Von Suura 2 "Die Kuh" Aja 142-252

Abschnitt 17

142. Die Idioten unter den Menschen werden sagen: "Was hat sie bewogen, sich von ihrer Gebetsrichtung271 abzuwenden, nach der sie sich (bisher) gerichtet hatten?"272 Sprich: "Allah gehört der Osten und der Westen; Er leitet wen er will zu geradem Weg."273

271. Die Qibla ist die Richtung; in der ich die Muslime im Gebet wenden. Vordem pflegten sie sich zur heiligen Stadt Quds hinzuwenden. Heilig sowohl für Juden wie für Chrisen, das  "Volk der Schrift". Als die Muslime dann, verachtet und verfolgt. aus Mekka vertrieben in Medina angelangt waren. wurde die Ka'ba als Qibla eingesetzt. Der Wechsel fand etwa 16 1/2 Monate nach der Hidschra statt. (Juusuf ‘Allii)

272. Wörtlich: auf der sie waren. (Anm. d. Übers.)

273. In diesem und den nachfolgenden Ajas, wie auch in dem ganzen Rest dieser Suura, werden die Grundzüge und Charakteristika der Muslim-Gemeinde aufgezeigt, die sie zu einer eigenständigen, von anderen unabhängigen Gesellschaft formen sollen. Diese Eigenständigkeit äußert sich nicht nur in der geistigen Sphäre, insbesondere in der Auffassung vom Sinn des Daseins und vom Verhältnis des Menschen zu Allah, sondern auch im materiellen Bereich, in dem der geistige Gehalt sichtbare Gestalt annimmt. Dazu gehört auch die neue Gebetsrichtung. Auf diese Weise wurde nicht nur die Fabel von der Überlegenheit des auserwählten Volkes der Juden und ihrer Religion zunichte gemacht, sondern gleichzeitig auch die Übereinstimmung und Gemeinsamkeit mit den früheren Propheten, vor allem dem Erbauer der Ka'ba, Ibraahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, unterstrichen. Die Kontinuität der Botschaft Allahs wird dadurch deutlich zum Ausdruck gebracht. (Qutb)

 

143. Und so machten Wir euch zu einer Gemeinde der Mitte274, auf dass ihr Zeugen seiet über die Menschen, und der Gesandte Zeuge sei über euch. Und Wir setzten die Qibla, nach der du dich (bisher) gerichtet hattest275, nur (deshalb) fest, damit Wir denjenigen, der dem Gesandten folgt, von dem (zu unterscheiden) wissen, der auf seinen Fersen kehrt macht. Und sie276 war wahrlich schwer, außer für diejenigen, die Allah geleitet hat. Und es ist nicht Allahs277, dass Er euren Imaan278 verloren gehen lässt; wahrlich, Allah ist gegenüber den Menschen gütig, barmherzig.

274. Die Bezeichnung "Gemeinde in der Mitte" schließt alle jene Eigenschaften ein die, die Gemeinde der Muslime aufweisen soll. Sie ist von Allah selbst dazu auserkoren Zeugen über die Menschen zu sein, das unter ihnen Gerechtigkeit und Gleichgewicht herbeizuführen, ihnen Maßstäbe an die Hand zu geben, nach denen sie urteilen können. Diese Muslim-Gemeinde soll der ganzen Menschheit die ewigen Prinzipien übermitteln, nach denen sie das Gute vom Bösen unterscheiden, alle Bereiche menschlichen Schaffens richtig bewerten und die ihnen zukommenden Proportionen zuerkennen kann. Diese Maßstäbe haben allerdings ihren Ursprung nicht in menschlichen Vorstellungen und Neigungen, sondern ausschließlich im Wort Allahs, das Sein Prophet den Menschen überbracht hat. Und der Gesandte soll seinerseits Zeuge sein über die Muslime, damit sie ihrer großen Aufgabe gerecht werden.

Die Gemeinde der Muslime ist also dazu aufgerufen, sich "in der Mitte" zu halten und zwar in jeder Beziehung. Es soll eine Gemeinde sein, die jedem Extrem ablehnend gegenübersteht, die Ausgewogenheit, wie sie nur in der Mitte zu finden ist, sucht und wahrt. Alle Übertreibungen, die lediglich einen Aspekt des menschlichen Lebens fördern und dadurch alle anderen in ihrer Entwicklung hemmen oder gar abtöten, sollen dieser Gemeinde fremd sein. Das islamische Ideal des Menschen liegt in Ebenmaß und Gleichgewicht, denn nur so kann der Mensch sein diesseitiges Ziel erreichen und seine Aufgabe hier erfolgreich lösen: der Stellvertreter Allahs auf Erden zu sein.

Die Tatsache, dass die Muslim-Gemeinde heute nicht fähig ist, den Platz in der Welt einzunehmen, den Allah selbst ihr zugedacht hat, ist nur ein Beweis dafür, dass sie andere Wege eingeschlagen hat als die im Qur’an aufgezeigten. Und sie wird ihrer Aufgabe in der Welt nicht gerecht, bis sie wieder bereit ist, der Führung Allahs unbedingt Gehorsam zu leisten. (Qutb)

275. Wörtlich: auf der du warst. (Anm. d. Übers.)

276. Nämlich diese Wende zur neuen Qibla (Al-Dschalalain), oder die Prüfung. (Siddiqi)

277. Wörtlich: Allah ist nicht (von solcher Art). dass. ..(Anm. d. Übers.)

278. Imaan ist hier gleichbedeutend mit Gebet. Es wird den Muslimen versichert, dass ihre nach der früheren Qibla hin verrichteten Gebete keineswegs umsonst waren. Da beide Gebetsrichtungen in Befolgung von Allahs Geboten eingehalten wurden, wird den Muslimen ihr Lohn nicht geschmälert. Es ist nicht die Richtung, die zählt, sondern die Ergebung in Allahs Willen. (Siddiqi)

 

144. Wir sehen, wie dein Gesicht sich dem Himmel suchend zukehrt279, und Wir werden dich bestimmt zu einer Qibla wenden, mit der du zufrieden sein wirst. So wende dein Gesicht in Richtung der Heiligen Masdschid280 und wo immer ihr auch seid, wendet eure Gesichter (beim Gebet) in ihrer Richtung. Diejenigen, denen das Buch gegeben ward, wissen bestimmt, dass es die Wahrheit ist von ihrem Herrn. Und Allah ist nicht achtlos dessen, was sie tun.

279. Nämlich in Erwartung einer Offenbarung bezüglich der neuen Gebetsrichtung. (Al-Dschalalain)

280. Das heißt der Ka'ba in Mekka. (Anm. d. Übers.)

Dieser Aja wurde nach der Überlieferung offenbart, als unser Prophet Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gerade einer Einladung folgend das Mittagsgebet im Hause von Bisr ibn Al-Bara leitete. Er hatte soeben die Hälfte der Andacht verrichtet, als er den Befehl zum Wechsel der Gebetsrichtung erhielt. Sogleich wandte er sich noch während des Gebets zur Ka'ba und die Betenden taten es ihm nach. Anschließend wurde der Wechsel der Gebetsrichtung öffentlich bekannt gemacht in Medina und den Vororten der Stadt. (Mauduudi)

 

145. Doch (selbst) wenn du denjenigen, denen das Buch gegeben ward, alle Zeichen (als Beweise) brächtest, würden sie deine Qibla nicht befolgen181. Und du befolgst ihre Qibla nicht; sie befolgen (ja selbst) untereinander ihre jeweilige Qibla nicht. Doch solltest du ihren Ansinnen182 folgen nach dem, was dir an Wissen zugekommen ist, so würdest du bestimmt zu denen gehören, die unrecht tun.

281. Nämlich aus Widerspenstigkeit. (Al-Dschalalain)

282. Im Imaan gibt es keine Kompromisse. Allahs Gebote müssen ganz strikt befolgt werden. Wer sich von ihnen abwendet, überschreitet die gesteckten Grenzen. (Mauduudi)

Diese Warnung ist nicht nur an den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gerichtet, sondern vielmehr an alle Muslime. Nicht die Wünsche der Juden und Christen sollen für sie maßgebend sein, sondern einzig und allein die Gebote Allahs. (Siddiqi)

 

146. Diejenigen, denen Wir das Buch gegeben haben, kennen es283, wie sie ihre (eigenen) Söhne kennen und (trotzdem) verbirgt ein Teil von ihnen die Wahrheit, wo sie doch wissen.

283. Das heißt das Buch, oder ihn kennen, das heißt nach Meinung von Al-Dschalalain unseren Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Anm. d. Übers.)

 

147. (Es ist) die Wahrheit ist von deinem Herrn, so sei nicht einer von denen, die (daran) zweifeln.284

284. Die Anrede hier gilt nicht so sehr unserem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wie vielmehr den Muslimen, wann immer sie auch gelebt haben mögen. Vor allem aber betrifft sie uns in der heutigen Zeit. In einer Einfalt ohnegleichen bitten wir um Aufschluss in Sachen unserer Religion Orientalisten aus den Reihen von Juden, Christen, und lernen von ihnen unsere Geschichte und vertrauen ihnen Aussagen über unser Erbe an. Wir geben unser Gehör allem, was sie in ihren Vorlesungen über unseren Qur’an, über die Tradition unseres Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  und über das Leben unserer Vorfahren an Zweifeln hineinschmuggeln. Wir schicken zu ihnen Scharen unserer Studenten, die von ihnen in den islamischen Wissenschaften unterrichtet und auf ihren Universitäten ausgebildet werden, um dann mit infiziertem Verstand und Gewissen zu uns zurückzukommen. (Qutb)

 

Abschnitt 18

148. Jeder hat ein Ziel, dem er sich zuwendet285. So wetteifert miteinander in guten Werken. Wo immer ihr auch seid, Allah wird euch zusammenbringen286; wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge.

285. Oder: Jedes (Volk) hat eine Richtung, nach der es sich (beim Gebet) wendet. (Anm. d. übers.)

286. Damit sollen die Muslime gewahr werden, dass Verinnerlichung des Imaans, die das Wesen des Islaams ausmacht, sich durch 'Ibaada entwickelt, das heißt indem das Innewohnen Allahs im Menschen allmählich vollzogen wird, bis es verwirklicht ist. Dies geschieht durch den stets gegenwärtigen Imaan daran, dass Allah die gesamte Menschheit vor Sich zu versammeln vermag, wo dereinst jeder einzelne Rechenschaft über seine Taten wird ablegen müssen. Daraus ergibt sich dann die umso größere Notwendigkeit, sich aufs äußerste um ein Leben wie, Allah es mag, zu bemühen. (Siddiqi)

 

149. Und von wo (auch immer) du herkommst287, wende dein Gesicht in Richtung der geschützten Masdschid, denn dies ist gewiss die Wahrheit von deinem Herrn. Und Allah ist nicht achtlos dessen, was ihr tut.

287. Dies bezieht sich auf Reisen. Selbst unterwegs sollten die Muslime die Qibla streng beachten. (Siddiqi)

 

150. Und von wo (auch immer) du herkommst, wende dein Gesicht in Richtung der geschützten Masdschid. Und wo immer ihr auch seid288, wendet eure Gesichter in ihrer Richtung289, damit die Menschen kein Argument gegen euch haben290, außer denjenigen unter ihnen, die unrecht tun; so fürchtet sie nicht, sondern fürchtet Mich291; und damit Ich an euch Meine Gnade vollende und ihr vielleicht rechtgeleitet werden möget.

288. Das heißt, unter welchen Umständen auch immer ihr euch befindet, oder zu welcher Zeit es auch sei, oder wo auch immer ihr euch gerade aufhalten mögt. (Juusuf ’Allii)

289. Dieses Gebot wird mehrmals wiederholt, damit die Muslime die überragende Bedeutung ihrer neuen Gebetsrichtung als Mittelpunkt ihres religiösen und gesellschaftlichen Lebens klar erkennen. (Siddiqi)

290. Das heißt, damit zum Beispiel die Juden nicht behaupten können: "Der Prophet lehnt unsere Religion ab, befolgt aber trotzdem unsere Qibla (nämlich Quds)", oder die Götzenanbeter etwa sagen: "Er ruft auf zum Bekenntnis Abrahams beachtet aber dessen Qibla nicht." (Al-Dschalalain)

291. Diejenigen, die unrecht tun, werden nie aufhören mit ihren Versuchen, die Muslime unter irgendwelchen Vorwänden in Verruf zu bringen. Das einzig Vernünftige ist, sich überhaupt nicht darum zu kümmern, sich auf dem rechten Pfad zu halten und Allah allein zu fürchten. (Siddiqi)

 

151. So wie Wir unter euch einen Gesandten aus eurer Mitte erstehen ließen292, der euch Unsere Zeichen vorträgt und euch läutert und euch das Buch und die Wahrheit lehrt und euch lehrt, was ihr nicht gewusst habt293

292. Wörtlich: sandten. (Anm. d. Übers.)

293. Dieser Aja sollte mit 2:150 zusammen gelesen werden. den er gewissermaßen abrundet. Hier wird betont. dass durch die Anweisung, die Ka'ba zur Qibla zu nehmen, Allah den Islaam vervollkommnet hat und dem Gebet Ibraahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  für die kommenden Generationen Gehör und Verwirklichung zuteil werden ließ. Dieses Gebet bestand aus drei Teilen:

1. dass Mekka zu einem geheiligten Ort erhoben werde (2:126);

2. dass ein wahrhaftiges Muslim-Volk erweckt werde, das seine Andachtsstätten eben dort haben sollte (2:128), und

3. dass ein Prophet zu seinen Nachkommen entsandt werde, der mit den Fähigkeiten ausgestattet sein sollte (2:129), die hier nochmals wiederholt werden. (Juusuf ‘Allii)

 

152. Gedenket also Meiner294, damit (auch) Ich euer gedenken möge295; und seid Mir dankbar und seit nicht undankbar gegen Mich .

294. Das aus dem arabischen Verbum "sakara" (gedenken, sich erinnern, erwähnen) abgeleitete Wort Sikr deutet in der Sufi­ Literatur und Praxis eine Vielfalt von Gedankenverbindungen an. Für die Sufis (Mystiker) ist Sikr sowohl ein mit höchster Andacht verrichtetes Ritual wie auch ein Zustand des Geistes oder des Herzens, in dem der Betende sich darum bemüht, der Gegenwart Allahs innezuwerden. (Juusuf ‘Allii)

295. In diesen Worten ist eine Gnade verborgen, die sich jeder Muslim richtig vergegenwärtigen sollte. Allah, der Allmächtige, der über alles Erhabene, der Schöpfer des Alles, ist bereit, der Menschen, der überaus kleinen, der völlig unbedeutenden, zu gedenken, wenn diese Seiner gedenken! (Qutb)

 

Abschnitt 19

153. O die ihr den Imaan verinnerlicht habt, sucht Hilfe in der Standhaftigkeit und Gebet; wahrlich, Allah ist mit den Geduldigen.296

296. Es ist bezeichnend, dass die erste Aufforderung an die Muslim-Gemeinde nachdem sie in den vorangegangenen Ajas die Grundzüge zu einem unabhängigen Gemeinwesen mit eigener Gebetsrichtung und eigenständigem Charakter aufgezeigt bekommen hat, -lautet, Hilfe in Standhaftigkeit und Gebet zu suchen und zu jedem Opfer bereit zu sein, um die große Bürde der Aufgabe tragen zu können. Mit Opfer ist nicht nur gemeint, Widerwärtigkeiten wie Angst, Hunger und Entbehrungen willig auf sich zu nehmen, sondern auch, das eigene Leben auf dem Pfad Allahs hinzugeben. (Qutb)

 

154. Und sagt nicht von denen, die auf dem Pfad Allahs getötet wurden, (sie seien) tot. Nein! Lebend (sind sie), doch ihr nehmt es nicht wahr.297

297. Das Phänomen des Todes und des Lebens hat nichts mit der augenscheinlichen, äußerlichen Tatsache des Getötet werden zu tun. Das wichtigste Merkmal des Lebens ist das Wachstum, die Ausbreitung, die Fähigkeit zu wirken. Das Hauptmerkmal des Todes dagegen ist die Negation, der Stillstand, das Erlöschen. In dem Maß, in dem eine Idee sich entwickelt und ausbreitet, wirken diejenigen, die für sie ihr Leben geopfert haben, kontinuierlich weiter und bleiben somit ein lebendiger Bestandteil der Kräfte, durch die das menschliche Leben, das Leben in dieser Welt, gestaltet wird. Diese Gefallenen sind in so weit reichendem Sinn lebend, dass wir, wie es in diesem Aja heißt, mit unserem begrenzten Verstand es nicht wahrnehmen können.

Deshalb wird an den Märtyrern auch keine Totemwaschung vorgenommen, denn diese Waschung soll den leblosen Körper reinigen, während die für die Sache Allahs Gefallenen als Lebende rein sind. Sie werden auch in den Kleidern bestattet, in denen sie den Märtyrertod erlitten haben. Da sie lebend sind, soll ihre irdische Kleidung auch die Kleidung ihres Grabes bleiben. Selbst die Hinterbliebenen empfinden die Trennung von diesen Mudschaheddin nicht als schmerzlich oder unerträglich, denn als Lebende stehen sie ihrer Familie und ihren Freunden weiterhin nahe.

Allerdings muss man immer klar vor Augen haben, wer diese Blutzeugen (arabisch schahid, Plural schuhada), die weiterleben, sind. Es sind diejenigen, "die auf dem Pfad Allahs getötet wurden". Nur auf dem Pfad Allahs, unter keinem anderen Zeichen und für keine andere Sache. Auf dem Pfad der Wahrheit, die Er offenbarte; auf dem Pfad des Gesetzes, das Er erließ; auf dem Pfad der Religion, die Er auserwählte; auf diesem Pfad einzig und allein. Jede andere Losung, jede andere Absicht, jedes andere Ideal schließt dieses Märtyrertum aus. Sowohl der Qur’an als auch der Hadiis machen dies mit allem Nachdruck klar, um keinerlei Zweifel aufkommen zu lassen. (Qutb)

 

155. Und bestimmt werden Wir euch prüfen mit etwas Angst, Hunger und Minderung an Besitz, Seelen und Früchten.298 Doch verkünde frohe Botschaft den Standhaften,

298. An Seelen, das heißt indem Menschen sterben, sei es durch Krieg, Alter oder Krankheit, und an Früchten, das heißt durch Feldschäden, Trockenheit usw. (Al-Dschalalain)

 

156. Die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: "Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück."299

299. Diese Verbundenheit mit Allah und dieses Vertrauen zu Ihm zu jeder Zeit und in jeder Lebenslage sind die wichtigsten Eigenschaften eines Mu`mins, der weiß, dass es keine Macht gibt außer Seiner Macht, keine Gewalt außer Seiner Gewalt, keinen Willen außer Seinem Willen und keine Zuflucht außer bei Ihm. (Qutb)

 

157. Sie sind es, auf denen Segnungen von ihrem Herrn ist und Barmherzigkeit und sie sind es, die rechtgeleitet sind.301

301. Einzigartig sind die Schlussworte dieses Absatzes, der die islamischen Reihen mobilisiert. Auf der einen Seite befinden sich in der Waagschale Mühen, Hunger, Angst, Entbehrungen und sogar der Märtyrertod, die, die Muslim-Gemeinde auf sich nehmen und erdulden muss, indem sie ihre Aufgabe erfüllt, der Welt die Botschaft des Islaam zu übermitteln. In der anderen Waagschale ist nur dies: der Segen Allahs, Seine Barmherzigkeit und die Gewissheit, dass die Muslime rechtgeleitet sind. Allah verspricht ihnen hier als Belohnung weder den Sieg, noch die Macht, noch irgendwelche Beute. Diese Muslimgemeinde wird nur mit einem einzigen Ziel losgeschickt, ohne jegliche Nebenabsichten und ohne jeden anderen menschlichen Wunsch, selbst den Wunsch, dem Islaam zum Sieg zu verhelfen. Diese Gemeinde soll ihren Weg gehen mit dem einzigen Ziel vor Augen, den Segen ihres Herrn und Seine Barmherzigkeit zu erlangen und die Gewissheit, dass sie rechtgeleitet ist. Dies allein ist das Ziel, dies allein ist die Belohnung, dies allein ist die Frucht, nach der sie streben. (Qutb)

 

158. Wahrlich, Al-Safaa und Al-Marwa302 gehören zu den (Orten der) Kulthandlungen Allahs und wer bei dem Haus den Hadsch oder die Umra303 verrichtet, für den ist es kein Vergehen, wen er sie (beide) umschreitet304. Und wer freiwillig Gutes tut, so ist Allah erkenntlich, wissend.

302. Al-Safaa und Al-Marwa sind zwei Erhebungen, umgeben von Säulen, im Herzen von Mekka nahe der geschützten Masdschid. Die Entfernung zwischen beiden, die 493 Schritte beträgt, soll während der Pilgerfahrt siebenmal, teilweise im Eilschritt, zurückgelegt werden. Dies geschieht in Erinnerung an Hadschar, die Mutter von Ibraahiims  Sohn Ismaa'iil, die zwischen beiden hin und her lief, um in der ausgedörrten Wüste alleingelassen für ihr Kind nach Wasser zu suchen. (Darjabaadi)

303. Hadsch  ist die Pilgerfahrt zur Ka'ba in Mekka während der festgesetzten Tage des Monats Sul-Hidscha; Umra (auch die kleine Pilgerfahrt genannt) ist der Besuch der Ka'ba zu irgendeiner beliebigen Zeit. (Mauduudi).

304. Das Umschreiten von Al-Safaa und Al-Marwa gehört zu den Riten des Hadsch und ist keineswegs etwas Tadelnswertes, wie einige Muslime damals in der Annahme meinten, es handle sich um Überbleibsel aus der heidnischen Vergangenheit der Araber (Darjabaadi)

 

159. Diejenigen, die verbergen305, was Wir von den klaren Beweisen und der Rechtleitung herabsandten,306 nachdem Wir es den Menschen im Buch307 erklärt hatten, diese wird Allah verfluchen und verfluchen werden sie die Fluchenden.308

305. Das heißt die Juden. (Al-Dschalalain)

306. Den Muslimen werden hier als warnendes Beispiel die Juden vor Augen geführt, die ihre Schriften zum Monopol der Rabbiner machten, anstatt sie unter dem Volk zu verbreiten. Die Muslime als Anführer der Menschheit sollen die Rechtleitung, die ihnen zuteil wird, weitergeben und nicht zurückhalten. (Mauduudi)

307. Das heißt in der Thora. (Al-Dschalalain)

308. Von Allah verflucht zu werden heißt im Sprachgebrauch des Qur’an, von Allah hinweggetrieben, Ihm entfremdet zu werden, also Seiner Barmherzigkeit und Gnade verlustig zu gehen. Verflucht von den Fluchenden bedeutet, verflucht von Engeln, Menschen und den Dschinn, also von allen, die das Böse hassen und verabscheuen. (Darjabaadi)

 

160. Außer denjenigen, die sich (Allah) wieder reuevoll zuwenden, sich bessern und (öffentlich) klarstellen, (was sie verbargen). Denen wende Ich Meine Gnade wieder zu, denn Ich bin der gnädig Sich wieder Zuwendende, der Barmherzige.309

309. Im Islaam wird Allah im Gegensatz zu anderen Diins weder als eifersüchtig noch als rachebegierig angesehen. Siehe Altes Testament, Josua 24: 9: "Da sprach Josua zum Volk: „Ihr könnt nicht Jahwe dienen, denn er ist ein heiliger Gott, er ist ein eifersüchtiger Gott, der euch eure Vergehen und eure Sünden nicht vergeben wird.'" (Darjabaadi)

 

161. Wahrlich, diejenigen, die kaafir310 sind und in ihrem Kufr311 sterben, über denen ist der Fluch Allahs und der Engel und aller Menschen.312

310. Die wörtliche Bedeutung des arabischen Verbums "kafara" كَفَلرَ ist bedecken oder verbergen. Im Lauf der Zeit wurde es vornehmlich für das "Verbergen der Wahrheit" und schließlich für ihre Verwerfung, also das Gegenteil von "Imaan",  im weiteren Sinne dann Annehmen und Unterwerfen sowie Verneinung und Auflehnung.

Abgesehen von diesem Sprachgebrauch wird das Wort "Kufr" im Qur’an für Undank verwendet, denn es ist nichts anderes als Undankbarkeit, wenn man die von Allah gegebenen Dinge und Fähigkeiten entgegen Allahs Willen benützt. (Mauduudi)

311. Wörtlich: während sie kaafir sind. (Anm. d. Übers.)

312. Ein Fluch ist nicht nur eine Sache von Worten. Vielmehr ist er ein furchtbarer geistiger Zustand im Gegensatz zum Zustand der Gnade. Kann ein Mensch verfluchen? Natürlich nicht in dem Sinn, in dem wir vom Fluch Allahs sprechen. Doch wenn Menschen unterdrückt oder ungerecht behandelt werden, steigen ihre Hilferufe im Gebet zu Allah empor und daraus entsteht Allahs "Zorn" oder "Fluch", das heißt, dem Übeltäter wird Allahs Gnade entzogen. (Juusuf 'Allii)

 

162. Darin313 werden sie (ewig) verweilen. Die Strafe wird ihnen nicht erleichtert und es wird ihnen kein Aufschub gewährt.

313. In dem Fluch. (Al-Dschalalain)

 

163. Euer Gott ist ein einziger Gott, es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Sich Erbarmenden, dem Barmherzigen.314

314. Damit wird klar und eindeutig das christliche Konzept der Dreieinigkeit, der Dualismus im Zoroastrismus (Der Zoroastrismus (auch: Mazdaismus oder Parsismus) ist eine um 1200 v. 'Isa. entstandene, 560 v. 'Isa. reformierte, Diin. Sie wurde im Gebiet des heutigen Irans begründet, auch heute noch finden sich dort Anhänger des Zoroastrismus.) und die Vielfalt der Gottheiten in polytheistischen Diins zurückgewiesen und verurteilt. (Darjabaadi)

 

Abschnitt 20

164. Wahrlich, im Erschaffen der Himmel und der Erde, (in) dem Aufeinanderfolgen von Nacht und Tag, (in) den Schiffen, die auf dem Meer schwimmen mit dem, was den Menschen nützt, (in) dem, was Allah vom Himmel an Wasser hernieder sandte und Er gab der Erde damit Leben, nachdem sie ausgedörrt war315 und verstreute auf ihr jedwedes Getier, (in) dem Wechsel der Winde und den dienstbaren Wolken zwischen Himmel und Erde, (in all dem) sind Zeichen für Leute, die begreifen.316

315. Wörtlich: nach ihrem Tod. (Anm. d. Übers.)

316. Dieser Aja steht in bedeutungsvollem Zusammenhang mit dem vorangegangenen, in dem uns Allah als unser einziger Herr und Schöpfer vor Augen geführt wird. Nun wird uns gesagt, dass wir die große Wahrheit von der Einheit Allahs leicht vorstehen können, wenn wir mit reinem Herzen und Verstand die Naturerscheinungen betrachtend und verstehend die Zeichen Allahs daraus zu lesen vermögen. Die verschiedenen Naturerscheinungen werden als Zeichen und Symbole Allahs bezeichnet, weil deren richtige Beobachtung die großen Wahrheiten bestätigt, die dem Menschen durch prophetische Offenbarung zuteil geworden sind. Es gibt nur einen Gott die gesamte Natur legt unumstößliches Zeugnis für die Gültigkeit dieser Tatsache ab. Die wunderbaren Zeichen im Universum sprechen eine beredte Sprache, indem sie die Einheit der Planung in der allergrößten Vielfalt der Natur erkennen lassen und dadurch den planenden Willen, der hinter allen Naturerscheinungen steht, Die Sinnswahrnehmungen des Menschen bekräftigen, sofern der richtige Gebrauch von ihnen gemacht wird, nur allzu klar die Wahrheiten, die dem Menschen durch die Offenbarungen Allahs kundgetan wurden. Die Natur verkörpert einen großen Plan wie wäre dieser möglich ohne die Planungsfähigkeiten eines Großen Planers? Der besondere Zauber der Natur, den zu erkennen uns der Qur’an immer wieder ermahnt, liegt in der Widerspiegelung des Planenden Willens, denn alle Naturerscheinungen beflügeln uns dazu, die geistige Wirklichkeit wahrzunehmen. (Siddiqi)

 

165. Und (doch) gibt es unter den Menschen einige, die sich außer Allah Seinesgleichen (zum Anbeten) nehmen (und) sie lieben, wie man (nur) Allah lieben darf.317 Die aber, die den Imaan verinnerlicht haben, lieben Allah (noch) mehr. Wenn (nur) diejenigen, die unrecht tun in Anbetracht der Strafe,318 (die ihnen dereinst zuteil wird), sehen könnten, dass alle Stärke Allah gehört und dass Allah streng im Strafen ist.

317. Selbst wenn es sich nicht um Götzen wie früher handelt. weil sich ja kein intelligenter Götzenanbeter mehr Wurzeln oder Steine zum Anbeten nimmt, können es die "goldenen Kälber" der heutigen Zeit sein, die, die Menschen vergöttern, (Juusuf ‘Allii)

318. Wörtlich: wenn sie die Strafe sehen. (Anm. d. Übers.)

 

166. Wenn sich (dereinst) diejenigen, denen gefolgt wurde, von jenen lossagen, die (ihnen) gefolgt sind und sie die Strafe sehen (die sie erwartet) und die Verbindungsstricke zu ihnen abgeschnitten sind!319

319. Wenn die unvermeidlichen Folgen der Blasphemie und Verleugnung Allahs eintreten, dann lösen sich solche künstlichen Bindungen selbst sagen sich von ihren Anbetern los. (Juusuf ‘Allii)

 

167. Und diejenigen, die gefolgt sind, sagen (dann): "Wenn wir (nur die Möglichkeit einer) Rückkehr hätten,320 so würden wir uns von ihnen lossagen, wie sie sich von uns losgesagt haben."321 So zeigt ihnen Allah ihre Taten als (Grund für) gramvolle Reue und sie kommen aus dem Feuer nicht heraus.

320. Das heißt wenn wir nochmals auf Erden leben könnten. (Al-Dschalalain)

321. Das hoffnungslose Ende dieser Rädelsführer und Irreleitenden und ihrer Anhänger ist hier nochmals aufgezeigt, um die Muslime zu ermahnen, in der Wahl ihrer Führer und Lehrmeister sehr vorsichtig zu sein, Frühere Völker sind vom rechten Weg abgekommen, weil sie falschen Führern folgten. Daraus sollten die Muslime ihre Lehren ziehen. (Mauduudi)

 

Abschnitt 21

168. Oh ihr Menschen,322 esst von dem, was es auf Erden an Erlaubtem (und) Gutem gibt und folgt nicht den Fußstapfen Schaytaans,323 denn er ist euch ein deutlicher Feind.

322. In den folgenden Ajas werden nun verschiedene Anordnungen der Schaarii'a, des Gesetzes Allahs, das uns offenbart wurde, behandelt. Das Wesen dieser Gesetzgebung ist, dass sie weder auf dem Nützlichkeitsprinzip noch auf materialistischer Basis beruht, sondern dass ihre Grundlage rein geistiger und ethischer Natur ist. Der menschliche Verstand ist nicht fähig, aus eigener Kraft hierfür den richtigen Weg zu finden. Es ist Allah allein, der ihr ethischen und geistigen Gehalt zu geben und sie zu formen vermag. (Siddiqi)

323. Indem ihr unreine Nahrung zu euch nehmt, die sowohl körperlich wie ethisch und geistig ungesund ist. (Darjabaadi)

 

169. Er gebietet euch nur Böses und Abscheulichkeit, und dass ihr über Allah sagt, was ihr nicht wisst.

170. Und wenn ihnen gesagt wird: "Folgt dem, was Allah herabgesandt hat", (so) sagen sie: "Nein! Wir folgen dem, wobei wir unsere Väter gefunden haben." (Wie) aber, wenn ihre Väter nichts begriffen hätten und nicht rechtgeleitet gewesen wären?324

324. Dieser Aja kritisiert die blinde Nachahmung ohne Überlegung und ohne Verstand. Selbst wenn der Mensch seinen eigenen Vorvätern nacheifert und ihre Lebensweise und ihre Ansichten zu den seinen macht, ist dies für ihn noch keine Garantie, dass er richtig handelt, denn seine Vorfahren können ihrerseits Sitten und Überzeugungen übernommen haben, die auf falschen Grundlagen beruhten. (Qutb)

 

171. Das Gleichnis derjenigen, die den Imaan bedecken sind, ist wie das Gleichnis eines Menschen), der irgendein (Tier) anschreit,325 das nichts hört außer Lauten und Zurufen. Taub, stumm und blind (sind sie), darum begreifen sie nicht.326

325. Das arabische Verbum "na'aqa" wird meist verwendet, um die unartikulierten Zurufe zu beschreiben, mit denen ein Schafhirte seine Herde antreibt. (Siddiqi)

326. Der Zustand dieser Unwissenden und Blinden ist gleichzusetzen dem von abgestumpftem Herdenvieh. Sie hören lediglich auf Zurufe, ohne sich zu überlegen, wohin sie geführt werden. Es ist, als ob diese Menschen blind seien, denn sie vermögen nicht einmal den Tatsachen ins Gesicht zu sehen; als ob sie taub seien und darum den Ruf der Wahrheit nicht hören können; und als ob sie stumm seien, weil sie nicht imstande sind, sich zum Richtigen zu bekennen. Das Ärgste jedoch ist, dass sie keinen Verstand besitzen. (Siddiqi)

 

172. Oh die ihr den Imaan verinnerlicht habt, esst von den guten Dingen, die Wir euch bereitet haben und seid Allah dankbar, wenn ihr Ihm allein dient.327

327. In Aja 168 wurde die ganze Menschheit angesprochen, hier die Muslime, damit sie, die sich Diener Allahs nennen, Gebrauch machen von allem Guten, das Allah erschaffen hat, und Ihm danken für Seine Gnade.

Hier zeigt sich die Einstellung des Islam gegenüber weltlichen Dingen, denn er lehrt nicht Selbstverleugnung und Kasteiung, sondern ermuntert seine Anhänger, sich der Gaben Allahs innerhalb der gesteckten Grenzen zu erfreuen. (Siddiqi)

 

173. Er hat euch verboten nur (den Genus von) natürlich Verendetem,328 Blut, Schweinefleisch329 und dem, worüber etwas anderes als Allah angerufen worden ist.330 Wer aber gezwungen ist, ohne (es) zu begehren und ohne das Maß zu überschreiten, für den ist es keine Sünde;331 wahrlich, Allah ist verzeihend, barmherzig.

328. "Maita" bedeutet nicht nur ein Tier, das eines natürlichen Todes gestorben ist, sondern auch eines, das nicht entsprechend dem Gesetz der Scharii'aa geschlachtet wurde. (Siddiqi)

Fische und dergleichen sind erlaubt, auch wenn sie nicht eigens unter Aussprechung des Namens Allahs rituell geschlachtet wurden; allerdings bezieht sich auch diese Ausnahme keinesfalls auf verendete Fische. (Juusuf 'Allii)

329. Es ist nicht nur das Fleisch von Schweinen, das zu essen verboten ist; auch alles sonstige (wie etwa Schweinsleder oder Borsten) wird als unrein betrachtet und ist den Muslimen darum untersagt. (Baidawi)

330. Das Fleisch der Tiere, über denen beim Schlachten etwas anderes ausgesprochen worden ist als der Name Allahs, ist den Muslimen untersagt, nicht weil es ihre physische Gesundheit beeinträchtigen könnte, sondern weil es der Reinheit ihrer Psyche abträglich ist. Diese soll, wie auch alles andere im Leben eines Muslims, völlig in Einklang mit der Einheit Allahs stehen und durch keinerlei negative Einflüsse gestört werden. (Qutb)

331. Hier wird die Verwendung unreiner Dinge unter drei Umständen gestattet: Es muss sich erstens um einen äußersten Notfall handeln, also wenn man zu verhungern oder verdursten droht oder wegen einer Krankheit in Lebensgefahr schwebt und es nichts anderes als das Verbotene gibt; man darf zweitens nicht den Wunsch hegen, Allahs Geboten zuwider zu handeln; und man sollte drittens keinesfalls auch nur einen Bissen oder einen Tropfen mehr zu sich nehmen als unumgänglich nötig. (Mauduudi)

 

174. Diejenigen, die verbergen, was Allah von dem Buch herabgesandt hat und es um einen geringen Preis verkaufen, diese verzehren in ihren Bäuchen nichts als Feuer.332 Allah wird zu ihnen am Tage der Auferstehung weder sprechen333 noch wird Er sie läutern; und eine schmerzliche Strafe wird ihnen zuteil.

332. Hier wird uns gesagt, dass uns die Verwendung von unrechtmäßigem Gut, insbesondere wenn es durch Verbergen der Wahrheit und Entstellung der religiösen Lehren und Grundsätze um irdischer Vorteile willen erworben ist. nichts als Verderben bringt. (Siddiqi)

333. Das heißt Er wird sich ihnen nicht in Barmherzigkeit und Mitleid zuwenden. (Siddiqi)

 

175. Sie sind es, die den Irrtum für die Rechtleitung erkauft haben und die Strafe für die Verzeihung. Was hat sie (nur) dem Feuer gegenüber334 so beharrlich gemacht!

334. Das ihnen dereinst beschieden sein wird. (Anm. d. Übers.)

 

176. Dies335 (ist deshalb), weil Allah das Buch mit der Wahrheit336 herabgesandt hat. Und diejenigen, die sich über das Buch streiten, haben sich gewiss (von der Wahrheit) weit entfernt.337

335. Das heißt die Strafe, die sie zu ertragen haben werden. (Dschalalain)

336. Dies bezieht sich auf den Qur’an und soll besagen: nachdem die Übeltäter mit den vorangegangenen Schriften ihr Unwesen getrieben haben und die darin enthaltenen Lehren um materieller Vorteile willen entstellt und verzerrt haben, können sie nun die Wahrheit in reinster Form im Qur’an finden, sofern sie nur bereit sind, sich dazu zu bekennen und den rechten Weg einzuschlagen. (Siddiqi)

337. Wörtlich: ...sind gewiss in weiter Abspaltung. (Anm. d. Übers.)

Wer sich in die Obhut des Buches begibt, steht im Einvernehmen mit der Wahrheit und mit dem ganzen Universum. Wer sich aber über das Buch streitet, befindet sich in Zwietracht mit sich selbst und der Welt. (Qutb)

 

Abschnitt 22

177. Nicht darin besteht die Güte,, dass ihr eure Gesichter (beim Gebet) dem Osten oder dem Westen zuwendet; Güte ist vielmehr, an Allah zu den Imaan zu verinnerlichen, den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten, (von) dem Besitz- obwohl man ihn liebt zu geben den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Wanderer, den Bettlern und für (das Freikaufen von) Sklaven, das Gebet zu verrichten und Seka338 zu geben.339 Und (gut sind) diejenigen, die ihr Versprechen halten, wenn sie es gegeben haben und diejenigen, die in Elend, Not und zu Zeiten von Krieg geduldig sind.340 Sie sind es, die wahrhaft und mutaqi sind.

338. Gebet und Seka (das heißt eine Steuer, die im Islam zur Grundlage des Wirtschaftssystems erhoben wurde), waren stets ein wichtiger Bestandteil des Islams. Wie alle anderen Propheten, machten auch die Propheten Israels beides zu bindenden Pflichten für die Juden; doch nach und nach begannen die Juden, sie zu vernachlässigen. Sie hörten auf, das Gebet gemeinsam zu verrichten, ja die meisten von ihnen beteten nicht einmal für sich allein. Anstatt Seka zu bezahlen fingen sie sogar an, Zinsen für ihr Geld zu verlangen. (Mauduudi)

339. Dieser Aja sollte im Zusammenhang mit der Anordnung über die Änderung der Gebetsrichtung gelesen und verstanden werden. Die Menschen dürfen nicht meinen, dass die Gütigkeit oder der Imaan sich in äußerlichen Dingen und Formen erschöpft. Es ist vielmehr der Inhalt, der zählt.

Der echte Imaan bewirkt eine Abkehr des Menschen von einer vielfältigen Abhängigkeit verschiedenen Kräften und Einflüssen gegenüber zu einer einzigen Abhängigkeit Allah gegenüber, die in Wirklichkeit den menschlichen Geist befreit und von jedem anderen Zwang erlöst, so dass er sich nun im Einklang mit der gesamten Schöpfung befindet. (Qutb)

Juusuf ‘Allii schreibt weiterhin: "Ein echter Mu`min, für den die Liebe zu Allah und seinen Mitmenschen das Wichtigste ist, muss natürlich seinen. Imaan durch hilfreiche Taten anderen gegenüber unter Beweis stellen. Individuelle Wohltätigkeit und Gütigkeit sind allerdings auch noch nicht alles, was uns an Pflichten auferlegt ist. Sowohl im Gebet als auch in der Hilfe für andere sollten wir uns nach Möglichkeit mit Gleichgesinnten zusammentun, denn gerade in der Gemeinschaft kann das Erreichbare vervielfacht werden."

340. Die islamischen Tugenden der Standhaftigkeit und Geduld, die unentbehrlich sind für die menschliche Würde, sollen sich vor allem bei drei Gelegenheiten bewähren: bei körperlichen Schmerzen oder Leiden, bei jeder An von Unglück, gleichviel ob es selbstverschuldet ist oder nicht, und in Zeiten öffentlicher Drangsal, sei es nun Krieg, Gewalttätigkeiten, Seuchen oder was auch immer. (Juusuf ‘Allii)

 

178. Oh die ihr den Imaan verinnerlicht habt! Es ist euch die Widervergeltung vorgeschrieben für die Getöteten: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven, das Weib für das Weib. Doch wem von seinem Bruder etwas vergeben wird, so (soll) die Verfolgung (der Ansprüche) auf geziemende Art und die Leistung ihm gegenüber341 auf wohltätige Weise (geschehen).342 Dies ist eine Erleichterung von eurem Herrn und eine Erbarmung.343 Wer nun nach diesem (Beschluss die Gesetze) übertritt, dem wird eine schmerzliche Strafe zuteil.

341. Das heißt die Strafe, die sie zu ertragen haben werden. (Dschalalain)

342. Widervergeltung ist nicht dasselbe wie Rache. In diesem Aja kommt die unparteiische Gerechtigkeit voll zum Ausdruck. Das islamische Recht zieht nicht nur die Verantwortung des Mörders für das begangene Verbrechen in Betracht, sondern Dementsprechend wird Mord nicht so sehr als Verbrechen gegen den Staat betrachtet, sondern in erster Linie als Unrecht an der Familie des Ermordeten, woraus sich das Recht der Angehörigen ergibt, falls sie von der Verhängung der Todesstrafe Abstand nehmen wollen, auf einer angemessenen Entschädigungssumme zu bestehen. Somit lassen diese Bestimmungen Raum sowohl für strikte Bestrafung als auch für Gerechtigkeit in Form einer Wiedergutmachung. (Darjabaadi)

343. Diese Erleichterung ist nur der Gemeinde der Muslime eingeräumt worden; in der Thora findet sie sich nicht. (Qutb)

 

179. In der Widervergeltung ist Leben für euch, Oh ihr, die ihr Verstand besizt!344 Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten.

344. In der Widervergeltung liegt die Sicherheit für die Allgemeinheit, da sie eine wirkungsvolle Maßnahme darstellt, das menschliche Leben zu schützen. Somit trifft der Islam einerseits Vorsorge für die Verhinderung von Verbrechen und andererseits bietet er dem Menschen Gelegenheit, seine edlen Eigenschaften der Güte und des Verzeihens in die Tat umzusetzen. (Siddiqi)

 

180. Es ist euch vorgeschrieben, wenn sich bei einem von euch der Tod naht, sofern er Gut hinterlässt, ein Vermächtnis den Eltern und den Verwandten auf geziemende Art (zu machen). (Dies ist) als rechtliche Verpflichtung (bindend) für die Mutaqi.345

345. Nach dem Gesetz, das der Sicherheit menschlichen Lebens dient, kommen wir nun zur Sicherung des Eigentums. Hier handelt es sich nicht um das Erbgesetz im einzelnen (das in Suura 4 festgelegt ist), sondern darum, dass rechtzeitig ein Testament erstellt wird, damit jeder, der dem Verstorbenen Nahestand, seinen gerechten Anteil erhält und Streitigkeiten vermieden werden. (Siddiqi)

 

181. Doch wer es umändert,346 nachdem er es gehört hat, so ist die Sünde dafür (nur) bei denen, die es umändern. Wahrlich, Allah ist hörend, wissend.

346 Wörtlich: vertauscht. (Anm. d. Übers.)

Wer den letzten Willen gehört hat. sündigt, falls er ihn abändert nach dem Tod des Erblassers, während dieser daran schuldlos ist,. Nur in einem Fall ist es dem Bevollmächtigten erlaubt, das Vermächtnis zu ändern und zwar dann, wenn er weiß, dass der Erblasser mit seinem Testament absichtlich jemanden bevorzugen oder benachteiligen wollte. Es ist für den Testamentsvollstrecker dann erlaubt, den letzten Willen so zu gestalten, dass ein Abweichen vom rechten Weg nicht möglich ist, so dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird. (Qutb)

 

182. Wer aber seitens des Erblassers eine Unrechtmäßigkeit347 oder Sünde befürchtet und zwischen ihnen Frieden stiftet, für den ist es keine Sünde348. Wahrlich, Allah ist verzeihend, barmherzig.

347. Versehentlich begangen hinsichtlich des Nachlasses, "dschanafaa" جَنَفا bedeutet wörtlich abfallen oder abweichen von dem rechten Weg, unrecht handeln. (Darjabaadi)

348. Ein lediglich ausgesprochener letzter Wille ist zulässig, doch wird vom Erblasser erwartet, dass er seinen Erben gegenüber gerecht ist und nicht von dem abweicht, was als angemessen gilt. Deshalb sind genaue Anteile für die Erben festgelegt worden (siehe Qur’an 4:11 etc.), die der Entscheidungsfreiheit des Erblassers gewisse Grenzen auferlegen. sie aber nicht aufheben. Unter den Nachkommen gibt es beispielsweise einige (wie etwa verwaiste Enkel, sofern es überlebende Söhne gibt), die an sich nichts erben würden, für die der Erblasser aber trotzdem vielleicht gerne sorgen würde. Oder es mag auch Außenstehende geben, die der Erblasser bedenken möchte und die Juristen sind der Auffassung. dass er das Recht hat, dies mit Maximal einem Drittel seines Vermögens zu tun. Allerdings soll er nicht einseitig zugunsten eines Erben auf Kosten anderer entscheiden oder versuchen, rechtmäßige Gläubiger um ihren Anteil zu bringen. Sollte er dies beabsichtigen, dann können sich die Ohrenzeugen des nur ausgesprochenen letzten Willens auf zweierlei Weise einschalten. Zum einen können sie den Erblasser dazu überreden, sein Testament zu ändern, bevor er stirbt. Oder aber sie können nach dem Ableben des Erblassers die betroffenen Parteien zusammenrufen und sie bitten, einer angemesseneren Lösung zuzustimmen. In diesem Fall handeln sie im Imaan und ohne schlechte Absichten. Sie tun also nichts Böses. Der Islam unterstützt alle rechtmäßigen Bemühungen, Frieden unter Brüdern aufrechtzuerhalten und Unstimmigkeiten oder Zank zu vermeiden. Abgesehen von dieser Ausnahme ist die Abänderung eines letzten Willens ein Verbrechen, wie dies in jeder Gesetzgebung der Fall ist. (Juusuf ‘Allii)

 

Abschnitt 23

183. Oh die ihr den Imaan verinnerlicht habt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben,349 so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren.350 auf dass ihr gottesfürchtig werden möget.351.

349. Von allen Geschöpfen Allahs ist es der Mensch allein, der vom rechten Weg abirrt. Dafür sind hauptsächlich zwei Triebe verantwortlich, nämlich die Liebe zu materiellem Besitz und die Anfechtungen des Fleisches. Durch die Institution der Seka, das heißt der Abgabe für Bedürftige, hat der Islam die Herzen seiner Anhänger vom unmäßigen Besitztrieb befreit und sie dazu bewegt, sich Allah zuliebe bereitwillig von ihrem Vermögen zu trennen. Das Fasten ist den Muslimen vorgeschrieben worden, um ihre Begierden im Zaum zu halten, damit sie nicht zu deren Sklaven werden und die Kontrolle über sich selbst verlieren. Man sollte also nicht vergessen, dass das Fasten keineswegs als Strafe gedacht ist oder eine untragbare Bürde darstellt, sondern dass es Mäßigung und geistige Disziplin lehren soll. Um zum wahren Diener Allahs zu werden, muss der Mensch fähig sein, sein Verhalten in Einklang zu bringen mit der moralischen und geistigen Disziplin, wie sie in der Scharii'a festgelegt ist. Darum darf er nicht hilflos seinen Begierden ausgesetzt sein. Das Fasten ist eine unentbehrliche Schulung dafür. Das Fasten im Islam zeichnet sich ferner dadurch aus, dass es den Menschen nicht zur Abwendung von dieser Welt erzieht, sondern zum vollkommenen und bereitwilligen Gehorsam Allah gegenüber. Denn all das, worauf der Mensch während des Fastens verzichten soll, wie Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr, das ist ihm nach Beendigung des Fastens erlaubt, Die natürlichen Triebe sollen also keineswegs völlig unterdrückt, sondern lediglich in gesunden Grenzen gehalten werden. Zum Fasten gehört auch, dass sich der Muslim ganz besonders davor hütet, schlechte Rede zu führen, zu lügen oder Böses zu tun. So entsteht eine Atmosphäre religiöser Frömmigkeit und der Hinwendung zu Allah in der Gemeinschaft der Muslime. Wie Abuu Huraira berichtet, hat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesagt: "Wenn der Ramadaan beginnt, werden die Pforten des Paradieses geöffnet und die Tore der Hölle geschlossen, und die Teufel werden in Ketten gelegt." (Bucharii und Muslim). (Siddiqi)

350. Das bedeutet nicht, dass das den Muslimen vorgeschriebene Fasten in der Zahl der Tage oder der Art und Weise den früheren Fasten Vorschriften gleicht. Es heißt lediglich, dass das Prinzip der Selbstdisziplin durch Fasten nicht neu ist. (Juusuf ‘Allii)

351. (Allah) fürchten so wird der tiefe Sinn des Fastens deutlich, dass es einen nämlich Taqwa und Imaan lehren soll. Das Fasten als Erfüllung einer von Allahs auferlegten Pflicht ist ein Mittel und Weg dahin. (Qutb)

 

184. (Das Fasten ist euch) für eine (begrenzte) Anzahl von Tagen (auferlegt)352. Und wer von euch krank ist oder auf einer Reise353, so (kann er) eine (gleiche) Anzahl anderer Tage (fasten).354Und denen, die es (nur) mit großer Mühe ertragen können,355 ist als Ersatz356 Speisung eines Armen auferlegt. Und wer freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr (nur) wüsstet!

352. Das heißt für dreißig oder neunundzwanzig Tage, denn beim Ramadaan handelt es sich um einen Mondmonat, also um die Zeit zwischen dem ersten Erscheinen des neuen Mondes bis zu dem Tag, an dem dies das nächste Mal geschieht. (Darjabaadi)

353. Der Wortlaut über Krankheit und Reise ist allgemein gefasst und nicht eingeengt. Jede Krankheit und jede Reise erlaubt das Fastenbrechen unter der Voraussetzung, dass es der Kranke nachholt, sobald er gesundet, und der Reisende, sobald er einen festen Aufenthaltsort hat. Das ist das Grundlegende beim Verstehen dieses weit gefassten Textes des Qur’ans.

Die Einengung aufzuheben und Schaden zu verhindern, kommt dem islamischen Verständnis am nächsten. Die Bestimmung hängt weder von der Schwere einer Krankheit noch von der Beschwerlichkeit einer Reise ab, sondern von der Tatsache der Krankheit und der Reise überhaupt auf Grund der Absicht, es dem Menschen leicht. nicht schwer zu machen.

Es bleibt noch anzumerken, dass diese Aussage die Befürchtung entstehen lässt, dass jene, die eine liberale Auffassung vertreten, zu weit gehen könnten und die religiösen Pflichten aus geringstem Anlas vernachlässigt werden. Das veranlasste die Rechtsgelehrten, eine strenge Haltung einzunehmen und Bedingungen festzusetzen. Doch das rechtfertigt meiner Meinung nach nicht die Einschränkung dessen, was der Wortlaut weit fasst. Denn die Religion führt die Menschen nicht durch Ketten zum Gehorsam, sondern durch Taqwa. Das Ziel dieser religiösen Pflicht ist ja gerade die Taqwa. Wenn sich jemand der Erfüllung dieser Pflicht unter dem Vorwand entziehen will, dass es erlaubt sei, so liegt für ihn von Anfang an nichts Gutes darin, weil das primäre Ziel dieser Pflicht nicht verwirklicht wird. Aber was sich einem schließlich in Bezug auf das Fasten auf Reisen einprägt, ist, dass es empfehlenswert ist, es zu brechen, ohne dass wirklich eine Beschwerlichkeit vorliegen muss. Was Krankheit betrifft, so habe ich nichts darüber gefunden außer den Äußerungen der Rechtsgelehrten. Offensichtlich ist in keiner Beschreibung von Krankheit eine Einschränkung festzustellen, weder hinsichtlich der Art. des Ausmaßes noch der Furcht vor ihrer Schwere; jedoch muss das Fasten nach der überwiegenden Meinung nachgeholt werden, und zwar je ein Tag für einen Tag Krankheit oder Reise, und ohne Unterbrechung hintereinander. (Qutb)

354. Dies ist als Zugeständnis, nicht als Vorschrift zu verstehen. Wer krank oder auf Reisen ist. kann das Fasten bis nach dem Ramadaan verschieben, er muss es aber nicht tun; es bleibt also jedem freigestellt. (Darjabaadi)

Qutb zitiert unter anderen diesen Hadiis: "Ein Mann von den Banu ’Abdullah ibn Ka'b ibn Malik namens Anas ibn Malik sagte: Der Gesandte Allahs, Allahs segne ihn und gewähre ihm Frieden sprach: Allah, erhaben ist Er, nahm dem Reisenden die Hälfte des Gebets und erlaubte ihm das Fastenbrechen; er erlaubte es (auch) den stillenden und schwangeren Frauen, wenn sie Angst um ihr Kind haben." (Verfasser der Sunan)

355. Bedeutende Kommentatoren wie Samsari verstehen "jutiiquunahu" يُطِيقُونَهُ im hier wiedergegebenen Sinn. Andere meinen, es heiße soviel wie "die es sich leisten können", wobei "es" sich entweder auf das Fasten oder auf die Speisung eines Armen beziehen kann. (Siddiqi)

Anfangs fiel den Muslimen das Fasten schwer -es wurde im zweiten Jahr nach der Hidschra kurz vor der Verpflichtung zum Dschihaad vorgeschrieben. Allah gab dem die Erlaubnis dazu, der nur mit Mühe fasten konnte das ist die Bedeutung von "jutiiquunahu" die Fähigkeit, es nur mit größter Anstrengung ertragen zu können. Er gab diese Erlaubnis: Fastenbrechen bei Speisung eines Armen. Dann legte er ihnen nahe, im allgemeinen freiwillig Gutes zu tun, indem sie den Armen zu essen gaben. Einerseits zusätzlich, nicht als Ersatz, andererseits über die Ersatzhandlung hinaus, indem sie zwei, drei oder mehr Armen zu essen gaben. Dann legte er ihnen nahe, das Fasten trotz der Beschwerlichkeit vorzuziehen. (Qutb)

 

185. Der Monat Ramadan357 (ist es), in dem der Qur’an als Rechtleitung den Menschen herabgesandt worden ist358 und als klarer Beweis359 der Rechtleitung und der Unterscheidung360 (zwischen Gut und Böse). Wer von euch also in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder auf einer Reise, so (kann er) eine (gleiche) Anzahl anderer Tage (fasten- Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer361 machen ­ damit ihr die (vorgeschriebene) Anzahl (der Fastentage) vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.

356. Wörtlich: Loskaufung. (Anm. d. Übers.)

357. Dies ist der neunte Monat des islamischen Kalenderjahres. (Siddiqi)

358. "Der Monat, in dem der Qur’an herabgesandt worden ist", in dem Sinne, dass der Anfang der Offenbarung im Ramadaan lag, oder dass der größte Teil in den Ramadaan-Monaten offenbart wurde. (Qutb)

359. Wörtlich: als klare Beweise. (Anm. d. Übers.)

360. Siehe Fußnote 73 zu 2:53. (Anm. d. Übers.)

361. Wörtlich: Allah will euch Leichtes, Er will euch nicht Schweres. (Anm. d. Übers.)

Das ist das höchste Prinzip beim Auferlegen dieses Imaans: Die Leichtigkeit ohne jegliche Beschwernis. (Qutb)

362. Dich, Oh Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Darjabaadi)

 

186. Und wenn dich362 Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe; Ich höre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich ruft. Deshalb sollen (auch) sie auf Mich hören und an Mir den Imaan verinnerlichen.363 auf dass sie besonnen handeln mögen.

363. Selbst wenn wir Allah nicht mit unseren Sinnen sehen und fühlen können, dürfen wir nicht meinen, Er sei uns fern. Er ist uns so nah, dass Er uns erhört, selbst wenn wir nicht in Worten, sondern nur in unserem Herzen zu Ihm rufen, sofern wir nur Seine Diener sind. (Mauduudi)

 

187. Erlaubt ist euch, in der Nacht des Fastens mit euren Frauen Beischlaf auszuüben. Sie sind (wie) ein Gewand364 für euch und ihr seid (wie) ein Gewand für sie. Allah weiß, dass ihr gegen euch selbst trügerisch gehandelt habt, und Er wandte euch Seine Gnade wieder zu und vergab euch365. So pflegt nun Verkehr mit ihnen und trachtet nach dem, was Allah euch bestimmt hat366. Und esst und trinkt, bis der weiße Faden von dem schwarzen Faden der Morgendämmerung klar für euch erkennbar wird367. Danach vollendet das Fasten bis zur Nacht368. Und pflegt keinen Verkehr mit ihnen, während ihr euch in die Moscheen (zur Andacht) zurückgezogen habt369. Dies sind die Schranken Allahs370, so kommt ihnen nicht nahe! So erklärt Allah Seine Zeichen den Menschen. Vielleicht werden sie (Ihn) fürchten.

364. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau wird hier in wenigen beredten Worten beschrieben: das Gewand ist dem Körper des Menschen am nächsten, es bedeckt und schützt ihn und es macht ihn schön. So wird die Abhängigkeit beider Ehegatten im Leben versinnbildlicht der eine ist unvollständig ohne den anderen. (Siddiqi)

365. Bevor dieser Aja offenbart wurde, herrschte unter den Muslimen allgemein die Ansicht, dass Geschlechtsverkehr während des Fastenmonats selbst nachts zu meiden sei, was jedoch besonders für junge Ehepaare sehr schwer war. So gab es also "heimliche Übertretungen", gefolgt von schlechtem Gewissen. Hier nun ist eindeutig festgelegt, dass während der Nächte des Ramadaan nichts Sündiges im Verkehr mit dem Ehepartner zu sehen ist. (Siddiqi)

366. Wörtlich: vorgeschrieben hat, nämlich an Erleichterungen. (Anm. d. Übers.)

367. Wer ein sehr enges Verhältnis zur Natur hat, kennt die bezaubernden Erscheinungen der frühen Morgendämmerung. Zuerst tauchen weiße, undeutliche Streifen im Osten auf, dann werden diese überzogen von einer dunklen Zone, der eine rosigweiße folgt, die sich ganz klar von der Dunkelheit abhebt. Dies ist die echte Morgendämmerung, mit der das Fasten beginnt. (Juusuf ‘Allii)

368. "Bis zur Nacht" Entsprechend der Überlieferung dessen, was unser Prophet Muhammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, getan hat, wird angenommen, dass dies bedeutet "bis zum Sonnenuniergang". (Juusuf ‘Allii)

369. Dies nennt man "Itiqaf". Es ist eine besondere, nicht obligatorische Form der Andacht während der letzten zehn Tage des Ramadaan. Man zieht sich in eine Moschee zurück und widmet sich ganz dem Gebet und der Meditation, zusätzlich zu den vorgeschriebenen religiösen Pflichtübungen. Dabei enthält man sich aller weltlichen Tätigkeiten, Wünsche und Begierden. (Mauduudi)

370. Man sollte versuchen, sich in sicherem Abstand von diesen Schranken zu halten und sie nicht einmal zu berühren, weil dann die Gefahr besteht, sie zu überschreiten. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hat dazu folgendes Beispiel angerührt: "Jeder König hat ein von Grenzen eingefasstes Land und Allahs umgrenztes Land ist durch die Schranken Seiner Gebote gekennzeichnet; wer seine Herde nahe an der Grenze weidet, läuft Gefahr, dass sich seine Tiere jenseits verirren."(Siddiqi)

 

188. Und verschlingt nicht euren Besitz untereinander auf nichtige Art371 und bestecht nicht den Richter, um (dadurch) einen Teil vom Besitz (anderer) Menschen auf sündige Weise zu verschlingen, wo ihr doch wisst372.

371. Oder "durch Falschheit". (Anm. d. Übers.)

372. Der Sinn des Fastens ist nicht erfüllt. wenn neben den körperlichen Begierden nicht auch die Habgier in Schranken gehalten wird. Für gewöhnlich hält sich für einen ehrbaren Menschen, wer sich hütet, Raub. Diebstahl und Unterschlagung zu begehen. Hier werden jedoch zwei weniger ins Auge fallende Arten von Gier erwähnt. Das ist zum einen. wenn man sein Vermögen dazu verwendet, andere etwa Richter oder die Obrigkeit zu bestechen, um sich unter dem Mäntelchen der Rechtmäßigkeit materielle Vorteile zu verschaffen, wobei "Besitz (anderer) Menschen" durchaus auch "öffentliche Mittel" bedeuten kann. Eine noch verborgenere Form des Missbrauchs ist es, wenn man sein eigenes oder anderer Leute Geld zu nichtigen oder leichtfertigen Zwecken vergeudet. Auch das ist nach islamischem Maßstab Gier. Besitz erlegt uns Verantwortung auf. Wenn wir dies nicht verstehen oder dem nicht gerecht werden, haben wir nicht die volle Lehre aus der Selbstbeherrschung durch Fasten gezogen. (Juusuf ‘Allii) 

 

Abschnitt 24

189. Sie fragen dich373 über die neuen Monde. Sprich: "Sie sind festgesetzte Zeiten (Messer) für die Menschen und den Hadsch374. "Und es ist nicht Frömmigkeit, dass ihr in die Häuser von ihrer Rückseite hineingeht. Frömmigkeit ist vielmehr, (Allah) zu fürchten. So geht in die Häuser durch ihre Türen hinein und fürchtet Allah375. Vielleicht werdet ihr erfolgreich sein.

373. Oh Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Dschalalain)

374. Die Bezugnahme auf die Mondmonate ist darauf zurückzuführen, dass eine Reihe von religiösen Pflichten. die im Islam vorgeschrieben sind, auf dem Mondkalender beruhen, in dem die Monate allmählich die Jahreszeiten des Sonnenjahres durchlaufen. (Siddiqi)

"Festgesetzte Zeiten (messer) für die Menschen", das gilt zum Beispiel für die Pilgerzeit, beim Fasten und Fastenbrechen, bei Eheschließung, Scheidung und der Wartefrist (der Frauen nach der Scheidung), bei Transaktionen und beim Handel, bei Geldforderungen. ..und ebenso bei ihren religiösen und weltlichen Angelegenheiten. (Qutb)

375. Bei den Arabern war es eine abergläubische Sitte, vor oder während der Pilgerfahrt ihre Häuser durch die Hintertür zu betreten. Damit wird hier aufgeräumt, denn die Wurzel der Frömmigkeit ist die Liebe zu und die Ehrfurcht vor Allah. "Die Häuser durch die Türen zu betreten" ist zu einem arabischen Sprichwort geworden, das vielerlei Bedeutungen hat. von denen hier einige genannt werden sollen.

1. Wenn man sich einer Gemeinschaft anschließt, soll man ihre Sitten und Bräuche achten;

2. wenn man ein Ziel auf ehrliche Weise erreichen will, soll man dies offen und nicht durch die Hintertür tun;

3. man soll nicht wie die Katze um den heißen Brei schleichen;

4. wenn man ein Unternehmen erfolgreich durchführen will, soll man alle erforderlichen Vorkehrungen treffen. (Juusuf ‘Allii)

Said Qutb zitiert für den in (374) geschilderten Fall einen Hadiis; einen weiteren, in dem der Wortlaut allgemeiner ist: "Abu Daawuud überlieferte auf Grund von Suba, Abu Ishaaq und Al-Barra, der sagte: Wenn die Ansar von ihrer Reise kamen. trat der Mann nicht durch die Vordertür ein."

 

190. Und kämpft auf dem Pfad Allahs gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht (das Maß)376. Wahrlich, Allah liebt nicht diejenigen, die (das Maß) übertreten.377

376. Kriegführung ist nur als Selbstverteidigung und innerhalb klar festgelegter Grenzen erlaubt. Wenn Krieg geführt wird, soll dies mit allen verfügbaren Kräften. jedoch nicht unbarmherzig geschehen; sondern nur, um Frieden und Freiheit für den Dienst an Allah wiederherzustellen. Auf keinen Fall dürfen Frauen, Kinder und alte oder schwache Menschen betroffen sein, Bäume und Äcker zerstört oder ein Friedenschluss verweigert werden, wenn der Feind sich ergibt. (Juusuf ‘Allii)

Qutb fasst den Begriff des Dschihaad weiter als Juusuf ‘Allii, nach dem er "nur als Selbstverteidigung" gestattet ist: "Das Abwendigmachen von der Religion (=Fitna)" ist ein Anschlag auf das Heiligste im menschlichen Leben. Es. ist deshalb schlimmer als Totschlag, schlimmer als einen Menschen zu töten. den Geist oder das Leben zu vernichten. Es ist gleich, ob diese Verfolgung aus bloßer Bedrohung oder wirklicher Schädigung besteht oder aus der Errichtung abträglicher und verderblicher Verhältnisse mit der Absicht, die Menschen vom rechten Weg abirren zu lassen, sie zu verderben und vom Pfade Allahs abwendig zu machen, ihnen den Kufr in verlockenden Farben auszumalen sowie sie zur Abkehr vom Islam zu bewegen. Die islamische Anschauung von der Bekenntnisfreiheit und die Tatsache. dass er ihr diesen hohen Wert im Leben der Menschheit zuerkennt, decken sich mit der Natur des Islam und seiner Ansicht über den Zweck des menschlichen Daseins. Und zwar ist der Zweck des menschlichen Daseins der 'Ibaada (dazu gehört jede gute Tat, mit der man sich Allah zuwendet), und das Wertvollste im Menschen ist die Freiheit des Imaans."

377 Hier sollen zwei Überlieferungen nicht unerwähnt bleiben. Wie Abu Musa berichtet, kam einst ein Mann zum Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und sagte: "Der eine kämpft um Beute, ein anderer, um Ruhm und Ehre zu erlangen und ein weiterer, um seinen Mut und seine Tapferkeit zu beweisen wer von diesen sollte als Kämpfer auf dem Pfad Allahs betrachtet werden?" Darauf antwortete der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm: "Wer mit dem einzigen Ziel kämpft, dass das Wort Allahs obsiegen möge, ist derjenige, der Allah zuliebe kämpft." (Bucharii)

Als Abuu Bakr seine Armee in den Kampf an die syrische Grenze entsandte, gab er ihr folgenden Befehl mit auf den Weg: "Begeht keinen Verrat und weicht nicht vom rechten Weg ab. Auch sollt ihr Kinder, alte Menschen und Frauen weder verletzen noch töten. Zerstört oder verbrennt keine Palmen und fällt keine Obstbäume. Schlachtet weder Schaf- noch andere Herden oder Kamele, es sei denn zu eurem Lebensunterhalt. Wenn ihr bei Leuten vorbeikommen solltet, die sich dem Klosterdasein verschrieben haben, so überlasst sie dem Leben, dem sie sich hingegeben haben." (Tabari)

 

191. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stößt,378 und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung379 ist schlimmer als Totschlag. Doch kämpfet nicht gegen sie bei der Heiligen Moschee,380 bis sie (selbst) dort gegen euch kämpfen. Wenn sie aber gegen euch (dort) kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn für die Kaafir.381

378. Angesichts des vorhergehenden Ajas gilt der Satz "tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt" nur im Zusammenhang mit Kampfhandlungen, die bereits im Gange sind. Dem Islam gegenüber voreingenommene Kritiker haben einen schwerwiegenden Irrtum begangen, indem sie diesen Aja als Rechtfertigung für das wahllose Töten von Kufar betrachteten. (Siddiqi)

379. Das Wort "Fitna" الْفِتْنَةُ hat hier neben "Versuchung" und "Gottlosigkeit" vielfache Bedeutung wie "Verrat", "Treulosigkeit", "mutwillige Verfolgung von Muslimen", "Aggression" usw. All das verursacht weit schlimmeren Schaden und führt zu ernsteren Folgen als Krieg und es ist zur mannhaften Bekämpfung dieser größeren übel, dass Kampf erlaubt, ja manchmal sogar vorgeschrieben ist im Islam. (Darjabaadi)

380. Hier wird auf den Kampf in der Umgebung Mekkas Bezug genommen, weil zur der Zeit der Offenbarung dieses Ajas die Heilige Stadt noch in den Händen arabischen Kaafir war, die den Muslimen das Verrichten der Hadsch nicht gestatteten. (Juusuf ‘Allii)

381. Das heißt für die, die den Islam unterdrücken, im engeren wie im weitesten Sinn. Wenn sie mit Gewalt die Muslime vom Verrichten der religiösen Pflichten abzuhalten trachteten, hatten sie damit der Religion den Krieg erklärt. Es wäre Feigheit, diese Herausforderung unbeachtet zu lassen und diese Art von Unterdrückung nicht auszumerzen. (Juusuf ‘Allii)

 

192. Wenn Sie aber aufhören, so ist Allah verzeihend und barmherzig.382

382. Das heißt, wir sollten in uns jene Eigenschaften entwickeln, die Allah besitzt, an Den wir den Imaan verinnerlicht haben. Er vergibt selbst den schlimmsten Missetätern und lässt ihnen gegenüber Gnade walten. Danach sollten wir uns richten. Wenn wir einen Krieg führen müssen, so sollte dadurch nicht unser Rachedurst gestillt werden, sondern wir sollten es nur für die Sache Allahs tun. So lange der Feind sich gegen Allah auflehnt und im Kampf gegen uns fortfährt, sollten wir ihn bekämpfen. Lässt er jedoch ab, so sollten auch wir die Feindseligkeit sogleich einstellen. (Mauduudi)

 

193. Und kämpfet gegen sie, bis es keine Verfolgung383 (mehr) gibt und der Diin (allein) Allahs ist.384 Wenn sie aber aufhören, so soll es keine Gewalttätigkeit385 geben außer gegen diejenigen, die unrecht tun

383. Das heißt, bis die Kräfte der Kaafir, mit denen sie Unheil zu stiften versuchen, völlig erschöpft sind und die Herrschaft des Islam errichtet ist. (Darjabaadi)

Siehe auch Fußnote 379 zu 2:191(Anm. des Übers.).

384. Das heißt. bis die Herrschaft des Islam. der Religion Allahs, anerkannt ist und Vielgötterei und Kufr ausgemerzt worden sind, so dass der Islam die dominierende Kraft in der Welt ist. Wir haben bereits erklärt, dass der Islam eine vollständige Lebensordnung darstellt. Wenn es also im Qur'an heißt,. ..und der Diin (allein) Allahs ist". so bedeutet das, dass die Lebensweise, die der Islam vorschreibt, in aller Welt vorherrscht und dass alle anderen Weltanschauungen und Systeme ihre Daseinsberechtigung verlieren. (Siddiqi)

Wenn diese Worte zur Zeit ihrer Offenbarung auch an die Menschen auf der Arabischen Halbinsel gerichtet waren. für die es galt, der Herrschaft der Kaafir entgegenzutreten, die durch Terror und Verfolgung die Verbreitung der Religion Allahs zu verhindern suchten, so besitzen sie doch allgemeine Gültigkeit. Die Verpflichtung zum Kampf für Allahs Sache bleibt bis zum Jüngsten Tag bestehen, solange sich diktatorische Regime erheben, die danach trachten, die Menschen durch Gewaltanwendung von der durch Allah vorgeschriebenen Lebensweise abzubringen. Diese Lebensweise ist im Islam, mit dem die Offenbarungen Allahs ihre letzte Form und Vollendung gefunden haben, verkörpert und sie ist für die gesamte Menschheit gültig. Darum steht den Menschen das Recht zu, sich ungehindert über diese allumfassende Lebensordnung zu informieren und es gibt keine Macht der Erde, die der Übermittlung der Botschaft Allahs Einhalt gebieten darf. (Qutb)

385. Das bedeutet, dass jeder Mensch frei bestimmen kann, welchen Weg er in diesem Leben einzuschlagen wünscht. Nichts und niemand außer seinem eigenen Gewissen darf diese wichtigste Entscheidung seines Lebens beeinflussen, vor allem nicht durch Gewaltanwendung oder Bedrohung. Die vollkommene Freiheit bei dieser wichtigsten Entscheidung ist unabdingbare Voraussetzung für die Verantwortung, die jeder Mensch vor Allah zu tragen hat. (Qutb)

 

194. Der Schutzmonat ist für den Schutzmonat386 und (bei Entweihung) der heiligen Dinge ist Wiedervergeltung (erlaubt). Wer nun gegen euch gewalttätig handelt, gegen den handelt in gleichem Maße gewalttätig, wie er gegen euch gewalttätig war, und fürchtet Allah und wisset, dass Allah mit den Mutaqi ist.387

386. Das bedeutet: der heilige Monat, nämlich der Monat, während dem die Menschen sich verpflichten, einander nicht anzugreifen und auf Gewalt zu verzichten, gilt nur für diejenigen, die seine Heiligkeit im erwähnten Sinne beachten und respektieren.

(Anm. d. Übers.)

Die Unverletzlichkeit der vier Monate Mucharram, Radschab, Sul-Qada, und Sul-Hidscha ist hochzuhalten, solange dies die andere Seite auch tut. Doch wenn sie dies nicht tut und angreift, dann haben die Muslime das Recht und die Pflicht, sich nach besten Kräften zu wehren. (Siddiqi)

387. Wer die Unverletzlichkeit der heiligen Monate missachtet, ist damit zu bestrafen, dass er die Sicherheit, die sie ihm bietet, verliert. Allah hat die Ka'ba zu einer Oase der Sicherheit und des Friedens in diesem Gebiet gemacht, ebenso wie die heiligen Monate. leben und Eigentum anderer sind zu schonen und keinem Lebewesen darf Böses angetan werden. Wer diese Schutzvorschriften übertritt, beraubt damit auch sich selbst des Schutzes. Wer das, was anderen heilig ist, angreift, darf seinerseits angegriffen werden. Allerdings sind den Muslimen bei der Wiedervergeltung Schranken auferlegt, die sie nicht überschreiten dürfen. Sie dürfen nur tun, was unbedingt nötig ist, nämlich Gleiches mit Gleichem vergelten, ohne sich zu Übertreibungen hinreißen zu lassen. (Qutb)

 

195. Und spendet auf dem Pfad Allahs und stürzt euch nicht mit eigenen Händen ins Verderben388 und tut Gutes! Wahrlich, Allah liebt diejenigen, die Gutes tun.

388. Auf dem Pfad Allahs zu spenden bedeutet, finanzielle Opfer zu bringen, um zur Verwirklichung der von Allah vorgeschriebenen Lebensweise beizutragen. Das soll besagen: wer sich selbstsüchtig weigert, von seinem Eigentum für Allahs Sache etwas hinzugeben, bringt auf Erden Verderben über sich und im Jenseits Verdammnis. (Mauduudi)

Für den Kampf werden Geldmittel ebenso wie Männer benötigt. Es oblag jedem Muslim. sich selbst mit Waffen einen Reittier und Nahrungsmitteln auszurüsten. Doch gab es Muslime. die zu arm waren. sich selbst mit dem Nötigsten auszustatten

Darum finden sich im Qur’an immer wieder Anordnungen, für die Sache Allahs zu spenden und auch unser Prophet Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ermahnte häufig zur Spendenbereitschaft, damit die Kämpfenden ausgestattet werden konnten. Wer diesem Aufruf nicht folge leistet. schadet durch seinen Geiz der eigenen Seele und schwächt die Gemeinschaft, insbesondere innerhalb einer Gesellschaftsordnung, die wie der Islam auf Freiwilligkeit begründet ist. (Qutb)

 

196. Und vollendet den Hadsch und die Umra389 Allah zuliebe. Und wenn ihr daran gehindert werdet, (so bringt) ein Opfertier (dar), das (zu opfern euch) leicht fällt. Und schert nicht eure Häupter, bis das Opfer seinen Bestimmungsort390 erreicht hat. Und wer von euch krank ist oder an seinem Haupt ein Leiden hat,391 der soll Ersatz leisten392 durch Fasten, Mildtätigkeit oder Darbringen eines Opfers.393 Und wenn ihr euch sicher fühlt,394 dann soll der, der die Umra mit dem Hadsch vollziehen möchte, ein Opfertier (darbringen), das (zu opfern ihm) leicht fällt. Und wer keines zu finden vermag, soll drei Tage während des Hadsch fasten und sieben, wenn ihr zurückgekehrt seid. Das sind zusammen zehn. Dies (gilt) für den, dessen Angehörige nicht nahe der Heiligen Moschee wohnen.395Und seid mutaqi und wisset, dass Allah streng ist im Strafen.

389. Hadsch ist die mit allen Riten vollzogene Pilgerfahrt während der ersten zehn Tage des Monats Sul-Hidscha. Umra (auch die kleine Pilgerfahrt genannt) ist der weniger förmliche Besuch der Ka'ba zu irgendeiner beliebigen Zeit des Jahres (Juusuf ‘Allii)