Von Suura 29 "Die Spinne" Aja 46 – Suura 33 "Die verbündeten Verschwörer" Aja 30
46. Und führt keine Streitgespräche mit dem Volk der Schrift131, es sei denn auf vortreffliche Art und Weise132. Aus genommen davon sind die von ihnen, die unrecht tun133. Und sprecht: „Wir verinnerlichen an das den Imaan, was uns (als Offenbarung) herabgesandt worden ist und was euch herabgesandt wurde134, und unser Gott und euer Gott ist Einer135, und Ihm sind wir ergeben." 131. Weiter unten in dieser Suura werden die Mu'mins zur Auswanderung aufgefordert. Zu jener Zeit war Abessinien der einzige sichere Ort, wo die Muslime Zuflucht finden konnten, und es befand sich damals unter christlicher Herrschaft. In diesem Aja werden die Muslime also angewiesen, wie sie ihre religiösen Angelegenheiten mit den Christen diskutieren sollten, wenn sich ein solcher Anlass ergibt. (Maududi) 132. Die Botschaft Allahs, wie sie Nuuch und den Propheten, nach ihm bis hin zum Siegel der Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auferlegt wurde, hat einen einzigen Inhalt, stammt von dem einzigen Gott und hat ein einziges Ziel, die Rechtleitung der Menschen. So sind die Anhänger einer jeden Botschaft in der Tat die Brüder aller Anhänger der anderen Botschaften. Sie bilden eine einzige Gemeinschaft, die dem einzigen Allah dient. Auf dieser Wahrheit basiert der Islam, einer Wahrheit, die die Religion zu einer einzigen macht, in der alle Rassen, Nationalitäten und Heimatländer sich auflösen. Daher wird hier den Muslimen die Art und Weise dargetan, in der sie mit dem Volk der Schrift disputieren sollen: nämlich in der besten Art die Weisheit in der Sendung der neuen Botschaft darzulegen und die Beziehung, in der die neue Botschaft zu der vorherigen steht, aufzudecken, um so von der Notwendigkeit der Annahme der neuen Botschaft zu überzeugen. (Qutb) Bloße Debatten sind nutzlos. Um als wirkliche Vorkämpfer für Allahs Sache unser Ziel zu erreichen, müssen wir wirklich gemeinsame Grundlagen des Diins herausfinden, wie sie im letzten Teil dieses Ajas erwähnt werden. Außerdem sollen wir unsere Freundlichkeit, Aufrichtigkeit und echte Besorgnis um das Wohl der anderen zeigen, so dass deutlich wird, dass wir keine egoistischen oder anderen fragwürdigen Ziele verfolgen. (Juusuf `Allii) Auf sanfte Weise, ohne -Leidenschaft. (Darjabadi) Eine solche Diskussion soll auf vernünftige Weise und in anständiger Sprache geführt werden, so dass sie das Herz des anderen anspricht. Es geht nicht darum, einen Gegner zu überwinden, sondern die Rolle dessen, der Menschen auf Allahs Weg ruft, ist eher mit der eines Arztes zu vergleichen, der sorgfältig vorgehen muss, um nicht das Leiden des Patienten durch seine eigenen Fehler zu verschlimmern., Dies wurde hier besonders im Hinblick auf Gespräche mit Christen und Juden gesagt, gilt aber ganz allgemein für die Verkündung des Islam; vergleiche auch Suura 16:125; 41:34; 23:96 und 7:199-200 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Maududi) 133. Indem sie Gottes Einheit leugnen, Allah andere Wesen zur Seite setzen, in ihren Lebenswandel von Allahs Wegen abweichen. Für die gibt es keine freundliche Behandlung, und diese waren es, die der Islam nach der Errichtung des Staates in Madina bekämpft hat. (Qutb) Diesen sollte man mit Härte und Unnachsichtigkeit begegnen. (Safwat Al-Tafsir) Wer absichtlich versucht, anderen Unrecht zu tun oder sie zu verletzen, muss dementsprechend behandelt werden, denn wir sind füreinander verantwortlich. Bei solchen Leuten kann es nicht mehr darum gehen, Gemeinsamkeiten zu finden oder Geduld zu haben, bis das Unrecht ein Ende findet. (Juusuf `Allii) Indem sie sich willkürlich aggressiv verhalten. (Darjabadi) So dass sie freundlichen Argumenten nicht mehr zugänglich sind. In solchen Fällen sollte man eine Diskussion von vornherein vermeiden. Vergleiche auch Suura 16:125. (Asad) Der Islam lehrt seine Anhänger, sanft, höflich und vernünftig zu sein, aber er lehrt keine unangebrachte Unterwürfigkeit und Nachgiebigkeit, aufgrund derer man von den Bösen gar nicht mehr ernst genommen wird. (Maududi) 47. Und ebenso136 haben Wir dir das Buch herabgesandt137. Und diejenigen, denen Wir das Buch gegeben haben138, verinnerlichen den Imaan daran139; und ebenso sind unter diesen140 welche, die daran den Imaan verinnerlichen. Und nur die Kaafirs lehnen Unsere Zeichen ab141. 134. Somit gibt es keinen Grund für Zwietracht, Streit und Diskussionen. Denn alle verinnerlichen den Imaan an den einen Gott. Überdies verinnerlichen die Muslime an das den Imaan, was ihnen herabgesandt worden ist ebenso wie an das, was denen vor ihnen herabgesandt wurde, denn der Kern ist der gleiche. (Qutb) Die früheren heiligen Schriften. (Darjabadi) Dasselbe wurde von allen Propheten verkündet. (Darjabadi) 135. Die Diskussion sollte von diesen Gemeinsamkeiten ausgehen, nicht von den Differenzen. In diesem Zusammenhang soll daran erinnert werden, dass die Angehörigen früherer Schriftreligionen ebenso wie die Muslime an Gottes Einheit, Offenbarung und Prophetentum den Imaan verinnerlichen. Missverständnisse könnte es beispielsweise dann geben, wenn die nichtmuslimischen Gesprächspartner annehmen, die Muslime verinnerlichen nicht den Imaan an ihre heiligen Schriften und wollten sie stattdessen veranlassen, an den Qur’an den Imaan zu verinnerlichen. Dann ist es wichtig, sie zu informieren, dass Muslime an alle heiligen Schriften den Imaan verinnerlichen und demselben Gott dienen. (Maududi) Die Schriftbesitzer pflegten den ersten Muslimen ihre Schrift auf Hebräisch vorzulesen und sie ihnen in Arabisch zu übersetzen. Daraufhin sprach der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,: "Ihr sollt sie weder darin bestätigen, noch es ablehnen, sondern sagt: Wir verinnerlichen den Imaan an das was uns und was euch herabgesandt worden ist." (Ruch Al-Maanii) 136. Ebenso: auf dieselbe einheitlich zusammenhängende Art und Weise, entsprechend der Gesetzmäßigkeiten Allahs (Sunna Allah), nach denen Gott seinen Gesandten zu offenbaren pflegt. (Qutb) 137. Gemeint ist der Qur’an. Ihn haben Wir dir offenbart, wie Wir ihnen die Thora und andere Schriften offenbart haben. (Al-Dschalalain) In diesem Sinne kommt alle wahre Offenbarung von Allah. Gott ist Einer, und Seine Botschaft, die in der einen Zeit an dem einen Ort offenbart wurde, kann nicht Seiner Botschaft widersprechen, die Er zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort offenbart hat, wenn auch geringfügige örtlich oder zeitlich bedingte Abweichungen vorkommen können, wie sie dem Verständnis der betreffenden Menschen entsprechen. (Juusuf `Allii) Dies kann zweierlei bedeuten: 1. so wie Wir früheren Propheten ihre Schriften offenbart haben, so haben Wir dir diese Schrift gesandt; 2. Wir haben diese Schrift mit der Lehre hinabgesandt, damit ihr daran den Imaan verinnerlicht; dadurch werden nicht frühere heilige Schriften abgelehnt, sondern bestätigt. (Maududi) 138. Diejenigen, die in der Lage sind, diese heilige Schrift zu verstehen. (Asad) Diejenigen, die über Kenntnis der heiligen Schriften verfügen. und damit "Leute der Schrift" im engeren Sinne sind. (Maududi) Diejenigen unter ihren Gelehrten die ihn nahmen und ihn so rezitierten, wie es sich gehört. (ibn Kasir) 139. Aufrichtige Juden und Christen haben den Propheten als eine Erfüllung ihrer eigenen Diin gesehen. Vergleiche auch Suura 26:197 und die entsprechende Fußnote, wo einige Juden, die den Weg zum Islam fanden, namentlich erwähnt worden sind. Auch unter den Christen fand der Islam allmählich Zuspruch. Im 6. und 7. Jahr nach der Hidschra schickte der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Botschafter mit Briefen in die wichtigsten an Arabien angrenzenden Länder, nämlich in die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches, des Persischen Reiches, des Sassanidenreiches, nach Syrien, Abessinien und Ägypten. Außer Persien waren dies alles christliche Länder. Im gleichen Zusammenhang wurde auch eine Gesandtschaft nach Jamama in Arabien selbst geschickt, wo der christliche Stamm der Banu Hanifa lebte. Außer Abessinien wurden alle diese Länder im Laufe der Zeit muslimisch, und auch Abessinien hat bis heute einen großen muslimischen Bevölkerungsanteil. (Juusuf `Allii) 48. Und du konntest früher weder ein Buch vortragen142 noch konntest du es143 niederschreiben mit deiner rechten Hand144. Sonst hätten die Schwätzer145 gewiss Zweifel geäußert. 140. Unter den Makkaner. (Al-Dschalalain) Gegenüber dem Qur’an teilten sich die Menschen in zwei Gruppen: Eine Gruppe unter den Schriftbesitzern und den Quraisch bestätigten ihn. Die andere Gruppe jedoch lehnte ihn ab, obgleich die Schriftbesitzer seine Bestätigung in sich selbst und in der Schrift in ihren Händen fanden. (Qutb) 141. Nur die hartnäckigsten Gegner der Wahrheit. (Darjabadi) "Rahada" wird in dem Sinne benutzt, dass jemand bewusst etwas ablehnt oder zurückweist, was er als wahr kennt. Vergleiche auch Suura 31:32; 40:63 und 41:23. (Asad) Sie wollen nicht der Wahrheit zuliebe ihre Vorurteile aufgeben, weil sie Angst vor daraus folgenden Restriktionen haben. (Maududi) Diese Zeichen sind von solcher Klarheit und Aufrichtigkeit, dass keiner sie zurückweisen kann, außer demjenigen, der seine Seele davor abschirmt. So sieht er sie nicht und kann sie auch nicht genießen. Denn "kafara" heißt im sprachlichen Gebrauch bedecken oder verhüllen, was auch diesem Wortlaut zu entnehmen ist. (Qutb) 142. Auf diese Weise verfolgt der Qur’an die Auslöser ihrer Scheinargument, sogar die einfältigen und kindlichen. Denn der Prophet Muchammad – Allahs Friede sei mit ihm - verbrachte eine geraume Zeit seines Lebens unter ihnen, ohne des Lesens und Schreibens mächtig zu sein. Dann aber brachte er ihnen ein Buch, das den Lesenden und Schreiber vollkommen überwältigte. (Qutb) Vor dem Qur’an konntest du weder lesen noch bist du bei den Schriftbesitzern ein- und ausgegangen. (Qurtubi) 143. Den Qur’an. (Darjabadi) 144. Wörtlich: "mit deiner rechten Hand" - dieser Ausdruck bedeutet hier "mit deiner eigenen Hand". (Asad) Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war kein Gelehrter. Bevor ihm der Qur’an offenbart wurde, hatte er niemals den Anspruch erhoben, eine Botschaft von Allah zu übermitteln. Er hatte nicht die Gewohnheit, Reden zu halten oder Schriften zu verfassen. Hätte er diese Fähigkeiten gehabt, dann wären die Vorwürfe seiner Gegner, er habe seine Lehren den Schriften anderer Völker entnommen oder er habe die Ajas selbst verfasst, nicht so völlig ungerechtfertigt gewesen. Die Umstände, unter denen der Qur’an offenbart wurden legen selbst Zeugnis dafür ab, dass es sich um die Wahrheit von Allah handelt. (Juusuf `Allii) Da der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, des Schreibens unkundig war, hatte er Schreiber, die für ihn die Offenbarung niederschrieben. (ibn Kasir) 145. Der Begriff "mubtilun" مُبْطِلُون ist von "abtala" abgeleitet: "er erhob einen falschen Anspruch" oder "er versuchte, die Wahrheit eines Sachverhalts zu widerlegen" oder "er versuchte, etwas zunichte zu machen" oder "als gegenstandslos hinzustellen". (Asad)
49. Nein, es146 sind offenkundige Zeichen147 in den Herzen derer, denen Wissen gegeben worden ist148. Und niemand lehnt Unsere Zeichen ab außer denen, die unrecht tun149. 146. Der Qur’an selbst. (Darjabadi) 147. Und keine Magie oder Poesie, wie die Schwätzer behaupten. (Qurtubi) Aus vielen Teilen zusammengesetzt, so ist doch jeder Teil des Qur’an wiederum für sich ein Zeichen Allahs. (Darjabadi) 148. "Wissen" bedeutet hier sowohl die Fähigkeit, den Wert der Wahrheit erkennen zu können, als auch Kenntnis früherer heiliger Schriften. Es bedeutet Einsicht sowohl im buchstäblichen wie auch im geistigen Sinne. Für Menschen, die damit begabt sind, sind Allahs Offenbarungen und Zeichen selbstverständlich. Sie gelangen in ihr Inneres, das hier mit dem arabischen Wort "Saar" ("Brust" oder auch "Herz") bezeichnet wird. (Juusuf `Allii) "Wissen" bedeutet hier auch intuitive, geistige Wahrnehmung. (Asad) Eine einmalige Eigenschaft des Qur’ans ist, dass Allah ihn vor jeder Veränderung und Entstellung auf zweierlei Weise geschützt hat: 1. Durch seine Erhaltung in schriftlicher Form. 2. Durch seine Bewahrung im Gedächtnis der Muslime. Damit unterscheidet er sich von anderen Schriften, die nur in der Niederschrift erhalten sind. (Safwat Al-Tafsir) 149. Vergleiche auch den letzten Satz in Aja 47 oben. Dort ging es darum, dass die ablehnende Haltung dem Qur’an gegenüber ein Merkmal des Kufrs ist. Hier kommt ein weiterer Schritt hinzu. Eine solche Ablehnung ist auch ein Merkmal absichtlicher Ungerechtigkeit offenkundigen Zeichen gegenüber, die alle ehrlichen Menschen überzeugen sollten. (Juusuf `Allii) Die die Wahrheit genau kennen, um sich dann von ihr abzuwenden. (ibn Kasir)
50. Und (doch) sagen sie150: „Wären nur Wunderzeichen seines Herrn zu ihm herabgesandt worden151." Sprich: „Die Wunderzeichen sind fürwahr bei Allah152. Und ich bin wahrlich nur ein erläuternder Warner153." 150. Die makkanischen Götzendiener. (Darjabadi) 151. Wunder zur Beglaubigung der Propheten. Maududi) Damit meinen sie die außergewöhnlichen Dinge, die die früheren Sendungen begleitet haben. Diese waren bindend nur für die Generationen, die sie zu sehen bekamen. Anders ist es bei der letzten Botschaft, deren Beweis gegen alle erbracht ist, zu denen sie gelangt und zwar bis die Erde und all ihre Bewohner wieder zum Erbe Allahs werden. Daher liegen ihre Wunderzeichen in den vorliegenden Erklärungen des Qur’ans, deren Schätze sich für alle Generationen öffnen. (Qutb) 152. Und nicht bei mir. (Qurtubi) Vergleiche auch Suura 6:109 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad) Die Er nach Bedarf in Erscheinung bringt in Übereinstimmung mit Seiner Planung und Einschätzung. Es ist weder meine Aufgabe, noch erlaubt es meine Demut Ihm irgendwelche Vorschläge zu unterbreiten. (Qutb) Würde Allah in euch die Bereitschaft zum Imaan erkennen, so wäre Ihm ein leichtes, euer Bitte zu entsprechen. Da Er aber nur eure Verbohrtheit sieht, erfüllt Er euch euer Ersuchen nicht. (ibn Kasir) 153. Ich warne und mahne, enthülle und verdeutliche, aber danach liegt die Sache in Allahs Hand. (Qutb) Die Aufgabe eines Propheten hat nichts mit Wundern nach menschlichem Geschmack zu tun. (Darjabadi) Wie aus Aja 49 oben hervorgeht, sind im Qur’an Zeichen enthalten, die alle ehrlichen Menschen überzeugen können. Und dennoch verlangen die Kaafirs Zeichen! Sie meinen damit besondere Zeichen oder Wunder, wie es ihre eigenen unvernünftigen Vorstellungen diktieren. Bei Allah ist alles möglich, aber Er wird nicht unvernünftigen Menschen einen Gefallen tun oder auf ihre unaufrichtigen Wünsche hören. Er hat Seinen Gesandten geschickt, damit dieser Seine Zeichen erläutert und vor den Folgen ihrer Ablehnung warnt. Genügt das nicht? (Juusuf `Allii) 51. Und genügt es denn nicht für sie154, dass Wir ein Buch zu dir herabgesandt haben, das ihnen vorgetragen wird155? Wahrlich, darin156 ist Barmherzigkeit und Ermahnung für Leute, die den Imaan verinnerlichen157. 154. Die Frage dient der Missbilligung ihres Verlangens. (Safwat Al-Tafsir) Genügt den Götzendienern dieses unnachahmliche Buch nicht als Wunderzeichen? Obgleich Ich sie herausforderte, ein gleiches zu bringen, oder wenigstens eine Suura davon, konnten sie nur ihre Unfähigkeit eingestehen. (Qurtubi) 155. Genügt nicht der Inhalt der Offenbarung, dass sie die darin enthaltene Wahrheit begreifen, ohne die Hilfe wunderbarer Beweise für ihren Ursprung Allahs? Vergleiche auch Suura 7:75 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad) Er ist damit ein andauerndes Wunderzeichen, ohne Ende, im Gegensatz zu anderen übernatürlichen Vorkommnissen. (Al-Dschalalain) 156. In dem großen Wunder des Qur’an. (Darjabadi) 157. Barmherzigkeit im Dies- und im Jenseits. Barmherzigkeit im Diesseits durch die Bewahrung vor dem Irregehen. (Qurtubi) Ermahnung durch die darin enthaltene Darstellung der Bestrafung der Leugner und der Sünder. (ibn Kasir) Diejenigen, die den Imaan verinnerlichen, finden in sich selbst Anzeichen dieser Barmherzigkeit Allahs. Sie erinnern sich an Seine große Gnade und an Seine Gaben für die Menschheit in Form dieser Offenbarung und begreifen ihren Wert. Sie verstehen diesen Qur’an, so dass er ihre Herzen belebt, ihnen reichliche Schätze eröffnet und durch Erkenntnis und Licht ihren Geist erhellt. (Qutb) Vergleiche auch Suura 6:124 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
Abschnitt 6 52. Sprich: „Allah genügt als Zeuge zwischen mir und euch158. Er weiß, was in den Himmeln und auf Erden ist159. Und diejenigen, die an das Falsche den Imaan verinnerlichen und Allah verleugnen, sie sind gewiss die Verlierer160.“ 158. Als Zeuge meiner Wahrheit. (Al-Dschalalain) Als Zeuge meiner Aussage, Sein Gesandter zu sein, und dass dieser Qur’an Sein Buch ist. (Qurtubi) 159. Und somit auch mein und euer Zustand. (Al-Dschalalain) Deshalb ist Sein Zeugnis das absolut höchste. (Qutb) Prüfstein für eine Offenbarung ist, ob sie von Allah kommt oder nicht. Dies wird durch Leben und Lehre des Gesandten verdeutlicht, der sie bringt. Betrug oder Täuschung kann nicht einen Augenblick lang vor Allah bestehen bleiben. Auch die verborgensten Dinge im Himmel und auf Erden liegen offen vor Ihm. (Juusuf `Allii) 160. Wenn die Wahrheit zurückgewiesen wird, nimmt sie dadurch keinen Schaden. Letztendlich sind es ihre Gegner, die Schaden erleiden. (Juusuf `Allii) Die absoluten Verlierer: Sie verlieren alles. Diesseits und Jenseits und sich selbst. Sie verlieren die Rechtleitung. Geradheit, Zuversicht, Wahrheit und Licht. Der Imaan an Allah jedoch in sich schon ist ein Gewinn. Die darauf folgende Belohnung stellt eine zusätzliche Huld Allahs dar. Denn Imaan flößt Zuversicht in das Herz ein, gibt Festigkeit Rückhalt und Vertrauen auf Schutz. Und dies alles verliert der Leugner. (Qutb)
53. Und sie fordern dich auf, die Strafe zu beschleunigen. Doch wenn es keine festgesetzte Frist gäbe, so hätte die Strafe sie gewiss schon ereilt. Und sie wird fürwahr ganz plötzlich über sie kommen, ohne dass sie es merken161. 161. Vergleiche auch Suura 22:47 und die entsprechenden Fußnoten. Die Gegner der Wahrheit kommen mit einer Herausforderung, in der Spott enthalten ist. Allahs Plan nimmt seinen Lauf und kann weder beschleunigt noch verzögert werden. Aus Seiner Barmherzigkeit gibt Er den Ungerechten eine Bewährungsfrist, so dass sie Gelegenheit zur Umkehr finden. Wenn sie jedoch nicht umkehren, kommt unvermeidlich die Strafe über sie, und zwar plötzlich, ohne dass sie es wahrnehmen. Dann ist es zu spät zur Umkehr. (Juusuf `Allii)
54. Sie fordern dich auf, die Strafe zu beschleunigen. Doch fürwahr, die Hölle wird die Kaafirs umfangen162, 162. Die Herausforderung der Bösen wurde im letzten Aja mit einem Hinweis auf die Bewährungsfrist beantwortet, die Allah in Seiner Gnade gewährt. In diesem Aja geht es darum dass das sichere Eintreffen der Strafe zugesichert wird, wenn sie nicht umkehren. Die Hölle schließt sich von allen Seiten her um sie. (Juusuf `Allii)
55. Am Tag, wenn die Strafe sie von oben und bis unter ihre Füße umschließen wird163, wird (zu ihnen) gesagt: „Kostet (nun das) was ihr zu tun pflegtet164." 163. Vergleiche einen ähnlichen Satz in Suura 6:65. (Juusuf `Allii) 164. Die Vergeltung dafür. (Al-Dschalalain) Dies ist das Ende ihres Drängens auf Bestrafung und für ihre Verachtung der Ermahnung. (Qutb) Dies ist nicht nur ein Tadel, sondern auch eine Rechtfertigung für die Strafe: „Ihr habt sie selbst durch eure bösen Handlungen über euch gebracht und könnt nur euch selbst Vorwürfe machen. Allahs Barmherzigkeit hat euch viele Chancen gegeben, aber jetzt hat euch Seine Gerechtigkeit eingeholt." (Juusuf `Allii)
56. O meine Diener, die ihr den Imaan verinnerlicht! Wahrlich, Meine Erde ist weit (genug)165. So dient nur Mir166. 165. Ihr seid meine Diener und dies ist meine Erde. Sie ist weiträumig. Was hält euch nun in dieser Enge, in der ihr der Versuchung ausgesetzt seid? Wenn ihr hier nicht in der Lage seid Mir, eurem Herrn, zu dienen, so verlasset diese Enge und rettet euren Imaan in der Weite meiner Erde. Dieser Aja ist offenbart worden, um die Mu'mins in Makka zur Auswanderung anzuspornen. Deshalb weist Allah sie darauf hin, dass Seine Erde weiträumig ist. So ist der weitere Verbleib am Ort ihrer Pein nicht angebracht. Besser ist es, Allah auf Seiner Erde dort zu dienen zu suchen, wo es aufrichtige Diener gibt. (Qurtubi) Niemand kann sich damit herausreden, er sei durch seine Umgebung oder durch die Umstände zum Bösen gezwungen oder am Guten gehindert worden oder etwa durch die Tatsache, dass er in schlimmen Zeiten leben musste. Wir sollen das Böse meiden und das Gute anstreben. Allahs Schöpfung ist groß genug, uns dies zu ermöglichen, vorausgesetzt, dass wir es wollen und die Geduld und Standhaftigkeit aufbringen, es auch zu tun. Vielleicht müssen wir dazu unsere Heimat oder unser Land verlassen, vielleicht auch unsere Nachbarn oder Bekannten, unsere Gewohnheiten, unsere Position im Leben, Beziehungen oder Berufe wechseln. Unsere Integrität vor Allah ist wichtiger als alle diese Dinge, und wir müssen uns auf eine Hidschra in jedem Sinne vorbereiten. Die Mittel, die Allah uns für Seinen Dienst zur Verfügung stellt, sind reichlich, und es ist unsere eigene Schuld, wenn wir keinen Gebrauch davon machen. (Juusuf `Allii) 166. Die Erde bietet unzählige Möglichkeiten für menschliches Leben, so dass es keine Entschuldigung gibt, Allah "unter dem Druck der Umstände" zu vergessen. Wo und wann auch immer der Dienst an dem Einen Gott unmöglich wird, ist der Mu'min verpflichtet, "den Machtbereich des Bösen zu verlassen" (vergleiche auch Suura 4:97) und "zu Allah auszuwandern", das heißt an einen Ort, wo es möglich ist, dem Islam entsprechend zu leben. (Asad)
57. Jede Seele wird den Tod kosten167. Dann sollt ihr zu Uns zurückgebracht werden168. 167. Vergleiche auch Suura 3:185 und 21:35 sowie die entsprechenden Fußnoten. Der Tod ist die Trennung der Seele vom Körper, wobei letzterer zerfällt. Wir sollen den Tod nicht fürchten, denn er bringt uns nur zu Allah zurück. Die verschiedenen Arten der Auswanderung oder des Exils, die oben in Fußnote 165 erwähnt wurden, seien sie physischer oder geistiger Art, sind in gewissem Sinne Arten des Todes: was gibt es daran zu fürchten? (Juusuf `Allii) Eine Warnung für die Kaafirs und frohe Botschaft für die Mu'mins. (Darjabadi) 168. Um von Uns entweder belohnt oder bestraft zu werden, je nach euren Taten. Wer nun dieses Ende zu erwarten hat, der muss jetzt dafür Vorsorge treffen und sich darauf vorbereiten. (Ruch Al-Maanii) Seid nicht um euer Leben besorgt; jeder muss früher oder später sterben. Eure wirkliche Aufgabe liegt nicht darin, euer Leben zu retten, sondern euren Imaan zu bewahren und die Erfordernisse des ’Ibaada zu erfüllen. Letztendlich kehrt ihr zu Allah zurück. (Maududi) 58. Und diejenigen, die den Imaan verinnerlichen und gute Werke tun, denen werden Wir gewiss eine Bleibe im Paradiesgarten geben, hohe Stätten, unter denen Ströme fließen169. Dort werden sie ewig verweilen. Welch eine treffliche Belohnung für die, die (Gutes) tun170, 169. Die in Suura 16:41 erwähnte Bleibe bezieht sich auf dieses Leben, aber dort wird auch erwähnt, dass der Lohn im zukünftigen Leben größer sein wird. Das hier vorliegende Gleichnis von der Bleibe bezieht sich auf den Himmel: sie wird schön sein; sie wird lieblich anzuschauen sein mit ihren Strömen; und sie ist ewig. (Juusuf `Allii) Allah gewährt denen, die Seinetwegen auswandern, nicht nur Unterkunft in dieser Welt, sondern hält dort noch viel mehr für sie bereit. Sie haben ihre Heimat und ihre Häuser verlassen. Nun wird ihnen das Paradies als Ersatz gewährt. (Qutb) 170. Für diejenigen, die Gutes tun. (Darjabadi) Selbst wenn du alles verlierst, was vom irdischen Standpunkt aus wertvoll ist, wird dir alles vergolten, und du wirst weit über dies hinaus belohnt. (Maududi)
59. Jene, die in Geduld ausharren171 und auf ihren Herrn vertrauen172. 171. Dies sind die Eigenschaften derer, die Gutes tun. Jene, die trotz der Pein, die ihnen die Götzendiener zufügten, und der Beschwerden der Emigration standhaft blieben. Auch gegenüber anderen Prüfungen und Beschwerlichkeiten. (Ruch Al-Maanii) 172. In all ihren Belangen, den religiösen wie den weltlichen. (Ibn Kasir) Die nicht auf ihr Eigentum, ihre Familienbeziehungen oder ihre Geschäftstüchtigkeit vertrauen, sondern auf ihren Herrn; die bereit sind, ihres Diins wegen jeder Macht und jeder Gefahr standzuhalten, allein auf der Grundlage ihres Vertrauens auf Allah, ungeachtet aller materiellen Mittel, die darauf vertrauen, dass Allah ihre Handlungen und ihren Imaan nicht verloren gehen lässt. (Maududi)
60. Und wie viele Lebewesen gibt es, die nicht (Sorge) tragen für ihren eigenen Unterhalt173. Allah versorgt sie und euch174. Und Er ist der Allhörende, der Allwissende175. 173. Es wurde überliefert, dass, als der Prophet den Mu'mins gebot, Makka zu verlassen und nach Madina zu gehen, diese dann sagten: „Wie sollen wir uns in eine Stadt begeben, in der wir keine Versorgung haben?" Alsdann wurde diese Erklärung offenbart: „Wie viele Lebewesen gibt es, die nicht selbst für ihren Unterhalt sorgen können", entweder aus Schwäche oder weil es daran mangelt. (Ruch Al-Maanii) Wenn wir die Tierwelt betrachten, dann entdecken wir so manches Lebewesen, das fast außerstande erscheint, seine Nahrung zu finden oder sich selbst am Leben zu erhalten, weil es von so zahlreichen Feinden umgeben ist. In Allahs Plan findet es jedoch vollen Unterhalt und Schutz. Dies gilt auch für den Menschen. Die Bedürfnisse des Menschen wie auch seine Hilflosigkeit sind um ein Vielfaches größer. Dennoch sorgt Allah für ihn wie für alle anderen Geschöpfe. Allah hört die Wünsche und Bitten aller Seiner Geschöpfe; Er kennt ihre Bedürfnisse und weiß sie zu erfüllen. Deswegen soll der Mensch nicht zögern, für Allahs Sache auszuwandern oder Verfolgungen zu ertragen. (Juusuf `Allii) Wörtlich: "das nicht seinen Lebensunterhalt trägt (oder: "Verantwortung ... übernimmt")", das heißt, das entweder zu schwach ist, um für sich selbst zu sorgen, oder das keine Vorräte sammelt. Dieser Abschnitt schließt an die Aufforderung im vorigen Aja an, auf Allah zu vertrauen. (Asad) 174. Allah versorgt die Menschen, auch wenn es ihnen so erscheint, als würden sie selbst für ihren Unterhalt sorgen. Es ist jedoch Allah, Der ihnen die Mittel dazu gewährt, was in sich ein Geschenk Allahs ist. (Qutb) Vergleiche auch Lukas 12:24; Hiob 38:41 und Psalm 147:9. (Darjabadi) Seid nicht entmutigt bei dem Gedanken, dass ihr nichts zu essen findet, wenn ihr eure Heimat verlassen müsst. Allah versorgt euch auf gleiche Weise wie Er seine anderen Geschöpfe versorgt. Vergleiche auch Matthäus 6:24-34. Die Grundlage dieser Lehre im Evangelium und im Qur’an ist dieselbe. (Maududi) 175. Allah. Der sie sehr wohl hört und um ihre Lage weiß, würde sie nie allein lassen. (Qutb)
61. Und wenn du sie176 fragst, wer die Himmel und die Erde erschaffen und die Sonne und den Mond dienstbar gemacht hat177, so werden sie gewiss sagen: „Allah178!" Wie können sie sich dann abwenden179? 176. Vergleiche Suura 23:34-39. "Sie" bezieht sich in beiden Abschnitten auf jene in sich widersprüchlichen Menschen, die Allahs Macht anerkennen, jedoch durch falsche Vorstellungen dazu veranlasst werden, Allahs Gesetz zu missachten und Allahs Botschaft abzulehnen. (Juusuf `Allii) Dies richtet sich an die makkanischen Götzendiener. (Maududi) 177. Diese Ajas beschreiben den Diin der Araber zu dieser Zeit und zeigen, dass der Ursprung in dem Imaan an den einzigen Gott zu finden ist - kein Wunder, da sie doch die Kinder Ismaa’iils, des Sohnes Ibraahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, sind. Tatsächlich glaubten sie der Diin Ibraahiims zu folgen, worauf sie auch stolz waren. (Qutb) 178. Sie gaben zwar zu, dass Allah der Schöpfer ist, jedoch beteten sie ihre Götzen, Dschinn oder Engel an. Sie machten sie zu Teilhabern Allahs in ihrer Anbetung, nicht aber in der Erschaffung. (Qutb) 179. Nach diesem Eingeständnis. (Safwat Al-Tafsir) Von der Wahrheit, indem sie andere Gottheiten verehren. (Darjabadi) Wie konnten sie sich von der Wahrheit abwenden und zu dieser Verwirrung und Vermischung kommen. (Qutb) Die "Entartung" oder das "Abbringenlassen" besteht darin, dass sie der Meinung sind, sie verinnerlichten den Imaan an Allah, während sie trotzdem falsche Wertmaßtstäbe anlegen und andere Kräfte als angeblich göttlich verehren, womit sie indirekt Seine Einzigartigkeit leugnen. (Asad)
62. Allah teilt die Versorgung reichlich zu, wem Er will unter Seinen Dienern180 oder Er beschränkt sie für ihn181. Wahrlich Allah weiß um alle Dinge182. 180. Entsprechend Seinem vollkommenen Wissen und Seiner Weisheit. (Darjabadi) 181. Dem einen als Prüfung und dem anderen als Versuchung. (Safwat Al-Tafsir)Vergleiche auch Suura 13:26. Ungleiche Gaben sind kein Anzeichen für Chaos im Universum. Allah sorgt für alle ihren wirklichen Bedürfnissen entsprechend und mit den am besten angemessenen Mitteln. (Juusuf `Allii) 182. Er kennt die Bedürfnisse aller Seiner Geschöpfe. (Darjabadi) Er weiß, was wirklich gut für sie und Seinem unfassbaren Plan zufolge notwendig ist. (Asad)
63. Und wahrlich, wenn du sie fragst, wer vom Himmel Wasser herabsendet und der Erde Leben damit verleiht nach ihrem Tod183, werden sie gewiss sagen: „Allah184." Sprich: „Preis sei Allah185." Doch die meisten von ihnen begreifen nicht. 183. Nach der Dürre oder der Unfruchtbarkeit. In Aja 61 oben ging es darum, dass ein bestimmter Menschenschlag zwar Allahs Macht anerkennt, aber dennoch falschen Ideen und falscher Verehrung nachgeht. Hier geht es um einen anderen Typus, dem Allahs Güte durch den Regen und die Gaben der Natur verdeutlicht wird, der den Wechsel der Tages- und Jahreszeiten miterlebt, der Zeugnis davon ablegt, wie Allah in Seiner Güte uns physisches wie geistiges Leben gibt und nach unserem Tode auferweckt - und der dennoch nicht die richtigen Schlussfolgerungen daraus zieht, um sein Leben wahr und schön zu gestalten, so dass er am Ende seines vergänglichen Lebens sein ewiges Erbe antreten könnte. Solche Menschen versagen im entscheidenden Augenblick. Statt Allah zu preisen und zu verherrlichen und Seine Gnade und Sein Licht anzunehmen, zeigen sie ihren Mangel an wahrem Verständnis, indem sie von Allahs Gaben keinen Gebrauch machen. (Juusuf `Ali) 184. Wobei sie durch ihre eigene Aussage andere Gottheiten leugnen. (Darjabadi) So wie Er der Einzige in Seiner Schöpfung ist, so gebührt es auch Ihm allein, angebetet zu werden. (ibn Kasir) Wenn ihr dies zugebt, warum leugnet ihr dann die Wiederauferstehung. (Qurtubi) 185. "Al-hamdu lillah" الْحَمْدُ لِلَّه bedeutet hier zweierlei: 1. Wenn Allah dies alles tut, dann ist nur Er allein allen Lobes würdig; 2. Preis sei Allah dafür, dass ihr dies selbst zugebt. (Maududi) Dass der Beweis gegen sie erbracht ist. (Ruch Al-Maanii)
64. Dieses irdische Leben186 ist (ja) nichts weiter als Spiel und Zeitvertreib187. Doch wahrlich, die Wohnstatt des Jenseits, das ist das (wirkliche) Leben, - wenn sie es nur wüssten188! 186. Das die Materialisten und die Kaafirs immer so geschätzt haben. (Darjabadi) 187. Es ist nicht von Dauer. (ibn Kasir) Wenn nicht das Leben des Jenseits ins Auge gefasst wird und nur der Genuss Gegenstand ihres Strebens ist. (Qutb) Vergleiche Suura 6:32. Spaß und Zeitvertreib haben keine bleibende Bedeutung, es sei denn als Vorbereitung auf die ernsthafte Arbeit unseres Lebens. So ist denn dieses Leben auch nur ein Zwischenspiel, eine Vorbereitung auf das wirkliche Leben im Jenseits. Die Nichtigkeiten dieser Welt sind deswegen als das anzusehen, was sie wert sind, aber sie dürfen unsere Aufmerksamkeit nicht von den Erfordernissen unseres inneren Lebens ablenken, das wirklich wichtig ist. (Juusuf `Allii) Irreal, inhaltslos und illusorisch, wenn sie als Selbstzweck betrachtet werden, aber sehr real und wichtig als Vorbereitung für das zukünftige Leben. (Darjabadi) 188. So hätten sie nicht das irdische Leben nicht vorgezogen. (Al-Dschalalain)Wenn diese Leute wüssten, dass das Leben dieser Welt nur eine Vorbereitung auf das zukünftige Leben ist, dann würden sie diese Zeit nicht verschwenden, sondern jeden Augenblick zu Handlungen nutzen, die für das zukünftige Leben nützlich sind. (Maududi) Der Qur’an fordert hiermit nicht zur Askese auf, sondern weist darauf hin, das Jenseits beim Genießen im Auge zu behalten, und die Grenzen Allahs dabei nicht zu überschreiten. (Qutb)
65. Und wenn sie ein Schiff besteigen, rufen sie Allah189 in aufrichtigem im Diin an Ihn190. Doch wenn Er sie an Land in Sicherheit gebracht hat, dann schreiben sie Ihm Teilhaber zu191, 189. Wenn sie fürchten zu ertrinken. (Qurtubi) Nur Ihn rufen sie an. Denn nur Er kann sie aus ihrer Drangsal befreien. (Al-Dschalalain) Hier wird die Unvereinbarkeit ihres Handelns mit ihren Worten aufgezeigt. (Qutb) 190. Vergleiche Suura 7:29. Aus dem letzten Aja ging hervor, dass das Leben in dieser Welt vergänglich ist und das wirkliche Leben, worauf es ankommt, das Leben des Geistes ist. Im Gegensatz zu dieser inneren Wirklichkeit wird hier die kurzsichtige Unvernunft des Menschen aufgezeigt. Wenn er sich den physischen Gefahren des Meeres gegenübersieht, sucht er aufrichtig Allahs Hilfe. Sobald er jedoch sicher zurückgekehrt ist, vergisst er die Realität, stürzt sich in Zeitvertreib und vergängliche Nichtigkeiten und seine Verehrung, die er allein Allah vorbehalten sollte, teilt er mit Wesen, die seiner eigenen Vorstellung entstammen. (Juusuf `Allii) 191. Sie kehren zu ihrer Götzendienerei zurück. (Ruch Al-Maanii) Sie werfen die Eingebung ihrer natürlichen Veranlagung wieder über Bord, und ihr Versprechen, ihm in Treue und Lauterkeit zu dienen, gerät in Vergessenheit. (Qutb)
66. So192 mögen sie denn ihren Undank zeigen für das, was Wir ihnen gegeben haben193 und sich vergnügen - bald schon werden sie wissen194. 192. Der den nachfolgenden Verben vorangestellte Partikel "li" ist nicht ein Ausdruck ihrer Absicht ("damit" oder "um zu"), sondern zeigt nur die Folge an. Im obigen Zusammenhang übersetzt man ihn am besten mit "auf diese Weise". (Asad) Darin liegt eine diskrete Drohung. (Qutb) 193. Nämlich die Gnade ihrer Errettung. (Safwat Al-Tafsir) Solche Unvernunft führt zu einer tatsächlichen (wenn auch vielleicht nicht ausdrücklichen) Ablehnung Allahs und Seiner Gnade. Sie stürzt den Menschen in eine Sinnlosigkeit, die ihn verblendet und schließlich vorübergeht. Diese Verblendung findet ihr Ende, wenn im zukünftigen Leben die Realität in all ihrer Herrlichkeit sichtbar wird. (Juusuf `Allii) 194. Die Folgen ihres Verhaltens. (Darjabadi)
67. Sehen sie denn nicht, dass Wir eine geheiligte sichere Stätte geschaffen haben195, während die Menschen rings um sie herum fortgerissen werden196? Wollen sie also an das Falsche den Imaan verinnerlichen197, die Gnade Allahs aber leugnen? 195. Das unverletzliche Gebiet der Stadt Makka und ihrer Vororte. (Darjabadi) Allah erinnert die Makkaner an Seine Gnade, die darin besteht, dass Er ihnen den unverletzlichen, sicheren Ort gewährte, in dem sie leben. Sie jedoch gedenken dieser Gnade nicht und zeigen keine Dankbarkeit im Bekenntnis der Einheit Allahs. Stattdessen versetzten sie die Mu'mins in Angst und Schrecken. (Qutb) 196. Indem die Menschen um sie herum sich gegenseitig umbringen und gefangen nehmen. (Safwat Al-Tafsir) Vergleiche Suura 28:57 und die entsprechende Fußnote. Im Gegensatz zu dem "unverletzlichen Heiligtum" - dem inneren Frieden und dem Gefühl geistiger Erfüllung, das Allah denen gewährt, die wirklich an Ihn den Imaan verinnerlichen- sieht sich der Atheist oder Agnostiker meistens der Angst vor dem Unbekannten und einer aus der Unsicherheit stammenden Verzweiflung ausgeliefert. (Asad) 197. An die Götzen. (Al-Dschalalain)
68. Und wer ist ungerechter als jener, der Lügen gegen Allah sinnt198 oder die Wahrheit in Abrede stellt199, wenn sie zu ihm kommt200? Ist denn nicht die Hölle eine (passende) Zufluchtsstätte für die Kaafirs201? 198. Das heißt niemand ist ungerechter als der, der Allah einen Sohn oder Genossen zuschreibt. (Qurtubi) "Die Wahrheit" das ist nach Ibn Salam der Qur’an, nach Al-Suddii der Imaan an die Einheit Gottes. Jede der beiden Aussagen jedoch schließt die Bedeutung der anderen mit ein. (Al Qurtubi) 199. Ohne jede vernünftige Grundlage. (Darjabadi) Indem er sich selbst einredet, dass es neben Allah oder unabhängig von Ihm eine weitere "Macht" geben könnte, die Einfluss auf das Geschick der Menschen hat. (Asad) 200. Gestützt von Vernunft und Gerechtigkeit. (Darjabadi) 201. Für diese undankbaren, unvernünftigen Menschen. (Darjabadi) Die Frageform dient der Negation. (Ruch Al-Maanii) Doch und mit Sicherheit. (Qutb) Vergleiche Suura 6:21. Selbst vom irdischen Standpunkt aus betrachtet, befinden sich diejenigen, die Allahs Wahrheit ablehnen, im Nachteil. Für diejenigen aber, die absichtlich falsche Lehren und Gottheiten erfinden - welche Strafe können wir uns für sie vorstellen als einen dauernden Verlust der Gnade Allahs - in theologischer Sprache, einen Aufenthalt in der Hölle? (Juusuf `Allii) 69. Und diejenigen, die sich mit aller Kraft für Uns einsetzen202, die werden Wir gewiss auf Unseren Pfad leiten203. Und Allah204 ist wahrlich mit denen, die Gutes tun205. 202. "Sich für Unsere Sache einsetzen": das ist alles, was der Mensch tun kann. Sobald er sich mit aller Kraft und mit Geduld und Standhaftigkeit für Allahs Sache einsetzt, kommt ihm Allahs Licht und Gnade entgegen. Sie heilen seine Fehler und Mängel. Sie versehen ihn mit den Mitteln, über sich selbst hinauszuwachsen. Sie zeigen ihm den Weg zu seinem Ziel. (Juusuf `Allii) Jene, die sich bemühen, zu Allah zu gelangen und die Verbindung mit Ihm herzustellen. Jene, die alles erdenkliche auf sich nahmen, ohne zurückzuweichen oder zu verzweifeln. Jene, die standhaft geblieben sind gegenüber den Versuchungen des eigenen Egos und denen der Menschen. Jene, die alle Lasten auf sich nahmen und den langen, beschwerlichen Weg beschritten. (Qutb) Im Verlangen nach Unserem Wohlwollen. (Qurtubi) In Unserer Sache und um Unsertwillen. (Ruch Al-Maanii) 203. Der Pfad, der zu Uns führt. (Al-Dschalalain) Mit Seiner Hilfe und seinem Beistand, mit Seinem Schutz und Seiner Führung. (Qurtubi) Allahs Weg ist der gerade Weg. Aber die Menschen sind von ihm nach allen Richtungen abgewichen. Es gibt jedoch zahlreiche Pfade, auf denen sie zum rechten Weg zurückkehren können, dem Weg, den die Reinheit ihrer eigenen Natur und Allahs Wille und Barmherzigkeit für sie vorgesehen hat. Alle diese zahlreichen Pfade öffnen sich ihnen, wenn sie einmal ihre Herzen Allah anvertrauen und mit ihrer ganzen Seele und allen ihren Kräften nach dem Guten streben. So können sie sich aus dem Spinngewebe dieser vergänglichen Welt befreien und ewige Glückseligkeit und die Erfüllung ihres eigentlichen Daseinssinnes erlangen. (Qutb) Schon allein die Suche nach Allah und Seiner Wahrheit wird belohnt. (Darjabadi) Wörtlich: „"Unsere Wege". Der Plural soll hier offensichtlich die im Qur’an oft erwähnte Tatsache betonen, dass es viele Wege gibt, die zur Allahserkenntnis (marifa) führen. (Asad) 204. In Seiner Barmherzigkeit und liebevollen Fürsorge den Menschen gegenüber. (Darjabadi) Der alles Vollkommene in sich vereint. (Ruch Al-Maanii) 205. Sowohl in diesem wie auch im zukünftigen Leben. (Darjabadi)
Einleitung zu Suura 30 Wie schon in der Einleitung zur letzten Suura erwähnt wurde, behandelt auch diese das Thema von Maad oder dem letztendlichen Ziel aller Dinge von verschiedenen Gesichtspunkten her. In der letzten Suura haben wir gesehen, dass Offenbarung mit Leben und Verhalten verbunden ist, und der Begriff der Zeit (vorwärts wie rückwärts gesehen) zeigte die Zerbrechlichkeit dieses Lebens auf. In dieser Suura wird das Thema Zeit und sein Geheimnis mit der menschlichen Geschichte im Vordergrund und mit der Evolution der Welt in allen ihren Aspekten im Hintergrund in Beziehung gesetzt. Die durch den Menschen bewirkte Entstellung wird von Allah beseitigt, Dessen allumfassender Plan für das zukünftige Leben weist. Wir werden sehen, dass die nächsten Suuras (31 und 32) das Thema unter anderen Gesichtspunkten behandelt. Alle vier werden mit den abgekürzten Buchstaben Alif Lam Mim eingeleitet, die ich mahne dogmatisch sein zu wollten) als Symbole für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verstehe. Die chronologische Zuordnung dieser Suura ist wichtig. Sie wurde im 6. oder 7. Jahr vor der Hidschra offenbart. Das entspricht dem Jahre 615-616 christlicher Zeitrechnung, als die Wellen persischer Eroberungszüge gegen das oströmische Reich anstürmten. Das christliche Römische Reich hatte Jerusalem an die Perser verloren, und die Christenheit hatte eine Demütigung hinnehmen müssen. Zu dieser Zeit schien es außerhalb der Grenzen des Menschenmöglichen liegen, die Lage umzukehren, schon gar nicht innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums von 8 oder 9 Jahren, auch wenn man das Kräfteverhältnis zwischen den Armeen der beiden Großreiche genau kannte. Die kaafir Quraisch, die mit den Persern sympathisierten, triumphierten und verdoppelten ihren Spott und ihre Verfolgungen gegen den Propheten, essen Botschaft doch eigentlich eine Erneuerung der von 'Isa in Jerusalem verkündeten Botschaft war. Dann wurden die Ajas 1-6 dieser Suura offenbart, die eindeutig die endgültige Niederlage der Perser voraussagten, sozusagen als Auftakt zu einer Vernichtung des persischen Reiches. Kein Zweifel besteht bezüglich dieser Voraussage und ihrer Erfüllung. In ihrem Übermut schlossen die makkanischen Götzendiener eine Wette mit Abu Bakr ab, die sie verloren. Aber der Aufstieg und Niedergang so mächtiger Reiche wie des persischen und des römischen sind nur kleine Zwischenfälle auf dem Schachbrett der Zeiten, verglichen mit einer viel mächtigeren Bewegung, die mit der Verbreitung des Islam ihren Anfang nahm. Seit dem 7. oder 6. Jahr vor der Hidschra und ein oder zwei Jahre nach der Hidschra mühte sich der Islam in der Welt ab wie eine noch unbedeutende Stimme im Gewissen der Menschheit. Kaum jemand beachtete sie, wenn sie sich auf ihren göttlichen Ursprung berief; sie wurde beleidigt, angegriffen, verfolgt, boykottiert und (allem Anschein nach) unterdrückt. Die Qualen von Taif (zwei Jahre vor der Hidschra) und die Mordverschwörung unmittelbar vor der Hidschra selbst standen dem Propheten noch bevor. Aber Allahs Plan kann nicht zunichtegemacht werden. Badr (im Jahre 2 nach der Hidschra = 624 n. 'Isa), mit Recht als Tag der Entscheidung bezeichnet, bildete einen Wendepunkt in den äußeren Ereignissen der frühislamischen Geschichte, und zwar im selben Jahr, in dem die Schlacht Issus eine Wende im Kräfteverhältnis zwischen Persern und Römern einleitet. Bedeutendere Ereignisse sollten erst noch kommen. Durch den Islam wurde eine neue innere Welt geschaffen, und diese geistige Revolution der ein unendlich viel größeres Moment in der Weltgeschichte. Die Entmachtung des Priestertums und der Verehrung falscher Götter, die Wiederherstellung der Einfachheit in Glauben und Leben, die Rehabilitierung dieses Lebens als ersten Schritt zum Verständnis des zukünftigen Lebens, die Abschaffung des Aberglaubens und der theologischen Haarspalterei und ihrer Ablösung durch einen Geist der vernünftigen Untersuchung und des Wissens sowie die Erkenntnis, dass das Göttliche nicht nur einen als "Religion" bezeichneten isolierten Bereich umfasst, sondern die gesamte Lebens- und Denkweise und alle Gefühle - das war und ist die wahre Botschaft des Islam und sein Auftrag. Sein Streben und sein Kampf setzt sich fort, bleibt aber nicht ohne Auswirkungen, wie man im Verlauf der Jahrhunderte in der Weltgeschichte feststellen kann. (Juusuf `Allii)
Zusammenfassung: Diese Suura ist zu einem besonderen Anlass offenbart worden, nämlich dem Sieg der Perser über die Römer. Zu dieser Zeit bekannten sich die Römer zum christlichen Glauben, während die Perser Anhänger des Mazdaglaubens waren, also keiner monotheistischen Religion angehörten. Dieses Ereignis gab den heidnischen Makkaner Gelegenheit den Polytheismus über den Monotheismus zu erheben, und sie gaben sich der Hoffnung hin, dass ihre Religion letztendlich die neue besiegen werde. In dieser Situation kamen die ersten Verse dieser Suura mit der frohen Botschaft, dass die Schriftbesitzer unter den Römern in einigen Jahren den Sieg erlangen würden, einen Sieg, der alle Gläubigen mit Freude erfüllen muss, denen nicht lieber ist, als dass die Gläubigen jeder Religion den Sieg davontragen. (Qutb) Ebbe und Flut irdischer Macht - hier durch den Konflikt der Großmächte Rom und Persien symbolisiert - sind nur äußerliche Erscheinungen. Der tiefere Sinn liegt in der Funktion des von Gott erschaffenen Universums - wie Gute und Böse ihr letztendliches Ziel erreichen. (Ajas 1 - 19) Physische, moralische und geistige Veränderungen und Vielfalt in Gottes Schöpfung weisen dennoch auf die Einheit der Natur und der Religion hin. Der Mensch sollte sich aus dieser Einheit nicht ausschließen, sondern Ihn, den Einen Gott, verherrlichen, denn es gibt keinen wie Ihn. (Ajas 20 h 40) Menschenhände haben Entartung und Unheil bewirkt, aber Gott reinigt die moralische Welt ebenso wie die physische Natur, indem Er die Schwachen stärkt und die Mächtigen stürzt, wenn ihre Zeit gekommen ist. Wartet darum in Geduld und Standhaftigkeit und seid nicht mutlos. (Ajas 41 - 60)
Die Römer Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. 1. Alif, Laaam, Miiim1. 1. Viel ist geschrieben worden über die Bedeutung dieser Buchstaben, doch das meiste davon sind reine Mutmaßungen. Einige Kommentatoren geben sich damit zufrieden, sie einfach als mystische Symbole anzuerkennen, deren Erörterung mit den Mitteln verbaler Logik müßig ist. In der Mystik nehmen wir Symbole als solche vorerst hin; ihre esoterische Bedeutung wird uns durch Erleuchtung klar, wenn wir dazu innerlich bereit sind. Unter den Mutmaßungen befinden sich zwei plausible Theorien: Die eine besagt, das jeder Anfangsbuchstabe für eine Eigenschaft Allahs steht. Es ist nicht schwer, unter diesen Eigenschaften drei auszuwählen, die zu diesen Buchstaben passen. Eine andere Theorie, nämlich die von Baidawi bevorzugte ist, das diese Buchstaben die Anfangs-, End- und Mittel- (oder abermals Anfangs-) Buchstaben der drei Namen Allah, Dschibril und Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, symbolisieren. Das bedeutet Allah ist der Ursprung der Offenbarungen, Dschibril der himmlische Bote, der sie überbrachte, und Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ist der irdische Gesandte, durch den sie in menschlicher Sprache verkündet wurden. Dies mag im Hinblick auf die erste Suura zutreffen (denn Al-Baqara ist eigentlich die erste, wenn wir Al-Fatiha als Einführung betrachten). Doch wenn diese Buchstaben auch anderen Suuras vorangestellt werden, warum dann nur diesen sechs? Wenn wir das Wesen der Laute, die durch diese Buchstaben wiedergegeben werden, betrachten, dann ist "Alif" ein aus der Kehle kommender Hauchlaut “Lam“ ein Zungen-Gaumen-Zahn-Laut, der aus der Mundmitte kommt, und ,Mim ein Labial oder Lippenlaut. Können wir sie deshalb nicht als Symbole für Anfang, Mitte und Ende nehmen? Und wenn wir das tun, passen sie dann nicht gerade zu jenen Suuras, die sich ganz besonders mit Leben, Heranreifen und Tod befassen mit dem Anfang und dem Ende? In der griechischen Fassung des Neuen Testaments stehen der erste und. letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, Alpha und Omega, als Symbole für Anfang und Ende, geben eine der Bezeichnungen Allahs wieder: "Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, spricht der Herr, Der ist und Der war und Der kommen wird, der Allmächtige." (Geheime Offenbarung des Apostels Johannes 1/8).
2. Die Römer sind besiegt worden2, - 2. Die bemerkenswerte Niederlage des Römischen Reiches unter Heraklius war nicht nur ein vereinzelter Zwischenfall; das Römische Reich verlor dabei den größten Teil seines asiatischen Territoriums, und seine Hauptstadt Konstantinopel wurde von allen Seiten eingekreist. Der Ausdruck "im nahe gelegenen Land" (siehe Anfang des nächsten Ajas) muss sich auf Syrien und Palästina beziehen. Jerusalem wurde 614- 615 von den Persern erobert, kurz bevor diese Suura offenbart wurde. (Juusuf `Allii) Während die Römer Leute der Schrift waren, pflegten die Perser Götzen zu verehren. Deshalb waren die kaafir Makkaner über diesen Sieg hocherfreut, denn sie wähnten sich siegreich über die Muslime, gleich wie die Perser über die Römer. (Al-Dschalalain)
3. In einem nahe gelegenen Land, doch nach ihrer Niederlage werden sie bald schon siegreich sein3, - 3. In dem nächstgelegenen Ort: nächstgelegen zum persischen Reich auf der arabischen Halbinsel, wo sich die beiden Armeen gegenüberstanden. (Al-Dschalalain) Mit "sie" sind die Römer gemeint. (Al-Dschalalain ) Die kaafir Quraisch waren über die Niederlage der Römer sehr erfreut. Sie sympathisierten mit den Persern und hofften in ihrem Inneren, auch die störende islamische Bewegung, die zu diesem Zeitpunkt vom weltlichen Standpunkt aus betrachtet sehr schwach und hilflos war, würde schließlich unter den Verfolgungen zusammenbrechen. Aber sie missdeuteten die Zeichen der Zeit. Hier wird ihnen mitgeteilt, dass sie in beiden Erwartungen enttäuscht werden würden. Diese Verheißung ging dann auch bei der Schlacht von Issus (622 n. 'Isa) und im Jahre 624 n. 'Isa in Erfüllung, als Heraklius bis in die Mitte des persischen Reiches vordrang, und bei der Schlacht von Badr, wo die kaafir Makkaner zurückgeschlagen wurden. (Juusuf `Allii)
4. In wenigen Jahren4. Bei Allah ruht die Entscheidung in Vergangenheit und Zukunft5. Und an jenem Tag werden die Mu’mins von Freude erfüllt sein6, - 4. "Bid" بِضْع bedeutet "ein kurzer Zeitraum", eine Zeit von einem Jahr bis zu neun Jahren. Zwischen dem Fall von Jerusalem (614-615 n. 'Isa) und dem römischen Sieg bei Issus (622 n. 'Isa) lagen sieben Jahre, und bis zum Vordringen des Kaisers Heraklius ins persische Reich vergingen neun Jahre. Vergleiche auch die vorige Fußnote. (Juusuf `Allii) 5. Die Entscheidung der Angelegenheiten. (Darjabadi) Am Anfang und am Ende - vor der Niederlage und nach der Niederlage. (Safwat Al-Tafsir) Wörtlich: "vorher und nachher". Die oben erwähnten Siege und Niederlagen beziehen sich auf Phasen der jahrhundertelangen Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten Rom und Persien. (Asad) Der Sieg der Perser bedeutet nicht, dass Allah ein Schaden zugefügt wurde, und wenn später die Römer wieder siegreich sind, bedeutet dies auch nicht, dass Ihm Sein verlorenes Reich wiedergegeben wird. Ihm gehört die Herrschaft in jedem Falle. Er hat zuerst der einen Partei den Sieg ermöglicht, dann ermöglicht Er ihn der anderen. Er bewirkt Aufstieg und Fall. (Maududi) 6. Über den Sieg der Schriftbesitzer über die Götzendiener, da die ersteren den Mu'mins näher stehen als die letzteren. (Safwat Al-Tafsir) Vergleiche auch oben Fußnote 3. Die Schlacht von Badr war für die Mu’mins ein wirklicher Grund zur Freude und ein Grund zur Enttäuschung für die arroganten Quraischch, die der Meinung waren, sie könnten die ganze islamische Bewegung in Madina vernichten, wo sie aber schließlich zurückgeschlagen wurden. Vergleiche auch Suura 3:13 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)
5. Über Allahs Hilfe (zum Sieg). Denn Er verleiht den Sieg dem, dem Er will7. Und Er ist der Allmächtige8, der Allbarmherzige9, 7. Dies ist eine Voraussage der Schlacht von Badr, die acht oder neun Jahre später im Monat Ramadan des Jahres 2 nach der Hidschra (im Januar 624 n. 'Isa) stattfinden sollte. (Asad) Wie an anderen Stellen im Qur’an erläutert wird, ist Allahs Wille oder Plan nicht willkürlich, sondern voll der höchsten Weisheit. Sein Plan beruht auf Barmherzigkeit, so dass dabei die Interessen aller Geschöpfe vor den egoistischen Ausschreitungen eines Teils von ihnen geschützt werden. Er kann Seinen Plan voll verwirklichen und keine Macht kann Ihn daran hindern. (Juusuf `Allii) 8. Alles obliegt Allahs Entscheidung. So ist Er es, Der den Sieg verleiht, dem Er will. Der Wille jedoch, der zum Ziel hinführt, ist der gleiche Wille, der die Ursachen dazu setzte. So haben die Gesetzmäßigkeiten, die dieses gesamte Dasein bestimmen, ihren Ursprung eben in diesem uneingeschränkten Willen. Die islamische Lehre ist auf diesem Gebiet klar und logisch zugleich, denn sie führt alle Ereignisse auf Allah zurück. Sie entbindet jedoch die Menschen nicht davon, die natürlichen Mittel, die zum Ziel führen, zu nutzen. Ob dieses Ziel aber erreicht wird, das liegt nicht in ihrer, sondern in Allahs Hand. So sagte der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zum einem Beduinen, der sein Kamel vor der Moschee unangebunden mit den Worten zurückließ: „Ich vertraue auf Allah", „Binde es erst an und dann vertraue auf Allah". (Qutb) 9. Er hat die Macht, die Kaafirs zu strafen; und er ist barmherzig und steht den Mu'mins bei. (Darjabadi)
6. Dies ist ein Versprechen Allahs. Und niemals10 würde Allah Sein Versprechen brechen, doch die meisten Menschen wissen es nicht11. 10. Ein feststehendes unabänderliches Versprechen. (Safwat Al-Tafsir) Diese von Uns an dich ergangene Aussage, dass Wir die Römer über die Perser die Oberhand gewinnen lassen werden. Denn nach Allahs Gesetz wird dem der Sieg gewährt, der der Wahrheit näher steht. (ibn Kasir) Ein jedwedes Versprechen, das entweder mit dem Diesseits oder mit dem Jenseits zusammenhängt.
(Ruch Al-Maanii) 11. Die Erfüllung Seines Versprechens ist unabänderlich und eines der großen Geheimnisse, die dem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, anvertraut wurden. Aber das verstehen die meisten Menschen nicht, auch wenn es so scheinen mag, als wären sie mit umfassendem Wissen begabt. Ihr Wissen ist jedoch oberflächlich und bezieht sich nur auf die Äußerlichkeiten des Lebens, geht aber keineswegs in die Tiefe seiner Geheimnisse und seine grundlegenden Gesetze. (Qutb)
7. Sie kennen nur die Äußerlichkeiten des diesseitigen Lebens12. Doch was das Jenseits angeht, sind sie achtlos13. 12. Das Wissen der meisten Menschen ist nur auf dieses Leben beschränkt, auf ihren Gewinn, ihr Ansehen und auf all das, was es beinhaltet, Sie sind äußerst geschickt darin, sich Annehmlichkeiten zu verschaffen. Anders jedoch, was den Islam angeht, und was ihnen im Jenseits von Nutzen sein könnte. Dagegen verschließen sie Herz und Verstand. (ibn Kasir) Sie wissen nur, wann sie pflanzen und wann sie ernten und wie sie was errichten können. (Al-Qurtubi) Die Äußerlichkeiten des irdischen Lebens sind auf einen kleinen Gesichtskreis beschränkt, und auch dieses Leben selbst ist nur ein winziges, begrenztes Phänomen in diesem Dasein. (Qutb) 13. Das Wort "Achira" آخِرَة habe ich gewöhnlich mit "zukünftiges Leben" übersetzt. In diesem Zusammenhang ist die Bedeutung ganz allgemein und bezieht sich sowohl auf das Ziel der Dinge oder den Ausgang historischer Ereignisse wie auch das Leben nach dem Tod im theologischen Sinne. (Juusuf `Allii) Das Jenseits ist nur ein Glied in der Kette der Entstehung. Diejenigen aber, die die Maxime dieser Entstehung und die Gesetzmäßigkeit des Daseins nicht begreifen, missachten auch dieses Jenseits und beziehen es nicht in ihre Kalkulation mit ein. Dies führt zur Verzerrung ihrer Maßstäbe. (Qutb) Obgleich zahlreiche Zeichen und Beweise auf das zukünftige Leben hinweisen, missachten viele Menschen sie aus ihrer eigenen Kurzsichtigkeit heraus. Sie sehen nur den scheinbaren und äußeren Aspekt des irdischen Lebens und bemerken nicht, was dahinter verborgen ist. (Maududi)
8. Haben sie denn nicht bei sich selber nachgedacht14, wie Allah die Himmel und die Erde und was zwischen beiden ist, mit Bedacht15 und (auch nur) für eine festgesetzte Frist erschaffen hat16? Doch die meisten Menschen verinnerlichen den Imaan nicht an die Begegnung mit ihrem Herrn17. 14. Haben sie ihr Augenmerk nur auf die Äußerlichkeiten des diesseitigen Lebens gerichtet, ihren Verstand aber niemals benutzt, um zu der Erkenntnis zu kommen, dass Allah diese Welten nur auf einer feststehenden Wahrheit aufgebaut haben kann. (Safwat Al-Bajan) Um aus ihrer Achtlosigkeit umzukehren. (Al-Dschalalain) Dies ist in sich bereits ein starkes Argument für das zukünftige Leben. Wenn diese Menschen über sich selbst nachdenken würden, ganz abgesehen von äußeren Phänomenen, dann hätten sie bereits in sich selbst bestimmte Eigenschaften gefunden, die auf die Notwendigkeit eines zukünftigen Lebens hinweisen. 1. Die Erde und die zahllosen Dinge in seiner Umwelt sind dem Menschen dienstbar gemacht worden, und er kann sie nutzen und viel Macht über sie ausüben. 2. Der Mensch hat die Freiheit, seine Lebensweise selbst zu bestimmen. Bei jeder Lebensweise, die er wählt, sei sie gut oder böse, stehen ihm alle von Allah gegebenen Mittel zur Verfügung, und er kann sie in Allahs Dienst nutzen oder für sich selbst missbrauchen. 3. Der Mensch hat einen angeborenen ethischen Sinn, der ihm ermöglicht, zwischen seinen freiwilligen und unfreiwilligen Handlungen zu unterscheiden und sie als jeweils gut oder böse zu erkennen und die Schlussfolgerung daraus zu ziehen, dass Gutes belohnt und Böses bestraft werden soll. Dies alles weist auf die Tatsache hin, dass es eine Zeit geben muss, wo der Mensch für seine Handlungen zu Rechenschaft gezogen wird. (Maududi) 15. Vergleiche auch Suura 15:85 und die entsprechenden Fußnoten. Hier geht es in erster Linie um den Aufstieg und Abstieg irdischer Macht, die, wie der nächste Satz ausdrückt, nur für eine bestimmte Zeit verliehen wird. Niemand, der über irdische Macht oder Vorteile verfügt, sollte der Illusion zum Opfer fallen, dies sei von Dauer. Es ist begrenzt in Allahs Plan, Der gerecht und wahr ist. Auf der Grundlage strenger persönlicher Verantwortung wird der Mensch später dafür zur Rechenschaft gezogen. (Juusuf `Allii) 16. Im Gegensatz zu Allah, Der ewig und unbegrenzt ist, ist alles Geschaffene begrenzt und Veränderungen und schließlich einem Ende unterworfen. (Asad) Darin liegt ein Hinweis auf den Untergang, und auch darauf, dass jedem Geschöpf eine Frist gesetzt ist, um dann den Wohltäter zu belohnen und den Missetäter zu bestrafen. (Al-Qurtubi) Hier sind zwei weitere Argumente für das zukünftige Leben gegeben. 1. Das Universum wurde in Wahrheit erschaffen; es ist kein Spielzeug, und es ist nicht sinnlos. Jeder Partikel darin legt Zeugnis dafür ab, dass er mit großer Weisheit erschaffen worden ist, einer Gesetzmäßigkeit folgt und einen Sinn hat. Dazu gehört auch das ganze gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben des Menschen. Wäre er als eine Marionette in ein gesetzloses und sinnloses Spielzeughaus gesetzt worden, dann wäre weder Wissenschaft noch eine Kultur noch ein Gesellschaftsleben möglich. Wenn schließlich mit dem Tode alles zu Ende wäre, dann würden die Bemühungen des Menschen keine Früchte tragen, und das wäre sinnlos. 2. Nichts ist unsterblich. Alle in diesem Universum wirksamen Kräfte sind begrenzt und sind nur in einer bestimmten Zeitspanne wirksam. Mit dieser Erkenntnis hat die moderne Wissenschaft auch die Ansicht der alten Philosophen von der Ewigkeit der Materie widerlegt. (Maududi) 17. Sie leugnen, dass sie nach dem Tod vor ihrem Herrn stehen werden. (Maududi) Wenn auch die Menschen den Zeitpunkt des Jüngsten Tages nicht kennen, so bedeutet dies keineswegs, dass er nicht kommen wird. Sein Aufschub jedoch verführt diejenigen, die nur von den Äußerlichkeiten dieses Lebens wissen, und täuscht sie sehr. (Qutb) Aus den vorerwähnten Gründen ist es um so merkwürdiger, dass es Menschen gibt, die nicht nur sich selbst vergessen, sondern auch die Möglichkeit einer Rückkehr zu Gott, ein Ende oder ein zukünftiges Leben leugnen, wo sie volle Rechenschaft über ihre Probezeit in dieser Welt ablegen müssen. Sie werden aufgefordert, ihre vergangene Geschichte zu studieren, wie auch im nächsten Aja deutlich wird. (Juusuf `Allii)
Abschnitt 2 9. Sind sie denn nicht auf Erden umher gereist um zu sehen, wie das Ende derer war, die ihnen vorausgingen18? Diese waren noch mächtiger als sie19 und haben das Land bebaut und es in größerer Zahl bevölkert als sie es bevölkern20. Und ihre Gesandten kamen zu ihnen mit klaren Beweisen21. Und nicht Allah hat ihnen Unrecht getan sondern sie selbst waren es, die sich unrecht taten22. 18. Dies ist ein Aufruf, um über die vorausgegangenen Völker nachzudenken. Diese waren gewöhnliche Menschen und Geschöpfe wie sie selbst. Ihr Ende in der Vergangenheit beschreibt das Ende ihrer Nachfolger in der Zukunft, denn Allahs Gesetz gilt für alle. Keine Generation wird bevorzugt behandelt. Es ist keine unbeständige Willkür wonach Er verfährt und somit ist auch der Ausgang unabänderlich. (Qutb) Das zukünftige Leben wurde nicht nur von Einzelpersonen, sondern von ganzen Völkern geleugnet, die sich gleichgültig verhielten. Die ständige historische Erfahrung zeigt, dass immer dann, wenn in irgendeiner Form das zukünftige Leben geleugnet wurde, die betreffenden Völker moralisch verkamen, einer verantwortungslosen Lebensweise folgten und alle Grenzen der Tyrannei und Unterdrückung durchbrachen, so dass das Ergebnis der Untergang vieler Nationen war. Warum erkennt der Mensch dennoch nicht die dahinterliegenden Gesetzmäßigkeiten? (Maududi) 19. Die Völker Ad und Samud. (Al-Dschalalain) Die ihnen vorausgegangenen Völker und Generationen waren noch mächtiger als diejenigen, zu denen der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesandt wurde. Auch besaßen sie mehr Reichtümer und zahlreichere Nachkommen als sie. (ibn Kasir) 20. Mehr als die kaafir Makkaner. (Al-Dschalalain) Die Worte "asaruu-l-ard" أَثَارُوا الْأَرْض bedeuten entweder "das Land für den Ackerbau pflügen" oder "in der Erde graben", nämlich um Bewässerungskanäle anzulegen, Mineralien zu gewinnen oder ähnliches. (Maududi) Wörtlich: "mehr": "sie bauten es sogar noch besser auf als diese." Der Satz kann auch übersetzt werden: "sie bevölkerten es in großer Zahl." (Asad) Dies antwortet auf das Argument derjenigen, die bloßen materiellen Fortschritt als ein Zeichen für die Rechtschaffenheit eines Volkes betrachten. (Maududi) Mit den Wunderzeichen oder mit den Gesetzen, die sie dann aber verwarfen. (Qurtubi) 21. Keine Generation sollte dem Irrtum zum Opfer fallen, sich für allen früheren Generationen überlegen zu halten. Wir sind vielleicht die Erben früherer Zeitalter, aber das ist kein Grund zur Arroganz, sondern vermehrt im Gegenteil unsere Verantwortung. Wenn wir uns der blühenden Städte und Kulturen bewusst werden, die vor unserer Zeit existierten, und darüber nachdenken, welche Möglichkeiten diese hatten, wie sie aber letztendlich untergingen, als sie dem Gesetz Allahs den Gehorsam verweigerten, bekommen wir ein Gefühl der Demut und sehen, dass es ihre Auflehnung und ihr Eigensinn war, der sie zu Fall brachte. Allah war mehr als gerecht; Er war barmherzig. Aber sie haben ihren eigenen Ruin über sich gebracht. (Juusuf `Allii) Sie kamen mit solchen Zeichen, die sie als wahre Propheten auswiesen. Einerseits waren also die Hinweise im eigenen Inneren der Menschen sowie im Universum um sie herum vorhanden, und andererseits kamen darüber hinaus Propheten, einer nach dem anderen, die deutliche Zeichen brachten und die Völker vor dem bevorstehenden Gericht Allahs warnten. (Maududi) 22. Die Vernichtung dieser Völker geschah nicht durch Allahs Ungerechtigkeit ihnen gegenüber, sondern durch ihre eigene Ungerechtigkeit gegen sich selbst. Wer weder selbst vernünftig nachdenkt noch auf den Rat anderer hört, ist selbst für sein Unglück verantwortlich. Wir können die Schuld dafür nicht Allah zuschieben, denn Allah hat nicht nur Maßnahmen getroffen, durch Seine Schriften und Seine Gesandten den Menschen das notwendige Wissen zu vermitteln, sondern Er hat auch den Menschen mit den intellektuellen Fähigkeiten ausgestattet, mit deren Hilfe er die Authentizität dieser Schriften und Gesandten beurteilen kann. Wenn Allah dies alles nicht zur Verfügung gestellt hätte, dann könnte man Ihm Ungerechtigkeit vorwerfen. (Maududi) 10. Böse war dann23 das Ende derer, die Böses taten24 weil sie die Zeichen Allahs leugneten und sich darüber lustig machten. 23. Der Partikel "Summa" ثُمَّ wird meistens als eine Konjunktion gebraucht, die eine zeitliche oder ordnungsmäßige Abfolge bezeichnet (dann, danach, daraufhin und so weiter), gelegentlich aber auch als gewöhnliche Verbindung wie "und". In einem anderen Zusammenhang -wie es im Qur’an sehr oft vorkommt -hat es die Bedeutung einer wiederholten Betonung, Eine Anspielung auf etwas, das bereits festgestellt wurde und jetzt wiederum hervorgehoben werden soll. (Asad) 24. In diesem Leben scheint Gut und Böse miteinander vermischt zu sein, und dem äußeren Anschein nach bekommen böse Menschen Belohnungen oder Segen, während den Guten das Gegenteil zu geschehen scheint. Dies ist aber nur der vorübergehende Schein. Auf lange Sicht muss das Böse seine eigenen bösen Konsequenzen tragen, die sich mittlerweile angehäuft und vermehrt haben. Letzteres ist darauf zurückzuführen, dass das Böse nicht nur Allahs Botschaft des Guten verworfen, sondern auch verspottet und andere vom rechten Wes abgebracht hat. (Juusuf `Allii) Das Ende war ihre Bestrafung, eine wahrlich schlimme Bestrafung. nämlich das Höllenfeuer. (Safwat Al-Tafsir)
11. Allah ist es, Der die Schöpfung zuerst hervorbringt25, dann lässt Er sie wiedererstehen26. Schließlich werdet ihr zu Ihm zurückgebracht27. 25. Nichts existiert aus sich selbst heraus oder aus eigener Kraft. Allah bringt die gesamte Schöpfung hervor. Was uns als Tod erscheint, ist vielleicht nur eine Verwandlung, denn Allah erneuert die Schöpfung, und Seine Schöpferkraft ist beständig. Unser eigener Tod ist nur ein Phänomen. Was nach dem Tode aus uns wird, ist das Ergebnis eines Neuschöpfungsprozesses Allahs, Der sowohl Ursprung als auch Ziel aller Dinge ist. Wenn wir zu Ihm zurückkehren, dann als bewusste und verantwortliche Wesen, die in der Lage sind, die Folgen ihrer Handlungen in diesem kurzen irdischen Leben zu übernehmen. (Juusuf `Allii) 26. Nach ihrem Tod. (Al-Dschalalain) Die Wiedererstehens ist genau gleich wie die Neuschöpfung. Nichts ist daran so seltsam. Sie sind zwei untrennbare Glieder der Kette der Schöpfung. (Qutb) Versleiche auch Suura 10:4 und die entsprechenden Fußnoten. Eine allgemeineren Formulierung derselben Aussage finden wir in Aja 27 dieser Suura. (Asad) Die Vernunft lest Zeugnis dafür ab, dass derjenige, der die Schöpfung ins Dasein bringt, sie auch ganz leicht wieder nee entstehen lassen kann. Die erste Entstehens der Schöpfung ist eine Tatsache, die vor aller Augen deutlich ist, und selbst Kaafirs müssen eingestehen, dass dies allein Allahs Werk ist. Es wäre eindeutig absurd anzunehmen, Er könnte die Schöpfung nicht wieder nee hervorbringen. (Maududi) 27. Alsdann wird jedem nach seinen Taten vergolten. (ibn Kasir)
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