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Von Suura 42 "Die gegenseitige Beratung" Aja 1 –
Suura 45 "Das Niederknien" Aja 37
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Einführung zu Suura 42 Dies ist die dritte Suura aus der haa-miim-Serie von sieben Suuras. Thematisch geht es darum, wie das Böse und die Gotteslästerung durch Allahs Barmherzigkeit und Führung geheilt werden kann, die durch Seine Offenbarung kommt. Die Menschen werden aufgefordert, ihre Meinungsverschiedenheiten friedlich durch gegenseitige Beratung zu lösen (siehe Aja 38 dieser Suura); dies erklärt auch den Titel dieser Suura. Zusammenfassung: Der Gegensatz von Gotteslästerung und Streit einerseits und Offenbarung, Einheit und Imaan andererseits, die auf Allahs Zeichen und Seiner Barmherzigkeit beruhen. (Ajas 1 - 29) Das Böse kommt von den Taten des Menschen selbst, deren Folgen er nicht vermeiden kann, die Rechtleitung aber kommt durch Allahs Gnade und Offenbarung. (Ajas 30 - 53) Wie alle makkanischen Suuras ist das Hauptanliegen dieser Suura der Imaan. Es geht hier vor allem um die Wahrheit der Offenbarung und die Berufung eines Gesandten Allahs für die Menschen. Als Begleitthemen spricht die Sura aber auch ausführlich über die Einheit Gottes, über die Gewißheit der Auferstehung, und beschreibt Szenen des Jenseits. Sie behandelt außerdem Eigenschaften und Charakter der Mu'mins, und die Frage des vom Allah gewährten Lebensunterhalts, der für den einen reichlich, dem anderen knapp bemessen ist. Sie beschreibt auch das Verhalten des Menschen, wenn es ihm zur Prüfung einmal gut und ein anderes Mal schlecht geht. (Qutb) Die gegenseitige Beratung Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. 1. Haa Miim1 1. Hier beginnt die zweite von sieben Suuras (40-47), die mit den Buchstaben "haa-mim" beginnen. Chronologisch gehören sie alle derselben Zeit an, nämlich der späten makkanischen Zeit, und folgen unmittelbar auf die vorige Suura. Zur genauen Bedeutung der abgekürzten Buchstaben "haa-mim" ist keine autoritative Erklärung erhältlich. Wenn mim hier eine ähnliche Bedeutung hat wie in "alif-laam-miim" (vergleiche Suura 2:1 und die entsprechenden Fußnoten), dann bedeutet er das Ende aller Dinge, den Jüngsten Tag, und alle diese Suuras lenken unsere Aufmerksamkeit besonders darauf. "Ha", der emphatische Gutturallaut, kann im Gegensatz zu dem sanften Hauch des "Alif" darauf hindeuten, dass der Anfang nur um des Endes willen da ist, die Gegenwart für die Zukunft, und um das Wissen vom jüngsten Gericht im Imaan zu unterstreichen. Dies ist jedoch nur eine Vermutung und sollte nicht überbewertet werden. Diese Suura gehört zu der Suurasgruppe mit diesen zwei Buchstaben am Anfang jeder Suura (Alausi) 2. `Aiiiin Siiiin Qaaaaf2 2. Diese Buchstabengruppe bildet eine zusätzliche Bezeichnung für diese Suura. (Alausi)
3. Auf diese Weise3 offenbart dir und denen, die vor dir waren4 Allah, der Allmächtige5, der Allweise6. 3. Auf diese Art und Weise, vermittels von Wörtern und Sätzen, die aus Buchstaben wie diesen gebildet werden, gelangte die Offenbarung zu Muchammad - Friede sei mit ihm - und auch zu allen anderen Propheten. Sie soll auf diese Weise für die Menschen fassbar und verständlich sein, so dass sie ihren Sinn begreifen können. Andererseits sind sie selbst nicht in der Lage, dergleichen zu erschaffen, obgleich ihnen diese bekannten Buchstaben zur Verfügung stehen. (Qutb) 4. Die Offenbarung ist im wesentlichen dieselbe, unabhängig vom Zeitalter und von der prophetischen Persönlichkeit, der sie gegeben wurde. (Qutb) Frühere heilige Schriften. (Darjabaadi) Aus dem Stil dieses einleitenden Ajas wird deutlich, dass er vor einem Hintergrund von Mißtrauen, Verwunderung und Erstaunen offenbart wurde, die in allen Versammlungen, in jedem Haus und auf den Straßen von Mekka zum Ausdruck kamen, etwa in Form der Frage: "Woher bringt er uns immer wieder diese Offenbarungen? Wie merkwürdig, dass er unsere altüberlieferte Religion als falsch ablehnt, Bräuche, denen wir bis heute folgen, und uns seine Lehre als richtig und als Offenbarung Allahs verkündet!" Wahl bedeutet wörtlich "eine schnelle, heimliche Anweisung" oder "eine Eingabe", also eine Inspiration, die so schnell kommt, dass niemand davon erfährt außer dem, der sie gibt, und dem, der sie empfängt. Dieses Wort wird für die Rechtleitung und Anweisungen benutzt, die Allah wie einen Lichtblitz in das Herz des Menschen eingibt. (Mauduudi) 5. Er verfügt über Kraft und Entscheidungsgewalt. (Qutb) 6. Er offenbart sich demjenigen, den Er Seiner Weisheit und Seinem Wissen entsprechend auserwählt hat. Alle Gesandten Allahs, denen Seine Offenbarung zuteil wurden, bilden samt ihren Anhängern eine einzige Nation, die dem Wesen nach gleich bleibt, weil sie alle vom gleichen Gott rechtgeleitet werden. (Qutb) Die Offenbarung ist voller Kraft und Weisheit, und diese beiden Eigenschaften entstammen der Kraft und Weisheit Allahs. Im Gegensatz zu menschlicher Macht und Kraft ist diese Kraft notwendigerweise gut und barmherzig; im Gegensatz zu menschlicher Weisheit ist diese Weisheit notwendigerweise vollkommen und fehlerfrei. (Juusuf 'Allii)
4. Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und Er ist der Hohe, der Gewaltige7. 7. Wir können uns nicht den Abstand vorstellen, der Allah von dem höchsten Seiner Geschöpfe trennt. Im nächsten Aja werden in diesem Zusammenhang die höchsten Himmel erwähnt und die Engel, die höchsten Wesen, die wir uns vorstellen können. (Juusuf `Allii) Hier folgen nun weitere Eigenschaften Dessen, Der allen Gesandten die Offenbarungen hat zukommen lassen, indem gesagt wird, dass Er Der Eigentümer all dessen ist, was sich in den Himmeln und auf Erden befindet, sowie der Einzige, Der am höchsten und größten ist. Der Mensch hält viele Wesen für mächtig, aber das ist keine wirkliche Macht und Herrschaft. Allah allein ist der wirkliche Herr und Eigentümer, Der ins Dasein ruft und wieder vergehen lässt, Der Leben gibt und sterben lässt, Der dem Menschen geben kann, was Er will, und vorenthalten kann, was Er für angemessen befindet. Er verfügt über alle Seine Geschöpfe. (Qutb)
5. Fast möchten die Himmel bersten ob (Seiner Herrlichkeit8) während die Engel9 das Lob ihres Herrn verkünden10 und für jene auf Erden um Vergebung bitten. Allah ist fürwahr der Allverzeihende, der Barmherzige11. 8. "Fast möchten die Himmel bersten ob Seiner Herrlichkeit'. Wie können wir uns eine größere Erhabenheit und Herrlichkeit vorstellen als die, dass die gewaltigen Himmel dabei sind, vor ihnen zu bersten? (Juusuf `Allii) Damit ist das Firmament oder Weltall gemeint, von dem wir Menschen nur einen geringen Teil begreifen können. Es spaltet sich fast vor Ehrfurcht vor Allah und Seiner Herrlichkeit und Größe, aber auch aus Sorge und Mitleid mit den widerspenstigen Erdenbewohnern und ihrer Vergesslichkeit Seiner Größe und Herrlichkeit gegenüber. (Qutb) 9. Die Engel sind Allah stets freiwillig gehorsam, sie sind in dieser Art erschaffen worden. Sie verherrlichen ununterbrochen ihren Schöpfer aus Ehrfurcht vor Seiner Größe und Macht und aus Furcht, ihn nicht gehörig zu preisen und ihm nicht gehorsam genug zu sein. (Qutb) 10. Die Engel sind die edelsten und reinsten Wesen, die wir uns vorstellen können. Sie reflektieren einerseits Allahs Lob und Preis, andererseits aber auch zwei weitere Eigenschaften Allahs, die Seinen Geschöpfen zugewandt sind, nämlich Vergebung und Barmherzigkeit. Beide Seiten ergänzen sich. Mu'miniin und Kufar sind gleichermaßen in ihre Fürsorge und Gebete eingeschlossen. Sie verkünden also durch ihr eigenes Sein und durch ihre Gebete Allahs Größe und unbegrenzte Güte. (Juusuf `Allii) Sie bitten um Vergebung für die Erdenbewohner, und zwar für alles, was es bei diesen an Fehlern und Mängeln gibt. Vergleiche hierzu auch Suura 40:7 und die entsprechenden Fußnoten. (Qutb) Das heißt für alle Menschen. Das Pronomen "man" bezieht sich immer auf Wesen, die mit Bewusstsein und Intelligenz ausgestattet sind. Vergleiche auch Suura 13:6 und 10:11 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Asad) Den Engeln schaudert vor den unsinnigen Äußerungen der Menschen über Allah (wie beispielsweise der, Allah habe Söhne oder Töchter, die Engel seien Töchter Allahs und so weiter). Sie distanzieren sich davon, preisen Allah und bitten Ihn immer wieder um Gnade für diejenigen, die sich selbst und Allah vergessen haben, so dass sie von der Strafe bewahrt bleiben und immer wieder eine Frist zur Einsicht und Umkehr bekommen. (Mauduudi) 11. Nur Allahs Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft bewahrt die Menschen vor den bösen Folgen ihres Handelns. (Mauduudi)Zu den vorher genannten Eigenschaften Gottes, nämlich Allmacht und Weisheit, Größe und Herrlichkeit kommen hier zwei weitere hinzu, nämlich die Bereitschaft zu vergeben und Barmherzigkeit. Anhand dieser Eigenschaften ist es den Mensch möglich, Allah zu erkennen. (Qutb)
6. Und diejenigen, die sich an Seiner Stelle andere zu Freunden12 nehmen (müssen wissen), dass Allah über sie verfügt, und du bist nicht für sie verantwortlich13. 12. Hier kommen wir nun zu dem Gegensatz, der Unvernunft und Undankbarkeit des Menschen. Diese kann jedoch in Allahs allumfassendem Plan nicht Allahs endgültigem Urteil entgehen. Die Entscheidung liegt bei Allah allein. Ein Prophet ist nicht für das Verhalten der Menschen, verantwortlich, denn das von Allah erschaffene System gewährt dem Menschen einen gewissen Spielraum der Willensfreiheit und persönliche Verantwortlichkeit. (Juusuf `Allii) Damit soll der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, getröstet und ermahnt werden, sich nicht zu viele Sorgen um sie zu machen. (Darjabaadi) Der Begriff "auliaa'" (Singular "walii") im Text hat eine umfassende Bedeutung; Teilaspekte davon sind "Freund" und "Beschützer". Nach dem qur`anischen Sprachgebrauch nimmt ein Mensch jemanden zum wall 1. dem er in allen Dingen gehorcht, dessen Gebote er ausführt und dessen Lebensweise und Regeln er in allen Angelegenheiten des Lebens befolgt (vergleiche auch Suura 4:118-120 und 7:27-30); 2. zu dessen Führung er volles Vertrauen hat und von dem er glaubt, er würde ihn rechtleiten und vor Irrtümern bewahren (vergleiche Suura 2:57; 17:97; 18:17-50 und 45:19); 3. von dem er hofft, er könne ihn vor Gottes Strafe im zukünftigen Leben schützen, falls es ein solches gäbe (vergleiche Suura 4:123; 6:51; 13:37; 29:22; 33:65 und 39:3); und 4. von dem er glaubt, er könne ihm auf übernatürliche Weise in dieser Welt beistehen, ihn vor Unheil und Versuchungen bewahren und alle seine Bedürfnisse erfüllen (vergleiche Suura 11:20; 13:16 und 29:41). (Mauduudi) 13. Allah sieht alles, was sie tun, und registriert ihr Verhalten. Es liegt an Ihm, sie zur Rechenschaft zu ziehen und sie zu bestrafen. Die Aufgabe eines Propheten besteht lediglich darin, den Menschen den rechten Weg zu zeigen. Ihr weiteres Schicksal entzieht sich seiner Kontrolle, und er ist nicht dafür verantwortlich. (Mauduudi) Und so können der Prophet, und diejenigen, die ihm folgen, in Ruhe ihren Weg beschreiten, auf dem sie von der Offenbarung Gottes geleitet werden, und unbeschadet, von denen, die vom geraden Weg abfallen und sich in den Götzendienst verirren. (Qutb)
7. Uns so14 haben Wir dir einen arabischen Qur`an15 offenbart, damit du die Mutter der Städte16 und alle (Orte) in ihrer Umgebung warnst, und damit du die Menschen vor dem Tag der Versammlung warnst, an dem kein Zweifel ist17. Ein Teil wird schließlich ins Paradies eingehen, und ein Teil in das rasende Feuer18. 14. Siehe auch oben Aja 3 und die entsprechenden Fußnoten. Hier wird eine Verbindung hergestellt zwischen den Buchstaben am Anfang der Suura und der arabischen Sprache, in der der Qur`an offenbart worden ist, und zwar eine rein äußerliche Verbindung; denn dies sind arabische Buchstaben, und hier liegt ein arabischer Qur`an vor. (Qutb) 15. Die Wichtigkeit dessen, dass der Qur`an in arabischer Sprache offenbart wurde, liegt darin, dass er für die Menschen deutlich und verständlich sein sollte, unter denen er zuerst verkündet wurde. Siehe auch den nächsten Satz. (Juusuf `Allii) Vergleiche auch Suura 14:4, wo gesagt wird, dass Propheten immer mit einer Botschaft in der Sprache ihres eigenen Volkes geschickt wurden. (Asad) 16. Die Stadt Makka. Vergleiche auch Suura 6:92 und die entsprechenden Fußnoten. Dies ist zweifellos ein makkanischer Aja. Auch abgesehen von der Qibla ist Makka das Zentrum des Islam, und "alles um sie herum" ist die gesamte Welt. (Juusuf `Allii)Makka hat diese besondere Stellung, weil sich hier das "uralte Haus" Allahs befindet. Nach Allahs Beschluss sollte diese Stadt zum Zentrum Seiner letzten Botschaft werden, und der Qur`an wurde in arabischer Sprache offenbart, um zunächst ihre Bewohner und die der in ihrer Umgebung befindlichen Städte anzusprechen. Und wenn wir heute einen Rückblick auf die Umstände der Entstehung, des Islam werfen, so erkennen wir, dass Makka und die arabische Halbinsel, die geeignetste Geburtsstätte für die letzte Botschaft Allahs mit abschließenden Gesetzen für die Menschheit war. Die Araber konnten als Volk ziemlich frei handeln und waren keinem strengen Herrschaftssystem unterworfen. Außerdem war die arabische Sprache so weit entwickelt und in Bezug auf Wortschatz und Ausdruck so reich, dass die offenbarten Informationen und Anweisungen verständlich, klangvoll und wirkungsvoll zur Geltung kamen. (Qutb) 17. Dies ist die größte, strengste und wichtigste Warnung, die der Qur`an übermitteln soll, nämlich die vor dem Tag der Versammlung aller Lebewesen vor Allahs Richterstuhl, wo Allah allein zwischen ihnen entscheiden wird. Dann wird Er sie, je nach ihrem Wirken auf Erden in zwei Gruppen unterteilen: eine Gruppe geht ins Paradies, und eine Gruppe wird zur Hölle geführt. (Qutb) Selbst wenn ein Geschöpf in diesem irdischen Leben den Folgen seiner bösen Handlungen entgelt entgeht es nicht diesem Tag. (Mauduudi) 18. Hier wird wieder der Kontrast betont, wie bereits in der Einführung zu dieser Suura erläutert wurde. (Juusuf `Allii)
8. Hätte Allah gewollt, Er hätte sie zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht19, so aber führt Er in Seine Barmherzigkeit, wen Er will20, und die Frevler haben weder Freund noch Helfer21,22. 19. Vergleiche auch Suura 5:48 und die entsprechenden Fußnoten. Unter Allahs Zeichen ist dies, dass Er uns unterschiedlich erschaffen hat, so dass wir in der Ausübung unseres Willens geprüft werden können und durch rechtschaffenes Handeln und Glauben unsere höchste Entwicklungsstufe erreichen und Seine Geschenke der Gnade und Barmherzigkeit genießen. Wir dürfen jedoch nicht streitsüchtig sein und dem Bösen verfallen, sondern müssen unsere eigenen Grenzen erkennen. Andernfalls verlieren wir Seine Gnade und Seinen Schutz. (Juusuf `Allii) Wenn Allah die Menschen als ganz andere Wesen hätte erschaffen wollen, so dass ihre Eigenschaften und Zielsetzungen völlig gleich gewesen wären und letztendlich alle entweder das Feuer oder das Paradies erlangt hätten. Er hat jedoch den Menschen so erschaffen, damit dieser mit Aufgaben betraut werden kann, als Sein Statthalter auf dieser Erde. Er ist anders erschaffen als die Engel, die, von Hause aus nur Gutes, und als die Teufel, die nur Böses tun. Dies bringt notwendigerweise mit sich, dass der Mensch sich für Rechtleitung, Licht und gute Handlungen entscheiden kann, aber auch für Irrtum, Finsternis und Böses. (Qutb) 20. "Wen Er will' oder "den, der will'. Dieser doppeldeutige Satz findet sich immer wieder im Qur`an . Vergleiche beispielsweise auch Suura 14:4 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad) Er tut das gemäß Seinem Wissen über die Absichten und das Verhalten Seiner Diener. Einige verdienen Seine Barmherzigkeit durch Rechtleitung, während andere Strafe durch ihr Irregehen verdienen. (Qutb) 21. Dieser Satz hat in diesem Zusammenhang drei Zielsetzungen:1. soll unser Prophet Muchammad, Allaahs Segen und Frieden auf ihm, belehrt werden, etwa in dem Sinne, dass er nicht traurig oder besorgt sein sollte, wenn die kaafir Makkaner starrsinnig und unverschämt sind. Allah hat jedem Menschen Handlungsfreiheit gegeben, und wer auf einem Irrweg beharren will, der sollte dann auch irregehen können. Wäre dies nicht Allahs Wille, dann wäre es auch nicht notwendig gewesen, Propheten und heilige Schriften zu schicken, und nur ein Schöpfungsbefehl Allahs hätte genügt, dass alle Menschen ebenso gehorsam werden wie Steine, Flüsse, Bäume und andere Geschöpfe. 2. Dieser Satz ist auch an alle diejenigen gerichtet, die über die Vielfalt von Diinvorstellungen und Handlungsweisen der Menschen verwirrt sind. Es wird erklärt, dass diese Vielfalt auf Allahs Willen zurückzuführen ist, denn er wollte den Menschen Handlungsspielraum und besondere Verantwortung geben. Vergleiche auch Suura 6:148-149, 10:99; 11:118-119 und viele andere ähnliche Stellen sowie die entsprechenden Fußnoten. 3. Die Mu'mins sollen hierdurch die Wahrheit über die Schwierigkeiten erkennen, denen sie bei ihren Bemühungen der Verkündung ausgesetzt sind. Wer die Realität der gottgegebenen menschlichen Freiheit nicht erkennt, verzweifelt manchmal über den langsamen Fortschritt seines Strebens und wünscht, irgendein übernatürliches Ereignis würde die Herzen der Menschen beeinflussen; manchmal gerät er auch in Versuchung, mit unlauteren Methoden eine Reform herbeizuführen. Vergleiche hierzu auch Suura 13:31 und 16:91-93 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi) 22. Es kann keine größere Undankbarkeit geben als die, falsche Götter zu verehren oder Schutz bei Dingen zu suchen, die keinerlei Macht haben, während Allah - Der Macht über alle Dinge hat - immer darauf bedacht ist, Seine Geschöpfe zu schützen und zu fördern und ihnen alles zur Verfügung zu stellen, was sie zu ihrem eigenen Besten brauchen. (Juusuf `Allii)
9. Haben sie sich etwa andere Beschützer genommen statt Ihn? Doch Allah ist der (wahre) Beschützer23. Er erweckt die Toten zum Leben, und Er hat Macht über alle Dinge. 23. Es ist nicht eine Sache der persönlichen Wahl, jemanden zum Freund und Beschützer zu nehmen. Freund und Beschützer kann nur derjenige sein, der auch dazu fähig ist, ob man ihn als solchen anerkennt oder nicht. Freund und Beschützer des Menschen kann nur Der sein, Der Tote belebt, Der durch Seinen Atemhauch toter Materie Leben gegeben hat, und Der alle anderen Bedingungen als Freund und Beschützer erfüllt. Einen anderen als Ihn zu wählen ist nichts als Unvernunft und Selbstzerstörung. (Mauduudi) Mit Abscheu führt Er den eigenartigen Tatbestand vor, nämlich, dass die Götzendiener die Hilfe nicht bei Ihm suchen, sondern bei hilflosen Geschöpfen. Er, der die Toten zum Leben erweckt, ist der Einzige, der alle Macht besitzt und jedem Bedrängten zu jeder Zeit helfen kann. (Qutb)
Abschnitt 2 10. „Über was auch immer ihr uneins seid24, die Entscheidung darüber liegt bei Allah25. Das ist Allah, mein Herr. Auf Ihn vertraue ich und zu Ihm wende ich mich26" 24. Mit diesen Worten soll der Prophet und Gesandte Allahs selbst bezeugen, dass Allah sein Herr ist, dass er auf Ihn allein vertraut und sich ausschließlich zu Ihm hinwendet. Wie kann es dann für mu’min Menschen möglich sein, sich an etwas anderes zu wenden, wenn der Prophet ihnen deutlich diesen Weg gewiesen hat? Jeder Mu'min trägt tief in seinem Inneren die Gewissheit, dass dieser Weg des absoluten Vertrauens auf Allah und des unbedingten Festhaltens an seinen Worten der Weg der Rettung ist. (Qutb) In Angelegenheiten des Diins. (Darjabaadi) Obwohl von hier bis Aja 12 der Text von Allah offenbart ist, ist der Sprecher nicht Allah selbst, sondern Sein Gesandter; mit anderen Worten, dieser wird aufgefordert, das folgende den Menschen zu sagen. Ein solcher Textabschnitt wird im Qur`an manchmal mit dem Wort "qul" ("Sprich") eingeleitet, manchmal aber auch nicht. Im letzteren Falle geht nur aus dem Inhalt hervor, dass der Sprecher nicht Allah, sondern Sein Gesandter ist oder aber auch die Mu'minuun, die Engel und so weiter, wie beispielsweise die Suura 1 oder auch 19:64-65. (Mauduudi) 25. In den höchsten Streitfragen des Lebens sehen die Menschen die Dinge vielleicht unterschiedlich. Wenn ihre Differenzen nur auf selbstsüchtige Absichten oder Kurzsichtigkeit zurückzuführen sind, vergehen sie sich gegen sich selbst. Wenn sie jedoch aus aufrichtigen, aber falschen Vorstellungen entstehen, sollen sie nicht zum Anlass dienen, Spaltungen oder Sektiererei hervorzubringen oder Haß und Verachtung unter den Menschen zu vermehren, sondern sie sollten diese Dinge Gott überlassen, auf Ihn vertrauen und sich in allen Schwierigkeiten zu Ihm wenden. Die endgültige Entscheidung in allen Dingen liegt bei ihm. (Juusuf `Allii) Über alles, worüber die Menschen uneinig sind, wird Allah als der eigentliche Richter ein Urteil fällen, ob im Diesseits oder im Jenseits, so dass jeder sehen kann, wer im Recht ist. (Alausi) 26. Dies kann in der Vergangenheit und in der Gegenwart übersetzt werden. Im ersteren Fall würde es heißen: "Ich habe immer auf Ihn allein vertraut und bin Seiner Rechtleitung gefolgt." Im letzteren Falle würde es heißen: "zu Ihm wende ich mich in allen Lebenslagen, nehme Zuflucht ausschließlich zu Ihm und suche die Lösungen für meine Probleme in Seiner Lehre." (Mauduudi)
11. Der Schöpfer der Himmel und der Erde. Er hat für euch Gefährtinnen von euch selbst gemacht27, und schuf Paare von den Tieren. Dadurch vermehrt Er auch. Nichts ist Ihm gleich28, und Er ist dar Allhörende, dar Allsehende29. 27. Das Geheimnis der Geschlechtlichkeit hat nicht nur seine physischen, sondern auch seine ethischen und geistigen Aspekte, und daher ist der Mensch in dieser Hinsicht von den niederen Tieren unterschieden. Das Vieh wird besonders erwähnt, im Unterschied zu anderen Tieren, weil es ein besonderes Verhältnis zum Menschen hat und seinen Bedürfnissen in besonderer Weise dient, nicht nur im physischen Bereich, sondern auch in Angelegenheiten des Transportes, der der Schlüssel zu aller Kultur ist. Vergleiche hierzu auch Suura 36:71-73 und 23:21-22 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii) Allah, der diesen Qur`an herabsandte, damit seine Vorschriften bei Auseinandersetzungen die maßgebliche Instanz für die Menschen bilden, ist darüber hinaus Derjenige, Der Himmel und Erde und alles, was drinnen und was darauf ist, erschuf. Hierzu gehört auch das System der Vermehrung der Menschen und des für sie so wertvollen Viehs. Es ist also klar, dass Er am besten weiß, was für sie gut und recht ist. (Qutb) Vergleiche auch Suura 16:72 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad) 28. Obgleich Allah alle Dinge nennt und dafür sorgt, ist Er von Seiner Schöpfung grundverschieden, sowohl in Seinem Wesen als auch in Seinen Eigenschaften. Er ist einzigartig, absolut und unvergleichbar. (Darjabaadi)29. Die vorhergegangene Anspielung auf die von Allah gewollte Funktion der Geschlechtlichkeit und damit die Polarität und Vielfalt, die in der ganzen belebten Natur zu beobachten ist, soll die obige Aussage der Einheit und absoluten Einzigartigkeit betonen. Vergleiche auch Suura 6:100 und 112:4 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Asad) Obwohl Er einzigartig ist, und es niemanden gibt, der Ihm gleicht, ist trotzdem die Verbindung zu Seinen Geschöpfen jeden Moment aufs engste vorhanden, denn Er sieht und hört alles ganz genau. (Qutb)
12. Sein sind die Schlüssel dar Himmel und dar Erde. Er gewährt reichlich Unterhalt30, wem Er will, und beschränkt ihn auch31. Er kennt fürwahr alle Dinge. 30. "Versorgung" bedeutet hier wie an anderen Stellen im Qur`an alles, was das Leben in allen seinen Phasen aufrechterhält und stützt, sei es physisch, gesellschaftlich, intellektuell oder spirituell. Vergleiche auch Suura 10:59 und die entsprechenden Fußnoten. Der Ursprung aller Gaben ist Allah. Seine Güte ist unerschöpflich, und Er gibt allen, er gibt jedoch nicht allen gleichermaßen, weil Er in der Fülle Seines Wissens und Seiner Weisheit am besten entscheiden kann, was jedes Seiner Geschöpfe braucht. (Juusuf `Allii) 31. Er weiß nicht nur, was jedes Wesen "verdient", sondern auch, was im Rahmen Seines Schöpfungsplanes wirklich - wenn auch nicht immer wahrnehmbar - gut und notwendig ist. Darüber hinaus gehört alles Existierende Ihm allein, und dem Menschen steht nicht mehr als ein Nutznießungsrecht dessen zu, was gewöhnlich als "Eigentum" bezeichnet wird. (Asad) Auch dies sind Argumente dafür, dass Allah allein der wirkliche Freund und Beschützer ist, Dem wir vertrauen und zu Dem wir uns in allen Dingen hinwenden sollen. Vergleiche auch Suura 27:60-66; 30:20-22 und die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi)
13. Er hat auch ein Diin32 verordnet, die das umfasst, was Er Nuuch auftrug33, was Wir dir offenbarten, und was Wir Ibraahiim, Muusa und ’Isa auftrugan34, nämlich, dass ihr für die Religion einstehen35 und euch nicht darin zersplittern sollt36. Schwer ist für die Götzendiener das, wozu du sie aufrufts37. Allah erwählt dazu, wen Er will, und führt dazu den, der sich Ihm zuwendet38. 32. Vergleiche auch Suura 2:256 und die entsprechenden Fußnoten. Da - wie aus dem Zusammenhang hervorgeht - der Begriff Diin bezeichnet hier offensichtlich nur die ethischen und geistigen Inhalte der Religion. Mit diesem Aja kehrt die Thematik wieder zu dem am Anfang der Suura Erwähnten zurück, nämlich die unveränderliche Gleichheit der geistigen und ethischen Grundsätzen die jeder Religion zugrunde liegen. (Asad) 33. Die eine wahre Religion, die von Anfang an allen Propheten offenbart worden ist, die Religion der Einheit Gottes, die älteste der Menschheit benannte Religion. (Darjabaadi) 34. Allahs Religion ist im wesentlichen dieselbe, ob sie beispielsweise Nuuch, Ibraahiim, Muusa, ’Isa oder Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, gegeben wurde. Der Ursprung der Einheit ist die Offenbarung Allahs. Im Islam ist sie eine Institution, nicht eine bloße Suggestion. (Juusuf `Allii) Nur durch Offenbarung konnte der Prophet Muchammad - Friede sei mit ihm - erfahren, was Nuuch seinerzeit offenbart worden war. (Asad) 35. Der Mu'min, der den Qur`an liest, soll seine Eingliederung in die Zusammengehörigkeit der Gemeinschaft empfinden, die durch die wiederholte Offenbarung Allahs an die Menschheit über Seine auserwählten Gesandten zustande kam. Diese Offenbarung fing mit Nuuch an, und fand ihren besiegelnden Abschluss in der Offenbarung an Muhammad. Dazwischen gab es sehr viele Verkünder, deren größte - Ibraahiim, Muusa und ’Isa - zur Zeit der Berufung Muchammads viele erklärte Anhänger hatten, nämlich Makkaner, Juden und Christen. Allah hat die gleiche Religion allen Gesandten offenbart, die sie zusammen mit ihren unmittelbaren Anhängern auch befolgten, von der sich die späteren Nachkommen aber ständig entfernten. (Qutb)36. Imaan, Pflicht oder Religion sind nicht Angelegenheiten, über die debattiert werden kann. Die Entstehung von Sekten widerspricht dem grundlegenden Prinzip der Religion und der Einheit. Wir sollten Standhaftigkeit in der Pflichterfüllung und im Imaan anstreben, ebenso aber auch Einheit unter den Menschen. (Juusuf `Allii) Vergleiche auch Suura 3:19; 3:85; 21:92 und 23:52 sowie die entsprechenden Fußnoten. Die meisten großen Kommentatoren verstehen dies als eine einstimmige Bezugnahme auf die ökumenische Einheit aller Religionen auf der Grundlage des Imaans an den Einen Gott, ungeachtet aller Unterschiede bezüglich der spezifischen Gebote und Praktiken, die den verschiedenen Gemeinschaften entsprechend ihrem zeitbedingten Zustand gegeben wurden. (Asad) Muchammad - Friede sei mit ihm - ist nicht der Begründer einer neuen Religion, ebenso wenig wie andere Propheten Begründer separater Religionen waren. Sie alle haben dieselbe Wahrheit verkündet. Spaltungen können auf verschiedene Weise entstehen: 1. indem fremde Elemente in die Religion eingeführt werden; 2. indem Faktoren weggelassen werden, die wesentliche Bestandteile der Religion sind; 3. indem die Grundlagen der Religion durch Fehlinterpretationen entstellt werden; und 4. indem Wichtiges als nebensächlich und Nebensächliches als wichtig erklärt wird. Spaltungen dieser Art traten zuerst als Streitfragen in den Gemeinschaften der Propheten auf, und später entstanden Konfessionen und Sekten, die sich zu völlig voneinander verschiedenen Systemen entwickelten, deren Anhänger gar nicht mehr wußten, dass sie alle einst zu dem gleichen Ursprung gehört hatten. Diese Spaltungen haben nichts mit den zulässigen und vernünftigen Meinungsverschiedenheiten zu tun, die eine ganz natürliche Begleiterscheinung des ernsthaften und aufrichtigen Studiums der heiligen Schriften und der Gesetzeslehre sind. (Mauduudi) 37. Einheit, Selbstlosigkeit, Liebe zu Allah und den Menschen - diese Dinge sind unvereinbar mit Selbstüberschätzung, ungerechter Unterdrückung unserer Mitgeschöpfe, Abgötterei und falschem Verhalten unseren Mitmenschen gegenüber. Obgleich die Botschaft der Einheit also völlig dem Muster entspricht, nach dem Allah uns erschaffen hat, erscheint sie doch denjenigen hart, die ihr Ego und die Unwahrheit lieben. Die Gnade steht jedoch allen offen, und Seinem weisen Plan entsprechend wird Er besondere Lehrer auswählen, die der Menschheit den Weg zeigen, und niemand, der sich zu Ihm wendet, muss auf Rechtleitung verzichten. (Juusuf `Allii) Für die arabischen Götzendiener in Makka und Umgebung, die für sich den Anspruch erhoben, zu Ibraahiims Nachkommenschaft zu gehören, war es besonders schwer, diese geradlinige neue Botschaft zu akzeptieren. (Qutb) 38. Es war schwierig für die arabischen Götzendiener zu akzeptieren, dass die Offenbarung zu Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesandt worden war, der doch einer aus ihren eigenen Reihen war, und sie hätten sich gewünscht, einer ihrer Würdenträger hätte die Offenbarung empfangen. Muhammad besaß jedoch die entsprechenden Eigenschaften, und sie kannten ihn selbst als ehrlich und aufrichtig. Schwierig zu akzeptieren war für sie auch, dass er sie aufforderte, den Götzendienst zu unterlassen, auf dem ihre gesamte Macht beruhte, und Allah allein zu dienen. Letztendlich war es ihnen auch unangenehm zu erfahren, dass sich ihre unmittelbaren Vorfahren im Irrtum befunden hatten. (Qutb) Allah zieht nur den zu sich, der sich zu Ihm ziehen lässt, und nicht den, der sich vor Ihm zurückzieht und von Ihm abwendet. (Mauduudi) 14. Und sie wurden erst uneins39, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war40, aus Missgunst untereinander41. Und wäre nicht von deinem Herrn ein Beschluss ergangen für eine bestimmte Frist42, dann wäre gewiss zwischen ihnen entschieden worden43. Und wahrlich, diejenigen, denen nach ihnen das Buch zum Erbe gegeben wurde44, sind hierüber in beunruhigendem Zweifel45. 39. Im Gegensatz zu dem, was ihnen geboten worden war. (Darjabaadi) 40. Vergleiche auch Suura 2:213. Wenn jemand die Wahrheit ablehnt, nachdem sie ihn erreicht hat, geschieht dies nur durch Überheblichkeit oder Neid. (Juusuf `Allii) Sie waren nicht aus Unwissenheit uneinig oder weil sie ihre gemeinsame Wurzel nicht kannten, der sie mit ihrem Diin und ihrem Propheten verbunden waren, sondern sie wurden uneinig, nachdem sie Wissen erlangt hatten. Sie stritten sich und wurden uneinig aus Gier, Neid und Ungerechtigkeit. (Qutb) Wissen von der Einheit Gottes und dem Imaan. (Darjabaadi) Allah ist also kein Vorwurf zu machen, sondern denjenigen, die die klaren Grundsätze der Religion und die Gebote Seines Gesetzes verlassen und eigene Konfessionen gebildet haben. (Mauduudi) 41. Nicht aufgrund unverständlicher Einzelheiten in der Offenbarung. (Darjabaadi) Nachdem sie erfahren hatten, dass Allah ein Einziger ist und dass die Lehren aller Seiner Gesandten im Wesentlichen dieselben waren. Vergleiche auch Suura 2:213 und 23:53 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Asad) Die Ursache der Spaltung lag in Großtuerei, Eigensinn, gegenseitiger Rivalität, dem Drang, einander zu demütigen und zu übervorteilen, und der Gier nach irdischem Besitz und Rang. Wo Allah allein verehrt und Sein Gesetz befolgt wird, gibt es keinen Platz für machtsüchtige Menschen; das veranlasste diese, neue Philosophien und Bekenntnisse zu entwerfen, um damit die aufrichtigen Mu'mins von sich abhängig zu machen. (Mauduudi) 42. Vergleiche Suura 10:19 und die entsprechenden Fußnoten. Allahs Beschluss hat einen bestimmten Spielraum eingeräumt, in dem eine Möglichkeit zur Einsicht und Umkehr besteht. Wäre dies nicht der Fall, würde das Böse sofort bestraft, und die Sache wäre sofort entschieden. Auch wenn die Menschen aus Eigennutz oder Ungehorsam die Wahrheit ablehnen, bekommen sie einen solchen Spielraum. Vielleicht kommen sie zur Einsicht. (Juusuf `Allii) 43. Sie hatten wegen ihrer Tyrannen und Zerstrittenheit, die Strafe Allahs sofort verdient, aber Er gewährt ihnen - so hat Allah im voraus entschieden - Zeit zum Nachdenken. Die Wahrheit wird verwirklicht und gewinnt die Oberhand und der Irrtum wird korrigiert und wird besiegt. (Qutb) 44. Durch den Propheten Muchammad - Friede sei mit ihm - das heißt die zeitgenössischen Kufar. (Darjabaadi) Dies bezieht sich offensichtlich auf die Bibel und ihre Anhänger in späteren Zeiten. (Asad) 45. Vergleiche Suura 14:9 und die entsprechenden Fußnoten. Hier geht es um die Anhänger der früheren Schriftreligionen in späteren Generationen. Auf die Juden und Christen zur Zeit des Propheten bezogen sehen wir, wie wahr es ist, dass sie sich :n verschiedene Sekten zerstritten hatten, die einander hassten und verfolgten. Der Islam kam, um sie zu vereinigen, und das geschah auch. Die gegenwärtigen Konfessionen der Juden und Christen entstammen einer späteren Zeit. (Juusuf `Allii) Während des fünften und sechsten Jahrhundert war die zivilisierte Welt am Rande des Zusammenbruchs, weil die Lehren, die die Kulturen hervorgebracht hatten, zusammenbrachen und nichts Neues entstand, was diese ersetzten konnte. Man hatten den Eindruck, dass die Früchte einer viertausendjährigen hervorragenden menschlichen Zivilisation und die Menschheit in Wildnis und Chaos ohne Gesetz und Ordnung zurückversetzt würden. Die Systeme, die das Christentum damals hinterlassen hatte. schürten Uneinigkeit und Zerfall, statt Einigkeit und Weltordnung zu befördern. Die Zivilisation schien damals wie ein riesiger Baum, dessen Zweige die ganze Erde überschatteten, dem allmählichen Zerfall ausgeliefert. In diese chaotische Zeit wurde der Mann hinausgeboren (gemeint ist Muchammad - Friede sei mit ihm), der die Welt einte (G.H. Dinesan, in seinem Buch: Die Lebenswerte als Fundamente der Kulturen, Emotion als the Basis of Civilisation). (Qutb) Sie zweifeln, ob die betreffende Schrift wirklich von Allah offenbart wurde, und letztendlich auch daran, dass es überhaupt eine Offenbarung Allahs gibt. (Asad)
15. Lade also hierzu ein46 und setze dich für seine Verwirklichung ein47, wie dir befohlen wurde48, und folge nicht49 ihren Wünschen50, sondern sprich: „Ich verinnerliche an das den Imaan, was Allah vom Buch herabgesandt hat51, und mir wurde befohlen, Gerechtigkeit unter euch herzustellen52. Allah ist unser Herr und euer Herr53. Uns unsere Taten und euch die Euren54! Kein Streit soll sein zwischen uns und euch55. Allah wird uns zusammenbringen, und bei Ihm ruht der Ausgang56. 46. Ohne Rücksicht auf ihre Differenzen. (Darjabaadi) Aufgrund dieses Bruches mit der ursprünglichen Einheit der menschlichen Religion. (Asad) 47. Wie schön der Auftrag des Islam in diesem Aja dargestellt wird! 1. Je mehr Zwietracht und Sektierertum in der Welt herrscht, um so notwendiger ist die Botschaft der Einheit. 2. Sie muss standhaft ihren Weg verfolgen. 3. Sie darf sich nicht durch weltliche oder politische Absichten ablenken lassen. 4. Sie muss direkt auf Allah und Seine Offenbarung bezogen sein. 5. Als Religion des Friedens und der Einheit muß sie gerecht zwischen den streitenden Parteien entscheiden. (Juusuf `Allii) 48. Standhaft in der Verkündigung wie bisher. Damit ist in erster Linie unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, angesprochen. (Darjabaadi) 49. Indem du nachlässig bist oder Kompromisse eingehst. (Darjabaadi) 50. Oder "ihren niederen Begierden", das heißt nimm keine Veränderungen vor, um ihnen einen Gefallen zu tun, und gib keinen Raum für ihre "Launen", Vorurteile und Praktiken der Unwissenheit in der Hoffnung, sie würden dir dann folgen. Wer immer will, kann sich für Allahs ursprüngliche, reine Religion entscheiden, und zwar in ihrem eigenen Interesse. (Mauduudi) 51. Mit anderen Worten: "Ich will nicht wie jene anderen eine neue Spaltung hervorrufen, sondern ich verinnerliche den Imaan an alle heiligen Schriften, die von Ihm offenbart worden sind." (Mauduudi) In der Vergangenheit und in der Gegenwart. (Darjabaadi) Weil die Nachfolger der Propheten zerstritten und uneinig waren, sandte Allah Muchammad - Friede und Heil auf ihn - um die Einheit des Diins und den geraden Weg Allahs zu verkünden, die Allah allen Propheten und Gesandten offenbart hat. Eine eindeutige Führung, die die Menschen zu ihrer Ursprungslehre führt, zur Einheit des Buches, Einheit der Lebensanschauung. Eine Führung, die Macht besitzt, um Gerechtigkeit unter den Menschen zu führen. (Qutb) 52. Das heißt ich soll euch veranlassen, euch gegenseitig toleranter zu verhalten: offensichtlich eine Anspielung auf die Bitterkeit, die dem gegenseitigen Verständnis der verschiedenen Sekten und Konfessionen in allen offenbarten Religionen im Wege steht. (Asad) Dieser Satz hat verschiedene Bedeutungen: 1. Ich soll mich völlig unparteiisch verhalten und keine Vorurteile für oder gegen die eine oder andere Sekte haben; ich habe dieselbe Beziehung zu allen Menschenwesen, nämlich die der Gerechtigkeit und Gleichheit, wobei ich alle unterstütze, die der Wahrheit folgen, auch wenn sie mir völlig fremd sind, und jedem widerspreche, der Unwahrheiten folgt, auch wenn es ein enger Verwandter sein sollte. 2. Es gibt keinen Platz für besondere Privilegien in dem System der Wahrheit, das ich gebracht habe. Auch für mich selbst gibt es keine Sonderstellung. 3. Ich soll in der Welt Gerechtigkeit verwirklichen und Ungerechtigkeit beenden. (Mauduudi) 53. Der Auftrag des Islam wird hier weiter umrissen (vergleiche auch oben Fußnote 47, deren Aufzählung hier fortgesetzt wird): 6. Der Allah, von dem im Islam die Rede ist, ist kein exklusiver Gott, sondern der Herr der Welten, der Herr aller Menschen, welchen Diin sie auch immer haben. 7. Unser Islam ist nicht eine Sache von Worten; es sind Handlungen, die entscheiden, und jeder von uns hat persönlich die Verantwortung für sein eigenes Verhalten. 8. Es gibt keinen Grund zum Streit, wenn wir Einheit, Wahrheit und zukünftiges Leben verkünden. 9. Wenn Zweifel entstehen, ist Allah der letztendliche Richter, und Sein Thron ist unser Ziel. (Juusuf `Allii) 54. Jeder von uns ist selbst für seine Taten verantwortlich. Wenn ihr Gutes tut, habt ihr den Nutzen davon, nicht wir. Wenn wir Böses tun, müssen wir selbst die Folgen tragen und nicht ihr. Derselbe Sachverhalt ist im Qur`an an verschiedenen Stellen betont worden. (Mauduudi) 55. Wir stellen die ganze Angelegenheit Allah anheim, Der letztendlich darüber zu entscheiden hat. (Qutb) Wir haben unser bestes getan, euch vernünftige Argumente vorzulegen. Streiten hat keinen Zweck, und wir haben nicht vor, uns darauf einzulassen. (Mauduudi) 56. Wir alle kehren zu Ihm zurück. (Darjabaadi)
16. Diejenigen aber, die über Allah streiten, nachdem Er akzeptiert wurde57, deren Streit ist vor Allah nichtig58. Zorn kommt über sie, und ihnen ist strenge Strafe bestimmt. 57. Nachdem Er akzeptiert worden ist: die Streitenden sind Kufar, die versuchen, die Mu'minuun in ihrem Inneren zu treffen, nachdem diese in ihrer Überzeugung den Imaans an Allah als das sie führende Licht angenommen haben. Solche Streitereien sind sinnlos. Eine innere geistige Erfahrung kann nicht durch dialektische Angriffe erschüttert werden. Solche Diskussion schlägt im Gegenteil auf diejenigen zurück, die damit anfangen. Allahs Zorn ist über ihnen in diesem Leben, und die unausweichliche Strafe im zukünftigen Leben folgt ihren bösen Machenschaften gegen die Wahrheit. (Juusuf `Allii) 58. Wer mit seinen sinnlosen Argumenten versucht, sich seinem Herrn entgegenzustellen, dessen Argumente haben kein Gewicht. Seine Bemühungen werden bei Allah vereitelt. Nach dem Untergang und vergebener Mühe auf Erden erwartet ihn der Zorn Allahs und seine Strafe. (Qutb)
17. Allah ist es, der das Buch mit der Wahrheit und den Maßstab hinabgesandt hat59. Und wie kannst du wissen? Vielleicht ist die Stunde nahe60? 59. "Al-Misaan" الْمِيزَان: Waage, Maß, Gerechtigkeit. (Anm. d. Übers.) Offenbarung ist wie eine Waage, ein Instrument, das Allah in unsere Hand gegeben hat, damit wir alle moralischen Fragen und alle Fragen des richtigen oder falschen Verhaltens damit abwägen können. Dies müssen wir auch beständig tun. Das Gericht kann nämlich zu jedem beliebigen Zeitpunkt kommen; es kann ganz nahe sein, und wir sollten darauf vorbereitet sein. Die Waage kann sich auch auf die gottgegebene menschliche Fähigkeit beziehen, zwischen recht und unrecht zu unterscheiden. (Juusuf `Allii) Allah hat uns die Schrift und die Gerechtigkeit geschickt und sie zu einem Entscheidungskriterium für das gemacht, worin die Anhänger der verschiedenen älteren Glaubensrichtungen uneinig sind, weil sie ihrem Wunschdenken folgen. Dadurch soll die "Scharii`a" (das Gesetzt Allahs) in Gerechtigkeit eingesetzt werden. Diese Gerechtigkeit ist die Norm, die "Waage" für Rechte, Handlungen und Verhaltensweisen. (Qutb) Vergleiche Suura 57:25 und die entsprechenden Fußnoten. Da Allah selbst dem Menschen durch aufeinander folgende Offenbarungen einen Maßstab gegeben hat, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, ist es sinnlos, über Sein Wesen und Seine Attribute und Sein letztendliches Gericht zu streiten. (Asad) 60. Wer umkehren will, sollte dies unverzüglich tun und keine Zeit verlieren in der Illusion, die Stunde des Gerichts sei noch weit entfernt. (Mauduudi) In diesem Aja wird die Wahrheit des herabgesandte Buches und dessen Gerechtigkeit in unmittelbaren Zusammenhang mit der Stunde gebracht. Denn "die Stunde" ist der Zeitpunkt, wo Gerechtigkeit herrscht und unter den Geschöpfen gerecht entschieden wird. Die Menschen aber wollen davon nichts wissen. (Qutb)
18. Diejenigen, die nicht an sie den Imaan verinnerlichen, möchten sie beschleunigt sehen61. Diejenigen aber, die den Imaan verinnerlichen, fürchten sich vor ihr und wissen, dass sie die Wahrheit ist. Diejenigen, die über die Stunde streiten, sind fürwahr weit abgeirrt! 61. Die Kufar verinnerlichen nicht den Imaan an das Gericht und lachen darüber. Sie fordern es sogar heraus. Eine dreifache Antwort darauf finden wir in Suura 13:6 und den entsprechenden Fußnoten. Bei den Mu'minuun verhält es sich anders. sie wissen, dass das zukünftige Leben furchtbare Realität ist, und bereiten sich darauf vor. Sie sehen deutlich, auf welchem Irrweg sich die Götter befinden. (Juusuf `Allii) Dies bezieht sich nicht allein auf die kaafir Zeitgenossen unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,, die durch ihren Spott Allahs Strafgericht beschleunigen wollten, sondern enthält eine Anspielung auf die Kufar aller Zeiten, die ohne jedes Beweismittel dafür oder dagegen kategorisch jeden Gedanken an eine Auferstehung und ein Gericht ablehnen. (Asad)
19. Allah ist gütig62 gegen Seine Diener63. Er versorgt64, wen Er will, und Er ist der Starke, der Allmächtige65. 62. "Latiif" لَطِيف: freundlich, gnädig und verständnisvoll, so dass er gemäß den Bedürfnissen der Empfänger Seine Gaben verteilt. Vergleiche auch Suura 22:63 und 12:100 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii) 63. "Diener" scheint hier alle Menschen zu umfassen, gerechte wie ungerechte, denn Allah sorgt für sie alle. (Juusuf `Allii) Ob sie Ihm gehorsam sind oder nicht. (Darjabaadi) 64. "Versorgung": für alle ihre Bedürfnisse, physische, moralische, geistige und so weiter. "Wem Er will" ist nicht restriktiv, sondern modal zu verstehen. Allah sorgt für alle, jedoch Seinem weisen Willen und Plan entsprechend, nicht nach den extravaganten Forderungen der Menschen. Er kann alle versorgen, denn Er verfügt über vollkommene Macht und kann Seinen Willen verwirklichen. Einen weiteren Kommentar finden wir im nächsten Aja. (Juusuf `Allii) Er versorgt die Rechtschaffenen und die Ungerechten, die Mu'minun und die Kufar. (Qutb) 65. Sein System der Versorgung funktioniert durch Seine Eigene Macht. Niemand ist in der Lage, es zu ändern oder gewaltsam etwas wegzunehmen oder Ihn zu hindern, jemanden zu versorgen. (Mauduudi)
Abschnitt 3 20. Wer die Ernte des Jenseits wünscht66, dem mehren Wir seine Ernte. Wer aber die Ernte dieser Welt wünscht67, dem geben Wir davon, doch am Jenseits hat er keinen Anteil68. 66. Indem er sich hier müht, das zukünftige Leben zu erlangen. (Darjabaadi) 67. Indem er alle seine Bemühungen auf den materiellen Aspekt des Lebens ausrichtet. (Darjabaadi) 68. Dieses Gleichnis stammt aus dem Leben eines Landmannes, der pflügt und das Land bestellt, den Samen ausstreut, zur echten Zeit das Unkraut jätet und schließlich die Ernte einbringt. Was man sät, das erntet man. Allah wird jedoch einer geistigen Frucht vielfältige Mehrung geben. Diejenigen, die sich auf die Sinnlosigkeiten dieser Welt spezialisiert haben, erlangen auch in dieser Welt Früchte davon, aber das geistige Leben bleibt ihnen verschlossen. (Juusuf `Allii) "Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten." Galater 6:8. (Darjabaadi) Auf die Absicht und Zielsetzung folgt auch ein unterschiedliches Verhalten, und es entsteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Landmann, der für das zukünftige Leben arbeitet, und dem, der sich ausschließlich um die Früchte dieser Welt bemüht. Dementsprechend hat Allah bestimmt, dass die Bemühungen auch jeweils andere Ergebnisse und Folgen haben sollen, obgleich der Ort der Handlung für beide auf dieser Erde liegt. (Mauduudi)
21. Haben sie etwa Nebengötter69, die ihnen von der Diin vorgeschrieben haben, was Allah nicht erlaubt hat70? Und wäre nicht Seine Entscheidung (bereits ergangen)71, es wäre schon zwischen ihnen entschieden worden72, und für die Ungerechten gibt es gewiss schmerzliche Strafe. 69. Nichts kann ohne Allahs Erlaubnis existieren. Können dann aber Menschen, die Abgötterei betreiben, sagen: "Allah hat es zugblassen?" Die Antwort darauf lautet: "Wohl ist durch den relativ freien Willen des Menschen ein gewisser Spielraum gegeben. Wenn jedoch die Stunde des Gerichts kommt, ist die Strafe für die Abgötterei sicher." Vergleiche auch Suura 13:6 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii) Glauben sie etwa, dass äußere Umstände wie Reichtum, Macht, Glück und so weiter etwas Göttliches an sich haben? Dies besagt, dass der Glaube an solche Kräfte gewöhnlich die Ursache für die Verfolgung rein irdischer Ziele für den Menschen ist. (Asad) 70. Das heißt, die sie veranlassen, sich mit Eifer etwas hinzugeben, das nicht Allahs Wohlgefallen findet, nämlich dem Streben nach rein materialistischen Zielsetzungen und dementsprechend Gleichgültigkeit gegenüber allen geistigen und ethischen Werten. Diin übersetze ich mit "moralisches Gesetz"; vergleiche auch Suura 109:6 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad) In diesem Aja bedeutet das Wort "schurakaa" شُرَكَاء ("Partner", oft auch übersetzt mit "Götzen") offensichtlich nicht nur solche Wesen, die man anbetet oder denen man Opfer bringt, sondern auch Menschen, die von den Mitmenschen als Teilhaber an Allahs Macht und Autorität angesehen werden, an deren Gedanken, Dogmen, Ideologien und Philosophien man glaubt, deren moralische Normen man akzeptiert und deren Gesetz man in verschiedenen Bereichen des Lebens befolgt. Dies ist eine Lebensweise, die diese Personen im Widerspruch zu Geboten entwickelt haben und der die Mitläufer nun folgen; in der Tat ist es die gleiche Art des Götzendienstes wie die Anbetung anderer Wesen. Vergleiche auch Suura 4:60; 5:87, 6:121; 9:31; 10:59; 36:60 und viele andere Stellen im Qur`an sowie die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi) In Aja 12 oben erwähnte der Qur`an, dass die "Scharii’a" (Gesetzgebung) die den Muslimen herabgesandt hat, dieselbe ist, die Er früheren Propheten, wie Nuuch, Ibraahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, herabgesandt hat. In diesem Abschnitt fragt der Qur`an die Widersacher höhnisch, wonach sie sich richten. Wer hat ihnen ihre Gesetze verordnet, die im Widerspruch zu allen herabgesandten Religion stehen? Nur der Schöpfer, Der sie und das ganze Universum geschaffen hat, ist imstande für sie die passenden Lebensregeln und die richtige Lebensanschauung zu erlassen. Nur so können sie in Harmonie mit den ganzen Schöpfung leben und nicht ihr entgegengesetzt. (Qutb) 71. Wörtlich: "ein Wort der Entscheidung", dass nämlich Sein endgültiges Urteil bis zum Tag des Gerichts aufgeschoben wird. (Asad) 72. Sofort und bereits in dieser Welt. (Darjabaadi) Allah hätte bereits hier zwischen denen unterschieden, die auf das zukünftige Leben hoffen, und denen, die sich nur auf irdischen Erfolg beschränken, indem Er den ersteren unbegrenztes Glück und den letzteren Leiden verursacht hätte. aber erst im zukünftigen Leben soll das Leben des Menschen völlig erfüllt werden. (Asad)
22. Du wirst die Ungerechten in Ängsten sehen73, um dessentwillen, was sie getan haben, und (seine Folgen) werden sie sicherlich treffen. Diejenigen aber, die den Imaan verinnerlichen und gute Werke tun, werden in den Gärten des Paradieses sein74. Sie werden bei ihrem Herrn finden, was sie sich wünschen. Das ist die große Huld. 73. Das Hauptmerkmal der Strafe für die Ungerechten besteht darin, dass das Gemüt der Ungerechten von Ängsten aufgrund ihres schlechten Gewissens heimgesucht wird. Sie können diesen Ängsten nicht entgehen. (Juusuf `Allii) Dieser unheimliche Ausdruck, als ob ihre Taten, über die sie froh und stolz waren, selbst zu einem Monster gegen sie verwandelt, sie selbst in Strafe versetzt. (Qutb) 74. Den Gegensatz zu den lähmenden Ängsten der Ungerechten bildet die Erleichterung und das mit der Vernunft übereinstimmende Gefühl der Glückseligkeit für die Rechtschaffenen. Sie kennen weder Furcht noch Trauer (vergleiche auch Suura 2:38). Ihr Wille ist geläutert worden, und sie bekommen "bei ihrem Herrn" alles, was sie sich wünschen, das heißt ihr höchstes Glück ist der Anblick ihres Herrn. Nichts Größeres können sie sich mehr wünschen. (Juusuf `Allii) 23. Die ist es75, wovon Allah Seinen Dienern, die den Imaan verinnerlichen und gute Werke tun, frohe Botschaft gibt. Sprich76: "Ich verlange von euch keinen Lohn dafür77 außer der Liebe zu den Verwandten78." Und wer Gutes tut, dem mehren Wir (das Gute). Allah ist fürwahr allverzeihend, erkenntlich79. 75. Wir können uns das Paradies in verschiedenen Formen vorstellen. Dies ist eine der höchsten, und Allah verspricht sie den Rechtschaffenen uneingeschränkt. (Juusuf `Allii) 76. Dies soll unser Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, kaafir Arabern sagen. (Darjabaadi) 77. Für meine Verkündigung. (Darjabaadi) Für alle Bemühungen unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Menschen vor der Strafe zu retten und ihnen den Zugang zum Paradies zu ermöglichen. (Mauduudi) 78. Ein Gesandter verlangt keinen greifbaren Lohn für seine Verkündigung. Er sollte jedoch wenigstens das Recht haben zu verlangen, dass seine nächsten Angehörigen ihn nicht verfolgen und Hindernisse aller Art in seinen Weg legen, wie es die Quraisch im Fall unseres Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, taten. Liebe zu den Verwandten kann im weitesten Sinne auch die Liebe zur gesamten Menschheit bedeuten, denn wir sind alle Geschwister und Kinder Adams. Jedem ist gewöhnliche Liebe zu den Verwandten bekannt. Können wir dann nicht diesen Gedanken auf eine mystische Bedeutung der Liebe zu allen Menschen ausdehnen, die der göttlichen Liebe nahe steht? (Juusuf `Allii) Wörtlich: "Liebe zu denen, die nahe sind". Einige Kommentatoren verstehen darunter "diejenigen, die mir (dem Propheten nahe stehen), dass heißt die Verwandten des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,. Ganz abgesehen davon, dass eine so "persönliche" Forderung mit der vorhergegangenen Zusicherung kollidieren würde, dass er von den Menschen keinen Lohn verlangt, weist das Fehlen des Possesivpronomens in Verbindung mit dem Wort "Al-Qurbaa" الْقُرْبَى darauf hin, dass dies nicht auf persönliche Verwandtschaft bezogen ist, sondern auf die Verwandtschaft unter allen Menschen, eine Vorstellung, die das grundlegende ethische Prinzip enthält, sich für das materielle und geistige Wohlergehen anderer einzusetzen. (Asad) Eine andere Möglichkeit der Interpretation ist folgende: "Ich verlange von euch keinen anderen Lohn als den, dass ihr durch diese Verkündigung den Wunsch entwickelt, näher zu kommen." Sie stammt von Hasan Al-Basrii und hat eine Parallele in Suura 25:57. (Mauduudi) 79. Vergleiche Suura 35:29-30 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii) Der die Fehler und Mängel der Mu’minun vergibt und selbst ihre kleinsten Dienste annimmt. (Darjabaadi) Seinem Diener gegenüber, den Er rechtgeleitet und reichlich belohnt, und dem Er vergeben hat. Welch eine edle Behandlung, die einem Menschen jemals zuteil werden kann. (Qutb)
24. Oder sagen sie80: „Er hat sich über Allah eine Lüge ausgedacht81"? Doch wenn Allah es wollte, dann könnte Er dein Herz82 versiegeln83, aber Allah löscht den Irrtum84 aus und bestätigt die Wahrheit durch Seine Worte85. Er kennt fürwahr die Geheimnisse der Herzen86. 80. Das folgende sagen die kaafir Araber über unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Darjabaadi). 81. Dieser Fragesatz enthält einen Tadel: "Sind diese Leute so frech geworden, dass sie sich nicht schämen, unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einer infamen Lüge gegenüber Allah zu beschuldigen?" (Mauduudi) 82. Wenn jemand bezüglich des Auftrages des Propheten Muchammad, Allaahs Segen und Frieden auf ihm, Zweifel ist, sollte, er doch einmal sein Leben, sein Wirken und seinen Charakter betrachten. Allah liebt die Wahrhaftigkeit und nicht die Lüge. Allah hilft der Wahrheit, nicht der Unwahrheit. Die Schönheit und Kraft des Wortes Allah kann nicht in der Unwahrheit gefunden werden. Das Herz des unaufrichtigen Menschen würde versiegelt, nicht zu neuen Höhen ausgeweitet, wie es beim Gesandten Allahs der Fall ist. (Juusuf `Allii) Lügen solcher Art werden nur von denjenigen geäußert, deren Herzen versiegelt sind. Allah hat in Seiner Barmherzigkeit unseren Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, davor bewahrt. (Mauduudi) 83. Seinem unveränderlichen Gesetz entsprechend. (Darjabaadi) 84. Beispielsweise falsche Ansprüche, ein Gesandter Allahs zu sein. (Darjabaadi) 85. Vergleiche Suura 10:82 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad) Allah gibt der Unwahrheit keine Stabilität, und auf lange Sicht erweist sich die Wahrheit als wahr. Darum wird unsere Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hier aufgefordert, seine Aufgabe weiterhin zu erfüllen und nicht auf ihre falschen Anschuldigungen zu achten. Eine Zeit wird kommen, wenn diese ganze Unwahrheit wie Staub verschwindet und die Wahrheit sichtbar wird. (Mauduudi) 86. Er weiß, warum du solchen falschen Anschuldigungen ausgesetzt bist und was die wahren Absichten hinter ihren Bemühungen sind, dein Wirken zunichte zu machen. (Mauduudi)
25. Er ist es, der die Reue von deinen Dienern annimmt87 und Böses vergibt und Er weiß, was ihr tut88, 87. Welches Vergehen auch vorliegt, Allahs Gnade steht immer für aufrichtige Reue offen, jederzeit, bis das Urteil gefällt wird. (Juusuf `Allii) Dies folgt unmittelbar auf das, was zuvor über die Ungerechten gesagt wird, die erhalten, was sie verdient haben, und über die- in den Paradiesgärten (vergleiche oben Aja 2- 3). Alle Zweifel an der Aufrichtigkeit des Propheten wurden ausgeräumt (vergleiche oben Aja 24), und sie wurden an Allahs Macht erinnert sowie daran, dass Er ihr Innerstes kennt. Hier wird für alle die Möglichkeit der Umkehr vom Irrtum aufgezeigt, bevor es zu spät ist und das letzte Urteil gefällt wird. Dieser Aja öffnet die Tür zu Allahs Vergebung, denn Er nimmt die Reue an und löscht das Böse aus. Hier ist jedoch auch ein Scheideweg: Mu'minuun die Gutes tun, antworten auf diese Aufforderung ihres Herrn und erhalten mehr von Seiner Gnade. Für die die eine Strafe verdient haben, bleibt die Tür der Umkehr offen für jeden, der davon Gebrauch machen will. (Qutb) 88. Umkehr bedeutet, dass man für das Böse, das man getan hat, Reue empfindet und sich vornimmt, in Zukunft davon Abstand zu nehmen. Man soll darüber hinaus versuchen, für vergangenes Böses Wiedergutmachung zu leisten und, wo das nicht möglich ist, Allah um Vergebung bitten und um so mehr Gutes tun, um sich innerlich zu läutern. (Mauduudi)
26. Und Er erhört diejenigen, die und gute Werke tun89, und schenkt ihnen noch mehr von Seiner Gnade90. Für die Kufar aber ist strenge Strafe bestimmt. 89. Er erhört die Gebete der aufrichtigen und gibt ihnen weit über ihre Verdienste hinaus. Immer, wenn sie etwas Gutes tun, wird dieses Gute vermehrt. Jeder richtige Impuls oder Antrieb wird verstärkt und führt zu weiterem geistigen Fortschritt. (Juusuf `Allii) 90. Allahs Gnade im zukünftigen Leben ist ohne Berechnung und ohne alle Grenzen, wenn auch die Versorgung für Seine Diener hier auf Erden begrenzt ist. Vergleiche auch den nächsten Aja. (Qutb)
27. Und wenn Allah Seinen Dienern reichlich Unterhalt geben würde91, dann würden sie auf Erden übermütig92. Er aber sendet mit Maßen hinab, was Er will93, denn Er kennt Seine Diener94 und sieht sie sehr wohl95. 91. Man könnte einwenden, dass nicht alle Gebete - selbst im Falle guter Menschen - erhört werden. Darauf wird hier geantwortet: 1. Selbst ein guter Mensch weiß nicht in jedem Falle, was gut für ihn ist, denn in diesem Leben sind die Werte eigenartig verzerrt. 2. Wenn alle das bekämen, was sie sich wünschten, gäbe es aufgrund mangelnden Wissens Chaos und Verwirrung und "Überschreitung aller Grenzen", denn die verschiedenen Interessen sind so ineinander verstrickt, dass ein gewisses Maß in der Erfüllung der Wünsche gewahrt bleiben muß. Dieses Maß ist am ehesten durch wachsame Fürsorge und Sein vollkommenes Wissen um alle unsere Bedürfnisse gewährleistet. (Juusuf `Allii) 92. Dieser Abschnitt schließt an die Aussage im vorigen Aja an, dass Allah allen antwortet, die mu'min sind und Gutes tun, und erläutert diese näher, denn die Aussage scheint auf den ersten Blick der Tatsache zu widersprechen, dass viele Ungerechte Wohlstand genießen, während viele Rechtschaffene leiden. Als Antwort darauf verweist dieser Aja auf die angeborene Gier des Menschen (vergleiche auch Suura 102:1), die ihn oft veranlaßt, sich überheblich zu verhalten und für unabhängig zu halten (vergleiche Suura 96:6). Um dieser Neigung entgegenzuwirken betont der Qur`an immer wieder, dass Allah "Antwort" für die Rechtschaffenen wie auch die Ungerechten erst im zukünftigen Leben voll erkennbar wird und nicht unbedingt in diesem, das ohnehin nur ein erstes, kurzes Stadium in der Existenz des Menschen ist. (Asad) 93. "Wie Er will" ist hier gleichbedeutend mit "wie Er es für gut befindet." (Juusuf `Allii) Seiner unendlichen Weisheit entsprechend. (Darjabaadi) 94. Er kennt die Bedürfnisse und Erfordernisse aller Seiner Geschöpfe. (Darjabaadi) 95. Er beobachtet ihre Handlungen. (Darjabaadi)
28. Er ist es, der den Regen hinabsendet96, nachdem sie verzweifelt waren, und Seine Barmherzigkeit97 ausbreitet, und Er ist der Beschützer98, der Preiswürdige. 96. Dass Menschen einen solchen Segen wie den Regen bekommen, wenn sie ihn nach normalen Berechnungen erwarten, beeindruckt sie nicht sonderlich, denn sie halten es für ein selbstverständliches alltägliches Ereignis. Allahs Gnade ist jedoch mehr als das. Sie kommt uns zu Hilfe, auch wenn schon alle Hoffnung aufgegeben wurde, und gibt uns neue Möglichkeiten, wo wir sie am wenigsten erwarten. Seine Eigenschaft, Seine Geschöpfe zu schützen und zu versorgen, ist immer wirksam. (Juusuf `Allii) 97. In der Form pflanzlichen Lebens. (Darjabaadi) Diese Bezugnahme auf das Symbol des lebensspendenden Regens schließt an die Aussage von Aja 27 oben an und ist sozusagen ein Vorwort zu der Aussage im nächsten Aja, dass alle Schöpfung ein sichtbares Zeichen oder eine Offenbarung von Allahs Existenz und Seinem zielgerichteten Wirken ist. (Asad) 98. Das Wort "Al-Walii" الْوَلِي bezeichnet hier das Wesen, Das die Angelegenheiten aller Seiner Geschöpfe regiert und die Verantwortung auf sich genommen hat, alle Bedürfnisse Seiner Diener zu erfüllen. (Mauduudi)
29. Und zu Seinen Zeichen99 gehört die Schöpfung der Himmel und der Erde und jedweden Lebenswesens100, das Er in beiden verbreitet hat101. Er hat auch die Macht, sie allesamt zu versammeln wenn Er will102. 99. Zeichen Seiner Macht und Herrlichkeit. (Darjabaadi) 100. "Daabba": Tiere; kriechende und krabbelnde Wesen aller Art. Vergleiche auch Suura 2:164 und die entsprechenden Fußnoten. Auch in Suura 24:45 und an anderen Stellen wurde dieses Wort für Lebewesen aller Art benutzt, deren materielle Basis jener mysteriöse Stoff ist, den die Wissenschaft Protoplasma nennt. Je weiter unser biologisches Wissen zunimmt, um so mehr sind wir erstaunt über die Einheit des Lebens einerseits und seine Vielfalt andererseits. (Juusuf `Allii) 101. Leben ist nicht auf unseren kleinen Planeten beschränkt. Sehr alt ist die Vorstellung von Leben auf dem Planeten Mars. Obgleich kein wissenschaftlicher Nachweis möglich ist, ist es vernünftig anzunehmen, dass Leben irgendeiner Form über einige der Millionen von Himmelskörpern im Weltall verteilt ist. Welch ein wunderbares Zeichen Der Allmächtige, Der alle diese Wesen erschaffen hat, hat sicherlich auch die Macht, sie alle zusammenzubringen. (Juusuf `Allii) "In beiden": sowohl im Himmel als auch auf der Erde. (Mauduudi) 102. So wie Er die Macht hatte, sie zu verteilen, so hat Er auch die Macht, sie wieder zusammenzubringen. Darum ist es ein Irrtum anzunehmen, eine Auferstehung könne nicht stattfinden und die früheren und späteren Generationen könnten nicht zusammengebracht werden. (Mauduudi) Außer der Schöpfung der Himmel und der Erde macht uns der Qur`an in diesem Abschnitt aufmerksam auf die zahllosen anderen Lebewesen und Geschöpfe, die in beiden und zwischen ihnen ausgebreitet hat. Von diesen Geschöpfen wissen die Menschen nur wenig. Es sind verschiedene Theorien entwickelt worden, aber der Rest ist uns verborgen. Zahllose Lebewesen, die überall auf der Erdoberfläche, in den Erdschichten, in der Tiefe der Meere, oder in der Atmosphäre existieren, sind den Menschen wenig bekannt. Trotz ihrer Vielfalt und Ausbreitung bringt Allah sie alle zusammen, wie und wann Er will. Die Menschen hingegen könnten nicht einmal alle zusammen eine Vogelschar, die aus dem Käfig geflogen ist, wieder in den Käfig zurückbringen, oder einem Bienenschwarm wieder in seinen Bienenstock zurückholen. Zahllose Schwärme von Vögeln, von Bienen, Ameisen, Insekten, Bakterien und ähnlichem, über die nur Allah Kenntnis besitzt, zahllose Arten von Fischen, Meerestieren, Vieh, Wildtieren, Menschen aller Gattungen, die überall zerstreut sind, dazu noch unendlich viele uns unbekannte Lebewesen auf unserem und auf anderen Planeten - alle diese Geschöpfe könnte sammeln, wenn Er es wollte. Zwischen ihrer Ausbreitung und ihrer Sammlung steht nur ein Wort Allahs, wie es in qur`anischer Sprache heißt. (Qutb)
Abschnitt 4 30. Was euch auch an Unglück trifft103, es trifft euch um dessentwillen, was eure Hände gewirkt haben, und Er vergibt vieles104. 103. Böses, Trauer, Leid und Heimsuchung sind anormale Dinge, Dinge, die der reinen und heiligen Natur entfremdet sind, nach Allah sie erschaffen hat. Was den Menschen betrifft, so ist sein Unglück nur die Folge seiner eigenen Handlungen. Er muss persönlich dafür die Verantwortung tragen und kann sie nicht anderen zur Last legen. (Juusuf `Allii) Dieser oft wiederkehrende Satz ist eine Betonung im Qur’an für die Handlungen und die bewusste Haltung des Menschen in dieser Welt und soll die Tatsache hervorheben, dass diese Handlungen oder diese Haltung die "Ernte" seines geistigen Charakters sind und entscheidenden Einfluss auf die Qualität seines zukünftigen Lebens haben. Da dieses nur eine folgerichtige Fortsetzung des irdischen Lebens ist, hängt das spätere geistige Wachstum und die Glückseligkeit des Menschen, wie umgekehrt auch geistige Finsternis und Leiden - symbolisiert durch Paradies und Hölle - von dem ab, was er zuvor "verdient" oder "erworben" hat. (Asad) 104 In diesem Aja manifestiert sich Allahs Gerechtigkeit und Seine Barmherzigkeit diesem schwachen Menschen gegenüber. Jedes Unheil, das letzteren trifft, hat er sich selbst verschuldet, aber Allah bestraft ihn nicht für jede einzelne seiner Verfehlungen, denn Er kennt seine Schwäche, und Er vergibt vieles davon. (Qutb) Besonders zu erwähnen sind fingen. Gesetzmäßigkeiten im Hinblick auf den aufrichtigen Alle Schwierigkeiten und Heimsuchungen, die ihn treffen, werden zu einer Läuterung, sondern auch ein Mittel, heilerhöht zu werden. (Mauduudi)
31. Ihr könnt euch auf Erden nicht (der Verantwortung) entziehen105, und ihr habt keinen Beschützer und Helfer außer Allah106. 105. Böse Handlungen, Worte und Gedanken müssen ihre bösen Folgen haben, aber wenn alles vergibt, soll Sich deswegen noch niemand vorstellen, er könne Plan durchkreuzen. Die einzige mögliche Hilfe kommt von Allah Vergleiche auch Suura 29:22 und die entsprechenden Fussnoten. (Juusuf `Allii) 106. Hier wird noch einmal besonders die Schwache des Menschen aufgezeigt: weder kann er Allahs Plan außer Kraft setzen, noch findet er außer Allah selbst einen wirklichen Freund und Helfer. (Qutb)
32. Und zu Seinen Zeichen107 gehören die Schiffe, die auf dem Meer (hochragend) wie Berge108 (dahinziehen). 107. Wie aus dem folgenden hervorgeht, ist in diesem Falle der Begriff Aja ("Zeichen" oder "Botschaft Allahs") im Sinne von "Parabel" benutzt worden. Vergleiche auch unten Fussnote 113. (Asad) 108. Die großen, stattlichen Schiffe werden immer wieder unter den Zeichen Allahs aufgeführt, und zwar von verschiedenen Gesichtspunkten her. Hier geht es darum, dass ein grosses Segelschiff geschmeidig dahinfährt, solange der Wind die Segel füllt. Aber was für ein hilfloses Ding wird es, wenn der Wind ausbleibt! Analog können wir dies auch auf andere Schiffe anwenden: auch ein Motorschiff ist nicht vor den Tücken der See sicher, und auch ein Flugzeug ist nicht immun gegen die Gefahren der Luft. (Juusuf `Allii) 33. Wenn Er will, kann Er den Wind stillhalten, so dass sie unbeweglich auf dem Rücken (des Meeres)109 liegen bleiben. Hierin sind fürwahr Zeichen für jeden Geduldigen, Dankbaren110 109. Auf der Wasseroberfläche. (Darjabaadi) 110. Wenn wir solche Zeichen im rechten Geiste studieren, lernen wir manche Lektion für unser geistiges Leben: einerseits geduldige Standhaftigkeit und Vertrauen auf Allah und andererseits eine Haltung der Dankbarkeit Ihm gegenüber dafür, dass Er uns trotz unserer Mängel so viele Möglichkeiten gibt und uns so vieles vergibt, wofür wir eigentlich Seine Strafe verdient hätten. (Juusuf `Allii) Ein standhafter oder geduldiger Mensch ist jemand, der sich selbst vollkommen beherrscht unter allen Umständen fest auf den Weg des Dienstes Allahs weitergeht, der sich nicht vergisst und Allah gegenüber rebellisch und den Menschen gegenüber tyrannisch wird sobald es ihm gut geht, und der nicht in schweren Zeiten verzweifelt. Ein dankbarer Mensch ist jemand, der es als Gabe Allahs und nicht als eigenes Verdienst betrachtet wenn er durch Allahs Beschluss erhöht wird, und der auch in Zeiten der Armut und des Mangels an den Segen denkt, den Allah ihm ständig gibt, so dass er in guten wie in schlechten Zeiten Allah mit Zunge und Herz Dank ausspricht. (Mauduudi)
34. Oder Er kann sie untergehen lassen111 wegen dessen, was (die Menschen) gewirkt haben112, aber Er verzeiht vieles113. 111. Er lässt sie Schiffbruch erleiden. (Darjabaadi) 112. Aufgrund des Bösen, das sie begangen haben. Dieser Abschnitt ist meiner Ansicht nach eine gleichnishafte Anspielung auf die drei möglichen Alternativen im zukünftigen Leben: geistiger Fortschritt und Glückseligkeit (symbolisiert durch die frei dahinsegelnden Schiffe); geistige Stagnation (Schiffe, die unbeweglich auf der Wasseroberfläche treiben), und geistiger Niedergang und Leiden (zusammengefasst in der Vorstellung vom Schiffbruch). Die zweite dieser drei Alternativen wird in den Fußnoten zu Suura 7:46f näher erläutert. (Asad) 113. Indem Er sie nicht ertrinken lässt. (Darjabaadi) Er straft die Menschen nicht für jedes Vergehen, sondern ist grossmütig, vergibt immer wieder und eröffnet viele Möglichkeiten zur Umkehr. (Qutb)
35. Und diejenigen, die über Unsere Zeichen streiten, sollen |