von Suura 46 "Die Sanddünen" Aja 1 –

Suura 51 "Die aufwirbelnden Winde"  Aja 30

 

Einführung zu Suura 46

Dies ist die siebte und letzte Suura der Ha-Mim-Serie. Zur allgemeinen Thematik und chronologischen Einordnung dieser Suuras vergleich die Einführung zu Suura 40.

"Achqaaf" الأحقاف (vergleiche Aja 21) sind die langen, gewundenen Gebiete von Sanddünen, die für das Land der `Ad charakteristisch sind, das an Hadramaut und Jemen angrenzt. Vergleiche hierzu auch Suura 7:66 und die entsprechenden Fußnoten. Dieses Volk hatte zu jener Zeit wahrscheinlich ein fruchtbares, bewässertes Land, aber seine Vergehen brachten schließlich die Katastrophe über sie, wie sie in Aja 24 dieser Suura erwähnt wird. Wir lernen aus dieser Suura, dass die Wahrheit auf alle Herausforderungen entsprechend antwortet und sich schließlich durchsetzt.

Zusammenfassung:

Die ganze Schöpfung hat einen Sinn und Zweck: Wahrheit und Offenbarung werden zur Geltung gebracht, und wer sie in Frage stellt, wird durch seine eigenen Machenschaften zu Fall gebracht. Die Rechtschaffenen sollen in Geduld und Standhaftigkeit raten. (Ajas 1 - 35)

 

Die Sanddünen

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

 

1. Haaa Miiim1.

1. Vergleiche die Einführung zu Suura 40. (Juusuf `Allii)

Mit diesen Buchstabennamen wird der Hörer darauf aufmerksam gemacht, dass der wunderbare Qur’an nur aus den allen bekannten Buchstaben des Alphabets besteht, sein Stil sich aber unverkennbar vom Sprachenstill der Menschen abhebt. (Qutb)

 

2. Das Buch wird nach und nach herabgesandt von Allah2, dem Allmächtigen, dem Allweisen3.

2. Er trägt die Zeichen Desjenigen, Der ihn herabsendet, nämlich des Allmächtigen, Unbesiegbaren und Allweisen. (Qutb)

3. Darum sollen wir gründlich über seinen Inhalt nachdenken. (Darjabaadi)

 

3. Die Himmel und die Erde und was zwischen beiden ist schufen Wir nicht anders als in Wahrheit4 und für eine festgesetzte Frist5. Aber diejenigen, die leugnen, wenden sich ab von dem wovor sie gewarnt werden6.

4. Vergleiche Suura 45:22. Vieles erscheint uns in der gegenwärtigen Welt merkwürdig und unerklärlich. Aber alles, was Allah erschaffen hat, dient einem gerechten Zweck, der erfüllt werden muss. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 10:5 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

5. Alles in der Welt, die Allah erschuf, ging und geht nach einem genauen Plan, der alle Geschehnisse zu bestimmten Zeiten vorsieht, und es geschieht alles ausschließlich nach diesem Plan. Wenn der Mensch die Schöpfung um sich in den Himmeln und auf Erden und die Weltgeschichte genau betrachtet, kommt er zu der Überzeugung, dass alles von einer Hand geschaffen ist, denn alles zeugt von der Allmacht und der Allweisheit Allahs. (Qutb)

Die Bezugnahme auf die "Frist", die Allah allen geschaffenen Dingen gesetzt hat, soll die Tatsache betonen, dass die Schöpfung sowohl räumlich als auch zeitlich begrenzt ist, im Gegensatz zu Seiner eigenen Zeitlosigkeit und Unendlichkeit. (Asad)

6. Die hier offenbarte, deutliche Schrift erklärt, dass Allah Einer ist, nicht eine Vielzahl von Gottheiten, und dass Er Herr aller Dinge ist, weil Er alles erschaffen hat, kennt und bestimmt. Das Buch des lebendigen Daseins spricht von dieser Wahrheit selbst und legt Zeugnis davon ab, dass alles das Werk des Einen Bestimmenden und Wissenden ist. Wie ist es dann möglich, dass die Menschen außer Ihm andere Gottheiten annehmen? Wie kann es sein, dass sie dies alles nicht begreifen? (Qutb)

,,... wovor sie gewarnt worden sind", das heißt sie weigern sich, die Warnung zu beachten, anderen Wesen oder Kräften außer Allahs keine göttlichen Eigenschaften zuzuschreiben. (Asad)

Vergleiche auch Suura 6:73; 10:5-6; 14:19; 15:85; 16:3; 21:16-18; 23:115; 29:44 und 30:8 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi)

 

4. Sprich: „Seht ihr denn nicht7 was ihr da anruft anstelle von Allah8? Zeigt mir, was es ist, das sie auf Erden erschaffen haben9. Oder haben sie einen Anteil am Himmel10? Bringt mir doch ein Buch, das vordem offenbart wurde11, oder eine Spur von Wissen, wenn ihr wahrhaftig seid12!"

7. Dies ist eine Aufforderung Allahs an seinen Gesandten, der durch diese rhetorische Frage das Volk mit dem Zeugnis konfrontieren soll, das das Buch des Daseins ablegt. (Qutb)

8. Manche Menschen lassen sich vielleicht aus Gedankenlosigkeit zum Götzendienst hinreisen, weil es Mode ist, ein altüberlieferter Brauch oder ähnliches. Sie werden aufgefordert, einmal in sich zu gehen und selbst zu sehen. Haben jene falsche Gottheiten irgendetwas erschaffen? (Juusuf `Allii)

9. Der Mensch ist nicht in der Lage zu behaupten, das die von ihm verehrten Wesen - seien es nun Steine oder Bäume oder Geister oder Engel oder andere Wesen - irgend etwas aus Erde oder irgendetwas auf der Erde erschaffen haben. (Qutb)

10. Vergleiche die vorige Fußnote. Ebenso wenig ist der Mensch in der Lage zu behausten, die von ihm verehrten Wesen hätten teil an der Erschaffung oder dem Besitz des Himmels. Allein die Betrachtung des Himmels gibt dem Menschen Aufschluss über seinen Schöpfer und weist auf dessen Einheit hin. (Qutb)

11. Er verlangt von den Götzendienern einen Beweis, der ihre Abgötterei bestätigen soll. Dieser Beweis könnte die Form eines wahrhaftigen Buches von Allahs haben, oder mindestens die Spuren von überliefertem Wissen vertrauenswürdiger Menschen. Die offenbarten Bücher sagen aber alle, das es nur einen Gott gibt und es gibt kein einziges stichhaltiges Argument, das die Vielgötterei untermauert. (Qutb)

12. Wenn ihr schon keinen schriftlichen Beleg finden könnt, dann bringt wenigstens eine mündliche Überlieferung von irgendeinem Propheten oder einem Mutaqi, die eure Behauptung stützt! (Darjabaadi)

Die kritiklose Annahme einer Aqida auf der Grundlage bloßen Hörensagens, ohne gründliches und tiefes Nachdenken und Nachprüfen, ist eine entsetzliche Unvernunft, die die gesamte Lebenshaltung des Menschen beeinflusst und seine Zukunft zerstört. Der Grund dieser Gleichgültigkeit liegt jedoch darin, das der Mensch sich selbst nicht als verantwortlich betrachtet und dem Missverständnis zum Opfer fällt, es mache keinen Unterschied, welche Vorstellung er von Allah hat, da es entweder kein Leben nach dem Tod gebe, in dem er zur Rechenschaft gezogen wird, oder - wenn es ein solches Leben gibt - die von ihm verehrten Wesen sich für ihn einsetzen werden. (Mauduudi)

 

5. Und wer ist noch verlorener als die, die statt Allah Nebengötter anrufen13, die ihnen bis zum Jüngsten Tag keine Bitte gewähren werden14 und die ihren Anrufen gegenüber völlig achtlos sind15?

13. Da es für Abgötterei keinerlei Rechtfertigung gibt, was hat sie dann für einen Sinn? Falsche Gottheiten sind entweder sinnlose Stöcke und Steine, die bis zum Ende der Zeiten niemals auf Gebete antworten können, weil sie nicht einmal selbst etwas verstehen, oder sie sind wirkliche Wesen, die sich letztendlich von ihren Verehrern lossagen. Wenn ihr euer eigenes Ich vergöttert, werden schließlich eure eigenen missbrauchten Fähigkeiten Zeugnis gegen euch ablegen (vergleiche auch Suura 41:20-23). Wenn ihr gute Menschen oder Propheten wie 'Isa vergöttert, werden sie sich von euch lossagen (vergleiche Suura 5:119). Auch die Engel werden sich von euch lossagen, wenn ihr sie vergöttert (vergleiche Suura 34:40-41). (Juusuf `Allii)

14. Wörtlich: „sie werden ihm nicht antworten bis zum Tag der Auferstehung", das heißt niemals. (Asad)

15. Sie können nicht einmal die Gebete der Bittenden erhören. Die vergötterten Wesen gehören gewöhnlich in folgende Kategorien:

1. leblose geschaffene Gegenstände;

2. verstorbene gute Menschen; und

3. böse Menschen, die selbst irregehen und andere verführt haben und in diesem Zustand gestorben sind.

Erstere sind ohnehin ohne Bewusstsein und können die Gebete ihrer Verehrer nicht wahrnehmen. Vergötterte Menschen befinden sich in Gegenwart, wo menschliche Stimmen sie nicht mehr erreichen können, und selbst Allah und Seine Engel würden sie nicht davon in Kenntnis setzen, dass sie von den Menschen angebetet werden, denn nichts könnte ihnen einen größeren Schock verursachen. Verstorbene Menschen schließlich befinden sich in einer Gefangenschaft, in der sie keine Stimme aus der Welt erreicht; und weder noch Seine Engel teilen ihnen mit, dass ihre Absichten in der Welt weitergetragen und sie vergöttert werden, denn dies würde ihnen Schadenfreude verursachen. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass Allah Seinen rechtschaffenen Dienern die Grüße und Segenswünsche der Menschen in der Welt übermittelt, denn diese machen ihnen Freude. Ebenso setzt Er die Bösen über die Verwünschungen der Erdenmenschen in Kenntnis. (Mauduudi)

 

6. Und wenn die Menschen versammelt werden, dann werden sie ihre Feinde sein16 und ihre Anbetung ableugnen17.

16. Die so genannten Gottheiten werden Feinde ihrer Verehrer. (Darjabaadi)

17. Vergleiche auch Suura 35:14 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

Sie werden sagen: „Wir haben diese Menschen weder aufgefordert, uns um Hilfe anzurufen, noch haben wir wahrgenommen, dass sie uns verehren. Sie selbst hatten angenommen, wir könnten ihre Bedürfnisse erfüllen, und haben daraufhin angefangen, uns anzurufen." (Mauduudi)

 

7. Und als ihnen Unsere deutlichen Zeichen vorgetragen wurden, sagten diejenigen, die leugneten, über die Wahrheit, die zu ihnen kam: „Das ist offenkundige Zauberei18!"

18. Wenn ihnen schließlich die Wahrheit deutlich gemacht wird, bezeichnen sie sie als Magie. Vergleiche auch Suura 37:12-15 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 74:24, wo der Begriff "Sichr" سِحْر ("Magie") chronologisch zum erstenmal vorkommt, und die entsprechenden Fußnoten. Die hier erwähnte Wahrheit ist in erster Linie die Botschaft des Qur’an. (Asad)

Als ihnen der Qur’an vorgetragen würde, mussten die kaafir Makkaner zugeben, dass diese Botschaft menschlicher Sprache weit überlegen war. Selbst die Worte des Propheten reichten nicht heran. Wer ihn seit seiner Kindheit gekannt hatte, musste sehr wohl den großen Unterschied erkennen, der zwischen seiner Sprache und dem erhabenen Stiel des Qur’an bestand. Da sie jedoch auf ihrer Ablehnung beharrten, versuchten sie, seine Wirkung auf diese Weise wegzuerklären. Vergleiche auch Suura 21:3 und die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi)

 

8. Oder behaupten sie: Er hätte ihn erdichtet19? Sprich: „Wenn ich ihn erdichtet hätte, könntet ihr mich nicht im geringsten gegen Allah verteidigen20. Er weiß am besten, in was für Reden ihr euch ergeht. Mir genügt Er als Zeuge zwischen mir und euch21. Und Er ist der Allvergebende, der Allbarmherzige22.“

19. Die Frageform soll große Überraschung zum Ausdruck bringen, dass dem Propheten so etwas unterstellt wird: „Sind diese Leute wirklich so unverschämt, Muchammad vorzuwerfen, er habe den Qur’an selbst zusammengestellt, wo sie doch genau wissen, dass es sich nicht um seine Worte handeln kann?" (Mauduudi)

20. Unser Prophet Muchammad - der Friede Allahs sei mit ihm - soll in der Weise eines Propheten antworten, die die Wahrnehmung seiner Aufgabe als Gesandter Allahs und die Erkenntnis der wahren Kräfte und Werte im Universum ermöglicht. Er soll ihnen sagen: Wie soll ich es erlügen? Für wen? Und mit welchem Zweck? Soll ich es erlügen, damit ihr an mich glaubt und mir folgt? Dann werdet ihr mir aber nicht helfen können, wenn Er mich wegen einer Lügen bestraft. Was nützt mir also eure Gefolgschaft, wenn ihr viel zu schwach seid, um mich vor der Strafe Allahs zu schützen. (Qutb)

Sein Zorn würde mich sicher treffen, wenn ich diese Botschaft gefälscht hätte. (Darjabaadi)

Ihr könntet dann nichts für mich ausrichten - warum sollte ich dann euretwegen eine Botschaft fälschen? (Asad)

21. Er kennt alle unsere Worte und Handlungen sowie auch alle, unsere Angelegenheiten. Er ist Zeuge all dessen und entscheidet darüber, und Sein Zeugnis genügt für Seinen Urteilsspruch. (Qutb)

Wenn ich wirklich etwas gefälscht und als Offenbarung Allahs gegeben hätte, dann könntet ihr mich nicht vor Allahs Strafe retten. Wenn es aber wirklich    -Wort ist und ihr es mit falschen Anschuldigungen zurückweist, wird euch dafür zur Rechenschaft ziehen. Denn die Wirklichkeit ist vor Allah nicht verborgen, und Er kann sehr wohl Wahrheit und, Unwahrheit unterscheiden. Auch wenn die ganze Welt einen Menschen als Lügner bezeichnet, während Er nach Allah Wissen ehrlich ist, dann fällt die Entscheidung zu seinen Gunsten aus. (Mauduudi)

22. Dies bedeutet auch: Möge Allah euch vergeben und euch die Gnade Seiner Rechtleitung gewähren. (Asad)

Dies kann zweierlei bedeuten:

1. In der Tat ist es Allahs Barmherzigkeit zu verdanken, dass solche Menschen überhaupt auf der Erde existieren können, nachdem sie Allahs  Wort als Unwahrheit bezeichnet haben. Ein grausamer Gott hätte ihr Weiterleben nicht einen Augenblick lang zugelassen.

2. Selbst jetzt wird euch noch vergeben, wenn ihr euren Starrsinn aufgebt. (Mauduudi)

 

Abschnitt 2

9. Sprich: „Ich mache keine Ausnahme unter den Gesandten23. Und ich weiß nicht, was geschehen wird, weder mit mir noch mit euch24. Ich folge nur dem, was mir offenbart worden ist25 und bin nichts anderes als ein deutlicher Warner26".

23. Er ist nämlich nicht der erste Prophet. Andere Propheten sind ihm vorausgegangen. Seine Botschaft ist dieselbe wie die ihrige. Da war nichts Neues in seinem Erscheinen. (Qutb)

„Was gibt es da überhaupt zu fälschen? Alle Propheten haben die Einheit Allahs und unsere Pflichten gegenüber unseren Mitmenschen gelehrt. Ich bringe keine neue Lehre, sondern ewige Wahrheiten, die der Menschheit in allen Zeitaltern bekannt waren. Ich bin gekommen, euch wieder auf den rechten Weg zu führen. Ich weiß nicht was euch für all eure Gefühllosigkeit, und auch nicht, was ihr mir antun werdet, aber eins weiß ich, nämlich dass ich die Wahrheit verkünde, so wie Allah sie mir offenbart hat. Meine Aufgabe besteht lediglich darin, die Botschaft laut und deutlich zu verkünden, die Allah mir anvertraut hat. Alles übrige stelle ich Allah anheim." (Juusuf `Allii)

„Ich bin nur ein Mensch, wie alle anderen Propheten auch", oder: „Ich verkünde nichts, was nicht schon von allen Gesandten Allahs vor mir gelehrt geworden ist." Letzteres betont die qur’anische Lehre von der Identität der ethischen Lehren, die von allen Gesandten Allahs verkündet wurden. (Asad)

24. Es gehört nämlich nicht mit zu seiner prophetischen Aufgabe, Einblicke in das Verborgene zu haben. Die Kenntnis dessen, was in der Zukunft geschieht, ist allein Allah vorbehalten. (Qutb)

Dieser Satz weist die Erwartungen zurück, die die heidnischen Makkaner an den Propheten 'stellten, nämlich dass er über übernatürliche Kräfte verfügte, Wunder tun oder die Zukunft voraussagen sollte. (Mauduudi)

Ich beanspruche nicht, allwissend zu sein, im Gegenteil, ich kenne nicht einmal meine eigene Zukunft. (Darjabaadi)

25. In der Lehre und in meinem Tun. (Darjabaadi)

26. Ich weiß nur das, was mir offenbart worden ist, und ich soll lediglich den Menschen den rechten Weg zeigen und diejenigen, die diesen ablehnen, vor einem bösen Ende warnen. (Mauduudi)

 

10. Sprich: „Wollt ihr denn nicht nachdenken27: Wenn dies wirklich von Allah ist und ihr habt es geleugnet, während ein Zeuge aus den Kindern Israels bezeugt, dass es gleich der vorherigen Offenbarung ist. Er erkennt es an28, während ihr es hochmütig ablehnt29! Wahrlich, Allah leitet nicht das Volk derer, die unrecht tun30."

27. Nun kommt eine andere Seite des Arguments: „Ihr kaafir Araber! Ihr seid stolz und aufgeblasen, obwohl ihr ein unwissendes Volk seid. Im Volk Israel gibt es Menschen, die die früheren Schriften verstehen und im Qur’an und seinem Verkünder eine wahre Bestätigung dieser früheren Schriften sehen. Sie akzeptieren den Islam als eine Erfüllung der Offenbarung, die Muusa erhielt (Vergleiche hierzu auch Deuteronomium 18:18-19). Dennoch lehnt ihr den Qur’an ab, obwohl er in eurer eigenen Sprache offenbart wurde, damit ihr ihn besser verstehen könnt. Wie ungerecht ihr doch seid! Wie könnt ihr dann noch erwarten, rechtgeleitet zu werden? (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 42:52 und die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi)

28. Es gab Juden (und Christen), die in unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, den in früheren Offenbarungen vorhergesagten Gesandten Allahs sahen und den Islam annahmen. Da diese Suura in Makka offenbart wurde, brauchen wir dies nicht auf Abdullah ibn Salam zu beziehen, der in Madina kurz nach der Hidschra (Auswanderung) des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, den Islam annahm, es sei denn, wir gehen von der Annahme aus, dieser Aja sei zu einem späteren Zeitpunkt offenbart worden. Aufrichtige Juden und Christen waren in der Lage zu erkennen, wie diese Offenbarung mit all dem übereinstimmte, was sie selbst über Offenbarung gelernt hatten. (Juusuf `Allii)

Mit dem "Zeugen" kann hier auch Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gemeint sein, durch den die Ankunft eines Propheten "von seinen Brüdern" vorausgesagt wurde; vergleiche hierzu auch Deuteronomium 18:15 und 18. Siehe auch Suura 2:42 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

29. Dieser Satz zeigt, dass es sich nicht um den Propheten Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, handeln kann. Der "Zeuge" ist nicht eine bestimmte Person, sondern jeder gewöhnliche Israelit. „Diese Offenbarung ist dasselbe wie frühere Offenbarungen, beispielsweise die Thora. Jeder Jude kann bestätigen, dass dies die Art und Weise ist, wie sie Allah den Menschen durch die Offenbarung lehrt. Nur eure Arroganz und Selbstüberschätzung hindert euch den Imaan zu verinnerlichen." (Mauduudi)

30. Infolge ihres eigenen Starrsinns. (Darjabaadi)

 

Abschnitt 3

11. Und diejenigen, die leugnen, sagen zu denen, die den Imaan verinnerlichen: „Wenn er gut wäre, dann wären sie31 uns darin nicht zuvor gekommen32!" Und da sie sich dadurch nicht rechtleiten lassen33, werden sie sagen: „Das ist ein uraltes Lügenwerk34!“

31. Die ersten Muslime gehörten meist der ärmeren Schicht an und wurden von den reichen Quraischchch verachtet. (Darjabaadi)

Dies ist eins der Argumente, mit denen die führenden Quraischchch das Volk gegen unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, aufhetzten: „Wäre es wirklich die Wahrheit, die Muchammad verkündet, dann wären die Führer und Ältesten der Stadt die ersten gewesen, die es akzeptierten. Eine vernünftige Sache wird doch nicht von jungen Leuten und Sklaven zuerst erkannt und akzeptiert, sondern von weisen und erfahrenen Menschen." Mit dieser Darstellungsweise wollten sie dem Volk gegenüber die Angelegenheit so darstellen, als ob mit der neuen Botschaft etwas nicht in Ordnung wäre und sie deswegen nicht daran den Imaan verinnerlichten. (Mauduudi)

32. Viele der frühen Muslime gehörten zu bescheidenen gesellschaftlichen Schichten. "Wenn solche Menschen etwas Gutes im Islam sehen." so argumentieren die Führer der Quraisch, "dann kann an dieser Sache nichts dran sein. Wäre sie ernst zu nehmen, dann hätten wir sie längst akzeptiert." So betrügen die geistig Blinden sich selbst in ihrem Hochmut. Da die Offenbarung aber dennoch eine historische Grundlage hat, können sie sie nur als "alt" oder "altmodisch" ablehnen. (Juusuf `Allii )

Fast alle klassischen Kommentatoren beziehen dies auf die Verachtung der kaafir Quraisch gegenüber den frühen Muslimen. Die "Aussage" hat jedoch zweifellos auch zeitlose Bedeutung, da die Armen und Verachteten immer die ersten waren, die einen Propheten anerkannten. Darüber hinaus kann sie auch für unsere heutige Zeit von Bedeutung sein, indem die materiell mächtigen Nationen, die ihr technischer Fortschritt für viele geistige Wahrheiten blind gemacht hat, zunehmend die Schwäche jener Kulturen verachten, in denen die Diins immer noch eine wichtige, wenn auch im allgemeinen formale Rolle spielt. Indem sie nicht wahrhaben wollen, dass die innere Ursache dieser Schwäche nicht in dem Diin an sich liegt, sondern in dem Formalismus und der daraus resultierenden kulturellen Sterilität, schreiben sie sie der Religion zu und sagen praktisch: "Wenn Religion überhaupt gut wäre, dann wären wir die ersten, die daran festhalten," und rechtfertigen damit ihre materialistische Haltung. (Asad)

33. Aufgrund ihrer Arroganz und ihres Starrsinns. (Darjabaadi)

34. Um mit diesem "Argument" ihr Gesicht zu wahren. (Darjabaadi)

Nämlich die Vorstellung einer Offenbarung Allahs an sich, wie aus der folgenden Bezugnahme auf die Offenbarung an Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hervorgeht. (Asad)

Sie betrachten sich selbst als Maßstab für Wahrheit und Unwahrheit. Da sie die Offenbarung hier nicht als "neue Unwahrheit" bezeichnen können, weil zuvor alle Propheten dieselbe Lehre verkündet haben, bezeichnen sie sie als "uralte Unwahrheit", mit anderen Worten, sie scheinen zu denken, dass alle Menschen, die diese Wahrheiten verkündet oder im Laufe der Jahrtausende daran den Imaan verinnerlicht haben, unvernünftig und unwissend waren und nur sie allein Wissen und Weisheit für sich beanspruchen können. (Mauduudi)

 

12. Und vordem wurde das Buch Muusa herabgesandt35 als Richtschnur und Barmherzigkeit36. Und dieses Buch bestätigt es37 in arabischer Sprache, um diejenigen zu warnen, die unrecht tun38 und als frohe Botschaft für diejenigen, die Gutes tun.

35. Die letzte Offenbarungsschrift, die ein allumfassendes Lebensgesetz (Scharii’a) beinhaltete, war die an Muusa gerichtete Offenbarung. Die 'Isa zuteil gewordene Offenbarung war kein solches Gesetz, sondern sie beinhaltete ethische Vorschriften, mit einigen Erleichterungen, die die Entstellungen beseitigen sollten, die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen hatten. Der Qur’an hat dazu dieselbe Haltung wie die Lehre gegenüber dem Gesetz. In Matthäus 5:17 soll Allah gesagt haben: „Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen." Die Entstellung nahm jedoch in den christlichen Kirchen- neue Formen an: eine völlig neue Scharii'a wurde notwendig, die durch den Islam gebracht wurde. (Juusuf `Allii)

36. Alle von Fett geoffenbarten Schriften sind ein Ausdruck Seiner Barmherzigkeit für die Erde und ihre Bewohner, und zwar in jedem Sinne des Begriffes Barmherzigkeit, sowohl für dieses Leben als auch für das zukünftige. (Qutb)

37. Diese Offenbarung bestätigt den Urgrund, auf dem jegliche Religion beruht, und den Weg Allahs, auf dem jedes religiöse Gesetz aufgebaut ist, sowie die prinzipielle Richtung, in die die gesamte Menschheit gelenkt wird, sie in stetiger Verbindung steht mit ihrem barmherzigen Gott. (Qutb)

In ihrer ursprünglichen unveränderten Form. (Darjabaadi)

38. Um alle vor dem bösen Ende ihres Verhaltens zu warnen, die sich selbst gegenüber ungerecht sind, indem sie anderen Wesen dienen und nicht den Imaan verinnerlichen und aufgrund dieses Irrtums in böse Geisteshaltungen und Handlungen verstrickt sind, die die menschliche Gesellschaft mit Ungerechtigkeit und Bosheit aller Art durchdringen. (Mauduudi)

Diejenigen, die die gerechte und wahrhaftige Botschaft Allahs .zurückweisen und zudem versuchen, andere Menschen davon abzuhalten, tun sich selbst und den anderen großes Unrecht, weil sie sich damit die Barmherzigkeit Allahs versagen und zudem verhindern, dass die anderen in den Genuss dieser Barmherzigkeit kommen. Im Gegensatz dazu erweisen diejenigen, die die Botschaft annehmen, sich und den anderen einen großen Dienst, weil sie dadurch die Barmherzigkeit im Diesseits und im Jenseits erlangen. (Anm. d. Übers.)

 

13. Wahrlich, diejenigen, die sagen: „Unser Herr ist Allah39," und dann standhaft bleiben40, die brauchen keine Angst zu haben noch müssen sie traurig sein41.

39. "Unser Herr ist Allah" ist eine Bestätigung, dass wir keinem anderen Wesen unsere Dienste schulden und auch nicht dienen werden:  hört unsere ausschließliche Hingabe. (Juusuf `Allii)

Dies ist nicht ein Satz, der so leichthin ausgesprochen wird, und nicht nur eine innere Gewissenshaltung, sondern eine vollkommene Lebensweise. "Allah ist unser Gott" bedeutet, dass Ihm allein unser Dienst und unsere Verehrung gebührt. Ihm allein sind wir verantwortlich und keinem anderen, und wir brauchen keinen anderen zu fürchten. Alle unsere Gedanken und Aktivitäten haben Sein Wohlgefallen zum Ziel. "Unser Gott ist Allah", dass heißt, die letzte Instanz für uns ist Sein Wort, Seine Entscheidung. Sein Gesetz hat absolute Gültigkeit, und nur durch Seine Offenbarung werden wir rechtgeleitet. "Unser Gott ist Allah" heißt, dass wir uns in Harmonie mit dem ganzen Universum befinden, das sich ganz und gar der Hoheit Allahs unterworfen hat. "Unser Gott ist Allah" ist also ein ganzes Lebensprogramm und nicht nur ein  Lippenbekenntnis, und auch nicht eine passive Diin abseits vom eigentlichen Leben. (Qutb)
 

40. "Standhaft auf diesem Weg bleiben" ist etwas, das sich in unserem Verhalten bemerkbar macht: wir zeigen, dass wir Allah und alle Seine Geschöpfe lieben und bereit sind, unter allen 'Umständen unsere Pflichten zu erfüllen. (Juusuf `Allii)

Sie erringen ihre Werke und ihr Verhalten im täglichen Leben nach und nach in Einklang mit ihrem Diin. Sie beweisen dadurch, dass sie den Imaan verinnerlicht haben haben. (Alousi)

41. Vergleiche Suura 2:38. Dieser Satz erscheint an zahlreichen anderen Stellen, wobei in jedem einzelnen Fall eine etwas andere Anwendung vorliegt. Hier geht es darum, dass wir wohl kaum einen Grund zur Furcht haben und kein Unheil uns wirklich traurig machen kann, wenn unser Anspruch wahr ist, dass Allah unser Herr ist. Denn unser Herr ist unser Erhalter, Beschützer und Helfer, unsere Hoffnung und unser Trost, Der uns nie verlässt. (Juusuf `Allii)

 

14. Diese sind es, die Bewohner des Gartens sein werden. Dort werden sie (ewig) verweilen42. Eine Belohnung für das, was sie zu tun pflegten.

42. Sie bleiben für immer darin. (Darjabaadi)

Die Belohnung erfolgt für die guten Taten. Des allein genügt nicht, bis die guten Werke des Mu'mins ihn bestätigen. Wenn das Bekenntniswort des Islam "Es gibt keinen Gott außer Allah" nur Lippenbekenntnis bleibt, dann kann es nicht der Eckpfeiler sein, der das Gebäude des Islam mitträgt. (Qutb

 

15. Und Wir legten dem Menschen ans Herz, seinen Eltern gegenüber gütig zu sein43. Widerstrebend trug seine Mutter ihn (unter dem Herzen) und widerstrebend brachte sie ihn zur Welt44. Und ihn auszutragen und zu entwöhnen dauert dreißig Monate45. Als er dann seine Vollkraft erlangte46 und vierzig Jahre alt wurde47 sprach er: „Mein Herr! (Halte mich an,) dankbar zu sein für Deine Gnade, die Du mir und meinen Eltern erwiesen hast48, und (sporne mich an,) Gutes zu tun, das Dir wohlgefällt. Und schenke mir rechtschaffene Nachkommen49. Ich habe mich reumütig Dir zugewandt50 und gehöre gewisslich zu denen, die sich (Dir) ergeben haben."

43. Vergleiche Suura 29:8 und 31:14 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

In diesem Zusammenhang schließt dies an jene an, die in Aja 12-14 oben als diejenigen erwähnt werden, "die Gutes tun". (Asad)

Hier wird ein Beispiel dafür gegeben, was der Imaan Allah beim Menschen bewirkt, und zwar in seinem Verhalten gegenüber einen Eltern. Dieses Verhalten kommt im Qur’an in seinem Wichtigkeitsgrad direkt nach dem Verhalten gegenüber Allah und Seinem Gesandte . (Qutb)

44. Während der Schwangerschaft ist ihr gesamter Körper auf das Wachstum des ungeborenen Kindes eingestellt, und alle Kräfte konzentrieren sich auf den Schutz dieses Wesens. Alles wird dem Fötus zur Verfügung gestellt, während für die Mutter oft nur Übelkeit, Schmerzen und physisches Unwohlsein übrig bleiben. Auch die Geburt ist bei keinem anderen Lebewesen mit so vielen Schmerzen und Gefahren verbunden. (Darjabaadi)

45. In Suura 31:14 wird das Alter der Entwöhnung mit zwei Jahren angegeben, das heißt nach 24 Monaten. Vergleiche auch Suura 2:233 und die entsprechenden Fußnoten. Damit bleibt eine Mindestzeit von sechs Monaten für die Schwangerschaft übrig, nach der das Kind lebensfähig ist. Dies stimmt auch mit den neuesten wissenschaftlichen Ergebnissen überein. Die durchschnittliche Schwangerschaft dauert 280 Tage oder zehnmal so lange wie die Zeit zwischen zwei Menstruationen, und dementsprechend wäre die Zeit bis zur Entwöhnung dann weniger als 24 Monate. Die Höchstdauer der Stillzeit (2 Jahre) stimmt wiederum mit der Zeit überein, die das Kind braucht, um die Milchzähne zu bekommen. Dann ist es nämlich in der Lage feste Nahrung zu kauen und von der Mutter unabhängig zu sein. (Juusuf `Allii)

Obwohl die Kinder sowohl der Mutter als auch dem Vater gehorchen sollen, sind die Rechte der Mutter größer und wichtiger, denn sie muss für ihre Kinder viele Widrigkeiten durchstehen. Dies wird auch in den Hadiisen betont. Jemand fragte einmal unseren  Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm: „Wer hat das meiste Anrecht darauf, dass ich ihm beistehe?" Dieser antwortete: „Deine Mutter." Da fragte der andere weiter:: „Und wer dann?" Der Prophet erwiderte: „Deine Mutter." Der Fragende fuhr fort: „Und wer dann?" Der Prophet sagte: „Deine Mutter." Jener fragte weiter: „Und wer dann?" Der Prophet erwiderte: „Dein Vater." Die im Aja erwähnten Zeitangaben haben auch weitere gesetzliche Implikationen. Beispielsweise werden Regeln zur Feststellung einer Vaterschaft oder Milchverwandschaft daraus hergeleitet. (Mauduudi)

Durch die Worte dieses Verses werden die Leiden der Mutter in der Schwangerschaft und bei der Niederkunft sehr eindrucksvoll veranschaulicht. Sie gibt dem Kind während der Schwangerschaft und danach während der Stillzeit wesentliche Elemente ihres Blutes und ihrer eigenen Knochen mit, und das dreißig Monate lang, die erfüllt sind von Anstrengung, Schlaflosigkeit und Sorge um das hilflose Kind. (Qutb)

46. Das Alter der Vollkraft (asudd) liegt gewöhnlich zwischen dem 18. und dem 30. oder 32. Lebensjahr, und zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr ist ein Mensch besten Alter. Danach fängt er an, seine heranwachsenden Nachkommen zu betrachten und die neue Generation in Allahs Schutz zu stellen. Nach dem 40. Lebensjahr werden möglicherweise auch seine geistigen Fähigkeiten stärker. (Juusuf `Allii)

In diesem Alter sind die intellektuellen Fähigkeiten ausgereift. (Darjabaadi)

Es ist zu beachten, dass das grammatisch männliche Nomen "Insaan" ("Mensch"), das im ersten Teil dieses Ajas auftaucht, sich gleichermaßen auf beide Geschlechter bezieht. (Asad)

47. Hier betet ein weise gewordener Mensch um Dankbarkeit für die Gnade seines Herrn. Er betet darum, die Pflichten der Dankbarkeit erfüllen zu dürfen. (Qutb)

48. Das Bittgebet kommt aus einem Herzen, das die Gnade Allahs tief empfindet. Die Gnade Allahs, die von altersher so groß über ihm und seinen Eltern gewesen war, dass er gar nicht weiß, wie er Allah dafür danken kann. Er bittet um die Hilfe des Gnädigen Selbst, damit er in seinem Verhalten Ihm gegenüber gebührend dankbar sein möge. (Qutb)

Handlungen, die in den Augen anderer Menschen gut zu sein scheinen, haben vor Allah keinen Wert, wenn sie nicht mit Seinem Gesetz übereinstimmen. Umgekehrt kann aber auch eine Handlung, die vom Gesetz her einwandfrei ist, innerlich hohl sein, wenn sie mit bösen Absichten, Arroganz oder Gier getan wird. (Mauduudi)

49. Als zweites bittet er seinen gnädigen Herrn darum, dass Er ihm helfen möge, solche guten Werke zu vollbringen, die Allah wohlgefällig sind. Sein Ziel ist allein das Wohlgefallen Allahs. Als drittes wünscht er sich, dass seine Nachkommen die guten Werke, die er anfängt, weiterführen und vervollkommnen, denn rechtschaffene Nachkommen sind der große Herzenswunsch jedes rechtschaffenen Menschen. Sie sind ihm lieber als alle Goldschätze, Schmuck und Zierde des irdischen Lebens. (Qutb)

50. Seinem Bittgebet geht die vollkommene Rückkehr zu Allah und die vollkommene Unterwerfung unter Seinen Willen voraus. (Qutb)

Hinweg nämlich von allem, was ich vielleicht an Schlechtem getan habe. Vergleiche auch Suura 24:31 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

 

16. Das sind diejenigen, von denen Wir die besten ihrer Taten annehmen51, und von deren schlechten Taten Wir absehen52. (Sie werden) unter den Gefährten des Paradieses sein gemäß dem wahrhaftigen Versprechen, das ihnen verheißen wurde.

51. Vergleiche Suura 29:7 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

Entsprechend dem Besten, was sie je getan haben. (Asad)

52. Ihre Stellung im zukünftigen Leben richtet sich nach den besten ihrer Handlungen, und ihre geringfügigen Vergehen und Irrtümer werden vergeben. (Mauduudi)

 

17. Der aber zu seinen Eltern sagt: „Pfui über euch53! Versprecht ihr mir etwa, dass ich wiedererweckt werden soll54, obwohl schon etliche Generationen vor mir dahingegangen sind55?" Die beiden flehen Allah um Hilfe an56: „Wehe dir – verinnerliche den Imaan! Wahrlich, das Versprechen Allahs kommt bestimmt57!" Doch er sagt: „Das sind doch nichts anderes als Fabeln der Alten!"

53. Als Gegenüberstellung führt der Qur’an dieses Beispiel eines grausamen und respektlosen Sohnes an, der seine Eltern samt ihrer Religion den Islamm verachtet. Er will das irdische Leben ohne jegliche Schranken voll genießen, und leugnet deswegen die Auferstehung und das jenseitige Gericht. Für seine Ablehnung führt er ein fadenscheiniges Argument an, nämlich, dass vor ihm so viele Generationen gestorben sind, und dass keine von ihnen auferweckt wurde. (Qutb)

54. Dass ich nach meinem Tode aus dem Grab auferstehe. (Darjabaadi)

55. Ohne irgendeinen Hinweis darauf, dass irgendein Mensch jemals auferstanden ist. Dieser parabolische "Dialog" soll nicht nur den immer wiederkehrenden - und vielleicht sogar natürlichen - Konflikt zwischen älterer und jüngerer Generation veranschaulichen, sondern weist auch darauf hin, dass die Übermittlung des Islams die wichtigste Aufgabe der Eltern und damit auch im weitesten Sinne ein Grundelement der Gesellschaft ist. (Asad)

56. Sie sagen folgendes zu ihrem Kind. (Darjabaadi)

57. Bezüglich der Auferstehung. (Darjabaadi)

Die mu’min Eltern sind schockiert von der Frechheit und Anmaßung ihres Sohnes, der ihnen gegenüber so undankbar ist und sich so unverschämt und verletzen verhält. Sie sind trotzdem ängstlich besorgt um sein Schicksal, und wissen nicht, wie sie ihn vor der gerechten Strafe retten können. Sie flehen Allah an, Er möge ihn rechtleiten, und mahnen ihn dringend, sich der Herrschaft Allahs zu unterwerfen, bevor es zu spät ist. Er beharrt aber auf seiner teuflischen, ablehnenden Haltung gegenüber den Offenbarungen über das Ende der Welt und über die Zukunft der Menschen im Jenseits und nennt sie Fabeln aus uralten Zeiten. (Qutb)

 

18. Das sind diejenigen, gegen die sich der Spruch bewahrheitet58 zusammen mit den Gemeinschaften von Dschinn und Menschen, die vor ihnen dahingefahren sind59. Sie waren fürwahr Verlierer.

58. Vergleiche Suura 41:25 und die entsprechenden Fußnoten. Jedes Individuum, jede Generation und jedes Volk ist für seine eigenen guten und bösen Handlungen verantwortlich. Das Gesetz der Handlungen und Ihrer Früchte kommt zur Anwendung: keiner kann dem anderen Vorwürfe machen. Das einzige Heilmittel liegt darin, Allahs Gnade und Barmherzigkeit zu suchen, nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere in brüderlicher und väterlicher Liebe. Dieser Aja bildet einen Kontrast zu Aja 16 oben. (Juusuf `Allii)

59. Dem Leser wird hier stillschweigend die Frage gestellt, wer von den beiden in den letzten Ajas vorgestellten Charakteren besser ist. Zeitweilig existieren beide tatsächlich in der Gesellschaft, und es ist nicht schwierig, sie voneinander zu unterscheiden. Dies ist die Antwort auf die herausfordernde Aussage der Quraischchch oben in Aja 11. (Mauduudi)

 

19. Und jeder wird entsprechend seinen Taten eingestuft60, und61 Er wird ihnen den Lohn ihrer Taten in vollem Maß zukommen lassen, und ihnen soll kein Unrecht zugefügt werden62.

60. Wörtlich: "Alle werden Rangstufen haben von dem, was sie taten" - siehe auch 3:132. (Asad)

Jedes Individuum hat seinen Rang und seine Handlungen, für die es im Rahmen seiner Fähigkeiten verantwortlich ist. (Qutb)

Im geistigen Reich gibt es feine Abstufungen. Jede Handlung, sei sie gut oder böse, wird genauestens abgewogen und mit ihren Absichten, Ergebnissen und Begleitumständen beurteilt. Dies ist keine grobe Einteilung. Die Früchte des Bösen entsprechen genau dem Grad des Bösen. Wie jedoch aus anderen Abschnitten hervorgeht, beispielsweise aus Suura 28:4 liegt der Lohn für Gutes weit über den Verdiensten, und zwar aufgrund der Gnade und unbegrenzten Barmherzigkeit Allahs. (Juusuf `Allii)

61. Das heißt: Damit ihnen ihre Taten voll und genau vergolten werden, und damit ihnen nicht das geringste Unrecht geschieht, werden im Jenseits viele Rangstufen nach oben und nach unten vorgesehen. (Alousi)

62. Weder gehen gute Handlungen und Opfer der Menschen verloren, noch werden die Bösen strenger bestraft als sie es verdient haben. (Mauduudi)

 

20. Und an dem Tag, an dem diejenigen, die leugneten, dem Feuer ausgeliefert werden (wird zu ihnen gesagt63): „Ihr habt alles, was euch an Gutem zustand, in eurem Erdenleben verbraucht und ausgekostet64. Heute aber sollt ihr schmachvolle Strafe erhalten65 dafür, das ihr ohne Recht hochmütig gewesen seid auf Erden66 und euch gegen aufgelehnt habt.

63. Es wird ihnen gesagt: Ihr habt auf der Erde viele. gute Gaben von bekommen. Ihr habt sie aber alle aufgebraucht, vergeudet und genossen wie die Tiere, ohne Allah dafür zu danken und ohne einen Teil davon für Mildtätigkeit zu verwenden; was ihnen dann Im Jenseits genützt hätte. Damit haben sie durch ihre Blindheit beim Genießen in ihrem kurzen Erdenleben ein ewiges schönes Leben vergeben. (Qutb)

64. "Ihr habt eure guten Dinge erhalten" bedeutet im Arabischen "danach gegriffen", "gierig an euch gerissen", "sie als vorübergehenden Genuss den ernsthafteren Dingen des Lebens vorgezogen", indem das Geistige für das Materielle geopfert wurde. (Juusuf `Allii) 

65. Ihr habt eure Wahl getroffen und müsst nun den Preis dafür bezahlen. Ihr habt rebelliert und Unrecht getan und seid stolz auf euer Unrecht gewesen, nicht gelegentlich, sondern ständig und absichtlich. Jetzt werdet ihr dafür entsprechend gedemütigt. (Juusuf `Allii)

66. Ohne jede objektive Rechtfertigung habt ihr arrogant das Leben nach dem Tod geleugnet. (Asad)

Obwohl ihr bloße Erdengeschöpfe seid. (Darjabaadi)

 

Abschnitt 4

21. Und gedenke des Bruders der Ad67, als er sein Volk bei den Sanddünen warnte68 - und es waren bereits Warner aus den umliegenden Völkern dahingegangen69: „Dient niemandem außer Allah. Ich fürchte wahrlich für euch die Strafe eines gewaltigen Tages70."

67. Vergleiche Suura 7:65 und die entsprechenden Fußnoten. Wichtig ist, dass der Warner, der zu den Ad geschickt wurde kein Fremder war, sondern ein Angehörige ihres eigenen Volkes, so wie es auch bei anderen Völkern der Fall war, letztendlich auch bei unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Juusuf `Allii)

Dies knüpft insofern an den vorigen Aja an, als dieser Stamm "im Lande das Maß Allahs überschritten hatte" (vergleiche auch Suura 89:11). (Asad)

68. "Achqaf" أحْقَاف : die zerfliesenden Sanddünen. Vergleiche auch die Einführung zu dieser Suura. Dieselbe Erde, die ihnen mit Bewässerung und Allahs Segen Wohlstand und Macht gegeben hatte, sollte ihnen zum Verhängnis werden, als sie Allahs Gesetz brachen und Seine Gnade abwiesen. Siehe auch unten die Verse 24-26. (Juusuf `Allii)

Dies ist ein Name, der besonders dem südwestlichen Teil der Arabischen Wüste (arrub alhali) gegeben wird, die völlig unbewohnt ist. Dort befindet sich auch das legendäre Grab des Propheten Huud. Aus dem gegenwärtigen Zustand des Landes kann niemand schließen, dass es einstmals ein mächtiges Volk mit einer großartigen Kultur beherbergt hat. (Mauduudi)

69. Huud war bei weitem nicht der einzige Warner, der die Lehre von der Einheit         verkündete. (Darjabaadi)

Wörtlich: „von zwischen seinen Händen und von hinter ihm." Vergleiche auch Suura 2:255 und die entsprechenden Fußnoten. Dies spielt offensichtlich auf die vielen warnenden Botschaften in Huuds Zeit und vorher an, die das Volk Ad darauf hätten aufmerksam machen müssen, wie weit es vom rechten Weg abgewichen war. Indirekt erinnert dies auch daran, dass abgesehen von den Offenbarungen, die an Seine Propheten gerichtet sind, Allah die Menschen auch durch viele Zeichen leitet, die in der Natur und in den wechselnden Bedingungen der menschlichen Gesellschaft sichtbar sind. (Asad)

70. Damit ist der Tag der Auferstehung gemeint, der streng und machtvoll sein wird. (Qutb)

 

22. Sie sagten: „Bist du etwa zu uns gekommen, um uns von unseren Göttern abwendig zumachen71? So bringe doch das über uns, was du uns androhst, wenn du wahrhaftig bist72

71. Sie waren zu tief in ihre eigene böse Lebensweise verstrickt - in den Dienst an Allah ihren falschen Göttern - um den aufrichtigen Rat des Gesandten Allahs zu schätzen. Sie trotzen ihm und Allah, Der ihn gesandt hatte. Spottend forderten sie ihn auf, die angedrohte Strafe über sie zu bringen, denn sie verinnerlichten nicht den Imaan an ein Wort von dem, was er sagte. (Juusuf `Allii)

72. So weit geht ihr Misstrauen, ihr fehlendes Verständnis und ihre Missachtung des Warners, dass sie ihn herausfordern, die Strafe herbeizubringen, vor der er sie gewarnt hatte. (Qutb)

 

23. Er antwortete: „Wahrlich, das Wissen (darüber) ist einzig und allein bei Allah.73 Ich aber überbringe euch nur das, womit ich entsandt worden bin74. Doch ich sehe, dass ihr ein unverständiges Volk seid75."

73. Dass die Strafe für Böses eintrifft, ist und war immer sicher. Zu welchem Zeitpunkt genau sie eintreffen würde, konnte er nicht voraussagen. Es ist nicht Sache eines Propheten, sondern allein Allahs Sache, die Strafe herbeizubringen. Er musste jedoch sehen, dass es nutzlos war, an sie zu appellieren, denn sie waren mit ihrer Unwissenheit und Unvernunft zufrieden. (Juusuf `Allii)

74. Ich bin nur beauftragt, euch mitzuteilen, dass die Strafe kommt. (Darjabaadi)

75. Nur wegen eurer Dummheit nehmt ihr meine Warnung nicht ernst. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie streng Allahs Strafe ist und wie plötzlich sie über euch hereinbrechen kann. (Mauduudi)

 

24. Als sie dann Wolken aufziehen und auf ihre Täler zukommen sahen, sprachen sie: „Diese aufziehenden Wolken werden uns Regen bescheren76!“ „Nein77, es ist vielmehr das, was ihr beschleunigen wolltet - ein Wind, der eine schmerzliche Strafe bringt! -

76. Die Strafe kam plötzlich und völlig unerwartet. Sie wünschten sich Regen, sahen eine Wolke und freuten sich. Sie bewegte sich auf ihr eigenes Wohngebiet zu und würde ihre Kanäle mit Wasser füllen, so dass ihre Felder grün würden. Aber nein, es war ein furchtbarer Wirbelsturm, der Zerstörung mit sich brachte. Er vernichtete alles, was ihm in den Weg kam. Die Felder wurden mit Sanddünen zugedeckt. Der nächste Morgen graute über einer verwüsteten Landschaft. Wo waren nun die Menschen, die damit geprahlt hatten, ihrem Herrn zu trotzen? Nur die Ruinen ihrer Häuser legen Zeugnis von ihrer Vergangenheit ab. (Juusuf `Allii)

77. Das folgende sagte ihr Prophet Huud, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Darjabaadi)

Diese Antwort geben ihnen die vorliegenden Umstände. (Mauduudi)

 

25. Er wird alles zerstören nach dem Gebot seines Herrn!" - Dann, am Morgen78, war nichts zu sehen außer ihren Wohnstätten79. Das ist die Art und Weise in der Wir das sündige Volk belohnen80.

78. Dies ist ein Sprachbild, das man in der Rhetorik als Aposiopesis bezeichnet und das die Wirkung der Plötzlichkeit und Vollständigkeit der Katastrophe betonen soll. Das Verb "asbahu" im arabischen Text, das in der 3. Person Plural steht, lässt uns erwarten, dass uns hier mitgeteilt wird, was sie am Morgen taten. Aber nein! Sie waren vernichtet worden, und nur ein kleiner Teil von ihnen war geflohen (vergleiche 7:65 und die entsprechenden Fußnoten). Nichts war übrig geblieben als die Ruinen ihrer Häuser. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 69:6-8 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

79. Nichts als die Ruinen ihrer Häuser. (Juusuf `Allii)

Der Wind, wie er in diesem Aja beschrieben wird, lebt und versteht, und genau so ist das ganze Universum - es lebt und jede Kraft in ihm versteht den Befehl so wie er von Allah kommt und führt ihn unverzüglich aus. Der Mensch ist ein Teil dieses Universums. Wenn er den Imaan verinnerlicht mit seinem Herzen in vollkommener Harmonie mit dem ganzen Universum. Der Wind hat also den Befehl Allahs durchgeführt und zerstörte alles: die Menschen, das Vieh, die Einrichtungen und Gebrauchsgegenstände. Es war nichts mehr zu sehen außer der leeren verwüsteten Wohnungen. (Qutb)

80. Vergleiche auch Suura 7:65-72; 11:50-60; 23:31-41; 26:123-140; 29:40 und 41:15-15 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi)

 

26. Und wir hatten ihnen doch Macht und Ansehen verliehen, wie Wir es euch nicht gegeben haben81, und Wir hatten ihnen Gehör und Augenlicht und Verstand82 gegeben. Aber weder ihr Gehör noch ihr Augenlicht oder ihr Verstand nützte ihnen im Geringsten, da sie die Zeichen Allahs verwarfen83, und sie wurden von dem erfasst, worüber sie sich ständig lustig gemacht hatten84.

81. Damit sind in erster Linie die kaafir Makkaner angesprochen. (Darjabaadi)

Dies bezieht sich jedoch auch auf spätere Generationen. Die Ad waren unangefochtene Herren in ihrem Gebiet gewesen. Darüber hinaus waren die gesellschaftlichen Bedingungen zu ihrer Zeit so einfach und frei von den Unsicherheiten und Gefahren, von denen die Völker mit höheren Kulturen bedroht sind, dass man sie ohne weiteres als "fester etabliert" als andere Völker auf der Erde bezeichnen kann. (Asad)

82. Intellekt und Gefühl sind beide in dem Begriff "fuad" enthalten. (Asad)

Die Ad und ihre Nachfolger Samuud waren reicher mit künstlerischen, wissenschaftlichen und kulturellen Fähigkeiten ausgestattet als die vorislamischen Quraischchch. "Gehör" und "Augenlicht" bezieht sich auf die experimentellen Fähigkeiten; der Begriff "fuad" - "Herz" schließt im Arabischen den Intellekt oder die Fähigkeit zum logischen Denken ebenso ein wie Gefühle und Emotionen und ästhetische Fähigkeiten. (Juusuf `Allii)

83. Die Sinne und die Verstandeskraft nützten ihnen nicht sie sie ausschalteten und die Zeichen Allahs nicht wahrnehmen wollten. Das absichtliche Leugnen der Zeichen Allahs legt einen Schleier vor die Augen und macht die Ohren taub und die Herzen blind. Die Lehre, die wir daraus ziehen sollen ist, dass kein Mensch und keine Nation durch eigene Kraft, eigenen Reichtum oder Wissen verblendet und hochmütig werden soll. Denn hier wurde eine der Kräfte des Universums eingesetzt, um diejenigen, die Kraft, Reichtum und Wissen besaßen, so zu vernichten, dass nichts übrig blieb außer leeren Wohnungen. (Qutb)

84. Vergleiche auch Suura 45:33 und die entsprechenden Fußnoten. Sie spotteten über die Zeichen Allahs, aber diese waren dann gerade das, was sie überwältigte und zeigte, dass sie nicht mehr Macht hatten als irgendetwas anderes. (Juusuf `Allii)

 

Abschnitt 5

27. Und Wir haben bereits die Bewohner der euch umgebenden Städte vernichtet und verschiedene warnende Zeichen angeführt85, damit sie vielleicht umkehren.

85. Allein in der arabischen Geschichte und Überlieferung, ganz zu schweigen von Allahs Zeichen anderswo, fand Böses immer ein böses Ende, und zwar auf verschiedene Weise. Wollten dann spätere Völker nicht daraus lernen? (Juusuf `Allii)

In zeitlicher und räumlicher Nähe. Im weitesten Sinne bedeutet dies "die ganze übrige Welt". (Asad)

Allah vernichtete die Siedlungen in Arabien, deren Einwohner Seine Botschaft zurückwiesen wie die im Süden, die Samuud etwas nördlicher, Saba im Jemen, Madjan auf dem Weg nach Syrien, sowie das Volk Luuts, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Er gab ihnen allen vor ihrer Vernichtung mehrere Zeichen und Beweise, damit sie vom verderblichen Weg zurückkehrten. (Qutb)

 

28. Hätten diejenigen ihnen denn nicht helfen können, denen sie statt Allah dienten (mit der wagen Hoffnung), sie würden sie Ihm näher bringen86! Aber nein, sie entschwanden ihnen. Und so entpuppten sich ihre Lügen, und was sie zu erdichten pflegten87.

86. Dieser Satz weist darauf hin, dass sich dies nicht nur auf falsche Gottheiten bezieht, sondern auch auf vergötterte Heilige, seien sie lebendig oder tot, die angeblich als "Mittler" zwischen den Menschen und dem transzendenten Höchsten Wesen fungieren. (Asad)

87. Er macht sie hier auf die historische Tatsache aufmerksam, dass die Götzendiener vor ihnen verrichtet wurden, ohne dass ihre "Götter" sie retten konnten. Sie behaupteten, dass diese Nebengötter sie in die Nähe ringen würden. Aber ihre Anbetung brachte ihnen stattdessen den Zorn und die peinliche Strafe Allahs. Sie retteten sie nicht - sie ließen sie im Stich. Sie waren in der Not gar nicht mehr zu finden. Es waren alles erfundene und trügerische Vorstellungen, die so endeten. Worauf warten also die Götzendiener von den Quraisch. Es kann sie nur das gleiche Schicksal treffen! (Qutb)

Die falschen Dinge, die sie verehrten; waren Gebilde ihrer Phantasie. Auch wenn sie in Wirklichkeit existierten, hatten sie nicht die Eigenschaften, die sie sich vorstellten. (Juusuf `Allii)

 

29. Und als Wir dir eine Anzahl von Dschinn zuführten88, die dem Qur’an zu hörten89, sagten sie, als sie in seiner Anwesenheit waren90: „Schweigt und hört zu!" Und als (der Vortrag) beendet war, kehrten sie zu ihrem Volk zurück, und warnten es91.

88. Die Verbindung zwischen dem nun folgenden Abschnitt und dem vorigen besteht allem Anschein nach darin, dass, während diejenigen, die sich in Unrecht verstrickt haben (wofür die Ad als Beispiel angeführt werden), sich weigern, auf Allahs Botschaft zu achten, die im folgenden erwähnten "unsichtbaren Wesen" sofort ihren Wahrheitsgehalt erkannten und akzeptierten. (Asad)

Die Dschinn sind für uns ein Geheimnis des Universums. Wie wir längst wissen, ist das Universum um uns voller Geheimnisse, voller Kräfte und voller Geschöpfe, die nur zum kleinen Teil uns bekannt, zum großen Teil aber uns noch unbekannt sind. Jeden Tag entdecken wir einige dieser Geheimnisse und dieser Kräfte und lernen einige dieser Geschöpfe kennen. Einmal ist es ihr Wesen, einmal sind es Eigenschaften und manchmal sind es nur ihre Spuren die wir kennen lernen. Wir stehen erst auf den ersten Stufen des Wissens um das Universum. Doch das, was wir heute schon wissen, ist im Vergleich zu dem, was die Menschheit vor fünfzehn Jahrhunderten kannte, zum Teil noch verwunderlicher als die Dschinn, wie beispielsweise die Kenntnisse um den Aufbau des Atoms. Es werden uns offensichtlich mit der Zeit noch mehr Geheimnisse der Schöpfung erschlossen, dabei wird das Wissen der Menschen innerhalb eines bestimmten Kreises bleiben, von dem Allah sagte: „Euch ist nur wenig Wissen gegeben" 17:85. Deswegen dürfen wir nicht mit Bestimmtheit behaupten, dass es etwas, was wir heute nicht sehen können, nicht geben kann, denn es ist und bleibt vieles uns verborgen. Wenn Allah oder Seine Gesandten uns von solchen verborgenen Dingen berichten, so nehmen wir es zur Kenntnis und den Imaan verinnerlichen daran, weil wir an Allah, an Seinen Gesandten und an Seine Botschaft den Imaan verinnerlichen (Qutb)

89. Vergleiche auch Suura 72:1-15 und die entsprechenden Fußnoten. Aus diesen und ähnlichen Texten des Qur’an wie auch aus sicher überlieferten Aussagen unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, fahren wir, dass es eine Art von Geschöpfen gibt, die als Dschinn bezeichnet werden. Sie sind aus Feuer erschaffen (vergleiche Suura 18:50; 38:73 und 55:15 sowie die entsprechenden Fußnoten). Die Dschinn sind also grundlegend andere Geschöpfe als die Menschen. Sie können die Menschen sehen, sind selbst aber für diese unsichtbar (vergleiche Suura 7:27 und die entsprechenden Fußnoten). Wir erfahren weiterhin, dass sie wie die Menschen auf dieser Erde leben, wenn auch sonst örtlich nichts genaueres angegeben wird (vergleiche Suura 2:38). Die Dschinn wurden Suleymaan zu verschiedenen Arbeiten auf der Erde dienstbar gemacht. Weiterhin wird uns mitgeteilt, dass sie fortan nicht mehr am Himmel horchen können. (Qutb)

Dies soll in der Oase Nachla gewesen sein, auf dem Weg zwischen Makka und Taif und ist offensichtlich identisch mit dem in Suura 72:1-15 erwähnten Ereignis. (Asad)

Nach den überlieferten Hadiisen muss das Zuhören der Dschinn mehr als einmal geschehen sein. (ibn Kasir)

90. Sobald sie die Rezitation unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wahrnahmen. (Asad)

91. Als Verkünder der im Qur’an enthaltenen Aqida. Der Ausdruck "Warnen" schließt an die vorhergegangenen Bezugnahmen auf "warnende Botschaften" an. (Asad)

 

30. Sie sprachen: „O unser Volk! Wir haben fürwahr ein Buch gehört, das nach Muusa herabgesandt worden ist und das bestätigt, was ihm vorausging92. Es leitet zur Wahrheit und zu einem geraden Weg93.

92. Vergleiche auch Suura 72:1 und die entsprechenden Fußnoten. Die Bezugnahme auf den Qur’an als eine Schrift, die nach Muusa offenbart wurde - ohne dass ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, in diesem Zusammenhang erwähnt wird - deutet darauf hin, dass die Sprecher des jüdischen Diin gefolgt sein müssen. (Asad)

93. Diese Dschinn verinnerlichen den Imaan offensichtlich an  Propheten Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seine Offenbarungsschrift. Nachdem sie den Qur’an gehört hatten, fühlten sie, dass darin dieselbe Lehre enthalten war wie die früherer Propheten. Sie verinnerlichten den Imaan infolgedessen an diese Schrift und den Propheten, der sie gebracht hatte. (Mauduudi)

Sie erwähnten das Buch Muusa ohne das Buch ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, weil das bedeutendste Buch vor dem Qur’an die Thora war. Sie enthielt das Gesetz Allahs, dem auch ’Isa folgen musste. (Qutb)

 

31. O unser Volk! Hört auf den, der euch zu Allah aufruft und verinnerlicht den Imaan an Ihn94, Er wird euch eure Schuld vergeben und euch vor einer schmerzlichen Strafe bewahren95.

94. Verschiedene Abgesandte der Dschinn haben in der Folgezeit nach der Überlieferung unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, besucht, und zwar noch vor der Auswanderung nach Madina. (Mauduudi)

95. Derjenige, der zu Allah einlädt ist unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,. Er lädt uns zu Allah ein: wenn wir an Allah und Seinen Gesandten den Imaan verinnerlichen wird Allah uns unsere Fehler vergeben und unsere Reue annehmen und uns vor der Strafe im zukünftigen Leben erretten. (Juusuf `Allii)

 

32. Und wer nicht dem Folge leistet, der zu Allah aufruft96, der kann sich (Allahs) Zugriff nicht entziehen auf Erden97, und niemand wird ihn vor Allah schützen können98. Das sind diejenigen, die sich in offenkundigem Irrtum befinden99

96. Dieser Satz kann noch zur Rede der Dschinn gehören, kann aber auch eine Hinzufügung von Allah sein. Angesichts des Zusammenhanges ist letzteres wahrscheinlicher. (Mauduudi)

Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Aja eine Fortsetzung der Warnung der Dschinn an die Adresse ihres Volkes ist. Sie machen ihren Leuten, klar dass die Nichtbeachtung der Einladung Allahs schlimme Folgen hat, und dass es keine Rettung gibt wenn die Strafe Allahs kommt. Wer sich von Allah nicht rechtleiten lässt, der irrt in seinem gesamten Leben umher. (Qutb)

97. Wenn jemand sich weigert, an die Wahrheit den Imaan zu verinnerlichen, oder sich gar gegen sie auflehnt, hat dies keine Wirkung auf Allahs heiligen Plan, der seiner Vollendung zugeht. Es wird jedoch den Betreffenden von der Gnade ausschließen, und er wird als Gesetzloser hilflos herumirren. (Juusuf `Allii)

98. Niemand beschützt ihn im zukünftigen Leben. (Darjabaadi)

99. Vergleiche Suura 72:15 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

 

33. Sehen sie100 denn nicht, dass Allah, Der die Himmel und die Erde erschaffen hat und durch ihre Erschaffung niemals müde wurde101, sehr wohl vermag, die Toten wieder lebendig zu machen102. Doch nein, Er ist es fürwahr bei dem die Entscheidung über alle Dinge ruht.

100. Die kaafir Makkaner, die die Lehre von der Auferstehung ablehnten. (Darjabaadi)

101. Vergleiche Suura 2:255 (den Thronaja). Wenn Seine Macht nicht durch die Schöpfung und Erhaltung aller Dinge ermüdet oder erlahmt, dann kann Er sicherlich auch die Toten am Tag der Auferstehung wieder zum Leben bringen. (Juusuf `Allii)

Dies spielt offensichtlich auf die Lehre des Qur’ans an, dass Allahs Schöpferkraft unbegrenzt und unendlich ist. (Asad)

102. Das ganze Buch des Daseins legt Zeugnis von dieser Schöpferkraft ab, der endlosen Macht Dessen, Der dies alles hervor gebracht hat, sowohl die Himmel als auch die Erde. Und für Ihn, der die Menschen zum Leben gebracht hat, ist es leicht, sie nach ihrem Tode auch wieder zu erwecken. Die Betonung dieser Tatsache ist hier das Hauptziel. (Qutb)

 

34. Und am Tag, an dem diejenigen dem Feuer ausgeliefert werden, die (die Botschaft ablehnten103 (werden sie gefragt:) „Ist das nicht die Wahrheit104?" Sie werden antworten: „O ja! Bei unserem Herrn105!" Da wird Er sagen: „Kostet die Strafe dafür, dass ihr kaafir wart106."

103. Anschließend an die Beweisführung, dass die Auferweckung für Allah ein Leichtes ist, wird eine der Szenen vorgeführt, die die Leugner betrifft. Sie werden direkt vor die Hölle gebracht und spöttisch gefragt, ob es eine Wahrheit ist, was sie sehen. (Qutb)

104. Die ihr in eurem irdischen Leben ständig geleugnet habt. (Darjabaadi)

105. Bei ihrem Gott, auf Den sie nicht gehört hatten, als er sie einlud; Dessen Gesandten sie nicht gefolgt sind; Dem sie nicht gedient haben. Heute müssen sie die Wahrheit erkennen, die sie geleugnet haben. (Qutb)

106. Die Wahrheit, die sie geleugnet haben, ist ihnen nun allzu deutlich. Sie sind vom Licht der Wahrheit, vom Licht von Angesicht ausgeschlossen. Das ist in sich selbst eine furchtbare Strafe. (Juusuf `Allii)

 

35. So fasse dich in Geduld107, wie die Standhaften unter den Gesandten sich in Geduld gefasst haben108. Und wünsche ihre Strafe nicht herbei! Denn, an dem Tag, an dem sie sehen werden, was ihnen angedroht wurde109, wird ihnen sein, als hätten sie nur eine Stunde eines Tages auf der Erde verweilt110. Die Botschaft ist verkündet111. Wird wohl jemals ein Volk vernichtet außer dem, das sich gegen Allah auflehnt112?

107. Bezüglich der Verfolgungen und Beleidigungen der Mu'mins durch die Wahrheitsleugner. Damit ist in erster Linie unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesprochen. (Darjabaadi)

Diese Anweisung wird an Muhammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gerichtet, der so viele Beleidigungen, Spott und Verfolgung von seinem Volk erlitt und ertrug - Muchammad, der ein entbehrungsreiches Leben führte, der als Waisenkind ohne Vater, dann ohne Mutter und schließlich ohne den schützenden Großvater bei seinem kinderreichen Onkel lebte, dann als Prophet den unterstützenden Onkel und die treue und tröstende Ehefrau verlor. Muchammad; er immer und immer wieder vergeblich versuchte, Schutz bei irgendeinem der vielen Stämme in Arabien zu finden, um die Botschaft Allahs zu verkünden. Einmal wurde er so gequält und von Kindern und herzlosen Dienern mit Steinen so heftig beworfen, dass er mit blutenden Beinen den langen Weg nach Makka zurücklegen musste. Dann tat er nichts anderes als mit einem frommen Bittgebet sich an seinen barmherzigen zu wenden. Dieser Muchammad wird von Allah angewiesen Geduld zu üben und seinem frevlerischen Volk noch eine Frist zu lassen. Daraus sehen wir, dass der Weg eines Rufers zu Allah ein mühsamer Weg ist, der viel Geduld, Entbehrungen und Opfer abverlangt. (Qutb)

108. Die früheren Gesandten. (Darjabaadi)

109. Alle spirituelle Arbeit schreitet fort, wenn die Zeit reif ist. Wir sollten niemals ungeduldig werden, weder über ihren Erfolg noch über die Strafe für diejenigen, die sich dagegen wenden oder sie unterdrücken wollen. Die unvermeidliche Strafe ist eine verheißene Strafe. Sie kommt so bald und so plötzlich, dass es scheint, als wäre nicht ein einziger Tag inzwischen vergangen. Zeit ist ein wichtiger Faktor in den Angelegenheiten dieser Welt, zählt aber im geistigen Reich kaum. (Juusuf `Allii)

Die Realität des Lebens nach dem Tod. (Asad)

110. Auf diese gleichnishafte Weise weist der Qur’an auf die illusorische Vorstellung von "Zeit" hin, wie sie vom Menschen erfahren wird - eine Vorstellung, die nichts mit der letztendlichen Wirklichkeit zu tun hat, die sich im zukünftigen Leben entfaltet. (Asad)

Eine Stunde eines Tages ist eine kurze Zeitspanne. Es ist ein blitzartiges Leben, das man vor dem Jenseits lebt, das mit all seinen schönen und seinen leidenschaftlichen Stündchen so schnell vergeht, wie eine einzige Stunde, dann steht jeder Mensch vor seinem ewigen Leben. Das kurze Leben auf der Erde war aber lang genug um jedem das eigentliche - ewige - Leben klar werden zu lassen. Wer seine Augen, seine Ohren und seine Urteilskraft nicht richtig benutzen will, der ist selbst schuld. (Qutb)

111. Aufgabe des Verkünders ist es, die Botschaft in eindeutigen Worten zu erklären. Wenn Menschen sich diesem widersetzen, ist es zu ihrem eigenen Schaden, aber nur die rebellischen Widersacher werden bestraft. Es besteht immer Hoffnung auf Vergebung nach, Reue und Umkehr. (Juusuf `Allii)

112. Gelegentlich haben auch Rechtschaffene zusammen mit den Übeltätern zu leiden. Dies ist jedoch nicht ihre Vernichtung, denn sie werden dafür im zukünftigen Leben voll entschädigt und erlangen Seligkeit. (Siddiqi)

 

Einführung zu Suura 47

Wir haben die vorliegende Anordnung der Suuras nach thematischen Gesichtspunkten untersucht und verfolgt, unabhängig von der chronologischen Zuordnung, und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass eine logische Verbindung zwischen ihnen besteht. Hier sind nun mehr als fünf Sechstel des Qur’an abgeschlossen. Das übrige Sechstel besteht aus kurzen Suuras, aber diese sind auch wieder thematisch gruppiert.

Die erste dieser Gruppen besteht aus drei Suuras (Suura 47 - 49), die sich mit der Organisation der muslimischen Gemeinschaft befassen, sowohl mit der äußeren Verteidigung als auch mit den inneren Beziehungen. Die vorliegende Suura behandelt die Notwendigkeit der Verteidigung gegen äußere Feinde mit Mut und eifrigen Kampf und stammt aus den ersten Jahren nach der Hidschra, als die Muslime von der Vernichtung durch eine Invasion aus Makka bedroht waren. (Juusuf `Allii)

Zusammenfassung:

Aggressive Feindseligkeit gegenüber Islam und Wahrheit sollten entschlossen bekämpft werden, und Allah wird uns leiten. (Ajas 1 - 19)

Feigheit und Unentschlossenheit werden verurteilt; diejenigen, die sich Mühe geben, und diejenigen, die sich abwenden. werden voneinander getrennt. (Ajas 20 - 38)

 

Muchammad

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

 

1. Diejenigen, die (die Botschaft Allahs) zurückweisen1 und die Menschen vom Weg Allahs abhalten2, deren Werke lässt er ihr Ziel verfehlen3.

1. Vergleiche auch unten die Ajas 32 und 33 und die entsprechenden Fußnoten. (Qutb)

2. Das Verb "sadda" wir im Arabischen sowohl transitiv als auch intransitiv braucht. Der Satz bedeutet daher: "sie hielten sich selbst von Allahs Wegen fern" und "sie hielten andere von Allahs Wegen ab". (Mauduudi)

3. Alles, was sie tun, verfehlt sein Ziel, denn, Allah ist der Ursprung aller Energie und allen Lebens. Wenn die Bösen versuchen, Menschen zu verfolgen oder von der Wahrheit abwendig zu machen, ist das Ergebnis ihren Absichten entgegengesetzt. (Juusuf `Allii)

Ihre guten Handlungen werden durch dieses Verhalten so übertönt, dass sie am Tag der Auferstehung nicht mehr zählen. Vergleiche auch unten Aja 9 und die entsprechenden Fußnoten. Dieser Aja schließt an den letzten Aja von Suura 46 an. (Asad)

Allah gewährt ihnen nicht die Gnade, dass ihre Mühen und ihr Einsatz zum Fortkommen auf dem rechten Weg beitragen. Was immer sie tun, sie tun es für falsche Zielsetzungen und Absichten. (Mauduudi)

Die Listen und Verschwörungen, die sie gegen unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und gegen die Muslime ausheckten, schlugen alle fehl. Selbst die Handlungen, die bei frommer Absicht von Allah hoch belohnt wurden, verfehlen bei ihnen jegliche Belohnung. (Qutb)

 

2. Doch diejenigen, die mu'min sind und gute Werke tun und an das den Imaan verinnerlichen - was Muchammad herabgesandt Worden ist4 - und es ist die Wahrheit von ihrem Herrn -, deren Übel wird Er bedecken und ihren Zustand verbessern5.

4. "Was Muchammad herab gesandt wurde" wird och einmal besonders betont, denn nach Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Berufung zum Propheten ist der Imaan eines Menschen an Allah und Seine Offenbarungsschriften unvollständig, solange er nicht auch an die Lehren den Imaan verinnerlicht, die er übermittelt hat. Diese Erläuterung war notwendig, denn nach der Auswanderung machten die Muslime auch mit Menschen Bekanntschaft alle Grundsätze der Aqida akzeptierten, sich jedoch weigerten, Muchammad - Friede sei mit ihm - als Gesandten Allahs anzuerkennen. (Mauduudi)

5. "Baal" بَال bedeutet Zustand, sowohl äußerlich als auch Zustand des Herzens oder des Gemüts. Beide Bedeutungen treffen hier zu. Je mehr die Bösen toben, um so besser ist die Lage der Rechtschaffenen, und Allahs Macht es für die Rechtschaffenen immer leichter, die Wahrheit zu lieben und ihr zu folgen. (Juusuf `Allii)

Sowohl in dieser Welt als auch im zukünftigen Leben. (Darjabaadi)

Allah wird alles auslöschen, was sie in der Zeit der Unwissenheit aus Fehlern und Vergehen begangen haben; dafür werden sie jetzt nicht mehr verantwortlich gemacht. Außerdem hat Allah alle falsche Vorstellungen und Werte von ihnen entfernt, in die sie verstrickt waren; jetzt gibt es in ihren Herzen Imaan statt Unwissenheit und rechtschaffenes Handeln statt Unmoral. (Mauduudi)

Das Bereitsein von Sorgen und die selige Ruhe sind hochrangige Geschenke Allahs; die unmittelbar hinter dem Imaan an Allah stehen, nämlich in ihrer Wertstellung und ihrer Wirkung. Wenn man keine Sorgen hat, wenn die Gefühle und Gedanken richtig, das Herz und das Gewissen beruhigt, die Nerven entspannt und die Seele zufrieden sind, dann gibt es keinen besseren Zustand, den man sich herbeiwünschen würde. (Qutb)

 

3. Dies weil diejenigen, die kaafir sind, denn Falschen folgen6 und weil die, die der Wahrheit von ihrem Herrn folgen7. Auf diese Weise prägt Allah den Menschen ihre Gleichnisse8.

6. Warum ist das alles so? Es ist keine ungerechte Bevorurteilung und auch kein Zufall. Es sind wohl begründete Verhältnisse gemäß einem ewigen Gesetz Allahs, das auf der Wahrheit als Fundament aufbaut. Sinnloses, Falsches hat keinen Bestand im System dieses Dasein und muss schließlich untergehen. Und mit ihm vergeht jeder, der sich daran orientiert und ihm folgt. Deswegen sind auch die Handlungen der und Ungerechten hinfällig, denn sie beruhen auf Sinnlosem. (Qutb)

7. "Haq" (Wahrheit und Recht) ist die Grundlage, auf der Himmel und Erde bestehen sowie auch die Beziehungen dieses Daseins. Wenn der Mu'min der Wahrheit von seinem Herrn folgt, gibt es einen wesentlichen Unterschied gegenüber dem Ungerechten, der dem Sinnlosen folgt. (Qutb)

8. Größere geistige Wahrheiten begreifen wir anhand von Gleichnissen und Parabeln von Dingen, die wir in der äußerlichen Welt beobachten können. Wenn ein Mensch einer Fata Morgana nachläuft - sonst einer Erscheinung, die keine reale Existenz hat, kann er niemals sein Ziel erreichen, während der Mensch, der Allahs Licht folgt, das ihn weiterführt, zufriedener, vernünftiger und im Leben gefestigter sein muss, und zwar in jedem Augenblick seines Lebens. (Juusuf `Allii)

Dies bezieht sich nach Ansicht der wichtigsten Kommentatoren auf die gleichnishafte Ausdrucksweise der obigen drei Ajas. Ähnlich verhält es sich mit vielen Ausdrücken im Qur’an, die sich auf den geistigen Zustand des Menschen und seine Ziele in dieser Welt und im zukünftigen Leben beziehen. (Asad)

So gibt Allah dem Menschen die Maßstäbe mit denen er seinen Wert und seine wahre Rangstellung misst. (Qutb)

 

4. Wenn ihr also (im Kampf) auf die Kufar trefft, dann schlagt ihnen auf den Nacken9, bis ihr sie niedergekämpft habt10; dann legt sie in Fesseln11. Da nach gebt sie entweder auf dem Gnadenweg12 oder gegen Lösegeld13 frei bis der Krieg endgültig vorüber ist14. Tut dies15! Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er gewiss (Selbst) gegen sie vorgehen können16. Doch Er will die einen von euch durch die anderen prüfen17. Und diejenigen, die auf dem Weg Allahs getötet wurden18, deren Taten wird Er ganz gewiss ihr Ziel nicht verfehlen lassen19.

9. Wenn der Kampf notwendig ist, sollte er mit äußerster Entschlossenheit geführt werden. Wir sollten an den entscheidenden Stellen treffen ("Schlagt ihren Nacken"), sowohl buchstäblich als auch im übertragenen Sinne. Man kann nicht mit Samthandschuhen kämpfen. (Juusuf 'Allii)

Nämlich diejenigen, die andere von Allahs Wegen abhalten. Dies schließt an Aja 1 oben an und die Grundlagen fest, auf denen überhaupt ein bewaffneter Kampf geführt werden darf: nämlich zur Verteidigung von Islam und Freiheit (vergleiche in diesem Zusammenhang Suura 2:190 und die entsprechenden Fußnoten). Mit anderen Worten, wenn diejenigen, die "die Wahrheit leugnen", die Muslime ihrer gesellschaftlichen politischen Freiheit berauben und es ihnen unmöglich machen, in Übereinstimmung mit den Grundsätzen ihres Diins leben, ist der bewaffnete Kampf erlaubt und - darüber hinaus - eine Pflicht. Der ganze obige Aja bezieht sich auf Kampfhandlungen, die bereits begonnen haben (vergleiche Suura 2:191 und die entsprechenden Fußnoten), und es besteht kein Zweifel daran, dass er nach Suura 22:39-40 offenbart wurde, wo zum erstenmal von bewaffnetem Kampf die Rede ist. (Asad)