Von Suura 25 "Die Unterscheidung" Aja 20 –

Suura 27 "Die Ameisen" Aja 55

 

Abschnitt 3 

21. Und diejenigen, die nicht die Begegnung mit Uns erwarten, sagen61: „Wenn nur Engel zu uns herabgesandt würden62 oder wenn wir unseren Herrn nur mit eigenen Augen sehen könnten63!" Wahrlich, sie haben sich für allzu groß gehalten64 und sind in ihrer Widerspenstigkeit sehr weit gegangen65

61. Die Götzendiener hoffen nicht auf die Begegnung mit Allah, das heißt sie erwarten kein solches Zusammentreffen und ziehen sie nicht in Betracht. Auch ihr Leben und ihre Handlungen gestalten nicht auf dieser Grundlage. Denen, die allen Glauben aufgegeben haben und die über das zukünftige Leben spotten, ist nichts heilig. Ihre Arroganz überschreitet jedes Maß. (Juusuf `Allii)

Wörtlich: "die nicht auf ein Zusammentreffen mit Uns hoffen". Das bedeutet, dass sie nicht an eine Auferstehung und folglich auch nicht an Allahs Gericht im zukünftigen Leben den Iman verinnerlichen. (Asad)

Das Wort "radscha" bedeutet manchmal auch nicht "hoffen" sondern "fürchten". (Darjabaadi)

 62. Um den Anspruch des Propheten Muchammad , Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu bestätigen. Die Götzendiener betrachteten die Engel als eine Art Untergottheiten. (Darjabaadi)

Vergleiche auch Suura 6:124 und die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi)

 63. Vergleiche Suura 2:55. Auch die Israeliten zu Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Zeit verlangten, Allah zu sehen. Sie wurden jedoch von Donner und Blitz betäubt, als sie hinschauten. Wäre Allah ihnen nicht gnädig gewesen, dann hätten sie dabei ihr Leben verloren. (Juusuf `Allii)

 64. Sie hielten es für unwahrscheinlich, dass ein Mensch Allahs Gesandter sein könnte, und forderten als Vorbedingung dafür, den Islam anzunehmen, dass ihnen Engel geschickt werden, um als Zeuge seiner Wahrhaftigkeit zu fungieren, oder dass sie Allah selbst zur Beglaubigung sehen können. Dies ist eine Frechheit Allah gegenüber, die Frechheit eines Unwissenden, Achtlosen, der die Erhabenheit Allahs nicht in seinem Inneren spürt und der Allah nicht richtig einschätzt. Wer sind sie eigentlich, dass sie sich derart anmaßend benehmen? Sind sie nicht in Allahs Reich und Schöpfung, wie ein kleines Sträußchen, das solange verloren ist, bis es seinen eigentlichen Wert durch den Islam bezogen hat? Sie sind sich so bedeutend vorgekommen, dass ihr Hochmut sie zur Überschreitung des Maßes führte. Sie empfanden sich als würdig genug, dass Allah sich ihnen zeige, damit sie glauben und ihre Zustimmung dazu gäben. (Qutb)

 65. "Utuw" عُتُو ist das höchste Maß an Kufr und das ungeheuerste Unrecht. Wie sollten sie sich mit den Engeln begnügen, wenn sie sich nicht mit all den Wundern und mit diesem Qur’an begnügen wollen?! (Qurtubi)

 

22. An dem Tag, an dem sie die Engel sehen werden, wird es keine frohe Botschaft für die Sünder geben66, und denn (die Engel) werden (zu ihnen) sagen: „Verboten ist es euch und verwehrt67!

66. Der Tag, an dem ihre Forderung erfüllt wird, die Engel zu sehen, wird für sie kein Anlass zur Freude sein, sondern des Leides. (Qutb)

Am Auferstehungstag. (Darjabaadi)

Während die einen sagen, dass dies der Tag der Auferstehung sei, meinen andere, dass es der Tag ihres Todes ist, an dem die Engel ihnen die Nachricht vom Höllenfeuer überbringen werden. (ibn Kasir)

Vergleiche auch Suura 6:8 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

Vergleiche auch Suura 15:7-8, 15:51-64 und 17:90-95 und die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi)

 67. Glückseligkeit und Frieden, die der normale Zustand in der zukünftigen Welt sind, bleiben ihnen versagt. Ihre eigene Vergangenheit steht ihnen im Wege und versperrt ihnen den Zugang dazu.

(Juusuf `Allii)

Die frohe Botschaft, die den Mutaqis übermittelt wird, wird ihnen verwehrt und untersagt. (ibn Kasir)

 

23. Und Wir werden uns dem, was sie gewirkt haben68 zuwenden und werden es in alle Winde zerstreuen69.

68. In ihrer Lebenszeit; ihre Handlungen, die sie für gut und einträglich hielten. (Darjabaadi)

 69. Sie sind nutzlos. Aufgrund ihres Kufr sind ihre Werke zur Wertlosigkeit verdammt. (Qurtubi)

Ohne Belohnung, weil ohne Voraussetzung. (Al-Dschalalain)

Wie in der Luft aufgewirbelter Staub, der eine feste Basis vermissen lässt. Von Tabari wird das so erklärt: Was haben sie wertlos gemacht, da diese Werte zum Gefallen des Teufels gemacht wurden und nicht zum Gefallen Allahs. Die falschen Hoffnungen, nach denen sie ihr irdisches Leben ausgerichtet hatten, und die Handlungen, die sie dementsprechend vornahmen, zerstreuen sich wie Staub im Wind. Sie haben keinerlei Wert. (Juusuf `Allii)

Die Existenz des Menschen, sein Leben und sein Handeln sind nach islamischer Anschauung alle mit den Wurzeln dieser Existenz verbunden und mit den Gesetzmäßigkeiten, die sie regieren und auf Allah selbst zurückgehen. Wenn sich der Mensch in seinem Leben von dem Zentrum trennt, das ihn mit der Wurzel der Existenz verbindet, so wird er zu einem verlorenen Etwas, ohne Wert und Gewicht und seine Handlungen unbeständig und sinnlos. Denn der Iman ist es, der den Menschen mit seinem Schöpfer und Erhalter verbindet und seinen Handlungen Wert und Gewicht gibt und dem Menschen selbst seinen Platz in der Struktur und im Aufbau dieses Daseins. (Qutb)

Vergleiche Suura 40:16. (Mauduudi)

 

24. Die Besitzer des Gartens werden an diesem Tag einen besseren Standort und eine bessere Raststätte haben70.

 70. Nun wendet sich der Qur’an der anderen Seite zu, der der Mu'mins, der Besitzer des Paradieses. Sie haben einen festen Standort und dürfen sich an schattigen Plätzen ausruhen. Ein fester Standort steht hier im Gegensatz zu den zerstreuten Staubteilchen. (Qutb)

Ein Platz, an dem das Mittagsschläfchen gehalten wird oder allgemein die Mittagsruhe. (Safwat Al-Bajan)

 

25. Und am Tag, an dem der Himmel samt den Wolken sich spalten wird71, und Engel in Scharen herniedergesandt werden72,

71. Es wird eine neue Welt geben, und die Symbolik, die sie beschreibt, muss notwendigerweise aus dem Bereich unserer gegenwärtigen Erfahrung mit den feinsten Naturereignissen genommen werden. Der Himmel, der uns jetzt entfernt und unbewohnt erscheint, wird zerrissen. Dann erscheinen Wolken der Herrlichkeit - Engel und geistige Lichter aller Abstufungen und die wahre Herrlichkeit und Güte Allahs wird sichtbar. (Juusuf `Allii)

72. Aus allen Himmelsbereichen. (Al-Dschalalain)

Wie viele andere Ajas im Qur’an, so schildert auch dieser auf anschauliche Weise die furchtbaren Ereignisse an jenem Tage. Vergleiche auch beispielsweise Suura 101; 99; 84; 82; 81 und viele andere, die alle den Tag des Gerichtes zum Thema haben. Alle diese Stellen berichten von einer globalen Vernichtung und von einer Konfrontation mit dem Schöpfer. (Qutb)

 

26. Die Herrschaft wird an diesem Tag das alleinige Recht des Allbarmherzigen sein73, und für die Kaafirs ist es ein Tag voller Härte.

 73. Vergleiche oben Fußnote 71. (Juusuf `Allii)

Alle anderen Herrschaftssysteme, die in dieser Welt die Menschen getäuscht hatten, finden ihr Ende, und es bleibt nur Allahs Reich bestehen. Er ist der wirkliche König des Universums. Vergleiche Suura 40:16. Nach einer Überlieferung sagte der Prophet - Friede sei mit ihm: „Gott nimmt den Himmel in die eine Hand und die Erde in die andere und spricht: „Ich bin der Herr, ich bin der Regierende. Wo sind nun alle die anderen Herren der Welt? Wo sind sie, die Tyrannen? Wo sind die Hochmütigen"` (Mauduudi)

 

27. Und an diesem Tag wird der Sünder sich in die Hände beißen74 und sprechen „O wehe mir! Hätte ich doch nur den Weg des Propheten eingeschlagen75!

 74. Entweder beißt er abwechselnd in beide Hände, denn nur eine genügt ihm nicht, oder aber er beißt sich in beide Hände zugleich als Ausdruck seiner brennenden Reue. (Qutb)

Und zwar am Tage der Auferstehung. (Al-Dschalalain)

 75. Der Wortlaut ist allgemein gehalten, und die Aussage ist allgemeingültig. Ein Mensch, der tatsächlich die Wahrheit empfangen hat und sich auf dem rechten Weg befindet, macht sich um so mehr schuldig, wenn er sich durch die Machenschaften falscher irdischer Freunde von diesem Weg abbringen lässt. Bei der speziellen Person, die die Kommentatoren in diesem Zusammenhang erwähnen, handelt es sich um einen gewissen 'Uqba, der das Licht des Islam empfing, dann jedoch von einem seiner irdischen Freunde zu Kufr verleitet wurde. Er fand schließlich ein böses Ende. (Juusuf `Allii)

Die Begriffe "Prophet" und "Sünder" sind hier offensichtlich als Gattungsbegriffe verwendet worden und beziehen sich auf alle Propheten beziehungsweise auf alle, die bewusst und absichtlich die Führung des Propheten lehnen. (Asad)

 

28. Ach, wehe mir! Hätte ich mir doch nur keinen solchen Freund genommen76!

 76. Der Ausdruck "soundso" ("fulaan") فُلَان bezeichnet jede Person oder jeden möglichen personifizierten Einfluss, der für die Irreführung eines Menschen verantwortlich ist. (Asad)

Soundso ("fulan") in unbestimmter Form gesetzt, um jeden schlechten Gefährten einzuschließen, der vom Wege des Propheten und vom Gedenken Allahs abwendig macht. (Qutb)

 

29. Denn er hat mich wahrlich irregeleitet hinweg von der Ermahnung, die mir zuteil geworden ist." Und Schaytaan hat sich den Menschen gegenüber als Verräter erwiesen77.

77. Die verführerischen Launen des Bösen sind nur eine Falle. Sie sind trügerisch. Sobald jemand hineingeraten ist und nicht mehr entkommen kann, wird er im Stich gelassen. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 15:17 und 14:22 sowie die entsprechenden Fußnoten, wo der Begriff "Schaytaan" erläutert wird. (Asad)

"Schaytaan hat sich dem Menschen gegenüber als Verräter erwiesen", kann die Klage der Kaafirs sein oder auch eine Feststellung Allahs in dem Sinne, dass Satan immer die Menschen verrät. (Mauduudi)

Vergleiche auch beispielsweise Suura 7.23 und andere Stellen, wo Schaytaan als "offenkundiger Feind" des Menschen bezeichnet wird. (Anm. d. Übers.)

Er pflegt den Kaafirs und sich von ihm loszusprechen, sobald ihm eine Heimsuchung widerfährt. (Al-Dschalalain)

 

30. Und der Gesandte wird sagen78: „O mein Herr! Wahrlich, mein Volk79 lässt diesen Qur’an völlig außer Acht80."

78. Damit ist der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gemeint, der sich bei Allah über sein Volk beklagt hatte. (Qurtubi)

Mein Einschub der Worte "an jenem Tage" und die (linguistisch mögliche) Übersetzung des Wortes "qala" قَالَ ("er sprach") it der Zukunft ist auf der entsprechenden Interpretation großer Kommentatoren wie Abu Muslim (zitiert bei Rasi) oder Barawi begründet. (Asad)

 

31. Auf diese Weise81 gaben Wir jedem Propheten einen Feind unter den Übeltätern82. Doch dein Herr soll genügen als Führer und Beschützer83.

79. Das heißt, das Volk, das ich vergebens angesprochen und aufgerufen habe. (Darjabaadi)

Damit sind die Quraisch gemeint. (Al-Dschalalain)

80. Allah weiß dies alles sehr wohl. Aber dies hier ist ein Gebet der Trauer und Betroffenheit, mit dem er seinen Herrn als Zeugen ruft, dass er keine Mühe scheute, seine Aufgabe zu erfüllen. Sein Volk jedoch hatte sich geweigert, den Qur’an anzuhören, geschweige denn über ihn nachzudenken. (Qutb)

Wenn der Qur’an rezitiert wurde, pflegten sie laut zu reden und zu lärmen, um ihn zu übertönen. Sie hatten ihm insofern keine Beachtung geschenkt, dadurch, dass sie sich weigerten, an ihn den Iman zu verinnerlichen und als Wahrheit anzuerkennen. (ibn Kasir)

In diesem Fall handelt es sich besonders um die kaafir Quraisch. Sie waren jedoch nur eine Handvoll von Leuten, deren alteingesessene Interessen durch die nützlichen Reformen des Islam in Frage gestellt wurden. Sie verschwanden bald von der Szene der Weltgeschichte, und alle Völker, die Arabisch sprechen oder verstehen konnten, haben seither den Qur’an als eine Schatzkammer der Wahrheit betrachtet, die in der denkbar schönsten Sprache ausgedrückt wird und sich vertieft, je länger man sich damit beschäftigt. (Juusuf `Allii)

Sie betrachten den Qur’an als eine Äußerung reiner Wunschvorstellungen oder als etwas, was im Laufe der Zeit "nicht mehr relevant" ist. Da viele von denen, die die Botschaft des Qur’an erreichte, sie als Offenbarung Allahs betrachteten und bis heute betrachten und daher in jeder Hinsicht als "relevant" ansehen, kann sich der Ausdruck "mein Volk" hier offensichtlich nicht auf die Gesamtheit der Gemeinschaft des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nationalen oder ideologischen Sinne) beziehen, sondern nur auf solche seiner nominalen Anhänger, die allen Iman an die Botschaft im Qur’an verloren haben. Daher habe ich übersetzt: "(einige von) meinem Volk". (Asad)

Das arabische Wort "machdschuur" مَهْجُور bedeutet "nicht ernst zu nehmen" oder "nicht von Bedeutung" oder "unsinnig und lächerlich". (Mauduudi)

81. So wie im Falle des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm.(Darjabaadi)

82. Damit soll der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, getröstet werden. (Darjabaadi)

Der Wahrheit bekundender Iman kommt immer zu gegebener Zeit, um die Lasterhaftigkeit einer Gemeinschaft oder der Menschheit im allgemeinen zu beseitigen. So ist es ganz natürlich, dass die Übeltäter, die dahinter stecken, sich in den Weg der Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und mit ihnen die Religionen stellen, um ihre Existenz zu wahren. (Qutb)

Vergleiche Suura 6:112, die sich in ähnlicher Weise auf die Kräfte des Bösen (schayjatin) besieht, mit denen sich jeder Prophet auseinandersetzen muss. Die "glitzernden Halbwahrheiten, die die Vernunft verblenden sollen," von denen dort die Rede ist, werden im vorliegenden Abschnitt durch das trügerische Argument repräsentiert, der Qur’an, der vor vierzehnhundert Jahren offenbart wurde, müsste jetzt als nicht mehr zeitgemäß betrachtet werden; dies ist in diesem Aja im wahrsten Sinne des Wortes prophetisch zu verstehen. (Asad)

Es ist eine Gesetzmäßigkeit, dass die Bösen sich gegen die Wahrheit wenden. Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, soll deswegen entschlossen und voller Zuversicht seinen Auftrag ausführen, ohne sofortige Ergebnisse zu erwarten. (Mauduudi)

83. Er ist Führer und Beschützer für jeden, der seinen Gesandten befolgt, an Sein Buch den Iman verinnerlicht und sich nach ihm richtet. (ibn Kasir)

Das Böse ist von Natur aus der Wahrheit und Rechtschaffenheit gegenüber feindselig eingestellt. Aber eine solche Feindseligkeit schadet den Rechtschaffenen nicht und muss kein Misstrauen auslösen, denn Allah führt und leitet diejenigen, die sich für Seine Sache einsetzen. Was könnte besser und effektiver sein als Seine Hilfe? (Juusuf `Allii)

Er führt alle, die den Iman verinnerlichen wollen, und schützt sie vor ihren Feinden. (Darjabaadi)

"Führung" beschränkt sich nicht allein darauf, dass man Wissen von der Wahrheit empfängt, sondern es handelt sich auch um rechte Leitung zur rechten Zeit, um die islamische Bewegung nach den rechten Grundsätzen zu führen und die Strategien und Pläne der Feinde des Islam zunichte zu machen. "Hilfe" bedeutet moralische, geistige und materielle Hilfe aller Art für die Anhänger der Wahrheit in ihrer Auseinandersetzung mit dem Trug. Somit genügt Allah als Hilfe für die Rechtschaffenen, und sie brauchen keine andere Stütze- wenn sie volles Vertrauen in Ihn setzen und mit all ihrer Kraft dem Bösen entgegentreten. Damit sollen der Prophet und die Mu'mins ermutigt werden. (Mauduudi)

 

32. Und diejenigen, die kaafir sind, würden sprechen: „Wäre nur der ganze Qur’an ihm auf einmal herabgesandt worden84?" Wir taten dies, um dadurch dein Herz zu festigen85. Und Wir haben ihn dir nach und nach wohlgeordnet vorgetragen86.

84. Wie die Bücher vor ihm, wie die Thora, das Evangelium und der Psalter. (ibn Kasir)

Der Qur’an wurde offenbart, um ein Volk zu erziehen, eine Gesellschaft aufzubauen und eine Ordnung zu schaffen. Erziehung braucht Zeit, Beeinflussung und Wirkung durch das Gesagte, sowie eine Bewegung, die diesem Einfluss übersetzt und die Wirkung zu einer Realität werden lässt. Die Psyche des Menschen ist nämlich nicht in der Lage, sich von einem Tag auf den anderen völlig umzustellen durch das Studium eines abgeschlossenen Buches mit einer völlig neuen umfassenden Lehre, sondern begreift Tag für Tag ein bisschen mehr, wächst langsam heran und gewöhnt sich allmählich daran, seine Belastungen nach und nach auf sich zu nehmen. Der Qur’an brachte einen vollkommenen Weg, der das gesamte Leben umfasst. Er brachte zugleich eine Erziehungsmethode, die an die natürliche Veranlagung des Menschen angepasst ist, um von Tag zu Tag im Schatten von Lehre Allahs und Gesetz heranzuwachsen. Aus diesem Grund wurde der Qur’an allmählich und abschnittweise entsprechend den jeweiligen Gegebenheiten offenbart. (Qutb)

Aufgrund der schrittweise Offenbarung des Qur’an glaubten die Gegner des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ein weiteres Argument für ihre Unterstellung gefunden zu haben, er habe ihn entsprechend der gesellschaftlichen und politischen Situation selbst "zusammengestellt". (Asad)

85. Damit du es im Gedächtnis bewahrst. Denn während die anderen Bücher Propheten offenbart wurden, die des Lesens und Schreibens mächtig waren, ist der Qur’an einem Propheten offenbart worden, der das nicht konnte. (Qurtubi)

Drei Gründe werden für die schrittweise Offenbarung des Qur’an angegeben:

1. "um dein Herz zu festigen": die gewaltige Aufgabe, das arabische Volk und dadurch schließlich die ganze Welt für den Islam zu gewinnen, erforderte übermenschliche Geduld, Standhaftigkeit und Festigkeit, und diese Eigenschaften wurden dadurch gestärkt, dass schrittweise Lösungen für jeweils auftretende Probleme offenbart wurden.

2. "Langsam, in wohlgeordneten Schritten": obwohl dies allmählich voranging, wie es die jeweilige Situation erforderte, ging das ganze im Laufe der dreiundzwanzig Jahre nach seinem Abschluss als ein wohlgeordnetes Schema zur geistigen Instruktion daraus hervor, wie wir es auch an der Anordnung der Suuras ablesen können.

3. "Fragen und Antworten": siehe die Fußnoten zum nächsten Aja. (Juusuf `Allii)

Um dir Mut und Beständigkeit zu geben und Gedächtnis und Verständnisvermögen zu stärken. (Darjabaadi)

86. Der kurzgefaßte Satz "rattalnaahu tartiilan" َرَتَّلْنَاهُ تَرْتِيلاً enthält gleichzeitig die Vorstellung des "Zusammensetzens von Bestandteilen in einer bestimmten Ordnung" wie die einer "Verleihung inneren Zusammenhangs". Da die völlig harmonische Ordnung und das Freisein von inneren Widersprüchen in einer Botschaft, die sich dreiundzwanzig Jahre lang über ein so bewegtes Leben wie das des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erstreckt, deutlich auf ihre Qualität als Offenbarung hinweist, stärkt sie unweigerlich den Iman eines jeden nachdenkenden Mu'mins. Hierin liegt nach der Aussage des Qur’an selbst der tiefste Grund dafür, dass er langsam und allmählich offenbart wurde. Wenn der Begriff "tartil" تَرْتِيل auf die Rezitation des Qur’an angewendet wird, wie es in Suura 73:4 der Fall ist, dann bezieht er sich auf langsamen, deutlichen Vortrag. (Asad)

 

33. Und sie kommen mit keinem Gleichnis zu dir87, ohne dass Wir dir die Wahrheit88 und die schönste Erklärung zuteil werden lassen89.

87. Mit dem sie einen Fehler im Qur’an oder beim Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, aufzudecken versuchen. (ibn Kasir)

Mit dem sie deinen Auftrag zunichte machen wollen. (Al-Dschalalain)

Wörtlich: "sie kommen niemals zu dir mit einem Vergleich (masal مَثَل)", das heißt mit allem Anschein nach einleuchtenden parabolischen Einwänden (wie beispielsweise in den Ajas 7-8, 21 und 32 dieser Suura sowie an vielen anderen Stellen im Qur’an), die Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Prophetentum und damit die Tatsache der Offenbarung des Qur’ans in Zweifel ziehen sollen. (Asad)

88. Durch den Qur’an selbst als Antwort darauf. (Darjabaadi)

Der alleinige Sieg beim Disput ist nicht das Ziel des Qur’ans, sondern die Festsetzung der unwiderlegbaren Wahrheit ist der Zweck der Beantwortung ihrer Einwände. (Qutb)

89. Damit machen Wir ihre Scheinargumente zunichte. (Safwat Al-Tafsir)

Die beste Erläuterung der betreffenden Probleme oder Fragestellungen: eine Anspielung auf das sich selbst erklärende Wesen des Qur'an In diesem gesamten Abschnitt (Ajas 30-34) bezieht sich das Personalpronomen "du" nicht nur auf den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sondern auf alle seine Nachfolger in allen Zeitaltern. (Asad)

Dies ist eine weitere Weisheit, die der schrittweisen Offenbarung des Qur’an zugrungeliegt. Allah wollte nicht ein "Handbuch der Rechtleitung" herabschicken und dessen Richtlinien mittels des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verbreiten. In diesem Fall hätten die Kaafirs mit ihren Vorwürfen recht gehabt. In Wirklichkeit wollte Allah jedoch eine Bewegung des Iman und der Taqwa in Gang setzen, um Kufr, Unwissenheit und Unrecht entgegenzutreten, und Er hat Seinen Prophet erweckt, um diese Bewegung zu leiten. Dementsprechend hat Er dem Führer dieser Bewegung und seinen Anhängern die notwendige Führung zukommen lassen, wie und wo sie notwendig war, und andererseits hat Er die Einwände und Zweifel der Gegner beantwortet und die Dinge richtig interpretiert, die sie missverstanden hatten. Auf diese Weise war der Qur’an eine Sammlung verschiedener Diskurse, die Allah offenbart hatte. Er ist nicht lediglich ein Buch mit Gesetzen oder moralischen Prinzipien, sondern ein Buch, das Schritt für Schritt die Bewegung in allen ihren Entwicklungsstadien begleiten sollte. (Mauduudi)

 

34. Diejenigen, die auf ihren Gesichtern zur Hölle getrieben werden90, befinden sich wahrlich in einer schlimmen Lage und sind am weitesten vom Weg abgeirrt91.

90. In Schmach und Schande. (Juusuf `Allii)

In äußerster geistiger Erniedrigung. (Asad)

Von ibn Anas ist überliefert, dass ein Mann den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gefragt hat: „Wie wird Allah den Kaafirs auf seinem Gesicht in die Hölle treiben lassen?" Der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, antwortete: „Derjenige, Der ihn auf den Füßen hat gehen lassen, hat auch die Macht, ihn auf seinem Gesicht laufen zu lassen." (ibn Kasir)

91. Diese Szenerie wird den Kaafirs vorgeführt als Warnung vor dem, was sie erwartet, um ihren Hochmut zu bezwingen und ihre Widerspenstigkeit zu erschüttern. Tatsächlich hat sie auch stets Wirkung bei ihnen gezeigt. (Qutb)

Dieser Aja kann Aja 24 oben gegenübergestellt und mit ihm verglichen werden. Hier wird die Argumentation über den Unterschied zwischen Gut und Böse und ihre Folgen abgerundet. Die Guten sollen den "schönsten Aufenthaltsort" bekommen; im Gegensatz dazu sind die Bösen „weit vom Weg abgeirrt", sie finden keine Ruhe, und ihre Wanderung führt ins Nirgendwo. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 17:72 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

 

Abschnitt 4

35. Und Wir haben bereits vordem Muusa das Buch92 gegeben und Wir ernannten mit ihm seinen Bruder  Haruun als Helfer93.

92. Das Wort "Buch" bezeichnet hier nicht die Thora, die Muusa nach seinem Auszug aus Ägypten gegeben wurde, sondern die Rechtleitung Allahs, die ihm nach seiner Berufung zum Propheten bis zu seinem Auszug zuteil wurde. Darin eingeschlossen waren seine Reden am Hof des Pharao sowie die Anweisungen, die ihm während des Konflikts mit ihm gegeben wurden, wie im Qur’an an verschiedenen Stellen erwähnt werden. Diese Dinge war wahrscheinlich nicht ursprünglich in der Thora enthalten, denn die Thora begann mit den Zehn Geboten, die Muusa, auf Steintafeln eingemeißelt, am Berg Sinai bekam. (Mauduudi)

Allah droht hier denen, die den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, leugneten und sich ihm widersetze dass ihnen, falls sie dabei blieben, das gleiche widerfahren wird wie den Völkern vor ihnen, die sich gegen ihre Gesandte auflehnten. Muusa, schichte wird als erstes Beispiel aufgeführt. (ibn Kasir)

93. Vergleiche Suura 20:29 und den ganzen dort folgenden Abschnitt, auf den hier nur kurz Bezug genommen wird, um zu verdeutlichen, wie frühere Propheten behandelt wurden, wie sie jedoch an der ihnen zuteil gewordenen Offenbarung festhielten und damit zwischen Gut und Böse unterscheiden konnten. (Juusuf `Allii)

In der Fußnote zu Suura 20:29 wird auch der Begriff "wasiir" وَزِير erläutert. In den folgenden Ajas soll die Aussage aus Aja 31 oben illustriert werden, dass jeder Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Feinde unter denen hat, die im Unrecht befangen sind. (Asad)

 

36. Hierauf sagten Wir: „Geht beide zu dem Volk, das Unsere Zeichen94 geleugnet hat." Dann aber vernichteten wir sie ganz und gar.

94. Dies waren die sieben leuchtenden Wunder. (Safwat Al-Tafsir)

"Unsere Zeichen": die Lehren Allahs, die durch die Propheten Ja`quub und Juusuf, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, zu ihnen gekommen waren und die ihnen von den rechtschaffenen Menschen des Volkes Israel jahrhundertelang weitervermittelt wurden. (Mauduudi)

Einen Gesandten Allahs abzulehnen ist gleichbedeutend mit der Ablehnung aller Gesandten, denn sie lehren im wesentlichen dasselbe. (Darjabaadi)

 

37. Auch das Volk Nuuchs ließen Wir, als es die Gesandten zu Lügnern erklärte95, ertrinken und machten es zu einem Zeichen für die Menschen96. Und für die Ungerechten haben Wir eine schmerzliche Strafe bereitet97,

95. Dass "Qaum" قَوْم im Akkusativ steht, kann zweierlei bedeuten; entweder heißt es: „Und erwähne das Volk Nuuchs", oder aber es heißt: "Und das Volk Nuuchs haben wir auch zerstört." (Qurtubi)

96. Das Zeichen der Sintflut, das niemals in Vergessenheit gerät. (Qutb)

Ein deutliches Zeichen, das Unsere Macht aufzeigt und eine Lehre für den, der es zu sehen oder zu hören bekommt. (Safwat Al-Bajan)

Die Geschichten von Nuuch und dem Propheten der Völker `Aad und Samud (und anderer Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen) sowie der Reaktion ihrer Völker auf ihre Botschaft werden unten in Suura 26:106-159 erwähnt. In dieser Suura sollen sie nur veranschaulichen, wie wenig Respekt man in vergangenen Zeiten vor dem Propheten und Lehrern der Wahrheit hatte. Aber darunter leidet Allahs Wahrheit nicht: es waren letztendlich die Wahrheitsleugner, die dahingingen. (Juusuf `Allii)

97. Noch zusätzlich im zukünftigen Leben. (Al-Dschalalain)

 

38. Und ebenso für die ’Aad und die Samud und die Leute von Rass98 und viele andere Völker99 dazwischen.

98. Die Kommentatoren sagen nichts Bestimmtes darüber aus, wer die "Leute von Rass" waren. Das Wort "Rass" الرَّس bedeutet eigentlich ein alter Brunnen oder ein Wasserloch. Eine andere Wurzel verbindet es mit der Beerdigung von Toten. Wahrscheinlich ist es jedoch der Name eines Ortes oder einer Stadt. Es kann sich sehr wohl um Schu'aibs Volk handeln, denn hier werden die 'Aad und Tamuud und Luuts Volk erwähnt, und in einer ähnlichen Verbindung steht Su'aibs Volk in Suura 25:176-190 sowie in Suura 11:84-95. Vergleiche auch die Fußnoten dort. Es gibt, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, jedoch auch eine Oasenstadt in Nadschd im Zentrum der arabischen Halbinsel mitten zwischen Makka und Basra. (Juusuf `Allii)

Diese Stadt in Zentralarabien scheint von Nachkommen der nabatäischen Stämme der Tamuud bewohnt gewesen zu sein. Es gibt jedoch noch verschiedene andere Möglichkeiten, "Ar-rass" zu identifizieren. Rasi zitiert mehrere davon, lehnt sie aber alle als bloße Vermutungen ab. (Asad)

All diese Völker sind vom gleichen Schicksal ereilt worden, als sie den Lehrbeispielen, die ihnen dargelegt wurden, den Rücken kehrten. (Qutb)

99. Für jede der genannten Generationen. (Darjabaadi)

 

39. Und für alle prägten Wir Gleichnisse100. Und alle gaben Wir der völligen Zerstörung preis101.

100. Zu ihrer Ermahnung und Belehrung. (Darjabaadi)

Auf die sie nicht hörten. Ich übersetze das Wort "masaal" مثَالَ hier mit "Lehre" oder "Lektion"; vergleiche diesbezüglich auch Suura 17:89 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

101. Aufgrund ihres Ungehorsams und ihrer aufrührerischen Haltung. (Darjabaadi)

Als sie Unseren Mahnungen kein Gehör schenken wollten. (Al-Dschalalain)

 

40. Und sie102 müssen doch vorübergekommen sein103 an der Stadt, auf die ein Unheil bringender Steinregen herabgegangen war104. Warum haben sie also nicht hingeschaut105? Doch nein, sie ziehen die Wiederauferstehung nicht in Betracht106.

102. Die Quraisch von Makka. (Safwat Al-Tafsir)

103. Auf ihren Handelsreisen nach Syrien. (Darjabaadi)

104. Dies bezieht sich auf die Geschichte von Luut, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und der Vernichtung von Sodom und Gomorrha, den lasterhaften Städten in der Ebene des Toten Meeres, durch einen Regen von Bimsstein. Der Ort liegt an der Karawanenstraße von Ägypten nach Syrien. Vergleiche auch Suura 15:74-75 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

Die Redewendung "sie sind vorübergekommen" kann auf zweierlei Weise verstanden werden:

1. buchstäblich in dem Sinne, dass die Zeitgenossen des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf der gewohnten Karawanenstraße am Toten Meer und damit auch an der Stätte des ehemaligen Sodom und Gomorrha vorbeigekommen sind, und

2. im übertragenen Sinne, dass man durch Lesen oder Hörensagen auf diese Sache aufmerksam geworden ist, - in diesem Falle bezieht es sich auf Menschen aller Zeiten und auf die Tatsache, dass die Geschichte von Sodom und Gomorrha ein Teil des moralischen Erbes der Menschheit ist. (Asad)

105. Um Lehren aus ihrer Geschichte zu ziehen. (ibn Kasir)

106. Wörtlich: "sie erhoffen (oder erwarten oder glauben an) keine Auferstehung". (Asad)

Dies ist der Grund ihrer Ablehnung und der Härte ihrer Herzen. (Qutb)

Da die Kaafirs nicht an ein zukünftiges Leben glaubten, betrachteten sie diese Ruinen lediglich als Zuschauer und zogen keine Lehren daraus. Dies ist der Unterschied zwischen der Beobachtung eines Kaafirs und eines Mu'mins: ersterer sieht solche Dinge als Sehenswürdigkeit oder höchstens wie ein Archäologe, während letzterer daraus geistige Lehren zieht und eine Einsicht in Realitäten jenseits dieses irdischen Lebens gewinnt. (Mauduudi)

 

41. Und wenn sie dich sehen, dann treiben sie nur Spott mit dir: „Ist das jener, den Allah zum Gesandten gemacht hat?"107

107. Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hatte, vor seiner Sendung eine hohe Stellung in seinem Volk genossen. Doch als er ihnen den Qur’an übermittelte, änderte sich ihre Haltung. So fingen sie an, sich mit diesen Worten über ihn lustig zu machen. Waren sie wirklich davon überzeugt, dass seine Person oder das, was er ihnen überbrachte, diesen Spott verdiente? Nichts von alldem. Vielmehr war es ein sorgfältig ausgeklügelter Plan der Führer der Quraisch, um die Wirkung, die von ihm selbst und von dem unwiderstehlichen Qur’an ausging, zu schmälern. Und dies war ein Mittel, der Botschaft entgegenzutreten. ibn Lahar berichtet: „dass einige Führer der Quraisch sich bei Walid ibn Al-Murirach versammelten, als es Zeit für die Pilgerfahrt war. Und der sprach zu ihnen: „Die Zeit der Pilgerfahrt ist gekommen, und die Vertreter der arabischen Stämme kommen zu euch, und werden auch von diesem Eurem Gefährten gehört haben. Darum findet einen Konsens in euren Ansichten über ihn, damit nicht der eine von euch dem anderen mit seiner Meinung in den Rücken fällt.“ Sie erwiderten: „Sag uns deine Meinung, die wir dann befolgen wollen.“ Er sagte: „Nein, sagt ihr eure Meinung, und ich höre erst einmal zu.“ Sie sagten: „Wir sagen, dass er ein Wahrsager ist.“ Darauf entgegnete er: Nein, bei Gott, das ist er nicht, denn er hat weder das Murmeln noch die gereimte Redeweise eines Wahrsagers, das wir kennen.“ „Dann sagen wir, dass er besessen sei.“ meinten sie. „Nein, das ist er nicht,“ sagte er, „wir haben Besessenheit gesehen und kennen sie, aber bei ihm gibt es keine solchen Anfälle und kein solch ersticktes Flüstern.“ „Dann sagen wir, dass er ein Dichter sei.“ schlugen sie vor. „Das ist er nicht,“ entgegnete er, „denn wir kennen doch Dichtung mit all ihren Formen. Und es ist keine Dichtung was er spricht.“ Dann sagen wir, „er sei ein Magier“ überlegten sie. „Das ist er auch nicht,“ wandte er ein, „wir haben die Zauberer und ihre Zauber gesehen. Er aber spuckt weder in etwas noch knotet er etwas.“ „Dann sag du uns, was wir sagen sollen.“ Er erwiderte: „Bei Gott, seine Äußerung ist schön, seine Wurzel ist die einer Palme, und seine Zweige tragen reife Früchte. Und wenn ihr etwas von dem erwähnt, was ihr vorher gesagt habt, dann wird es sofort als falsch zurückgewiesen. Das einzige, was ihr sagen könnt, ist, dass er ein Magier ist mit einer Botschaft, durch die er einen Mann von seinem Vater oder seinem Bruder oder seiner Frau oder seiner Familie trennt." (Qutb)

 

42. Es fehlte wenig und Er hätte uns von unseren Göttern abgebracht108, wenn wir ihnen nicht die Treue gehalten hätten109. „Doch bald werden sie wissen, wenn sie die Strafe zu sehen bekommen, wer am weitesten vom Weg abgeirrt ist110.

108. Durch seine Beredsamkeit. (Darjabaadi)

109. Es gibt einen offensichtlichen Widerspruch zwischen der von den Kaafirs gestellten Frage (im vorigen Aja) und der Behauptung, die sie bezüglich ihrer Gottheiten aufstellen. Die Frage sollte ihre Verachtung dem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gegenüber ausdrücken „Du erhebst einen Anspruch, der deine niedrige gesellschaftliche Stellung bei weitem übersteigt." Ihre Behauptung zeigt andererseits, dass sie indirekt die Kraft seiner Argumente und den einwandfreien Charakter des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, eingestanden und sogar vor dem Erfolg seiner Botschaft Angst hatten, die sie nach ihrer eigenen Aussage beinahe von ihren Göttern abwendig gemacht hatte. (Mauduudi)

110. "Weg" (sabiil) سَبِيل ist hier fast gleichbedeutend mit Verhalten oder Lebensweise. (Juusuf `Allii)

Sie werden ganz genau wissen, ob das, was er ihnen gebracht hat, die Rechtleitung oder die Fehlleitung ist, aber erst zu der Zeit, da kein Wissen mehr nützt, der Zeit, da sie die Strafe zu sehen bekommen, sei es in dieser Welt, wie in diesem Fall beispielsweise bei der Schlacht von Badr, sei es im Jenseits, wenn sie die Qualen des jüngsten Tages zu kosten bekommen. (Qutb)

 

43. Siehst du111 den, der seine niederen Begierden zu Göttern nimmt112? Kannst du ihn etwa davor bewahren113?

111. Damit ist der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, angesprochen. (Darjabaadi)

112. Dieser merkwürdige Ausdruck veranschaulicht tief und gründlich einen bestimmten psychischen Zustand, der eintritt, wenn die Seele alle festen Regeln und anerkannten Maßstäbe überschreitet und lediglich ihren Gelüsten folgt und nur sich selbst dient und verehrt. Dann wird sie keine Grenzen mehr erkennen und keine Logik kann sie überzeugen, wenn diese ihrem Wunschdenken widerspricht. (Qutb)

Jemand, der seinen eigenen Leidenschaften frönt. Religion bedeutet immer Disziplin - eine Unterordnung unter ein höheres transzendentes, allumfassendes moralisches Gesetz. Aber gerade das lehnten die arabischen Götzendiener besonders stark ab. Darauf war auch die Ablehnung zurückzuführen, mit der sie dem Propheten begegneten. (Darjabaadi)

Ein solcher Mensch wird der Sklave seiner Wünsche und Leidenschaften und dient ihnen, wie jemand einer Gottheit dient. Damit macht er sich des Götzendienstes schuldig. Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagte: „Von allen falschen Gottheiten, denen Menschen neben Allah oder an Seiner Stelle dienen, ist aus Seiner Sicht die Leidenschaft die schlimmste." (Mauduudi)

113. Für einen, den keine Logik überzeugt, und für den Beweise keine Bedeutung und die Wahrheit keinen Wert hat, der absolut unempfänglich ist für die Rechtleitung, für den trägt der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, keineswegs die Verantwortung. (Qutb)

Rechtanleiten oder in die Irre gehen zu lassen ist nicht die Aufgabe des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sondern allein die Übermittlung der Botschaft. (Qurtubi)

Für einem Menschen, der seinen eigenen Leidenschaften, Wünschen oder Impulsen dient, ist es fast unmöglich, dass man ihn lehrt oder anleitet oder führt. In jedem anderen Fall könnte der Lehrer ihn mit Argumenten zu überzeugen versuchen. Aber die Vernunft kann gegen blinde Leidenschaft nichts ausrichten. Vergeblich ist jede Hoffnung, einen solchen Menschen zu führen, bevor seine Leidenschaften unter Kontrolle gebracht sind. Niemand kann die Verantwortung für ihn übernehmen, denn er gehorcht keinem Gesetz und hört auf keinen Rat. In dieser Hinsicht ist er schlimmer als ein Tier, das vielleicht nicht begreift, aber zumindest den heilsamen Instinkten folgt, die Allah ihm eingegeben hat. Jener gesetzlose Mensch hingegen hat diese Instinkte abgetötet und will sich überhaupt nicht leiten lassen. (Juusuf `Allii)

 

44. Oder meinst du, dass die meisten von ihnen hören oder begreifen können114? Fürwahr, sie sind wie das Vieh115. Nein116, sie sind noch weiter vom Weg abgeirrt117.

114. Was du ihnen sagst. (Al-Dschalalain)

Machen sie überhaupt von ihrer Denkfähigkeit Gebrauch? (Darjabaadi)

„Die meisten von ihnen" bedeutet, dass dies kein Pauschalurteil sein soll. Es ist doch möglich, dass einige von ihnen letztendlich Zugang zur Rechtleitung finden oder die Wahrheit begreifen. Die große Mehrheit jedoch orientiert sich am Lustprinzip. (Qutb)

115. Denn sie essen und trinken nur, ohne jemals an das Jenseits zu denken. (Al Qurtubi)

116. Vergleiche auch Suura 7:178 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

So wie Kühe und Schafe nicht wissen, ob sie auf die Weide oder zum Schlachthaus getrieben werden, so folgen diese Menschen ihren Führern blindlings, ohne darauf zu achten, wo sie hingeführt werden - zum Erfolg oder zum Ruin. Der einzige Unterschied ist der, dass Tiere keine Vernunft haben und nicht dafür zur Rechenschaft gezogen werden, wo Menschen sie hintreiben. Es ist jedoch schade, wenn ein Mensch, der durchaus vernunftbegabt ist, sich wie ein Tier verhält; insofern ist seine Lage schlimmer als die eines Tieres. (Mauduudi)

Während das Vieh seine Hirten, die es betreuen, kennt und ihnen zur Weide folgt, hören diese Leute nicht auf ihren Herrn, Der sie erschaffen und versorgt hat. Ja sie kennen Ihn nicht einmal. (Qurtubi)

Das Vieh tut das, wofür es erschaffen worden ist. Diese Menschen jedoch, die dafür geschaffen worden sind, Allah allein zu dienen, tun das nicht. (ibn Kasir)

 

Abschnitt 5

45. Hast du nicht gesehen118, wie dein Herr den Schatten verlängert119? Wenn Er es wollte, könnte Er ihn unveränderlich machen120 Dann machten Wir die Sonne für ihn zum Lotsen121.

118. Hast du nicht nach den schöpferischen Fähigkeiten deines Herrn Ausschau gehalten?

(Safwat Al-Tafsir)

Wir haben in Suura 24:35 gesehen, dass Allah das Licht des Himmels und der Erde ist. Hier liegt ein weiterer Abschnitt vor, in dem wir aufgefordert werden, Allahs Herrlichkeit anhand der Parabel des feinen Spiels von Licht und Schatten in Seiner Schöpfung zu betrachten. Wir wollen erst einmal die buchstäbliche Bedeutung verstehen, wie sie auf die materielle Welt anwendbar ist, bevor wir eine geistige Interpretation versuchen, die uns, wenn wir ihrer würdig sind, zum Fuß des Thrones der Herrlichkeit bringt. (Juusuf `Allii)

Damit ist der Leser angesprochen. Die Frage soll Verwunderung ausdrücken. (Darjabaadi)

119. Durch unsere künstliche Umwelt und Lebensweise versäumen wir, einige der feinen Geheimnisse von Licht und Schatten zu sehen. Wir loben zu Recht die wunderbaren Farben bei einem Sonnenuntergang. Besonders in nördlicheren Breiten sehen wir das feine Spiel von Licht und Schatten im Zwielicht nach dem Sonnenuntergang. Wenn wir aufmerksam einen Sonnenaufgang beobachten, sehen wir noch eindrucksvollere Phänomene, und die frühe Morgenzeit erscheint uns heiliger als jede andere Tageszeit. Da kommt zuerst die falsche Morgendämmerung mit ihrem merkwürdig unsicheren Licht und den merkwürdig unsicheren Schatten. Dann kommt der schwarze Streifen im Osten, dem die wirkliche Morgendämmerung folgt mit ihren zarten Farbtönen und Licht und Schatten. Das Licht der falschen oder der echten Morgendämmerung entsteht nicht durch direkte Sonneneinstrahlung. In gewisser Hinsicht ist es kein Licht, sondern nur die Widerspiegelung des Lichts. Dies alles geht allmählich in den tatsächlichen Sonnenaufgang über, der deutlicher abgegrenzte Schatten entstehen lässt, die wir eindeutig mit der Sonne in Verbindung bringen können. (Juusuf `Allii)

120. Der Aufbau des Universums in der Weise, wie wir ihn kennen, führt dazu, dass der Schatten sich verändert. Würde diese Ordnung sich nur ein bisschen verändern, so würde das auch den Schatten so wie wir ihn kennen, verändern. Und wäre die Erde unbeweglich, so würde sich der Schatten darauf weder ausdehnen noch zurückziehen. Auch die Geschwindigkeit ihrer Bewegung beeinflusst die Geschwindigkeit der Ausdehnung und Zusammenziehung. (Qutb)

121. Die Schatten am Morgen sind lang, aber sehr ausgeprägt, und wir können sehen, wie ihre Länge und Richtung durch die Sonne bestimmt wird. Aber unmerklich verändern sie sich in jedem Augenblick. (Juusuf `Allii)

Das Wort "Daliil" دَلِيل ist hier im Sinne von "Lotse" benutzt worden, jemand, der dazu ausgebildet ist, Schiffe sicher in den Hafen und wieder hinaus zu bringen. Die Sonne ist also eine Art Lotse für den Schatten, denn seine Bewegungen hängen vom Aufstieg und Niedergang der Sonne ab. (Mauduudi)

Alle Dinge werden durch ihren Gegensatz bestätigt. So würden wir den Schatten nicht kennen, gäbe es nicht die Sonne, und auch die Dunkelheit nicht, gäbe es nicht das Licht. (Qurtubi)

 

46. Dann ziehen Wir ihn nach und122 nach aber zu uns hin123.

122. Je höher die Sonne steigt, um so kürzer werden die Schatten. In Regionen, wo die Sonne tatsächlich den Zenit erreicht, gibt es mittags überhaupt keinen Schatten mehr. Wohin verschwindet er? Er war nur ein Schatten, der von einem Gegenstand geworfen wurde und zu dem Gegenstand zurückkehrt, der ihn verursacht hat. Aber alle materiellen Gegenstände sind selbst Schatten (vergleiche Suura 16:48 und die entsprechenden Fußnoten), und die einzige wahre Realität ist Allah, zu Dem alle Dinge zurückkehren. So werden die Schatten in die durch sich selbst bestehende Realität absorbiert. (Juusuf `Allii)

Allah vernichtet ihn oder lässt ihn verschwinden. Alles, was vergeht, kehrt zu Allah zurück wie es von Ihm ausgegangen ist. Das Phänomen des Schattens soll zweierlei veranschaulichen:

1. Licht und Schatten sind zwei lebenswichtige Faktoren für alle Wesen auf der Erde, die mit großer Weisheit angeordnet sind und Rückschlüsse auf Allahs Weisheit, Macht und Einheit zulassen; sie hätten nicht durch sich selbst entstehen oder durch blinde Mechanismen hervorgebracht werden können.

2. Im übertragenen Sinne liegt ein Hinweis zwischen den Zeilen, der besagt, dass ebenso der Schatten des Kufr und ’Ibada, der sich weit verbreitet zu haben scheint, sich verkürzt, je höher die Sonne der Rechtleitung steigt. Dies erfordert jedoch Geduld, denn Allah führt keine plötzlichen Veränderungen herbei. (Mauduudi)

123. Soweit wir dazu in der Lage sind, wollen wir uns jetzt der symbolischen Bedeutung zuwenden. Allah ist das Licht. Alle Dinge in der Schöpfung, seien sie konkret oder abstrakt, sind nur Schatten, die von Seinem Licht abhängig sind. Alle Schatten sind nicht gleich. Er gibt ihnen Länge und Substanz, wie Er es für richtig befindet. Manche Schatten werden auch fast zu reflektierten Lichtern, wie es bei der falschen Morgendämmerung der Fall ist. Dies ist in verschiedenem Masse bei heiligen Menschen der Fall. Die Schatten verändern sich ständig, und so verhält es sich mit allen geschaffenen Dingen, mit allem, was wir sehen oder wünschen. Wenn Allah will, kann Er einigen davon mehr Dauer oder Stabilität verleihen. Auch die Sonne ist ein Schatten von Allahs Licht, dennoch erhellt sie unsere ganze Welt. Auf ähnliche Weise erhält der Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, dieses Zeitalters sein Licht von Allah, und wir können unsere kleinen geistigen Kerzen an ihm anzünden. Oder aber die Offenbarung ist mit dem Sonnenlicht zu vergleichen, mit dem wir unser Leben erleuchten. Und so wie das Sonnenlicht mit der Sonne identifiziert wird, die seine lebende Quelle ist, so wird die Offenbarung mit dem lebenden Propheten identifiziert, durch den sie übermittelt wird. (Juusuf `Allii)

Das heißt, Allah lässt ihn verschwinden, entsprechend den Naturgesetzen, die Er selbst gegeben hat. Wie in so vielen anderen Fällen im Qur’an soll der abrupte Übergang vom "Er" zum "Wir" die Tatsache unterstreichen, dass Allah nicht definiert werden kann und dass nur die Unzulänglichkeit der menschlichen Sprache wie auch des menschlichen Verstandes - es notwendig macht, auf das Höchste Wesen mit Pronomina Bezug zu nehmen, die in Wirklichkeit nur auf vergängliche, begrenzte "Personen" anwendbar sind. (Asad)

 

47. Und Er ist es, Der euch die Nacht zu einem Gewand macht124 und den Schlaf zum Ausruhen125 und den Tag bestimmte er zum Auferstehen126.

124. Die Nacht "bedeckt" praktisch die Dinge und Lebewesen mit ihrer Dunkelheit, darum wird sie hier mit einem „Gewand" verglichen. (Qutb)

125. In der Nacht unterbleiben die meisten Bewegungen. Tiere und Menschen schlafen größtenteils, und im Schlaf ruhen Sinne, Bewusstsein und Aufnahmefähigkeit. Sie ruhen sich aus. Und wenn am Morgen alles erwacht und sich mit Leben füllt, so ist dies eine Auferweckung nach dem kleinen Tod. (Qutb)

126. Die Symbolik erscheint hier unter einem neuen Gesichtspunkt. Es geht immer noch um den Kontrast von Licht und Schatten; hier aber ist der Schatten der Nacht ein Gewand, das uns bedeckt und ausruhen lässt, während der Tag für Aktivität und Streben zur Verfügung steht. Wieder anders ist die Nacht wie der Tod, unser einstweiliger Tod vor dem Gericht, wo unsere Sinne wie im Schlaf versiegelt sind, und der Tag entspricht der Erneuerung des Lebens bei der Auferstehung. (Juusuf `Allii)

Dieser Aja hat drei Zielsetzungen:

1. er weist auf die Einheit Allahs hin;

2. er weist die Möglichkeit eines Lebens nach dem Tode aufgrund alltäglicher menschlicher Erfahrungen auf; und

3. er bringt die gute Nachricht, dass die Nacht der Unwissenheit zu Ende geht und der Tag der Rechtleitung und des Wissens heraufdämmert. Es ist daher unvermeidlich, dass diejenigen, die im Schlaf der Unwissenheit befangen sind, früher oder später aufwachen. Wer jedoch in den Schlaf des Todes versunken ist, wacht nicht auf und bringt sich selbst um das Leben, während das Geschäft des Tages auch ohne ihn abläuft. (Mauduudi)

 

48. Und Er ist es, Der die Winde als Verkünder Seiner Barmherzigkeit vorausschickt127; und Wir senden vom Himmel reines Wasser nieder128, -

127. Vergleiche Suura 7:57. Die Winde sind Freudenboten, die Regen bringen, der eine Form der Barmherzigkeit Allahs ist. Wiederum bringt die Symbolik einen neuen Gesichtspunkt. Wärme, die mit Licht verbunden ist, setzt Strömungen in der Atmosphäre in Gang, lässt Feuchtigkeit aus dem Meer aufsteigen und verteilt sie durch die Winde auf der ganzen Erde. In der physischen Welt kennen wir die wohltätige Wirkung der Wärme auf das Leben, und andererseits wissen wir auch, wie unerträglich Hitze werden kann, und wie dann die Winde und Wolken die Freudenbotschaft vom Regen bringen. Dies gilt besonders auch für trockene Gebiete der Erde. Die symbolische Bedeutung bezieht sich auf Allahs Barmherzigkeit, die für die Kaafirs ebenso unerträglich sein kann wie extreme Sommerhitze in der physischen Welt, die jedoch ihre wohltätige Aufgabe erfüllt, alle Geschöpfe zu umsorgen. Sie kann scheinbar unangenehme Bewegungen wie Stürme hervorbringen, die aber in Wirklichkeit Allahs Botschaft, Seine größte Gabe, unter der Menschheit verteilen soll und auf diese Weise Freudenboten für alle sind, die verstehen. (Juusuf `Allii)

Das ganze Leben auf der Erde lebt vom Wasser. Entweder direkt oder von den Bächen und Flüssen, die Er auf der Erdoberfläche entstehen lässt, oder auch aus dem unterirdischen Wasser, wie aus Brunnen und Quellen. Die aber, die direkt auf das Regenwasser angewiesen sind, wissen Allahs Barmherzigkeit, die darin verkörpert ist, hoch zu schätzen. Sie warten immer auf die ihnen bekannten Winde, die die Regenwolken nach sich ziehen. Sie erkennen in ihnen Allahs Barmherzigkeit, sofern sie mu’min sind. (Qutb)

128. Regenwasser (in reiner Luft) ist nicht nur reines Wasser, sondern auch das beste Reinigungsmittel, das uns bekannt ist. (Juusuf `Allii)

Das Wort "tahur" طَهُور (das als "rein" übersetzt ist) könnte man auch als "zum reinigen" verstehen. Denn in Suura 8:11 steht ,... um euch darin zu reinigen". (Qurtubi)

 

49. Mit dem Wir totes Land neu beleben und damit Wir davon zu trinken geben all dem, was Wir erschaffen haben an Vieh und Menschen in großer Zahl129.

129. Der gesamte Wasserkreislauf - Meer, Wolken, Regen oder Hagel oder Schnee, Flüsse und schließlich wieder das Meer - veranschaulicht auf bemerkenswerte Weise die Naturvorgänge, die uns Allahs Fürsorge sichtbar machen. Die Salze des Meeres reinigen dieses von allen Schmutzstoffen, die hineinbliesen. In Form von Regen, Eis, Schnee, Gletschern, Flüssen, Seen und ähnlichem trägt das Wasser zur Formung der Erdoberfläche bei und spielt eine wichtige Rolle in der physikalischen Geographie. Durch die Einwirkung von Wasser erwacht eine ausgetrocknete Wüste schnell zum Leben. Alles Trinkwasser aus Flüssen, Seen, Quellen oder Brunnen stammt letztendlich vom Regen. Zwischen Wasser und Leben besteht eine enge Beziehung, denn Wasser ist die Grundlage des physischen Lebens überhaupt. Vergleiche auch unten Aja 54. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 24:45 und die entsprechenden Fußnoten. (Anm. d. Übers.)

Auch dieser Aja verweist auf die Einheit Gottes und das zukünftige Leben. Darüber hinaus enthält er einen Hinweis darauf, dass die "Dürreperiode" der Unwissenheit durch Allahs Barmherzigkeit mit dem "Regen" der prophetischen Botschaft beendet ist, die das lebenspendende Wissen der Offenbarung zum Nutzen der Diener Gottes heranbringt. (Mauduudi)

 

50. Und Wir haben es unter ihnen verteilt130, auf dass sie ermahnt sein mögen131. Doch die meisten Menschen verharren nicht anders, als in Kufr.132

130. "Wir haben... unter ihnen verteilt" kann drei Bedeutungen haben:

1. Wir haben immer wieder im Qur'an auf das Phänomen des Regens hingewiesen, um den Menschen die Realität zu verdeutlichen.

2. Wir zeigen ihnen immer wieder die wunderbaren Phänomene der Wärme und Trockenheit, der Winde und Wolken und des Regens mit seiner lebensspenden Wirkung.

131. Wir ändern das System des Regenfalls in der Welt von einem Jahr zum anderen, so dass sie in ihren täglichen Leben die zahllosen unterschiedlichen Ergebnisse sehen können. (Mauduudi)

Dies bezieht sich auf die immer wiederkehrende, vielfältige Wiederholung - im Qur'an ebenso wie in anderen Offenbarungen - aller jener Anzeichen, die eindeutig auf die Existenz eines bewussten Schöpfers hinweisen. (Asad)

Das Personalpronomen "hu" in "sarrafnaahu" صَرَّفْنَاه (verteilt, abgewandelt) könnte zum einen auf den Qur'an bezogen sein, wie zu BeDschinn der Suura erläutert. Zum anderen könnte der Regen damit gemeint sein, wie Ibn' Abbas und Ibn Mas'ud gesagt haben. Damit wird auf die Arten des Regens hingedeutet oder auf die Arten seiner Nutzung. (Qurtubi)

Wir haben ihnen den Qur'an in verschiedene Formen, Wendungen und literarischen Stellen dargelegt, damit er besser Gefühle, Verstand und Psyche anspricht. (Qutb)

131. Damit sie durch die Wiederbelebung der toten Erde erkennen, dass Allah auch die Macht besitzt, Tote zum Leben zu erwecken. Oder auch damit derjenige, dem der Regen ausbleibt, ermahnt wird, von seinen Sünden abzulassen. (ibn Kasir)

Das Wasser wird über die gesamte Welt verteilt, so dass alles Leben seinen Bedürfnissen entsprechend versorgt wird. In den Ajas 43-50 wird das Argument des Kontrasts auf eine andere Weise dargelegt. Wasser ist Leben und steht zur Verfügung, um das Leben in aller Welt zu erhalten. Dies ist eine physische Tatsache, die wir alle sehen können. Wasser ist jedoch auch das Symbol für geistiges Leben, dessen erhaltendes Prinzip Allahs Wille ist, wie er uns durch Offenbarung bekannt gemacht wird. Dies wird uns manchmal in unseren inneren geistigen Stürmen klar. Viele gewaltsame Störungen des Gemüts sind nur Vorboten für den erfrischenden Regen geistigen Verstehens, das darauf folgt. Er reinigt unser Inneres und lässt selbst da geistiges Leben entstehen, wo es vorher eine ausgedörrte geistige Wüste gab. Dann versorgt er uns weiterhin in unserem normalen geistigen Leben aus dem unerschöpflichen Vorrat der Offenbarung Allahs, der allen offen steht und in Raum und Zeit gut verteilt wird. Auf die Universalität dieser Verteilung nimmt auch der folgende Aja Bezug. (Juusuf `Allii)

132. Im scharfen Gegensatz zu Gottes grenzenloser Barmherzigkeit steht die grobe Undankbarkeit des Menschen: ein weiterer symbolischer Kontrast zwischen Licht und Finsternis oder Wasser und Trockenheit. (Juusuf `Allii)

Dieser Aja soll uns einprägen, dass das wunderbare System des Regens schon in sich ein Beweis für Allahs Existenz ist. Seine wunderbare Verteilung zeigt uns, dass es von einem weisen Schöpfer geplant ist. Aber die Kaafirs wollen daraus keine Lehre ziehen und beharren in ihrer Undankbarkeit. Der Aja verweist auch auf das Leben nach dem Tod, denn jeder sieht, wie der Regen jedes Jahr abgestorbenes Land neu belebt. Dies weist eindeutig darauf hin, dass Allah die Macht hat, die Toten wieder zum Leben zu erwecken. Aber daraus ziehen die Kaafirs keine Lehren sondern nur denjenigen nützte sie, die die Rechtleitung annahmen. Das können wir aus der Geschichte lernen. (Mauduudi)

 

51. Wenn Wir gewollt hätten, dann hätten Wir unter jeder Gemeinschaft einen Warner erwecken können.133

133. Die Aufgabe des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war keine leichte, da sie universal und an die ganzen Menschheit gerichtet war. Wenn Allah einen Warner für jede Stadt geschickt hätte, so wäre die Mühe verteilt und somit die Aufgabe erleichtert worden. Aber Allah schickte nur einen Propheten mit der Aufgabe, alle Menschen zu warnen, damit die letzte Botschaft vereinheitlicht wurde. (Qutb)

 

52. Darum folge nicht den Kaafirs134, sondern setze dich unermüdlich und mit aller Kraft gegen sie ein.135

134. Indem du nachlässig Kompromisse eingehst. (Darjabaadi)

135. In diesem Qur'an liegt eine tiefe Einflussnahme, die die Herzen der Quraisch erzittern und ihre Seelen erbeben ließ. Deshalb sagten die ihrem Volk: Hört nicht auf diesen Qur'an und übertönt ihm, damit ihr den Sieg davontragt. Dies zeigt, welche Angst sie vor dem Einfluss des Qur'ans hatten. (Qutb)

Da Allahs Zeichen universal verteilt sind, braucht ein mutaqi Mensch Kritikern, die den Islam ablehnen, keine Beachtung zu schenken. Mit der Waffe der Offenbarung Allahs führt er den größten Kampf.

(Juusuf `Allii)

Setze dich mit Hilfe der Argumente des Qur'an mit den Kaafirs auseinander, und zwar nach besten Kräften. Dschihaad (oft übersetzt mit "Kampf") bedeutet eigentlich Streben, Mühe, Bemühungen. (Darjabaadi)

Dies umfasst auch den Dschihaad mit der Zunge, der Feder, dem Eigentum, dem Leben und jeder anderen verfügbaren Waffe. (Mauduudi)

 

53. Und Er ist es, Der den beiden Gewässern freien Lauf gewährte136, das eine trinkbar und süß137, und das andere salzig und bitter. Und zwischen beiden errichtete Er eine Schranke und ein unüberwindbares Hindernis.138

136. Nun kehrt der Text zur Aufzählung der Gnadenerweisung Allahs. (Qurtubi)

Er ließ beide Arten von Gewässer fließen und zusammentreffen, ohne dass sie sich miteinander vermischen. (Qutb)

"Maradscha" مَرَجَ bedeutet wörtlich "freilassen", "Vieh frei weiden lassen". "Bachrain" بَحْرَيْن: zwei Meere oder Gewässer, denn das Wort bezieht sich sowohl auf Salzwasser als auch auf Flüsse. In der Welt gibt es zwei Arten von Wasser:

1. die großen salzigen Meere, und

2. die vielfältigen Gewässer, die durch Regenwasser vereint sie, ebenso ihr Abfluss über oder unter der Erde bis in den Ozean. Es steht ihnen frei, sich zu vermischen, und in gewissem Sinne gehen sie auch ineinander über, denn es gibt einen regulären Wasserkreislauf. Dennoch bilden die Gravitationsgesetze eine gottgewollte Barriere, die beide Arten von Gewässern getrennt hält, so dass sie ihre unterschiedlichen Funktionen erfüllen können. (Juusuf `Allii)

137. Das Wort "furat" bedeutet, wenn es auf Wasser angewendet wird, "sehr süß" oder "durstlöschend". (Darjabaadi)

138. Hier erscheint wieder ein symbolischer Kontrast: die beiden Gewässer, süß und salzig, die frei ineinander übergehen und sich dennoch wie durch eine undurchdringliche Trennwand unterscheiden. Süßwasser entspricht dem wohltätigen Regen der Offenbarung Allahs, der den Durst der geistigen Bedürfnisse des Menschen stillt; Salzwasser ist die Last der irdischen Wünsche, Ambitionen, Leidenschaften und Pläne des Menschen. Die beiden scheinen sich zu vermischen, und dennoch unterscheiden sie sich immer klar voneinander, und zwischen ihnen gibt es eine undurchdringliche Trennlinie. Anhand des Kriteriums oder der Unterscheidungsfähigkeit Al-Furqaan) wird zwischen ihnen unterschieden. Die beiden Gewässer können auch die beiden Arten des Wissens, göttliches und menschliches, bedeuten wie in der Geschichte von Muusa in Suura: 18:60; vergleiche dort die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

Dies ist eine indirekte Erinnerung an Allahs Schöpferkraft, die in der zyklischen Umwandlung des Wassers sichtbar wird. (Asad)

Vielerorts ist festzustellen, dass Süßwasser und Salzwasser auf dem Land und im Meer nebeneinander existieren. Der türkische Admiral Syedi Allii Ra'is erwähnte in seinem Buch eine Stelle im Persischen Golf, wo mitten im salzigen Meereswasser Süßwasserquellen sind, denen er Trinkwasser für seine Flotte entnehmen konnte. Aus denselben Quellen schöpfte die American Oil Company, bevor sie zur Trinkwasserversorgung in der Nähe von Dachran Brunnen bohren konnte. Aber außer dieser buchstäblichen Bedeutung, die auf Allah als den Einen und Einzigen Schöpfer des Universums hinweist, enthält der Aja noch einen weiteren Hinweis: wenn Allah will, kann Er aus einer großen lasterhaften Volksgemeinschaft eine rechtschaffene Gemeinschaft entstehen lassen, so wie Er Süßwasser mitten aus dem Salzwasser hervorbringt. (Mauduudi)


 

54. Und Er ist es, Der den Menschen aus Wasser erschaffen hat139, und Er hat für ihn Verwandtschaftsbande geschaffen140. Und dein Herr hat Macht (über alle Dinge).

139. Protoplasma, die Grundlage aller lebenden Materie in der physischen Welt, besteht zum größten Teil aus Wasser. Vergleiche auch Suura 24:45 und 21:30 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

Aus Wasser erschuf Allah den Menschen, und zwar als Mann und Frau, so dass- durch direkte Abstammung und durch Heirat Verwandschaftsbande entstehen. Die Entstehung von menschlichen Leben ist noch wundersamer als die des Regenwassers, denn aus einer einzigen von Millionen Samenzellen, die sich mit der Eizelle verbindet, entsteht ein kompliziertes aufgebautes Geschöpf, der Mensch. (Qutb)

140. Er ermöglicht dem Menschen, seinen biologischen und gesellschaftlichen Beziehungen geistigen Wert beizumessen und Kraft daraus zu schöpfen. (Asad)

Wasser ist eine flüssige, instabile Sache, und dennoch entsteht aus ihm die höchste uns bekannte Lebensform dieser Erde, der Mensch. Und dieser hat nicht nur die Funktionen und Eigenschaften der höchsten Tiere, sondern auch seine abstrakten Beziehungen sind typisch für sein hoch stehendes Wesen. Er kann seine Abstammung zurückverfolgen und damit eine lange Reihe seiner Ahnen ins Gedächtnis zurückrufen, mit denen er durch Taqwa verbunden ist. Dies kann kein Tier tun. Weiterhin ist da die mystische Vereinigung in der Ehe: sie ist nicht auf die physische Vereinigung der Tiere beschränkt, sondern lässt Beziehungen aus den Geschlechtern von Einzelpersonen entstehen, die sonst nicht miteinander verwandt sind. Dies sind physische und gesellschaftliche Tatsachen, aber dahinter finden wir wiederum die symbolische Lehre der geistigen Kontraste: so wie zwischen dem Wasser und dem Menschen ein langer Entwicklungsweg liegt, so liegt auch ein langer Entwicklungsweg zwischen dem gewöhnlichen Menschen und dem, der zum Licht Allahs emporgehoben wurde. Und so wie die verschiedenen Geschlechter durch ihre unterschiedlichen Funktionen zu gegenseitigen Glück beitragen, so können sich Einzelpersonen mit verschiedenen Begabungen in der geistigen Welt zu ihrem eigenen höchsten Guten und in Allahs Dienst vereinigen. (Juusuf `Allii)

 

55. Und doch beten sie anstelle von Allah an, was ihnen weder nützen noch schaden kann141. Und der Kaafirs ergreift Partei gegen seinen Herrn142.

141. Allah drückt hier seine Verwunderung aus über die, die trotz der zahllosen Gnadenerweise, die Er ihnen zukommen lässt und der Vollkommenheit Seiner Schöpfung ihm Teilhaber zuschreiben, die weder zu Schaden noch zu Nutzen fähig sind. (Qurtubi)

142. Jeder Wahrheitsleugner - einschließlich der makkanischen Götzendiener - befindet sich im Krieg gegen seinen Herrn, der ihn erschaffen und ihm Harmonie und Ebenmass gegeben hat. Wie aber ist dies möglich, wo er doch klein und schwach ist und nicht in der Lage, es mit dem allmächtigen Allah aufzunehmen und sich so aufzuspielen? Es geschieht durch Kampf gegen Sein Islam und die von Ihm gebotene Lebensweise. Auch der Kampf der Verleugner der Wahrheit ist ein Kampf gegen Allah, den Gesandten Allahs und seine Botschaft. (Qutb)

In seiner Auflehnung gegen seinen Herrn. (Darjabaadi)

Er unterstützt all jene, die gegen Allah rebellieren, und ist ein Feind all derer, die sich für Allahs Sache einsetzen und Sein Gesetz in der Welt verwirklichen wollen. Insofern ist er indirekt mit allen Handlungen des Ungehorsams assoziiert. (Mauduudi)

 

56. Und nicht anders haben wir dich geschickt, denn als Verkünder froher Botschaft143 und als Warner144.

143. Für die Gehorsamen. (Darjabaadi)

Die hohe Botschaft ist das Paradies. (Al-Dschalalain)

Als Warner vor dem Feuer für die Kaafirs. (Safwat Al-Tafsir)

144. Die Pflicht eines Gesandten Allahs beschränkt sich darauf, frohe Botschaft zu verkünden und zu warnen. Dies ist auch der Kernpunkt des prophetischen Auftrages, sowohl in Makka, wo der Schwerpunkt auf den Grundsätzen des Islams und der Ethik lag, als auch in Madina, wo kriegerische Auseinandersetzungen mit den Götzendiener notwendig wurden. (Qutb)

Dieser Aja soll den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, trösten und die Kaafirs warnen, die sein Wirken behinderten. Ähnliche Worte erscheinen im Qur'an auch an anderen Stellen als Warnung, etwa in dem Sinne: "Die Botschaft des Propheten soll die Menschen reformieren, ohne dass seinerseits eine Spur von Eigennutz damit verbunden ist. Da er nicht versucht, Menschen zur Annahme seiner Botschaft zu zwingen, besteht kein Grund dafür, dass jemand sich gestört fühlen sollte. Wenn ihr die Botschaft annehmt, geschieht dies zu eurem eigenen Guten, und wenn ihr sie ablehnt, schadet ihr nur euch selbst, denn nachdem er seine Botschaft übermittelt hat, ist er von weiteren Pflichten und Verantwortung entbunden, und die Angelegenheit ist zwischen euch und Allah." Manchmal wird irrtümlich aus dem Wortlaut des Ajas die Schlussfolgerung gezogen, es sei die einzige Pflicht eines Propheten, seine Botschaft zu verkünden. Dabei vergisst man, dass der Qur'an selbst immer wieder betont, dass der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht nur ein Verkünder froher Botschaft und ein Warner ist, sondern auch ein Lehrer, Gesetzgeber, Richter und Führer der Menschen, der ihr moralisches Verhalten läutert und ein Vorbild für sie ist. (Mauduudi)

 

57. Sprich: „Ich verlange keinen anderen Lohn dafür145 von euch als den, dass wer immer es will, den (geraden) Weg zu seinem Herrn nehme."146

145. Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verlangte weder Geld noch irgend welche irdischen Vorteile von denen, die den Islam annahmen, denn er war weder ein Priester, der den Preis seines Amtes zu kassieren pflegte, noch ein Mittler, der einen Preis für seine Vermittlung forderte. (Qutb)

Für die Übermittlung meiner Botschaft. (Darjabaadi)

146. Vergleiche auch Suura 23:72-74 und die entsprechenden Fußnoten. (Mauduudi)

Sein einziger Lohn besteht darin, dass einer sich Rechtlerinnen lässt und die Nähe Allahs zu erlangen sucht. (Qutb)

Dies verlange ich von euch: Allah zu dienen und zu gehorchen. (Safwat Al-Tafsir)

 

58. Und setze dein Vertrauen auf den Lebendigen, Der nicht stirbt,147 und lob preise Ihn148, und Er kennt die Schuld Seiner Diener zur Genüge.149

147. Auf Allah sein Vertrauen zu setzen bedeutet, dass das Herz sich ganz und gar auf Allah verlässt. (Qurtubi)

Alles außer Allah ist "tot", denn es ist sterblich und vergänglich und hat im Gegensatz zu Ihm, dem Lebendigen, der niemals stirbt, keinen Bestand. Vertrauen auf Lebloses und Vergängliches jedoch ist, als ob man sich auf einen einstürzenden Pfeiler stützen würde oder einen vergänglichen Schatten. Vertrauen setzt man somit auf Den Lebendigen, Ewigen, Der nicht vergeht. (Qutb)

148. Verkünde Seine Erhabenheit über das, was die Polytheisten Ihn zuzuschreiben versuchen.

(Safwat Al-Tafsir)

Niemand verdient wirkliches Lob außer dem Gütigen, Dem Gebenden. (Qutb)

149. Überlasse die Angelegenheit derer, die aus der Verheißung und Warnung keinen Nutzen ziehen. Denjenigen, Der seine Vergehen gut kennt und Dem nichts verborgen bleibt. (Qutb)

 

59. Er, Der die Himmel und die Erde und (alles) was zwischen ihnen ist, in sechs Tagen erschaffen hat,150 alsdann151 Sich über dem Thron erhob,152 Der Allbarmherzige! So befrage über Ihn einen Kundigen.153

150. Vergleiche Suura 7:54 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf Allii)

Die "Tage Allahs", in denen Er Himmel und Erde erschuf, sind bestimmt nicht identisch mit unsere irdischen, denn diese sind ein Produkt des Sonnensystems, und der Maßstab der kosmischen Umkreisung entstand erst nach der Erschaffung von Himmel und Erde. Diese sechs Tage, die zeitlich weitauseinander liegende Phasen sein, deren Endprodukt das ist, was wir heute kennen. (Qutb)

151. "Summa" ثُمَّ (wörtlich: "dann") ist hier nicht als zeitliche Folge zu verstehen, sondern weist auf die Höhe Seines Ranges, auf Sein Nerven und Seine Erhabenheit hin. (Qutb)

152. Vergleiche auch Suura 10:3 und die entsprechende Fußnote. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 7:54 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

153. So befrage, du Mensch, einen Kundigen, nach den Eigenschaften des Allbarmherzigen.

(Al-Dschalalain)

Hier geht es weiterhin um die Frage, wem wir vertrauen sollen. Weltlich gesinnte Menschen vertrauen auf weltliche Dinge, aber der Rechtschaffene allein auf Allah. Der wirkliche Unterschied wird durch den Lichtstrahl des Wissens Allahs ganz klar. Wenn du dies nicht erkennen kannst, dann frage die Menschen, die über solches Wissen verfügen. (Juusuf `Allii)

Frage Allah selbst, denn Er allein besitzt die Schlüssel zu den