Von Suura 67 Das Königreich – Suura 77 Die Entsandten

 

Einführung zu Suura 67

Vierzehn Fünfzehntel des Qur'an sind jetzt abgeschlossen, und wir sind Schritt für Schritt der Entwicklung seiner Gedankengänge zum Aufbau der Umma oder Bruderschaft des Islam gefolgt.

Hier gibt es eine logische Unterbrechung. Das verbleibende Fünfzehntel besteht aus kurzen, spirituellen lyrischen Texten, größtenteils aus der makkanischen Zeit, in denen es in erster Linie um das innere Leben des Menschen geht und um seine individuellen Aspekte. Sie können ungefähr mit den Psalmen oder Hymnen in anderen religiösen Schriften verglichen werden. Aber diese kurzen Suuras enthalten eine ganz eigene Schönheit, Erhabenheit, mystische Bedeutung und eine starke Ernsthaftigkeit, wie sie auch der Zeit der Verfolgung entspricht. Mit ihrem Ursprung in den höchsten Himmelsregionen dringt ihr Licht in die finstersten Tiefen des Lebens ein, in die konkreten Fakten, die oft für die ganze Realität gehalten werden, obgleich sie nichts als ein vorübergehender Teil und völlig unbedeutend und oberflächlich sind. In Sprache und Gedanken liegt viel Symbolik, mit der das Spirituelle in Begriffen beschrieben wird, die uns verständlich sind.

Unsere Aufmerksamkeit wird hier auf den Kontrast zwischen den Schatten der Realität hier und der ewigen Realität gelenkt, zwischen der oberflächlichen Welt und der zugrunde liegenden inneren Welt.

Diese Suura, die aus 30 Ajas besteht, gehört in die mittlere makkanische Zeit unmittelbar vor Suura 69 und 70. Allah wird hier mit Seinem Namen Ar-Rachmaan (der Erbarmer) erwähnt, so wie Er in Suura 19 mit Seinen Namen Rabb (Herr und Erhalter) und Ar-Rachman erwähnt wird.

 

Das Königreich

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

1. Segensreich1 ist Er, in Dessen Hand das Königreich liegt2, und Er hat die Macht alles zu tun3,

1. Was meinen wir, wenn wir Segenswünsche mit dem Namen Allahs verbinden oder wünschen, die ganze Schöpfung möge den Namen des Herrn segnen? Wir meinen damit, dass wir Seine Wohltaten uns gegenüber anerkennen und verkünden, denn alles Glück kommt durch Ihn und liegt "in Seiner Hand", in der Hand Dessen, Dem auch die Herrschaft und die Macht gehört. In unseren menschlichen Angelegenheiten sehen wir manchmal einen gravierenden Unterschied zwischen Herrschaft und Macht einerseits und Güte und Wohltat andererseits: in Allah erkennen wir, dass es da keine Trennung und keinen Gegensatz gibt. (Juusuf `Allii)

"Tabaaraka" تَبَارَكَ ist eine Superlativform von "Barakah". "Barakah" umfasst die Bedeutungen von Erhabenheit und Größe, Reichtum und Großzügigkeit, Dauerhaftigkeit und eine Vielfalt Tugenden und Vorzügen. Wenn davon die Superlative gebildet wird, bedeutet dies in diesem Zusammenhang, dass Allah endlich edel und groß ist; dass Er weit über allen Dingen außer Ihm steht, sowohl in Seinem Wesen als auch in Seinen Attributen und Handlungen; dass Seine Wohltaten unermesslich sind, und dass Seine edlen Eigenschaften dauerhaft und unbegrenzt sind. (Mauduudi)

2. Die Art und Weise, wie Allahs Segensreichtum hier in Verbindung mit Seinem Reich und Seiner Herrschaft erwähnt wird, weist darauf hin, dass dieser Segen auf Sein Reich überströmt und im gesamten Dasein zum Ausdruck kommt. (Qutb)

"Al-Mulk" الْمُلْك bedeutet Herrschaft, Souveränität, das Recht, Seinen Willen auszuführen oder alles zu tun, was Er will. Macht (im nächsten Satz) ist die Fähigkeit, Seinen Willen auszuführen, so dass nichts ihm widerstehen oder ihn neutralisieren kann. Güte wird hier völlig mit Herrschaft und Macht identifiziert, und dies wird im nächsten Aja weiter ausgeführt. Beachte, dass die Bedeutung des Wortes "Al-Mulk" hier sich von der Bedeutung des Wortes "malakut" in Suura 36:83 unterscheidet. Beide Wörter stammen aus derselben Wurzel, und ich habe beide mit "Herrschaft" übersetzt. "Malakut" bezieht sich jedoch auf die Herrschaft in der unsichtbaren Welt, während "Mulk" sich auf die Herrschaft in der sichtbaren Welt bezieht. ist der Herr beider. (Juusuf `Allii)

"In Seiner Hand liegt das Königreich" bedeutet, dass Er Eigentümer aller Macht und Autorität ist und niemand Anteil daran haben kann. (Mauduudi)

3. Er braucht nichts und ist von nichts abhängig. Nichts kann ohne Seinen Willen geschehen, und Er wird durch nichts eingeschränkt. Er erschafft, was Er will, und Er handelt nach Seinem Ermessen. (Qutb)

 

2. Der den Tod4 und das Leben5 schuf um zu prüfen, wer von euch besser handelt6, Und Er ist der Allmächtige, der Vergebende7

4. Mit "Tod" ist hier der leblose Zustand vor diesem Leben ebenso gemeint wie der darauf folgende Tod. (Qutb)

Der Tod wird hier dem Leben vorangestellt, und er ist erschaffen. Er ist daher nicht einfach ein negativer Zustand. In Suura 2:28 lesen wir: ,,... wo ihr doch leblos wart und Er euch das Leben gab. Dann lässt Er euch sterben (und) danach erweckt Er euch (am Jüngsten Tag wieder) zum Leben, worauf ihr zu Ihm zurückgebracht werdet." Auch in Suura 53:44 wird der Tod dem Leben vorangestellt. Der Tod ist demnach

1. der Zustand vor BeDschinn des Lebens, nämlich Nichtexistenz oder Existenz in einer anderen Form;

2. der Zustand, in dem das Leben, wie wir es kennen, aufgehört hat, aber die Existenz nicht aufhört, ein Zustand von "Barsah" (der Abtrennung, eine Schranke) nach unserem physischen Tod (vergleiche Suura 23:100); danach gibt es ein neues Leben, das wir mit dem Begriff "Ewigkeit" beschreiben. (Juusuf `Allii)

Dies widerspricht der jüdischen Auffassung, dass Allah den Menschen unsterblich erschaffen habe und erst durch den Neid des Teufels der Tod in die Welt gekommen sei. (Darjabaadi)

Da der Tod hier als "geschaffen" bezeichnet wird, kann er nicht identisch sein mit "Nichtexistenz", sondern muss offensichtlich einen eigenen positiven Realitätsgehalt haben. (Asad)

5. Auch der Begriff "Leben" bezieht sich hier auf das erst, diesseitige Leben und auf das zukünftige Leben, das Leben nach dem Tod. Sowohl Leben als auch Tod sind von Allah erschaffen, wie aus diesem Aja deutlich wird. (Qutb)

Sowohl der Tod als auch das Leben sind von den Polytheisten personifiziert und vergöttert worden. Im Islam sind sie nichts weiter als etwas Geschaffenes wie alles andere. (Darjabaadi)

6. Die Schöpfung ist somit nicht ein sinnloser Zeitvertreib oder ohne jeden Zweck hinsichtlich des Menschen. Den Zustand vor unserem gegenwärtigen Leben oder den Zustand danach können wir kaum begreifen. Aber unser gegenwärtiges Leben ist uns eindeutig gegeben worden, um uns in die Lage zu versetzen, durch gute Handlungen nach einem edleren Zustand zu streben. (Juusuf `Allii)

In diesem kurzen Satz wird auf eine Reihe von Wahrheiten angespielt:

1. Dass Leben und Tod von Allah verliehen sind und kein anderer sie geben oder nehmen kann.

2. Weder das Leben noch der Tod eines Geschöpfes wie des Menschen, dem die Macht gegeben wurde, Gutes und Böses zu tun, ist völlig sinnlos; der Schöpfer hat ihn zum Zwecke der Prüfung in diese Welt gesetzt; das Leben ist die Prüfungszeit und der Tod bedeutet, dass die Prüfung beendet ist.

3. Gerade zu dieser Prüfung hat der Schöpfer jedem Menschen Gelegenheit zum Handeln gegeben, so dass er in der Welt Gutes oder Böses tut und damit praktisch zeigt, welche Art Mensch er ist.

4. Der Schöpfer allein wird entscheiden, wer gut oder böse gehandelt hat; es steht nicht uns zu, Kriterien dafür festzulegen, sondern nur dem allmächtigen Allah; wer darum seine Prüfung bestehen möchte, muss herausfinden, was in Seiner Sicht die Kriterien sind.

5. Der Begriff der Prüfung selbst beinhaltet, dass jedem entsprechend seiner Handlungen vergolten wird, denn ohne dies wäre die Prüfung sinnlos. (Mauduudi)

7. All dies ist möglich, weil in Seiner Macht so erhaben ist, dass Er Seinen Willen und Plan verwirklichen kann, und Sein Plan ist Liebe, Barmherzigkeit und Güte gegenüber Seinen Geschöpfen. (Juusuf `Allii)

Dieses bedeutet zweierlei, und beides ist hier gemeint:

1. Er ist allmächtig; aber trotz Seiner Macht über alle Geschöpfe ist Er ihnen gegenüber barmherzig und bereit zu vergeben, nicht grausam oder ungerecht;

2. Er hat die Macht, die Bösen zu bestrafen, und niemand kann Seiner Strafe entgehen; aber Er vergibt den Reumütigen, die sich vom Bösen fernhalten und Ihn um Vergebung bitten. (Mauduudi)

 

3. Der sieben Himmel erschaffen hat, einen über dem anderen8. Du wirst in der Schöpfung des Erbarmers kein Missverhältnis9 erblicken. So lasse den Blick umherschweifen - siehst du irgendeinen Mangel10?

8. Vergleiche Suura 65:12 und die entsprechenden Fußnoten. Die Himmel, wie sie sich unseren Augen zeigen, scheinen in übereinander liegenden Schichten angeordnet zu sein. Was uns auffällt, ist die Ordnung und Schönheit des weiten Weltraums und der herrlichen Gestirne, die in diesen enormen Räumen der sichtbaren Welt regelmäßigen Gesetzmäßigkeiten der Bewegung folgen. (Juusuf `Allii)

"Übereinander" oder "in Harmonie". (Darjabaadi)

"In Einklang miteinander". (Asad)

9. "Tafaawut" تَفَاوُت bedeutet wörtlich Disharmonie, wenn also zwei Dinge nicht zueinander passen. Der Satz bedeutet also: „Du wirst keine Disziplinlosigkeit, Unordnung oder Disharmonie irgendwo im Universum feststellen können; nichts ist ohne Zusammenhang oder Proportion in dieser von erschaffenen Welt. Alle ihre Teile sind miteinander verknüpft und befinden sich in wunderbarer Harmonie und Ordnung." (Mauduudi)

10. Was in diesem und in den folgenden Ajas aufgezählt wird, ist eine nähere Erläuterung dessen, was im ersten Aja erwähnt wurde, und soll Macht und Herrschaft weiter veranschaulichen. Außerdem ist es eine Bestätigung des zweiten Ajas, in dem es um die Erschaffung von Tod und Leben geht, um zu prüfen. (Qutb)

Könntest du in Allahs 'Werken irgendeinen Mangel feststellen? Unsere Vernunft verlangt Regelmäßigkeit und Ordnung in den Dingen. Zufall und Willkür weist sie zurück. Sie kann in der Tat nur in einem Kosmos existieren, das heißt in einer geordneten Welt. Und eine solche findet sie zunächst in Sonne und Mond, in Pflanze und Tier, aber allem Anschein nach vermischt mit dem Unberechenbaren und Irrationalen. Je mehr sie jedoch weiß, umso mehr findet sie Grund für die Zuversicht, dass der Anschein des Unberechenbaren lediglich auf ihre Unwissenheit zurückzuführen ist. Die Natur ist durch und durch vernünftig und entspricht der Forderung der Vernunft nach Gesetz und Ordnung in allen Dingen. Diese Überzeugung von einer universalen Ordnung macht Wissenschaft erst möglich. (Darjabaadi)

 

4. Dann lass den Blick noch einmal prüfend umherschweifen11. - Dein Blick wird zu dir zurückkehren, matt und abgeschlagen12.

11. Wir kehren wieder zu der Symbolik der äußeren Welt zurück und werden aufgefordert, sie immer wieder zu studieren, so genau es uns unsere Fähigkeiten erlauben. Wie gründlich wir sie auch beobachten, wir werden keinen Mangel darin finden. In -der Tat erstreckt sich unser Forschungsgebiet so weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus, dass unsere Augen selbst mit Hilfe starker Ferngläser letztendlich eingestehen müssen, dass sie nicht in die Tiefe der Geheimnisse eindringen können. Wir werden in Werken Allahs keinen Mangel finden, sondern finden, dass unsere eigenen Kräfte nicht über eine bestimmte Reichweite hinausgehen können. (Juusuf `Allii)

12. In ihrem Versuch, in die Geheimnisse des Universums einzudringen. (Asad)

 

5. Und Wir haben fürwahr den erdnahen Himmel mit Leuchten geschmückt13 und Wir haben sie bestimmt zur Vernichtung14 der Schaytaane15 und Wir halten für sie die Strafe der Feuerglut bereit.

13. Vergleiche auch Suura 37:6 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

Nämlich mit Sternen. (Asad)

Allah dieses Universum nicht dunkel, trostlos und öde erschaffen, sondern mit Sternen geschmückt, deren Schönheit und Herrlichkeit den Menschen nachts in Erstaunen versetzen. (Mauduudi)

Die Schönheit ist genauso beabsichtigt bei der Schöpfung dieser Welt wie die Vollkommenheit. Sie sind beide zwei Erscheinungen des gleichen Tatbestandes. Infolgedessen macht der Qur'an uns auf die Schönheit der Himmel wie auf ihre Vollkommenheit aufmerksam. (Juusuf `Allii)

14. "Rudschuum" رُجُوم: wörtlich Sternschnuppen, Wurfgeschosse. (Anm. d. Übers.)

15. Die Schaytaane, die im untersten Himmel versuchen, die Gespräche der Engel abzuhören. (Darjabaadi)

In diesem Zusammenhang verweist der Begriff "Schayjaatiin" شَّيَاطِين in erster Linie auf die Schaytaane unter den Menschen, nämlich die Astrologen (Baidawi).

Der Begriff "radschm" bedeutet wörtlich "wie einen Stein werfen", das heißt aufs Geratewohl, und wird oft auch im Sinne von "blindlings drauflosreden" oder "herumrätseln" benutzt. (Asad)

Die Araber glaubten von den Wahrsagern, beziehungsweise die altarabischen Wahrsager behaupteten von sich selbst, dass sie die Dämonen kontrollierten oder mit ihnen in enger Verbindung ständen, so dass sie durch sie Nachrichten aus der unsichtbaren Welt empfangen und dadurch das Schicksal der Menschen vorhersagen konnten. Darum wird an verschiedenen Stellen im Qur'an betont, dass die Dämonen absolut keine Möglichkeit haben, zum Himmel aufzusteigen und zu lauschen. Was die Meteoriten betrifft, so hat der Mensch bis heute noch keine wirklich wissenschaftlich begründete Information. Aus den bis jetzt bekannten Tatsachen wird geschlossen, dass sie Bruchstücke von Planeten sind, die im Weltall herumfliegen und manchmal durch die Anziehungskraft auf die Erde fallen. (Mauduudi)

 

6. Und für diejenigen, die sich gegen ihren Herrn auflehnen16, ist die Strafe der Hölle. Was für ein schlimmes Ende!

16. Wir haben gesehen, dass das Feuer in den Sternen die Schönheit und Ordnung der äußeren Welt sichtbar macht, und dennoch kann es brennen und zerstören, wenn es auf Widerstand und Disharmonie trifft. So verhält es sich auch in der moralischen und geistigen Welt. Was kann ein größeres Zeichen von Bösem, Disharmonie und Rebellion sein, als den Schöpfer und Erhalter abzuweisen, von Dem unser Leben abhängt und von Dem wir nichts als Güte erfahren? In diesem Fall ist die Strafe das Feuer in höchster Intensität, wie aus den beiden nächsten Ajas deutlich wird. (Juusuf `Allii)

 

7. Wenn sie dort hineingeworfen werden, hören sie ihr Aufheulen17, wie es hervorbricht, -

17. Vergleiche Suura 11:106 und die entsprechenden Fußnoten. Dort wurde das Wort "sahiq" (Schluchzer) dem Wort "safir" (Seufzer) gegenübergestellt: im ersten Fall wird der Atem eingezogen und im zweiten ausgeblasen. Hier wird letzteres durch das Verb "fara" (hervorströmen) ausgedrückt. In Suura 11:40 wurde damit das Hervorströmen oder Emporflammen des Feuers der Strafe geschildert. Das Feuer wird personifiziert: es hat eine wilde Gier, was seine Aufnahmefähigkeit anbetrifft, und die Flammen, die es auswirft, haben eine wilde Aggressivität. Letztendlich ist das Böse mit seinen eigenen Auswirkungen konfrontiert, ob diese durch siedendes Wasser oder durch Feuer dargestellt werden. (Juusuf `Allii)

 

8. Fast will sie zerbersten vor Wut18. Jedesmal, wenn eine Gruppe hineingeworfen wird, werden ihre Hüter sie fragen: „Ist denn kein Warner zu euch gekommen?"19

18. "Rays" الْغَيْظ bedeutet intensive Wut. (Darjabaadi)

19. Dies ist keine Frage, sondern eher ein Vorwurf, mit dem sie darauf aufmerksam gemacht werden, dass ihnen mit dieser Strafe kein Unrecht geschieht. Sie müssen zugeben, dass Allah sie sehr wohl gewarnt und ihnen durch seine Gesandten den rechten Weg gewiesen hatte, aber sie hatten auf die Gesandten nicht gehört. (Mauduudi)

 

9. Sie werden sagen: „O doch, es ist sehr wohl ein Warner zu uns gekommen, aber wir erklärten ihn zum Lügner und sagten: 'Allah hat niemals etwas herabgesandt, ihr könnt euch nur in einem großen Irrtum befinden'"20

20. Sie hatten nicht nur eichen zurückgewiesen oder ihnen getrotzt, sondern ihre Existenz an sich geleugnet oder sogar ihre Möglichkeit. Rechtschaffene Menschen und geistige Lehrer aber wurden verfolgt und verspottet (vergleiche Suura 36:30). Sie wurden als Narren oder Besessene bezeichnet. (Juusuf `Allii)

 

10. Und sie werden sagen: „Wenn wir doch nur gehört und unseren Verstand gebraucht hätten21, dann wären wir(jetzt) nicht unter den Bewohnern der Feuerglut!"22 ,

21. Der Mensch hat selbst die Fähigkeit bekommen, Gutes von Bösem zu unterscheiden, und die Lehren der großen Gesandten oder Lehrer helfen ihm dabei. Wenn solche Lehrer nicht persönlich mit einer Generation oder einem Individuum in Verbindung treten, kann die wahre Bedeutung ihrer Lehren doch durch die Vernunft verstanden werden, die Allah jedem Menschen verliehen hat, um dadurch Entscheidungen treffen zu können. (Juusuf `Allii)

22. Richtig gebrauchte Vernunft führt den Menschen zur Erkenntnis von Allahs Existenz und damit der Tatsache, dass Seiner Schöpfung ein bestimmter Plan zugrunde liegt. Gleichzeitig folgt die Erkenntnis, dass bestimmte Aspekte des Plans Allahs besonders die Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch - ständig durch die Offenbarungen enthüllt werden, die Allah Seinen Gesandten zukommen lässt. Diese angebotene "Verbindung mit Allah" (vergleiche Suura 2:27 und die entsprechenden Fußnoten) kann nur auf Kosten der geistigen Zukunft des Menschen abgebrochen werden, und die unausweichliche Alternative ist das Leiden im zukünftigen Leben. (Asad)

 

11. Also bekennen sie ihre Schuld. Doch hinweg mit den Genossen der Feuerglut23!

23. Sie sind durch das Feuer des Gerichts hindurchgegangen und ins Feuer der Strafe gelangt. Nicht nur ist ihnen jetzt die Realität deutlich, sondern sie können nach der Befragung durch die Engel nicht einmal mehr vorgeben, eine Entschuldigung zu haben. Sie werden ihre Fehler bereitwillig eingestehen. (Juusuf `Allii)

Also eine Reue, die zu spät kam. Sie nützt ihnen nichts mehr. (Anm. d. Übers.)

 

12. Wahrlich, diejenigen, die ihren Herrn fürchten, ohne Ihn zu sehen24, denen wird Vergebung und großer Lohn zuteil.

24. Der Ausdruck "bil rayb" بِالْغَيْب "im Verborgenen", "ungesehen") bedeutet sowohl die Furcht vor Allah. Den man nicht sehen kann, als auch Taqwa, während man selbst unbeobachtet ist. Das menschliche Herz ist mit Allah insgeheim und in Ehrfurcht verbunden: die ist der Maßstab für die Existenz des Gewissens. Die Verbindung mit ist die Grundlage, aus der Imaan stammt. (Qutb)

 

13. Haltet eure Worte25 geheim oder offenbart sie, - wahrlich Er kennt das Innerste der Herzen26,

25. Das Wort "qaul" قَوْل ("Rede" oder "Äußerung") wird oft im übertragenen Sinne von "Aussage" benutzt, beispielsweise einer Aussage im Islam einer Meinung, einer Lehre oder ähnlichem. Hier bezieht es sich allgemein auf die Aqida der Menschen, seien sie positiv oder negativ, daher auch die Pluralform in meiner Übersetzung. (Asad)

26. Er weiß, warum der eine an Ihn den Imaan verinnerlicht der andere Diins ablehnt. Er berücksichtigt voll die innersten Absichten, Fähigkeiten und Schwächen des Menschen. (Asad)

Dies richtet sich an alle Menschen, mu'min und kaafir. Der Muslim wird ermahnt, sich in seinem irdischen Leben immer daran zu erinnern dass nicht nur seine offenen und heimlichen Handlungen, sondern auch seine heimlichen Absichten und Gedanken Allah nicht verborgen bleiben. Für den ist dies eine Warnung davor, dass Allah nichts verborgen bleibt, was auch immer er tut. (Mauduudi)

 

14. Sollte Er etwa nicht (darum) wissen, Der (alles) erschaffen hat27? Er ist der Gütige28, der Allkundige.

27. Der Schöpfer muss notwendigerweise Seine eigenen Geschöpfe kennen. Damit wir aber nicht Sein Wissen an jenem unvollkommenen Wissen messen, das wir selbst besitzen, wird es weiter geschildert als Wissen um die feinsten Geheimnisse. Vergleiche auch Suura 22:63 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

28. Das im Original verwendete Wort "Al-Latif" اللَّطِيف bedeutet sowohl "Der Gütige", "Derjenige Der auf unbemerkte, feine Weise wirkt" als auch "Derjenige, Der alle verborgenen Wahrheiten kennt". (Mauduudi)

 

Abschnitt 2

15. Er ist es, Der Euch die Erde dienstbar gemacht hat29; so wandert dahin durch ihre Gegenden und genießt Seine Versorgung30. Doch zu Ihm wird die Auferstehung sein31.

29. "Suluul" ذَلُول wird in Suura 2:71 für ein abgerichtetes und lenkbares Tier benutzt. Hier bezeichnet es die Erde. Es ist dem Menschen gelungen, Strassen durch Wüsten und Gebirge zu bauen, Flüsse und Meere durch Brücken und mit Schiffen zu überqueren, durch die Luft zu reisen und andere Kommunikationsmittel zu erfinden. Aber dies alles konnte er nur tun, weil Allah ihn mit der notwendigen Intelligenz ausgestattet und die Erde dieser Intelligenz dienstbar gemacht hat. (Juusuf `Allii)

Er hat es dem Menschen leicht gemacht, auf der Erde zu leben. (Asad)

30. Unsere Versorgung stammt ausnahmslos aus Seiner Schöpfung, und dies geschieht durch Seine Herrschaft über alles. Dieser Sachverhalt wird noch verdeutlicht durch die für Menschen verständliche Aufforderung, diese Versorgung zu genießen. Es ist nicht das Eigentum irgendeines anderen, sondern Allah hat die Erde so eingerichtet, dass alle versorgt sind. Ob Pflanze oder Tier oder Mensch, Allah hat jedem das zur Verfügung gestellt, was er braucht. (Qutb)

31. Während Allahs Gaben beschrieben werden und Seine Gnadenerweise und wachsame Fürsorge in unserem vorübergehenden irdischen Leben, wird gleichzeitig deutlich gemacht, dass das endgültige Ziel das zukünftige Leben ist, nämlich das Leben nach der Auferstehung. (Juusuf `Allii)

 

16. Seid ihr denn sicher, dass Der, Der im Himmel ist32, nicht die Erde unter euch versinken lässt, dann wenn sie erbebt33?

32. Dieser Ausdruck ist selbstverständlich rein metaphorisch, denn Allah ist in Raum und Zeit unbegrenzt. Hier soll er wahrscheinlich die unfassbare Eigenschaft Seiner Existenz und Macht ausdrücken, die jeden Aspekt Seiner kosmischen Schöpferkraft durchdringt und sich darin offenbart. Dies wird durch den Begriff "Himmel" symbolisiert. (Asad)

Dies bedeutet nicht, dass Allah im Himmel lebt, sondern es wurde so gesagt, weil der Mensch unwillkürlich zum Himmel aufblickt, wenn er sich an Allah wendet, und seine Hände zum Himmel hebt. (Mauduudi)

33. Vergleiche Suura und 28:76-82 und die entsprechenden Fußnoten. Wenn wir uns auf dem Lande sicher fühlen, liegt das daran, dass Allah diese Erde dienstbar gemacht hat (siehe oben Aja 15). Wenn wir aber trotzig entgegentreten und Sein Gesetz brechen, haben wir dann irgendeine Garantie, dass uns diese vergleichsweise unbedeutende Sicherheit in einer vergänglichen Welt erhalten bleibt? Vom rein physischen Standpunkt her gesehen - gibt es nicht furchtbare Erdbeben und Stürme? (Juusuf `Allii)

 

17. Oder seid ihr sicher, dass Der, Der im Himmel ist, nicht einen Sturm mit Steinhagel über euch kommen lässt34, dann werdet ihr wissen, wie (ernst) Meine Warnung ist35?

34. Vergleiche Suura 17:68 und 29:40 sowie die entsprechenden Fußnoten. Ein solcher Sturm zerstörte die lasterhaften Städte, die sich Luuts Warnungen widersetzten. (Juusuf `Allii)

Wörtlich: ein Sturm, der Steine vor sich her treibt. (Asad)

Eurer Überleben und Wohlergehen auf diese Erde hängt zu jeder Zeit von Allahs Gnade ab. Ihr stolziert nicht aus eigener Kraft auf der Erde einher. Ihr verdankt en Schutz in jedem Augenblick eures Lebens, den ihr hier verbringt; sonst könnte Allah sehr wohl ein solches Erdbeben geschehen lassen, dass die Erde nicht mehr eure Wiege, sondern euer Grab ist, oder einen Sturm, der eure Ansiedlungen hinwegfegt. (Mauduudi)

35. "Meine Warnung": nämlich die Warnung, die durch den Propheten und den Qur'an zu den kaafir Makkanern kam. (Mauduudi)

Wie wahr Meine Warnung war. (Darjabaadi)

Wie furchtbar Meine Warnung war. (Juusuf `Allii)

 

18. Schon diejenigen, die vor ihnen36 waren, wiesen Meine Zeichen zurück, leugneten (sie), und wie (schrecklich) war Meine Abrechnung37!

36. "Vor ihnen": Das Personalpronomen bezieht sich auf Menschen aller Zeiten, - so wie auch der ganze Abschnitt, der mit Aja 13 beDschinnt - die hier daran erinnert werden, was mit denen geschieht, die die Wahrheit leugnen. (Asad)

37. Dem Menschen wurde von Allah gewisse Macht verliehen. In Wirklichkeit verbleibt jedoch letztendlich dieses Dasein in der Hand seines Schöpfers, und Seine Gesetze bleiben gültig und zeigen dem Menschen seine Grenzen, wenn er übermütig wird und seine Macht missbraucht. (Qutb)

Vergleiche Suura 22:42-44 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

 

19. Sehen sie denn nicht die Vögel über sich38, mit ausgebreiteten Schwingen und wie sie sie zusammenfalten39? Kein anderer hält sie (in der Luft) als der Erbarmer40. Fürwahr, Er ist aller Dinge gewahr41.

38. Der Flug der Vögel ist eins der schönsten und wunderbarsten Naturphänomene. Die Anordnung ihrer Federn und Knochen und ihr stromlinienförmiger Körper sind Beispiele zweckmäßiger Anpassung. Sie gleiten mit ausgestreckten Flügeln, vollführen Sturzflüge mit zusammengefalteten Flügeln, bewegen sich nach oben und nach unten oder fliegen in der Luft geradeaus und ruhen auf ihren Füssen aus. Dies alles hat dem Menschen viele Erkenntnisse für die Luftfahrt vermittelt. Aber wer hat die Vögel ihr wunderbares Verhalten gelehrt'? Niemand anderes als Allah, der in Seiner unendlichen Barmherzigkeit für jedes Geschöpf genau die Lebensbedingungen schafft, die für sein Leben am günstigsten sind. (Juusuf `Allii)

39. Im arabischen Original wurde dies auf so kunstvolle Weise formuliert, dass es nicht in einer Übersetzung wiedergegeben werden kann. "Saffaat" صَافَّات (ihre Flügel ausbreitend) ist in der Form des Partizip Aktiv ausgedrückt, womit das stetige Gleiten mit ausgebreiteten Flügeln angedeutet wird, während "jaqbidna" يَقْبِضْنَ (sie zusammenfalten) im Aorist steht, der auf das Flügelschlagen anspielt. (Juusuf `Allii)

40. Jeder Vogel, der in der Luft fliegt, tut dies unter dem Schutz des allmächtigen Gottes. Er hat jedem Vogel die Form und den Körperbau gegeben, die ihm das Fliegen ermöglichen; Er hat jeden Vogel das Fliegen gelehrt. Er hat die Luft solchen Gesetzmäßigkeiten unterworfen, dass das Fliegen überhaupt erst möglich wird. (Mauduudi)

41. Dies gilt nicht nur für Vögel, sondern für alles andere, was in der Welt existiert. Es existiert nur, weil Allah darüber wacht und es im Dasein erhält. Er allein sorgt für den Lebensunterhalt aller Dinge, und Er allein wacht darüber, dass alle Seine Geschöpfe alles Lebensnotwendige erhalten. (Mauduudi)

 

20. Oder wer sind die Soldaten, die euch zu Hilfe kommen könnten wider den Allerbarmer42? Doch die Kaafirs beharren in trügerischem Übermut43.

42. Auch die größte Armee, die der Mensch mobilisieren kann, nützt nichts gegen Allahs Zorn während Allahs wachsame saure Fürsorge für uns alles bedeutet und wir nicht ohne sie leben können. Wenn die Kaafirs anderswo als bei Allah Segen suchen, folgen sie einer Illusion. (Juusuf `Allii)

43. Wer außer Allah kann für euch eine Streitmacht sein und euch retten? (Darjabaadi)

 

21. Oder wer ist da, der euch versorgen könnte, wenn Er Seine Versorgung zurückhält44? Doch nein, sie verharren in Widersetzlichkeit45 und heftigem Abscheu46.

44. "Versorgung" oder "Lebensunterhalt" bezieht sich hier wie an anderen Stellen (beispielsweise in Suura 16:73; vergleiche. auch die entsprechenden Fußnoten) auf alles, was notwendig ist, Leben in aller Form zu erhalten und zu entwickeln. Allah ist der Ursprung aller unserer Versorgung. Wenn wir darauf bestehen, unsere Versorgung anderswo zu suchen, laufen wir einer Fata Morgana nach, und beim genaueren Hinsehen müssen wir feststellen, dass wir nur hartnäckigen Impulsen des Trotzes und der Rebellion folgen. (Juusuf `Allii)

45. Statt dem geraden Weg der Vernunft und des Islams zu folgen. (Darjabaadi)

46. Eine Flucht vor der Wahrheit. (Juusuf `Allii)

 

22. Ist also jemand, der mit gesenktem Kopf einhergeht47, besser geleitet48, als jemand, der aufrecht auf einem geraden Weg geht49?

47. Wörtlich: mit zu Boden gewandtem Gesicht. (Anm. d. Übers.)

Vergleiche Suura 27:90 und entsprechenden Fußnoten. Der Redliche geht gleichmäßig auf dem geraden Weg voran. Seine Füße werden durch Licht geleitet und sein Herz wird von Allahs Gnade gestärkt. Wer das Böse wählt, der kriecht mit nach unten gerichtetem Gesicht auf finsteren Pfaden herum, stolpernd und in ständigen Ängsten vor dem Bösen. Zwischen diesen beiden Menschen liegen Welten, obgleich sie auf derselben Erde leben, dieselben Zeichen sehen und von derselben Gnade Allahs im Dasein erhalten werden. (Juusuf `Allii)

Er sieht nur das, was unmittelbar unter seinen Füssen liegt, und ist völlig gleichgültig, wohin sein Weg führt. Dies ist ein Gleichnis für die geistige Abstumpfung, die einen Menschen daran hindert, sich um etwas zu kümmern, was jenseits seiner unmittelbaren irdischen Interessen liegt, und die ihn mit einem Wurm vergleichbar macht, der "auf seinem Gesicht kriecht-. (Asad)

48. Wird er vielleicht eher sein Ziel erreichen? (Darjabaadi)

49. Das ist derjenige, der sich dem Willen seines Allahs beugt und, Ihn lobend und preisend, in Harmonie mit der gesamten Schöpfung auf dem breiten und geraden Weg geht. (Anm. d. Übers.)

 

23. Sprich50: „Er ist es, Der euch erschaffen hat51 und euch das Gehör, das Augenlicht und das Herz52 gegeben hat. Wie wenig habt ihr Ihm gedankt53!“

50. Der Lehrer soll ununterbrochene Aufmerksamkeit auf Allah lenken, den Ursprung allen Wachstums und aller Entwicklung, Der die Fähigkeiten verleiht, die uns Urteilsfähigkeit ermöglichen und zu immer höherer geistiger Würde gelangen lassen. Und dennoch ist unsere Eigenwilligkeit so groß, dass wir diese Fähigkeiten missbrauchen und damit Allah Undankbarkeit entgegenbringen. (Juusuf `Allii)

51. Zu den Wundern der Schöpfung Allahs gehört, dass Er aus einem einzigen Menschen so viele von uns hervorgebracht hat, und jedes Individuum hat so viele verschiedene Anlagen und Fähigkeiten, und dennoch sind wir eine Einheit.

Dies betont die Einheit der Menschheit. Die verschiedenen Menschenrassen, so sehr sie sich auch unterscheiden mögen, haben dennoch denselben Ursprung und dieselben Ahnen. (Darjabaadi)

52. Das heißt mit Gefühl ebenso wie mit der Fähigkeit zum vernünftigen Denken. (Asad)

53. Es ist Undankbarkeit, sich von Ihm abzuwenden und Seine Gaben für falsche Ziele zu missbrauchen. (Darjabaadi)

 

24. Sprich: „Er ist es, Der euch auf Erden mehrte54, und zu Ihm werdet ihr versammelt werden55,"

54. Die Menschheit, die von ein und demselben Elternpaar abstammt, hat sich vermehrt und über die ganze Erde verteilt. Die Menschen haben sich nicht nur zahlenmäßig vermehrt, sondern sie haben unterschiedliche Sprachen und Charakteristika entwickelt, sowohl innerlich wie auch äußerlich. Aber am Ende der Zeiten werden sie alle wieder zu Ihm versammelt. (Juusuf `Allii)

55. Dieses Ende sollen wir uns immer vor Augen halten. (Darjabaadi)

 

25. Und sie fragen: „Wann wird dieses Versprechen in Erfüllung gehen, wenn ihr wahrhaft seid56?“

56. Die Kaafirs sind skeptisch, aber sie bekommen ihre Antwort in den nächsten beiden Ajas. (Juusuf `Allii)

Sie stellten diese Frage nicht, um den Zeitpunkt der Auferstehung zu erfahren, sondern sie hielten die Auferstehung für unmöglich und stellten diese Frage, um einen Vorwand für ihre ablehnende Haltung zu haben. (Mauduudi)

 

26. Sprich: „Wahrlich, das Wissen (darum) ist bei Allah57. Ich bin fürwahr nur ein deutlicher Warner58.“

57. Der Gerichtstag wird sicher kommen. Der genaue Zeitpunkt ist jedoch nur nett bekannt. Pflicht des Propheten ist es, dies offen und deutlich zu verkünden. Es ist nicht seine Aufgabe zu strafen oder die Strafe zu beschleunigen. Vergleiche auch Suura 22:47-49 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

58. Ich soll nur die Tatsache verkünden, nicht den Zeitpunkt. (Darjabaadi)

Ebenso verhält es sich mit dem Augenblick des Todes. Jeder weiß, dass er einmal sterben muss, aber niemand weiß, wann. Die Kenntnis des Zeitpunktes ist auch irrelevant für die damit verbundene Warnung. (Mauduudi)

 

27. Doch wenn sie es nahe sehen, verzerren sich die Gesichter derjenigen, die (die Botschaft) zurückwiesen59 und es wird gesagt werden: „Dies ist es, wonach ihr zu verlangen pflegtet60?“

59. Die Erfüllung der Verheißung, den Tag des Gerichts. Wenn er tatsächlich unmittelbar bevorsteht, erkennen die Kaafirs, dass diejenigen, die sie ihres wegen verspottet hatten, recht hatten, und dass sie, die Skeptiker, sich furchtbar getäuscht hatten. (Juusuf `Allii)

60. Sie hatten sie trotzig herausgefordert. Jetzt, wo sie unmittelbar bevorsteht und es zu spät zur Umkehr ist, herrscht "Heulen und Zähneklappern". (Juusuf `Allii)

 

28. Sprich: „Überlegt doch - wenn Allah mich und die, die mit mir sind, sterben lassen oder sich unser erbarmen würde61 - wer könnte die Kaafirs vor schmerzlicher Strafe bewahren62"

61. Die Götzendiener, die die Botschaft Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zurückwiesen, warteten nur darauf, dass er und seine wenigen Anhänger sterben würden und sie wären sie los. Sie dachten nicht daran, dass selbst das sie nicht vor der schmerzlichen Strafe schützen würde. (Qutb)

Die Skeptiker sagen vielleicht zu den Rechtschaffenen: „Wenn ein Unheil kommt, trifft es Gute ebenso wie Böse, so wie ihr ja auch sagt, dass Allah Gute und Böse versorgt." Die Antwort darauf lautet: „Macht euch keine Sorgen um uns; selbst wenn wir und alle Muslime vernichtet werden, kann das für euch kein Trost sein. Eure Kufr bringt euch Leiden, und niemand kann es abwehren. Wenn uns Leiden trifft, so nehmen wir es als etwas, das uns läutern soll, denn wir an Allahs Güte und vertrauen auf Ihn." Siehe auch den nächsten Aja. (Juusuf `Allii)

62. Als Unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in Mekka sein Wirken begann und Mitglieder verschiedener Sippen der Quraisch anfingen, den Islam anzunehmen, begann man allerorts, ihn und seine Gefährten zu verfluchen. Man versuchte, ihm durch Magie Schaden zuzufügen oder ihn zu töten. Hier soll er zu diesen Menschen sagen: „Was nützt es euch, ob wir sterben oder durch Gnade am Leben bleiben? Ihr solltet euch um euch selbst kümmern und überlegen, wie ihr euch vor Allahs Zorn retten wollt." (Mauduudi)

 

29. Sprich: „Er ist der Erbarmer63, Wir verinnerlichen den Imaan an Ihn und in Ihn setzen wir unser Vertrauen64 Bald schon werdet ihr wissen, wer (von uns) es ist, der sich in offenkundigem Irrtum befindet65,

63. Darauf beruht unser Wohlergehen im zukünftigen Leben. (Darjabaadi)

64. Deswegen können wir unsere Sorgen und Heimsuchungen in dieser Welt als Prüfung verstehen. (Darjabaadi)

65. „Unser Imaan lehrt uns, dass Allah uns vor allem Schaden errettet, wenn wir aufrichtig bereuen und ein rechtschaffenes Leben führen. Ihr habt keine solche Hoffnung. Wenn die wahren Werte wieder hergestellt werden, werdet ihr sehen, ob wir Unrecht hatten oder Ihr." (Juusuf `Allii)

 

30. Sprich: „Überlegt doch - wenn das Wasser eurer Brunnen in den Boden versickert, wer könnte euch dann frisches Wasser bringen66?"

66. Diese Suura schließt mit einer Parabel von einer lebenswichtigen Tatsache aus unserem physischen Leben, die uns hilft, unser geistiges Leben zu verstehen. Was würde in unserem Alltag geschehen, wenn wir eines Morgens aufwachten und feststellen müssten, dass alle Brunnen und Quellen versiegt sind und alles Wasser im Boden versickert ist? Nichts könnte unser Leben retten. Ohne Wasser können wir nicht leben. So verhält es sich im geistigen Leben. Seine Brunnen und Quellen sind in der  Weisheit Allahs. Allah ist die wahre Quelle dieses Lebens und der Ursprung aller Lebensformen. Wir müssen nach Seiner Gnade und Barmherzigkeit streben. Seine Weisheit und Seine Barmherzigkeit ist wie frisches Quellwasser. (Juusuf `Allii)

 

Einführung zu Suura 68

Dies ist eine sehr frühe makkanische Offenbarung. Die allgemeine Ansicht der Muslime ist die, dass ein großer Teil davon in der zeitlichen Abfolge der Offenbarung an zweiter Stelle steht, während die Ajas 1-5 von Suura 96 die älteste Offenbarung ist.

Nachdem in der vorigen Suura die wahre Realität den von Menschen gemachten falschen Werten entgegengehalten wurde, wird dieses Thema hier durch tatsächliche historische Ereignisse veranschaulicht. Unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war der vernünftigste und weiseste aller Menschen. Wer ihn jedoch nicht begreifen konnte, bezeichnete ihn als verrückt oder besessen. So ist es in jedem Zeitalter, dass Wahrheit als Trug und Weisheit als Torheit bezeichnet wird, während andererseits Egoismus als Vorausplanung und Arroganz als Macht verherrlicht wird. Der Gegensatz zwischen diesen beiden Arten von Menschen und ihrem wirklichen inneren Wert wird hier herausgestellt. (Juusuf `Allii)

Zusammenfassung:

Die Guten sollen ihre Arbeit fortsetzen, trotz aller Beschimpfungen der Bösen; alle sollen sich an Allah erinnern, vor Dessen Gericht alle Menschen stehen werden. Wer oft an Allah denkt, der hat ein Herz für die Armen und genießt im Jenseits großen Lohn. (Ajas 1-33)

Das wahre Urteil geht von Allah aus und nicht von den falschen Normen und Werten der Menschen. (Ajas 34-52)

 

Die Schreibfeder

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

1. Nuun1. Bei der Schreibfeder2 und dem, was sie (damit) niederschreiben 3, -

1. "Nun"  نist ein arabischer Buchstabe. Vergleiche auch Suura 2:1 und die entsprechenden Fußnoten.

2. Chronologisch tritt hier zum ersten Mal einer der arabischen Buchstaben auf, die einer Anzahl von Suuras im Qur'an vorangestellt sind. Einige der frühen Kommentatoren, die bei Tabari ausführlich zitiert werden, nehmen an, dass der Buchstabe "nun" hier für das ebenso ausgesprochene Nomen steht, das einen großen Fisch oder ein Tintenfass bezeichnet. Dies wird jedoch aus grammatischen Gründen von anderen Autoritäten (beispielsweise Samachsari und Rasi) abgelehnt. (Asad)

2. Der Schwur Allahs bei der Schreibfeder und beim Schreiben unterstreicht ihre besondere Bedeutung für die Menschheit und ist gleichseitig ein Ansporn für die Anhänger dieser Religion, die zum größten Teil Analphabeten waren, das Schreiben zu lernen, um den Qur'an damit zusätzlich (zum Auswendiglernen - Anm. d. Übers.) festzuhalten und um den wertvollen Zweigen der menschlichen Wissenschaft einen großen Schub zu geben. (Qutb)

3. Bei den Aufzeichnungen, die die Menschen schreiben. Juusuf `Allii)

Die Engel registrieren den Ratschluss Allahs. (Darjabaadi)

Vergleiche auch Suura 96:3-5 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

 

2. Du bist - dank der Gnade deines Herrn- kein Besessener4.

4. Die Leute bezeichnen gewöhnlich jemanden als verrückt, wenn seine Maßstäbe von den ihrigen abweichen. Abergläubische Menschen führen dies darauf zurück, dass der Betreffende von Dämonen besessen ist.

"Da gingen die Leute hinaus, um zu sehen, was geschehen war, und kamen zu Jesus und fanden den Menschen, von dem die bösen Geister ausgefahren waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und vernünftig, und sie erschraken". Lukas 8:35 (Juusuf `Allii)

Im weitesten Sinne besieht sich dies nicht allein auf den Propheten, sondern auch auf alle, die ihm nachfolgen, also auf alle, die ihre ethischen Werte mit ihrem       an Allah und an das zukünftige Leben begründen. (Asad)

 

3. Und dir wird ganz bestimmt unendlicher Lohn zuteil5,

5. Nicht nur war der Mann Allahs nicht verrückt, sondern er wurde zu hoher geistiger Würde erhoben, ein Lohn, der nicht vergänglich ist wie irdische Belohnungen, sondern in seinem innersten Wesen verwurzelt war und nie von ihm genommen werden sollte. Sein Wesen und sein Charakter war über alles Leid und alle Trauer, alle Verleumdungen und Verfolgungen erhaben. (Juusuf `Allii)

 

4. Und du bist wahrlich von edlem Charakter6.

5. Bald schon wirst du sehen und (auch) sie werden sehen7,

6. Der Begriff "huluq" خُلُق bezeichnet den "Charakter", die "innere Anlage" oder die "Natur" einer Person im weitesten Sinne ebenso wie ihr "Verhalten", das hier zu einer "zweiten Natur" wird. Ich habe ihn mit "Lebensweise" übersetzt, denn Abdullah ibn Abbas setzt ihn hier mit "diin" gleich. Nach mehreren gut belegten Überlieferungen betonte A'ischa, wenn sie viele Jahre nach dem Tod des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, von ihm sprach, immer wieder, dass- seine Lebensweise (huluq) der Qur'an gewesen sei. (Asad)

7. Obwohl der Charakter unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, diesen weit über den kleinlichen Trotz seiner Zeitgenossen hinaushob, wird hier an deren Vernunft appelliert und auf die Logik der Ereignisse Bezug genommen. Waren nicht in Wirklichkeit seine Verleumder besessen? Was geschah mit Walid ibn Mudschira oder Abu Dschachl oder Abu Lahab? Oder andererseits mit dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und allen, die seiner Rechtleitung folgten? Die Weltgeschichte antwortet darauf. Und dieser Appell richtet sich nicht nur an die Zeitgenossen des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sondern gilt für alle Zeiten. (Juusuf `Allii)

 

6. Wer von euch der Besessene ist.

7. Wahrlich, es ist dein Herr, Der am besten weiß, wer von Seinem Weg abirrt und Der die am besten kennt, die sich rechtleiten lassen8.

8. Der Mensch hat falsche Werte und Normen aufgestellt. Die wahren Werte sind Allahs Werte. Denn Sein Wissen ist vollkommen und allumfassend; Er erkennt verborgene Absichten ebenso wie Dinge, die den Menschen sichtbar sind; und Er kennt die vergangene Geschichte, in der die Wurzeln unseres gegenwärtigen Verhaltens liegen, ebenso wie die zukünftigen Folgen unseres Handelns. (Juusuf `Allii)

 

8. Darum gehorche nicht denen, die (Allahs Offenbarung) ablehnen9.

9. Die Feinde der Wahrheit Allahs täuschen sich oft selbst. Aber oft haben sie auch trotz ihres Wunsches, die Augen zu verschließen, eine vage Vorstellung von der Wahrheit. Dann  schließen sie Kompromisse und hätten es gern, dass der Lehrer der unbequemen Wahrheiten auf ihre Kompromisse eingeht. Eine solche Einigung würden sie nur begrüßen. Dieser leichte Weg, aus beiden Welten das Beste zu machen, bringt den Besten von uns in Versuchung, wir müssen uns davor hüten, wenn wir zur Gemeinschaft der Rechtschaffenen gehören wollen, die ihr Leben Allahs Willen unterstellen. Abu Dschachl gehörte zu denen, die dem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, immer wieder unmögliche Kompromisse vorschlugen. (Juusuf `Allii)

 

9. Sie möchten, dass du ihnen Entgegen kommen zeigst10, dann würden auch sie Entgegenkommen zeigen11.

10. Dass du ihnen Götzendienst und andere unehrenhafte Handlungen zugestehst. (Darjabaadi)

11. Sie würden dich dann nicht mehr beleidigen und verfolgen. (Darjabaadi)

 

10. Und gehorche nicht jedem verächtlichen12 Schwüremacher13,

12. Die im folgenden aufgezählten moralischen Verfehlungen werden selbstverständlich nur als Beispiele für die Charaktereigenschaften eines Menschen erwähnt, von dessen Sympathien und Antipathien man sich nicht beeinflussen lassen soll. (Asad)

13. Nur Lügner schwören bei jedem Anlass, denn keiner glaubt ihnen mehr auf ihr gewöhnliches Wort hin. Das Wort des Ehrlichen genügt. (Juusuf `Allii)

 

11. Jenem Verleumderischen, der umhergeht und üble Nachrede verbreitet14,

14. Man sagt, dass es sich hier um Walid ibn Murira handelt, dessentwegen auch Suura 74:11-26 offenbart wurde (vergleiche die Fußnoten dort). Von ihm sind viele Verleumdungen gegen unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ausgegangen. (Qutb)

Diese einzelnen abscheulichen Eigenschaften sind nicht ungewöhnlich, aber ihre Verbindung macht einen Menschen abscheulich, wie es bei Walid ibn Murira der Fall war, dem Rädelsführer bei der Verleumdung des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, der nicht lange nach der Schlacht von Badr ein schlimmes Ende fand. (Juusuf `Allii)

 

12. der das Gute verhindert15, Übertretungen begeht und tief in Sünde verstrickt ist,

15. Das Wort "hayr" خَيْر wird im Arabischen sowohl für "Reichtum" als auch für „Gutes" benutzt. Auf Reichtum bezogen würde es hier bedeuten, dass der Betreffende knauserig und geizig ist und niemandem etwas gibt. Auf Gutes und gute Charaktereigenschaften bezogen würde es bedeuten, dass er sich guten Handlungen in den Weg stellt und die Menschen daran hindert, den Islam anzunehmen. (Mauduudi)

 

13. Von grobem Benehmen16 und überdies ein Taugenichts17 

16. Neben dem, der sich selbst täuscht, und dem Leichtsinnigen gibt es hier einen noch niedrigeren Menschentypus. Er hat keine Vorstellung von Wahrhaftigkeit oder Aufrichtigkeit. Er ist bereit, jedem seine Freundschaft und jeder Sache seine Treue zu schwören. Gleichzeitig verleumdet er andere und verursacht Misstrauen zwischen guten, aber leichtgläubigen Menschen. Böses erscheint ihm gut und Gutes böse. Nicht nur verfolgt er selbst üble Wege, sondern er will auch andere daran hindern recht zu handeln. Wenn er daran gehindert wird, greift er zu Gewalt. In jedem Fall mischt er sich in Dinge ein, auf die er kein Anrecht hat, indem er vorgibt, Verbindung mit Kreisen zu haben, die sich in Wirklichkeit gern von ihm distanzieren würden. Er bildet sich etwas auf seinen Reichtum oder seine Anhängerzahl ein, und Religion ist für ihn nur alter Aberglaube. (Juusuf `Allii)

Der Begriff "’utul" عُتُل - von dem Verb "atala" („er schleifte jemanden oder etwas auf grausame und rücksichtslose Weise") -wird gebraucht, um eine Person zu bezeichnen, die in sich selbst die Eigenschaften von Gier und Grausamkeit vereinigt. (Asad)

17. Die Kommentatoren interpretieren den Begriff "sanim" زَنِيم auf unterschiedliche Weise. Allem Anschein nach ist es von "sanama" abgeleitet, womit die Kehllappen einer Ziege bezeichnet werden, die keine physische Funktion haben. Der Begriff "sanim" würde dann jemanden bezeichnen, der unerwünscht und nutzlos ist. Es ist daher anzunehmen, dass jemand gemeint ist, der im sozialen Sinne nutzlos, ist. (Asad)

Das Wort "sanim" wird auch für jemanden benutzt, der nicht wirklich einem Familienverband angehört. Nach einigen Kommentatoren bezeichnet es eine Person, die notorisch Böses tut. (Mauduudi)

 

14. Nur weil er Reichtum und Söhne besitzt18.

18. Dieses "weil" kann an das "gehorche nicht" in Aja 10 oder an das "grobe Benehmen" in Aja 13 oben anschließen. Im ersteren Fall würde es heißen: "Beachte nicht die Menschen mit einem solchen Charakter, nur weil sie über Reichtum und Einfluss verfügen." Im letzteren Falle würde es außen: Dieser Mensch ist gewalttätig und grausam, weil er sich etwas auf seinen Reichtum und Einfluss einbildet." Vor Allah ist ein solcher Mensch jedenfalls wertlos. (Juusuf `Allii)

 

15. Wenn ihm Unsere Zeichen vorgetragen werden19, sagt er (nur): „Das sind Fabeln der Alten20.“

19. Allahs Zeichen, durch die Er uns ruft, sind überall - in der Natur und in unserem eigenen Inneren. In der Offenbarung ist jeder Aja ein "Zeichen", das symbolisch für mehr steht als das, was er aussagt. "Zeichen" (Aja) wird somit zum Fachausdruck für einen Aja des Qur'an. (Juusuf `Allii)

20. Vergleiche Suura 6:25 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

Der Begriff "Baluun" بَلَوْن (wörtlich: "Söhne") wird im Qur'an oft im übertragenen Sinne für Anhänger oder Arbeitskraft benutzt; in Verbindung mit dem Wort mal ("irdische Güter") soll es eine bestimmte Mentalität beschreiben, die Eigentum und Einfluss eine pseudoreligiöse Bedeutung gibt und diese sichtbaren Zeichen irdischen Erfolges als Beweis der "Rechtschaffenheit" einer Person wertet, die keine weitere Rechtleitung braucht. (Asad)

Da er so stolz auf seinen Reichtum und Einfluss ist, lehnt er Islam als "Fabeln der Alten" ab. (Mauduudi)

 

16. Bald schon werden Wir seine Nase21 brandmarken!

21. Wörtlich: "Rüssel", der empfindlichste Körperteil eines Schweines. Der Ungerechte macht sich selbst zum Tier und wird nun auf diese Weise unter Kontrolle gebracht. (Juusuf `Allii)

Alle Kommentatoren weisen darauf hin, dass dies ausschließlich im übertragenen Sinne verstanden werden muss: "Wir werden ihn mit unvorstellbarer Schande kennzeichnen." (Asad)

 

17. Wir haben sie fürwahr einer Prüfung unterzogen22, so wie Wir die Besitzer des Gartens geprüft haben23, als sie schworen, dass sie am Morgen alle Früchte ernten würden24.

22. Indem ihnen ein Wohlstand gewährt wird, der in keinem Verhältnis zu ihren moralischen Verdiensten steht. (Asad)

23. "Warum geht es den Bösen so gut?" ist eine Frage, die in allen Zeitaltern gestellt wird. Die Antwort ist nicht einfach. Sie muss sich auf folgendes beziehe

1. die Willensfreiheit des Menschen;

2 seine moralische Verantwortlichkeit;

3. die Notwendigkeit, seinen Willen mit dem Willen Allahs in Einklang zu bringen;

4. Langmut und Geduld, die den weitest möglichen Spielraum für

5. Seine Gnade lässt; und

6. schließlich auf die Natur der geistigen Strafe, die nicht einfach eine abrupte oder willkürliche Handlung ist, sondern ein langer, allmählicher Prozess, in dem es in jedem Stadium Gelegenheit zu Reue und Umkehr gibt.

Alle diese Punkte werden auf bemerkenswerte Weise in der Parabel von den Leuten im Garten veranschaulicht, wo auch die Gier, der Egoismus und die Rücksichtslosigkeit des Menschen aufgezeigt wird sowie seine Neigung, die Schuld anderen zuzuschieben, solange er nur einen Sündenbock finden kann. All dies wird verdeutlicht, aber die Gnade Allahs ist grenzenlos, und selbst nach den schwersten Verfehlungen und Strafen gibt es Hoffnung auf einen besseren Garten als den verlorenen, wenn nur die Reue aufrichtig sich der Betreffende völlig Allahs Willen unterstellt. Wenn es jedoch trotz alledem keine Unterordnung unter Willen gibt, dann ist die Strafe im zukünftigen Leben unvergleichlich größer als die kleineren Heimsuchungen in der Parabel. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 18:32-44. (Mauduudi)

24. Ausschließlich für sich selbst und ohne etwas davon abzugeben, wie es der Gewohnheit ihres Vaters entsprochen hatte. (Darjabaadi)

 

18. Und sie wollten nichts zurückhalten (für die Bedürftigen)25.

25. Bei allen unseren Plänen müssen wir immer daran denken, dass ihr Erfolg davon abhängt, wie weit sie mit Allahs Willen und Plan übereinstimmen. Sein allumfassender Wille steht über allen Dingen. Diese unvernünftigen Männer hatten sich heimlich vorgenommen, den Armen ihre legitimen Rechte vorzuenthalten, aber sie kamen in eine Situation, in der sie dies nicht mehr tun konnten. Was sie anderen vorenthalten wollten, blieb ihnen selbst vorenthalten. (Juusuf `Allii)

Dies knüpft an die rhetorische Frage in Aja 14-15 oben an. (Asad)

 

19. Da kam eine Heimsuchung von deinem Herrn über den Garten26, während sie schliefen.

26. Ein furchtbarer Sturm vernichtete ihre Früchte und Bäume. Der ganze Garten war nicht mehr wieder zu erkennen. (Juusuf `Allii)

 

20. So war er am Morgen wie bereits ab geerntet27.

27. Wie ein verlassener Ort, dessen Früchte bereits geerntet waren. (Juusuf `Allii)

 

21. Und als der Morgen anbrach, riefen sie einander zu:

22. „Geht hinaus zu eurem Feld, wenn ihr die Früchte pflücken wollt28!"

28. Als sie aufwachten, war ihnen nicht klar, dass der Garten bei dem nächtlichen Sturm zerstört worden war. Sie waren in ihre eigennützigen Träumereien verstrickt und glaubten, wenn sie nur früh genug gingen, dann könnten sie die Armen um ihren Anteil betrügen. Siehe auch die nächste Fußnote. (Juusuf `Allii)

 

23. So machten sie sich auf und redeten dabei im Flüsterton miteinander:

24. „Heute soll kein einziger Armer zu euch (in euren Garten) hineinkommen29."

29. Die Armen haben ein Anrecht auf einen Teil der Ernte. Die reichen Eigentümer dieses Gartens wollten ihnen ihre Rechte vorenthalten, aber ihre Gier wurde bestraft, so dass sie selbst einen viel größeren Verlust erfahren mussten. Sie wollten betrügen und hatten nicht einmal den Mut, den Betrogenen gegenüberzutreten. Durch ihre Handlung am frühen Morgen wollten sie den Anschein erwecken, sie seien sich der Rechte der anderen gar nicht bewusst. (Juusuf `Allii)

Da es sich hier um eine gesellschaftliche Verfehlung handelt, schließt dies an Aja 10-13 oben an. (Asad)

 

25. Und mit dieser Absicht gingen sie in der Frühe hinaus30.

30. In ungerechter Entschlossenheit. (Juusuf `Allii)

Das arabische Wort "hard" حَرْد steht für Vorenthalten. (Asfahani)

 

26. Doch als sie (den Garten)31 sahen, riefen sie aus: „Wir haben sicherlich den Weg verfehlt32!"

31. Er war völlig zerstört und hinweggeblasen. (Darjabaadi)

32. Alle ihre Träume waren dahin, als sie entdeckten, dass ihr Garten so zerstört war, dass man ihn kaum wieder erkennen konnte. Wo sie eine reiche Ernte erwartet hatten, gähnte ihnen eine Wildnis entgegen. Ihr erster Gedanke galt ihrem eigenen persönlichen Verlust, dem Verlust ihres Arbeitseinsatzes und dem Verlust ihres Kapitals. Sie hatten anderen einen Anteil an ihrer Ernte vorenthalten wollen, verloren sie nun aber selbst. (Juusuf `Allii)

 

27. Nein, uns sind (die Früchte unserer Arbeit) vorenthalten worden33!"

33. Wir haben die Früchte unserer Arbeit verloren. Vergleiche auch Suura 56:67 und die entsprechenden Fußnoten. Vergleiche auch die letzte Fußnote. (Juusuf `Allii)

 

28. Da sagte der Gerechteste von ihnen34: „Habe ich euch nicht gesagt: 'Ihr sollt Allah lobpreisen35?“

34. Dieser Mann war nicht notwendigerweise rechtschaffen, aber es gibt verschiedene Abstufungen der Schuld. Er hatte sie gewarnt, sich dann aber ihren ungerechten Plänen angeschlossen. (Juusuf `Allii)

35. Ihr hättet den Menschen gegenüber großzügig und Allah gegenüber demütig sein sollen. (Darjabaadi)

Vergleiche auch oben Aja 13 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

 

29. Sie sagten: „Gepriesen sei unser Herr! Wir waren fürwahr ungerecht36!“

36. Erst jetzt, nachdem sie diese bittere Erfahrung haben machen müssen! (Qutb)

 

30. Und sie wandten sich einander zu und machten sich gegenseitig Vorwürfe37.

37. Wenn Gier oder Unrecht bestraft wird, neigen die Menschen dazu, die Schuld auf andere zu schieben. In diesem Fall hat vielleicht einer der Beteiligten gesehen, wohin Auflehnung gegen Allahs Willen führen würde, sich aber in der Hoffnung auf Profit an dem Unternehmen beteiligt, so dass er sich jetzt nicht der Verantwortung entziehen kann. (Juusuf `Allii)

 

31. Sie sagten: „Wehe uns, wir haben fürwahr das rechte Maß überschritten.

32. Hoffentlich gibt uns unser Herr etwas Besseres an seiner Stelle. Wahrlich, zu unserem Herrn wenden wir uns mit unseren Bitten38!"

38. Wenn die Reue aufrichtig war, bestand Hoffnung. Allah verwandelt nämlich oft großes Übel in Gutes für uns. Wenn die Reue nicht aufrichtig war, summierte sich diese Heuchelei nur zu ihren anderen Vergehen. (Juusuf `Allii)

Etwas besseres: nämlich Seine Vergebung. (Asad)

 

33. So ist die Strafe (Allahs)39. Doch fürwahr, die Strafe des Jenseits ist größer, wenn sie es nur wüssten40!

39. Mit der Allah einige Menschen in dieser Welt heimsucht. Dies schließt an den ersten Satz in Aja 17 oben an, der seinerseits eine Anspielung auf die in Aja 14-15 oben geschilderte Mentalität enthält. (Asad)

40. Schon in diesem Leben kommt die Strafe für Eigennutz, Rücksichtslosigkeit und Ungerechtigkeit plötzlich, wenn wir sie am wenigsten erwarten. Es bleibt jedoch immer die Möglichkeit für Allahs Barmherzigkeit, wenn wir aufrichtig bereuen. Wenn uns die Strafe in diesem Leben so furchtbar erscheint, um wie vieles schlimmer wird es im zukünftigen Leben sein, wenn die Strafe nicht nur eine vorübergehende Heimsuchung ist und die Gelegenheit zur Umkehr vorbei ist? (Juusuf `Allii)

Die Mekkaner, die die Botschaft Allahs, deswegen ablehnten weil sie wohlhabend und einflussreich waren, sollten die Lehre aus dieser Geschichte ziehen und sich von dem Reichtum und der Macht, die Allah ihnen zur Prüfung gegeben hatte, nicht blenden lassen. Die Strafe Allahs droht im Diesseits und noch mehr im Jenseits. (Qutb)

 

Abschnitt 2

34. Wahrlich, für die Mutaqis sind Gärten der Wonne bei ihrem Herrn41.

41. Alle Symbole der Freude, die in Begriffen der sinnlichen Wahrnehmung ausgedrückt werden, werden vergeistigt, indem sie auf Allahs Nähe bezogen werden. Ein Garten ist ein Objekt der Freude, aber die Freude des geistigen Gartens besteht in Allahs Gegenwart. (Juusuf `Allii)

 

35. Sollen wir denn die, die sich (Allah) hingeben, genauso behandeln wie die Sünder42?

42. Diese Frage enthält in sich schon eine Verneinung, denn das Ziel der einen ist anders als das Ziel der anderen, wie bereits aus den vorigen Ajas deutlich wurde. (Qutb)

Die geistige Arroganz, die den Imaan an Allah ablehnt, ist vielleicht die schwerste Verfehlung, denn damit macht man sich selbst für die göttliche Gnade unzugänglich, so wie Lehm nicht aufnahmefähig für Wasser ist. Sie setzt sich ihre eigenen Normen und stellt ihren eigenen Willen in den Mittelpunkt, aber wie kann sich der eigene Wille mit Allahs Willen messen? Sie setzt sich ihre eigenen Fetische - Idole, Priester und Gottheiten. Die Fetische können sogar solche gottgegebenen Fähigkeiten sein, wie der Intellekt oder die Wissenschaft, die zu Götzen erhoben werden. Wenn sie zur Seite gestellt werden, hinterfrage sie: Werden sie Allahs Geheimnisse enthüllen oder auch nur die Geheimnisse des Lebens und der Seele? (Juusuf `Allii)

Hier erscheint chronologisch zum ersten Mal der Ausdruck "Al-Muslimiin" الْمُسْلِمِين , den ich übersetze mit "Menschen, die sich hingeben". Wir sollten daran denken, dass der "institutionalisierte (rechtlich einwandfrei)" Gebrauch dieses Wortes - das heißt seine ausschließliche Anwendung für die Anhänger des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, - eine eindeutig nachquranische Entwicklung ist und bei der Übersetzung des Qur'an vermieden werden sollte. (Asad)

"Al-Muslimuun" kann auch heißen: die Frieden verbreiten. (Anm. d. Übers.)

 

36. Was ist nur mit euch? Wie urteilt ihr denn43?

43. Was ist mit euren Wertvorstellungen, euren Maßstäben und eurem Urteilsvermögen los? (Qutb)

Es würde jeglicher Vernunft widersprechen, wenn eicht zwischen gehorsamen Dienern und Rebellen einen Unterschied machen würde. (Mauduudi)

 

37. Oder habt ihr ein Buch, das ihr studiert44,

44. Eine himmlische Offenbarungsschrift. (Darjabaadi)

 

38. Damit ihr dadurch erhalten solltet, was ihr wünscht45?

45. Es widerspricht sowohl der Vernunft als auch der Gerechtigkeit, dass rechtschaffene Menschen dasselbe Ende finden wie die Ungerechten. Selbst in diesem Leben kann der Mensch nicht immer das verwirklichen, was er anstrebt, obgleich ihm eine gewisse Wahlfreiheit ermöglicht wurde. Wie kann er dies dann unter der Herrschaft vollkommener Wahrheit und

Gerechtigkeit erwarten? (Juusuf `Allii)

Nämlich eine moralische Rechtfertigung des Anspruchs, das für zweckmäßig Gehaltene sei eo ipso richtig. (Asad)

 

39. Oder habt ihr ein bindendes Versprechen von Uns, das bis zum Tag der Auferstehung reicht, dass ihr erhalten sollt, was ihr für richtig erachtet46?

46. Wenn es auch diesbezüglich keine verbindliche Offenbarungsschrift gibt, dann müsste es doch etwas ähnliches geben, worauf sie sich berufen können, etwa ein eigenes Versprechen , eine Garantieerklärung bis zum Jüngsten Tag. Aber es gibt weder das eine noch das andere. (Qutb)

Die Götzendiener können sich nicht auf ein besonderes Bündnis mit "berufen, das sie über andere Sterbliche heraushebt.

Auch die jüdische Vorstellung vom "Auserwählten Volk" wird verurteilt. Sicher ist es wahr, dass ein bestimmtes Volk oder eine bestimmte Menschengruppe aufgrund ihrer geistigen Haltung Allah auserwählt werden kann, um Seine Wahrheit

zu erhalten und zu verkünden. Dies ist aber dadurch bedingt, dass sie setz folgen. Sobald sie arrogant und egoistisch werden, verlieren sie diese Stellung. Sie haben keine dauerhafte, bedingungslose Garantie bis zum Tag der Auferstehung. (Juusuf `Allii)

 

40. Frage sie, wer von ihnen dafür bürgen kann47.

47. Letztendlich wird auch keiner von ihnen wirklich für diese Behauptung einstehen wollen, dass Allah ihnen einen solchen Freibrief gegeben habe. (Qutb)

Das arabische Wort "sa’iim" زَعِيم steht für einen Garanten oder Sprecher. (Mauduudi)

 

41. Oder haben sie (göttliche) Teilhaber? Dann sollen sie ihre Teilhaber herbei bringen, wenn sie wahrhaft sind48.

48. "Partner (Allahs)": wie beispielsweise in Trinitätslehre oder in jeder Form des Polytheismus. Eine solche Lehre zerstört die Hauptlehre von der Einheit Allahs. (Juusuf `Allii)

Eigene "Partner", das heißt weise Menschen, die ihre Ansichten teilen und demselben Lebensweg folgen. (Asad)

 

42. Am Tage, wenn das Verborgene49 enthüllt wird und wenn sie dazu aufgefordert werden, sich (vor ) niederzuwerfen, und sie dies nicht tun können50, -

49. Das heißt, wenn alle Geheimnisse offenkundig werden. Das Schienbein ist das Symbol des verborgensten Geheimnisses. (Juusuf `Allii)

Wörtlich: Wenn das Bein enthüllt wird. (Anm. d. Übers.)

Wenn offenbar wird, wie wenig sie wussten, wie ignorant sie waren. (Hamidullah).

50. Sie würden es gerne tun, können es aber nicht mehr, denn die Zeit dafür ist vorbei und sie verdienen es jetzt nicht. (Qutb)

 

43. Da werden die Blicke niedergeschlagen sein (und) Schande wird sie bedecken51, wurden sie doch vorher schon aufgefordert, sich anbetend niederzuwerfen, als sie noch wohlbehalten waren52.

51. Die Erinnerung an ihre Vergangenheit, verbunden mit ihrer gegenwärtigen Lage, erfüllt sie mit einem Gefühl der Verzweiflung und tiefen Demütigung. Vergleiche auch oben Fußnote 49. (Juusuf `Allii)

52. "Saalimuun" سَالِمُونَ : vollständig; im Vollbesitz ihrer Fähigkeit, zu entscheiden und zu wollen; nicht gezwungen wie jetzt angesichts der unmittelbar bevorstehenden Strafe. (Juusuf `Allii)

 

44. Darum lass Mich allein mit denen, die diese Worte zurückweisen53, - Wir wer den sie Schritt für Schritt in Verderben führen, ohne dass sie sich dessen bewusst sind54.

53. Beachte den Übergang vom "Mich" zum "Wir" in diesem Aja und dann wieder zum "Ich" und "Mein" im nächsten. Die erste Person Plural wird im Qur'an im Sinne von Plural Majestatis benutzt, ähnlich wie im Erlass eines Königs die erste Person Plural benutzt wird. Wenn die erste Person Singular benutzt wird, geht es um eine besondere persönliche Beziehung, entweder die der Gnade und Barmherzigkeit (wie beispielsweise in Suura 2:38 oder 2:150) oder die der Bestrafung wie hier. (Juusuf `Allii)

Mit denen, die Offenbarung Allahs an sich und insbesondere die Botschaft von der Auferstehung leugnen. Allah allein hat das Recht zu entscheiden, ob und wie sie bestraft werden sollen. (Asad)

54. Vergleiche Suura 7:182 und die entsprechenden Fußnoten. Wir sollen nicht ungeduldig werden, wenn wir zusehen müssen, wie es den Bösen gut geht. Vielleicht ist der Anschein ihres Wohlergehens schon ein Teil ihrer Strafe. Es kann auch eine Straf der Form eines Zusammenbruches geben, aber eine Strafe entwickelt sich ganz sicher daraus. Jedenfalls können wir Allahs Plan nicht durchschauen, und es steht uns nicht zu, ihn in Frage zu stellen. (Juusuf `Allii)

 

45. Und lasse sie eine Zeitlang genießen. Wahrlich, Mein Plan ist stark und dicht gesponnen.55

55. Der Begriff "kayd" كَيْدِي bezeichnet hier offensichtlich Allahs unerforschlichen Schöpfungsplan, von dem der Mensch nur Ausschnitte und nie seine Gesamtheit erfassen kann: ein Plan, in dem jedes Ding und jedes Ereignis eine bestimmte Funktion hat und nichts zufällig ist. Vergleiche auch Suura 10:5 und die entsprechenden Fußnoten. Indirekt spielt der obige Abschnitt auf die Frage an, warum Allah so vielen bösen Menschen Wohlstand ermöglicht und so viele gute Menschen leiden lässt. Die Antwort geht dahin, dass in diesem Leben der Mensch nicht immer völlig versteht, wohin scheinbares Glück oder Unglück letztendlich führt und welche Rolle sie in Allahs Schöpfungsplan spielen. (Asad)

Das ist eine Erklärung für die Muslime und eine deutliche Warnung für die Götzendiener, dass der Wohlstand, den sie auf Erden genießen, eine Falle für sie ist, die im Jenseits ihre Strafe noch vergrößert. (Qutb)

 

46. Oder verlangst du von ihnen einen Lohn, so dass sie von Schulden erdrückt sind56?

56. Vergleiche Suura 52:40 und die entsprechenden Fußnoten. Es kostet den Kaafirs nichts, dem Verkünder zuzuhören, denn dieser verlangt keinen Lohn und leidet sogar um ihretwillen. Er ist nicht einmal auf Anerkennung oder Bekehrung aus. In erster Linie ist hier der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gemeint, aber auch eine allgemeine Interpretation ist immer möglich. Ein rechtschaffener Mensch verlangt keinen Lohn für seine Ermahnungen oder sein Beispiel; wenn er dieses täte, dann wäre der Wert zu groß als dass ihn die Welt bezahlten könnte. (Juusuf `Allii)

 

47. Oder besitzen sie (Wissen über) das Verborgene, so dass sie es niederschreiben können57?

57. Die Kaafirs verhalten sich so, als ob sie Zugang zu den Geheimnissen des Unsichtbaren hätten, aber wenn sie auch nur versuchen würden, geistige Gesetzmäßigkeiten zu formulieren, würden sie versagen. (Juusuf `Allii)

Vergleiche Suura 52:41 und die entsprechenden Fußnoten. Das Verborgene liegt außerhalb unseres Wahrnehmungsbereichs und unserer Kontrolle. Wenn sie Zugang dazu hätten, dann könnten sie sehr wohl Dinge für die Rechtleitung ihrer selbst und anderer niederschreiben. So sollten sie lieber auf das hören, was Der, Der alle Dinge kennt, offenbart hat. (Juusuf `Allii)

Der hier vorliegende Abschnitt weist vor allen Dingen auf die Unhaltbarkeit des Trugschlusses hin, die Lösung aller Geheimnisse im Universum sei unmittelbar greifbar und anthropozentrische Wissenschaft - ausgedrückt durch das "Niederschreiben" - könne ihre Anhänger lehren, die "Natur zu besiegen", um das zu erlangen, was sie für ein gutes Leben halten. (Asad)

 

48. Ertrage also geduldig die Bestimmung deines Herrn58, und sei nicht wie der Gefährte des Fisches59, als er mit unterdrückter Stimme (um Hilfe) rief.

58. Die Zeit, in der Allah Sein Urteil über euren Erfolg und den Misserfolg eurer Gegner spricht, ist noch in der Zukunft. Bis dahin solltet ihr mit Geduld und Standhaftigkeit Leiden und Heimsuchungen ertragen, die mit der Verkündung des verbunden sind. (Mauduudi)

59. Damit ist Dun-Nun oder Juunus, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, gemeint; vergleiche auch Suura 21:87-88 und die entsprechenden Fußnoten. Vergleiche auch Juunus Suura 37:139-148 und die dortigen Fußnoten. Juunus, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hatte den Auftrag, den Leuten von Ninive zu predigen, einer lasterhaften Stadt. Sie reagierten darauf mit Feindseligkeiten und Verfolgungen, und er floh vor seinen Feinden und nahm ein Schiff. Als ein Sturm losbrach, wurde er ins Meer geworfen. Dort verschlang ihn ein Fisch oder Wal, aber in seinem lebenden Gefängnis empfand er Reue und erlangte Vergebung. Doch auch die Leute von Ninive, zu denen er wieder gesandt wurde, erlangten Vergebung, denn auch sie kehrten um. Dies ist ein doppeltes Gleichnis von Allahs Gnade und Vergebungsbereitschaft, und ein Gebot, standhaft und geduldig zu sein