Suura 9 "Die Umkehr" oder "Die Aufkündigung" Aja 94 –

Suura 11 "Huud" Aja 5

94. Sie325 werden sich bei euch entschuldigen, wenn ihr zu ihnen zurückkehrt. Sprich: „Bringt keine Entschuldigungen vor! Wir werden euch niemals glauben! Allah hat uns schon über euch unterrichtet.326 Und Allah wird weiterhin eure Taten beobachten, ebenso (wie) Sein Gesandter.321 Dann werdet ihr zum Kenner328 des Verborgenen329 und des Sichtbaren zurückgebracht, und er wird euch offenbaren, was ihr zu tun pflegtet."

325. Diese Ajas sind dem Anschein nach vor der Rückkehr von Tabuk nach Medina offenbart worden. Sie teilen dem Gesandten Allahs, Allahs Frieden und Segen auf ihm, und den Mu’min mit, was sie von jenen zurück gebliebenen Munafuqs zu erwarten haben: Sie werden sich für ihr Zurückbleiben entschuldigen, denn sie haben Angst vor der Schmach, wenn die wahren Gründe ihres Zurückbleibens enthüllt werden, nämlich Schwäche des Imaans, Bevorzugung der eigenen Sicherheit und Angst vor dem Kampf, die die eigentlichen Motive waren. (Qutb)

326. Spart euch eure Entschuldigung. Wir werden auch kein Vertrauen schenken und lassen uns von eurem äußerlichen Bekenntnis zum Islam nicht mehr täuschen, weil Allah uns bereits über eure wahren Absichten und heimlichen Gedanken in Kenntnis gesetzt hat. (Qutb)

327. In der Zukunft, um zu sehen, wie loyal ihr trotz allem noch sein könnt. (Darjabaadi)

328. Wörtlich: „und danach werdet ihr zu Ihm zurückgebracht.“ (Asad)

329. Vergleiche Suura 6:73. Der Begriff "Asch-Schahada" (wörtlich: "das, was bezeugt werden kann"), bezeichnet diejenigen Aspekte der Wirklichkeit, die von einem Geschöpf sinnlich oder verstandesmäßig erfasst werden können. (Asad)

 

95. Sie werden euch bei Allah beschwören,330 wenn ihr zu ihnen zurückkehrt, dass ihr von ihnen ablasst.331 So lasst ab von ihnen. Sie sind wahrhaftig unrein.331 Und ihr Aufenthaltsort wird die Hölle sein, als (angemessene) Vergeltung für das, was sie sich erworben haben.

330. Sie werden schwören, dass sie wirklich berechtigte Gründe hatten, zu Hause zu bleiben. (Darjabaadi)

Allah weiß und informiert Seinen Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, dass sie versuchen werden, ihre Entschuldigungen überzeugend vorzutragen und die Muslime bei Allah zu beschwören, dass sie darauf verzichten, sie zur Rechenschaft zu ziehen. (Qutb)

331. Damit ihr sie nicht für ihr Verhalten bestraft. Ihre Befürchtungen waren in der Tat unbegründet, denn nach seiner Rückkehr von Tabuk ergriff der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, keinerlei Strafmaßnahmen gegen diejenigen, die an dem Feldzug nicht teilgenommen hatten. (Asad)

332. Sie sind charakterlich so verdorben, dass ihnen kaum noch Umkehr möglich ist. (Darjabaadi)

Das Wort "Ridschs" رِجْسٌ  bedeutet wörtlich „Schmutz" oder "Greuel" und ist hier auf jeden Fall im übertragenen Sinne zu verstehen. Sie sind nicht körperlich „schmutzig", sondern sie sind es mit ihren Seelen und ihren Taten. (Qutb)

 

96. Sie beschwören euch, um euch wohl zu gefallen, doch selbst wenn ihr mit ihnen zufrieden seid, so ist Allah fürwahr nicht zufrieden mit dem Volk der Frevler.333

333. Selbst eure Zufriedenheit würde ihnen nichts nützen, solange Allah nicht mit ihnen zufrieden ist. Dafür ist ihre Heuchelei zu offensichtlich. (Darjabaadi)

 

97. Die Wüstenaraber sind die schlimmsten in Kufr334 und Heuchelei, und auf sie trifft am ehesten zu, dass sie nichts wissen (wollen) von den Verordnungen, die Allah seinem Propheten offenbart hat. Und Allah ist Allwissend, Allweise.335

334. Die Araber der damaligen Zeit teilten sich in zwei verschiedene Bevölkerungsgruppen: die Stadtbewohner und die nomadischen Wüstenbewohner. Letztere waren Viehzüchter und wechselten ständig ihren Wohnsitz entsprechend dem Wasser und Weidebedarf für ihre Kamele, Schafe und Ziegen. (Darjabaadi)

Entsprechend Rasis Interpretation dieses Aja - offensichtlich in Verbindung mit Aja 99, wo von den Mu’mins unter den Beduinen die Rede ist - übersetze ich. „(Die Munafuqs unter) den Wüstenarabern". (Asad)

Vergleiche auch Suura 49:14. (Anm. d. Übers.)

Obwohl diese Leute nach außen hin den Islam angenommen hatten, hatten sie dies nicht aus Überzeugung getan. Als sie nämlich das organisierte Staatswesen in Medina sahen, waren sie davon so beeindruckt, dass sie zunächst eine opportunistische Haltung in der Auseinandersetzung zwischen Islam und Kufr annahmen. Als sich jedoch der Einfluss der islamischen Regierung über den größten Teil von Hidschas und Nadschd ausbreitete, hielten sie es für vorteilhaft, sich dem Islam anzuschließen. Es gab jedoch nur wenige unter ihnen, die dies aus aufrichtiger Überzeugung taten. Deswegen bemühten sich die meisten von ihnen auch nicht wirklich, den Erfordernissen des Islams nachzukommen und die islamischen Pflichten zu erfüllen. Für sie war es eher eine politische Maßnahme, von der sie sich den Vorteil versprachen, auf der Seite der „herrschenden Klasse“ zu stehen, während sie sich ihren religiösen und gesellschaftlichen Verpflichtungen weitgehend zu entziehen suchten. Besonders widersetzten sie sich dem Gedanken, ihr Leben und Eigentum für Allahs Sache einzusetzen, wie es der Islam von ihnen verlangte, denn sie waren gewohnt, Kriegszüge nur der Beute wegen zu unternehmen. Deswegen ließen sie sich meist unter dem einen oder anderen Vorwand vom Kampf freistellen. (Mauduudi)

Durch ihre nomadische Lebensweise und die damit verbundenen Härten ist es für die Beduinen schwieriger als für Sesshafte, sich von ethischen Geboten leiten zu lassen, die nicht in Zusammenhang mit ihrer unmittelbaren Stammesinteressen stehen. Diese Schwierigkeit wird durch ihren physischen Abstand von den Zentren der Kultur noch weiter verschärft, denn daraus folgt ihre relative Unkenntnis der religiösen Gebote. (Asad)

Die Kaafirs und die Munafuqs unter ihnen sind in ihrem Kufr und ihrer Heuchelei noch schlimmer dran als ihresgleichen unter den Stadtbewohnern. (Al-Manar)

335. Die Eignung für eine Sache kann entweder in der Natur eines Menschen liegen oder von ihm später erworben sein. Lebensbedingungen und Milieu können auch maßgebend sein bei der Beeinflussung dieser Eignung. (Al-Manar)

Er kennt die wahre Haltung Seiner Geschöpfe und ihre Eigenschaften und Natur. Und Er ist weise in der Verteilung der verschiedenen Talente. (Qutb)

 

98. Und unter den Wüstenarabern sind manche, die das, was sie spenden, als Zwangsabgabe betrachten336 und darauf lauern, dass ihr ins Unglück geratet.337 Aber Unglück soll sie allein treffen. Und Allah ist Allhörend, Allwissend.338

336. Dies bezieht sich auf die regelmäßigen Zahlungen für soziale Zwecke, eine Institution des Islam. Wenn man diese als Strafe oder Last empfindet, ist ihr Sinn nicht mehr gegeben. Wenn du Freude bei jeder Gelegenheit empfindest, der Gemeinschaft zu helfen und ihren Standard der öffentlichen Hilfeleistung aufrechtzuerhalten, dann ist deine Haltung völlig anders. Du wünschst dir organisierte und effektive Bemühungen, die Probleme menschlicher Armut und Not zu lösen. Damit näherst du dich Allah und verdienst die Fürbitten der Mu’mins, allen voran die des Propheten. (Juusuf 'Allii)

Sie sehen sich gezwungen, von ihrem Geld die Saka zu entrichten und zu Feldzügen der Muslime beizusteuern, um in munafuq Absicht die Muslime, in deren Händen die Macht über die arabische Halbinsel liegt, zu täuschen. (Qutb)

337. Sie warten darauf, dass sie durch eine Niederlage der Muslime von dieser „Last“ befreit werden. (Darjabaadi)

Sie hatten darauf gehofft, dass die Götzendiener und die Juden die Oberhand über die Muslime gewinnen. Als dies nicht geschah, warteten sie auf den Tod des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Denn sie dachten, dass der Islam mit dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ein Ende nehmen werde. (Al-Manar)

338. Er hört, was sie sprechen, und weiß, was sie in ihrem Inneren verbergen. (Darjabaadi)

 

99. Doch unter den Wüstenarabern sind auch solche, die an Allah den Imaan verinnerlichen und an den Jüngsten Tag.339 Sie betrachten das, was sie spenden, als ein Mittel, um Allah näherzukommen340 und um die Segenswünsche des Gesandten (zu erlangen). Fürwahr, es wird sie näher (zu Allah) bringen. Allah wird sie wahrlich in Seine Barmherzigkeit einschließen, denn Allah ist Verzeihend, Barmherzig.341

339. Dies bezieht sich auf die Mu’mins unter den Beduinen. (Darjabaadi)

340. Sie leisten ihre Zahlungen freiwillig und großzügig mit der Absicht, Allah dadurch näher zu kommen. (Darjabaadi)

Der Imaan an Allah und den Jüngsten Tag veranlasst diese Menschen zum Spenden, nicht die Angst vor Menschen, Schmeichelei gegenüber den siegreichen Kämpfern oder weltliche Nutzenrechnung. (Qutb)

341. Allahs Barmherzigkeit ist immer da, so wie auch die Sonne immer scheint. Wenn wir bereit sind, sie zu empfangen, können wir sie genießen, so wie ein Mensch aus dem Schatten durch eigene Bemühungen ins Freie kommen muss, um die Sonne zu genießen. (Juusuf 'Allii)

 

Abschnitt 13

100. Die Vorhut (des Islam),342 - die ersten von den Ausgewanderten – und den Helfern343 und jene, die ihnen folgen in guten Werken,344 an denen hat Allah Wohlgefallen und sie an Ihm,345 und Er hat für sie Gärten bereitet, durch die Ströme fließen. Dort werden sie ewig weilen. Das ist die höchste Glückseligkeit.

342. Die Vorhut des Islam - diejenigen in den ersten Reihen - sind diejenigen, die sich mutig für Allahs Sache einsetzen und leiden und niemals zurückweichen. Das erste historische Beispiel sind die Muhadschirun (Auswanderer aus Mekka) und die Ansarhelfer in Medina. Die Muhadschirun, die ihre Heimat verließen und nach Medina auswanderten, unter ihnen der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, der als letzter den Ort der Gefahr verließ, werden zuerst erwähnt. Dann folgen die Ansar, die Bürger von Medina, die sie einluden, empfingen, ihnen beistanden und entscheidend zur Entstehung der neuen Gemeinschaft beitrugen. Darauf werden alle diejenigen erwähnt, die ihnen in guten Handlungen folgen: nicht nur die frühislamischen Helden und die gewöhnlichen Männer und Frauen, die Gefährten des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gewesen waren oder ihn gesehen hatten, sondern Männer und Frauen zu allen Zeiten, die ein gutes und edles Leben geführt haben. Nach allen ihren Opfern und Leiden freuen sie sich an Allahs Wohlgefallen. (Juusuf 'Allii)

Jene Kategorie der Muslime mit ihren drei Gruppen - die ersten Auswanderer, die ersten Anhänger des Islam in Medina und die, die ihrem guten Beispiel gefolgt sind - hat schließlich jene standhafte Basis der islamischen Gemeinschaft auf der arabischen Halbinsel gebildet. Sie war es, die die Gemeinschaft sowohl in guten, als auch in schlechten Zeiten zusammenhielt. (Qutb)

343. Die dreizehn Jahre lang in Mekka unbeschreiblichen Verfolgungen standgehalten und jetzt ihre Heimat verlassen hatten. (Darjabaadi)

Wir neigen dazu, jene, die vor der Schlacht von Badr ausgewandert sind, als die vorangehenden Auswanderer zu bezeichnen. Die vorangehenden Helfer sind diejenigen, die vor diesem Zeitpunkt zum Islam fanden. (Qutb)

In diesem Zusammenhang habe ich den Begriff “Muhadschirun“ (wörtlich: „die Auswanderer") übersetzt mit „diejenigen, die den Machtbereich des Bösen verlassen haben". Er bezieht sich in erster Linie auf die mekkanischen Anhänger des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die mit ihm nach Medina ausgewandert sind. Die „ersten und vordersten" von ihnen sind die frühesten Auswanderer, die Mekka um das Jahr 622 n.C. oder in den unmittelbar darauf folgenden Jahren verließen, als die muslimische Gemeinschaft in Medina selbst noch in Gefahr war, von der mächtigen Armee der Quraisch überrannt zu werden. Ähnlicherweise bezieht sich der Begriff “Ansar“ ("Helfer") hier auf die frühen Muslime aus Medina, die den Ausgewanderten beistanden. Die „ersten und vordersten" unter ihnen sind diejenigen, die den Islam vor oder kurz nach der Ankunft des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in Medina annahmen, besonders diejenigen, die an den beiden Treffen in Al-`Aqaba bei Mekka teilgenommen hatten. Abgesehen von ihrer rein historischen Bedeutung haben beide Begriffe im Qur’an jedoch auch noch eine geistige Bedeutung und werden oft gebraucht, um diejenigen zu bezeichnen, die moralisch „den Machtbereich des Bösen verlassen", beziehungsweise „dem Islam Hilfe und Beistand geleistet" haben. (Asad)

344. Diejenigen, die jenen Ersten und Vorangehenden, die hier im Zusammenhang mit der Expedition nach Tabuk genannt sind, in ihrem Tun folgten, folgten dem gleichen Weg wie sie, verinnerlichten den Imaan wie sie und bewährten sich wie sie. (Qutb)

Für alle Zukunft. (Darjabaadi)

345. Beachte, wie diese Symbolik das endgültige Ziel des Menschen zusammenfasst. In der Mathematik wäre dies wie eine Formel, die eine lange Beweisführung abschließt. In der bildenden Kunst wäre dies wie die Lotusblume im Buddhismus, die einen ganzen Komplex emotionaler oder religiöser Erfahrungen ausdrückt. In dieser Suura erscheint sie in Aja 72 und 89. (Juusuf `Allii)

Allahs Wohlgefallen ist, was zur Belohnung führt. Und die Zufriedenheit der Menschen mit Allah ist, dass man in Bezug auf Seine Vorherbestimmung voller Zuversicht ist, über den Göttlichen Ratschluss das Beste denkt, dankbar ist für Gnade, die Er einem zuteil werden lässt und Seine Prüfungen geduldig erträgt - kurzum: mit allem zufrieden ist, was von Ihm kommt. (Qutb)

 

101. Und einige der Wüstenaraber, die euch umgeben, sind Munafuqs, ebenso wie es unter den Bewohnern Medinas346 hartnäckige Munafuqs gibt.317 Du kennst sie nicht, Wir (aber) kennen sie.348 Wir werden sie zweimal bestrafen,349 dann wird ihnen mit einer gewaltigen Strafe vergolten.

346. Die Beduinen waren nicht naiv. Unter ihnen gab es listige Munafuqs, sowohl bei den Stämmen, die im Umkreis von Medina lagerten, als auch bei denen, die sich in Medina selbst niedergelassen hatten. Beide Gruppierungen verstehe ich als Beduinenstämme, nicht sesshafte Bürger von Medina, deren Heuchelei bereits in früheren Abschnitten behandelt worden ist. (Juusuf 'Allii)

Die Stadt hieß ursprünglich Jatrib erhielt jedoch nach der Auswanderung des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Namen Medin An-Nabi (“Stadt des Propheten!“) (Asad)

347. Hier geht es um eine besondere Art von Munafuqs, die so eingeübt und geschickt in ihrer Heuchelei waren, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, obwohl er scharfsinnig und geübt war, sie nicht zu erkennen vermochte. Allah gibt dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, noch die Zuversicht, dass Er ihn und die Muslime von der Arglist dieser Munafuqs verschonen wird. (Qutb)

348. Selbst der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mit all seinem Scharfsinn konnte ihre Heuchelei nicht durchschauen. (Darjabaadi)

349. Ihre Strafe in dieser Welt war zweifach, denn nicht nur ihre Verwirrung, sondern ihr Verharren in der Unwissenheit führte dazu, dass sie die vollendeten Tatsachen nicht begriffen, während klügere Menschen erkannten, dass ihre Feindschaft dem Islam gegenüber keine Zukunft haben konnte. Zusätzlich zu ihrer Verwirrung würden sie den zukünftigen geistigen Strafen begegnen. (Juusuf 'Allii)

Einmal durch ihre öffentliche Bloßstellung, und schließlich durch die Vernichtung aller ihrer Pläne. (Darjabaadi)

Eine zweifache Bestrafung erleiden sie im Diesseits, einmal durch das Unglück, von dem sie getroffen werden, und die Unruhe, die sie ergreift, aus Angst vor der Bloßstellung, und dazu durch das Leiden beim Hinscheiden aus dieser Welt. (Al-Manar)

 

102. Und außer diesen gibt es solche, die ihre Schuld bekennen.350 Sie vermischen eine gute Tat mit einer anderen üblen.351 Allah möge Sich ihnen in Seiner Gnade wieder zuwenden. Wahrlich, Allah ist Allverzeihend, Barmherzig.

350. Dies bezieht sich auf die wankelmütigen Muslime, nicht auf die Munafuqs. Sicher hatte ihnen die Kraft gefehlt, dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf dem Feldzug zu folgen, aber dennoch waren sie mu’min. (Darjabaadi)

Nicht mu’min im vollsten Sinne des Wortes, aber auch keine Munafuqs, sondern verwirrte Wankelmütige zwischen Richtig und Falsch oder zwischen Wahrheit und Unwahrheit. (Asad)

Es gibt eine dritte Gruppe von Menschen, die weder Munafuqs sind noch zu den vorangehenden Mu’mins und ihren Nacheiferern gehören, sondern Muslime, die aber manche Sünde begehen. (Al-Manar)

351. Es gibt einige Menschen, deren Wille schwach ist und dem Bösen nachgibt, obgleich viel Gutes in ihnen enthalten ist. Ihnen wird Vergebung versprochen, wenn sie bereuen und es an Freigiebigkeit den Muslimen gleichtun, wodurch sie sich reinigen, mit der Fürbitte des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Juusuf 'Allii)

Wörtlich: „die ihre Vergehen eingestanden haben, nachdem sie eine gute Handlung mit einer anderen bösen verbunden haben." Obwohl sich dies in erster Linie auf die wankelmütigen Muslime bezieht, die sich weigerten, an der Tabuk-Expedition teilzunehmen, spielt dieser Aja in seiner weiteren Bedeutung auf alle an, die Fehler begehen und sich ohne äußeren Anlass dessen bewusst werden und umkehren. (Asad)

 

103. Nimm Almosenspende aus ihrem Vermögen352, um sie dadurch zu reinigen und zu läutern und bete für sie. Denn, dein Gebet ist eine Beruhigung für sie.353 Und Allah ist Allhörend, Allwissend.

352. Wörtlich: „Nimm von ihrem Eigentum eine Spende für Allahs Sache (Sadaqa)". Vergleiche auch oben Aja 58. In diesem Zusammenhang bezieht sich der Ausdruck vor allem auf Saka ("die Reinigende", Armensteuer), zu deren Zahlung jeder Muslim verpflichtet ist, der über ein gewisses Minimum an Vermögen und/oder Einkommen verfügt. Da der Leiter eines Staates oder einer Gemeinschaft durch die Annahme von Saka den Geber als Muslim im Sinne des Qur’ans anerkennt, weigerte sich der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sie von denen entgegenzunehmen, deren Verhalten sie als Munafuqs ausgewiesen hatte. Der obige Aja bevollmächtigt ihn jedoch (und damit die zuständigen Behörden des islamischen Staates aller Zeiten), Saka von denen in Empfang zu nehmen, die durch Worte und Taten ihre Umkehr zum Ausdruck bringen. (Asad)

353. Deine Fürbitte gibt ihnen neues Selbstvertrauen. (Darjabaadi)

 

104. Wissen sie denn nicht, dass Allah allein die Reue von Seinen Dienern annimmt354 und die Sadaqa entgegen nimmt und dass Allah Der Allvergebende, Der Barmherzige ist?355

354. Hier wird betont, dass kein Mensch, nicht einmal der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Macht hat, Menschen von ihrer Schuld freizusprechen. Ein Prophet kann nur für die Menschen um Vergebung bitten. (Asad)

355. Zu Ihm allein muss der Mensch sich wenden, um seine Fehler zu bereuen und Seine Barmherzigkeit zu erlangen. Die Vergebung hängt ausschließlich von der Umkehr des Menschen und Allahs allgegenwärtiger Barmherzigkeit ab. (Darjabaadi)

 

105. Und sprich: „Tut (Gutes),356 Allah wird eure Taten sehen, ebenso wie der Gesandte und die Mu’mins.357 Und ihr werdet zu Dem zurückgebracht, Der das Verborgene und das Offenbare kennt.358 Alsdann wird Er euch Kunde geben von dem, was ihr zu tun pflegtet."359

356. Nach ihrer Umkehr sollen die Menschen zur Wiedergutmachung ermutigt werden. Die freundliche Zuwendung ihrer Brüder im Diin gibt ihnen Kraft und löscht ihre Vergangenheit aus. Wenn sie zu ihrem Schöpfer zurückkehren, begreifen sie die heilsame Gnade, die sie gerettet hat, so wie auch den Bösen die Augen geöffnet werden, so dass sie ihre geistige Erniedrigung erkennen (siehe oben Aja 94). Der ähnliche Wortlaut in Aja 94 und hier unterstreicht den Gegensatz. (Juusuf 'Allii)

Dieser Aja schließt an das Gebot in Aja 103 an: „Nimm von ihrem Eigentum eine Spende für Allahs Sache... und bete für sie". Die Betonung der Handlung als integraler Teil des Diins ist für die Ethik des Qur’ans von grundlegender Bedeutung. Vergleiche die wiederholte Wendung „Imaan verinnerlichen und gute Werke tun" und die Verurteilung all derjenigen, „die, während sie mu’min sind, nichts Gutes getan haben" (vergleiche Suura 6:158). (Asad)

357. Hier wird eine klare Unterscheidungslinie zwischen Munafuqs und wirklichen Muslimen gezogen. In diesem Abschnitt werden die Kriterien dargelegt:

1. Ein Mu’min wird sein Fehlverhalten eingestehen, ohne zu versuchen, es mit Ausflüchten oder falschen Interpretationen zu beschönigen.

2. Aus seinem früheren Verhalten wird ersichtlich, ob er sein Vergehen aus Gewohnheit begangen hat oder durch eine momentane Schwäche. Wenn er sich früher als aufrichtiger Muslim verhalten hat, kann daraus mit Recht geschlossen werden, dass er kein Munafuq ist.

3. Aus seinem zukünftigen Verhalten geht hervor, ob es um ein bloßes verbales Reuebekenntnis ging oder ob er sich wirklich geändert hat. (Mauduudi)

358. Sein Urteil ist vollkommen, denn Er kennt sowohl das Offene als auch das Verborgenen -was der Mensch in dieser Welt geplant und was er getan hat. (Siddiqi)

Der Begriff "Asch-schahada" (wörtlich: "was bezeugt ist" oder “werden kann“) wird in diesem Zusammenhang wie auch an anderen Stellen als direkte Antithese von Al-Raib ("was sich außerhalb des Wahrnehmungsvermögens der Geschöpfe befindet") verwendet. Auf diese Weise werden die beiden Aspekte der Wirklichkeit wiedergegeben, die sinnlich oder konzeptuell von geschaffenen Wesen erfasst werden können. (Asad)

359. Allah ist der endgültige Richter, dem nichts verborgen bleibt. Selbst wenn es gelingt, in dieser Welt Unaufrichtigkeit geheim zu halten, bedeutet dies keinesfalls, dass dies im zukünftigen Leben ebenso gelingt. (Mauduudi)

Der islamische Weg ist sowohl ein Weg des Bekenntnisses als auch des Handelns, in dem der Imaan seine Bestätigung findet. Der Prüfstein, der die Reue bestätigt, ist deshalb die sichtbare Tat. Sichtbar für alle, für Allah, Seinen Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und den Mu’mins. Am Tage des Gerichts jedoch kehrt der Mensch zu Dem zurück, Der Geheimes und Offenkundiges kennt, Der seine inneren Absichten ebenso sieht wie sein äußerliches Verhalten. (Qutb)

 

106. Und es gibt (noch) andere360, über deren Schicksal Allah noch nicht entschieden hat,361 ob Er sie bestrafen oder Sich ihnen in Seiner Gnade wieder zuwenden wird.362 Und Allah ist Allwissend, Allweise.

360. Die hier erwähnte Gruppe ist die letzte der von der Tabuk-Expedition Zurückgebliebenen außer den Munafuqs, den Entschuldigten und den Reumütigen. Ihre Sache wird Allah anheim gestellt, da, bis dieser Aja offenbart wurde, kein Beschluss Allahs über sie vorlag. (Qutb)

361. Ibn Abbas und Mudschahid erzählten, dass dies drei Männer waren, die aus Trägheit und der Annehmlichkeiten der Stadt wegen zuhause geblieben waren und nicht aus Zweifel oder Heuchelei. (ibn Kasir)

Wie in den vorigen vier Ajas, so ist auch hier in erster Linie von Wankelmütigen die Rede, die nicht an der Tabuk-Expedition teilnahmen, und im weiteren Sinne von allen halbherzigen Muslimen, die unentschlossen zwischen Gut und Böse stehen. Während die in Aja 102-105 erwähnten Reumütigen spontan ihr Fehlverhalten eingesehen haben, haben die in Aja 106 erwähnten Menschen noch nicht dieses Stadium der Selbstkritik erreicht, weswegen ihr Fall „ausgesetzt" wurde bis zu einem Zeitpunkt, wo ihre Neigungen sie zu der einen oder anderen Seite hinziehen. Vom psychologischen Standpunkt her ist es möglich, eine angedeutete Verbindung zwischen diesem Aja und Suura 7:46-47 festzustellen. (Asad)

362. Drei Arten von Menschen sind aufgezählt worden, deren Imaan durch die Tabuk-Expedition auf die Probe gestellt wurde und nicht stark genug war:

1. die halsstarrigen Munafuqs, die nach ihrer Bloßstellung Ausflüchte erfanden, um nicht der Verachtung ausgesetzt zu sein; sie sind hartnäckig und unverbesserlich (Aja 110);

2. diejenigen, die dem Bösen nachgegeben haben, selbst aber nicht böse sind; sie sehen ihren Fehltritt ein und kehren um und werden angenommen (Aja 102-105); und

3. die zweifelhaften Fälle, aber Allah wird darüber entscheiden (Aja 106). Eine vierte Gruppe wird in Aja 107 erwähnt und dort erläutert. (Juusuf `Allii)

Der Islam lehrt die Muslime, nicht über eine Person oder Personengruppen zu urteilen, solange sie nicht über definitives Wissen verfugen, das auf logischer Beweisführung beruht und nicht auf diffusen Eindrücken. (Mauduudi)

 

107. Und jene, die eine Moschee erbauten,363 um Schaden364 und Kufr365 und Spaltung unter den Mu’mins zu stiften,366 und als Beobachtungsposten für den,361 der zuvor Allah und Seinen Gesandten bekämpfte368 - Und sie werden gewiss schwören: „Wir wollten nur Gutes."369 Doch Allah bezeugt, dass sie fürwahr Lügner sind.370

363. Hier wird eine vierte Gruppe von Übertätern erwähnt, die anhand der Geschichte von der "Moschee des Schadens" in Quba, einem Vorort von Medina, erläutert wird. Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in Medina ankam, rastete er dort vier Tage lang, bevor er die Stadt selbst betrat. Hier wurde auch die erste Moschee gebaut, die "Moschee der Taqwa", die er während seines weiteren Aufenthaltes in Medina oft besuchte. Einige Munafuqs des Stammes der Bani Dschanam versuchten nun, diese Assoziation mit dem Heiligen auszunutzen und bauten eine "Oppositionsmoschee" in Quba, angeblich um den Islam zu verbreiten, während sie in Wirklichkeit mit den bedeutendsten Gegnern des Islam verbündet waren und mittels dieser Moschee, nur Unfrieden zwischen den Muslimen stiften wollten. (Juusuf `Allii)

364. Um der Sache des Islam zu schaden. (Darjabaadi)

365. Um durch ihre böswilligen Machenschaften gegen den Islam Allah zu lästern. (Darjabaadi)

366. Um sie vom Besuch der ursprünglichen Moschee von Quba abzuhalten, und um den Munafuqs einen Unterschlupf zu bieten. (Darjabaadi)

Der Grund für die Offenbarung diesen Aja ist der: Ein Mann namens Abu 'Amir Alraheb, der in Medina wohnte, hatte das Christum vor der Verkündigung des Islams angenommen. Er wurde geehrt und geachtet in Medina, bis der    Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm dorthin immigrierte. Als die Menschen sich um den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, anstatt um ihn scharten, offenbarte er dem Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Feindschaft, insbesondere nach der siegreichen Rückkehr aus der Schlacht von Badr. Er floh zu den mekkanischen Götzendienern und hetzte sie gegen den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf. Als es zu der Schlacht von Uhud kam, war er derjenige, der die Grube aushob die der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hineinfiel und sich dabei schwer verletzte. Die Schlacht ging zu Ende und der Ruhm des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, weiter zu. So ging er zum römischen Kaiser und nahm ihm das Versprechen ab, ihn vor dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, im zu schützen. Er schrieb einigen Munafuqs in Medina, dass er zu ihnen mit einem Heer kommen würde den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu bekämpfen und zu besiegen. Er befahl ihnen, eine Festung zu errichten, in der sich seine Gesandten niederlassen könnten und er später auch, wenn die Zeit dazu gekommen sei. Daraufhin bauten, die Munafuqs eine Moschee neben der des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bevor er mit den Muslimen nach Tabuk ausrückte. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wurde eingeladen, darin zu beten als eine Bestätigung für diese Moschee. Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, entschuldigte sich damit, dass er verreisen werde, und dass er es nach seiner Rückkehr versuchen werde. Doch auf dem Weg zurück nach Medina kam, kurz bevor er Quba erreichte, der Engel Dschibril mit der Offenbarung dieses Ajas, und sie wurden bloßgestellt. (Al-Manar)        

367. Hintergrund der Offenbarung dieser Ajas ist die Geschichte eines Mannes der Hasradsch in Medina, den man Abu 'Amir, den Mönch nannte. Bereits in vorislamischer Zeit war er Christ geworden und hatte die Wissenschaften der Juden und Christen studiert, woraufhin er bei seinem Stamm hohes Ansehen genoss. Nach der Auswanderung des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nach Medina scharten sich die Muslime um diesen, und der Islam verbreitete sich und errang bei Badr den Sieg. Im Zusammenhang damit verlor Abu 'Amir allmählich sein   Ansehen und lief zu den feindlichen Götzendienern in Mekka über, die sich im Krieg         gegen den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, fanden. Er veranlasste einen Zusammenschluss verschiedener Stämme gegen den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Qutb)

Er war mitverantwortlich für die Schlacht bei Uhud und spielte eine wichtige Rolle bei der Organisation der Armee, die gegen Medina zog und die „Grabenschlacht" verursachte. In allen folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen wiegelte er die Götzendiener gegen den Islam auf. Als er schließlich einsehen musste, dass keine Macht Arabiens die Ausbreitung des Islam aufhalten konnte, verließ er die Halbinsel und warnte den byzantinischen Kaiser vor der „Gefahr aus Medina“. Aufgrund dieser Machenschaften traf der Kaiser die Vorbereitungen zur Invasion Arabiens, die den Feldzug von Tabuk auslösten. (Mauduudi)

368. Nämlich vor der Tabuk-Expedition (vergleiche vorige Fußnote). In Medina selbst hatte Abu 'Amir in seinem eigenen Stamm heimliche Anhänger, mit denen er ständig in Verbindung blieb. Im Jahre 9 nach der Hidschra teilte er diesen mit, dass Heraklius militärisch gegen Medina vorgehen wolle und groß angelegte Vorbereitungen dazu traf (die offensichtlich den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu seiner präventiven Tabuk-Expedition veranlassten). Damit seine Anhänger im Falle einer Invasion Medinas einen Versammlungsort hatten, schlug Abu 'Amir ihnen vor, in Quba eine, eigene Moschee zu bauen und so der Verpflichtung aus dem Wege zu gehen, die Moschee zu besuchen, die der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, errichtet hatte. Nach seiner Rückkehr von Tabuk ließ der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, diese „Oppositionsmoschee“ zerstören. Abu 'Amir starb kurz darauf in Syrien. (Asad)

369. Sie werden versuchen, sich zu rechtfertigen. (Darjabaadi)

370. Obwohl sich der ganze Aja in erster Linie auf die in den vorigen Fußnoten dargelegte historische Situation bezieht, hat er eindeutig eine Tragweite für alle Versuche, sektiererische Spaltungen unter den Muslimen hervorzurufen, und er ist somit eine weitere Erläuterung eines früheren Gebotes dieser Art (vergleiche Suura 6:159). (Asad)

 

108. Verrichte niemals darin (das Gebet).371 Eine Moschee,372 die vom allerersten Tag an auf Taqwa gegründet wurde, ist würdiger, da du darin betest.373 In ihr sind Leute, die darauf bedacht sind, sich zu läutern.374 Und Allah liebt die Geläuterten.

371. Wörtlich: „Stehe niemals darin". (Anm. d. Übers.)

Allah gebietet Seinem Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht in jener „Moschee des Schadens“ zu beten, sondern in der Moschee von Quba, die von Anfang an auf Taqwa gegründet, und wo die Menschen bemüht waren, sich zu läutern. (Qutb)

Dieses Verbot ist an den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gerichtet und folglich an alle Muslime. (Al-Manar)

372. Die ursprüngliche „Moschee der Taqwa“, die vom Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst erbaut worden war. (Juusuf 'Allii)

373. Die meisten Kommentatoren beziehen dies auf die „Moschee der Taqwa“ in Quba. Einige Überlieferungen berichtet jedoch, der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, habe diese Bezeichnung auch für die später erbaute Moschee in Medina verwendet. Es ist daher vernünftig anzunehmen, dass sie sich auf jede Moschee bezieht, die von ihren Erbauern aufrichtig der Verehrung des Einen Gottes gewidmet ist. Diese Ansicht wird vom nächsten Aja gestützt. (Asad)

374. Wörtl.: die darauf bedacht sind, sich rein zu halten (Anm. d. Übers.)

Der Muslim soll an Körper, Herz und Geist rein sein. Seine Absichten sollen immer aufrichtig sein und sein Imaan frei von weltlichen Hintergedanken. (Juusuf `Allii)

 

109. Ist also375 der, der sein Gebäude auf Taqwa und auf Allahs Wohlgefallen gründet, besser oder der, der sein Gebäude am Rande einer wankenden, unterspülten Sanddüne gründet,376 die mit ihm in das Feuer der Hölle stürzt. Und Allah leitet nicht377 das Volk der Ungerechten.

375. Jetzt, nachdem die wahren Motivationen der beiden Gruppen aufgedeckt sind. (Darjabaadi)

376. Ein Mensch, der sein Leben auf Taqwa aufbaut (einschließlich Aufrichtigkeit und reiner Absicht) und auf Allahs Wohlgefallen hofft, der baut auf einem soliden Felsen Fundament, das nicht erschüttert werden kann. Im Gegensatz dazu steht der Mensch, der auf einer wandernden Sanddüne am Rande eines Abgrundes baut, die bereits von unsichtbaren Kräften unterspült ist. Die Sanddüne bröckelt mitsamt dem Fundament unter ihm weg, und er stürzt in das Feuer des Elends, aus dem es kein Entrinnen gibt. (Juusuf `Allii)

Dieses Bild verdeutlicht die äußerste Labilität aller Pläne, gegen Allahs Diin zu opponieren. (Darjabaadi)

Ein solcher Mensch untergräbt durch seine schlechten Taten seine eigene Lebensgrundlage. (Mauduudi)

377. Auf den rechten Weg, der die Menschen zu wahrem Erfolg führt. (Mauduudi)

 

110. Ihr Gebäude jener, das sie so gebaut haben, wird nicht aufhören, Zweifel in ihren Herzen hervorzurufen,378 ehe ihre Herzen in Stücke gerissen sind.379 Und Allah ist Allwissend, Allweise.

378. Hier wird die Parabel weiter fortgesetzt. Das Herz eines Menschen ist der Sitz seiner Hoffnungen und Befürchtungen, die Grundlage seines moralischen und geistigen Lebens. Wenn diese Grundlage schon auf abbröckelndem Sand liegt, welche Stabilität kann es dann dafür geben? Er wird von Misstrauen, Ängsten und abergläubischen Vorstellungen erschüttert, bis alles unter ihm zusammenbricht und sein geistiges Leben zerstört ist. (Juusuf 'Allii)

Nur mit bittersten Erinnerungen können sie auf ihre Handlungen zurückblicken. (Darjabaadi)

379. Oder: Ehe nicht ihre Herzen, der Sitz ihrer Vernunft und Urteilsfähigkeit, völlig transformiert werden. (Darjabaadi)

 

Abschnitt 14

111. Allah hat von den Mu’mins ihr Leben und ihr Vermögen erkauft, damit ihnen der Paradiesgarten zuteil werde380. Sie kämpfen auf seinem Pfad und töten und werden getötet.381 Dies ist ein Versprechen, das Er als (unumstößliche) Wahrheit in der Thora382 und im Evangelium383 und im Qur’an384 auf Sich genommen hat. Und wer hält sein Versprechen getreulicher als Allah? Freut euch also eures Handels, den ihr mit Ihm abgeschlossen habt,385 denn dies ist fürwahr die höchste Glückseligkeit.

380. Bei einem menschlichen Geschäftsabschluss geben beide Beteiligten etwas und erhalten dafür einen Gegenwert. In diesem „Geschäftsabschluss“ zwischen Allah und Mensch nimmt Allah Willen und Seele des Menschen sowie dessen Besitz und Eigentum und gibt ihm dafür immerwährende Glückseligkeit. Der Mensch bemüht sich für Allahs Sache und führt Seinen Willen aus. Alles, was er aufgeben muss, sind die vergänglichen Dinge dieser Welt, während er ewiges Heil gewinnt, die Erfüllung seiner höheren geistigen Hoffnungen. (Juusuf 'Allii)

Allah fordert und erhält von den Mu’mins ihr ganzes Leben und ihren ganzen Besitz, so dass ihnen nichts davon zurückbleibt. Es ist somit ein Kaufabschluss, bei dem der Verkäufer nur den ihm vorgeschriebenen Weg einzuschlagen hat. Der Preis, den er dafür erhält, ist das Paradies, und der Weg, der dahin führt, ist der Einsatz für Allahs Sache, kämpfen und getötet werden; das Ende ist entweder der Sieg oder Märtyrertum. (Qutb)

Islam ist nicht bloß eine metaphysische Vorstellung, sondern in der Tat ein Vertrag, in dem der Diener Allahs sein Leben und Eigentum an Pott "verkauft" und dafür den Garten im zukünftigen Leben gewinnt. In Wirklichkeit kann es sich hierbei gar nicht um einen tatsächlichen Verkauf handeln, denn Allah ist der wirkliche Eigentümer des menschlichen Lebens und Eigentums. Er ist der Schöpfer des Menschen und all dessen, was dieser besitzt und benutzt. Der Mensch besitzt nichts, was er verkaufen könnte, und Allah braucht nichts zu kaufen, weil Ihm alles bereits gehört. Es gibt jedoch eine Sache, die Allah dem Menschen völlig zur eigenen Verfügung gegeben hat, nämlich Willen und Entscheidungsfreiheit, und darum geht es bei diesem Geschäft. Vergleiche auch Suura 5:114. (Mauduudi)

381. Das heißt eine völlige Hingabe unseres Lebens und Eigentums an Allah. (Darjabaadi)

382. Vergleiche im Alten Testament: „Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit alle deiner Kraft" (Deuteronomium 6:5); und „Und der Herr, dein Gott, wird dein Herz beschneiden und das Herz deiner Nachkommen, damit du den Herrn, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, auf dass du am Leben bleibst" (Deuteronomium 30:6). (Darjabaadi)

Der „Handel Allahs mit den Menschen" wird in der heute vorliegenden Thora nur teilweise erwähnt, weil keine Vorstellung von einem Leben nach dem Tod darin enthalten ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Thora nicht ursprünglich diesen Teil des Imaans enthalten hat. Die Juden wurden jedoch in ihrer Verfallszeit so materialistisch, dass sie alle Versprechungen Allahs auf das diesseitige Leben bezogen, besonders auf das Land Palästina. Die Thora in der vorliegenden Form ist auf verschiedene Weise geändert worden und ist daher nicht rein Allahs Wort, sondern enthält auch Kommentare jüdischer Gelehrter und andere Hinzufügungen, so dass es stellenweise schwierig ist, Allahs Wort von jüdischer Tradition zu unterscheiden. (Mauduudi)

383. Vergleiche im Neuen Testament: „Und wer verlässt Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen, der wird's vielfältig empfangen und das ewige Leben ererben“ (Matthäus 19:29). (Darjabaadi)

Weitere Beispiele: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn das Himmelreich ist ihrer“ (Matthäus 5:10); „Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden" (Matthäus 10:39). (Mauduudi)

384. Dies ist ein altes Versprechen Allahs in all Seinen Büchern. (Qutb)

Wir geben unser ganzes Selbst und unser Eigentum Allah, und Allah gibt uns das Heil, das heißt, ewige Befreiung aus der Knechtschaft dieser Welt. Das ist die wahre Lehre von der Erlösung, die uns nicht erst der Qur’an lehrt, sondern auch die früheren Offenbarungen. Jede andere Erlösungslehre lehnt der Islam ab, besonders die entstellte christliche Lehre, die besagt, ein anderer habe für unsere Sünden leiden müssen. Nur unsere Hingabe zählt, nicht die Verdienste anderer. Die völlige Hingabe kann auch Kampf für Allahs Sache bedeuten, sowohl geistig als auch physisch. Was den Kampf mit der Waffe betrifft, so hat es zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche theologische Theorien gegeben. Weniger Unterschiede zeigte die Praxis. Die jüdischen Kriege waren rücksichtslose Vernichtungskriege. Im Neuen Testament erwähnt Paulus Gideon, Barak und andere alttestamentliche Krieger als seine Ideale, „welche haben durch die Religion Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit gewirkt, ... haben der Fremden Heere zum Weichen gebracht...“ (Hebräer 11:32-34). Die mögliche Moral der Evangelien in ihrer gegenwärtigen Form ist niemals in der Geschichte von einer christlichen Nation befolgt worden, die Selbstrespekt besaß. Es würde auch nicht der Vernunft entsprechen, die Blutdürstigkeit verbrecherischer Menschen zu ignorieren und nicht „im Rahmen der von Allah gesetzten Grenzen" (Suura 9:112) zu bekämpfen. (Juusuf 'Allii)

385. Freut euch darüber, dass ihr euer Leben und euer Eigentum Allah vermacht und das Paradies als Gegenleistung dafür erhaltet, wie Er es verspricht. Was entgeht einem Mu’min, der seinen Besitz und sein Leben für das Paradies hergibt. Nichts! Denn Eigentum und Leben sind vergänglich, gleichgültig ob der Mensch sie für Allahs Sache opfert oder für einen anderen Zweck hergibt. Und weil das Paradies ohnehin ein Gewinn ist, so ist dies in Wahrheit ein Gewinn ohne Gegenleistung. (Qutb)

Wir sollen uns freuen, so geringfügige Dinge wie unser Selbst und unser Eigentum aufgeben zu können, um dadurch das ewige Leben der Glückseligkeit zu gewinnen. Die Rechtschaffenen, deren verschiedenen Lebensaspekte in diesem Aja aufgezählt werden, freuen sich auf diese Weise. Die frohe Botschaft soll allen Mu’mins mitgeteilt werden, auch den Schwächsten unter uns, so dass sie von ihren Vorbüdern lernen können. (Juusuf 'Allii)

 

112 (Es sind jene) die sich immer wieder reuevoll (Allah) zuwenden,386 die Ihn anbeten,387 die Ihn lobpreisen,388 die (in Seiner Sache) umherziehen,389 die sich verneigen und (vor Ihm) niederwerfen, 390 die das Gute gebieten und das Böse verwehren391 und die Schranken Allahs wahren392. So verkünde den Mu’mins frohe Botschaft!

386. Das arabische Wort "At-Tabi'uun" التَّائِبُون bedeutet wörtlich: "die Umkehrenden". In diesem Zusammenhang bedeutet es jedoch „diejenigen, für die Umkehr zu einer dauernden Charaktereigenschaft geworden ist„. Dies gilt in erster Linie für alle Mu’mins, denn selbst ein Mu’min vergisst manchmal den Bund, den er mit Allah abgeschlossen hat. Sobald ihm jedoch dies bewusst wind, schämt er sich dessen, wendet sich zu Allah und bittet Ihn um Vergebung. Als Lob für den Mu’min bezeichnet Allah ihn als jemanden, „der immer wieder umkehrt“ nicht als jemanden, „der niemals einen Fehler macht“. Das ist die hervorragendste Leistung, die ein Mensch jemals vollbringen kann. Umkehr wird hier zuerst erwähnt, um diejenigen dazu zu ermutigen, die sich nach ihrem Bekenntnis zum Islam verschiedener Vergehen schuldig gemacht haben. (Mauduudi)

Der, dessen Umkehr vollkommen ist, hält sich von allem zurück, was Allah missfällt. Die Umkehr hat verschiedene Aspekte. Die Umkehr der Kaafirs ist die, von ihrem Leugnen und vom Götzendienst abzulassen, der Munafuqs von ihrer Heuchelei und der Sündigen von ihren Sünden. Die Umkehr dessen, der Nachlässigkeit in guten Taten gezeigt hat, ist, dass er die Hemdsärmel aufkrempelt, um vermehrt Gutes zu tun. Und jener, der Achtlosigkeit gegenüber Allah gezeigt hat, muss umso mehr Seiner gedenken und Ihn lobpreisen. (Al-Manar)

Die Umkehrenden: von ihrer früheren Lebensweise; die sich wieder Allah zuwenden und um Vergebung bitten. Zeichen der Umkehr sind Bedauern des Vergangenen, Hinwendung zu Allah, in Zukunft, von Sünden abzulassen und Verrichtung von guten Werken, um die Reue zu bestätigen. Dadurch wird der Mensch innerlich gereinigt und gebessert. (Qutb)

387. "Al-'Abiduun" الْعَابِدُونَ: Die sich nur Dem Einen Gott in Verehrung zuwenden und Ihm allein Macht zugestehen. Diese tief in ihnen verwurzelte Eigenschaft findet ihre Übersetzung in ’'Ibaada Riten. Die alleinige Verehrung Allahs drückt sich aber auch aus in jeder guten Tat, in jedem guten Wort und dem Gehorsam in der Befolgung von Allahs Geboten. (Qutb)

388. "Al-Hamidun" الْحَامِدُونَ: die Lobpreisenden, deren Herzen von der Anerkennung der Gaben Allahs erfüllt sind, und deren Zungen Ihn inbrünstig lobpreisen, im Glück wie im Unglück. (Qutb)

389. "As-Sa'ihun" السَّائِحُونَ: zu diesem Begriff gibt es verschiedene Überlieferungen. Einige besagen, es handle sich um die Muhadschirun (Auswanderer), andere, es handle sich um die Kämpfer für Allahs Sache, und wieder andere, es seien diejenigen, die auf Reisen gehen, um Wissen zu erwerben. Wiederum andere übersetzen den Ausdruck mit „die Fastenden“. Wir sind der Ansicht, dass es um diejenigen geht, die über Allahs Schöpfung und Gesetzmäßigkeiten nachdenken, wie sie in Suura 3:190-193 erwähnt werden. Dies wäre nämlich die logische Folge nach Umkehr, Dienst und Lobpreisung. (Qutb)

Lexikalisch bedeutet das Wort: "diejenigen, die im Land umherziehen“, nämlich hoher und edler Ziele wegen, beispielsweise (Dschihaad, und Auswanderung von einem Ort, wo der Kufr herrscht, Suche nach Wissen, Erwerb des Lebensunterhalt und so weiter. (Mauduudi)

390. Diejenigen, die das Gebet so verrichten und schätzen, dass es ihnen zu einer beständigen Eigenschaft wird und das Beugen und Niederwerfen zu ihrem charakteristischen Merkmal wird. (Qutb)

391. In der islamischen Gemeinschaft, die sich an Allahs Gesetz orientiert, geschieht „das Gute gebieten und das Böse verbieten“ innerhalb dieser Gemeinschaft, indem man auf Fehler und Abweichungen aufmerksam macht. Außerhalb der Gemeinschaft gilt es, auf die größte Wahrheit hinzuweisen, nämlich auf die alleinige Göttlichkeit des Schöpfers. (Qutb)

392 Die Allahs Grenzen wahren, versuchen, sie in sich selbst und bei den anderen zu verwirklichen. Dies kann nur innerhalb der islamischen Gemeinschaft geschehen, einer muslimischen Gemeinschaft, die sich in allen Dingen nur an Allahs Gesetz orientiert und allein Allah als ihren Gesetzgeber und Richter anerkennt. (Qutb)

Die Mu’mins halten diese Grenzen ein und schützen sie, indem sie sich nach besten Kräften dafür einsetzen, dass sie gewahrt werden. (Mauduudi)

 

113. Es steht dem Propheten und den Mu’min nicht an, dass sie für die Götzenanbeter um Verzeihung bitten,393 selbst wenn es sich um nahe Verwandte handelt, nachdem ihnen der Beweis erbracht worden ist, dass sie Bewohner des Höllenfeuers sind.394

393. Wie aus dem Zusammenhang hervorgeht, handelt es sich um die Verstorbenen, das heißt um solche, die ohne Reue und Umkehr gestorben sind, nicht um diejenigen, die noch am Leben sind, denn eine Fürbitte für einen lebenden Menschen kommt einer Bitte um Rechtleitung für ihn gleich. (Asad)

394. Hierbei handelt es sich nach dem gängigen Verständnis um Fürbitte für die Toten, wenn sie

1. ohne Reue gestorben sind, nachdem ihnen der Islam nahe gebracht worden ist,

2. wenn sie bis zuletzt aktiv gegen den Islam opponiert haben, und

3. wenn dem Betenden bekannt ist, dass aufgrund willkürlicher Ablehnung mit Recht angenommen werden kann, dass ihnen Allahs Barmherzigkeit endgültig verschlossen ist.(Juusuf `Allii)

Unsere Fürbitte für sie würde zweierlei bedeuten:

l. dass wir sie lieben und mit ihnen sympathisieren, und

2. dass wir ihr Vergehen für verzeihlich halten. (Mauduudi)

 

114. Ibrahim Bitte um Verzeihung für seinen Vater395 war nur wegen eines Versprechens, das er ihm gab. Als ihm jedoch klar wurde,396 dass er ein Feind Allahs war,397 sagte er sich von ihm los. Wahrlich, Ibrahim ein demütiger, sanftmütiger (Diener).398

395. Zu Lebzeiten seines Vaters, in Form von Rechtleitung (Darjabaadi)

396. Dies wurde Ibrahim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, durch die Offenbarung klar. (Al-Manar)

Ibrahims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, versprechen seinem Vater gegenüber wird in Suura 19:47-48 und 60 erwähnt, das tatsächliche Gebet in Suura 26:86-87. (Asad)

Als Ibrahim überzeugt war, dass die in der vorigen Fußnote genannten Bedingungen auf seinen Vater zutrafen, hat er allem Anschein nach aufgehört, für ihn zu beten, denn die leibliche Verwandtschaft war durch die geistige Feindseligkeit abgebrochen worden. (Juusuf `Allii)

397. und dass er als ein solcher gestorben war. (Darjabaadi)

398. Ibrahim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, treu und liebevoll ablehnte vieles, was er innerlich ablehnte. In dieser Beziehung war er der genaue Vorläufer unseres Propheten Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Es muss sehr schwer für ihn gewesen sein, auf diese Weise Beziehungen abbrechen zu müssen. Aber es ist für einen Menschen eindeutig nicht richtig, Allah um Vergebung für jemanden zu bitten, der Allah endgültig abgelehnt hat. (Juusuf `Allii)

"Awwaach" أوَّاه bedeutet demütig, mutaqi, mildherzig. "Haliim" حَلِيم ist jemand, der sich selbst unter allen Umständen beherrschen kann und weder in Zorn und Feindschaft noch in Liebe und Freundschaft außer sich gerät. Diese beiden Bezeichnungen werden hier für aufs =endet. (Mauduudi)

 

115. Allah wird ein Volk nicht irregehen lassen, nachdem Er es rechtgeleitet hat,399 bevor Er ihm nicht klargemacht hat,400 wovor es sich hüten muss.401 Und Allah (umfängt) alle Dinge mit Seinem Wissen.

399. Allahs deutliche Gebote sind gegeben, damit die Mu’mins durch ihre menschlichen Schwächen nicht zu unrechtem Verhalten verleitet werden. (Juusuf 'Allii)

Allah wird die Menschen nicht schuldig sprechen, nachdem Er sie geleitet hat. (Darjabaadi)

Es ist nicht mit Allahs Allwissenheit und Majestät zu vereinbaren, die Menschen irregehen zu lassen, nachdem Er sie geleitet hat. (Asad)

Es ist nicht Allahs Weise, jemanden, den Er zuvor zum Islam geführt hat, als irregehend zu bezeichnen und zu bestrafen allein deshalb, weil er eine Aussage gemacht oder eine Tat begangen hat, die auf einem Irrtum beruht. (Al-Manar)

400. Dieser Aja wurde offenbart, um diejenigen Muslime zu beruhigen, die für Kaafirs gebetet hatten, bevor dies verboten wurde. Ein Vergehen liegt erst dann vor, wenn absichtlich gegen ein bekanntes Gebot verstoßen wird. Alles andere hätte wenig Sinn. (Darjabaadi)

401. Rasi bietet eine weitere Interpretationsmöglichkeit für diesen Aja an, wonach dieser eine Erklärung dafür sein soll, warum diese ganze Suura so streng die Leugner der Wahrheit und die Munafuqs verurteilt. Diese sind nämlich auf Abwege gegangen, nachdem Allah ihnen verdeutlicht hatte, wovor sie sich hüten sollten. Vergleiche in diesem Zusammenhang auch Suura 6:131-132. (Asad)

 

116. Wahrlich, Allah ist es, dem die Herrschaft über die Himmel und die Erde gehört. Er gibt Leben und lässt sterben,402 und außer Allah habt ihr keinen Beschützer und keinen Helfer.

402. Himmel und Erde, Leben und Tod, Schutz und Hilfe, Lebewesen und Besitz - alles liegt allein in Allahs Hand. (Qutb)

 

117. Und Allah hat Seine Gnade dem Propheten wieder zugewandt und jenen Auswanderern und Helfern,403 die ihm in der Zeit der Bedrängnis gefolgt sind,404 nachdem die Herzen einiger von ihnen fast von der Wahrheit abgewichen wären.405 Dann wandte406 Er sich ihnen wieder gnädig zu - Er ist wahrlich überaus gütig, barmherzig.

403. Allah vergab dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seinen Gefährten jene unbeabsichtigen Fehler, die im Zusammenhang mit dem Feldzug nach Tabuk gemacht worden waren. Der unbeabsichtigte Fehler des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bestand darin, dass er Leuten, die in der Lage gewesen wären, am Dschihad teilzunehmen, erlaubt hatte zurückzubleiben. (Vergl. Aja 43)

Vergleiche oben Aja 100 und Fußnoten. Sowohl die Auswanderer als auch die Helfer setzten sich standhaft für die Sache des Islam ein und bewiesen ihren Imaan durch große Opfer. In der schwierigen Zeit der Tabuk-Expedition waren jedoch einige von ihnen aus menschlicher Schwäche den Anforderungen nicht gewachsen gewesen. Allah hat ihnen vergeben, und sie haben sich in späteren Zeiten mit vollem Eifer eingesetzt. (Juusuf `Allii)

404. Bei der Tabuk-Expedition waren die Kämpfer äußerster Härte ausgesetzt. Nicht umsonst wird sie „Zeit der Bedrängnis“ genannt. Abgesehen von der extremen Hitze waren Wasser und Nahrungsmittel so knapp, dass zwei Männer eine Dattel teilen mussten. Um den Feind in Sicherheit zu wiegen, hatte der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, das Reiseziel nicht angegeben, sondern nur dringend zur Teilnahme aufgerufen. (Darjabaadi)

405. Diese „Abkehr der Herzen“, die gleichbedeutend ist mit „Nichterfüllung der Pflicht“, war nur eine Neigung, hervorgerufen durch die menschliche Schwäche angesichts der neuen Schwierigkeiten; sie ergriff nur zeitweilig einige der Kämpfer, und auch diese überwanden sie mit Allahs Hilfe, so dass alle ihre Pflichten erfüllten und ihr Anflug von Schwäche vergeben wurde. Drei Ausnahmen werden im nächsten Aja erwähnt. (Juusuf `Allii)

406. Er gab ihnen die Kraft, diesen Anflug von Schwäche zu überwinden. (Darjabaadi)

Allah wird sie nicht für ihre Neigung zur Rechenschaft ziehen, denn Er straft niemanden für eine Schwäche, die er selbst überwunden hat. (Mauduudi)

Der Partikel “tumma“ bedeutet hier: „und wiederum" und soll die Aussage unterstreichen, dass Allah sich in Gnade Seinem Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zugewandt hat sowie all denjenigen, die ihm in der Zeit der Bedrängnis gefolgt sind." (Asad)

 

118. Und auch jenen dreien, die zurückgeblieben waren und vorerst von der Vergebung ausgeschlossen wurden,407 bis bei all ihrer Weite408 ihnen die Erde eng wurde und sie sich beengt fühlten in ihrer Seele409 und sie erkannten,410 dass es keine Zuflucht vor Allah gibt, außer bei Ihm. Dann wandte Er Sich ihnen in Seiner Gnade wieder zu, damit sie reuevoll umkehrten.411 Denn Allah ist wahrlich der Vergebende, der Barmherzige.

407 Die Muslime waren größtenteils standhaft und bereit, ihre Pflicht zu tun. Sie erlangten Allahs Wohlgefallen. Danach kamen einige, die zögerten, weil ihr Wille schwach war und sie durch die bevorstehenden Schwierigkeiten entmutigt waren. Allahs Gnade schützte sie, und sie überwanden ihre Schwäche und erfüllten ihre Pflicht, und Allah vergab ihnen und nahm ihre Reue an. Schließlich gab es einige, die tatsächlich ihre Pflicht versäumten, nicht böswillig oder aus Trotz, sondern durch Gedankenlosigkeit und menschliche Schwäche. Sie folgten dem Aufruf des Propheten, Allahs Segen und frieden auf ihm, nicht und wurden folglich zur Rechenschaft gezogen und vom Gemeinschaftsleben ausgeschlossen. Ihr Gemütszustand wird hier anschaulich geschildert. In ihrem Inneren fühlten sie sich beengt. In irdischen Dingen fühlten sie sich armselig. Sie erkannten, dass sie nicht vor Allah fliehen, sondern nur bei Ihm Trost und Zuflucht finden konnten. Sie kehrten um und bewiesen dies durch ihr Verhalten, und Allah vergab ihnen und erwies ihnen Seine Barmherzigkeit. Obwohl sich dies auf diesen historischen Zusammenhang bezieht, ist die Lehre für alle Zeiten gültig. (Juusuf 'Allii)

Die klassischen Kommentatoren nehmen an, dass es sich bei den Zurückgebliebenen um drei Personen handelt, nämlich um Ka'b ibn Malik, Mararach ibn Ar-Rabi' und Hilal ibn Umaija (alle drei von den Ansar), die nicht am Feldzug teilnahmen und daraufhin vom Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm , seinen Gefährten gemieden wurden, bis der obige Aja offenbart wurde. (Asad)

408. Sie waren vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, so dass niemand sie grüßte oder mit ihnen sprach. (Darjabaadi)

409. Durch ihr schlechtes Gewissen und Schuldbewusstsein. (Darjabaadi)

410. Sie „verinnerlichten den Imaan“ oder sie „sahen ein". Das Wort zahn bezeichnet sowohl Zweifel als auch Annahme bzw. Erkenntnis. (Darjabaadi)

411. In seiner weiter gefassten Bedeutung - über die rein historische Anspielung hinaus - bezieht sich dieser Aja auf alle Mu’mins, die zeitweilig vom rechten Weg abweichen und später - spontan oder infolge einer Ermahnung von außen - zur Einsicht kommen und umkehren. (Asad)

 

Abschnitt 15

119. O, ihr Mu’mins! Fürchtet Allah412 und seid mit den Wahrhaftigen!413

412. Und erfüllt eure Pflicht Ihm gegenüber. (Darjabaadi)

Indem ihr Seine Anordnungen befolgt, wie es euch nur möglich ist und das meidet, was Er absolut verboten hat. (Al-Manar)

413. Mit denjenigen, die in Gedanken, Worten und Taten treu und aufrichtig sind. (Darjabaadi)

 

120. Den Bewohnern Medinas und den Wüstenarabern in der Umgebung steht es nicht an, dass sie (im Kampf) zurückbleiben hinter dem Gesandten Allahs,414 und auch nicht, dass sie ihr Leben dem seinen vorziehen.415 Dies, weil sie auf dem Weg Allahs keinen Durst noch Mühsal noch Hunger erleiden, noch einen Weg beschreiten, der die Kaafirs erzürnt,416 noch einem Feind einen Schaden zufügen,411 ohne dass es ihnen als Verdienst angerechnet wird. Wahrlich, Allah lässt den Lohn derer, die Gutes tun, nicht verloren gehen.

414. Als er auszog, der drohenden Gefahr Widerstand zu leisten. (Darjabaadi)

415. Indem sie sich weigerten, die Härten, Mühen und Gefahren des Krieges mit ihm zu teilen. (Darjabaadi)

Obwohl sich dieser und der folgende Aja auf den ersten Blick auf die „Leute aus der Stadt des Propheten“, beziehen und auf die „Beduinen, die in ihrer Umgebung leben“, ist ihre Aussage offensichtlich allgemeingültig und bezieht sich auf alle Muslime in jedem Zeitalter. Die besondere Bezugnahme auf die „Stadt des Propheten“ ist darauf zurückzuführen, dass dort die Offenbahrung des Qur’an vervollständigt wurde und von dort aus der Islam unter der Leitung des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seiner vollen Entfaltung kam. (Asad) 

416. Wörtlich:„sie zur Wut reizt.“ (Asad)

417. Oder: „und sie erreichen bei einem Feind das, was sie erreichen wollen", nämlich Sieg über ihn oder seinen Tod oder seine Verwundung. (Asad)

 

121. Auch geben sie418 keine Spende, ob klein oder groß,419 und sie durchqueren kein Tal,420 ohne dass es für sie nieder geschrieben wird, auf dass Allah ihnen ihre Werke aufs Beste lohne.421

418. Die Mu’mins. (Darjabaadi)

419. Für Allahs Sache. (Darjabaadi)

420. Wörtlich: „ein Tal durchschneiden". Dies wird auf diese Weise formuliert, um einen Akt der Tapferkeit zu bezeichnen. Mit den Truppen durch ein Tal marschieren oder - geistig - mit den Kameraden zusammen gefährlichen Pfaden folgen, ist gut und lobenswert. Wenn sich aber jemand ganz allein in einen Bach stürzt, um eine bestimmte mutige Handlung auszuführen, bei der er nicht durch den Kameradschaftsgeist unterstützt wird, verdient dies besondere Erwähnung. Beide Handlungen, die in diesem Aja erwähnt werden, sind individuelle Handlungen, während im vorigen Aja gemeinschaftliche Handlungen erwähnt worden sind, die in mancher Hinsicht leichter fallen. (Juusuf `Allii)

421. Selbst der geringste Einsatz wird auf bestmögliche Weise vergolten. (Darjabaadi)

 

122. Doch es obliegt den Mu’mins nicht, dass sie allesamt422 aufbrechen.

422. Betroffen von der Kritik der vorigen Abschnitte wollte sich nun jeder zum Kampf bereitstellen, selbst auf die Gefahr hin, dass die Unterweisung im Islam zu Hause vernachlässigt wurde. Um solchen Schaden zu verhüten, wird geboten, dass einige Leute zu diesem Zweck zurückbleiben sollen. (Darjabaadi)

Es wird nicht von den Mu’mins verlangt, dass sie alle sich jeder Expeditionstruppe anzuschließen haben, denn dies ist eine kollektive Pflicht und keine individuelle Pflicht. Anders wäre es, wenn der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst ausrücken würde und sie dazu aufruft.

 

Warum bricht nicht aus jeder Gemeinde eine Gruppe423 auf, um Wissen im Diin zu erlangen424 und es (dann) ihren Leuten zu verkünden,425 wenn sie zu ihnen zurückkehren, auf dass sie sich in Acht nehmen?426

423. Das heißt, nur eine begrenzte Anzahl soll in den Kampf ziehen und der Rest zurückbleiben. (Darjabaadi)

424. Nach Ibn Dscharir überliefert ist das Personalpronomen „sie“ auf die Leute gemünzt, die zum Kampf ausziehen und nicht auf die, die beim Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm. zurückbleiben. Er behauptet, dass sie zu Erkenntnissen im Diin gelangen, wenn sie sehen, wie Allah die, die an Ihn den Imaan verinnerlichen und Seinem Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, folgen über die, die Ihn verleugnen und Seinen Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bekriegen, die Oberhand gewinnen lässt. Doch wir meinen, dass diese Auslegung eine künstliche ist, weil dies kein Erlernen der Diin ist, wie es das Wort „tafakkuh" eigentlich bedeutet. (Al-Manar)

Sie sollen zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, von ihm lernen und nach seinem Tod von denen, die sein Wissen weitervermitteln. (Darjabaadi)

425. Sie sollen sich gründlich in der Diin weiterbilden und anderen dieses Wissen weitervermitteln. (Darjabaadi)

426. Der Kampf ist manchmal unvermeidlich, und wenn ein gerechter Imam dazu aufruft, muss man ihm folgen. Aber der Kampf darf nicht verherrlicht und zum Selbstzweck gemacht werden. Selbst von denen, die kampffähig sind, sollen einige zurückbleiben, um sich dem Studium zu widmen, so dass die Gemüter der Kämpfer nach deren Rückkehr von ordentlich geschulten Leuten wieder auf die normalen Interessen des religiösen Lebens eingestimmt werden können. Sowohl die Lehrer als auch die Lernenden sind in ihrem Geist des Gehorsams und der Disziplin Kämpfer. (Juusuf `Allii)

In Aja 97 werden die Beduinen für ihre Unwissenheit in Dingen der Diin kritisiert, die sie zur Heuchelei veranlasste. Hier wird eine Lösungsmöglichkeit für diesen Zustand gegeben. Zu diesem Zweck ist es nicht notwendig, dass alle gleichzeitig ihre Heimat verlassen und nach Medina kommen, um dieses Wissen zu erwerben. Nur einige aus jeder Ansiedlung sollten dies tun und dann zurückkehren, um das erworbene Wissen in ihrem eigenen Stamm weiterzuvermitteln. Dies war ein zu dieser Zeit sehr wichtiges Gebot, durch das die islamische Gemeinschaft gestärkt werdet sollte, denn die Menschen schlossen sich in großer Zahl dem Islam an, ohne ihn richtig verstanden zu haben. Im Anfangsstadium der islamischen Bewegung war ein solches Gebot nicht nötig gewesen. Jeder, der den Islam annahm, tat dies nach gründlichen Überlegungen, denn sein Schritt führte dazu, dass er deswegen verfolgt wurde. Als die islamische Bewegung erfolgreich wurde und Einfluss im Land gewann, traten Stämme geschlossen zum Islam über. Nur wenigen waren dabei alle Implikationen dieser Diin bewusst. Nach außen hin war dies scheinbar ein Kräftezuwachs, aber da alle diese Leute nicht in der Lage waren, auch die moralischen Verpflichtungen des Islam zu erfüllen, waren sie in Wirklichkeit nicht nur nutzlos, sondern sogar eine Gefahr für die islamische Gemeinschaft. Dies wurde während der Vorbereitungen zur Tabuk-Expedition deutlich. Deswegen wurden hier die notwendigen Schritte zur Integration der islamischen Gemeinschaft offenbart, so dass sie dem zahlenmäßigen Zuwachs Rechnung tragen konnte.

Hier soll noch die wirkliche Bedeutung der Worte “li-jatafagqahu fi-d-din“ erläutert werden, denn sie führten in späteren Zeiten zu merkwürdigen Missverständnissen, die sich nachteilig auf die islamische Erziehung auswirkten. Allah benutzte eindeutig diese Worte, um den Muslimen ihr Erziehungsziel vor Augen zu führen: die islamische Lebensweise zu begreifen und Einsicht in ihr System zu gewinnen, mit dem wahren Wesen und Geist des Islam vertraut und in der Lage zu sein, zwischen islamischen und nichtislamischen Denk- und Verhaltensweisen in jedem Lebensbereich zu unterscheiden. Später, als das islamische Gesetz mit dem Fachausdruck “Fiqh“ bezeichnet wurde, entwickelte sich daraus allmählich eine Wissenschaft detaillierter äußerer Formen (im Gegensatz zum geistigen Aspekt des islamischen Gesetzes). Da das Wort “Fiqh“ von derselben Wurzel stammt wie “jatafaqqahu“ in diesem Aja, entstand das Missverständnis, das Gebot des Qur’ans beziehe sich auf den Erwerb des Wissens von Fiqh im eben erläuterten Sinne. Auch dies ist sicher in einem islamischen System wichtig, wird jedoch nicht vom Qur’an gefordert, sondern ist nur ein Teilziel. Hier können nicht alle die Schäden aufgezählt werden, die dieses Missverständnis in der islamischen Gesellschaft verursacht hat; es genügt zu sagen, dass dadurch die islamische Erziehung auf die Kenntnis äußerlicher Formen reduziert wurde, ohne dass dem Geist des Islam Rechnung getragen wurde. Letztendlich wurde ein lebloser Formalismus zum Lebensziel der Muslime. (Mauduudi)

Dachhab erzählte: „Wenn der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zum Kampf aufbrach, so war es keinem Muslim erlaubt zurückzubleiben, wenn er keine triftige Entschuldigung dazu hatte. Schickte er aber eine Expedition, ohne mit ihr auszurücken, so durfte sich nur jener ihr anschließe der seine Genehmigung dazu hatte. Und wenn in der Abwesenheit jener Kämpfer Ajas aus dem Qur’an dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, offenbart wurden, so gab er sie an seine Gefährten weiter. Diese brachten sie den Rückkehrern bei.“ (ibn Kasir)

 

Abschnitt 16

123. O ihr Mu’mins! Kämpf gegen jene Kaafirs, die in euerer nächsten Umgebung wohnen427 und lasst sie eine Härte an euch spüren.428 Und wisset, dass Allah mit den Mutaqis ist,429

427. Wenn der Konflikt unausweichlich ist, muss zunächst aus der näheren Umgebung das Böse entfernt werden, denn nur gegen das Böse können wir mit Recht kämpfen. Ihm müssen wir unseren stärksten Widerstand entgegensetzen. Faule Kompromisse sind für Rechtschaffene nicht angebracht. Sie beruhen nicht selten auf Feigheit, Trägheit, Gier und Korruption. (Juusuf 'Allii)

Bewachung und Befestigung der Grenzen sind vom militärischen Standpunkt aus gesehen äußerst wichtig. (Darjabaadi)

Wenn wir diesen Aja im Zusammenhang mit den folgenden Abschnitten lesen, wird deutlich, dass es sich hier um Munafuqs handelt, die eine Gefahr für die muslimische Gemeinschaft bildeten, indem sie sich unter die Muslime mischten. Davon ist bereits in Aja 73 am Anfang dieser Erörterung die Rede. Die Wiederholung soll den Muslimen die Wichtigkeit des Vorgehens gegen den inneren Feind verdeutlichen. (Mauduudi)

428. Sanftmut wäre fehl am Platz. (Darjabaadi)

Härte gegenüber den Widersachern im Krieg ist oft notwendig für die Wahrung der Interessen. Dass sie hier mit einem unbestimmten Artikel erwähnt ist lässt vermuten, dass ihre Art von den jeweiligen Verantwortlichen zu bestimmen ist, wie es die Zeit und die Situation erfordert. Sie wird den Muslimen hier gesondert geboten, weil sie ansonsten zu Milde, Gerechtigkeit und Güte gegenüber den Kaafirs aufgefordert sind. (Al-Manar)

429. Darum lasst euch nicht entmutigen. (Darjabaadi)

 

124. Und wenn eine Suura (als Offenbarung) herabgesandt wird,430 fragt manch einer unter ihnen und sagt: „Bei wem von euch hat hierdurch der Imaan zugenommen?"431 Was nun diejenigen angeht, die gläubig sind, so hat ihr Imaan dadurch zugenommen und sie freuen sich dessen.432

430. Die Unvereinbarkeit von Kufr und Imaan wird in diesem Abschnitt im Hinblick auf die Offenbarung und den Propheten. Allahs Segen und Frieden auf ihm, rausgestellt. Die Kaafirs machen die Offenbarung lächerlich und fragen einander spöttisch: „Vermehrt sie euren Imaan?“ Für den Mu’min vermehrt jeder neue Aspekt der Wahrheit Allahs den Imaan, Bewunderung und Dankbarkeit. Er freut sich, denn er erhält dadurch neue Lebenskraft. (Juusuf 'Allii)

431. Diese spöttische Frage ist vielleicht eine sarkastische Anspielung auf Suura 8:2, wo von Mu’mins die Rede ist, „deren Imaan zunimmt, wenn ihnen Seine Botschaft vermittelt wird“. (Asad)

Dies ist eine Verdacht erregende Frage, die nur jemand aussprechen könnte, der die Wirkung der offenbarten Suura auf sein Herz nicht verspürt. Sie beinhaltet auch Geringschätzung und Zweifel an dem Eindruck der Offenbarung auf die Herzen der Menschen. (Qutb)

Das heißt: „Die Munafuqs fragen ihresgleichen, um sie zu testen oder sie fragen die Mu’mins, die ihnen begegnen, um ihnen Argwohn einzuflößen." (Al-Manar)

432. Wenn sie spüren, wie ihr Imaan wächst. (Darjabaadi)

Über das in Aja 111 versprochene Paradies. (Asad)

 

125. Doch was jene betrifft, in deren Herzen Krankheit ist, so fügte sie ihrem Zweifel weiteren Zweifel hinzu433 und sie sterben als Kaafirs.

433. Wörtlich:„ es fügt nur ein (weiteres) absche