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Von Suura 78 Die wichtige Kunde – Suura 114 Die Menschen Der dreißigste Teil des Qur’ans hat eine ganz besondere Schattierung. Alle Suuras, die er enthält, sind makkanischen Ursprungs bis auf zwei, nämlich Suura 98 "AL-BAYJINA" (Der klare Beweis) und Suura 110 ''AN-NASR" (Der Sieg). Obwohl von unterschiedlicher Länge, handelt es sich durchwegs um kurze Suuras. Wichtiger ist jedoch, dass sie eine einheitliche Gruppe bilden, die sich mehr oder weniger mit demselben Thema bemaßt. Sie zeichnen sich durch dieselben Merkmale aus hinsichtlich des Verbotes der Bildersprache, der begrifflichen Inhalte und des Gesamtstils. Sie sind gleichsam ein unaufhörliches, deutliches Türklopfen, ein lauter Raum mit der Absicht, jene Menschen aufzurütteln, die tief schlafen, oder jene, die in Trunkenheit das Bewusstsein verloren haben, oder jene, die sich in einem Nachtklub aufhalten und völlig von Tanz und Unterhaltung in Anspruch genommen sind. Das Klopfen und die Rufe kommen unmittelbar nacheinander: Wacht auf! Blickt euch um! Denkt! Überlegt! Es gibt einen Gott! Es gibt einen Plan hinter allem, eine Prüfung, eine Verantwortung, eine Abrechnung, eine Belohnung, eine strenge Strafe und eine ewige Glückseligkeit. Dieselbe Warnung immer und immer wieder. Eine starke Hand rüttelt die Menschen unsanft auf. Es scheint als ob sie ihre Augen öffneten, einen Moment herumschauten und dann in ihre Bewusstlosigkeit zurücksänken. Die starke Hand rüttelt sie abermals auf, das Klopfen und die Rufe wiederholen sich noch lauter. Die Menschen mögen ein oder zweimal erwachen, nur um widerspenstig ihr 'Nein' auszustoßen. Sie mögen jenen, der sie warnt, mit beleidigenden Worten belegen und dann zurückfallen in ihre Achtlosigkeit. Er rüttelt sie erneut wach. Solche Empfindungen regen sich in mir, wenn ich diesen Teil des Qur’ans lese. Hier werden Töne angeschlagen, die mich im tiefsten Herzen berühren. Da werden Vorgänge im Universum behandelt und solche im Bereich der Seele des Menschen, ebenso wie gewisse Ereignisse, die am Tag der Entscheidung eintreten werden. Mir fällt auf, wie sie auf immer andere Weise wiederholt werden, was darauf hindeutet, dass diese Wiederholung beabsichtigt ist. (Qutb)
Einführung zu Suura 78 Diese wunderschöne makkanische Suura zeigt durch Hinweise auf Allahs weite Natur Seine liebende Fürsorge für Seine Geschöpfe auf und führt als Schlussfolgerung zu dem, was uns die Zukunft verspricht, wenn alles Böse vernichtet sein wird und das Gute die Oberhand behalten hat. Gleichzeitig lädt sie all jene, die den guten Willen dazu haben ein, Zuflucht bei ihrem Herrn zu suchen. (Juusuf `Allii)
Die wichtige Kunde Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. 1. Worüber befragen sie einander? 2. Über die wichtige Kunde,1 1. Unter der wichtigen Kunde wird üblicherweise die Botschaft von der Wiederauferstehung oder vom Jenseits verstanden. (Juusuf `Allii) 3. Über die sie uneinig sind.2 2. Die Frage, die die Menschen von jeher am meisten beschäftigt hat - nämlich ob es ein Leben nach dem Tod gibt -, ist im Lauf der Zeit unterschiedlich beantwortet worden. Natürlich ist es unmöglich, all die verschiedenen diesbezüglichen Meinungen anzuführen, Aber einige der wichtigsten Gedankengänge sind doch deutlich zu erkennen und sollten hier aufgezeigt werden, um die Einstellung des Qur’ans zu diesem Problem besser verständlich zu machen. Manche Menschen - vermutlich die Minderheit - scheinen davon überzeugt zu sein, dass der körperliche Tod gleichbedeutend ist mit einer völligen und unwiderruflichen Auslöschung und dass daher jedes Gespräch über ein Jenseits nichts weiter ist als Wunschdenken. Andere meinen, dass nach dem Tod des einzelnen die menschliche 'Lebens-Essenz' zu ihrer angeblichen ursprünglichen Quelle - der vermuteten 'Universal-Seele' - zurückkehrt und dass sie sich gänzlich mit ihr vereinigt. Wieder andere glauben an eine aufeinander folgende Weiterwanderung der einzelnen Seele im Augenblick des Todes in einen anderen Körper, sei er nun menschlicher oder tierischer Natur, jedoch ohne Fortdauer des individuellen Bewusstseins. Noch andere meinen, dass nur die Seele, nicht die gesamte menschliche `Persönlichkeit', nach dem Tod weiterlebt, dass heißt in einer rein geistigen, unkörperlichen Form. Und manche glauben schließlich an ein unvermindertes Überleben der Persönlichkeit und des Bewusstseins des einzelnen und halten den Tod und die Wiederauferstehung für Stadien eines positiven Aktes der Wiedererschaffung der gesamten menschlichen Persönlichkeit, in welcher Form dies auch immer geschehen mag: dies ist die Auffassung des Qur’ans über das künftige Leben. (Asad)
4. Nein! Bald werden sie (es) wissen, 5. Und nochmals: Nein!3 Bald werden sie (es) wissen. 3. Nach dem Erstaunen darüber, dass die Kunde vom Jenseits überhaupt Zweifel und Fragen aufwerfen kann, werden mit dem 'Nein' und dem 'nochmals: Nein' all die unsinnigen Vermutungen zurückgewiesen, die über das große Ereignis vorherrschen. (Qutb)
6. Haben Wir die Erde nicht zu einer ausgebreiteten Ruhestätte gemacht, 7. Und die Berge zu Pflöcken?4 4. Hier wird offenbar Bezug genommen auf die Tatsache, dass die Berge ihr Entstehen einem allmählichen Gleichgewichtsprozess verdanken, dem die feste Erdkruste unterliegt. Dieser Prozess, - ein Ergebnis des Drucks und Gegendrucks -, ist entstanden durch die Abkühlung und Verfestigung der vermutlich geschmolzenen, vielleicht sogar gasförmigen Materie im Zentrum der Erde. Er setzt sich von der Erdoberfläche beginnend bis ins Erdinnere fort. Es scheint, dass Teile dieses Erdinneren nur durch den enormen Druck der darüberliegenden Materie in festem Zustand gehalten werden, dessen offensichtlichste Erscheinungsform die Berge sind. Darum werden diese Berge im Qur’an als Pflöcke bezeichnet, also als Symbole der Festigkeit und des Gleichgewichts, das - zumindest relativ gesehen - die Erde im Laufe ihrer geologischen Geschichte allmählich erlangt hat. - Der gesamte Abschnitt, das heißt die Ajas 6 bis 16, befassen sich mit Allmacht und Schöpferkraft, als ob damit gesagt werden solle: "Ist Er, Der das Universum erschaffen hat, nicht ebenso in der Lage, den Menschen wiederzuerwecken und wieder zu erschaffen, in welcher Form auch immer es Ihm gefallen mag?" (Asad)
8. Und haben Wir euch (nicht) in Paaren geschaffen?5 5. Allah hat das Überleben und die Fortdauer der Menschheit darauf aufgebaut, dass beide Geschlechter, das männliche und das weibliche, ihre Rolle im Leben in vollem Umfang übernehmen. Selbst wer wenig Wissen mitbringt, begreift doch, welchen Trost, welches Glück und welche Erholung das mit sich bringt. Deswegen wird jede Gesellschaft zu jeder Zeit entsprechend ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen diese Darstellung des Qur’ans anerkennen und schätzen. Von diesen grundlegenden Erkenntnissen abgesehen, erweitert sich der Horizont und das Wissen der Menschen ständig. Allmählich denken wir sogar darüber nach, warum aus dem einen Samentropfen ein Junge und aus dem anderen, der doch dem ersten absolut gleich ist, ein Mädchen geworden ist. Ursprünglich müssen wir beim Nachdenken über all dies zu der Schlussfolgerung kommen, dass es die vollkommene Planung ist, die jedem Samentropfen seine ganz bestimmten Merkmale mitgibt, und dass so durch männliche und weibliche Nachkommen das Leben fortdauern kann. (Qutb)
9. Und haben Wir (nicht) euren Schlaf zum Ausruhen gemacht?6 6. Damit wird die biologische Tatsache unterstrichen, dass Schlaf nicht etwas Negatives, ein Aufhören jeglicher Aktivität, nichts weiter als ein Stadium des Unbewussten ist, sondern ein positiver Lebensfaktor - ein ständig wiederkehrender, willkommener Kraftspender. Der Schlaf ist einer der größten Gnadenerweise Allahs für den Menschen, weil sich in dieser Zeit Millionen von Körperzellen erneuern können, weil Schläfrigkeit abgelegt wird und Kräfte für die nachfolgende Zeit des Wachseins gesammelt werden können. Forschungen auf dem Gebiet der Psychologie haben ergeben, dass Schlafentzug den Menschen rascher zu töten vermag als Hunger. (Darjabaadi)
10. Und haben Wir die Nacht (nicht) zu einem Gewand gemacht?7 7. Die Dunkelheit der Nacht ist wie eine Hülle, ein Gewand. So wie uns ein Gewand vor Kälte und Hitze schützt, so gewährt uns diese Hülle Erholung von den Anforderungen der materiellen Welt und den ermüdenden Aktivitäten und unseren inneren Anstrengungen. Die Ruhe im Schlaf (in Aja 9) wird ergänzt durch die Hülle der Nacht, die Allah uns zuteil werden lässt. (Juusuf `Allii)
11. Und haben Wir den Tag (nicht) zur Lebensführung gemacht?8 8. Eigentlich bezieht sich dies nicht nur auf den Lebensunterhalt, sondern überhaupt auf jede Art von Lebensäußerung. Der Tag ist erhellt, um die Lebensäußerungen sämtlicher Geschöpfe voll zur Entfaltung zu bringen. (Juusuf `Allii) 12. Und haben Wir (nicht) über euch sieben mächtige (Firmamente errichtet?9 9. Wörtlich: sieben Mächtige, womit die Vielzahl der kosmischen Systeme angedeutet wird. Siehe auch Suura 2, Aja 29 und die dazugehörige Fußnote. (Asad)
13. Und haben Wir (darin nicht) eine hellscheinende Lampe gesetzt?10 10. So wie im vorausgehenden Aja auf die vollkommene Harmonie zwischen der Errichtung der "sieben Mächtigen" und der Erschaffung der Erde und der Welt des Menschen hingewiesen wird, so wird durch die hellscheinende Leuchte auf die Sonne hingedeutet, die neben dem Licht die nötige Wärme ausstrahlt für die Erde und die auf ihr lebenden Geschöpfe. (Qutb)
14. Und haben Wir (nicht) aus den Wolken reichlich Wasser herabgesandt11, 11. Man sollte sich vergegenwärtigen, wie die Beweise Allahs und Seiner Wohltätigkeit in vier Gruppen dargelegt werden: Lasst uns 1. die äußere Beschaffenheit der Erde um uns herum betrachten (Ajas 6 und 7); 2. unsere eigene Beschaffenheit, in körperlicher, verstandesmäßiger und geistiger Hinsicht (Ajas 8 bis 11); 3. das sternenübersäte Himmelsgewölbe und die herrliche Sonne (Ajas 12 und 13); und 4. die Abhängigkeit, das Ineinandergreifen von Erde, Luft und Himmel im Zyklus des Wassers, der Wolken, des Regens, des Getreides und der Gärten. All das dient auf seine Weise dem Gesamtplan, der unserer Welt zugrunde liegt und seine Auswirkungen auf uns hat. Ist es da wirklich so schwer, an einen Schöpfer zu glauben, der dies alles vollbracht hat und an einem genau festgesetzten Tag Gut und Böse voneinander scheiden wird, damit wahre Gerechtigkeit und Macht obsiege? (Juusuf `Allii)
15. Um damit Getreidekörner und (vielfältige) Pflanzen hervorzubringen? 16. Und (dicht bewachsene) Gärten? 17. Wahrlich, der Tag der Entscheidung12 ist ein festgesetzter Zeitpunkt,13 12. Oder: der Tag der Unterscheidung zwischen Gut und Böse. (Darjabaadi) 13. Der Schöpfer, Der das menschliche Leben in solcher Vollkommenheit bemessen und so sorgfältig Übereinstimmung zwischen ihm und dem Universum hergestellt hat, kann die Menschen nicht umsonst leben und sterben lassen. Der Verstand ist einfach nicht bereit zu glauben, dass die, die Gutes tun und die Übeltäter gleichermaßen in Staub und Asche enden. Die Rechtsgeleiteten und die Irregehenden, die Gerechten und die Unterdrücker können nicht dasselbe Schicksal haben. Es muss ein Tag kommen, an dem alles beurteilt und abgewogen wird, der Tag des Gerichts. (Qutb)
18. Jener Tag, an dem in die Posaune gestoßen wird und ihr in Scharen herbeikommen werdet, 19. Und der Himmel geöffnet und (gleichsam wie) Tore sein wird, 20. Und die Berge in Bewegung geraten und wie eine Luftspiegelung sind.14 14. Dies ist ein Hinweis auf den totalen, umwälzenden Wandel, der am Jüngsten Tag mit sämtlichen Naturerscheinungen und dem Universum, wie der Mensch es kennt, vor sich gehen wird. Da diese Umwälzung über alles hinausgeht, was der Mensch bisher erfahren hat oder sich überhaupt vorstellen kann, sind alle Beschreibungen im Qur’an darüber, was am Jüngsten Tag geschehen wird, notwendigerweise in allegorischer Form gehalten, ebenso wie die Beschreibungen über den Zustand - sei er nun gut oder schlecht - des Menschen im künftigen Leben. (Asad)
21. Wahrlich, die Hölle liegt bereit, 22. Als (endgültige) Heimstatt für die das göttliche Maß Überschreitenden. 23. Verweilen werden sie darin für lange Zeit.15 15. Die Hölle, die Verkörperung alles, den, droht jedem von uns. Darum sollten wir äußerst wachsam sein. Für die Übertreter, die sich willentlich gegen Allah aufgelehnt haben, ist sie die letztendliche Heimstatt, aus der es keine Rückkehr geben wird, es sei denn nach unvorstellbar langen Zeiträumen, sofern Allah es so will. (Juusuf `Allii)
24. Nichts Kühles werden sie darin kosten und kein Getränk, 25. Außer siedendem Wasser und ungenießbarer Flüssigkeit.16 16. Statt von "siedendem Wasser" könnte man, da dieser Ausdruck im Qur’an ausschließlich im Zusammenhang mit den Qualen der Sünder im künftigen Leben verwendet wird, auch - allegorisch - von der "auf der Seele brennenden Verzweiflung" sprechen. Das Verbum "Rassaqaa" غَسَّاقا (übersetzt mit ungenießbarer Flüssigkeit) heißt eigentlich "schwarz werden", oder "tiefschwarz werden". Analog dazu ist "Al-Rasiq" "die schwarze Finsternis", im tropischen Gebiet "die Nacht" oder noch besser "die pechschwarze Nacht". Nach einigen Sprachwissenschaftlern heißt "Rassaaq" "durchdringende (eisige) Kälte". Eine Kombination der beiden Bedeutungen gibt uns den Begriff der "eiskalten Finsternis" des Geistes, der zusammen mit der "auf der Seele brennenden Verzweiflung" die Qualen unverbesserlicher Sünder im künftigen Leben umreißt. (Asad)
26. Eine angemessene Vergeltung!17 17. Ihre Übertretungen nehmen immer mehr zu, indem sie sich weigern, zu bereuen und sich Allah zuzuwenden. Das Feuer des Elends lodert immer heftiger auf und nichts vermag es zu kühlen. Ihre Nahrung und ihre Getränke sind verdorben durch sich widersprechende Elemente - siedend heiße Getränke mit eiskalter, abscheulicher Flüssigkeit Dies sind angemessene Strafen für ihre Vergehen, die unvereinbar sind mit den reinen und edlen Formen, in denen Allah den Menschen ursprünglich erschaffen hat. (Juusuf `Allii)
27. Sie haben wirklich nie erwartet, Rechenschaft ablegen zu müssen.18 18. Der arabische Wortlaut besagt, dass die Übertretungen gewohnheitsmäßig, nicht nur gelegentlich, begangen wurden. Die Übertreter ließen die unerbittliche Tatsache, dass sie dereinst Rechenschaft werden ablegen müssen, absichtlich und hartnäckig außer acht. (Darjabaadi)
28. Und haben Unsere Zeichen gänzlich als Lüge verworfen. 29. Und Wir haben alles in einem Buch vermerkt. 30. So kostet (nun die Früchte eures Tuns)! Wir werden euch in nichts mehren als in (der) Strafe.19 19. So wie eine zunehmende Entartung in der Seele des Sünders eintritt, wenn er sich dem Schlechten hingibt, so wird es eine progressive Vermehrung der Strafe geben, die er zu erleiden hat. (Juusuf `Allii)
Abschnitt 2 31. Wahrlich, für die Mutaqis ist großer Erfolg (bestimmt),20 20. Das heißt die völlige Erfüllung ihrer Herzenswünsche, höchste Glückseligkeit. (Darjabaadi)
32. Gärten und Weinreben, 33. Und voll entwickelte Altersgefährtinnen, 34. Und ein randvoller Becher. 35. Sie hören dort weder unnützes Gerede noch Lüge, 36. (Als) Lohn von deinem Herrn eine großzügige Gabe,21 21. So wie die Hölle gleichsam ein aufmerksamer Wachposten ist, dem kein Unterdrücker entgeht, so wird das Endziel der Aufrichtigen und eigen ein Ort der Sicherheit sein. Was für ein Ort ist das also? "Gärten und Weinreben" - der Weinstock wird erwähnt, weil er denen, an die sich diese Botschaft richtet, etwas Wohl bekanntes ist. Die Mutaqis werden auch Gefährtinnen haben, die als voll entwickelt und gleichaltrig geschildert werden. Und sie trinken aus einem randvollen Becher. Diese überreichen Gaben werden hier so zum Greifen nahe beschrieben, damit die Menschen sie sich vorstellen und ihnen freudig entgegensehen können. Was es allerdings genau für üppige Gaben sein werden und wie man sich ihrer erfreuen kann, das wissen wir vorerst noch nicht, weil unser Verständnis nicht über die Grenzen unserer gegenwärtigen Umwelt hinausreicht. Doch die Freuden, die den Aufrichtigen winken, sind keineswegs rein leiblicher Natur. "Weder unnützes Gerede noch Lüge werden sie darin hören." Es wird also ein Leben ohne Geschwätz und Unwahrheiten sein, die zu Uneinigkeit führen. (Qutb)
37. Dem Herrn der Himmel und der Erde und all dessen, was zwischen beiden ist, des Erbarmers, Den anzureden sie nicht vermögen.22 22. Niemand darf oder kann ansprechen, etwa um mit Ihm zu rechten über die Gaben, die Er Seinen Dienern gewährt, möglicherweise auch über; deren Verdienst hinaus, oder über die Strafe, die Er in Seiner Gerechtigkeit über Sünde und Vergehen verhängen mag. Allah steht hoch über jeglicher Schöpfung und ist doch zugleich der Allbarmherzige. (Juusuf `Allii )
38. An dem Tag, an dem der Geist23 und die Engel in einer Reihe stehen, redet niemand außer jenem, dem der Erbarmer es gestattet hat24 und der das Rechte spricht. 23. Mit dem Geist kann der Engel Dschibriil gemeint sein, dessen Aufgabe es ist, unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Botschaft Allahs zu überbringen. Vielleicht ist es aber besser, dies in einem weiteren Sinn zu verstehen - nämlich als Seelen der Menschen, kollektiv genommen, wenn sie sich vor dem Richterstuhl Allahs versammeln. (Juusuf `Allii) 24. Dies schließt das symbolische Recht der Propheten mit ein, am Tag des Gerichts für die Sünder Fürsprache einzulegen, wobei allerdings vorausgesetzt wird, dass diese ihre Taten bereut haben. (Asad)
39. Das ist der Tag der Wahrheit. So möge denn, wer da will, zu seinem Herrn zurückkehren.25 25. Indem er sich beizeiten dem Islam zuwendet. (Darjabaadi)
40. Wahrlich, Wir haben euch vor einer nahen Strafe gewarnt,26 einem Tag, an dem der Mensch sieht, was seine Hände vorausgeschickt haben,27 und an dem der sagt: „Wehe mir, wäre ich doch (nichts weiter als) Staub!"28 26. Steht der Tag des Jüngsten Gerichts nahe bevor? Ja, denn es gibt drei Stufen des Gerichts: 1. Viele unserer Sünden und Missetaten werden bereits in diesem Leben bestraft. Dies mag sich nicht in augenfälligen Ereignissen zeigen, aber das Schlechte zehrt ständig an unseren Seelen und unserem Gewissen. Darum sollten wir uns in Reue zuwenden und um Seine Vergebung bitten. 2. Wo die Strafe in diesem Leben nicht wahrnehmbar oder sichtbar wird, da wird der Tod als Vorstufe des Gerichts für jeden einzelnen betrachtet. Der Tod kann jeden Menschen zu jeglichem Zeitpunkt ereilen und deshalb muss man ständig auf ihn vorbereitet sein. 3. Und schließlich gibt es das Jüngste Gericht, wenn alles, was wir jetzt um uns haben, dahingehen und eine neue Welt entstehen wird. Zeit, wie wir sie kennen, wird es dann nicht mehr geben. Fünfzigtausend Jahre werden dann wie ein Tag sein (siehe Suura 70 Aja 4). Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet ist der Tag des Gerichts sehr nahe und wir müssen uns auf ihn vorbereiten, bevor es zu spät ist. (Juusuf `Allii) 27. An guten und schlechten Taten. Dann wird er (seine wirklichen Beweggründe) die absolute Wahrheit erkennen. (Darjabaadi) 28. Dies ist der Ausruf eines Menschen in tiefster Qual, voll Scham über das, was er gewesen ist und getan hat. Er wünschte, dass er überhaupt nicht vorhanden sein möge oder höchstens etwas so Bedeutungsloses sei wie Staub, anstatt ein solch furchtbares Ereignis miterleben zu müssen. Die schreckliche Lage der Kaafirs ist das Thema der Fragen und Zweifel, die sie im Hinblick auf die schicksalhafte, wichtige Kunde - siehe Titel dieser Suura - äußern. (Qutb) Einführung zu Suura 79 Dies ist ebenfalls eine frühe makkanische Suura, wohl aus derselben Zeit wie die vorhergehende. Sie behandelt die mystische Seite des Jüngsten Gerichts. Am Beispiel Pharaos zeigt sie den Stolz und seinen Untergang. Als er sagte: "Ich bin euer höchster Herr", kam er mitsamt seinen Anhängern um. (Juusuf `Allii) Wie so oft im 30. Teil, weist auch diese Suura den Menschen auf die Realität des Jenseits hin, macht ihm klar, dass es etwas Unumgängliches, Furchtgebietendes, überaus Ernstzunehmendes ist. (Qutb)
Die Herauszerrenden Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. 1. Bei den mit aller Kraft Herauszerrenden,l 1. Obwohl es verschiedene Meinungen über die Bedeutung dieser Ajas gibt, ist sich die Mehrzahl der Kommentatoren darüber einig, dass es sich bei den Herauszerrenden um die Engel handelt, die beim Tod die Seelen der Übeltäter mit Gewalt aus dem Körper zerren, so sehr sich diese auch dagegen wehren mögen. (Juusuf `Allii)
2. Und bei den freundlich Ermutigenden,2. 2. Die Seelen der guten Menschen dagegen werden freundlich ermutigt und angespornt und sanft dem neuen Leben zugeführt, auf das sie schon vorbereitet sind. Für sie wird der Tod eine willkommene Befreiung aus den Fesseln der Körperlichkeit sein. Der Wiederauferstehung und dem Jüngsten Gericht werden sie zuversichtlich entgegensehen können. (Juusuf `Allii)
3. Und bei den rasch Dahineilenden, 4. Und bei den eifrig Wetteifernden,3. Und bei den Aufträge Ausführenden:4 3. Zu jeder Zeit gibt es eilige Aufträge, entweder der Barmherzigkeit und des Segens, oder der Gerechtigkeit, die die Engel auf 'Befehl übernehmen und in deren Ausführung sie miteinander wetteifern (Juusuf `Allii) 4. Nach Tabari und Barawi beziehen sich diese Ajas auf die Himmelskörper einschließlich Sonne und Mond und ihre Bewegungen im All, wobei es dann heißen würde: 1. "Denkt nach über jene (Sterne), die aufgehen, nur um wieder unterzugehen, 2. Und die sich ständig (in ihren Bahnen) bewegen, 3. Und (das All) rasch durchschwimmen, 4. Und doch einander in Eile überholen, 5. Und so den Auftrag (des Schöpfers) ausführen." (Asad)
6. An dem Tage, da das große Beben losbricht, 7. Dem ein weiteres folgt, 8. An dem Tage erzittern die Herzen vor Furcht,5 5. Wenn sie die vorher erwähnten Beweise der Allmacht Allahs wahrgenommen und erkannt haben, dass sie dem Gericht Allahs ausgeliefert sind. (Asad)
9. Ihre Blicke sind niedergeschlagen.6 6. Das heißt, die Blicke der Übeltäter werden vor Scham, Demütigung und Furcht zu Boden gerichtet sein. (Darjabaadi)
10. Sie sagen: „Sollten wir etwa in unseren früheres Zustand zurückversetzt werden? 11. Selbst wenn wir (schon) von Würmern zerfressene Knochen sind?"7 7. Die Kaafirs sagen in ihrer Anmaßung, ihrer Unbotmäßigkeit und ihrem höhnischen Trotz: "Gewiss stellt der Tod das Ende aller Dinge dar. Wenn wir tot und begraben und unsere Knochen von Würmern zerfressen sein werden, wie können wir da wieder auferstehen?" Und sie fügen dem hinzu: "Wenn das so wäre, so würde es für uns eine verlustbringende Wiederkehr bedeuten." Dies sagen sie voll beißendem Spott. Aber es wird tatsächlich eine Rechenschaft abzulegen sein und für sie wird das ein furchtbarer Verlust sein, denn sie werden dem Verderben anheim fallen. (Juusuf `Allii)
12. Sie sprechen: „Dies wäre wahrlich eine verlustbringende Wiederkehr!"8 8. Mit einer solchen Wiederkehr haben sie nicht gerechnet und sich in keiner Weise darauf vorbereitet. So können sie dadurch nur verlieren. (Qutb)
13. Es ist aber wahrlich nur ein einziger Schrei (des Schreckens), 14. Und dann sind sie auf der kahlen Erde.9 9. Das Jüngste Gericht wird durch einen großen Schrei, dem niemand standzuhalten vermag, eingeleitet werden. Davor waren die Menschen gleichsam wie im Schlaf. Wenn die Wiederauferstehung kommt, werden sie hellwach in der dann entstandenen neuen Welt versammelt, während Erde und Himmel in ihrer früheren Form vergangen sein werden. (Juusuf `Allii) "Saahira" ist die kahle, weiße, glänzende Erde, der Ort des Versammelns nach der Auferstehung. (Qutb)
15. Hat dich nicht die Geschichte von Muusa erreicht?10 10. Dies ist nur ein Ausschnitt aus der Geschichte von Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die weit ausführlicher in Suura 10 Ajas 9-79 behandelt wird. Aus dem, was hier angeführt wird, sollen wir vor allem lernen, 1. dass selbst einem hochmütigen Gotteslästerer und Aufrührer gegen das Gesetz Allahs, wie Pharao es war, die Gnade Allahs durch einen der bedeutendsten Propheten, nämlich Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, geboten worden ist; 2. dass seine Zurückweisung dieser Gnade zu seinem Untergang schon in dieser Welt führte; und 3. dass seine Erniedrigung und Bestrafung im Jenseits durch das Jüngste Gericht zur Vollendung gelangen wird. (Juusuf `Allii)
16. Als sein Herr ihm im geheiligten Tal Tuwaa zurief: 17. "Gehe hin zu Pharao! Er hat wahrlich das göttliche Maß überschritten. 18. Und sage (zu ihm): „Möchtest du nicht geläutert werden? 19. Und dass ich dich rechtleite zu deinem Herrn,11 und dass du (nur Ihn) fürchtest?"12 11. Damit soll gesagt werden, dass der Mensch, solange er sich über die Existenz Allahs nicht völlig im klaren ist, nicht zu unterscheiden vermag zwischen dem, was in moralischer Hinsicht richtig oder falsch ist. Und da brecht ist, bestraft er denjenigen nicht, der solche Einsicht nicht besitzt (oder der, wie im vorausgehenden Aja angedeutet, nicht geläutert ist). Siehe auch Qur’an 6:131. (Asad) 12. Und aus Ehrfurcht vor Ihm ein gottgefälliges Leben zu führen trachtest. Selbst einem machttrunkenen Aufrührer wie Pharao ist göttliche Rechtleitung durchaus zugänglich. (Darjabaadi)
20. Dann zeigte (Muusa) ihm das größte (der) Zeichen,13 13. Was war das größte (der) Zeichen? Manche meinen, es sei die leuchtend weiße Hand gewesen, andere, es sei das Wunder des Stocks, der sich windend zur Schlange wurde. Tatsache ist, dass es viele Wunder gab, die für sich selbst sprachen, aber Pharao und seine Leute waren überheblich, ganz in Sünde verstrickt. Das wichtigste der Zeichen jedoch war, dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu Pharao entsandt wurde, wodurch schließlich die Zauberer und die gelehrten Ägypter zum Imaan an den einen Gott fanden. (Juusuf `Allii)
21. Doch er14 verwarf es (als Lüge) und widersetzte sich.15 14. Pharao. (Juusuf `Allii) 15. Dem Gesandten Allahs. (Darjabaadi)
22. Dann kehrte er hastig den Rücken, 23. Und er ließ (seine Leute) zusammenkommen und rief ihnen zu 24. Und sprach: „Ich bin euer höchster Herr!"16 16. Die Behauptung Pharaos, dass er göttlichen Status besitze, war seine schwerwiegendste Sünde, mit der er "das göttliche Maß überschritt", siehe 79:17. (Asad) Die Behauptung Pharaos ist der Beweis dafür, dass er sich durch die Unwissenheit seines Volkes und dessen Unterwerfung unter seine Herrschaft täuschen ließ. Nichts täuscht Tyrannen ärger als die Unwissenheit und rückhaltlose Unterwerfung der Massen. Ein Tyrann ist eigentlich ein Mensch, der weder wirkliche Macht noch Herrschaftsgewalt besitzt. Die unwissenden, unterwürfigen Massen beugen lediglich ihre Rücken vor ihm, damit er sie reiten kann, sie strecken ihm die Hälse entgegen, damit er ihnen Zügel anlegt, sie beugen ihre Häupter vor ihm, um ihm Gelegenheit zu geben, seinen Hochmut zu zeigen und sich gleichzeitig ihres Rechts auf Achtung und Ehre zu entäußern, wodurch sie es ihm erst ermöglichen, sie zu tyrannisieren. Die Massen tun all das, weil sie selbst sich täuschen lassen und Angst vor ihm haben: Ihre Furcht entbehrt jedoch jeglicher Grundlage und beruht lediglich auf ihrer Einbildung. Der Tyrann, ein einzelner, kann niemals stärker sein als Tausende oder gar Millionen, sofern sie nur ihrer eigenen menschlichen Würde, Selbstachtung und ihrem Freiheitsdrang den richtigen Stellenwert beimessen. Eigentlich wäre jeder einzelne Angehörige seines Volkes ein ernstzunehmender Widersacher für einen Tyrannen. Niemand wäre in der Lage, ein Volk zu tyrannisieren, das wirklich gesund ist, das seinen wahren Herrn kennt, an Ihn den Imaan verinnerlicht und sich weigert, sich irgendeinem Geschöpf unterzuordnen, das in Wahrheit, überhaupt keine Macht über sein Schicksal besitzt. Pharao aber fand sein Volk so unwissend, unterwürfig und bar jedes Glaubens ", dass er durchaus in der Lage war, seine unverschämte, blasphemische Behauptung aufzustellen: "Ich bin euer höchster Herr." (Qutb)
25. Da machte ihn Allah, indem Er ihn strafte, zu einem warnenden Beispiel im Jenseits und in dieser Welt.17 17. Es ist die Pflicht von Königen und Staatsoberhäuptern, ihr Volk rechtzuleiten. Stattdessen führen die Bösen unter ihnen ihre Untertanen irre und werden so zum Grund dafür, ausaß ganze Völker untergehen. (Juusuf `Allii)
26. Wahrlich, darin ist eine lehrreiche Ermahnung für den, der (Gott allein) fürchtet.18 18. Nur die, die um ihren wahren Herrn wissen und Ihn fürchten, werden aus Pharaos Geschichte Nutzen ziehen. Die, die nicht Allah fürchten, werden auf ihren Irrwegen beharren, bis sie ihr festgesetztes Ende erreichen und die Züchtigungen sowohl des diesseitigen wie auch des jenseitigen Lebens zu spüren bekommen. (Qutb)
Abschnitt 2 27. Seid ihr etwa schwieriger zu erschaffen, oder das Firmament, das Er errichtete?19 19. Wörtlich: "Oder außer Himmel, den Er errichtete?" Der Himmel steht hier, wie an vielen anderen Stellen im Qur’an, im übertragenen Sinn für das kosmische System. Dadurch wird, wie schon in 40:56-57, die unsinnige Auffassung, der Mensch sei der Mittelpunkt des Universums, zurechtgerückt. Wie bedeutungslos ist er doch im Vergleich zur unübersehbaren Weite des Alls und der Vielfalt des gesamten von Allah geschaffenen Universums! (Asad)
28. Er hat sein Gewölbe erhöht und in Vollkommenheit ausgeformt;20 20. Das Geheimnis des Firmaments mit seinen unzähligen Sternen und Planeten, die dem Naturgesetz ständiger Bewegung unterliegen, mit außer Sonne und dem Mond, die die Temperaturen und Klimazonen außer Erde aus einer Entfernung von Tausenden außen oder Millionen von Meilen beeinflussen, sind ein Beispiel für die Gesetzmäßigkeit und Vollkommenheit, die Allah Seiner Schöpfung verliehen hat. Ist es da denkbar, ausaß außer Mensch ausgenommen ist von der Verantwortung für seine, Taten, wo er doch mit freier Willensentscheidung begabt ist, und ausaß er den Tag außer großen Aussonderung von Gut und Böse, den Tag des Jüngsten Gerichts, leugnet? (Juusuf `Allii)
29. Und seine Nacht in Dunkelheit getaucht und sein Tageslicht hervorgebracht.21 21. Die Aufeinanderfolge von außer nächtlichen Finsternis und dem Licht des Morgens ist eine Naturerscheinung, die wir alle kennen, doch übersehen wir sie oft, weil wir schon so sehr daran gewöhnt sind. Der Qur’an erinnert uns hier daran, ausaß es sich dabei doch stets wieder um ein ganz neues Ereignis handelt, das sich zwar täglich wiederholt und auch dieselben Auswirkungen mit sich bringt, uns aber in seiner Präzision gerade heutzutage bei unseren ständig anwachsenden wissenschaftlichen Erkenntnissen immer wieder in Erstaunen versetzt und uns Bewunderung abverlangt. (Qutb) 30. Und die Erde hat Er danach ausgebreitet; 31. aus ihr hat Er ihr Wasser und ihr Weideland22 hervorgebracht, 22. Eigentlich alle Pflanzen, die zum Verzehr durch Mensch und Tier geeignet sind. (Asad)
32. Und die Berge hat Er fest gegründet,23 23. Das Ausbreiten der Erde bezieht sich auf die Ebnung der Erdoberfläche, so dass sie begehbar wird und sich Bodenablagerungen zum Ackerbau darauf sammeln können. Das Gründen der Berge ist das Ergebnis der abschließenden Ausformung der Erdoberfläche und der Abkühlung, so dass auf ihr lebende Organismen entstehen konnten. Allah hat auch Wasser aus der Erde hervorgebracht, das heißt nicht nur Quellen, sondern auch das Regenwasser, das ja ursprünglich auch ihr entstammt. Ein so ausgewogenes Gleichgewicht setzt genaue Planung voraus und lässt keinen Raum für die Vermutung, das Universum könne in seiner heutigen Form durch reinen Zufall entstanden sein. (Qutb)
33. Als Versorgung für euch und für euer Vieh.24 24. Das heißt, der Mensch soll dankbar sein und sich stets vor Augen führen, dass Allah der Versorger ist. Dies führt uns abermals zum Leitgedanken dieser Suura, dem Thema der Wiederauferstehung und des Jüngsten Gerichts zurück. (Asad)
34. Wenn daher das überwältigendste, größte Ereignis eintritt,25 25. Das Jüngste Gericht, die Zeit der Aussonderung, wenn alles nach seinen wahren, inneren, ewig gültigen Werten beurteilt wird. (Juusuf `Allii)
35. An dem Tag, an dem sich der Mensch all dessen erinnern wird, wonach er strebte,26 26. Der Mensch mag durch die Ereignisse und Annehmlichkeiten des diesseitigen Lebens so in Anspruch genommen worden sein, dass er völlig vergaß, was er alles zu tun pflegte. Aber er wird sich dann all dessen erinnern, wenn ihm diese Erinnerung nichts als Kummer und Leid bringt, weil er nun begreift, welches schreckliche Ende ihm bevorsteht. (Qutb)
36. Und das Höllenfeuer dem vor Augen geführt wird, der sieht,27 27. Wenn das Höllenfeuer vor Augen geführt wird - das ist eine besonders eindrucksvolle Beschreibung, durch die das Ereignis so lebendig wird, dass wir es schon jetzt unmittelbar vor uns zu sehen meinen. (Qutb)
37. Dann wird für den, der das göttliche Maß überschritten hat, 38. Und der das diesseitige Leben vorgezogen hat, 39. Das Höllenfeuer wahrlich der Aufenthaltsort sein.28 28. Die andauernde Bestrafung wird für den sein, der sich willentlich und ständig gegen Allah aufgelehnt und das Maß Allahs überschritten hat, nicht für jene, die bereut und Vergebung erlangt haben, noch für die aus menschlicher Schwäche Strauchelnden, deren kleinere Sünden gegen ihre guten Taten aufgewogen werden. (Juusuf `Allii) 40. Und was den angeht, der (das Hintreten) vor das Gericht seines Herrn gefürchtet und (seiner) Seele niedere Begierden verwehrt hat,29 29. Wer befürchtet, einst vor Allah eintreten zu müssen, der lässt sich nicht auf Sünden ein. Wenn er einmal strauchelt und in einem Moment der Schwäche eine Sünde begeht, dann lässt ihn seine Furcht, dereinst Allah gegenüberzustehen, sogleich Reue empfinden und um Vergebung beten. So bewegt er sich ständig im Bereich des Gehorsams, dessen Angelpunkt die Beherrschung der eigenen Willkür und Begierden ist. (Qutb)
41. So wird wahrlich das Paradies (sein) Aufenthaltsort sein.30 30. Ein vollkommener Gegensatz: die ständigen Aufrührer gegen Allahs Gesetz, die das irdische Leben vorzogen, werden im Feuer der Bestrafung weilen, während jene, die die Bestrafung der Sünden in aller Demut fürchteten und den Ermahnungen ihres Herrn Glauben schenkten und ihre niederen Begierden in Zaum hielten, nun dadurch belohnt werden, dass sie in den Garten eingehen dürfen. (Juusuf `Allii)
42. Sie fragen dich nach der Stunde (des Gerichts), - wann trifft sie ein?31 31. Es ist nicht Sache des Propheten Allahs, die genaue Stunde und den Tag der Wiederauferstehung zu verkünden. (Darjabaadi)
43. Aber wie könntest du darüber etwas sagen? 44. Bei deinem Herrn (allein) ist ihre endgültige Festlegung. 45. Du aber bist nur ein Warner für den, der sie fürchtet.32 32. Allah selbst ist der Herr über alles, was mit der "Stunde" zusammenhängt. Die Pflichten des Propheten, über die er nicht hinausgehen braucht und darf, sind genau festgelegt. Er soll die warnen, die aus einer solchen Warnung Nutzen zu ziehen bereit sind. Solche Menschen spüren, dass die Wiederauferstehung etwas Wahres ist und fürchten darum den Ausgang. Deshalb richten sie ihr Leben entsprechend ihrem Imaan ein, dass sie zu der von Allah festgesetzten Zeit kommen wird. (Qutb)
46. Am Tage, an dem sie sie sehen werden, (wird ihnen sein) als ob sie nicht mehr als einen Abend33 oder den folgenden Morgen (auf Erden) verweilt hätten.34 33. Der Tod ist wie der Schlaf. Vielleicht lässt er sich am ehesten mit dem Abend des Lebens vergleichen. Im Schlaf wissen wir auch nicht, wie rasch die Zeit verstreicht. (Juusuf `Allii) 34. Wie an vielen anderen Stellen im Qur’an (z.B. 2:259; 17:52; 18:19; 20:103-104; 23:112-113; 30:55 etc.) handelt es sich hier um eine versteckte Anspielung auf die illusorische, erdgebundene Natur des menschlichen Zeitbegriffs - eines Begriffs, der im Zusammenhang mit der letztendlichen Wirklichkeit, die in dem Wort "Jenseits" zusammengefasst ist, jegliche Bedeutung verliert. (Asad)
Einführung zu Suura 80 Diese frühe makkanische Suura bezieht sich eingangs auf einen Vorfall, dessen Erwähnung im Offenbarungstext die vorbehaltlose Aufrichtigkeit unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Widerspiegelt. Denn hier wird eine Kritik am natürlichen, menschlich nur allzu verständlichen Eifer des Gesandten Allahs laut. Durch diesen Übereifer ließ - .ich in seiner Verkündigungsarbeit zu einem Schritt verleiten, der - von seiner eigenen, ethisch hohen Warte aus gesehen - fehl am Platz war. Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war einmal sehr damit beschäftigt, einigen Oberhäuptern der kaafir Quraisch den Qur’an zu erklären, als er von einem Blinden, 'Abdullah ibn Umm-i-Maktuum, unterbrochen wurde, der überdies ein armer Mann war, so dass niemand ihm Beachtung schenkte. Dieser wollte auch etwas aus dem Qur’an wissen. Dem Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, missfiel natürlich die Unterbrechung und er wurde ungeduldig. Dadurch fühlte der der Arme verletzt. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, dessen sanftmütiges Herz stets den Armen, vom Leid Heim suchten zugetan war, empfing eine Erleuchtung und zögerte keinen Augenblick, die neue Offenbarung gleich zu verkünden... Den Blinden aber hielt er fortan in hohen Ehren. Sayjid Qutb schreibt in diesem Zusammenhang: „Der Qur’an benützt hier, wie so oft, einen Einzelfall als Beispiel, um daran einen allgemein gültigen Grundsatz aufzuzeigen. Der Grundsatz, den der Qur’an hier erklärt ist der, dass die Menschen ihre Wertvorstellungen einzig auf Anweisungen Allahs herleiten sollen und nicht aus Gegebenheiten des täglichen Lebens. Diese sind bestimmt von Werten wie Rang, Macht oder Geld usw. Dagegen sagt der Islam: "Der Edelste von euch ist der Frömmste." Er lässt alle materiellen Werte außer acht und ersetzt sie durch neue, die von Allah selbst gesetzt werden und zu Ihm zurückführen." Es handelt sich hier nur um einen Zwischenfall. Nach Erklärung des ewigwährenden Grundsatzes Offenbarung Allahs werden in dieser Suura die Gnadenerweise Allahs dem Menschen gegenüber erläutert Allah die Folgen eines guten oder schlechten Lebens auf Erden in der geistigen Welt des Jenseits aufgezeigt. (Juusuf `Allii)
Er runzelte die Stirn Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. 1. Er1 runzelte die Stirn und wandte sich ab, 1. Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,. (Darjabaadi)
2. Als der Blinde zu ihm kam!2 2. Die scharfe Zurechtweisung im Qur’an (verschärft noch durch den Gebrauch der Form der dritten Person in den Ajas 1 und 2) deutet erstens an, dass das, was bei einem gewöhnlichen Menschen nur eine Unhöflichkeit von geringer Bedeutung gewesen wäre, den Aspekt einer ernsthaften Verfehlung, die Tadel Allahs verdient, annehmen musste, wenn es sich um eine vom Propheten begangene Tat handelte. Zweitens aber wird durch die absolute Objektivität der Offenbarung des Qur’ans unter Beweis gestellt. Denn es liegt auf der Hand, dass der Prophet, als er Allahs Zurechtweisung an sich aller Welt übermittelte, "nicht aus (eigenem) Begehr sprach" - siehe Suura 53, Vers 3. (Asad)
3. Doch was lässt dich wissen, ob er sich nicht vielleicht läutern will? 4. Oder ob er sich nicht belehren lassen will und diese Belehrung ihm nützt?3 3. Es kann durchaus sein, dass der arme, blinde Mann aufgrund seiner Bereitschaft zu lernen in seiner eigenen geistigen Entwicklung weit größere Fortschritte machte oder dass das, was man ihn lehrte, und sei es durch Tadel, ihm wesentlich mehr nützte als es bei den selbstgefälligen Oberhäuptern (der Quraisch) der Fall war. Und so ist es dann auch tatsächlich gewesen, denn der Blinde wurde ein wahrhafter und aufrichtiger Muslim und später sogar Statthalter von Medina. (Juusuf `Allii)
5. Was jedoch den angeht, der sich selbst genug ist,4 4. Das heißt, der meint, Rechtleitung Allahs nicht zu bedürfen; ein Hinweis auf die hochmütigen heidnischen Oberhäupter, mit denen sich der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, unterhielt. (Asad)
6. Dem hast du dich zugewandt, 7. Obwohl es nicht deine Sache ist, wenn er sich nicht läutert.5 5. Jener, der so tut, als könne er ohne dich, Prophet, und deine Religion, dein Licht, deine Güte und Reinheit auskommen, mit dem befasst du dich. Du gehst zu ihm, wenn er sich abwendet und du bemühst dich verzweifelt, ihn dazu zu überreden, dass er deine Religion annimmt. Doch was geht es dich an, wenn er es vorzieht, im Schmutz zu bleiben? Du bist für seine sündige Handlungsweise nicht verantwortlich. (Qutb)
8. Was jedoch den angeht, der voll Eifer6 zu dir kommt, 6. Ernstlich bemüht, dich über Dinge des Islams zu befragen. (Darjabaadi)
9. Und der (Allah) fürchtet, 10. Den beachtest du nicht7. 7. In späteren Jahren allerdings grüßte der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Umm-i-Maktuum oft mit den folgenden, von Demut getragenen Worten: „Ein herzliches Willkommen ihm, um dessentwillen mein Erhalter mich zurechtgewiesen hat!" (Asad)
11. Nein!8 Dies ist wahrlich eine Ermahnung,9 8. Nein fürwahr, dies darf niemals so sein! (Qutb) 9. Oder Erinnerung daran, dass es Allah gibt und dass Er allmächtig ist. Der Qur’an wird hier wie an vielen anderen Stellen als "Ermahnung" oder "Erinnerung" bezeichnet, weil er dazu bestimmt ist, die instinktive - wenn auch manchmal undeutliche oder unterbewusste - Wahrnehmung der Existenz &ins volle Licht des Bewusstseins zu rücken. (Asad)
12. Und wer will, mag sich daran erinnern,10 10. Hier wird bestätigt, dass der Islam ein Aufruf ist, dem höchste Achtung gebührt, weil er zum Guten auffordert. Andererseits benötigt er keineswegs die Unterstützung von irgend jemandem. Er wendet sich nur an denjenigen, der ihn aufgrund seiner Vorzüge von selbst und bereitwillig anerkennt und annimmt, wobei die gesellschaftliche Stellung des Betreffenden überhaupt keine Rolle spielt. (Qutb) 13. Es ist eine Ermahnung) auf edlen Blättern,11 11. Der Qur’an, den zu lesen und dessen sich zu erinnern jedem freisteht, ist auf ehrwürdigen Blättern niedergeschrieben, die unverfälscht sind und rein gehalten werden von jeglichen üblen Machenschaften. (Darjabaadi)
14. Erhabenen, reinen, 15. (Niedergeschrieben) durch die Hände von Botschafter (-Engeln), 16. Ehrwürdigen, frommen. 17. Wehe12 dem Menschen! Wie kann er nur13 so kaafir sein?! 12. Das Wort "qutila" قُتِلَ heißt wörtlich "er ist getötet worden", oder als Verwünschung "möge er getötet werden". Da eine wörtliche Übersetzung hier nicht sinnvoll scheint, weder als Feststellung noch als Verwünsch haben zahlreiche Kommentatoren, darunter auch Tabari, angenommen, dass es heißen solle: "er ist ausgeschlossen von Allahs Barmherzigkeit", was gleich bedeutend ist mit "er ist getötet" in geistiger Hinsicht durch sein eigenes Handeln und seine Einstellung. (Asad) 13. Er weigert sich ganz entschieden, den Verpflichtungen, die ihm durch seine Erschaffung erwachsen sind, nachzukommen. Hätte er sich ihrer erinnert, dann hätte er seinem Herrn, Der ihn erschaffen hat, demütige Dankbarkeit entgegengebracht. Er wäre nicht hochmütig gewesen, sondern hätte sich stets ins Gedächtnis gerufen, welches Ende ihm bevorsteht... (Qutb)
18. Aus was hat Er ihn erschaffen? 19. Aus einem Samentropfen! Er erschuf ihn und gab ihm Ansehen,14 14. Der Ursprung des Menschen als Lebewesen ist tatsächlich alles andere als großartig. Doch was für Talente und Fähigkeiten hat Allah im mitgegeben! Abgesehen von seinem physischen Körper, durch den er an all den Segnungen teilhat, mit denen Allah auch die übrige Schöpfung ausgestattet hat, hat der Mensch Gaben Allahs gewährt bekommen, die ihn dazu berechtigen, Statthalter auf Erden genannt zu werden. Er hat einen freien Willen, geistiges Wahrnehmungsvermögen, er ist der Liebe fähig, er kann sich die Natur in gewissem Umfang untertan und sich deren Kräfte zunutze machen. Und er hat Entscheidungsfreiheit, so dass er Übertreibungen und Schädliches meiden und den goldenen Mittelweg einschlagen kann. Und dieser Weg, ebenso wie alles, was er für sein Leben in all seinen vielfältigen Bereichen benötigt, ist ihm leicht zugänglich gemacht. (Juusuf `Allii)
20. Dann hat Er ihm den Weg leichtgemacht. 21. Dann lässt Er ihn sterben und ins Grab legen.15 15. Der Tod ist ein unvermeidliches Ereignis nach dem kurzen Erdendasein, doch in gewissem Sinn ist er auch ein Segen. Denn er bedeutet die Befreiung aus all den Unvollkommenheiten dieser Welt, das Ende der Prüfungszeit, nach der die vollkommene Wirklichkeit heraufdämmern wird. Unter "Grab" kann man wohl die Zeitspanne zwischen dem psychischen Tod und dem Zustand der Unsterblichkeit verstehen, auf welche Weise auch immer der leblose Körper seine letzte irdische Ruhestätte finden mag. Die zwischenzeitliche Spanne ist der barzah oder die Trennung. (Juusuf `Allii)
22. Dann, wenn Er will, erweckt Er ihn wieder.16 16. Wenn die Zeit, die Er festgesetzt hat, gekommen ist, erweckt Er den Menschen wieder zum Leben, damit die Abrechnung stattfinden kann. So bleibt der Mensch also nicht ohne Belohnung oder Bestrafung. (Qutb)
23. Nein! Er hat nicht das erfüllt, was ihm befohlen worden ist.17 17. Die Menschen insgesamt - vom allerersten Menschen, der erschaffen wurde, bis zum letzten Atemzug des allerletzten Menschen - werden niemals die Gebote Allahs wirklich erfüllt haben. Das besagen die hier gewählten arabischen Worte. Der Mensch wird stets nachlässig sein bei der Erfüllung seiner Pflichten. Er wird sich niemals seines Ursprungs und seiner Erschaffung erinnern, so wie er es tun sollte, noch wird er seinem Schöpfer danken und Ihn lobpreisen dafür, dass Er ihn rechtgeleitet und Sich seiner angenommen hat, so wie er Ihm danken und Ihn lobpreisen sollte. Er bereitet sich keineswegs in diesem Leben auf den Tag der Belohnung und Bestrafung vor. Das trifft für die Menschheit als Ganzes zu. Darüber hinaus kehrt die Mehrheit der Menschen hochmütig der göttlichen Rechtleitung den Rücken. (Qutb)
24. So soll der Mensch (doch einmal) seine Nahrung betrachten:18 18. Nach Erwähnung der inneren Entwicklungsgeschichte des Menschen, wird hier auf nur ein einziges Gebiet seines äußeren Alltagslebens Bezug genommen nämlich auf seine Nahrung. Es wird uns vor Augen geführt, wie sich die Naturgewalten des Himmels und der Erde auf Allahs Gebot hin vereinen, um dem Menschen und den von ihm Abhängigen dienstbar zu sein, "als Versorgung für euch und eure Viehherden" (siehe 80:32). Wenn sich das bereits mit einem Aspekt so verhält, nämlich mit der Nahrung, wie unendlich viel umfassender muss dann Allahs Wohltätigkeit sein, wenn man die gesamten Bedürfnisse des Menschen in Betracht zieht! (Juusuf `Allii)
25. Wie Wir das Wasser in Strömen herabgießen, 26. Dann spalten Wir die Erde in viele Spalten, 27. Und lassen aus ihr Getreide wachsen, 28. Und Weinreben und essbare Pflanzen, 29. Und Olivenbäume und Dattelpalmen, 30. Und dicht bewachsene Gärten 31. Und Früchte und Gräser, 32. Als Versorgung für euch und eure Viehherden.19 19. Die Nahrung als vorrangige Notwendigkeit menschlichen Lebens sollte überdacht werden. Sie steht uns Tag für Tag zur Verfügung, aber dass dies so ist, ist ein Wunder in sich. Da sie so leicht zugänglich ist, vergessen wir das Wunderbare daran, obwohl es ebenso erstaunlich ist wie die Erschaffung des Menschen. Jede ihrer Entstehungsstufen wird von demselben allerhöchsten Willen bestimmt, Der den Menschen erschaffen hat. Dazu gehört der reichlich herabströmende Regen, von dem niemand behaupten kann, dass er ihn hervorbringe, um damit die Nahrungsmittelherstellung in Gang zu setzen. Das zweite Stadium, wenn die Erde nach dem Regen sich spaltet, wodurch die zarten Pflanzen aus der schweren, harten Erde hervorspriessen können, ist ein weiterer Beweis der ständig wirkenden Kraft des Allmächtigen. Und so wächst schließlich die gebräuchlichste Nahrung der Menschen, das Getreide, heran, ebenso wie Sträucher, Obstbäume und Gras in dichtbewachsenen Gärten. Zu den Wundern gehört auch, dass die verschiedensten Samenkörner in den gleichen Boden ausgesät, von demselben Regen bewässert werden und dann die vielfältigsten Pflanzen hervorkommen, als Versorgung für Mensch und Tier. Doch all dies Gute ist nur für eine bestimmte Zeit. Was dann folgt, ist etwas völlig anderes und darüber sollte der Mensch sich reiflich Gedanken machen, noch bevor es tatsächlich eintrifft. (Qutb)
33. Doch wenn der tosende Lärm kommt,20 20. Als Vorankündigung des Jüngsten Gerichts. (Juusuf `Allii)
34. Der Tag, an dem der Mensch von seinem Bruder flieht, 35. Und von seiner Mutter und seinem Vater,21 21. Selbst jene, die sich in diesem Leben am nächsten gestanden haben, werden an jenem Tag weder bereit noch in der Lage sein, einander zu helfen. (Juusuf `Allii)
36. Und von seiner Frau und seinen Kindern, 37. An jenem Tag wird jeder von ihnen mit sich selbst beschäftigt sein.22 22. So dass er selbst seinen nächsten Anverwandten gegenüber achtlos ist. (Darjabaadi) 38. Manche Gesichter werden an jenem Tag leuchten, 39. Lächelnd, Glück verheißend. 40. Und manche Gesichter werden an jenem Tag staubbedeckt sein, 41. Von Düsterkeit umfangen.23 23. Der Staub auf den Gesichtern der Frevler wird in krassem Gegensatz stehen zum strahlenden Licht auf den Gesichtern der Rechtschaffenen, ebenso wie die Düsterkeit zu den lächelnden, glückseligen Gesichtern der Aufrichtigen. Durch den Staub wird aber auch angedeutet, dass ihre Gesichter und Augen und anderen Sinne durch ihre Verleugnung Allahs in Staub eingehüllt waren, während die Düsterkeit besagt, dass sie durch ihr frevlerisches Tun keinen Anteil haben an der Reinheit des Lichtes. Noch ein anderer Gegensatz lässt sich möglicherweise von hier ableiten. Der demütige Mensch, der auf Erden eine untergeordnete Stellung einnimmt, mag in diesem Leben im Staube weilen und der hochmütige Sünder im strahlenden Sonnenschein. Doch am Tag des Jüngsten Gerichts werden sie ihre Rollen tauschen. (Juusuf `Allii)
42. Das sind die Kaafirs, die Frevler.
Einführung zu Suura 81 Dies ist eine sehr frühe makkanische Suura, wahrscheinlich die sechste oder siebte in chronologischer Reihenfolge. Sie beginnt mit einigen mystischen Metaphern über das Auseinanderbrechen der Welt, wie wir sie kennen und mit dem Hinweis auf die vollkommene persönliche Verantwortlichkeit jeder Seele. Es folgt eine mystische Passage über die Wahrhaftigkeit des Qur’ans, der durch den Engel Dschibriil offenbart worden ist und der nicht der dichterischen Schwärmerei eines Besessenen entstammt. Die Offenbarung dient der menschlichen Rechtleitung. (Juusuf `Allii)
Das Zusammenrollen oder das einhüllen in Dunkelheit Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. 1. Wenn die Sonne zusammengerollt (und in Dunkelheit eingehüllt) ist,1 1. Wörtlich: (wie von einem Turban) umwunden wird. (Paret)
2. Und wenn die Sterne ihren Glanz verlieren, 3. Und wenn die Berge in Bewegung geraten,2 2. Das, was uns am meisten in der äußeren physikalischen Welt beeinflusst, ist das Licht und die Wärme, möglicherweise auch noch die elektrische oder magnetische Energie der Sonne. Die Sonne ist die Quelle allen Lichtes, aller Wärme und Energie und überhaupt der Ursprung und der Erhalter alles irdischen Lebens, das wir kennen. Sie ist der wichtigste Faktor und doch der fernste in unserem Sonnensystem. Doch die Quellen unseres inneren, geistigen Lebens werden noch gewaltiger und beständiger sein, denn sie werden die Sonne überdauern. Nach der Sonne können wir schwaches Licht aus den unzähligen Sternen am Firmament beziehen. In all den Zeiten, von denen wir etwas wissen, haben sie an ihrem Platz gestanden, nichts könnte beharrlicher sein. Und doch können und werden sie fallen. Auf unserer Erde schließlich scheinen die Gebirge - die "ewigen Berge" - das augenscheinlichste Beispiel für Festigkeit zu sein. Doch auch sie werden hinweggefegt werden wie eine Luftspiegelung, so als hätte es sie nie gegeben. (Juusuf `Allii)
4. Und wenn die im zehnten Monat trächtigen Kamelstuten vernachlässigt werden,3 3. Hochträchtige Kamelstuten sind für die Araber der wertvollste Besitz, denn sie werden ihren Reichtum vergrößern durch die Geburt der Kamelfüllen und die Milch, die die Besitzer sich mit den jungen Kamelen teilen. Doch an diesem Tag werden so überwältigende Ereignisse eintreten, dass sich niemand mehr um sie kümmern wird. Nur bei allerhöchster Gefahr pflegten die Araber solche Tiere zu vernachlässigen. (Qutb) 5. Und wenn die wilden Tiere zusammengetrieben werden,4 4. In der gegenwärtigen Welt fürchten sich die wilden Tiere voreinander und meiden menschliche Siedlungen. Wenn diese Weltordnung zu Ende ist, werden Löwe und Lamm sich zusammenfinden und es wird keinen Unterschied zwischen menschlichen Behausungen und der Wildnis der Wälder geben. (Juusuf `Allii)
6. Und wenn die Meere zum Überlaufen gebracht werden,5 5. Und in Brand geraten. Beim ersten Trompetenstoß werden die Meere ineinander fließen und so zu einem einzigen Ozean werden. Und sie werden entzündet, so dass sie in Flammen stehen. (Darjabaadi)
7. Und wenn die Menschen zu ihresgleichen gesellt werden,6 6. Das Paaren der Seelen kann bedeuten, dass sich Gleich zu Gleich gesellen wird, wie in 56:7 erwähnt, wo es heißt, dass es drei Gruppen geben wird, nämlich die Auserwählten, die Menschen zur Rechten und die Menschen zur Linken. Es kann aber auch bedeuten, dass Leib und Seele sich bei der Auferstehung wieder vereinigen werden. (Qutb)
8. Und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird, 9. Um welcher Schuld willen es getötet wurde7, 7. In der vorislamischen Gesellschaft Arabiens muss der Wert menschlichen Lebens sehr wenig gegolten haben. Es war ein weit verbreiteter Brauch, neugeborene Mädchen aus Furcht vor Schande oder Armut lebendig zu verscharren. Im Qur’an ist davon die Rede, um uns die damalige Grausamkeit und Unwissenheit vor Augen zu führen. Die Verdammung dieser Praxis stimmt völlig überein mit der erklärten Zielsetzung des Islam, die Unwissenheit auszumerzen und die Menschheit vor dem völligen Absinken zu bewahren. Überhaupt wurden Mädchen und Frauen zu jener Zeit sehr schlecht behandelt. Es klingt hier aber auch der Tag des Jüngsten Gerichts an, wenn die ermordeten Mädchen über ihre Mörder befragt werden. Es bleibt unserer Fantasie überlassen, uns vorzustellen, was mit diesen Mördern geschehen wird. In jener Zeit der Unwissenheit hätten die Frauen niemals eine achtbare, menschenwürdige Stellung erringen können. Ihre geachtete Stellung verdanken die Frauen erst dem Islam, der von Allah für die Menschen erwählten Lebensweise. Männer und Frauen haben gleichermaßen teil an der Ehre, dass ihnen göttlicher Geist eingehaucht wird. (Qutb) 10. Und wenn die (mit den menschlichen Taten beschriebenen) Blätter offen gelegt werden,8 8. Die Aufzeichnungen der menschlichen Taten, seien sie nun gut oder schlecht, werden dann allen sichtbar dargelegt. In der jetzigen Welt mag man manches verheimlichen können, in der geistigen Welt absoluter Realität wird jedes Geheimnis, das gute wie das schlechte, offenbart. Der gesamte Hintergrund der Taten, Unterlassungen, Beweggründe, der schwer abzuschätzenden spirituell zugefügten Verletzungen, Vernachlässigung oder Hilfeleistung wird aufgedeckt. (Juusuf `Allii)
11. Und wenn der Himmel aufgedeckt wird,9 9. Dieses Bild entspricht ziemlich genau dem des Aufdeckens menschlicher Geheimnisse. Wenn wir auch nicht wissen, wie alles vor sich gehen wird, so reicht es doch, zu sagen, dass wir beim Aufblicken nicht mehr das gewohnte blaue Himmelszelt sehen werden. (Qutb)
12. Und wenn das Höllenfeuer angefacht wird,10 10. Die innere Hülle wird dann brennen - das ist eine intensive Wahrnehmung der geistigen Qualen, die schlimmer sind als das ärgste Feuer. (Juusuf `Allii)
13. Und wenn der Paradiesgarten herangebracht wird,11 11. In der östlichen Literatur und insbesondere in religiösen Allegorien findet sich für gewöhnlich mehr als eine Bedeutung und diese sind gleichsam ineinander eingebettet. Man muss sie begreifen, um sich als Leser an den vollen Sinn solcher Passagen herantasten zu können. Für den Qur’an trifft dies ganz besonders zu. Die parallellaufende Bedeutung, für die sich besonders die Sufis erwärmen, setzt für die ersten sechs physikalischen Tatsachen (Ajas 1-6) folgende Allegorien: 1. So wie die Sonne der Mittelpunkt unseres Sonnensystems ist, so ist unser niederes Ich der Mittelpunkt unserer üblen Beweggründe und Sehnsüchte; das Licht dieses Ich muss abgedunkelt werden, um für die Wirklichkeit Platz zu schaffen. 2. Das weniger helle Licht der Sterne ist unsere gewöhnliche menschliche Weisheit; diese müssen wir ablegen, bevor wir geistigen Weitblick erlangen können. 3. Unsere weltlichen Bestrebungen sind die Berge, die gewissermaßen verschwinden müssen. 4. Gier und Gewinnsucht sind gleichsam Kamele, schwer von der Last ihrer Jungen; diese müssen wir vernachlässigen. 5. Unsere Leidenschaften sind wilde Tiere, die gezähmt werden müssen. 6. Die Meere der Barmherzigkeit Allahs müssen überkochen und unser ganzes Sein umhüllen. All das kann jeden Moment geschehen, selbst dem einzelnen in diesem Leben, wenn Allahs Herrlichkeit auf ihn ausstrahlt. Oder aber es kann am "Tag des Kleinen Gerichts" geschehen, wenn die Seele diesen Körper verlässt. (Juusuf `Allii)
14. Dann erkennt jede Seele, was sie mit sich gebracht hat. 15. Doch nein! Ich schwöre12 bei den Planeten, 12. Indem Naturerscheinungen, die den Menschen durch ihr ständiges Wiederauftauchen vertraut sind, als Zeugen angerufen (oder beschworen) werden, wird die Tatsache unterstrichen, dass es sich bei dem, was wir "Naturgesetze" nennen, um nichts anderes handelt, als die sichtbaren Elemente der Planung und Schöpfung Allahs - einer Planung, in der Seine Offenbarungen eine ganz entscheidende Rolle spielen (siehe auch Aja 19 ff). Folglich ist die Muchammad, Friede sei mit ihm, zuteil gewordene Heilige Schrift in Wirklichkeit ebenso "natürlich", wie jegliches andere Phänomen, sei es nun konkret oder abstrakt, im Bereich der Schöpfung Allahs. (Asad)
16. Den am Horizont erscheinenden, sich wieder verbergenden, 17. Und bei der Nacht, wenn sie dunkelnd hereinbricht, 18. Und beim Hauch des Morgens:13 13. Wörtlich: Und beim Morgen, wenn er atmet. (Pickthall) Der Atemhauch des Morgens ist etwas spürbar Lebendiges. Er bringt Licht mit sich, das sich allmählich ausbreitet und durch das sich überall Leben zu regen beginnt. (Qutb)
19. Dies ist wahrlich das Wort eines ehrwürdigen Gesandten,14 14. Gemeint ist der Engel Dschibriil, der die Offenbarungen Allahs überbracht hat und höchster Achtung würdig ist, keinerlei Betrug zu begehen vermag, sondern vielmehr im Reich der Engel vor Allahs Thron Macht und Ansehen genießt. Wie der Prophet Muchammad, Friede sei mit ihm, hat er seinen Auftrag getreulich ausgeführt, entsprechend dem Willen und Plan Allahs. Die Beschreibung "des ehrwürdigen Gesandten voll Macht und Ansehen, der Gehorsam und Vertrauen genießt", könnte sich durchaus auch auf unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst beziehen, aber im Hinblick auf den folgenden Aja 23 ist es am besten, darunter den Engel Dschibriil zu verstehen. (Juusuf `Allii)
20. Voll der Macht und des Ansehens vor dem Herren des Throns,15 15. Der Begriff in Qur’an "Thron" - der in der tatsächlichen Reihenfolge der Offenbarungen Allahs hier erstmals erscheint - steht ausnahmslos für die absolute Souveränität und Allmacht Allahs. (Asad)
21. Dem Gehorsam entgegengebracht wird und der Vertrauen genießt. 22. Und euer Gefährte16 ist nicht besessen.17 16. Das heißt Muchammad, Friede sei mit ihm. Die Bezeichnung des Propheten als Gefährte soll das absolute Menschsein Muchammads, Friede sei mit ihm, unterstreichen und damit jeglicher Möglichkeit entgegenwirken, dass seine Anhänger ihn vergöttlichen. (Asad) Er ist euer Gefährte, den ihr lange Jahre gekannt habt. (Qutb) 17. Die Menschen um den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, kannten ihn sehr wohl. Sie wussten, dass er ein Mann von großer Charakterstärke, Klugheit und vollkommener Aufrichtigkeit war. Doch trotz alledem behaupteten sie, dass er besessen sei und seine Offenbarungen vom Teufel erhalte. Manche bauten darauf ihre ständigen Angriffe gegen den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seine islamische Botschaft auf, andere taten es aus Verwunderung und Erstaunen über seine Offenbarungen, die so gar nicht dem entsprachen, was Menschen zu sagen oder niederzuschreiben pflegten. Durch diese Behauptung sollte die überkommene Ansicht bestätigt werden, dass jeder Dichter einen Schaytaan besitze, der seine Gedichte für ihn verfasst, und dass jeder Mönch einen Teufel zur Seite habe, der ihm die Geheimnisse des Verborgenen enthüllt. Sie meinten auch, dass der Teufel mit einigen Menschen in Verbindung trete und sie dazu veranlasse, seltsame Dinge auszusprechen. So ließen sie die einzig gültige Erklärung außer acht, nämlich dass der Qur’an von Allah, dem Herrn der Welten, offenbart worden ist. (Qutb)
23. Vielmehr sah er ihn18 am klaren Horizont. 18. Das heißt, Muchammad, Friede sei mit ihm, erblickte den Offenbarungsengel Dschibriil. (Darjabaadi) Hier wird eindeutig Bezug genommen auf die Vision des Propheten, Allahs Seg |