatz der
Menschheit, auf immer lebendig zu sein. (Siddiqi)
Abschnitt 11
102. O die ihr den Imaan
verinnerlicht habt! Fürchtet Allah, so wie man Ihn fürchten sollte,177
und sterbt nicht anders als178(Ihm) ergeben. 177.
Furcht kann von vielerlei Art sein. So beispielsweise 1. die verächtliche Furcht des Feiglings; 2. die Furcht eines- Kindes oder eines
unerfahrenen Menschen angesichts einer unbekannten Gefahr; 3. die Furcht eines vernünftigen Menschen,
der Gefahren von sich und den Seinen abwenden möchte, um sie zu beschützen; 4. die Ehrfurcht, die eigentlich verwandt ist
mit Liebe, denn sie fürchtet, irgend etwas zu tun, was dem Geliebten missfallen
könnte. Die erste Art ist menschenunwürdig; die
zweite ist für die geistig noch nicht Ausgereiften notwendig; die dritte ist
eine mutige Vorsichtsmaßnahme gegen das Böse, das noch nicht besiegt ist; die
vierte schließlich ist das Saatbeet der Rechtschaffenheit. Jene, die in ihrem
Imaan bereits ausgereift sind, bemühen sich um eine Weiterentwicklung der
vierten Art. In früheren Stadien mag die dritte oder zweite notwendig sein.
Dabei handelt es sich um Furcht, nicht aber um die Furcht vor Allah. Die erste
ist ein Gefühl, dessen sich jeder schämen sollte. (Juusuf 'Allii) Taqwa und Ergebenheit zu Allah sind die
beiden Pfeiler, auf die. die islamische Gemeinschaft sich stützt, um ihre
mühsame und zugleich wichtige Rolle erfüllen zu können. Als erstes ist der
Pfeiler des Imaans und der Taqwa erwähnt. Aus dieser Furcht heraus versucht der
rechtgeleitete Mensch, Allahs Anforderungen zu erfüllen, und zwar so lange, bis
sein Leben zu Ende ist. (Qutb) 178. Die hierfür verwendeten Worte im Originaltext مُسْلِمَيْنْ heißen "Muslim" und "Muslima". Es sind Formen, die von dem arabischen Verbum "aslama" abgeleitet sind, das heißt "er hat sich Allah ergeben" oder "er hat den Islam angenommen". Ebenso wird der Imperativ dieses Verbums in Aja 2:131 in diesem Sinne verwendet, nämlich "ergib dich", mit anderen Worten "nimm den Islam an" oder "werde Muslim". Hierdurch wird ein für allemal mit der irrtümlichen, im Westen weit verbreiteten Auffassung aufgeräumt, dass "Muchammad der Begründer des Islam ist". Es ist Allah selbst, Der allen Propheten, wie hier Ibraahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, aufgetragen hat, sich Ihm zu ergeben. das heißt. Muslim zu werden. und diese Ergebenheit, also den Islam. zu verkünden, Islam ist somit die ursprüngliche Religion aller Menschen. (Anm. d. Übers.) Dazu schreibt Mauduudi: "So also ist ein Muslim. wer sich vollkommen Allah hingibt und Ihm gehorcht. Ihn allein als seinen Herrn und Gesetzgeber anerkennt und den vom Ihm vorgeschriebenen Weg befolgt. Der Islam ist die auf diesem Imaan beruhende Diin, Das war der Diin aller Propheten, die von Allah gesandt wurden." Der Augenblick des Todes ist vor dem Menschen verborgen. Wer nur als Muslim sterben will, der soll ab sofort in jedem kommenden Augenblick Muslim sein. Die Erwähnung des Wortes Hingabe (Islam) nach der Ermahnung zur Taqwa soll auf die weit reichende Bedeutung dieser vorbehaltlosen Hingabe gegenüber Allah hinweisen, die den Gehorsam Ihm gegenüber und die Befolgung Seines Weges und Seiner Schrift mit einschließt. (Qutb)
103. Und haltet euch allesamt179
fest am Seil Allahs180 und zersplittert euch nicht und gedenket der
Gnade Allahs, die Er euch erwiesen hat, als ihr Feinde wart und Er eure Herzen
in Liebe vereinte, so dass ihr durch Seine Gnade zu Brüdern wurdet. Damals wart
ihr sm Rande einer Feuergrube und Er errettete euch daraus. So macht Allah euch
Seine Zeichen klar, damit ihr vielleicht rechtgeleitet werden möget.181 179.
Das Gleichnis ist das von Menschen, die in tiefem Wasser gegen das Ertrinken
ankämpfen und denen eine wohlmeinende Vorsehung ein langes, reißfestes
Rettungsseil entgegenstreckt. Wenn sie alle fest zusammenhalten, dann trägt ihre
gegenseitige Unterstützung zu ihrer Sicherheit bei. (Juusuf 'Allii) 180.
Das Seil Allahs ist die von Ihm vorgeschriebene Lebensweise. Sie ist ein Seil,
weil sie die Verbindung der Mu´mins zu Allah aufrechterhält und sie gleichzeitig
zu einer Gemeinschaft zusammenschließt und verbindet. (Mauduudi) 181.
Dies bezieht sich auf den schrecklichen Zustand, in dem sich die Araber befanden
und aus dem sie durch den Islam gerettet wurden. Vor der Zeit des Islam waren
die Stämme in zwei feindliche Lager aufgespalten, die sich wegen der nichtigsten
Gründe gegenseitig bekriegten. Das menschliche Leben war keinem heilig, und die
Menschen wurden getötet, ohne dass sich das Gewissen der Täter regte. Die
Feuersbrunst des Hasses und der Feindschaft hätte alle Araber auslöschen können,
wenn der gesegnete Islam sie nicht errettet hätte. Dieser Segen machte sich in
spürbarer Form gerade in Medina bemerkbar zu jener Zeit, als dieser Aja
offenbart wurde. Die beiden Stämme der 'Aus und Kasradsch, die bereits jahrelang
völlig verfeindet waren und in bittere Stammeskämpfe und blutige Schlachten
verwickelt gewesen waren, wurden zu Brüdern, als sie den Islam annahmen. Doch
nicht nur das, sie bewiesen auch jenen Opfermut, der erforderlich war, um den
Flüchtlingen aus Mekka das Einleben in ihrer neuen Umgebung zu ermöglichen und
für den es in der gesamten Geschichte nichts Vergleichbares gibt. (Mauduudi) Die Ausdrucksweise im Qur´an trifft haargenau dort hinein, wo des Menschen verborgene Gefühle, seine tiefsten Bindungen an Höheres ihren Sitz haben, nämlich ins "Herz". So heißt es nicht, "Er vereinte euch", sondern "Er vereinte eure Herzen". Diese Herzen also werden als in einem harmonischen Bund vereint dargestellt, einem Bund, der durch Allahs Allmacht geschlossen wurde. (Qutb)
104.
Und es soll unter euch eine Gemeinschaft sein, die zum Guten aufruft und das
Rechte gebietet und Unrecht verwehrt.182 Sie sind es, die erfolgreich
sein werden.183 182.
Während in Aja 101 bis 103 die Muslime an ihre islamische Verantwortung als
Individuen erinnert werden, erweckt sie dieser Aja zu ihrer sozialen
Verantwortung. Wie hoch auch immer der individuelle moralische Standard sein
mag, er kann nicht die vom Islam angestrebten Zielsetzungen erreichen, wenn
nicht die Gesellschaft als ganze religiös und taqwavoll und frei von Korruption
und Missbrauch aller Art ist. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn sich
wenigstens eine Personengruppe der Aufgabe widmet, die Menschen auf den Weg der
Rechtschaffenheit zu rufen und dem Volk die goldenen Regeln moralischen
Verhaltens nahe zulegen und den Übeltätern das Böse zu verwehren. Diese Tatsache
haben sowohl der Qur'an als auch die Sunnah betont. Abuu Huraira berichtet, dass
Allahs Gesandter -Segen und Friede sei mit ihm -sagte: "Wenn jemand von euch
etwas Schändliches sieht, dann soll er es mit seiner Hand ändern; wenn ihm dies
unmöglich ist, dann mit seiner Zunge; wenn er auch dazu nicht in der Lage ist,
dann sollte er es in seinem Herzen ablehnen; und das ist die schwächste Form
des Imaans." (Muslim). Zum Gebieten des Guten und Verbieten des
Bösen muss angemerkt werden, dass es nur dann effektiv geschehen kann, wenn eine
gesellschaftliche Kraft dahinter steht, und die effektivste Kraft ist die
Regierung und die Verwaltung. Aus diesen Worten des Qur´an ergibt sich die
objektive Notwendigkeit, eine Regierung einzusetzen, die, die Gesetze der
Scharii'a durchsetzt. (Siddiqi) Es ist folglich unumgänglich, dass es eine
Gemeinschaft gibt, die zum Heil anruft, Gutes gebietet und Böses verwehrt. Und
ebenso ist es unumgänglich, dass die Staatsmacht diese Aufgabe übernimmt. Der
Text des Qur´ans beinhaltet nicht nur den Aufruf zum Heil, sondern auch den
Befehl, das Gute zu gebieten und vom Bösen abzuhalten. Während es für jedermann
möglich ist, auch ohne größere Machtbefugnisse, zum Heil aufzurufen, bedarf das
Gebieten und Verbieten der höchsten Autorität eines Landes nur ihr stehen
"Befehl" und "Verbot" zu. (Qutb) 183.
Der Grundgedanke ist Erfüllung der Wünsche; Glückseligkeit in dieser Welt und in
der nächsten; Erfolg, Freiheit von Ängsten, Sorgen oder einer gestörten
Gemütsverfassung; das Gegenteil zu dem Begriff "'Adab" im nächsten Aja, der
Versagen; Elend; Strafe; Qual und Schmerz beinhaltet. Die ideale muslimische Gesellschaft ist
glücklich, ungestört von Konflikten oder Zweifeln, selbstsicher, stark, einig
und erfolgreich, denn sie ruft zum Guten auf, gebietet Richtiges und verbietet
Falsches -eine genau zutreffende Beschreibung in drei Worten. (Juusuf 'Allii) Dieses Versprechen schließt nicht nur diejenigen ein, die sich ausschließlich dieser wichtigen Aufgabe widmen, sondern die gesamte muslimische Gesellschaft, die zu diesem Zweck entsprechende Maßnahmen trifft. (Siddiqi)
105. Und seid nicht wie jene,
die sich in Gruppen gespalten haben und uneins geworden sind, nachdem klare
Beweise zu ihnen gekommen waren.184 Und ihnen wird schwere Strafe
zuteil. 184.
Dies bezieht sich auf diejenigen Gemeinschaften, die von den Gesandten Allahs
Rechtleitung und klare Lehren erhielten, nach einiger Zeit aber die
Grundprinzipien der Rechtleitung verwarfen und sich auf Grund irrelevanter und
geringfügiger Streitfragen in verschiedene Sekten spalteten und mit sinn- und
nutzlosen Diskussionen beschäftigt waren. Auf dergleichen Dinge waren sie so
konzentriert, dass sie den Auftrag vergaßen, den Allah ihnen anvertraut hatte,
und selbst an den Grundprinzipien das Interesse verloren, von denen in der Tat
der wahre Erfolg der Menschheit abhängt. (Mauduudi) Diese Worte kennzeichnen den Unterschied zwischen destruktiven und konstruktiven Differenzen. Die Differenzen, vor denen hier gewarnt wird, sind diejenigen, deren Motivation Selbstsucht und Neid ist. Wie kann es über die klaren Zeichen Differenzen geben, wenn nicht die Absichten und Motivationen der Menschen niedrig sind? Deswegen sind in einer muslimischen Gesellschaft Auseinandersetzungen über die Grundlehren des Islam die klaren Zeichen undenkbar. Ein Spielraum für ehrliche Meinungsverschiedenheiten im Detail ist immer vorhanden und wird im Islam nicht verurteilt, sondern eher gefördert, denn er bietet den Gelehrten einen Anstoß, Intellekt und Wissen zu üben und Einzelheiten der islamischen Scharii'a zu Problemen auszuarbeiten, über die Qur`an und Sunnah schweigen. Dieses intellektuelle Streben ist im Islam, und der Prophet, Friede sei mit ihm, hat selbst demjenigen eine Belohnung versprochen, der sich hierin Mühe gibt, aber nicht zur richtigen Schlussfolgerung kommt. Dies hat den Gesichtskreis der Scharii'a erweitert. Abzulehnen ist lediglich Streit über die Grundsätze des Islam, und Differenzen, die durch selbstsüchtige Motive und gegenseitigen Neid entstanden sind. (Siddiqi)
106. Am Tage, an dem (manche)
Gesichter185 weiß und (manche) Gesichter schwarz sein werden. Und zu
denen, deren Gesichter schwarz sein werden, (wird gesagt werden): "Seid ihr
kaafir geworden, nachdem ihr den Imaan angenommen hattet? So kostet die Strafe
dafür, dass ihr kaafir geworden seid." 185. Das "Gesicht" bezeichnet unsere Persönlichkeit, unser inneres Wesen. Weiß ist die Farbe des Lichts, weiß werden bedeutet, vom Licht erleuchtet zu werden, nämlich vom Licht der Glückseligkeit, von den Strahlen des herrlichen Lichtes Allahs. Schwarz ist die Farbe von Finsternis, Sünde, Rebellion, Elend, Entfernung von dem Licht und der Gnade Allahs. Dies sind die Zeichen für Himmel und Hölle. Der Beurteilungsmaßstab ist allen Fragen die Gerechtigkeit Allahs. (Juusuf 'Allii)
107.
Diejenigen aber, deren Gesichter weiß sein werden, die werden in Allahs
Barmherzigkeit eingehen, darin (ewig) zu verweilen.
108. Dies sind die Zeichen
Allahs. Wir tragen sie dir in Wahrheit vor. Und Allah will nicht, dass (irgend
jemandem) in der Welt Unrecht zugefügt wird.186 186.
Da Allah nicht den Menschen in der Welt gegenüber ungerecht sein will, zeigt Er
ihnen den rechten Weg und warnt sie von vornherein vor dem, wofür sie zur
Rechenschaft gezogen werden. Wer demnach Abwege verfolgt, selbst nachdem er
gewarnt worden ist, und nicht zum rechten Weg zurückkehrt, der tut sich selbst
Unrecht. (Mauduudi) Es ist keine Willkür, sondern absolute und strenge Gerechtigkeit, mit der Allah Seine schuldigen Geschöpfe bestraft. Er ist keineswegs mit den boshaften Gottheiten der Kaafir zu vergleichen. (Darjabaadi)
109.
Und Allah gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Und zu Allah werden
alle Angelegenheiten (zur Entscheidung) zurückgebracht.187 187. Wo echter Imaan fehlt, werden alle möglichen Entschuldigungen vorgebracht, nur um Allahs Weisungen nicht befolgen zu müssen. Da heißt es dann: ,,O ja, wir werden den Imaan verinnerlichen, wenn Allah uns mit Seinen Engeln in aller Macht und Herrlichkeit erscheint." Mit anderen Worten: diese Menschen wollen so vorgehen, wie es ihnen gefällt, nicht wie Allah es von ihnen fordert. Doch das geht nicht. Die Entscheidung in allen Dingen ruht einzig bei Allah. (Juusuf 'Allii) Eine weitere Erinnerung an die Tatsache, dass
Er der einzige Richter ist. (Darjabaadi) Dieser Aja steht in einem bedeutungsvollen Zusammenhang mit den vorhergehenden. Von Aja 104 bis 107 wurden die Erfolge und die Motivation der Muslime sowie das Versagen und die Frustration der Kaafir aufgezeigt, und dann in Aja 108 hat Allah deutlich darauf hingewiesen, dass nicht Er Seine Geschöpfe ungerecht behandelte, sondern es sind die Geschöpfe selbst, die solche Fehltritte begehen, dass sie nach dem Gesetz der Vergeltung bestraft werden müssen. Was Allah selbst betrifft, so nützt ihm weder das Gute der Menschen noch schadet ihm das Böse der Übeltäter, denn die ganze Schöpfung gehört ihm, und Er steht hoch über den Auswirkungen menschlicher Handlungen. Er hat aus diesem Grunde kein Bedürfnis, jemandem zu schaden. Da ihm die Schöpfung gehört, hat Er eine tiefe Liebe für sie und ist gnädig und barmherzig zu jedem. Wenn jemand für seine Übeltaten bestraft wird, geschieht dies gemäß seinem Gesetz der Vergeltung, das wiederum ein wichtiger Aspekt Seiner Barmherzigkeit ist. (Siddiqi)
Abschnitt
12
110. Ihr seid die beste
Gemeinschaft, die unter den Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das
Rechte und verwehrt Unrecht und verinnerlicht den Imaan an188
Allah. Wenn die Besitzer des Buches den Imaan verinnerlicht hätten, dann wäre es
besser für sie gewesen. Unter ihnen sind (manche), die den Imaan verinnerlicht
haben, doch die meisten von ihnen sind Frevler. 188.
Die logische Schlussfolgerung aus der Entwicklung der Religionsgeschichte ist
eine weder sektiererisch noch rassisch noch doktrinär orientierte universale
Religion, die der Islam zu sein beansprucht. Denn Islam ist einfach Hingabe in
den Willen Allahs. Dies impliziert 1. Imaan, 2. rechtes Handeln, wobei man für andere ein
Vorbild ist und die Kraft hat, dafür zu sorgen, dass das Richtige überwiegt 3. das Böse meiden, wobei man wiederum für
andere ein Vorbild in der Vermeidung des Bösen ist, und die Kraft hat, dafür zu
sorgen, dass Falsches und Unrecht abgewehrt werden. Der Islam existiert daher nicht um seiner
selbst Willen, sondern für die Menschheit. Wenn die Leute der Schrift nur den
Imaan verinnerlicht hätten, wären sie Muslime, denn sie sind auf den Islam
vorbereitet worden. Unglücklicherweise gibt es Kufr, doch dieser kann niemals
denen schaden, die das Banner von Religion tragen, denn diese müssen letztlich
immer siegreich sein. (Juusuf 'Allii) Dieser Aja bezieht sich auf die Träger der
muslimischen Gemeinschaft, und zwar in dem Maße, wie wertvoll diese Gemeinschaft
und wie hoch ihr geistiges Niveau ist, und wie weit sie tatsächlich ihre
besondere Stellung innehält, die von keiner anderen Gemeinschaft erreicht wird.
(Qutb) Dies ist was die islamische Gemeinschaft
erkennen muss; nämlich ihre Aufgabe und auch ihren Stellenwert. Sie muss wissen,
dass sie hervorgebracht worden ist als eine Vorhut und um die Führung zu
übernehmen. Denn Allah will, dass das Gute und nicht das Böse die Oberhand
bekommt. Sie muss immer imstande sein, den anderen Gemeinschaften von dem zu
geben was sie besitzt: den Imaan, die rechte Vorstellung, das rechte System,
rechte Moral und rechtes Wissen. (Qutb) Diese Worte fassen Status und Funktion der muslimischen Gemeinschaft zusammen. Sie ist die beste Gemeinschaft, auf der die Verantwortung ruht, die moralische Gesundheit der gesamten Menschheit zu bewahren. Bloße platonische Unterscheidung von Gut und Böse hat im Islam keinen Wert. Von einem Muslim wird erwartet, dass er in seinem Herzen beständig das Verlangen verspürt, Richtiges zu fördern und Falsches auszurotten, damit die Menschheit ein friedliches Leben führen kann. Im Islam steht und fällt die Moral mit dem menschlichen Streben, sie auf der Erde zu verwirklichen. (Siddiqi)
111. Sie werden euch gewiss
keinen Schaden zufügen, außer (ein wenig) Ungemach. Und wenn sie euch bekämpfen,
werden sie euch (alsbald) den Rücken kehren. Dann soll ihnen keine Hilfe zuteil
werden.189 189. Wie aus dem ersten Satz von Aja 110 hervorgeht, ist dieses Versprechen an die Anhänger des Qur'an daran gebunden, dass sie eine Gemeinschaft von Menschen sind bzw. bleiben, die "Gutes gebietet und Böses verwehrt und wirklich an Allah den Imaan verinnerlicht", und wie die Geschichte beweist, entfällt dieses Versprechen, sobald die Muslime die Forderungen von Allah nicht erfüllen. (Asad)
112. Auferlegt ist ihnen
Erniedrigung,,190 wo immer man auf sie stößt, außer wenn eine Bindung
zwischen ihnen und Allah191 und eine Bindung zwischen ihnen und den
Menschenl92 besteht. Und sie haben den Zorn Allahs auf sich geladen
und Elend soll sie treffen. Dies, wen sie immer wieder die Zeichen Allahs
leugneten und die Propheten ohne Recht töteten193 (und) dies, wen sie
sich widersetzten und (Allahs Gesetz) immer wieder übertraten.194
190.
"Duribat" ضُرِبَتْ: hier wird das Aufschlagen eines Zeltes als Vergleich
herangezogen. Das Zelt eines Menschen ist gewöhnlich ein Ort der Ruhe und der
Ehre. Das Zelt der Bösen jedoch ist Schmach, Schande und Demütigung. Nur Mitleid
von Allah oder den Menschen gewährt ihnen Schutz, wenn ihr Hochmut zu Fall
kommt. Mit dem gleichen Bild von einem Zelt: Verzweiflung und Elend wird ihre
Wohnstatt sein. (Juusuf 'Allii) 191.
Eine Bedeutung ist, dass sie den Bund respektieren, den sie mit Allah
geschlossen haben, indem sie den Islam annehmen. Die zweite Bedeutung ist, dass
sie einen Vertrag mit einem islamischen Staat eingehen und auf diese Weise unter
seinem Schutz, der sozusagen eine Garantie seitens des Herrn ist, ein
friedliches Leben führen. (Siddiqi) 192.
Mauduudi bezieht diesen Aja auf die Juden: "Die wenige Sicherheit, die sie hier
oder da in der Welt genießen,. ist nicht auf sie selbst zurück zuführen, sondern
auf die Hilfe und Freundlichkeit anderer. Diese erhielten sie entweder von einigen
muslimischen Staaten im Namen Allahs oder von nichtmuslimischen Staaten aus
anderen Gründen." Und wenn es ihnen gelegentlich gelungen ist, sogar politische
Macht zu gewinnen, geschah dies nicht aus eigener Kraft, sondern ist anderen zu
verdanken. (Mauduudi) ...Wenn sie (die Juden) zu der Vorstellung
von Allah als dem Herrn und Erhalter der ganzen Menschheit zurückkehren und die
Idee aufgeben, "Allahs auserwähltes Volk" zu sein, die zwischen ihnen und allen
anderen, die an den Einen Gott den Imaan verinnerlicht haben, eine Barriere
bildet. (Asad) 193.
Wahrlich, jene, die nicht an die Zeichen Allahs den Imaan verinnerlichen und die
Propheten ohne Recht töten und diejenigen töten, die unter den Menschen
Rechtschaffenheit gebieten, denen bringe Kunde von einer schmerzlichen Strafe. (3:21) (Anm. d. Übers.) 194. Dies bezieht sich besonders auf die Kinder Israa'iil, Und (gedenket der Zeit) als ihr sagtet: ,,O Muusa, wir können uns mit einer einzigen Speise nicht mehr zufriedengeben. Bitte also deinen Herrn für uns, dass Er für uns von dem hervorbringt, was die Erde wachsen lässt, (nämlich) Kräuter, Gurken, Knoblauch, Linsen und Zwiebeln!" Da sagte er: "Wollt ihr etwa das, was geringer ist, in Tausch nehmen für das, was besser ist? Geht doch zurück in irgendeine Stadt. Dort werdet ihr erhalten, wonach ihr verlangt!" Und Schande und Elend kamen über sie und sie verfielen dem Zorn Allahs. Dies (war deshalb), weil sie immer wieder die Zeichen Allahs leugneten und die Propheten ohne Recht töteten, (und) weil sie sich auflehnten und (Allahs Gesetze) immer wieder übertraten.(2:61) , obwohl der Abschnitt als Ganzes (Ajas 110 bis 115) offensichtlich die Anhänger der Bibel allgemein, das heißt, Juden und Christen, betrifft. (Asad)
113. (Doch) sie sind nicht (alle) gleich. Unter den Besitzern des Buches ist eine Gemeinschaft, die standhaft (für das Gute) eintritt195 (und) die Zeichen Allahs die ganze Nacht lang vorträgt und sich (vor Ihm demütig) niederwirft. 195. Im
Islam respektieren wir aufrichtigen Imaan und wahre Rechtschaffenheit, in
welcher Form sie auch immer erscheinen. (Juusuf 'Allii) Wörtlich: "eine aufrichtige Gemeinschaft":
ein Hinweis auf diejenigen unter den Anhängern der Bibel, die wahre Mu´mins sind
(Vgl. Aja 110) und "den Bund mit Allah und den Menschen halten" (Aja 112).
(Asad)
114. Sie den Imaan an Allah
verinnerlichen und an den Jüngsten Tag und sie gebieten das Rechte und verwehren
Unrecht und beeilen sich,196 Gutes zu tun. Und diese gehören zu den
Tugendhaften. 196. Dies ist ein leuchtendes Bild des Mu´mins unter den Leuten der Schrift. Sie haben den Imaan wahrhaftig, tief und vollkommen verinnerlicht und gesellten sich zu den Reihen der Muslime. Sie haben den Imaan an Allah verinnerlicht und an den Jüngsten Tag und mühten sich, Allah gerecht zu werden. Somit verwirklichten sie die Charakteristika, die auch die Muslime kennzeichneten. Wie sie befahlen sie das Gute und wehrten dem Bösen, und ihre Seelen begehrten danach Gutes zu tun. Deshalb wurde ihnen von Allah bescheinigt, dass sie zu den "Tugendhaften", gehören (Qutb)
115. Und was sie an Gutem tun,
soll ihnen gewiss nicht ungedankt bleiben. Und Allah kennt wohl die Mutaqi.l97
197.
Haakim ibn Hischam berichtet, dass er den Gesandten Allahs, Friede und Allahs
Segen sei mit ihm, fragte, wie es um seine guten Taten stehe, die er vor seinem
Übertritt zum Islam getan hatte, und er antwortete: "Du hast den Islam mit allen
Tugenden angenommen, die du praktiziert hattest." Muslim (Siddiqi) Keine gute Tat oder die Absicht dazu geht jemals verloren. (Darjabaadi)
116. Wahrlich, denen, die
Kaafir sind, wird (weder) ihr Vermögen noch ihre Kinder etwas helfen bei Allah.198
Sie werden Bewohner des Feuers sein. Dort werden sie (ewig) verweilen. 198.
Wer an das Prophetentum Muchammeds, Friede und Allahs Segen sei mit ihm, nicht
den Imaan verinnerlicht, wird hier auf die Tatsache hingewiesen, dass er die
Wahrheit nur seiner eigenen materiellen Interessen und der Interessen seiner
Kinder wegen ablehnt, aber er sollte sich die Tatsache vor Augen halten, dass
weder Reichtum noch Kinder ihm am Tag der Auferstehung nützen, wenn er vor dem
Allmächtigen Herrn steht. (Siddiqi) Durch Wiedergutmachung oder Opfer für ihre Vorfahren. Hindus und Chinesen versprechen sich Vorteile im Jenseits, wenn sie einen leiblichen oder adoptierten Sohn haben, der nach ihrem Tod die entsprechenden Opfer darbringt. Das Wort "Putra" (Sohn) auf Sanskrit bedeutet "jemand, der seinen Vater aus einer Hölle namens Put erlöst". (Darjabaadi)
117.
Das Gleichnis dessen, was sie im diesseitigen Leben spenden,l99 ist
wie das Gleichnis eines eisigen Windes, er kommt über die Saatfelder eines
Volkes, das sich selbst unrecht getan hat, und vernichtet sie.200 Und
nicht Allah hat ihnen unrecht getan, sondern sie tun sich selbst unrecht.201 199.
Falsches "Spenden" kann entweder falsche Mildtätigkeit oder Verschwendung sein.
Für den Menschen, der sich gegen Allahs Plan wendet, ist keines von beiden
nützlich. Das Wesen des Almosen ist Imaan und Liebe. Wo diese fehlen, sind
Almosen keine Almosen. Ein niedrigerer Beweggrund liegt vor: Großtuerei, oder
noch schlimmer durch vorgebliches Almosengeben jemanden dem Geber auszuliefern,
jedenfalls etwas, was mit dem Leben dieser gierigen materiellen Welt verbunden
ist. Und was geschieht? Man erwartet, dass die Tat Früchte trägt. Aber "während
du meinst, mein Lieber, dass deine Größe mit Sicherheit heranreift", kommt ein
beißender Frost und zerstört alle deine Hoffnungen. Der Frost mag ein Unheil
sein oder die Tatsache, dass du durchschaut bist... In deiner Verzweiflung
klagst du das blinde Schicksal oder gar Allah an! Blindes Schicksal existiert
nicht, denn es gibt Allahs Vorsorge, die gerecht und gut ist. Schaden und
Ungerechtigkeit sind nicht von Allah gekommen, sondern von dir selbst. Du hast
deiner Seele unrecht getan, und nun erleidet sie den Frost. Dein niedriges
Motiv hat dir nichts eingebracht, es hat dich vielleicht in Armut, Schmach und
Schande gestürzt. Die ganze Show der Bösen in diesem Leben ist nichts anderes
als eine Wolke, die Arges auf sie selbst herabregnet. (Juusuf 'Allii) 200.
Ebenso wie Luft für das Wachstum der Ernte nützlich ist, sie aber auch zerstören
kann, wenn Frost darin ist, so trägt Freigebigkeit dazu bei. dass die Ernte im
nächsten Leben heranreift; sie zerstört sie aber, wenn sie durch Kufr vergiftet
ist. Es ist eindeutig. dass Allah der Herr sowohl über dem Menschen wie auch
über dessen Reichtum und dem Bereich steht, in dem er handelt. Wenn nun Allahs
Diener die Oberhoheit seines Herrn nicht anerkennt oder andere Wesen verehrt und
in der Nutzung Seines Reichtums und Seines Reiches nicht Seinen Gesetzen
gehorcht, macht er sich eines Verbrechens schuldig. Darum hat er keinen Anspruch
auf eine Belohnung für seine Freigebigkeit, sondern wird für unrechtmäßige
Ausbeutung belangt. Das Almosen eines solchen Menschen kann mit dem Almosen
eines Dieners verglichen werden, der seinem Herrn eine Geldsumme stiehlt und
sie nach seinem Belieben ausgibt. (Mauduudi) Samachsari erklärt diese Parabel
folgendermaßen: "Wenn das Ackerland (d.h. der Erfolg) derjenigen, die, die
Wahrheit ablehnen, verloren geht, so geht es endgültig verloren, so dass nichts
in dieser Welt um im kommenden Leben zurückbleibt; während andererseits das
"Ackerland" des Muslime niemals vollständig verloren geht: denn selbst wenn es
anscheinend verloren gegangen ist, bleibt die Erwartung einer Belohnung im
zukünftigen Leben für seine Geduld im Unglück." (Asad) 201.
Sie weichen nämlich von dem Weg ab. der Güte und Frömmigkeit vereinigt und sie
gradlinig vorwärts bringt, der ein vorgezeichnetes Ziel. einen sinnvollen
Beweggrund und eine bewährte Methode hat. (Qutb) Hinter diesen Worten liegt der Gedanke, dass die Bemühungen der Kaafir gegen den Islam und ihr materieller Aufwand für diese Sache dem Imaan an Allah und den Muslimen nicht schaden können. Ihre Bestrebungen fallen auf sie selbst zurück. (Siddiqi)
118. O die ihr den Imaan
verinnerlicht habt! Nehmt nicht (jene) zu Vertrauten, die nicht zu euch (den
Mu´mins) gehören202 Ihnen wird keine Mühe zuviel sein, euch zu
verderben. Sie möchten, dass ihr in Bedrängnis geratet. Schon ist Hass aus ihrem
Mund offenbar geworden, doch was ihre Brust verbirgt, ist weitaus schlimmer. Wir
haben euch die Zeichen bereits klargemacht, wenn ihr (nur) begreifen wollt! 202.
"Bitaana" بِطَانَة: Jemand, der einem Menschen so nahe steht, dass keins von
dessen Geheimnissen vor ihm verborgen ist und mit dem er über alles spricht.
(Siddiqi) Einige Kommentatoren neigen zu der Ansicht, dass dieser Ausdruck alle Kaafir umfasst; dies widerspricht aber eindeutig
Allah verbietet euch nicht, gegenüber
denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus
euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln.
Gewiss, Allah liebt die Gerechten. Er verbietet euch nur, diejenigen, die gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch aus euren Wohnstätten vertrieben und zu eurer Vertreibung Beistand geleistet haben, zu Schutzherren zu nehmen. Diejenigen, die sie zu Schutzherren nehmen, das sind die Ungerechten. (60:8-9)
, wo den Mu´mins ausdrücklich erlaubt wird, Freundschaft mit solchen
Kaafir zu schließen, die ihnen und den Islam nicht feindselig gegenüberstehen.
Der Zusammenhang verdeutlicht außerdem, dass mit "denen, die nicht zu euch
gehören" nur Menschen gemeint sind, deren feindselige Einstellung dem Islam und
den Muslimen gegenüber durch ihr Verhalten und ihre Äußerungen erkennbar
geworden ist (Tabari). Die Übersetzung "die nicht zu euch gehören"
soll darauf hinweisen, dass ihre Lebenseinstellung der, der Muslime so
grundlegend entgegengesetzt ist, dass wirkliche Freundschaft völlig
ausgeschlossen ist. (Asad) Zweifelsohne betrifft diese Aussage des Qur´an zuallererst die Leute der Schrift, die Nachbarn den Muslime in Medina. In starken Worten wird ihr heimlicher Zorn über die Muslime und den Islam beschrieben und die Arglist, die ihre Seelen vergiftete zu einer Zeit als einige Muslime ihnen noch trauten und aus ihre Mitte Freunde und Kameraden genommen hatten. Sie fanden nichts dabei, ihnen die Geheimnisse der islamischen Gemeinschaft anzuvertrauen. So kam diese Warnung, um sie auf die Heimtücke ihrer Feinde aufmerksam zu machen. (Qutb)
119.
Seht, ihr seid ja diejenigen, die ihnen in Liebe zugetan sind, doch sie lieben
euch nicht, obwohl ihr an das gesamte Buch203 den Imaan verinnerlicht
habt204. Wenn sie mit euch zusammentreffen, sagen sie: "Wir haben
den Imaan verinnerlicht." Wenn sie aber allein sind, beißen sie sich in die
Fingerspitzen vor Wut über euch. Sprich: "Sterbt an eurer Wut!" Wahrlich, Allah
weiß wohl, was in den Herzen verborgen Ist. 203. Der Islam umfasst die vollständige Offenbarung, "das gesamte Buch", wenn auch teilweise Offenbarungen zu allen Zeiten gekommen sind. "Hast du nicht jene gesehen, denen ein Teil des Buches gegeben worden ist? Sie wurden zum Buch Allahs aufgerufen, um (damit) untereinander zu richten. Doch dann wandten sich einige von ihnen in Widerwillen ab." (3:23) "Und
wenn sie mit denen zusammentreffen, die den Imaan verinnerlicht haben, so sagen
sie: "Wir haben den Imaan verinnerlicht." Wenn sie aber mit ihren Teufeln allein
sind, sagen sie: "Wir halten es mit euch; (mit den anderen) treiben wir ja nur
Spott". (2:14) (Juusuf 'Allii) Eine weitere Bedeutung ist, dass auch die
Muslime an die Offenbarung in allen ihren Aspekten den Imaan verinnerlicht haben
und mit Freude jedem Gebot darin folgen, während die Schriftbesitzer "an einige
Teile des Buches glauben und an andere nicht" (2:85). (Siddiqi) 204. An dieser Stelle ist es angebracht, auf einen anderen Aspekt hinzuweisen, nämlich auf die Toleranzen des Islams angesichts all der Feindseligkeit die ihm begegnete. Zwar wurden die Muslime angewiesen, keine Freunde unter den Feinden ihrer Religion zu nehmen, aber nicht etwa dazu, Zorn und Arglist mit gleichem zu vergelten. Diese Ajas sollten als Warnung vor der Gefahr verstanden werden, womit die anderen sie umringten. Der Muslim begegnet allen Menschen mit der Toleranz des Islams und behandelt alle Menschen mit der Aufrichtigkeit, die der Islam gebietet, und lässt allen seine Nächstenliebe zukommen. Er schützt sich vor Arglist, ist aber selber nicht hinterlistig. Er nimmt sich in Acht vor Gehässigkeit, selbst aber hasst er niemanden, außer er wird in seiner Religion bekämpft oder man versucht, ihn vom Pfade Allahs abzubringen. In diesem Falle ist er aufgefordert, dagegen zu kämpfen, um nicht vom rechten Weg abgebracht zu werden. (Qutb)
120. Wenn euch Gutes zuteil wird, macht es sie böse, trifft euch jedoch Übles, dann freuen sie sich darüber. Wenn ihr aber geduldig und mutaqi seid, werden euch ihre heimtückischen Pläne keinen Schaden zufügen. Wahrlich, Allahs Macht und Wissen umschließt das, was sie tun.
Abschnitt 13
121. Und (gedenke der Zeit) als
du von deinen Angehörigen frühmorgens aufgebrochen bist, um den Mu´mins ihre
Stellungen für den Kampf anzuweisen205 Und Allah ist hörend, wissend.206 205. Dieser Aja bezieht sich auf die Schlacht von Uhud, die eine ernsthafte Prüfung für die junge muslimische Gemeinschaft war. Ihr Mut und die Weisheit und Kraft ihres Anführers hatten sich in der Schlacht von Badr gezeigt , in der die Kaafir eine entscheidende Niederlage erlitten. "Schon ist euch ein Zeichen zuteil geworden in den beiden Scharen, die aufeinandertrafen. Die eine Schar kämpfte auf dem Pfad Allahs, die andere war kaafir. Sie sahen mit eigenen Augen (ihre Gegner) doppelt (so zahlreich). Und Allah stärkt mit Seinem Beistand wen Er will. Wahrlich, darin ist ein lehrreiches Beispiel für die, die wohl zu sehen vermögen." (siehe 3:13)
Aus diesem Grund
sammelten sie eine große Streitmacht und marschierten auf Medina. Sie zählten
etwa 3000 Kämpfer unter Abuu Sufjaan und waren so siegesgewiss, dass ihre Frauen
mitzogen und nach der Schlacht die schändlichste Brutalität an den Tag legten.
Um der drohenden Gefahr entgegenzutreten, beschloss unser Prophet Muchammed, Allahs Segen
und Frieden auf ihm, als Führer der Muslime in seiner üblichen Voraussicht,
Tapferkeit und Initiative, am Fuß des Berges Uhud Aufstellung zu nehmen, der
etwa drei Meilen nördlich der Stadt Medina aufragt. Früh am Morgen des 7. Schawwal 3 n.H. (Januar 625 n.C.) ging er in Stellung für den Kampf. Die Winter
in Medina sind äußerst streng, aber die Kämpfer des Islam (700 bis 1000 Mann)
waren früh unterwegs. Südlich von ihnen befand sich ein Sturzbach (Nullah), und
die Pässe im hinter ihnen liegenden Gebirge waren von 50 Bogenschützen besetzt,
um gegen einen feindlichen Angriff von hinten die Rückendeckung zu sichern.
Anfangs stand der Kampf gut für die Muslime. Der Gegner geriet ins Wanken, aber
die an den Pässen postierten muslimischen Bogenschützen verließen entgegen ihrem
Befehl ihren Posten, um an der Verfolgung und Beuteverteilung teilzunehmen.
Dazu kam der Verrat der 300 von' Abdullah ibn Ubay angeführten "Heuchler", die
im entscheidenden Augenblick desertierten. Der Feind nutzte die von den
Bogenschützen offengelassene Lücke aus, und es kam zu einem schweren Gefecht, in
dem der Feind zahlenmäßig begünstigt war. Viele Gefährten und Helfer fielen.
Dennoch erlitten die Muslime keine vernichtende Niederlage. Unter den Gefallenen
der Muslime befand sich auch der tapfere Hamsa, ein Onkel väterlicherseits
unseres
Propheten Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Die Gräber der Märtyrer sind noch
bei Uhud zu sehen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst
wurde an Kopf und Gesicht verwundet, und einer seiner Vorderzähne wurde
ausgeschlagen. Nur seiner Festigkeit, seiner Besonnenheit und seinem Mut war es
zu verdanken, dass nicht alles verloren war. Trotz seiner Verletzung kehrte der
Gesandte Allahs und mit ihm viele verwundete Muslime, die mit Begeisterung
seinem Beispiel folgten, am nächsten Tag auf das Schlachtfeld zurück, und Abu
Sufjaan und seine mekkanische Armee hielten es für das Vernünftigste, sich
zurückzuziehen. Medina war gerettet, aber die Muslime hatten eine Lektion in
Imaan, Beständigkeit, Festigkeit und Standhaftigkeit bekommen. (Juusuf 'Allii) Das hier beginnende neue Thema, die Schlacht
von Uhud, ist harmonisch mit den vorhergehenden Ausführungen verbunden, die mit
der Ermahnung endeten, dass die böswilligen Pläne der Feinde den Muslimen nichts
anhaben können, wenn sie angesichts von Schwierigkeiten Standhaftigkeit beweisen
und ihre Pflichten Allahs gegenüber erfüllen. Diese Ausführung hier ist eine
angemessene Fortsetzung des gleichen Themas, denn der Rückschlag in der Schlacht
von Uhud war auf fehlende Selbstbeherrschung und mangelndes
Verantwortungsbewusstsein vor Allah zurückzuführen. (Siddiqi) 206. Es ist sehr bedeutsam, dass diese beiden Attribute Allahs in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Die wichtigen Fragen, auf die der Qur´an Bezug nimmt und die Art und Weise, wie er sie behandelt; betreffen mehr die verborgenen Aspekte des Islam, die der Mensch nicht beurteilen kann. Es ist Allah allein, Der sie vollständig kennt und beurteilen kann. (Siddiqi)
122. (Und gedenke der Zeit) als
zwei Gruppen207 von euch sich anschickten, aufzugeben. Doch Allah war
ihr Schutzherr.208 Und auf Allah sollen die Mu´mins vertrauen. 207.
Die beiden wankelmütigen Gruppen waren wahrscheinlich die Banu Salima Hasradsch
und die Banu Harita. Das Beispiel unseres Propheten Muhammed, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, brachte sie jedoch zur Besinnung. Der Zwischenfall zeigt, dass der Mensch
schwach sein kann; wenn er aber dem Vorbild Allah ergebender Menschen folgt,
kann er seine Schwäche überwinden. (Juusuf ’Allii) 208. Diese Ausdrucksweise weist eindeutig darauf hin, dass ihr Fehltritt von Allah vergeben wurde, zumal ihre wankelmütige Haltung etwas grundlegend anderes war als der Verrat von' Abdullah ibn Ubay. Die Hadiise zeigten, dass diese beiden Stämme zweifellos einer momentanen Unentschlossenheit nachgaben, dann jedoch sich glücklich über die Bestätigung Allahs fühlten, dass Er sie beschützt hatte. (Siddiqi)
123. Und Allah hat euch bereits
bei Badr209 geholfen, als ihr schwach und verachtet wart.210
Und fürchtet Allah. Vielleicht, dass ihr dankbar sein werdet.211 209.
Badr ist eine Raststätte und ein Marktort etwa zwanzig Meilen südwestlich von
Medina, der für reiche Wasserversorgung bekannt ist und an der Vereinigung der
Straße von Medina mit der Karawanenroute von Syrien nach Mekka liegt. Die
Schlacht fand am 17. Ramadan 2 n.H. (11. März 624 n. Chr.) statt. (Siddiqi) 210.
Die Hilfe Allahs bei Badr gehört in den Bereich des Wunderbaren, denn sie kam
nicht durch eins der bekannten Hilfsmittel in einer solchen Situation. Das
Verhältnis zwischen den Mu´mins und den Muschriks war nicht einmal annähernd
gleich. Die Anzahl der Muschriks betrug 1000 unter der Führung von Abuu Sufjaan;
sie waren schwer bewaffnet und gut ausgerüstet als Geleitschutz der Karawane
ausgezogen und brannten darauf, nicht nur ihren Reichtum zu sichern, sondern
auch darauf, ihre verletzte Ehre zu rächen. Die Muslime waren lediglich 300. Sie
waren nicht zum Kampf ausgezogen, sondern hatten nur der ungerüsteten Karawane
den Weg abschneiden wollen. Sie schlugen den gleichen Weg ein wie die Karawane,
spärlich bewaffnet und gering an Zahl. In Medina hatten sie Muschriks
zurückgelassen, die ihnen feindlich gesinnt waren, die Heuchler warteten im
Hinterhalt, und die Juden lauerten auf ihre Gelegenheit... diese geringe Anzahl
von Muslimen stand allein in einem Ozean des Kufrs und Schirks auf der
Arabischen Halbinsel. (Qutb) 211.
Allah ist Derjenige, Der ihnen half, als sie sich nicht aus eigener Kraft helfen
und von niemandem Hilfe erwarten konnten. Wenn sie sich also fürchteten, dann
fürchteten sie sich vor Allah, Der, der Herr über Sieg und Niederlage ist und
Der allein Macht und Stärke besitzt. Und diese Taqwa veranlasste sie zur
uneingeschränkten Dankbarkeit, die Allahs Gnade angemessen ist. (Qutb) Dankbarkeit gegenüber Allah ist nicht mit Worten zu messen. Sie sollte sich in Verhalten und Lebensführung zeigen. Wenn damals alle Muslime aus dem Sieg bei Badr die richtigen Lehren gezogen hätten, dann hätten die Bogenschützen nicht die ihnen zugewiesenen Stellungen verlassen, und die beiden erwähnten Stämme wären nicht wankelmütig in ihrem Imaans geworden. (Juusuf .Allii)
124.
(Und gedenke der Zeit) als du zu den Mu´mins sagtest: "Ist es euch nicht genug,
dass euch euer Herr mit dreitausend herabgesandten Engeln stärkt?212 212. Dies waren die Worte unseres Propheten Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, am Tag von Badr zu der kleinen Schar der Muslime, die mit ihm ausgezogen war und nun auf eine waffenstarrende Kampftruppe traf statt auf eine mit Waren beladene Karawane. Unser Prophet Muchammed, Allahs Segen und Friede sei mit ihm, teilte ihnen mit, was sein Herr ihm an diesem Tag gesagt hatte, um ihnen Herz und Hand zu stärken. Da sie Menschen waren, die der Hilfe bedurften, sagte Er es ihnen in einer Weise, die ihren Gefühlen und Vorstellungen am nächsten kam. Aber Er knüpfte die versprochene Verstärkung an die Bedingung: Standhaftigkeit angesichts der Gewalt des Angriffs, und Taqwa, die in Sieg und Niederlage das Herz mit Allah verbindet. (Qutb)
125. Doch fürwahr, wenn
ihr euch geduldet und Allah fürchtet213 und sie ganz plötzlich über
euch kommen, wird euer Herr euch mit fünftausend heranstürmenden Engeln stärken." 213. Die volle Betonung liegt auf Standhaftigkeit und Disziplin (Darjabaadi)
126. Und Allah hat dies zu
nichts anderem als einer frohen Botschaft für euch gemacht und um damit eure
Herzen zu beruhigen.214 Und es gibt keine Hilfe (oder Sieg) außer von Allah,215
dem Allmächtigen, dem Weisen. 214.
Hier lehrt Allah die Muslime, dass alles in Seiner Hand liegt, und dass Er
selbst -Preis sei Ihm -eingreift. Das Herabsenden der Engel ist eine Hoffnung
für ihre Herzen, um sie damit zu stärken und zu trösten, zu beruhigen und zu
festigen. (Qutb) 215.
Was immer geschieht, ob es zu den Wundem zählt oder nicht, alle Hilfe kommt von
Allah. Der Mensch sollte nicht so anmaßend sein anzunehmen, er könnte durch
eigenes Zutun den Lauf der Weltgeschichte verändern. Allah hilft denen, die
Beständigkeit, Mut und Selbstbeherrschung zeigen und alle ihnen zur Verfügung
stehenden menschlichen Mittel einsetzen, und nicht denen, die ihre Hände in den
Schoß legen und keinen Hoffnung haben. Aber Allahs Hilfe beruht auf Erwägungen,
die weit über unsere kurzsichtigen menschlichen Motive hinausreichen, auf
vollkommener Weisheit, von der wir nur einen schwachen Funken erfassen können.
(Juusuf 'Allii) Dieser Aja dient nicht nur als Warnung vor einer möglichen Vergötterung der Engel und als Betonung der Tatsache, dass Allah allein -und nicht etwa Seine Engel -wirklich den Sieg herbeigeführt hat, sondern demonstriert auch die sonst nicht erklärbare Wahrheit, dass die Ausbreitung des Islam nur durch direktes Eingreifen Allahs möglich war. (Darjabaadi)
127. Damit Er einen Teil der
Kaafir vernichte216 oder sie demütige, so dass sie durch Misserfolg
(gezwungen) kehrt machen. 216. Wörtlich: "Damit Er einen Streifen der Kaafir abschneide, das heißt, ein Extrem, ein oberes oder unteres Ende. Dies kann hier bedeuten, dass die Oberhäupter der mekkanischen Muschriks, die so zuversichtlich gekommen waren, um die Muslime zu vernichten, enttäuscht zurückkehren mussten. Die schamlose Grausamkeit, mit der sie und ihre Frauen die Leichen der Muslime auf dem Schlachtfeld verstümmelten, wird für immer ihre Niedertracht bezeugen. Möglicherweise zeigte dies auch einigen, die für sie kämpften, ihr wahres Gesicht, z.B. Halid ibn Walid, der nicht nur später den Islam annahm, sondern sich einer der namhaftesten Vorkämpfer des Islam wurde. Er beteiligte sich mit den Muslimen am Einmarsch in Mekka und gewann später in Syrien und dem Iraq große Auszeichnungen. (Juusuf 'Allii)
128. Nicht dir obliegt die
Entscheidung, ob Er ihnen (vergibt), oder ob er sie bestraft,217 denn
sie sind ja wahrlich diejenigen, die unrecht tun. 217.
Uhud ist ebenso sehr ein Meilenstein für den Islam wie Badr. Für uns in der
heutigen Zeit beinhaltet dies eine noch größere Lehre. Allahs Hilfe kommt, wenn
wir den Imaan verinnerlichen, gehorsam sind, Disziplin, Einheit und den Geist
rechtschaffenen und gerechten Handeins zeigen. Wenn wir dies nicht schaffen,
steht uns doch immer Seine Barmherzigkeit offen. Aber sie steht auch unseren
Gegnern offen und denen, die uns als Seine Feinde erscheinen. Es mag in Seinem
Plan liegen, Sünder zur Reue zu bewegen und uns Rechtschaffenheit und Weisheit
durch jene zu lehren, die in unseren Augen als ungehorsam oder gar trotzig
erscheinen. In Ihnen kann es Gutes geben, das Er sieht und wir nicht -ein
demütigender Gedanke, der uns zu Selbstprüfung und Selbstverbesserung
veranlassen muss. (Juusuf 'Allii) Mit diesem Aja wird der in Aja 120 unterbrochene Bezug zu Uhud wiederhergestellt. Als unser Prophet Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verwundet dasaß und ihm das Blut abgewischt wurde, dachte er traurig an das Schicksal, das sein ungehorsames Volk erwartete, und soll gesagt haben: "Wie soll es einem Volk wohl ergehen, das so seinen Propheten behandelt, der es zu seinem Herrn ruft!" Daraufhin wurde dieser Aja offenbart. (Darjabaadi)
129. Und Allah gehört, was in
den Himmeln ist und was auf Erden ist. Er verzeiht, wem Er will und bestraft,
wen Er will. Und Allah ist verzeihend, barmherzig.218 218.
Es ist erwähnenswert, dass Allah es in Seiner grenzenlosen Barmherzigkeit vielen
Gegnern des Islam ermöglichte, den Weg zum Islam zu finden, wie z.B. Halid ibn
Walid (Siddiqi) Dies ist ein Ausdruck für die absolute Souveränität Allahs, die darauf basiert, dass Er allein das Eigentumsrecht besitzt. Er hat die freie Verfügung über Seine Geschöpfe und über das, was auf Erden und, im Himmel ist. So gibt es weder Ungerechtigkeit noch irgendwelche Bevorzugung, wenn es um Vergebung oder um Bestrafung geht. Was Er in dieser Sache entscheidet, geschieht in Weisheit und Gerechtigkeit und mit Barmherzigkeit und Vergebung. (Qutb)
130. O die ihr den Imaan
verinnerlicht habt! Verschlingt nicht die Zinsen,219 verdoppelt und
vervielfacht,220 und fürchtet Allah, damit es euch wohl ergehe. 219. "Diejenigen, die Zinsen verschlingen, sollen nicht anders auferstehen als jemand, den Schaytaan durch Berührung zum Wahnsinn getrieben hat. Dies weil sie sagen: "Handeln ist dasselbe wie Zinsnehmen." Doch Allah hat Handeln erlaubt und Zinsnehmen verboten. Und wenn zu jemandem eine Ermahnung von seinem Herrn kommt und er dann aufhört, dem soll verbleiben, was bereits geschehen ist. Und seine Sache ist bei Allah. Wer es aber von neuem tut, die werden Bewohner des Feuers sein, darin werden sie (ewig) verweilen." (2:275)
Im vorigen Aja war von Vergebung selbst Feinden gegenüber die
Rede. Wenn Allah irrenden Sündern solche Gnade gewährt, um wie viel mehr sollten
wir uns davor hüten, unsere in Not befindlichen Mitgeschöpfe zu unterdrücken,
wenn es um rein materiellen und vergänglichen Reichtum geht! Wucher ist das
äußerste Gegenteil von Freigebigkeit, Selbstlosigkeit, Streben und Einsatz im
Dienst Allahs und unserer Mitmenschen. (Juusuf 'Allii) Die Hauptursache für den Rückschlag bei Uhud
war die von den Muslimen an den Tag gelegte Gier nach Besitz. Sie wurden von
der Beutegier so überwältigt, dass sie sich auf den Besitz der gefallenen Feinde
stürzten, statt ihren anfänglichen Erfolg bis zum Sieg zu verfolgen. Das ist
einer der Gründe, warum Allah in Seiner Weisheit das, Zinswesen die Wurzel
solcher Missstände, verboten hat. Denn es ist eine allgemeine
Erfahrungstatsache, dass Menschen, die Wucher betreiben, so darauf konzentriert
sind, dass sie keinen anderen Gedanken haben als den, ihre unverdienten Profite
zu vergrößern, und dies fördert automatisch ihre Besitzgier. (Mauduudi) Manche Menschen versuchen das Zinsverbot zu
umgehen. Dieser Aja, so argumentieren sie, verbiete doch nur die Vervielfachung
des Zinses, nicht aber so geringe Zinssätze wie 4,5 oder 8 Prozent, da sie keine
Vervielfachung darstellten. Sie könnten somit wieder zum Verbotenen gezählt
werden. Hier müssen wir entschieden sagen, dass die hier erwähnte Vervielfachung
lediglich die Schilderung eines Vorganges und nicht eine Bedingung ist, von der
die Vorschrift abhängt. Aja 275 in Suura 2 verbietet eindeutig und ohne
Einschränkung jede Art von Zins. (Qutb) 220.
Wahrer Erfolg besteht nicht in Gier, sondern im Geben -uns selbst und von
unserem Unterhalt geben für Allahs Sache und Allahs Wahrheit und im Dienst an
Allahs Geschöpfen. (Juusuf 'Allii) Die enge Beziehung zwischen Krieg und nationalen Krediten und Schulden ist ganz offensichtlich... (Darjabaadi)
131. Und fürchtet das Feuer,
das bereitet ist für die Kaafir.221 221.
Wucher ist eine Praktik der Kaafir und eine Art der Kriegführung gegen Allah und
unseren Propheten Muchammed, Friede sei mit ihm. Die beste Erklärung für die Verbindung dieses
Ajas mit dem in den vorherigen Ajas behandelten Thema gibt es bei Imam Rasi,
zitiert von Qiffal: die mekkanischen Kaafir hatten durch Wucher gewonnene Mittel
in die Ausrüstung ihres schlagkräftigen Heeres investiert. Dies hat
möglicherweise die Muslime in Versuchung gebracht, es ihnen darin gleichzutun;
und um dieser Versuchung zu begegnen wurde im Qur´an noch einmal das Zinsverbot
betont. (Siddiqi) Das Feuer wird hier wie überall in einem geistigen Sinne dem Garten gegenübergestellt. (Juusuf 'Allii)
132. Und gehorcht Allah und dem
Gesandten, damit euch Barmherzigkeit zuteil werde.
Abschnitt 14
133. Und beeilt euch um um die Verzeihung eures Herrn zu erlangen und einen Garten, dessen Weite
die Himmel und die Erde umfaßt222 und der bereitet ist für die
Mutaqi, 222.
Damit nicht der Eindruck entstehen kann, der Himmel sei eine Art von räumlich
begrenztem materiellem Garten irgendwo im All, wird uns hier mitgeteilt, dass
allein seine Weite der Gesamtheit von Himmel und Erde entspricht - aller
Schöpfung, die wir uns vorstellen können. Mit anderen Worten: unsere geistige
Glückseligkeit erstreckt sich nicht nur auf den einen oder anderen Teil unseres
Daseins, sondern auf alles Leben und Sein. Wer kann da Länge, Breite oder Tiefe
messen? (Juusuf 'Allii) Die Muslime werden hier ermahnt, positive Verdienste zu erwerben und den Weg zur immerwährenden Glückseligkeit zu gewinnen, nicht sich mit dem rein negativen Aspekt der Enthaltsamkeit vom Bösen zufrieden zu geben. (Darjabaadi)
134. Jene, die bereitwillig
spenden, sei es in Glück oder im Unglück,223 und ihre Wut bezähmen
und den Menschen vergeben224 – und Allah liebt die, die Gutes tun. 223.
Ihre Freigiebigkeit ist beständig. Weder Glück noch Unglück kann sie davon
abhalten. So macht sie Glück nicht übermütig. so dass sie von Allah abgelenkt
werden. Und Unglück macht sie nicht verdrießlich, so dass sie Ihn vergessen
könnten. Sie haben auf alle Fälle das Gefühl, eine Aufgabe erfüllen zu müssen,
um sich von Geiz- und Habgiergefühlen zu befreien. Und die Ehrfurcht vor Allah
ist ihr ausschließlicher Beweggrund. (Qutb) Eine weitere Definition der Rechtschaffenen.
Weit entfernt von der Habgier nach materiellem Besitz, geben sie freizügig von
sich selbst und ihrem Unterhalt, nicht nur, wenn es ihnen gut geht und leicht
fällt, dies zu tun, sondern auch dann, wenn sie in Schwierigkeiten stecken, denn
andere können zur gleichen Zeit ebensolche Schwierigkeiten haben. Im Unglück
sind sie nicht beunruhigt, auch werden sie nicht ärgerlich, wenn andere sich
schlecht verhalten oder ihre eigenen Pläne fehlschlagen. Im Gegenteil, sie
verdoppeln dann ihre Bemühungen. Denn Freigebigkeit und gute Taten sind im
Unglück um so notwendiger. (Juusuf 'Allii) Wucher schafft Gier, Geiz, Knauserigkeit und
Egoismus in denen, die nehmen, und Hass, Wut, Feindschaft und Neid in denen, die
geben -diese moralischen Missstände trugen zu dem Rückschlag von Uhud bei. Aus
diesem Grund hat Allah Wucher verboten und verurteilt und als Gegenmittel
Freigebigkeit verordnet. Es liegt auf der Hand, dass das Paradies für diejenigen
bestimmt ist, die freigebig sind und großzügig spenden, nicht für die
Habgierigen, die Wucher betreiben. (Mauduudi) 224. Die Rechtschaffenen machen nicht den anderen Vorwürfe. Selbst wenn ein Vorwurf berechtigt und eine Korrektur notwendig ist, bleibt ihr eigenes |