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Von Suura 58 Das Streitgespräch –
Suura 66 Das erklären einer Sache für Haram
Einführung zu Suura 58
Dies ist die zweite der zehn madinansischen Suuras, von denen in der Einführung zu Suura 57 die Rede war. Thematisch geht es hier um die Klage einer Frau in eigener Sache und um eine Verurteilung aller heimlichen Ränke und Intrigen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft. Chronologisch ist diese Suura in der Nähe von Suura 33 einzuordnen, also im Jahre 5 bis 7 nach der Hidschra.
Zusammenfassung:
Alle Anmaßungen, vor allem die, durch die die Würde einer Frau beeinträchtigt wird, werden ebenso verurteilt wie Ränke und Intrigen zwischen Menschen, durch die Unwahrheit, Bosheit und Streit verbreitet wird. (Juusuf `Allii)
Das Streitgespräch
Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.
1. Allah hat sehr wohl die Worte derjenigen1 gehört, die mit dir über ihren Mann stritt und ihre Klage (auch) Allah vortrug2. Und Allah hörte euren Wortwechsel3. Denn Allah ist allhörend und allsehend4
1. Unmittelbarer Anlas der Offenbarung dieser Suura ist das, was Haula bint Talaba, der Frau von Aus ibn Samit geschah. Obgleich ihr Mann Muslim war, trennte er sich von ihr nach einem alten kaafir Brauch mit einer Formel, die als Sihar bekannt ist und aus den Worten besteht: "Du bist für mich wie der Rücken meiner Mutter." Dem kaafir Brauch entsprechend bedeutete dies eine Scheidung, die den Ehemann von allen mit der Ehe verbundenen Pflichten befreite, der Frau aber nicht ermöglichte, den Hausstand zu verlassen oder eine neue Ehe einzugehen. Dieser Brauch war für die Frau auf jeden Fall entwürdigend. Besonders schwierig war die Situation für Haula, denn sie liebte ihren Mann und klagte, das sie kleine Kinder habe, die der Mann sich unter diesen Umständen nicht verpflichtet sah zu unterhalten. Sie wandte sich mit ihrer Klage an den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und im Gebet an Allah. Ihre Klage wurde erhört, und der entwürdigende Brauch, der auf trügerischen Worten beruhte, wurde abgeschafft. Vergleiche auch Suura 33:4 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
2. Der Prophet hatte auf die Klo der Frau hin zunächst das Ehepaar für geschieden erklärt, aber Haula war damit nicht zufrieden und klagte bei Allah ihr Leid. (Darjabaadi)
In Anbetracht des Zusammenhanges sowie zahlreicher entsprechender Überlieferungen bezieht sich dieser Vers in erster Linie auf die Abschaffung von Sihar. Die absichtlich undeutlich ausgedrückte Anspielung auf „diejenige, die über ihren Mann klagte", scheint jedoch auf alle Fälle anzuspielen, wo eine Ehefrau Grund hat, über ihren Mann zu klagen, also nicht nur über eine ungerechtfertigte oder grausame Scheidung, sondern auch, wenn sie die Lösung aus einer untragbar gewordenen Ehe verlangt. Eine Scheidung auf Initiative der Frau hin (Hul) ist nach Suura 2:229 (vergleiche die entsprechenden Fußnoten) und gut belegten Überlieferungen vom Propheten völlig gerechtfertigt. (Asad)
3. Allah hört alles. Die beiden waren also bei ihrer Auseinandersetzung nicht allein, sondern Er war bei ihnen und hörte ihnen zu. Er hörte die Argumente der klagenden Frau bezüglich ihres Mannes und kannte den wahren Sachverhalt. (Qutb)
Allah ist gerecht und erlaubt nicht, das menschliche Bräuche und Anmaßungen die unveräußerlichen Rechte Seiner schwächeren Geschöpfe einengen. (Juusuf `Allii)
Er hörte gleichermaßen den Standpunkt sowohl der Frau als auch ihres Mannes und erfasste mit Seiner Weisheit die Absichten beider. Der Dual kann sich auch auf die Frau und den Propheten beziehen, der vor der Offenbarung dieser Suura die Scheidung durch Sihar zunächst für gültig erklärte. (Asad)
"Hauwla", auf deren Klage hin diese Ajas offenbart wurden, stand ihr Leben lang unter den Gefährten des Propheten in hohem Ansehen. (Mauduudi)
4. Er hört die Klage und sieht das Leid eines jeden und hilf ihm in seiner Not. (Darjabaadi)
2. Diejenigen von euch, die sich von ihren Frauen durch Sihar5 trennen6, - sie sind (keineswegs) ihre Mütter7. Ihre Mütter sind nur diejenigen, die sie geboren haben, und sie sprechen doch mit ihren Worten nur Abscheuliches und Falsches aus8. Aber Allah ist wahrlich Allverzeihend9 und Vergebend.
5. Vergleiche oben Fußnote 1. (Juusuf `Allii)
Dies kam gelegentlich im Laufe eines Familienstreites vor. "Du bist für mich wie der Rücken meiner Mutter" war gleichbedeutend mit "Geschlechtliche Beziehungen mit dir wären so wie geschlechtliche Beziehungen mit meiner Mutter", also tabu. Nach der Vorstellung der alten Araber war eine Scheidung durchaus rückgängig zu machen, Sihar jedoch nicht, da damit ein Tabu berührt wurde. Bis heute erklären unvernünftige Männer gelegentlich in einem Familienstreit ihre Frau zu ihrer Mutter, Schwester oder Tochter. (Mauduudi)
6. ... die sollten folgendes bedenken: ... (Asad)
7. Weder nach dem Gesetz noch in der Tat. (Darjabaadi)
Die schamlose Gleichstellung der Ehefrau mit der Mutter macht sie nicht zur Mutter. Nur diejenige ist die Mutter eines Menschen, die ihn geboren hat, und nur sie genießt die daraus resultierende Stellung. (Mauduudi)
8. Solche Worte sind in der Tat unwahr und unanständig, da sie der Frau gegenüber unfair und einer anständigen Gesellschaft unangemessen sind. (Juusuf `Allii)
Völlig entgegen jeder Vernunft. (Asad)
Sein Anspruch ist völlig falsch, denn Allah hat ihm nicht die Vollmacht gegeben, seine Frau als Ehefrau zu behandeln, so lange es ihm gefällt, und sie dann willkürlich als "Mutter" zu behandeln. (Mauduudi)
9. Vergleiche Suura 4:99 und 22:60 sowie die entsprechenden Fußnoten. Würde Allah in Seiner Barmherzigkeit nicht über unsere Schwächen und einige unsere Beweggründe hinwegsehen, dann wäre ein solches Verhalten unentschuldbar. In den nächsten Ajas weist Er uns einen Weg zur Wiedergutmachung, denn er möchte das Falsche von uns nehmen und uns durch Seine Vergebung eine Gelegenheit zur Besserung geben. (Juusuf `Allii)
Er vergibt uns, was in dieser Beziehung früher geschehen ist. (Qutb)
3. Diejenigen also, die sich von ihren Frauen durch Sihar trennen und dann zurücknehmen wollen, was sie ausgesprochen haben10 - die sollen einen Sklaven11 freilassen, bevor sie einander wieder berühren12, damit ihr dadurch ermahnt werdet13. Und Allah ist wohlvertraut mit dem, was ihr tut14.
10. Wenn Äußerungen wie Sihar einfach ignoriert würden, dann würde dies bedeuten, dass sie gedankenlos und unvernünftig immer wieder gesprochen würden. Sie werden deshalb ernst genommen, soweit es die Strafe betrifft, die der Mann verdient, während die Rechte der Frau gewahrt werden. Sie kann für sich und ihre Kinder Unterhalt verlangen, aber er kann seine ehelichen Rechte nicht ohne weiteres in Anspruch nehmen. Wenn seine Handlung unbedacht war und er sie bereut, kann er erst dann wieder seine ehelichen Rechte in Anspruch nehmen, wenn er die unten näher ausgeführte Strafe abgeleistet hat. Wenn sie ihn liebt, wie es in Haulas Angelegenheit der Fall war, kann sie auch von sich aus ihre ehelichen Rechte einklagen und von ihrem Mann verlangen, die Strafe abzuleisten und das Eheleben wiederaufzunehmen. (Juusuf `Allii)
Nachdem Sihar für verboten erklärt und scharf verurteilt worden ist, folgt nun eine Regelung zur Bereinigung eines solchen Vergehens: Allahs ermöglicht eine Wiedergutmachung. (Qutb)
11. Eines Sklaven oder einer Sklavin. (Darjabaadi)Das heißt einen Gefangenen oder Sklaven befreien oder freikaufen. In der heutigen Zeit, wo die Sklaverei mehr oder weniger abgeschafft ist, kann dies meines Erachtens auch auf die Befreiung eines Menschen aus der Abhängigkeit durch Schulden oder Armut bedeuten. (Asad)
Heute ist die Sklaverei zwar überall der Mu'miniin und internationale Abkommen verboten. Es werden aber de facto ganze Völker unterjocht. Es ist eine Pflicht der Muslime, diese von ihrer Misere zu befreien. (Anm. d. Übers.)
12. Bevor sie das eheliche Leben wieder aufnehmen. (Darjabaadi)
13. Diese Strafe dient der Läuterung. Der Mann soll damit seine Reue zum Ausdruck bringen. (Darjabaadi)
Dies dient eurer eigenen Besserung und zur Ermahnung, so dass die Mitglieder der islamischen Gesellschaft Aberglauben und Unwissenheit aufgeben und nicht solche unvernünftigen Handlungen begehen. Wer mit seiner Frau streitet, kann dies in fairer Weise tun oder sich von ihr in fairer Weise scheiden. (Mauduudi)
14. Er kennt den wirklichen Sachverhalt. Er kennt das Ereignis selbst und Er kennt eure Absichten. (Juusuf `Allii) Vergleiche auch Suura 2:225 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)
4. Wer aber keinen findet15, der soll zwei aufeinander folgende Monate lang fasten, bevor sie einander wieder berühren. Und wer dies nicht kann, der soll sechzig Arme speisen16, damit ihr Allah und Seinem Gesandten entgegenbringt17. Dies sind Allahs Schranken. Und für die Kuffar18 ist schmerzliche Strafe19 bestimmt.
15. Vergleiche Suura 4:92 und die entsprechenden Fußnoten. Die Sühne besteht darin, einen Sklaven zu befreien, also entweder einen eigenen Sklaven freizulassen oder einen fremden Sklaven freizukaufen. Wenn dies nicht möglich ist, kann man zwei Monate hintereinander auf dieselbe Weise fasten wie im Ramadan. Wenn dies nicht möglich ist, kann man sechzig Arme speisen. Vergleiche auch die nächste Fußnote. (Juusuf `Allii)
Wer keinen Sklaven findet, den er befreien kann. (Darjabaadi)
Wem die finanziellen Mittel fehlen, oder wer, wie Rasid Rida betont, in Zeiten lebt, in denen es keine Sklaverei gibt. (Asad)
16. Unter den Rechtsgelehrten gibt es vielerlei unterschiedliche Ansichten darüber, wie die Speisung der Armen näher zu spezifizieren ist. Es ist besser, den Text in seiner schlichten Ausdrucksweise zu verstehen und zu sagen, das ein Armer das bekommen soll, was für zwei Mahlzeiten am Tag ausreicht. Sechzig Arme an einem Tag zu speisen ist gleichbedeutend mit der Speisung eines einzigen Armen sechzig Tage lang, oder zweier Armer dreißig Tage lang und so weiter. Man braucht hier aber nicht zu weit ins Detail zu gehen. (Juusuf `Allii)
Das Fasten kann aus gesundheitlichen Gründen oder durch äußere Umstände unmöglich werden, beispielsweise durch schwere physische Arbeit oder Arbeit, die ständig viel Konzentration und Aufmerksamkeit verlangt. (Asad)
Es muss sich um Arme handeln, zu deren Unterhalt der Mann nicht ohnehin schon verpflichtet ist. (Mauduudi)
17. Allah will, dass wir oft an ihn denken und in unserem täglichen Leben und Verhalten beachte, dass Er uns sieht, dann werden wir bereitwillig Seine Gebote und Verbote respektieren. Das alles verstärkt unseren Imaan. (Anm. d. Übers.)Indem aller kaafir Aberglaube abgelegt wird. (Darjabaadi)
Dass ihr die Haltung eines Mu'min annehmt. (Mauduudi)
18. Die sich den Geboten Allahs widersetzen und sie ablehnen. (Darjabaadi)
19. Dies bezieht sich allem Anschein nach auf die geistige Strafe im zukünftigen Leben für den Fall, dass man sich der hier geschilderten Läuterung nicht unterzieht. Der nächste Aja bezieht sich dann auf die größere "demütigende Strafe" allgemein für diejenigen, die sich Allahs Gebot widersetzen. (Juusuf `Allii)
5. Diejenigen, die Allah und Seinem Gesandten zuwiderhandeln, sind gedemütigt worden, so wie die vor ihnen gedemütigt wurden20. Und Wir haben schon deutliche Zeichen hinabgesandt21. Und auf die Kaafir wartet eine erniedrigende Strafe
20. …, die zu stolz sind, sich Gesetzen und seinem Gesandten zu fügen und selbst eigene Gesetze aufstellen wollen. (Anm. d. Übers.)
Sie wurden bereits in dieser Welt dafür bestraft, dass sie sich ihren Propheten widersetzt hatten. (Darjabaadi)
Immer wenn ein Volk seine eigenen Gesetze macht, die von Allahs Gesetz abweichen, oder fremde Gesetze übernimmt, ereilt es dasselbe Schicksal, indem es Allahs Gnade verliert und sein Dasein mit moralischen und gesellschaftlichen Missstände angefüllt wird, bis es in dieser Welt ein demütigendes Ende findet. (Mauduudi)
21. Die sie absichtlich zurückgewiesen haben. Dieser Abschnitt verbindet das Spezielle mit dem Allgemeinen und schlisst an die Bezugnahme auf alle, "die die Wahrheit leugnen" oben in Aja 4 an, nämlich auf alle diejenigen, die Offenbarung zurückweisen. (Asad)
6. An dem Tag, an dem Allah sie allesamt auferstehen lässt, und ihnen Kunde gibt von alldem, was sie getan haben22. Allah hat alles festgehalten während sie es vergessen haben, und Allah ist Zeuge über alles, (was geschieht).
22. Am Gerichtstag werden diejenigen, die auf der Erde hochmütig waren und sich der Herrschaft rocht unterwerfen wollten vor allen Geschöpfen mit Erniedrigung bestraft. Denn Allah wird ihnen alle ihre Missetaten, die Er festhalten liea, und die sie selber vergaßen, vorführen. (Qutb)
Die Aussage: "Allah wird ihnen Kunde über die Wahrheit ihrer Handlungen (oder ihres Verhaltens) geben" erscheint oft. Vergleiche auch Suura 5:48; 5:105; 6:60; 9:94 und so weiter sowie die entsprechenden Fußnoten. In dieser Welt kann unsere geistige Sicht getrübt oder verzerrt sein. Wir sehen die Dinge von verschiedenen Standpunkten her und diskutieren darüber; wir verbergen unsere wirklichen Absichten und geben Tugenden vor, die wir gar nicht haben; vielleicht schreiben uns andere solche Tugenden zu, bis wir schließlich selbst daran glauben; wir empfinden Zuneigung und Abneigung ohne jeden Grund; wir vergessen, woran wir uns erinnern sollten, und erinnern uns an das, was wir vergessen sollten, und unsere Wertvorstellungen sind falsch. Am Tag der Abrechnung wird dies alles richtig gestellt. Nicht nur werden die wahren Werte wiederhergestellt, sondern wir erkennen auch den inneren Sinn der Dinge in unserem eigenen Leben, den wir nie zuvor gesehen haben. (Juusuf `Allii)
Abschnitt 2
7. Hast du nicht gesehen23, dass Allah alles weis24, was in den Himmeln und was auf Erden ist? Es gibt keine heimliche Unterredung zwischen dreien, bei der Er nicht der Vierte, und keine zwischen fünfen, bei der Er nicht der Sechste, und keine zwischen mehr oder weniger als diesen, bei der Er nicht bei ihnen wäre25, wo immer sie sein mögen. Am Tag der Auferstehung wird Er ihnen dann Kunde davon geben, was sie getan haben. Wahrlich Allah weis alle Dinge sehr wohl26.
23. Von hier bis Aja 10 folgen Vorwürfe gegen die Heuchler für ihre Haltung, die sie der muslimischen Gemeinschaft entgegenbringen. Obgleich sie dem äußeren Anschein nach dazugehörten, waren sie innerlich doch davon abgewandt. Die Muslime überraschten sie oft bei heimlichen Intrigen. Sie schmiedeten ständig Pläne, um Zwiespalt unter den Muslimen zu stiften, Angst zu verursachen und Unheil zu verbreiten. (Mauduudi)
24. Damit ist in erster Linie unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, angesprochen. (Darjabaadi)
25. Geheimhaltung ist ein relativer und begrenzter Begriff für uns. Nichts ist vor Allah verborgen oder Ihm unbekannt. Geheimhaltung geschieht meist aus Furcht und Misstrauen oder ist mit Verschwörungen und Unrecht verbunden. Vor liegt jedoch alles offen. (Juusuf `Allii)
Dies ist eine Wahrheit, die oft missachtet oder vergessen wird. (Qutb)
Er ist überall anwesend. (Darjabaadi)
Vielleicht stellt sich die Frage, warum hier drei und fünf erwähnt wurden statt zwei und drei. Die Kommentatoren haben auf diese Frage viele Antworten gegeben, aber unserer Ansicht nach ist die Ursache dafür die Wahrung des literarischen Stils im Qur'an. (Mauduudi)
26. Dies bedeutet, dass Allah alles weis, alles hört, alles sieht und allmächtig ist, nicht etwa, dass Er sozusagen in Seiner unsichtbaren Anwesenheit ihr heimlicher Verbündeter wäre! Hiermit soll den Menschen mitgeteilt werden, dass sie ihre Intrigen vielleicht vor der Welt geheim halten und verbergen oder auch irdischen Mächten entgehen können, nicht aber acht. (Mauduudi)
8. Hast du nicht gesehen, wie diejenigen, denen heimliche Absprachen verboten wurden, abermals tun, wovon sie Abstand nehmen sollen27, wobei sie sich heimlich miteinander absprechen zu Ungehorsam und Feindseligkeit und Auflehnung gegen den Gesandten28? Wenn sie zu dir kommen, dann verwenden sie nicht das Grußwort, mit dem Allah dich gegrüßt hat29. Unter sich selbst aber sprechen sie: „Warum straft Allah uns nicht für das, was wir reden30?" Eine ausreichende Strafe für sie ist das Höllenfeuer, in dem sie brennen werden. Welch ein schlimmes Ende!
27. Als die Gemeinschaft der Muslime in Madina stärker wurde und die Mächte, die sich gegen den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gewandt hatten, im offenen Kampf unterlegen waren, gingen die Bösen zu Intrigen und Doppelzüngigkeit über, daran Rädelsführer die Juden und Heuchler waren, von denen im Qur'an oft die Rede ist. Vergleiche beispielsweise auch Suura 2:8-16 und 4:142-145 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
Bereits vor dar Offenbarung dieses Ajas hatte unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, dies den Mu'mins verboten; die Heuchler hatten jedoch dieses Verbot unterlaufen. (Mauduudi)
Dies bezieht sich wahrscheinlich auf Suura 4:114; vergleiche auch die entsprechenden Fußnoten. Obwohl kein Zweifel darüber besteht, dass sich dies - wie auch die klassischen Kommentatoren erklären - auf die Intrigen kaafir Zeitgenossen gegen unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seine Anhänger bezieht, hat dieser Abschnitt auch zweifellos allgemeingültige Bedeutung. (Asad)
28. Das heißt im weiter gefassten Sinne Ungehorsam gegen die ethischen Lehren des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Asad)
29. Allahs Gruß ist "Frieden!" Jene Feinde jedoch, die nicht den Mut zur offenen Auseinandersetzung hatten, verdrehten oft die Worte, und indem sie ein Wort wie "Sam" ("Tod" oder "Vernichtung") benutzten statt "Salam" ("Frieden"), glaubten sie, heimlich ihrem Trotz Ausdruck verleihen und trotzdem den Anschein erwecken zu können, sie entböten einen freundlichen Gruß. Vergleiche auch Suura 2:104 und die entsprechenden Fußnoten, wo von einer ähnlichen Entstellung die Rede ist. (Juusuf `Allii)
Dia Bezugnahme auf die "Annäherung" an den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, das "Kommen zu ihm", hat eine zweifache Bedeutung. Einmal geht es um die ungläubigen Zeitgenossen das Propheten, und zum zweiten um eine intellektuelle "Annäherung" an seine Person und seine Lehren durch gegnerische Kritiker in späteren Zeiten. Dasselbe gilt offensichtlich auch für den nächsten Satz. (Asad)
30. Vergleiche die vorige Fußnote. Die Feinde genossen sichtlich ihren Streich entsprechend ihrer entarteten Mentalität. Sie fragten herausfordernd: „Warum straft Allah uns nicht?" Die Antwort folgt: "Es gibt eine Strafe, weit größer als ihr euch vorstellen könnt. Sie kommt zu ihrer Zeit, nämlich endgültig nach dem Gericht. Sie verzögert sich nur, um euch eine Gelegenheit zur Umkehr zu geben." (Juusuf `Allii)
Mit dieser Herausforderung brachten sie ihre Ansicht zum Ausdruck, dass Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht wirklich ein Prophet sein könne. (Mauduudi)
Mit diesen Ajas wollte Allah die Heuchler verunsichern indem Er alles, was sie heimlich taten und sprachen den Mu'min offen legte, und Er wollte gleichzeitig den Mu'min Vertrauen und Zuversicht einflößen. (Qutb)
9. O die ihr den Imaan verinnerlicht, wenn ihr vertraulich etwas miteinander absprecht31, dann verabredet euch nicht zu Ungehorsam, und Feindseligkeit und Auflehnung gegen den Gesandten32, sondern verabredet euch zu Wohltaten und zur Taqwa33 und fürchtet Allah, bei dem ihr alle (dereinst) versammelt werdet34.
31. Weil Grund zu Angst und Misstrauen besteht. (Darjabaadi)
32. Vergleiche oben Fußnote 28. (Asad)
33. Heimlichtuerei hängt gewöhnlich mit Handlungen zusammen, die sich der Mensch scheut, offen zu begehen; vergleiche auch den nächsten Aja. Es gibt jedoch auch gute Handlungen, die heimlich geplant und ausgeführt werden müssen, beispielsweise Wohltätigkeit oder die Verhinderung von Unheil oder auch die Abwehr böser Machenschaften. Die Absicht ist der ausschlaggebende Punkt. Tut der Mensch etwas Böses, will er seinem Trotz Ausdruck verleihen oder versucht er, einem rechtmäßigen Gebot ungehorsam zu sein? Oder tut er etwas Gutes, das er aus Bescheidenheit oder Demut nicht bekannt werden lassen möchte, oder setzt er sich für die Abwehr böser Machenschaften ein, die für ihn selbst größte Opferbereitschaft erfordert? (Juusuf `Allii)
34. Heimliche Besprechungen sind also nicht an sich verboten, sondern es hängt vom Charakter der Betreffenden, von den Begleitumständen und vom Inhalt dieser Besprechungen ab. Wenn Menschen heimliche Pläne machen, einen Streit zu schlichten, die Rechte eines anderen zur Geltung zu bringen oder sich für eine gute Sache einzusetzen, ist dies eher empfehlenswert. Nach der Lehre unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ist es jedoch unhöflich, wenn zwei Menschen in Gegenwart eines dritten miteinander flüstern, denn dies könnte ihn verletzen. Dies bezieht sich auch darauf, dass zwei Menschen miteinander unnötigerweise in einer Sprache sprechen, die der dritte nicht versteht, vor allem, wenn sie dabei zu ihm hinüberblicken, so dass dieser das Gefühl bekommt, sie sprächen über ihn. (Mauduudi)
10. Heimliche Absprache (zum Schlechten) ist vom Teufel, um die Mu'mins zu betrüben. Doch er kann ihnen keinerlei Schaden zufügen, es sei denn mit Allahs Erlaubnis35, und auf Allah sollen die Mu'min vertrauen36.
35. Böses kann dem Guten nicht schaden, es sei denn
1. es geht um eine Prüfung nach Allahs allumfassenden Plan, und
2. was ein Schaden zu sein scheint, ist in Wirklichkeit Gutes.
Nichts geschieht ohne Allahs Willen und Erlaubnis. Wir sollen immer auf Ihn vertrauen, nicht unserer eigenen Klugheit oder irgendwelchen zufälligen Umständen, die uns vom Weg der Rechtschaffenheit abbringen können. In sich selbst und für sich selbst kann das Böse, hier in der Vorstellung von "Schaytaan" personifiziert, nichts ausrichten; vergleiche Suura 14:22 und 14:4 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)
36. Mit diesem Gedanken sollen sich die Mu'mins trösten und nicht durch das Böse stören lassen. (Darjabaadi)
Dies soll ein Muslim bedenken, wenn er erleben muss, dass andere heimlich etwas bereden, dass gegen ihn gerichtet sein kann. Er soll sich dann nicht so verletzt fühlen, dass er auf der Grundlage des bloßen Verdachts einen Gegenangriff plant oder innerlich traurig, besorgt oder verärgert ist. Er soll verstehen, dass ohne Willen niemand ihm schaden kann. Diese Überzeugung sollte ihm so viel Zuversicht vermitteln, dass ihm viele nutzlose Sorgen und Ängste vor imaginären Gefahren erspart bleiben und er weiter friedlich und standhaft seinen Pflichten nachkommen kann. Ein Mu'min, der auf Allah vertraut, ist weder so mutlos, dass seine innere Ruhe durch jeden Zweifel und jedes Misstrauen gestört wird, noch so kleinmütig, dass er sich bei der Konfrontation mit Ungerechten selbst zu Ungerechtigkeiten hinreißen lässt. (Mauduudi)
11. O die ihr den Imaan verinnerlicht, wenn zu euch gesprochen wird: „Macht Platz in den Versammlungen!", dann macht Platz37. Allah wird euch (reichlich) Platz machen38. Und wenn gesprochen wird: "Erhebt euch!", dann erhebt euch39. Allah wird diejenigen, denen Wissen gegeben ward, um Rangstufen erhöhen40. Und Allah ist wohlvertraut mit dem, was ihr tut41.
37. Dieser Aja fordert die Mu'mins, die in einer Versammlung sitzen, auf, Platz für die Hinzukommenden zu machen, damit diese ebenfalls an der Versammlung teilnehmen können. Versammlungen der Mu'mins finden normalerweise in der Moschee statt, also in Allahs Haus, in dem für alle Platz sein soll. Die gegenseitige Liebe und der gegenseitig Respekt lassen die auf ein besonderes bequemes Sitzen verzichten, um für die anderen Platz zu machen. (Qutb)
Obwohl meist davon ausgegangen wird, dass sich dies auf die Versammlungen unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, besieht, in denen sich seine Anhänger um ihn drängten und eifrig darauf bedacht waren, besser zu hören, was er sagte, oder auch allgemein auf Versammlungen in Moscheen in späteren Zeiten, bin ich (mit Rasi) der Ansicht, dass das im Plural stehende Nomen magalis hier im übertragenen Sinne zu verstehen ist und sich auf die Gesamtheit des menschlichen Gesellschaftslebens besieht. Füreinander Platz machen würde dann bedeuten, dass wir uns gegenseitig die Möglichkeiten zu einem anständigen Leben einräumen, ganz besonders für die bedürftigen und behinderten Mitglieder der Gesellschaft. Vergleiche auch die nächste Fußnote. (Asad)
38. Die gegenseitige Liebe und Rücksichtnahme werden von Allah belohnt, in der Weise, dass sie die vorübergehende Enge nicht so unangenehm empfinden, und (indem) Er als Ersatz die Engpässe sonst in ihrem Leben erweitert und das Leben erleichtert. (Qutb)
39. Wenn der Versammlungsplatz zu eng ist, um allen einen Sitzplatz zu bieten, so kann es notwendig sein, dass einige, vor allem die Jüngeren und Kräftigeren stehen müssen, um für die Älteren und Verantwortungsträger in der Gemeinde Platz zu machen. Das tun die betroffenen mit Verständnis und Liebe und Opferbereitschaft im Interesse der Gemeinschaft. (Anm. d. Übers.)
"Erhebt euch" kann auch bedeuten, dass man nicht noch herumsitzen soll, wenn die Versammlung beendet ist. (Juusuf `Allii)
"Erhebt euch (für eure gute Handlung)". Dieser Einschub entspricht der Ansicht der meisten klassischen Kommentatoren, besonders der von Tabari, die Qatada zitiert: "Wenn ihr aufgerufen werdet, euch für gute Handlungen einzusetzen, dann antwortet diesem Aufruf." (Asad)
40. Das wird als Belohnung verstanden für diejenigen Mu'mins, die Rücksichtnahme und Liebe und Barmherzigkeit gegen über den anderen zeigen, vor allem gegenüber den Verantwortungsträgern und den Gelehrten. (Qutb)
Die Religion macht die Menschen in Allahs Reich gleich, was ihre Bürgerschaft dort betrifft. Es gibt jedoch eine Führerschaft und verschiedene Grade und Ränge, die mit mehr oder weniger Verantwortung verbunden sind. Dies hängt vom Wissen ab - dem wahren Wissen und der Einsicht, nach der die streben, um besser dienen und ihrer Verantwortung in Allahs Reich besser nachkommen zu können. Dort entspricht die Ehre dem Verdienst und kann nicht willkürlich beansprucht werden. (Juusuf `Allii)
Vergleiche auch die Aussage unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm: "Der Vorzug eines Gelehrten gegenüber einem gewöhnlichen Muslim ist wie der des Vollmondes am Nachthimmel gegenüber allen anderen Gestirnen." (Asad)
41. Allah weiß wer das -von Herzen tut und wer widerwillig, und belohnt jeden entsprechend. (Qutb)
12. O die ihr den Imaan verinnerlicht wenn ihr euch mit dem Gesandten vertraulich besprechen wollt, dann schickt eurer Besprechung eine Spende (für die Armen) voraus42. Das ist besser und reiner für euch43. Wenn ihr aber keine (Mittel dazu) findet44, dann ist Allah fürwahr allverzeihend, barmherzig.
42. In Allahs Reich hat jeder Zugang zu Lehre und Beratung. Aber die menschliche Natur ist schwach. Einige Menschen möchten besondere Belehrung oder private Beratung von ihrem Lehrer, und zwar aus folgenden Gründen:
1. sie haben - oder glauben, es zu haben - ein besonderes Problem, das sie nicht vor ihren gewöhnlichen Mitmenschen ausbreiten wollen;
2. sie haben möglicherweise ein Ehrgefühl oder einen Feinsinn, der nur durch ein privates Gespräch befriedigt werden kann;
3. sie sind vielleicht so egoistisch, dass sie die Zeit des Lehrers ganz für sich allein beanspruchen wollen. Solche Absichten sind - in absteigender Ordnung - nicht empfehlenswert, aber mit Rücksicht auf die Schwäche der menschlichen Natur sollte man solche Menschen nicht völlig von jeder Möglichkeit einer Besserung ausschließen. Darum wird hier empfohlen, den ärmeren Mitmenschen eine Spende zu geben, bevor man solchen Schwächen nachgibt. (Juusuf `Allii)
So lehrt der Qur'an die Mu'mins gutes Verhalten gegenüber unserem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Seine wertvolle Zeit darf nicht rücksichtslos von einzelnen Personen beansprucht werden, sondern soll dem allgemeinen Wohl zugute kommen. Als Ersatz soll man bei privater Inanspruchnahme eine Spende geben. Dies sollte sie darauf aufmerksam machen, rücksichtsvoll mit der Zeit überhaupt und insbesondere mit der Zeit des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, umzugehen. (Anm. d. Übers.)
43. Die Spende ist eine Art Läuterung für verzeihliche Schwächen. Wer seinen bedürftigen Mitmenschen eine Spende gegeben hat, kann ihnen mit einem besseren Gewissen gegenübertreten, und die Spende selbst richtet die Aufmerksamkeit des Gebenden auf die Notwendigkeit, Absichten und Verhalten zu läutern. Gleichzeitig ist diese besondere Spende jedoch nicht zur Pflicht erhoben worden, damit arme Menschen nicht von der Möglichkeit ausgeschlossen sind, höhere Belehrung zu erlangen. (Juusuf `Allii)
44. Wenn man niemanden findet, dem man in diesem Augenblick eine Spende geben oder eine Freundlichkeit erweisen kann oder aus einem anderen Grunde daran gehindert ist. (Asad)
13. Bereitet euch die Spende vor einer vertraulichen Besprechung etwa Sorgen45? Wenn ihr nun nichts gebt und Allah euch davon entbunden hat, dann verrichtet das Gebet und zahlt, die Sakat46 und gehorcht Allah und Seinem Gesandten47. Allah ist wohlvertraut mit dem, was ihr tut48.
45. Die Pflicht, vor jeder privaten Unterredung mit dem Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, eine Spende zu leisten, galt nur für kurze Zeit, dann wurde sie wieder aufgehoben. Es wurden andere Maßnahmen zur Regelung der privaten Unterredungen ergriffen. Dabei blieb aber der erzieherische Hinweis, nicht nur an die eigene Person und die eigenen Probleme zu denken, sondern dem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, genug Zeit zu lassen für die allgemeine Interessen und Probleme der Gemeinde. Das gemeinsame Gebet, die Entrichtung der Sakat und der Gehorsam gegenüber und Seinen Gesandten sind wichtige Mittel zur Förderung des allgemeinen Wohles. (Anm. d. Übers.)
46. Die regelmäßige Armensteuer (Sakat), die das Eigentum des Mu'min von Selbstsucht reinigen soll, wobei es kein Vergehen ist, wenn man nicht in der Lage ist, mehr zu geben. (Asad)
47. Wie gewöhnlich in allen anderen Angelegenheiten. (Darjabaadi)
48. Unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wies nie jemanden ab, der ihn um eine private Unterredung bat. Oft geschah es jedoch, dass Menschen ihn ohne wirklichen Grund darum baten. Manchmal, vor allem in Kriegszeiten, löste dies bei anderen den Verdacht aus, der Betreffende habe unsrem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Nachrichten von drohenden Angriffen überbracht, und führte zu einer Welle von Gerüchten. Es wurde auch von den Heuchlern ausgenutzt die behaupteten, der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sei leichtgläubig und höre auf jeden. Qatada berichtet, dass Menschen auf einer privaten Unterredung bestanden, um sich vor anderen hervorzutun. Aus allen diesen Gründen legte Allah den Menschen diese Einschränkung auf. (Mauduudi)
Abschnitt 3
14. Hast du nicht diejenigen gesehen49, die sich ein Volk zum Freunde nehmen, dem Allah zürnt50? Sie gehören weder zu euch noch zu ihnen51, und sie beschwören wider besseres Wissen eine Lüge52.
49. Dies bezieht sich auf die Heuchler von Madina, die vorgaben, Muslime zu sein, sich heimlich jedoch mit den Juden verbanden. Vergleiche auch oben Aja 8 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
50. Zu diesem Zeitpunkt waren die Juden in Madina und die jüdischen Stämme in der Umgebung dem Islam gegenüber aktiv feindselig eingestellt und wurden für ihr verräterisches Verhalten scharf verurteilt. (Juusuf `Allii)
Diejenigen, die Freundschaft mit Menschen schließen, die verurteilt hat, das sind die Halbherzigen, die, obgleich sie undeutlich die Wahrheit von Allahs Existenz und rang wahrnehmen, nicht bereit sind, sich dieser Wahrheit unterzuordnen, aus Furcht, sich dadurch ihrer Kufr Umgebung zu entfremden und das zu verlieren, was sie als materielle Vorteile eines geistig nicht festgelegten Lebens betrachten. Dies ist die moralische Täuschung, auf die sich der letzte Satz dieses Ajas bezieht. Vergleiche auch den letzten Aja von Suura 60. (Asad)
51. Sie sind weder in ihrer Beziehung zu den Muslimen noch in ihrer Beziehung zu den Juden aufrichtig. die Beziehungen zu beiden liegen in ihrer Eigennützigkeit begründet. (Mauduudi)
52. Sie wussten, dass sie als Muslime eigentlich die Pflicht hatten, sich von den Intrigen der Feinde des Islam fernzuhalten und sich für den Islam gegen sie einzusetzen. (Juusuf `Allii)
Sie bekennen sich äußerlich zum Islam, während sie innerlich kaafir sind. (Darjabaadi)
15. Allah hat ihnen eine qualvolle Strafe bereitet. Schlimm ist fürwahr, was sie (im irdischen Leben) taten53.
53. Ihr Kufr und ihre Heuchelei: (Darjabaadi)
Die falschen Gerüchte, die sie unter den Mu'min verbreiteten, und die Verwirrung, Unsicherheit und Zwiespalt, die sie zu stiften suchten. (Qutb)
16. Sie haben ihre lügnerischen Beteuerungen als Deckung genommen54, und sie machen (die Menschen) von Allahs Weg abwendig55. Darum gibt es für sie eine erniedrigende Strafe.
54. In treuloser und verräterischer Absicht. (Darjabaadi)
55. Ein unehrlicher Mensch macht seine Betrügereien nur noch schlimmer wenn er schwört, er sei ehrlich. Er steht anderen Menschen im Weg und hindert sie, die Wahrheit anzunehmen. Er gibt Zynikern und Skeptikern eine Handhabe. (Juusuf `Allii)
Indem sie Zweifel in den Herzen anderer auslösen. (Asad)
Sie verursachen Verdächtigungen gegen den Islam und den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, indem andere ihre Aussagen für ein "Bild des Islam aus erster Hand" halten und sich in Abscheu davon abwenden. (Mauduudi)
17. Ihr Vermögen und ihre Kinder werden ihnen gegen Allah nicht das geringste nützen56. Sie sind Bewohner des Feuers; darin werden sie ewig bleiben.
56. Vielleicht prahlen sie mit Besitz, Einfluss und Anhängern. Was sind jedoch alle diese irdischen Vorteile vor dem Thron Dessen, Der die letzte Entscheidung in allen Dingen trifft? Sie gelangen in äußerstes Elend. (Juusuf `Allii)
18. An dem Tag, da Allah sie allesamt auferweckt, werden sie Ihm schwören57, so wie sie euch jetzt schwören, und sie werden meinen, sie könnten sich auf etwas stützen58. Aber nein, sie sind und bleiben Lügner59
57. Zum Zeitpunkt des Gerichts und bevor sie die Wahrheit erkennen müssen, glauben sie vielleicht (ebenso wie jetzt) noch, dass einige Schwüre oder Ausflüchte sie retten können. Aber bereits jetzt haben sie keine haltbare Grundlage, geschweige denn dann. Unwahrheit ist Unwahrheit und muss vergehen. Sie müssen die Wertlosigkeit ihrer Unwahrheit einsehen. (Juusuf `Allii)
In ihrer lebenslangen Gewohnheit, Unwahrheiten zu beschwören und Ausflüchte zu gebrauchen. (Darjabaadi)
Es ist ihre zweite Natur geworden. (Mauduudi)
58. Sie stellen sich vor, sie hätten eine feste Grundlage, die sie retten kann. (Darjabaadi)
Nämlich die Annahme, ihre Bevorzugung irdischer Vorteile gegenüber geistigen Zielsetzungen sei "vernünftig" und damit moralisch "gerechtfertigt". Auf diese Selbsttäuschung bezieht sich auch der nächste Aja. (Asad)
59. Der bestimmte Artikel "al" vor "kadibun" weist darauf hin, dass die hier dargestellten Menschen den äußersten Grad der Selbsttäuschung erreicht haben. (Asad)
19. Der Teufel hat sie beherrscht60 und sie Allahs Ermahnung vergessen lassen61. Sie sind die Partei des Teufels. Die Parteigänger des Teufels sind bestimmt die Verlierer.
60. Die ursprüngliche Natur des Menschen, so wies e erschaffen hat, ist gut; vergleiche auch Suura 30:30 und die entsprechenden Fußnoten. Nur dadurch, dass der Mensch trotz aller Warnungen, die er empfangen hat, dem Bösen erlaubt, Einfluss auf ihn auszuüben, vergisst der Mensch Allah und die Eigenschaften, die Allah ihm gegeben hat. Infolgedessen wird der Mensch zum Parteigänger des Bösen und verurteilt damit sich selbst zum Untergang. (Juusuf `Allii)
61. Indem der Mensch Seine Gebote außer acht lässt. (Darjabaadi)
20. Diejenigen, die Allah und Seinem Gesandten zuwiderhandeln, sind unter den Verworfensten62.
62. In der geistigen Welt gibt es verschiedene Grade der Demütigung. Die schlimmste Demütigung besteht jedoch darin, dass jemand zu den Elenden gezählt wird, die versucht haben, dem Unwiderstehlichen zu widerstehen. (Juusuf `Allii)
Dies ist eine Verheißung Allahs die in Erfüllung und immer in Erfüllung gehen wird. (Qutb)
Denn der Imaan an Allah, den einzigen, obsiegte über Götzendienerin und Verleugnung der Wahrheit, so dass der über die Welt herrschte, und zwar nach der Überwindung aller Hindernisse des Kufrs und der Vielgötterei. Vorübergehender Sieg und gelegentliche Mach Machtergreifung der Frevler und Tyrannen ändern nichts an der Regel Allahs, dass letztendlich die Rechtschaffenen und Mutaqis über die Erde herrschen werden. (Qutb)
21. Allah hat festgelegt. Ich werde sicherlich (alle Anfeindungen) überwinden63, Ich und meine Gesandten. Allah ist fürwahr voll der Macht und Erhabenheit64.
63. Der Unwiderstehlich wird jeden Widerstand überwinden und Sich als unüberwindlich erweisen. Dies bezieht sich auch auf Seinen Gesandten und dessen Anhänger. (Darjabaadi)
64. Zur Bedeutung des Wortes "Asiis" عَزِيز vergleiche auch Suura 22:40 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
Er kann Seinen Willen verwirklichen. (Darjabaadi)
22. Du wirst kein Volk finden, das an Allah und den Jüngsten Tag den Imaan verinnerlicht65 und(dennoch) diejenigen liebt, die Allah und Seinem Gesandten zuwiderhandeln66, selbst wenn es ihre Väter oder Kinder oder Geschwister oder Verwandten wären. Sie sind diejenigen, deren Herzen Er den eingraviert hat und die Er mit einem Geist stärkte, der von Ihm kam67. Und Er wird sie68 in Gärten eingehen lassen, durch die Ströme fließen. Ewig werden sie dort verweilen. Zufrieden ist Allah mit ihnen, und sie sind mit Ihm69. Diese sind Allahs Partei70. die Parteigänger Allahs sind letztendlich bestimmt die Erfolgreichen71!
65. Wenn jemand an Allah und Seine Güte und Gerechtigkeit sowie das zukünftige Leben den Imaan verinnerlicht in dem alle wahren Werte wiederhergestellt werden, kann er niemals das Böse, das Unrecht oder die Rebellion gegen Allah lieben, selbst wenn dies in seinen nächsten Angehörigen zu finden ist. (Juusuf `Allii)
Die Bindungen des Blutes und der Verwandtschaft enden nämlich an den Grenzen, des Islams sobald der Konflikt entsteht, ob ein Mensch Allah oder dem Bösen Folge leistet. Im Falle einer Auseinandersetzung zwischen der Partei Allahs und der Partei des Bösen enden selbst die Pflichten von Kindern ihren, kaafir Eltern gegenüber. In der Schlacht von Badr wurde es auf diese Weise zum Beispiel unumgänglich, dass Abu Ubaida seinen kaafir Vater tötete und Abu Bakr willens war, seinen Sohn, der noch kaafir war, zu töten. (Juusuf `Allii)
Dies bezieht sich auf alle, die an aktiven Feindseligkeiten gegen Allahs Botschaft oder die Person oder die Lehren unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, beteiligt sind. Was Beziehungen zu Kaafir betrifft, die den Islam nicht aktiv bekämpfen, so erlaubt der Qur'an diese ausdrücklich und ermahnt uns an vielen Stellen zu freundlichem Verhalten ihnen gegenüber. Vergleiche auch beispielsweise Suura 60:8-9 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)
66. Der Imaan an Allah ist unauslöschlich in ihre Herzen eingeschrieben, und sie können Allah nie untreu werden. (Juusuf `Allii)
67. Vergleiche Suura 2:87 und die entsprechenden Fußnoten, wo gesagt wird, dass Allah Seinen Propheten ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mit dem Heiligen Geist stärkte. Hier erfahren wir, dass alle guten und rechtschaffenen Menschen von Allah mit dem Heiligen Geists stärkt werden Hier ist die Redewendung sogar noch stärker formuliert: "Geist von Ihm". Immer, wenn jemand im sein Herz Allah anbietet, nimmt Allah es an, graviert diesen Imaan das Herz des Suchenden ein und stärkt ihn: (Juusuf `Allii)
Vergleiche auch Suura 16:2 und die entsprechenden Fußnoten. Nach Samachsari kann sich das "minhu" مِنْهُ entweder auf Allah beziehen ("Geist" oder "Inspiration von Ihm") oder auf den Mu'mins selbst. ("Inspiration, die aus seinem Imaan fließt"). (Asad)
68. Im zukünftigen Leben. (Darjabaadi)
69. Das ist das strahlende Bild äußerster Seelenruhe der Mu'mins in einer hoch erhabenen Stellung und einer höchst angenehmen Umgebung. Ihr Herr ist mit ihnen zufrieden und sie sind mit ihrem Herrn zufrieden. Er hat sie in Seine Nähe gebracht und als geschätzten Gästen sich ihnen in Liebe, Barmherzigkeit und Zufriedenheit zugewandt. (Qutb)
70. Dies ist die Antithese zur Anhängerschar oder Partei des Bösen, die oben in Aja 19 erwähnt wurde. Diese Partei des Bösen wird vergehen während ihr in der gegenwärtigen Welt Spielraum gegeben ist, kann die Anhängerschar der Wahrheit auch Partei Allahs genannt werden, selbst wenn in einem anderen Sinne alle Geschöpfe Allah gehören. (Juusuf `Allii)
71. Es ist nämlich Seine Gemeinschaft, die Seiner Führung folgt, Seine Gebote verwirklicht und Seinen Willen auf der Erde zur Geltung bringt. (Qutb)
Einführung zu Suura 59
Dies ist die dritte aus einer Serie von zehn kurzen madinansischen Suuras, die jeweils einen bestimmten Punkt im Gemeinschaftsleben abhandeln. Vergleiche auch die Einführung zu Suura 57. Hier geht es vor allem darum, wie verräterisches Verhalten der Feinde gegenüber der Umma auf die Feinde selbst zurückfällt, während es die Verbindung zwischen den verschiedenen Gruppierungen der Umma selbst stärkt, Dies wird durch die Geschichte von der Vertreibung des jüdischen Stammes der Banu Nadir im Jahre 4 nach der Hidschra veranschaulicht. Damit ist auch die chronologische Einordnung der Suura festgelegt.
Zusammenfassung:
Die Vertreibung der verräterischen Juden aus der Nachbarschaft von Madina ging reibungslos vonstatten, ihr Vertrauen auf ihre Festungsanlagen und die Zuverlässigkeit ihrer Verbündeten bei diesem Verrat erwies sich als grundlos. Die inneren Bindungen der Umma wurden jedoch gestärkt. So entspricht es der Weisheit Allahs, des Herrn der schönsten Namen. (Ajas 1 - 24)
Die Zusammenführung
Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen
1. Was in den Himmeln und was auf Erden ist preist Allah1, und Er ist der Allmächtige, der Allweise2.
1. Dieser Aja diese Suura einleitet, ist derselbe wie in Suura 57:1. In beiden geht es thematisch um das wunderbare Wirken von Allahs Plan und Fürsorge. In dem einen Fall bezieht sich der Text auf die Einnahme von Makka und lehrt Demut. In diesem Fall bezieht er sich auf die Vertreibung der verräterischen Banu Nadir aus der Umgebung von Madina, von wo aus sie ihre Intrigen gesteuert hatten. Vergleiche auch den nächsten Aja und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
Alles preist Allah bewusst oder unbewußt. (Darjabaadi)
2. Mächtig und stark, um Seinen Freunden beizustehen, und weise in Seinen Entscheidungen. (Qutb)
2. Er ist es, der die Kaafirs unter den Schriftbesitzern3 bei der ersten Versammlung4 aus ihren Häusern vertrieb. Ihr hattet nicht gedacht, dass sie ausziehen würden5, und sie hatten gedacht6, ihre Festungen würden sie vor Allah schützen7. Aber Allah kam über sie, von wannen sie es nicht vermuteten und warf Schrecken in ihre Herzen, so dass sie mit ihren eigenen Händen und den Händen der Mu’mins ihre Häuser zerstörten8. Das soll eine Lehre für euch sein, ihr Einsichtigen9!
3. Dies bezieht sich auf den jüdischen Stamm der Banu Nadir, deren Verrat und Intrigen der Sache der Muslime in der gefährlichen Zeit der Schlacht von Uhud im Sawwal des Jahres 3 nach der Hidschra beinahe ein Ende bereitet hätte. Vier Monate später wurden gegen sie Schritte unternommen. Sie wurden aufgefordert, die strategisch günstige Position etwa vier Kilometer südlich von Medina zu verlassen, die sie besetzt hielten und damit die Existenz der Umma in Medina gefährdeten. Zunächst weigerten sie sich, wobei sie sich auf ihre Befestigungsanlagen und auf ihr Bündnis mit den makkanischen Götzendienern und den madinansischen Heuchlern verließen. Als sich jedoch die Armee der Muslime zu einer Strafexpedition versammelte und sie auch wirklich einige Tage lang belagerte, rührten ihre Verbündeten keinen Finger zu ihrer Hilfe, und sie waren vernünftig genug, den Rückzug anzutreten. Die meisten von ihnen schlossen sich ihren Glaubensbrüdern in Syrien an, die sie aufnahmen, nachdem sie entwaffnet worden waren. Einige von ihnen gesellten sich zu ihren Glaubensgenossen in Haibar; vergleiche hierzu auch Suura 33:27 und die entsprechenden Fußnoten. Die Banu Nadir hatten eine Strafe reichlich verdient, aber ihr Leben wurde geschont, und sie durften ihre Waren und ihr Vieh mitnehmen. (Juusuf `Allii)
Ibn Ishaaq berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nach der Schlacht von Uhud mit zehn seiner Gefährten zu dem Jüdischen Stamm der Banu Nadir ging. Sie wohnten südöstlich von Madina, und hatten einen militärischen Pakt mit dem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, abgeschlossen, deshalb bat er sie, einen Teil eines Lösegeldes zu zahlen. Sie zeigten sich scheinbar dazu bereit und baten ihn, etwas zu warten. Statt aber das Geld zu holen, verschworen sie sich heimlich gegen den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und schickten einen von ihnen, um einen großen Steinbrocken vom Hausdach auf ihn, der mit dem Rücken zur Hauswand saß, zu schleudern in der Absicht, ihn zu töten. Doch Allah, der seinen Gesandten vor solchen Verschwörungen schützte, tat ihm ihren Plan kund. Er kehrte sofort nach Madina zurück, und betrachtete diese Verschwörung als Vertragsbruch, zumal die Banu Nadir seit der Schlacht von Uhud heimliche Kontakte und Verabredungen mit den makkanischen Götzendienern pflegten und Verunglimpfungen des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, unter den Muslimen in Medina verbreiteten. Er rief die Mu’mins Kampf gegen die Banu Nadir, belagerte ihre Festungen und forderte sie auf auszuwandern. Nach 26-tägiger Belagerung gaben die Juden auf und verließen ihre Siedlungen. Sie durften alles mitnehmen, was sie mitnehmen konnten, außer den Waffen. Der Qur’an macht die auf die Lehren aufmerksam, die aus den begleitenden Ereignissen gezogen werden müssen. (Qutb)
In diesem Aja liegt die Betonung darauf, dass Allah Derjenige war, Der die Kaafirs aus ihren Häusern getrieben hat. Er ist der Urheber aller Dinge, handelt jedoch durch die Menschen und manchmal auch entgegen ihren Erwartungen. (Qutb)
Die Juden, die ansonsten Achl Al-Kitaab" ("Schriftbesitzer", Anhänger einer früheren Schriftreligion) sind, werden hier als "Wahrheitsleugner" bezeichnet, weil sie sich in verräterischer Weise gegen unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wandten, obgleich sie vorher zugegeben hatten, dass er der Gesandte Allahs war, den ihre eigenen Schriften (vergleiche Deuteronomium 18:15 und 18) ihnen verheißen hatten. (Asad)
4. Das Wort "hasr" in diesem Text bedeutet eine Versammlung von verstreuten Individuen oder eine Musterung. Was damit genau gemeint ist, wird von den Kommentatoren unterschiedlich gesehen. nach einigen wird damit die Verbannung der Banu Nadir aus der Nachbarschaft von Madina bezeichnet, woraufhin die zweite Versammlung oder "Musterung" dann in der Zeit von ’Umar geschah, als Juden und Christen von der Arabischen Halbinsel verbannt wurden, und die endgültige Versammlung findet am Tag der Auferstehung statt. Andere beziehen das Wort auf die Musterung der muslimischen Armee zur Expedition gegen die Banu Nadir, wobei "bei der ersten Versammlung oder Musterung" hier bedeuten würde: "bevor Blut vergossen wurde". Sah Waliullah übersetzte: "Bei der allerersten Musterung der Truppen." Unserer Ansicht nach ist dies die Übersetzung, die am besten den Sinn dieser Worte wiedergibt. (Mauduudi)
5. Das heißt ohne tatsächliche Kampfhandlungen und ohne, dass das Blut von Muslimen vergossen wurde. (Juusuf `Allii)
Angesichts der starken Position der Gegner. (Darjabaadi)
6. Im Bewusstsein ihrer Machtposition. (Darjabaadi)
Die Banu Nadir waren seit Jahrhunderten dort fest etabliert. Ihre Siedlungen waren so befestigt, wie es in Gebieten mit ständigen Stammesfehden üblich ist. Zahlenmäßig waren sie so stark wie die Muslime, und in Madina selbst hatten sie Verbündete unter den Heuchlern. Die Muslime hatten also einen bereitwilligen, kampflosen Rückzug nach so kurzer Belagerung nicht erwarten können. Auch die Banu Nadir hätten sich nicht vorstellen können, dass irgendeine Macht sie dazu bewegen könnte, innerhalb so kurzer Zeit ihre Siedlungen zu verlassen. (Mauduudi)
7. Sie hatten ein doppeltes Spiel getrieben. Ursprünglich waren sie Verbündete der Muslime unter unserem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in Madina gewesen und hatten dies beschworen, dann aber heimlich mit den Götzendienern in Makka unter Abu Sufjaan und den madinansischen Heuchlern ein Bündnis geschlossen. Sie hatten sogar versucht, den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu töten, als er sie einmal besuchte, womit sie sowohl das Gesetz der Gastfreundschaft als auch ihr eigenes beschworenes Bündnis brachen. Sie rechneten damit, dass die makkanischen Götzendiener und die Heuchler ihnen helfen würden, aber dies taten sie nicht. Im Gegenteil zeigte die Belagerung ihnen ihre eigene Hilflosigkeit. Ihre Versorgung war abgeschnitten; die näheren Umstände der Belagerung machten es notwendig, dass ihre Palmen gefällt wurden; die unerwartete Wende ihres Schicksals entmutigte sie. Ihre Herzen wurden von Angst ergriffen und sie kapitulierten. Sie verwüsteten jedoch ihre Häuser, bevor sie sich zurückzogen. Siehe auch die nächste Fußnote. (Juusuf `Allii)
Dies ist eine metaphorische Ausdrucksweise. Damit kommt die Vorstellung zum Ausdruck, dass sie damit rechneten, dass Allah nur aus der Richtung eine Armee gegen sie schicken könnte, wo sie durch ihre Befestigungsanlagen geschützt waren. Allahs Angriff kam jedoch auf eine ganz andere Weise, indem Er sie nämlich schwächte und von innen her ihre Widerstandskraft brach, so dass weder ihre Waffen noch ihre Festungen ihnen nützen konnten. (Mauduudi)
8. Ihr Leben wurde geschont, und sie bekamen eine zehntägige Frist, in der sie sich mit ihren Familien und aller Habe, die sie transportieren konnten, zurückziehen konnten. Um nichts den Muslimen zu hinterlassen, zerstörten sie ihre eigenen Häuser und vernichteten ihr Eigentum und vervollständigten damit die Zerstörung, die die Kampfhandlungen bereits verursacht hatten. (Juusuf `Allii)
Bereits durch ihren Verrat verwirkten sie ihr Recht auf Staatszugehörigkeit und ihr angestammtes Eigentum und zerstörten dies so "mit eigener Hand". (Asad)
9. Aus diesem Ereignis können wir vielerlei Lehren ziehen. Die Juden waren nichts anderes als die Anhänger früherer Propheten: sie glaubten an Gott, an die Schrift, an die früheren Propheten und an das zukünftige Leben und waren dementsprechend frühere Muslime (= Gottergebene). Als sie jedoch der Religion und der Moral den Rücken nur um eigennützigen Absichten und irdischen Interessen nachzugehen, und ihre Verträge brachen, wandte sich Allahs Gnade von ihnen ab. Durch dieses Beispiel werden vor allem die Muslime selbst gewarnt, ihr Schicksal zu bedenken und daraus zu lernen, sich nicht so zu verhalten, als ob sie von besonders bevorzugt wären und sich aufgrund dessen eine Missachtung von Religion und Moral leisten könnten, indem sie dem Missverständnis zum Opfer fielen, ihr Imaan an den letzten Propheten sei in sich selbst schon eine Garantie für ihre Straffreiheit. Auch diejenigen können aus diesem Beispiel lernen, die in der Welt bewusst die Wahrheit bekämpfen und sich auf Reichtum, Einfluss und Macht verlassen, indem sie glauben, dies könne sie vor Strafe Allahs bewahren. (Mauduudi)
3. Und hätte nicht Allah ihre Verbannung angeordnet, so hätte er sie sicherlich in dieser Welt qualvoll bestraft, und im Jenseits wartet die Strafe des Feuers10 auf sie.
10. Die Verbannung war eine vergleichsweise milde Strafe für sie, aber hatte in Seiner Fürsorge beschlossen, dass sie noch eine Chance bekommen sollten, obwohl sie eine verräterische Gruppe waren. Innerhalb von zwei Jahren zeigten ihre Glaubensgenossen, die Banu Quraisa, dass sie aus diesem Beispiel nichts gelernt hatten und man mit ihnen auf andere Weise fertigwerden musste; vergleiche Suura 33:26 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
Er hätte sie sonst vernichten lassen. Ihre Männer wären im Kampf umgekommen, und ihre Frauen und Kinder wären gefangen genommen worden, ohne dass jemand sie hätte freikaufen können. (Mauduudi)
4. All das, weil sie sich gegen Allah und Seinen Gesandten aufgelehnt haben11. Und wer sich gegen Allah auflehnt - dann ist Allah fürwahr streng im Strafen.12
11. "Sie haben sich von Allah und Seinem Gesandten abgetrennt" oder "sie haben gegen Allah und Seinen Gesandten gestritten". (Asad)
Es ist keine unerwartete Wendung und auch kein purer Zufall, dass Allah der muslimischen Schar zum Sieg verhilft und ihren Feinden Schrecken einjagt und die Engel dabei zu ihren Verbündeten macht. Der Grund für all dies ist der, dass die Götzendiener sich gegen Allah auflehnten und ständig versuchten, die Menschen von Allahs Pfad abzubringen. (Qutb)
12. Die Banu Nadir wurden dafür bestraft, dass sie das unserem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gegebene Wort gebrochen und aktiv Allahs Botschaft bekämpft und seine Feinde unterstützt hatten, und damit hatten sie gegen Seinen heiligen Willen rebelliert. Die Strafe Allahs für einen solchen Verrat ist besonders schwer. (Juusuf `Allii)
5. Was ihr an Palmen gefällt habt13 und was ihr auf den Wurzeln habt stehen lassen14, es geschah mit Allahs Erlaubnis15, wodurch Er die Frevler demütigte16.
13. Damit sind die Muslime angesprochen. (Darjabaadi)
14. Unnötiges Fällen von Fruchtbäumen oder die Vernichtung der Ernte oder jede willkürliche Zerstörung im Krieg ist nach dem Gesetz des Islam verboten. Manchmal ist eine solche Zerstörung jedoch notwendig, um den Gegner unter Druck zu setzen, und in einem solchen Fall kann sie erlaubt sein. Soweit es jedoch mit der Zielsetzung einer solchen militärischen Operation vereinbar ist, dürfen solche Bäume nicht gefällt werden. Beide Prinzipien entsprechen Allahs Willen und wurden von den Muslimen bei dieser Expedition befolgt. (Juusuf `Allii)
Die Muslime hatten Palmen gefällt, die die Belagerung behinderten aber anderen Palmen stehengelassen. Die Banu Nadir und die Heuchler leiteten daher einen Vorwurf gegen den Propheten , Allahs Segen und Frieden auf ihm, ab, der das Fällen von Fruchtbäumen immer verboten hatte. Deswegen wird hier klargestellt, dass Zerstörungen, die im Kriegsfall notwendig werden, keine Willkür sind. "Unheil in der Welt stiften" würde vielmehr eine Armee, die in ein Territorium eindringt und ohne jeden Grund Bäume fällt, die Ernte vernichtet oder Häuser zerstört. (Mauduudi)
15. Die Banu Nadir mussten für ihre Arroganz eine Demütigung erfahren und ihre Macht, Unheil anzurichten, musste vernichtet werden. (Juusuf `Allii)
16. Die erste Demütigung bestand darin, dass sie hilflos zusehen mussten, wie die Palmen, die sie mit eigener Hand gepflanzt und seit Generationen besessen hatten, gefällt wurden. Die zweite Demütigung bestand darin, dass sie mit ansehen mussten, dass die Palmen, die stehen geblieben waren, in die Hände der Muslime fielen. (Mauduudi)
6. Was Allah Seinem Gesandten von ihnen gewährt hat17, ihr habt weder Pferd noch Kamel dafür aufgeboten18, sondern Allah gibt Seinem Gesandten Übermacht, über wen Er will, und Allah hat Macht über alle Dinge19.
17. Was Allah unserem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vom Eigentum des Gegners kampflos gegeben hatte. (Darjabaadi)
Hier: von den Banu Nadir. (Asad)
Von hier bis unten Aja 10 wird erläutert, wie Ländereien und Besitz, der nach der Ausweisung der Banu Nadir dem islamischen Staat zufiel, zu verwalten sein sollte. Da dies der erste Fall war, wo gegnerisches Gebiet besetzt wurde, wurden hier die Umrisse eines diesbezüglichen Gesetzes gezeichnet. Aus dem Wortlaut geht hervor, dass diejenigen, die sich gegen Allah auflehnen, kein Recht auf das Land haben und auf das, was sich darauf befindet. Sie haben sich vielmehr wie ungehorsame Diener das Eigentum ihres Herrn angeeignet. Der wirkliche Zweck dieses Eigentums liegt darin, dass er im Dienst und Gehorsam gegenüber seinem wirklichen Herrn genutzt wird. (Mauduudi)
18. Weder mit Pferden noch mit Kamelen war bei dieser Belagerung Kavallerie eingesetzt worden, sondern der Gegner gab beim ersten Anmarsch nach. Vergleiche oben Aja 2 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
Ihr habt nicht dafür kämpfen müssen; der Gegner hat sich kampflos ergeben. Der Begriff "fay" wird im Qur’an und in den Hadiisen ausnahmslos auf im Krieg erlangte Dinge angewendet, sei es Land, Tribut oder eine Kriegsentschädigung, die als Friedensbedingung vom Gegner gefordert wird, und zwar von einem Gegner, der sich ergeben hat, bevor tatsächlich Kampfhandlungen stattfanden. (Asad)
19. Allah erreicht Sein Ziel auf verschiedene Weise entsprechend Seinem Heiligen Willen und Plan. In einigen Fällen wird ein Kampf notwendig. In anderen Fällen erlangen die Mutaqis ihr Ziel und schüchtern ihre Gegner ein, ohne Gewalt anwenden zu müssen. (Juusuf `Allii)
Die Gesandten Allahs gehören zu Seiner Macht, mit der Er diejenigen bestraft, die Seine Strafe verdienen. (Qutb)
7. Was Allah Seinen Gesandten20 von den Bewohnern der Städte21 erben ließ, das gehört Allah22 und Seinem Gesandten23 und den nahen Angehörigen24 und den Waisen und den Armen und den Reisenden25, damit es nicht nur unter den Reichen von euch die Runde macht26. Und was euch der Gesandte27 gibt, dass nehmt, und was er euch verwehrt, darauf verzichtet28. Und fürchtet Allah. Allah ist fürwahr streng im Strafen.
20. Die Juden hatten um Madina Siedlungen mit eigener Regierungshoheit. Als unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nach Madina auswanderte, schloss er einen Bund mit ihnen, wonach beide Partner zusammen gegen jeden Angreifer vorgehen sollten. Die Juden aber liebäugelten verräterisch mit den makkanischen Götzendienern und handelten gegen das Bündnis mit dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Qutb)
21. Die Städte waren die Siedlungen der Juden in der Umgebung von Medina, wo die Banu Nadir und möglicherweise auch andere Stämme lebten. Vergleiche auch die "Städte" unten in Aja 14. (Juusuf `Allii)
22. Grundsätzlich, und niemand aus der Gemeinschaft hat einen Anspruch darauf. (Darjabaadi)
23. Diese Beute wurde ohne Kampfhandlungen gemacht. Sie wurde deswegen anders verteilt. Unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, durfte einen Teil behalten, von dem er immer wieder für die gemeinschaftlichen Interessen bis zu seinem Tod ausgab. Nach seinem Tod ging sein ganzes Vermögen an die Staatskasse. Der Rest sollte wie weiter unten angegeben verteilt werden. (Qutb)
Nicht individuellen muslimischen Kämpfern. Wie so oft im Qur’an, so ist auch hier "Allah und Sein Gesandter" eine Umschreibung für die islamische Sache beziehungsweise für eine Regierung, die im Sinne der Gesetze des Qur’an und der Lehren des Propheten regiert. (Asad)
24. Für die Verwandten des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Darjabaadi)
Die Verwandten des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, durften nichts vom Sakat (Almosen) nehmen. Dafür sollten sie - ähnlich wie der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst - von dem Fay einen Teil bekommen, da sie zuvor besonders unter der Verfolgung hatten leiden müssen. Für die Angehörigen gefallener Muslime. (Asad)
25. Vergleiche Suura 8:41 und die entsprechenden Fußnoten, wo es um Beute geht, die bei tatsächlichen Kampfhandlungen gewonnen wurde, und von der ein Fünftel für die oben erwähnten fünf Menschengruppen zu reservieren ist. Im Gegensatz dazu wird "Fay" vollständig für sie verwendet. (Asad)
Die Fremden, die unterwegs sind, haben in dem fremden Ort keine Verwandten und keine Freunde, die ihnen in einer eventuellen Notlage helfen könnten. (Anm. d. Übers.)
26. Dies ist einer der wichtigsten Ajas im Qur’an, der die Grundprinzipien für die Wirtschaftspolitik einer islamischen Gemeinschaft und Regierung darlegt. Wohlstand sollte unter den Mitgliedern der gesamten Gemeinschaft zirkulieren und nicht nur unter den Reichen, damit nicht die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Aus dem gleichen Grund hat der Qur’an Wucher verboten, die Armensteuer zur Pflicht gemacht, angeordnet, dass ein Fünftel der Kriegsbeute den Armen zur Verfügung gestellt wird, die Muslime zu freiwilliger Freigebigkeit aufgefordert und verschiedene Formen der Sühne für Vergehen eingeführt, die den ärmeren Klassen der Gesellschaft Anteil am Wohlstand ermöglichen. Ebenso tragen die Erbgesetze dazu bei, dass Reichtum verteilt wird. Eine islamische Regierung soll mit ihren Geldern so umgehen, dass reiche und einflussreiche Leute kein Monopol über die Mittel haben, sondern diese in Umlauf bleiben. (Mauduudi)
27. Dies steht später für den islamischen Staat, der in diesem Sinne über den Anteil "Allah und Seines Gesandten" zu verfügen hat. (Asad)
28. Da der Wortlaut diese Gebots allgemein gehalten ist, kann er nicht auf "Fay" beschränkt bleiben, sondern die Muslime sollten in allen Dingen dem Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gehorchen. (Mauduudi)
8. (Es ist)29 für die armen Auswanderer30, die aus ihren Wohnstätten und von ihrem Hab und Gut vertrieben wurden, indem sie Allahs Gunst und Wohlgefallen anstrebten31 und Allah und Seinem Gesandten halfen. Dies sind die Wahrhaftigen.
29. In diesem Aja folgt eine Präzisierung der Gruppe von Menschen, denen von dem Fay gegeben werden soll, nämlich den armen Auswanderern ... (Anm. d. Übers.)
30. Die Muhadschiruun sind diejenigen, die ihr Heim und ihr Eigentum in Mekka verlassen hatten, um dem Propheten bei seiner Auswanderung nach Medina beizustehen. Ihre Hingabe und Aufrichtigkeit erwies sich zweifelsfrei in ihrer Selbstlosigkeit, und sie sollten nun belohnt werden. (Juusuf `Allii)
Diejenigen, die den Bereich des Bösen verlassen haben. (Asad)
Vor der Besetzung des Gebietes der Banu Nadir hatten die Auswanderer keine permanente Bleibe und keinen gesicherten Unterhalt. Deswegen wurde ihnen ein Anteil an "Fay" zugestanden, ebenso wie anderen Armen, Waisen und Reisende. Mit diesen Mitteln sollte all denen geholfen werden, die gezwungen waren, für die Sache Allahs und Seines Gesandten auszuwandern. Dies bezieht sich nicht allein auf diesen historischen Zusammenhang, sondern ist für alle Zeiten die Pflicht eines islamischen Staates. (Mauduudi)
31. Menschen mit Imaan die nicht von weltlichen Absichten getrieben werden. (Darjabaadi)
9. Und diejenigen, die vor ihnen in der Stadt wohnten32 und im Imaan (verwurzelt waren)33, lieben diejenigen, die zu ihnen auswanderten. Sie finden in ihren Herzen kein Bedürfnis nach dem, was (jenen) gegeben wurde. Sie geben ihnen den Vorzug vor sich selbst34, auch wenn sie selbst unter Entbehrun- - gen leiden. Und diejenigen, die vor ihrer eigenen Habgier bewahrt sind, denen wird es wohl ergehen35
32. Es soll auch den Armen unter folgenden Personen zur Verfügung stehen. (Asad)
33. Dies bezieht sich auf die Ans (die "Helfer"), die Leute von Madina, die den Islam annahmen, als er in Makka verfolgt wurde, und die den Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einladen, ihr Führer in Madina zu werden. Aufgrund ihres guten Willens und ihrer großzügigen Gastfreundschaft wurde die Hidschra möglich. Sie nahmen den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf und alle seine Anhänger, die mit ihm kamen. Erstaunliche Bindungen der Bruderschaft wurden zwischen den Mitgliedern der beiden Gruppen geschlossen. Bis die islamische Gemeinschaft über eigene Mittel verfügte, waren die Helfer die Gebenden und die Auswanderer die Nehmenden. Die Helfer empfanden es als Privileg, den Auswanderern zu helfen, und selbst die Armen wetteiferten mit den Reichen in der Selbstaufopferung. Als das besetzte Gebiet der Banu Nadir verteilt wurde, ging ein großer Teil davon an die Auswanderer, wobei die Helfer keineswegs neidisch wurden. Sie freuten sich über das Glück ihrer Brüder. Ihrerseits wurden sie damit auch von Sorgen und Pflichten befreit. (Juusuf `Allii)
Vor der Ankunft derer, die "den Bereich des Bösen verlassen haben." (Asad)
Damit wird noch einmal unterstrichen, dass nicht nur die Auswanderer Nutzen von Fay haben, sondern auch die Helfer. (Mauduudi)
34. Geiz und Kleinmut stehen allem Guten im Wege. Gutes ist in jeder Hinsicht großmütig und freigebig. (Juusuf `Allii)
Dies bezieht sich in erster Linie auf Ansar ("Helfer") von Madina. In einem weiter verstandenen Sinne bezieht es sich aber auch auf alle aufrichtigen zu allen Zeiten, die in Freiheit und Sicherheit im Bereich des Islam leben und bereit sind, jeden mit offenen Armen zu empfangen, der seine Heimat verlassen muss, um den Erfordernissen seines entsprechend leben zu können. (Asad)
35. Gier, Geiz und Habsucht werden hier als Haupthindernisse zur Erlangung eines Glückzustandes in diesem und dem künftigen Leben herausgestellt. (Asad)
10. Und diejenigen, die nach ihnen kamen36, sprechen: „Unser Herr, vergib uns und unseren Brüdern, die uns im Imaan verinnerlichen vorangegangen sind, und lasse in unseren Herzen37 keinen Groll gegen die Mu’mins sein38. Unser Herr, Du bist fürwahr gütig und barmherzig."
36. Der unmittelbare Bezug ist auf diejenigen, die später in Madina ankamen oder - verglichen mit den Auswanderern - später den Islam annahmen. Allgemein gefasst schließt es jedoch alle ein, die in späteren Zeiten sich dem Islam anschlossen. Sie beten nicht nur für sich selber, sondern für alle Geschwister im Islam, und vor allem bitten sie darum, dass ihre Herzen von allen Neigungen gereinigt werden, die guten Handlungen anderer Muslime gering zu schätzen oder über deren Erfolg oder Glück Neid zu empfinden. (Juusuf `Allii)
37. Ein Mensch. der Unrecht erlitten hat oder enttäuscht worden ist, hat vielleicht in seinem Inneren noch eine Bitterkeit, die gelegentlich in sein Bewusstsein dringt und einen Schatten auf sein Glück wirft. Dann ist die Erinnerung selbst schmerzhaft. Auch Trauer wird in der Erinnerung intensiviert. Aber dies gilt für unser vollkommenes Leben. Im vollkommenen Glück der Rechtschaffenen werden solche Gefühle ausgelöscht. Die Schatten der Vergangenheit werden sich im strahlenden Licht aufgelöst haben, und kein vergangenes Glück wird mit dem vollkommenen Glück vergleichbar sein, das sie erreicht haben. Auch kein Neid wird diese Glückseligkeit überschatten. (Juusuf 'Allii)
Groll. den sie vielleicht zu Lebzeiten gegeneinander gehegt hatten. Dieser wird durch vollkommene Liebe und Freundschaft ersetzt. In dieser Beziehung besteht ein scharfer Gegensatz zwischen den Bewohnern des Paradieses und denen der Hölle. deren Inneres voll ist mit Neid, Hass und Groll. (Darjabaadi)
Wenn es zwischen den guten Menschen in dieser Welt irgendwelche feindseligen Gefühle oder Missverständnisse gegeben hat. dann werden diese alle im zukünftigen Leben beseitigt. Ihre Herzen werden ganz frei von Feindschaft, und sie kommen als aufrichtige Freunde ins Paradies. Sie werden nicht einmal unangenehm berührt, wenn sie sehen, dass ihre Opponenten, Rivalen und Kritiker die Freuden des Paradieses mit ihnen teilen. Allah würde die guten Menschen nicht mit einem solchen Schatten auf ihrem Charakter ins Paradies kommen lassen, sondern sie durch seine Barmherzigkeit reinigen. (Mauduudi)
38. Die Mu'mins sind durch ihren Imaan miteinander verbunden, im Bewusstsein dar Barmherzigkeit und Freundlichkeit. (Qutb)
Wann der Imaan das Wichtigste in einem Menschenherzen ist, wünscht er unweigerlich allen denen, die seinen Imaan mit ihm teilen, das Basta. (Mauduudi)
Abschnitt 2
11. Hast du nicht von denjenigen erfahren, die Heuchler wurden39? Sie sprechen zu ihren Artgenossen von den Schriftbesitzern, die die Botschaft verleugneten40: "Wenn ihr vertrieben werdet, dann ziehen wir gewisslich mit euch, und wir werden niemals jemandem gegen euch Folge leisten, und wenn ihr angegriffen werdet, dann werden wir euch gewiss beistehen." Allah aber ist Zeuge, dass sie doch Lügner sind41."
39. Diejenigen, die ihre wirklichen Gefühle geheim halten. (Asad)
Aus dem Stil dieses Abschnittes ist ersichtlich, dass allem Anschein nach unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, den Banu Nadir eine Aufforderung zukommen ließ, Madina innerhalb von zehn Tagen zu verlassen, bevor er ihre Siedlungen belagerte. Zu dieser Zeit schickten Abdullah ibn Ubayy und andere Führer dar Heuchler ihnen eine Botschaft, die besagte, dass sie ihnen mit zweitausend Mann zu Hilfe kommen würden, so dass sie nicht vor den Muslimen kapitulieren müssten. Wenn die Muslime sie dennoch vertreiben würden, dann würden sie mit ihnen gehen. Daraufhin wurden diese Ajas offenbart. Dieser Abschnitt ist also früher offenbart worden als der erste. Die beiden Abschnitte sind wahrscheinlich deswegen ausgetauscht worden, weil die Thematik das ersten Abschnittes von größerer Bedeutung ist. (Mauduudi)
40. Die Heuchler von Madina hatten den Banu Nadir ihre Unterstützung zugesichert. Sie waren von dar Annahme ausgegangen, dass ihr eigener Verrat an dar Sache diese so schwächen würde, dass sie damit ihre Freunde würden retten können. Sie hätten jedoch niemals Maßnahmen ergriffen, die wirkliche Opferbereitschaft erforderten; wann sie ihren jüdischen Freunden geholfen hätten, dann hätten sie wahrscheinlich doch keinen Erfolg gehabt; wann sie sich wirklich an Auseinandersetzungen beteiligt hätten, dann hätten sie doch weder moralische Stärke noch den Mut gehabt, ihnen wirklich nützlich zu sein, und vor dar Disziplin, dem Ernst und dem Imaan der Muslime hätten sie bald die Flucht ergriffen. (Juusuf `Allii)
Dieser Abschnitt kann auch in einem weiter gefassten, zeitlosen Sinne verstanden werden und sich dann auf die Nutzlosigkeit und Sinnlosigkeit aller Bündnisse zwischen Menschen beziehen, die sich dar Wahrheit entgegenstellen, und Menschen, die halbharzig hin- und her schwanken und weder bereit sind, sich konsequent für eine Sache einzusetzen, noch moralisch stark genug sind, ihren Kufr einzugestehen. (Asad)
41. So geschah es auch wirklich. Sie rührten nie einen Finger für die Juden und hatten auch gar nicht die Absicht dazu. jedoch Allah kennt alle geheimen Absichten und Motivationen. Vergleiche auch Suura 47:26 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
12. Wenn Sie vertrieben werden, dann gehen sie doch nicht mit ihnen, und wenn sie angegriffen werden, dann stehen sie ihnen doch nicht bei. Und wenn sie ihnen auch beistünden42, sie würden doch (schließlich)43 die Flucht ergreifen, und von niemandem Hilfe bekommen44.
42. Um den Anschein aufrechtzuerhalten. (Darjabaadi)
43. Auf lange Sicht. (Darjabaadi)
44. Allah hilft immer dem Bedrängte Mild Ihn in seiner Not treu und ergeben um Hilfe ruft. Diesen aber kann nicht geholfen werden, weil sie sich gegen Seinen Gesandten auflehnten. (Anm. d. Übers.)
13. Wahrlich, sie empfinden in ihren Herzen größere Ehrfurcht vor euch als vor Allah45. Dies (ist der Fall), weil sie ein Volk sind ohne Verstand46.
45. "Ihr seid stärker (als sie) aufgrund der Angst in ihren Herzen, die von Allah (geschickt wurde)". Damit wird den Muslimen gesagt: "Selbst wenn ihr zahlenmäßig schwach seid oder sie sie scheinbare Vorteile haben, seid ihr in Wirklichkeit stärker als sie, denn sie haben in ihrem Inneren Angst, und Allah schickt in die Herzen der Ungerechten." Eine andere Satzkonstruktion würde folgende Bedeutung ergeben: „Da sie Kaafir sind, fürchten sie euch mehr als denn sie sehen eure Kampfkraft, während sie an Allah nicht den Imaan verinnerlichen" (Juusuf `Allii)
Die Heuchler und ihre Artgenossen unter den leugnenden Schriftbesitzern verinnerlichen nicht den Imaan an Allah und begreifen nicht Seine Hoheit und Seine Allmacht haben deswegen keine richtige Ehrfurcht vor Ihm. Sie kennen aber die Entschlossenheit und die Tapferkeit der Mu'mins und haben deswegen mehr Ehrfurcht vor ihnen als vor Allah. (Qutb)
Ihre Angst, euch offen gegenüberzutreten, ist nicht darin begründet, dass sie Angst vor Allah und vor ihrer Verantwortung Ihm gegenüber hätten, sondern sie sehen eure Liebe und Opferbereitschaft für den Islam und den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und die starke Einheit in euren Reihen und sind dadurch entmutigt. (Mauduudi)
46. Damit wird offenkundig, wie es im Inneren der Heuchler wirklich aussieht und im Inneren derjenigen unter den Anhängern früherer Schriftreligionen, die die Wahrheit nicht sehen wollen. (Qutb)
Insofern als sie nicht oder höchstens halbherzig an Allah den Imaan verinnerlichen, verursachen ihnen die greifbaren, materiellen Gefahren dieser Welt größere Angst als der Gedanke an Sein letztendliches Gericht. (Asad)
Ein vernünftiger Mensch weis, dass die wirkliche Macht bei Allah Liegt, nicht bei den Menschen. Er wird deswegen alles vermeiden, was Allahs Strafe heraufbeschwöre könnte, ob eine menschliche Macht ihn dafür zur Rechenschaft zieht oder nicht, und er wird alle Pflichten erfüllen, die Allah auferlegt hat, auch wenn er von allen Mächten der Welt dabei behindert wird. Ein unvernünftiger Mensch hingegen lässt seine Haltung und sein Verhalten durch menschliche Mächte statt durch Allahs Macht bestimmen, denn Allahs Macht ist für ihn nicht wahrnehmbar, während menschliche Macht sehr wohl wahrnehmbar ist. Wenn er etwas vermeidet, dann nicht aus Verantwortungsbewusstsein vor Allah, sondern aus Angst, eine menschliche Macht könnte ihn dafür zur Rechenschaft ziehen. Und wenn er etwas tut, dann nicht deswegen, weil ihm geboten hat, sondern weil eine menschliche Instanz es gutheißt oder befiehlt und ihn möglicherweise dafür belohnt. Das ist die Unterscheidung zwischen Vernunft und Unvernunft und es unterscheidet einen Mu’min von einem Kaafir. (Mauduudi) .
14. Sie würden nicht einmal alle gemeinsam bekämpfen47, es sei denn in befestigten Städten