|
Von Suura 23 "Die Mu’mins" – Suura 25 "Die Unterscheidung" Aja 20
Einführung zu Suura 23 In dieser Suura geht es um die Tugenden, die der Nährboden des Imans sind, besonders in einer Umgebung, in der die Wahrheit abgelehnt und ihre Fürsprecher beleidigt und verfolgt werden. Die Wahrheit jedoch ist einzig und muss sich schließlich durchsetzen. Wer Unrecht tut, ist von sinnlosem Bedauern erfüllt, wenn es zu spät zur Umkehr ist. Die Suura stammt aus der makkanischen Zeit.
Zusammenfassung: In Verbindung mit Demut im Gebet, Freigebigkeit, Enthaltsamkeit von Sinnlosem und von den eigenen Begierden sowie strikter Redlichkeit führt Iman letztendlich zu wahrem Erfolg, selbst wenn man die Rechtschaffenen verspottet und ihnen falsche Absichten vorwirft, so wie es die Zeitgenossen Nuuchs, Muusas und ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, taten. (Ajas 1-50) Die Gesandten Allahs und die Rechtschaffenen bilden eine einzige Bruderschaft. Diejenigen hingegen, die Spaltungen verursachen und sich weigern den Iman zu verinnerlichen, bekommen zahlreiche Hinweise auf die Wahrheit und auf Allahs Güte und Herrlichkeit. (Ajas 51-92) Bösem soll man mit Gutem und Iman an Allah begegnen, denn das zukünftige Leben ist sicher, und wer kaafir ist, wird sich eine neue Chance wünschen, wenn es zu spät ist. (Ajas 93-118) (Juusuf `Allii) Der Name dieser Suura weist auf ihren Inhalt hin. Man kann sie als die Suura des Imans bezeichnen, da sie sich mit all den Lehrsätzen des Imans, seinen Erkennungszeichen und Eigenschaften auseinandersetzt. (Qutb) Die Mu’mins Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.
1. Fürwahr, Erfolg haben bereits jene Mu’mins,1 1. "Aflaha" أَفْلَحَ : Erfolg haben, sich durchsetzen, siegen, sein Ziel erreichen, Befreiung von Trauer und Sorge erlangen. Dieser Aja ist mit den Ajas 10 und 11 unten verbunden. Sieg und Erfolg kann in dieser Welt eintreten, aber er kommt mit Sicherheit im zukünftigen Leben und ist dann von Dauer. (Juusuf `Allii) Dies ist ein Versprechen und ein sicherer Beschluss Allahs, in dem den Mu’mins Erfolg verheißen wird. Und weder wird Allah Sein Versprechen brechen, noch kann jemand Seinen Beschluss zurückweisen. Das Heil bezieht sich auf dieses wie auch auf das zukünftige Leben, auf den Einzelnen wie auf die gesamten Gemeinschaften der Mu’mins. Wer sind nun die Mu’mins, denen hier Allahs Hilfe verheißen wird? Es sind die, deren Eigenschaften in den folgenden Ajas ausführlich dargelegt sind. (Qutb) Zum wirklichen Verständnis dieser Verheißung ist der historische Hintergrund wichtig. Auf der einen Seite standen die wohlhabenden und erfolgreichen Führer von Makka, die Gegner des Islam, deren Hauptbeschäftigung darin bestand, das Leben zu genießen. Auf der anderen Seite standen die Muslime, die in ihrer Mehrheit entweder von vornherein arm gewesen waren oder deren Eigentum in der ständigen Auseinandersetzung mit den Gegnern des Islam dahingeschwunden war. Die Aussage: „Die Mu’mins haben wahren Erfolg", mit der dieser Abschnitt beginnt, soll den Kaafirs mitteilen, dass ihre Kriterien für Erfolg und Versagen nicht den Tatsachen entsprechen. Abgesehen davon, dass sie in sich begrenzt und vergänglich sind, beruhten sie auf einer falschen Vorstellung und führten demnach zum Versagen und nicht zu wahrem Erfolg. Die Anhänger des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hingegen, die sie als Versager betrachteten, waren wirklich erfolgreich, denn da sie die Einladung zur Rechtleitung annahmen, waren sie auf einen Handel eingegangen, der ihnen sowohl in dieser Welt als auch im zukünftigen Leben wahren Erfolg und Glück brachte. Dies ist das Hauptthema dieser Suura. (Maududi) Von `A’ischa ist überliefert, dass sie, als sie über den Charakter des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gefragt wurde, sagte: „Lest ihr die Suura, Al-Mu'minuun"? „Ja": wurde ihr geantwortet. Sie sprach: „Dann lest mal"! Und es wurden ihr die ersten zehn Ajas dieser Suura vorgetragen. (Qurtubi)
2. Die2 ihre Gebete demütig verrichten,3 2. Die in den Ajas 2-9 hervorgehobenen Charaktereigenschaften der Mu’mins sollen die obige Aussage bestätigen. Mit anderen Worten, es soll gesagt werden, dass Menschen mit solchen Charaktereigenschaften unweigerlich wahren Erfolg erringen. (Maududi) 3. Demut im Gebet bezüglich 1. der Einschätzung ihres eigenen Wertes in Allahs Gegenwart; 2. der Einschätzung ihrer eigenen Macht oder Kraft, es sei denn mit Allahs Hilfe; uns 3. ihrer an Allah gerichteten Bitten. (Juusuf `Allii) Ihre Herzen empfinden Ehrfurcht, wenn sie sich dessen bewusst werden, dass sie vor Allah stehen, uns werden sanft uns demütig. Dies drückt sich in den Gliedmassen, Gesichtszügen uns in der Bewegung aus. Alles, was sie beschäftigt, schwindet aus ihrem Geist, uns sie beschäftigen sich nur mit Allah uns Seiner Gegenwart. Sie verspüren uns sehen nur Seine Heiligkeit. (Qutb) Huschuu` des Herzens ist Furcht und Ehrfurcht vor einer mächtigen Person, uns "huschuu`" des Körpers bedeutet, den Blick zu senken und in Seiner Gegenwart leise zu sprechen. Beim rituellen Gebet soll beides zum Ausdruck kommen; dies ist das Wesen des Gebets. Als der Prophet, Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einmal sah, wie jemand während des Gebets mit seinem Bart spielte, sagte er: „Hätte er Ehrfurcht in seinem Herzen, dann würde sein Körper dies zum Ausdruck bringen". Das islamische Gesetz hat bestimmte Verhaltensweisen vorgeschrieben, sie einerseits helfen, Ehrfurcht im Herzen zu entwickeln, uns andererseits dazu beitragen, dass trotz der wechselnden Zustände des Herzens der Akt des Gebets selbst aufrechterhalten wird. Deswegen ist es beispielsweise nicht erlaubt, herumzuschauen oder herumzulaufen, sondern man soll im Gebet ruhig stehen uns auf den Punkt blicken, wo man sich niederwirft, ohne beispielsweise mit den Kleidern zu hantieren. Ebenso ist es nicht gut, wenn man in allzugrosser Hast sein Gebet spricht. Dementsprechend soll man vermeiden, beim Gebet an irrelevante Dinge zu senken oder sich ablenken zu lassen, so dass Herz uns Zunge völlig in Harmonie miteinander sind. (Maududi) Über sie Demut im Gebet gab es Meinungsverschiedenheiten, ob sie ein Pflichtteil des Gebets ist oder nur eine Nebensache sei. Richtig ist sie erste Annahme, sie auch von Tirmisi bestätigt wurde. (Qurtubi)
3. Und die Nichtiges meiden.4 4. Das Wort "lar" لَغْ (Törichtes) beinhaltet alle Arten von Sünden. (Qurtubi) Törichtes in Rede, Handlungen, Bestrebungen und im Empfinden. Ein mu’min Herz lässt sich nicht durch sinnlosen Zeitvertreib vom Gedenken Allahs, von der Vorstellung Seiner Macht oder vom Begreifen Seiner Zeichen im eigenen Inneren uns in der Umwelt ablenken. Die vielen Aufwendungen für den Iman, wie z.B. sie Reinigung von Herz uns Geist uns Gewissen, sie Pflichten, das Gute zu gebieten uns dem Abscheulichen zu wehren, das Wohl der Gemeinschaft zu wahren uns sich für ihre Verteidigung einzusetzen sind, unendliche Pflichten, denen ein Mu’min sich nicht entziehen darf. (Qutb) "Lar" ist etwas, das weder in dieser noch in der zukünftigen Welt Nutzen bringt. (Darjabadi) Vergleiche auch Suura 25:72. (Maududi) In der Tat ist dies ein bezeichnender Charakterzug eines Mu’mins. Er ist ein Mensch, der sich stets seiner Verantwortung bewusst ist uns sie Welt als einen Ort der Prüfung betrachtet uns das irdische Leben als einen dementsprechenden Zeitraum. Dieses Gefühl veranlasst ihn, sich in seinem Leben ernsthaft uns verantwortungsbewusst zu verhalten, wie ein Student, der sich ganz uns gar auf seine Prüfung konzentriert. Er weiß, dass jeder Augenblick dieses begrenzten Zeitraums wichtig uns wertvoll ist, uns ist nicht bereit, Zeit zu verschwenden. Selbst bezüglich Freizeit uns Erholung wählt er das aus, was für ihn wertvoll ist, denn Zeit ist etwas, das wir gewinnbringend und produktiv nutzen sollten. Darüber hinaus ist ein mu’min ein Mensch, der sich bemüht, reine Gedanken uns einen guten Geschmack zu entwickeln. Er wird sich daher von Vulgärem fernhalten uns einen gesunden Humor entwickeln, sich aber nicht auf gedankenlosen Spott, Unsinn oder schmutzige Witze einlassen. (Maududi)
4. Und die, die Sakaa entrichten,5 5. Sakaa ist eine Reinigung für Herz uns Eigentum, von Geiz uns Egoismus: Reinigung des Herzens uns ein Sieg über sie Impulse Scheytans, sie im Menschen Ängste vor Armut uns Verlust hervorrufen, aber auch Reinigung des Eigentums, so dass das, was danach übrig bleibt, statthaft ist ohne irgendwelche Unrechtmäßigkeiten. (siehe auch Suura 2:43 uns Fußnote 58). Gleichzeitig ist sie eine soziale Sicherung für alle Personen, insbesondere für sie Armen. (Qutb) Wörtlich: "sie für (innere) Reinheit handeln". (Asad) Außer "Reinigung" bedeutet das Wort Sakaa auch "Entwicklung" - jemandem helfen, ohne dass Hindernisse heranwachsen, und sich zu entwickeln. Die Formulierung im arabischen Originaltext beschränkt sich nicht auf die Zahlung der obligatorischen "Armensteuer", sondern beinhaltet auch die Selbstreinigung, die in der Reinigung der Moral wie des Eigentums besteht. Damit beinhaltet der Begriff auch die Reinigung des Lebens anderer Menschen und der Gesellschaft. Vergleiche auch Suura 87:14-15 und 91:9-10. (Maududi)
5. Und die ihre Keuschheit bewahren,6 6. Ein Muslim soll sich vor Perversion und sexuellem Missbrauch aller Art hüten. Die Freud'sche Psychologie führt viele unserer heimlichen Absichten auf die Sexualität zurück, und es ist allgemein bekannt, dass unsere Veredlung oder unser Verderben anhand der verborgenen Wirksamkeit unserer sexuellen Regungen gemessen werden kann. Natürliche und legitime sexuelle Beziehungen sind auf die Ehe beschränkt, wo die Rechte beider Partner auf angemessene Weise erfüllt werden. (Juusuf `Allii) Dies bedeutet Reinigung der Seele und des Hausstandes und der Gemeinschaft sowie Schutz für die eigene Person, zur die Familie und für die Gesellschaft. Wörtlich: "Die ihre Intimsphäre bewahren". (Asad)
6. Außer mit ihren Ehepartnern7 und denen, die in ihrem Besitz sind.8 Da trifft sie kein Tadel.9 7. Freie Frauen oder Männer, mit denen sie durch die Ehe verbunden sind. (Darjabadi) 8. Dies wird in Suura 4:25 näher erläutert und definiert. Der Status einer Sklavin, wenn sie durch Heirat ihre Freiheit erlangt, ist derselbe wie der einer freien Frau, soweit es ihre Rechte betrifft, jedoch wird sie weniger streng bestraft, wenn sie im Hinblick auf ihre Tugend einen Fehler begeht. (Juusuf `Allii) Ibn Al-'Arabi hat gesagt: „Es gehört zu den Merkwürdigkeiten des Qur’ans, dass diese zehn Ajas sich allgemein sowohl auf die Männer als auch auf die Frauen beziehen, was im Qur’an oft der Fall ist. Nur in diesem Vers sind ausschließlich die Männer damit gemeint". Und aus dieser Interpretation können wir schließen, dass die Frau mit ihrem Sklaven keinen Geschlechtsverkehr haben darf. Wenn sie ihn aber frei gibt, so ist es ihr erlaubt, ihn zu heiraten. (Qurtubi) 9. Sexuelle Betätigung des Menschen ist wie alle natürlichen Funktionen innerhalb legitimer Rahmenbedingungen und in Bezug auf einen Partner, dessen Rechte beachtet werden, nach islamischer Vorstellung ohne jeden Tadel, und willkürliche Enthaltsamkeit wird nicht als ein Zeichen höherer Spiritualität, sondern eher als anormal betrachtet. (Darjabadi)
7. Wer aber etwas darüber hinaus begehrt, das sind diejenigen, die Übertretung begehen.10 10. Jede andere Form sexueller Leidenschaft und jede außereheliche Beziehung wird abgelehnt. (Darjabadi) Dies schließt sowohl Ehebruch als auch Homosexualität, Missbrauch von Tieren und andere Perversionen ein. Die Gelehrten sind lediglich bezüglich der Masturbation unterschiedlicher Ansicht. Einige Kommentatoren leiten aus diesem Aja das Verbot der Zeitehe (Mut'a) her, indem sie argumentieren, eine auf Zeit verheiratete Frau sei weder eine Ehefrau noch eine Sklavin und zähle insofern unter das "darüber hinaus". So einfach ist diese Schlussfolgerung jedoch nicht zu ziehen, denn der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hat das Verbot der Zeitehe im Jahr der Einnahme von Makka ausgesprochen, während dieser Aja viele Jahre früher offenbart wurde. Wäre damit also tatsächlich ein Verbot der Zeitehe impliziert, dann hätte der Prophet wohl nicht so lange mit der Ausführung gezögert. Die Zeitehe war in frühislamischer Zeit eine Notlösung für bestimmte gesellschaftliche Probleme. (Maududi)
8. Und diejenigen, die das ihnen Anvertraute bewahren und ihre Versprechen getreulich erfüllen,11 11. Bei dem Anvertrauten oder einer Treuhandschaft kann es sich um eine ausdrückliche oder um eine implizite handeln. Eine ausdrückliche Treuhandschaft liegt dann vor, wenn jemand einem anderen Eigentum anvertraut oder Pflichten überträgt, die dieser entweder sofort oder später, beispielsweise im Fall des Todes des ersteren, erfüllen soll. Eine implizite Treuhandschaft kommt beispielsweise durch Macht, Position oder Gelegenheit zustande, das heißt ein Regierender erhält seine Macht als Treuhandschaft von Allah zum Nutzen seiner Bevölkerung. Ausdrückliche und implizite Verträge und Vereinbarungen werden in den Fußnoten zu Suura 5:1 ausführlich erläutert. Vereinbarungen schaffen Verpflichtungen; hier umfassen ausdrückliche und implizite Treuhandschaften und Vereinbarungen zusammen den gesamten Bereich der Verpflichtungen. (Juusuf `Allii) Dies bezieht sich auf Verträge und Vereinbarungen sowohl zwischen Einzelpersonen als auch zwischen Gemeinschaften, aber auch auf den in der menschlichen Natur verankerten Bund mit Allah (vergleiche Suura 7:172-173). (Qutb) Die alle ihre Verpflichtungen erfüllen, seien sie finanzieller oder anderer Art. (Darjabadi) Nach einer Überlieferung sagte der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,: „Es gibt vier Charaktereigenschaften, die, wenn sie in einer Person zusammentreffen, zweifelsfrei zeigen, dass es ein Heuchler ist, und wer nur eine dieser Eigenschaften hat, ist insoweit ein Heuchler, wie er sie nicht aufgibt: 1. wenn man ihm etwas anvertraut, veruntreut er es; 2. wenn er spricht, lügt er; 3. wenn er ein Versprechen gibt, bricht er es; und 4. wenn er mit jemandem streitet, überschreitet er alle Grenzen (der Fairness und des Anstandes)". (Maududi)
9. Und diejenigen, die ihre Gebete regelmäßig verrichten,12 - 12. In Aja 2 wurden wir auf den Geist der Demut und Ernsthaftigkeit in unseren Gebeten hingewiesen. Hier wird uns mitgeteilt, wie notwendig die Gewohnheit regelmäßigen Gebetes für unsere geistige Entwicklung ist, denn dies bringt uns Allah näher und fasst die in den Ajas 2-8 erwähnten Charaktereigenschaften zusammen. (Juusuf `Allii) Die gewissenhaft auf ihre regelmäßigen Gebete und die dazu notwendigen Vorbedingungen wie Zeit, Reinheit, Konzentration, Demut und so weiter achten. Sie rezitieren nicht mechanisch, sondern verstehen, was sie lesen, und sind sich dessen bewusst, dass sie wie demütige Diener mit ihrem Herrn sprechen. (Maududi) Sie versäumen das Gebet nicht aus Faulheit und lassen ihre Zeit nicht sorglos vergehen. Sie verrichten es, wie es sich gehört - vollständig und angemessen. (Qutb)
10. Diese (alle) werden die Erben sein,13 13. Vergleiche auch Suura 21:105, wo gesagt wird, dass die Rechtschaffenen die Erde erben, und den ersten Aja dieser Suura, der sich auf den wahren, endgültigen Erfolg der Mu’mins bezieht. Auch auf dieser Erde wird sich die Wahrheit durchsetzen, aber vielleicht nicht für jeden einzelnen rechtschaffenen Menschen sichtbar: vielleicht erst in der Zeit ihrer Erben und Nachfolger. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass jeder Mensch im zukünftigen Leben die Früchte seines Lebens sieht und die Rechtschaffenen das Paradies erben in dem Sinne, dass sie nach ihrem Tod dorthin gelangen. (Juusuf `Allii)
11. Die das höchste Paradies erben werden; den; darin werden sie (ewig) verweilen.14 14. Sie sind seine alleinigen Gewinner. "Firduus" فِرْدَوْس ist der Name der höchsten Stelle des Paradieses. in seinem Zentrum gelegen und seine vortrefflichste Stätte. (Qurtubi) Der höchste aller Gärten. (Al-Dschalalain) Diejenigen, die alle zuvor erwähnten sechs Eigenschaften in sich vereinen, sind es, die des Paradieses würdig sind. (Safwat Al-Tafsir) Dies ist der höchste Erfolg, den Allah für die Mu’mins beschieden hat. (Qutb) "Firduus" ist ein Wort, das in fast allen menschlichen Sprachen in ähnlicher Form vorkommt. Es bezeichnet einen weitläufigen Garten im Anschluss an die Wohnung eines Menschen, der von schützenden Mauern umgeben ist und Früchte aller Art enthält, besonders Trauben. In der vorislamischen arabischen Literatur war es ein verbreitetes Wort. Der Qur’an benutzt es in Suura 18:107 als Bezeichnung für eine Vielzahl von Gärten. Vergleiche auch Suura 20:99-112 und 21:106 und die entsprechenden Fußnoten. (Maududi) 12. Und wir haben fürwahr den Menschen in seinem Ursprung aus den Bestandteilen des Lehms erschaffen,15 15. In diesem schönen Abschnitt wird uns Allahs schöpferisches Wirken in bezug auf den Menschen vor Augen geführt und dadurch die wahre Position des Menschen in seinem Leben aufgezeigt, aber auch die Sicherheit seines zukünftigen Lebens, auf das sich die Ajas 10-11 beziehen. Vergleiche auch Suura 2:117. Hier geht es nicht um das Anfangsstadium, die Schöpfung der Urmaterie aus nichts. Es ist ebenso ein schöpferischer Prozess, wenn aus anorganischer Materie Leben entsteht. Anorganische Bestandteile der Erde werden als Nahrung in lebende Organismen absorbiert, und lebende Organismen pflanzen sich durch Keimzellen fort. Samen befruchtet eine Eizelle, und diese ruht eine bestimmte Zeit lang sicher im Mutterleib. Die erste Veränderung bildet aus dem befruchteten Ei eine Art unförmigen Klumpen, indem die Zellen wachsen und sich teilen; dann entwickelt sich aus dieser Masse allmählich ein ausgeformter Fötus. Darin entwickeln sich Knochen und Fleisch und Organe und ein Nervensystem. So weit entspricht das Wachstum des Menschen dem eines Tieres, aber ein weiterer Prozess findet statt, der aus dem Tierjungen einen kleinen Menschen macht. Allah haucht dem Menschen von Seinem Geist ein (vergleiche Suura 15:29); dies muss nicht zu einem gegebenen Zeitpunkt der Entwicklung stattfinden, sondern kann auch ein parallellaufender, allmählicher Prozess sein. Der Mensch wird geboren, wächst heran; er verfällt und stirbt; aber nach dem Tod eröffnet sich für den individuellen Menschen ein neues Kapitel seiner Geschichte, und dieser Abschnitt soll uns gerade dies verdeutlichen. (Juusuf `Allii) Der Ausdruck "aus Lehm erschaffen" soll uns darauf hinweisen, dass unser Körper aus verschiedenen anorganischen Substanzen besteht, wie sie in der Erde vorkommen. Damit wird der bescheidene Ursprung des Menschen betont und dieser zur Dankbarkeit seinem Schöpfer gegenüber angeregt, Der ihn mit einer bewussten Seele ausgestattet hat. Die Vergangenheit wird in diesen Ajas benutzt, um zu zeigen, dass all dies ein von Allah bestimmter Prozess ist, der sich immer wiederholt hat, seitdem der Mensch existiert. (Asad) Von diesem Aja an bis zum 22. Aja werden vier Beweise aufgeführt für die Macht Allahs, wieder zum Leben zu erwecken. Der erste davon ist die Wandlung des menschlichen Lebens in neun Phasen. Als zweiter Beweis wird die Erschaffung der sieben Himmel erwähnt, drittens das Herabsenden des Regens, aus dem jedes Leben entsteht, und viertens die Erschaffung der Weidetiere und welche Bedeutung und Nutzen sie für den Menschen haben. (Safwat Al-Bajan)
13. Dann setzten Wir ihn als Samentropfen an eine geschützte Stätte,16 16. Unsichtbar und unhörbar wächst der Fötus in diesem Stadium heran. Er wird vom Mutterleib geschützt wie ein König in seiner Burg; er hat seinen festen Platz und bekommt Schutz und Nahrung durch den Leib der Mutter, von dem er abhängig ist bis zu seiner Geburt. (Juusuf `Allii) Das menschliche Geschlecht wurde ursprünglich aus Erde erschaffen. Doch seine weitere Erschaffung und Fortpflanzung geschieht gemäß den von Allah gegebenen Gesetzmäßigkeiten aus einer einzigen Keimzelle, die sich im Mutterleib einnistet und darin heranreift, „an einem befestigten, geschützten Ort". Der Ausdruck im Qur’an macht den Samentropfen zu einer Phase des menschlichen Werdens. Diese Wahrheit soll einem zu denken geben, denn dieser Mensch wird mit all seinen Bestandteilen und all seinen Eigenschaften in solch kleinem Samentropfen zusammengefasst. (Qutb)
14. Dann erschufen Wir aus dem Samentropfen ein Anhängsel17 und erschufen aus dem Anhängsel ein kleines Gebilde, und hernach formten Wir in dem kleinen Gebilde Knochen und bekleideten die Knochen mit Fleisch. Dann ließen Wir daraus ein anderes Geschöpf18 entstehen. Gepriesen sei Allah, Der Vortreffliche Schöpfer!19 17. "'Alaq" عَلَقَ , wörtlich: "etwas, das sich festhält"; eine Beschreibung, die sehr gut auf die sich einnistende Eizelle passt. (Anm. d. Übers.) Vergleiche auch Suura 22:5 und die entsprechenden Fußnoten. (Maududi) 18. Anders als ein Tier betrachten wir hier den Menschen als Menschen. Ist es nicht in sich selbst ein Wunder, dass aus trockenem Staub oder anorganischer Materie Protoplasma entsteht, aus diesem Leben entsteht und daraus menschliches Leben mit all seinen Fähigkeiten und seiner Verantwortung? Der Mensch trägt in sich Zeichen der Weisheit Allahs und Macht und sieht diese täglich in seiner Umgebung. (Juusuf `Allii) Das heißt fähig, außerhalb des mütterlichen Körpers zu existieren. (Asad) 19. "Der vollkommene aller Hersteller". Wer etwas herstellt, wird oft als dessen Schöpfer bezeichnet. Schöpfen oder Herstellen könnte auch dem Menschen zugeschrieben werden, nicht aber die Möglichkeit, aus dem Nichts etwas entstehen zu lassen. (Qurtubi) "Der beste Schöpfer" ist nicht "der beste unter mehreren Schöpfern", sondern „derjenige, der auf die beste Weise erschafft". (Qutb) Allahs absolute Weisheit wird in Seiner allmählichen, wohlproportionierten und gleichmäßigen Erschaffung des Menschen sichtbar, die ihren Höhepunkt in dessen vollkommener Menschlichkeit erreicht. (Darjabadi) Das arabische Wort "Schöpfer" kann ähnlich wie in europäischen Sprachen auch auf "schöpferisch tätige" Menschen angewendet werden. Allah ist jedoch der einzige Schöpfer im realen, wirklichen Sinne dieses Wortes. (Asad)
15. Dann werdet ihr später gewiss sterben.20 20. Unser physischer Tod scheint unser Leben abzubrechen. Wäre er jedoch das Ende, dann wäre unser Leben sinnlos. Unser eigener Instinkt sagt uns, dass dies nicht der Fall sein kann, und Gott sichert uns zu, dass es eine Auferstehung und ein Gericht gibt. (Juusuf `Ali) Der Tod ist das Ende unseres irdischen Lebens und eine Zwischenstation zwischen dem Dies- und dem Jenseits. Somit ist er ein Entwicklungsstadium der Menschenwerdung und nicht das Ende seiner Entwicklung. (Qutb) 16. Dann werdet ihr fürwahr am Tag der Auferstehung wieder auferweckt.21 21. Zum Zweck der Abrechnung und Vergeltung. (Al-Dschalalain) Diese Auferstehung ist die letzte Stufe in diesem Entwicklungsprozess. Danach beginnt das vollkommene Leben, frei von irdischen Fehlern und physischen Bedürfnissen, von Ängsten und Unrast, von Entwicklungen und Veränderungen. Dies gilt für alle diejenigen, die dem vollkommenen Wege gefolgt sind, dessen Grundriss im ersten Abschnitt der Suura (Ajas 1-11) vorgezeichnet wurde - der Weg der Mu’mins. (Qutb)
17. Und Wir haben wahrlich über euch sieben Himmelssphären22 geschaffen. Und Wir sind niemals (Unserer) Schöpfung gegenüber unachtsam gewesen.23 22. "Taraa'iq" طَرَائِق : Wege, Sphären, Umlaufbahnen am sichtbaren Himmel. Diese sieben sind in dem uns umgebenden unendlichen Raum sichtbar und regelmäßig vorgegeben. Die Astronomie gibt uns verständliche Theorien für diese Bewegungen. Aber auch durch einfache Beobachtung gewinnen wir einen Eindruck von der Schönheit, Ordnung und Herrlichkeit des Universums. Die Zusicherung im nächsten Satz, dass Allah für uns und Seine gesamte Schöpfung sorgt, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Allahs Güte, die in den folgenden Ajas weiter veranschaulicht wird. (Juusuf `Allii) Bei diesen "Wegen" handelt es sich um Schichten oder Kategorien, die übereinander gelagert sind, in diesem Falle sieben Sphären oder Umlaufbahnen oder Sternengruppen wie beispielsweise unser Sonnensystem oder sieben Sternennebel, aus denen nach Aussage der Astronomen Sonnensysteme entstehen. (Qutb) Sphären für Engel oder Himmelskörper. Oder sieben Stadien. (Darjabadi) Dabei kann es sich um die sieben Umlaufbahnen der sichtbaren Planeten handeln, oder aber - wie die klassischen Kommentatoren angenommen haben - um die "sieben Himmel", das heißt kosmische Systeme, von denen im Qur’an wiederholt die Rede ist. In beiden Fällen ist die Zahl sieben im übertragenen Sinne benutzt und bezeichnet eine Vielfalt. Vergleiche auch Suura 2:29 und die entsprechende Fußnote. (Asad) Das Wort wurde hier nicht als moderner wissenschaftlicher Begriff benutzt, sondern als Ausdruck des derzeitigen arabischen Sprachgebrauchs, um die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Wunder des Himmels zu lenken, dessen Schöpfung sicherlich großartiger ist als die Schöpfung des Menschen. (Maududi) 23. Egal, wie diese "taraa'iq" طَرَائِق heißen mögen – Allah hat sie aufgrund einer durchdachten Planung und Weisheit geschaffen. (Qutb) Allah achtet darauf, dass der Himmel nicht auf seine Geschöpfe herabfallt und sie vernichtet. (Al-Dschalalain) Allah sorgt unaufhörlich für Seine Geschöpfe. Einige wenige Beispiele für Seine Fürsorge für unser physisches Wohlergehen werden in den folgenden Ajas (Ajas 18-22) erwähnt, und in den Abschnitten 2 bis 5 geht es um unser geistiges Wohlergehen. (Juusuf `Allii) Dies bedeutet einmal, dass die gesamte Schöpfung auf vollkommene Weise und mit Ziel und Zweck hervorgebracht worden ist und demnach ihr Schöpfer Sein Werk versteht. Alle physischen Gesetzmäßigkeiten des Universums sind so eng miteinander verwoben, dass daraus deutlich Seine Weisheit ersichtlich wird. Andererseits bedeutet es, dass Allah nicht übersehen hat, auch für das unbedeutendste Geschöpf den Lebensunterhalt zur Verfügung zu stellen. (Maududi) 18. Und Wir senden Wasser vom Himmel herab nach rechtem Maß,24 und Wir lassen es in die Erde einsickern.25 Und Wir haben gewiss die Macht, es hinwegzunehmen,26 24. In diesem Aja nennt Allah eines Seiner vielen Geschenke - Sein größtes ohne Frage. Es ist das Leben schlechthin, das alle Kreaturen wachsen lässt. (Qurtubi) Normalerweise fällt der Regen gut verteilt vom Himmel. Er dringt in den Boden ein, und die Feuchtigkeit bleibt lange Zeit über erhalten. Er durchdringt viele Erdschichten und bildet die verschiedenen Formen der Erdoberfläche. In einigen Ländern beschränkt sich der Regen auf bestimmte Jahreszeiten, oder er fällt in Form von Schnee oder Hagel: auch dies hat seinen Platz in der Ökonomie von Luft und Erde. Gäbe es in den Gebirgen keine Gletscher, die aus Schnee und Eis entstanden sind, dann könnten auch einige Flüsse nicht mehr so reichlich fließen. Ebenso wunderbar wie die Wasserversorgung ist der Abfluss des Wassers. Es kehrt auf verschiedene Weise ins Meer und in die Luft zurück, und in der Formation von Nebel und Wolken wiederholt sich der Zyklus. Könnte das Wasser nicht abfließen, dann gäbe es Überschwemmungen, wie es geschieht, wenn die normalen Naturvorgänge gestört werden. Dasselbe geschieht, wenn der Regen übermäßig fällt. Aber auch diese anormalen Bedingungen haben ihren Wert. Der Mensch sollte Allah für Seine Gaben in diesen unaufhörlichen Naturereignissen dankbar sein. (Juusuf `Allii) Mit Weisheit und Voraussicht. Nicht zuviel, so dass es Unheil anrichten könnte, und nicht zu wenig, so dass die Erde nicht austrocknet. (Qutb) 25. Es wird teilweise von der Erde absorbiert, und ein Teil sammelt sich an der Oberfläche. (Darjabadi) 26. Entweder dadurch, dass Er es nicht mehr regnen lässt, es ungenießbar macht oder es so tief in der Erde versickern lässt, dass keiner es erreichen kann. (ibn Kasir) Dies soll die Menschen davor warnen, dass Allah sehr wohl in der Lage ist, das Wasser fortzunehmen, wenn Er es will, um der Welt damit ihre Lebensgrundlage zu entziehen. Der Aja ist somit von seiner Bedeutung her umfassender als ein ähnlicher in Suura 67:30. (Maududi)
19. Und Wir27 brachten damit für euch Gärten mit Dattelpalmen und Weinreben hervor.28 Darin habt ihr eine Vielfalt von Früchten, und von ihnen ernährt ihr euch.29 27. Allah allein, und nicht irgendeine Fruchtbarkeitsgottheit. (Darjabadi) 28. Datteln und Trauben sind nur zwei Beispiele aus dem Reich der Pflanzen, die durch das Wasser entstehen - ebenso wie auch die Menschen aus Wasser entstehen. (Qutb) Datteln und Trauben sind die bekanntesten Früchte auf der arabischen Halbinsel. Jede Region hat jedoch eine solche Vielfalt von Früchten, dass es fast unmöglich ist, seine Dankbarkeit Allah gegenüber so zu bezeigen, wie es sich geziemt. (Ihn Kasir) 29. Vergleiche Suura 7:19 und 5:69 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii) So dass ihr aus den Produkten der Erde euren Lebensunterhalt gewinnen könnt. (Maududi) Im Winter wie im Sommer. (Al-Dschalalain) Eine Vielfalt von Früchten, nicht nur Datteln und Trauben. (Al-Dschalalain)
20. Und einen Baum (haben Wir hervorgebracht), der auf dem Berg Sinai wächst30 und Öl hervorbringt - ein Hochgenuss für die, die (davon) essen.31 30. Die besten Oliven Arabiens wachsen in der Umgebung des Berges Sinai. Feige, Olive, der Berg Sinai und die heilige Stadt Makka werden zusammen in Suura 95:1-3 erwähnt, wo auch die mystische Bedeutung erläutert wird. Olivenöl ist ein wichtiger Bestandteil in Salbölen, die für medizinische und religiöse Zwecke verwendet werden. Es hat damit eine symbolische Bedeutung. Als Nahrungsmittel hat die Olive ein delikates Aroma. Vergleiche auch Suura 24:35 und die entsprechende Fußnote. (Juusuf 'Allii) Der Olivenbaum ist charakteristisch für jene Mittelmeerländer, in denen viele Propheten vor dem Qur’an lebten und wirkten - hier symbolisiert durch den Berg Sinai. (Asad) Ein Olivenbaum kann über zweitausend Jahre alt werden, einige Olivenbäume in Palästina stammen noch aus der Zeit ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Maududi) 31. Der Nutzen des Olivenöls als Lampenöl, Nahrungsmittel und Salböl ist so bekannt, dass sich eine weitere Erörterung erübrigt. (Darjabadi)
21. Und auch im Vieh habt ihr fürwahr ein lehrreiches Beispiel.32 Wir geben euch zu trinken von dem, was In ihren Leibern ist33 und ihr habt an ihnen vielfachen anderen Nutzen34 und ihr esst davon.35 32. Die Wurzel des Wortes "'ibra" عِبْرَ bedeutet "interpretieren", "erläutern" oder "instruieren" wie in Suura 12:43; das Nomen bezeichnet eine Interpretation, ein Beispiel oder ein Zeichen, das lehrt, wie hier und in Suura 16:66, oder warnt, wie Suura 3:13. Vom Vieh erhalten wir Fleisch und Milch, aber auch Felle und Häute, und wir können einige Arten als Trag- oder Lasttiere benutzen. (Juusuf `Allii) Ein lehrreiches Beispiel für den, der es mit offenem Herzen und wachem Gefühl anschaut und über die Weisheit und Planung, die dahinter steckt, nachdenkt. (Qutb) 33. Nämlich Milch. Vergleiche auch Suura 16:66 und die entsprechenden Fußnoten. (Maududi) 34. Häute, Haar, Hörner und so weiter. (Darjabadi) 35. Nachdem ganz allgemein auf ihren vielfachen Nutzen hingewiesen wurde, folgen hier zwei spezielle Hinweise: als erstes ihre Bedeutung für die Ernährung im Leben des Menschen. (Qutb) Das heißt von ihrem Fleisch. (Asad)
22. Und auf ihnen und auf den Schiffen werdet ihr dahingetragen.36 36. Sie tragen euch von einem Ort zum anderen. (Darjabadi) Der Nutzen von Reittieren wird hier zusammen mit dem der Schiffe als Transportmittel erwähnt, denn sie erfüllen einen ähnlichen Zweck. Darum bezeichnet man beispielsweise auch das Kamel als "Schiff der Wüste". (Maududi) Beide, Reittiere wie Schiffe, sind von Allah so geschaffen, dass beide den Erfordernissen, die sie zu erfüllen haben, gerecht werden, das eine zu Lande, das andere auf dem Wasser. (Qutb)
Abschnitt 2 23. Und Wir haben vordem Nuuch37 zu seinem Volk38 entsandt, und er sagte: „O mein Volk! Dient Allah, ihr habt keine Gottheit außer Ihm.39 Wollt ihr also nicht mutaqi sein"?40 37. Nachdem die materiellen Gaben Allahs aufgezählt worden sind, mit denen Er uns in weiser und freundlicher Fürsorge versieht, wird hier unsere Aufmerksamkeit auf Allahs Fürsorge in geistigen Dingen gelenkt. Er schickt uns Lehrer, die uns lehren und leiten, selbst wenn man sie dafür verspottet, ablehnt, ihnen Lüge und Eigennutz vorwirft; sie jedoch wurden von Allah geschützt, und Allahs Wahrheit setzte sich letztendlich durch. (Juusuf `Allii) Von den Beweisen, die zum Iman führen sollen, in lebenden Wesen und im Universum, wendet sich der Text hier zum eigentlichen Sinn des Imans. (Qutb) 38. "Volk" ist hier gleichbedeutend mit "Zeitgenossen". (Juusuf `Allii) Die alle die vielfältigen Erweise für die Einzigartigkeit des Schöpfers aus den Augen verloren hatten und damit auch alle Dankbarkeit für Seine zahlreichen Segnungen und Gaben aufgegeben hatten. (Asad) Vergleiche auch Suura 7:59-64; 10:71-73; 11:25-48; 17:3 und 21:76-77. (Maududi) 39. Gehorchet Ihm und bekennt euch zu Dem Einen Gott. (Al-Dschalalain) Dies ist die Essenz der Wahrheit, die unveränderlich ist und auf der das gesamte Dasein beruht. Alles Existierende bezeugt es. (Qutb) 40. Fürchtet ihr nicht die Folgen eures Leugnens? Vergleiche Suura 7:59. "Allah fürchten" bedeutet, ein rechtschaffenes Leben zu führen und Böses zu meiden. (Juusuf 'Allii) Fürchtet ihr nicht, dass ihr, wenn ihr Allah, dem wahren Herrn, Götzen zur Seite stellt, Seinen Zorn und Seine Strafe verdient? (Maududi)
24. Doch die Vornehmen seines Volkes, die nicht den man verinnerlichen wollten, sprachen:41 „Dieser ist nichts anderes als ein Mensch wie ihr,42 der sich nur über euch erbeben will.43 Und wenn Allah gewollt hätte, dann hätte Er Engel herabgesandt.44 Wir haben von solchem noch nie bei unseren Vorfahren gehört.45 41. Zu dem gewöhnlichen Volk. (Darjabadi) 42. Weder ein Heros noch ein Engel noch ein Halbgott. (Darjabadi) Anstatt die Wahrheit anzunehmen und darüber nachzudenken, stellen sie die Angelegenheit als ein persönliches Problem eines einzigen Menschen dar. (Qutb) Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, ein Prophet müsse eine Art Übermensch sein. Der Qur’an hat diese falsche Vorstellung immer wieder zurückgewiesen und mit Nachdruck betont, dass alle Propheten Menschen waren und dass nur Menschen die Aufgaben eines Propheten für Menschen erfüllen können. Vergleiche diesbezüglich auch Suura 7:63; 10:2; 11:27-31; 13:38 und viele andere Stellen sowie die entsprechenden Fußnoten. (Maududi) Wie wunderlich! Sie betrachten das Prophetentum eines Menschen als abwegig, während sie einem Stein Göttlichkeit zuerkennen. (Safwat Al-Tafsir) In dieser Geschichte und in den nächsten vier Geschichten der Propheten, die erzählt werden, werden die Propheten mit Vorwürfen konfrontiert. 1. sie sind nur Menschen, 2. sie sind keine Engel, 3. niemand hat je von ähnlichem bei den Vorfahren gehört, 4. sie sind verrückt und 5. man sollte auf ihren Tod warten. (Safwat Al-Bajan) 43. Indem er sich zum Führer macht und euch zu seinen Gefolgsleuten. (Al-Dschalalain) Er maßt sich eine höhere Stellung an, indem er angibt, Allahs Sprachrohr zu sein. (Darjabadi) Dies ist ein alter Einwand, der immer gegen diejenigen vorgebracht wurde, die versuchte ihr Volk zu reformieren. Ihre Gegner warfen innen vor, dass sie die Religion missbrauchten, um Macht zu gewinnen Muusa, Haruun und 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, mussten diese Vorwürfe ebenso anhören wie Muchammad - Friede sei mit ihm. Dies ging so weit, dass die kaafir Makkaner dem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, anboten, ihn zu ihrem König zu machen, wenn er nur seine Botschaft aufgäbe. In der Tat können Leute, denen ihr Sinn nur nach irdischen Vorteilen steht, nicht akzeptieren, dass sich ein Mensch selbstlos für das Wohl der Menschen einsetzen kann. Sie betrachten verführerische Parolen, die sie selbst verwenden, um Macht zu erlangen, und falsche Versprechungen, wie sie selbst sie den Massen machen, als natürlich. Aufrichtigkeit und Selbstlosigkeit kann ihrer Ansicht nach nur mit dem Ziel eingesetzt werden, das Volk zu betrügen, ansonsten sind solche Charaktereigenschaften nutzlos. Deswegen wurde der Vorwurf, "machthungrig" zu sein, immer von denjenigen auf wirkliche Reformer angewendet, die selbst an der Macht waren, als ob sie einen Anspruch auf diese Macht hätten. In diesem Zusammenhang muss noch einmal erwähnt werden, dass alle, die eine ungerechte Gesellschaft reformieren wollen, sich unweigerlich mit deren Machthabern auseinandersetzen müssen, wenn sie ein gerechtes System aufbauen wollen. Die jeweiligen Machthaber haben sich daher auch immer gegen die Propheten und deren Anhänger gewandt, die ihre Position in Frage stellten. Es besteht jedoch ein grundlegender Unterschied zwischen denen, die um ihrer eigenen egoistischen Ziele willen Macht gewinnen wollen, und denen, die ihr Volk reformieren wollen. (Maududi) 44. Mit dieser Aussage weisen sie nicht nur die Berufung Nuuch zurück, sondern grundsätzlich auch die Berufung des menschlichen Geschlechtes, zu dem sie gehören (2:30). Denn sie halten den Menschen nicht für wert, als Allahs Gesandter auserwählt zu werden. (Qutb) Sie schreiben ihm völlig falsche Absichten zu (indem sie von sich selbst auf andere schließen). "Wenn Allah gewollt hätte", so sagen sie, "dann hätte Er uns Engel schicken können, nicht einen Menschen wie wir aus unseren eigenen Reihen. Unsere Vorfahren haben nicht dem Einen Gott gedient; warum also sollten wir das tun"? (Juusuf `Allii) Wenn Allah wollte, dass Er allein verehrt wird. (Al-Dschalalain) Nuuchs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Zeitgenossen leugneten nicht Allahs Existenz und Herrschaft. Sie setzten ihm lediglich andere Wesen zur Seite. (Maududi) 45. Wir haben nie von einer solchen Aufforderung oder einem solchen Menschen, der mit einer Botschaft von seinem Herrn entsandt wird, gehört. (Al-Dschalalain) Solches passiert immer, wenn blinde Nachahmung die Bewegung des Denkens und die Freiheit des Herzens außer Kraft setzt. (Qutb) Menschen lehnen oft einen neuen ethischen Lehrsatz einfach mit der Begründung ab, dass er ihrer "angestammten" Denk- und Verhaltensweise widerspricht. Diese Anspielung beinhaltet indirekt eine Verurteilung aller blinden Nachahmung oder gedankenlosen Annahme irgendwelcher Lehren und Dogmen, die nicht eindeutig von der Offenbarung Allahs, den ausdrücklichen Lehren eines Propheten oder der Erkenntnis der vorurteilslosen Vernunft gestützt sind. (Asad) 25. (Einige sagten): „Er ist wahrlich nichts anderes als ein Mann, der besessen ist. So ertragt ihn einstweilen".46 46. Bis ihn der Tod hinwegnimmt und euch von ihm und von seinem Aufruf und seinen dringlichen Ermahnungen erlöst. (Qutb) Dies ist meiner Ansicht nach die Meinung einer anderen Gruppe der Kaafirs. Sie gingen davon aus, dass er besessen sei und man ihn am besten in Ruhe lassen sollte. Seine Besessenheit würde sich dann austoben, oder er selbst würde zu einem bösen Ende kommen. (Juusuf `Allii) Bis der Tod ihn dahinrafft oder er wiedergesundet. (Safwat Al-Bajan)
26. Da sagte (Nuuch): „O mein Herr! Hilf mir, denn sie verwerfen mich als Lügner".47 47. Als er jede Hoffnung aufgab, dass sie den Iman verinnerlichen würden. (Safwat Al-Tafsir) Bestrafe sie für ihre Ablehnung meiner Aufforderung. (Al-Dschalalain) Vergleiche auch Suura 54:10: 71:26-27 und die entsprechenden Fußnoten. (Maududi)
27. Und wir gaben ihm ein: „Baue ein Schiff unter Unseren Augen und nach Unserer Eingebung.48 Und wenn Unser Befehl ergeht,49 und die Wasser aus der Erde wallen,50 dann nimm von jedem Paar51 zwei an Bord und auch deine Familie - mit Ausnahme derer, gegen die Unser Urteilsspruch bereits ergangen ist.52 Und bitte Mich nicht für diejenigen, die Unrecht getan haben, denn sie sollen ertränkt werden.53 48. Vergleiche diesen ganzen Abschnitt mit Suura 11:35-48 und den entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii) Nach Unseren Anweisungen. (Safwat Al-Tafsir) 49. Der Grund für diese gekürzte Wiederholung der Geschichte Nuuchs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die in Suura 11:25-48 viel ausführlicher wiedergegeben ist, geht aus Aja 29 unten hervor. (Asad)
50. Vergleiche Suura 11:40 und die entsprechende Fußnote, wo das Wort "tannur" تَنُّور erläutert wird. (Juusuf `Allii)
51. Jeweils ein Paar von
allen Vögeln, Tieren und Pflanzen, die Nuuch, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, zu jener Zeit bekannt waren, aber auch all seine
Angehörigen. (Qutb) 52. Nämlich diejenigen, die kaafir waren und die Wahrheit leugneten, und die somit Allahs Urteil und Sein Gesetz gegen sich erwirkt haben. (Qutb) 53. Du darfst keinesfalls angesichts des großen Regens mit deinem Volk Mitleid empfinden oder gar in dir die Hoffnung aufkommen lassen, ihnen Aufschub zu gewähren, so dass sie doch noch zur Rechtleitung finden mögen, denn Mein Urteil ist schon über sie ergangen, sie für ihr hartnäckiges Leugnen und ihre Übertretung mit dem Ertrinken zu bestrafen. (ibn Kasir) Allahs Gesetzmäßigkeit (Sunna Allah) kennt keine Begünstigung und weicht nie von dem einen Geraden Weg ab, weder um eines Freundes noch eines sonst wie Nahestehenden willen. (Qutb)
28. Und wenn ihr - du und die mit dir sind - dann das Schiff bestiegen habt,54 dann sprich: „Gepriesen sei Allah, Der uns aus dem ungerechten Volk errettet hat"!55 54. Das Wort "istawaa" اسْتَوَ ist in den Fußnoten zu Suura 10:3 ausführlich erläutert. Hier bedeutet es "eingeschifft", "eingestiegen". (Juusuf `Allii) 55. Nuuch, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ist dankbar für die Rettung vor einem Volk, das von Grund auf bösartig war. (Maududi) Nuuch, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ist er in Vertretung für sein Volk als ihr Führer mit der Ansprache betraut. Sie ergeht jedoch an seine Begleiter. (Safwat Al-Tafsir)
29. Und sprich: „O mein Herr, lass meine Landung gesegnet sein,56 denn Du bist es, der die beste Landung gewährt".57 56. Das heißt in Unversehrtheit und Heil. (Qurtubi) Dieses zweite Gebet wurde Noah eingegeben, als die Flut zurückging und die Zeit herannahte, wieder an Land zu gehen. (Juusuf `Allii) Das heißt in einem segensreichen Zustand oder an einem segensreichen Ort. Beide Bedeutungen sind in dem Begriff eingeschlossen. (Asad) 57. Wörtlich: „der Beste es von denen, die (Menschen) die Landung ermöglichen", das heißt an ihrem wahren Ziel. In diesem Gebet, das im weiteren Sinne auch allen Mu’mins nahe gelegt wurde, wird die Geschichte von dem Schiff zu symbolischer Bedeutung erhoben: sie erweist sich als eine Parabel von der menschlichen Seele, die sich nach der Erleuchtung Allahs sehnt, die allein dem Menschen zeigen kann, wie er sich retten und sein wahres Ziel erreichen kann, sowohl im geistigen Bereich als auch im irdischen Leben. (Asad) Die "Landung" hier nicht einfach nur, dass die Menschen an Land gingen, sondern umfasst auch die Bedeutung der "Gastfreundschaft", so dass sie sozusagen Allahs Gäste wurden. (Maududi) In diesem und im letzten Aja lehrt Allah Seine Diener, was sie zu sagen haben beim Ein- und Aussteigen aus einem Transportmittel und auch beim Betreten ihrer Häuser. Von `Allii wird überliefert, dass er beim Betreten der Moschee zu sagen pflegte: „Mein Herr, lass meinen Eingang gesegnet sein, und Du bist es, Der den besten Eingang gewährt". (Qurtubi)
30. Wahrlich, darin58 sind gewiss Zeichen59 und Wir haben sie damit nur auf die Probe gestellt.60 58. In diesem ganzen großen historischen Ereignis. (Darjabadi) 59. Zeichen dafür, dass Allah gerecht ist und die Wahrheit zur Geltung bringt. (Darjabadi) Zeichen und Hinweise auf Allahs Allmacht. (Al-Dschalalain) Zeichen für nachdenkende Menschen. (Juusuf `Allii) Zeichen, aus denen viele Lehren gezogen werden können. Ein ähnlicher Vorgang wie in der Geschichte Nuuchs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zeichnete sich damals in Makka ab: letztendlich wird dieser Prophet ebenso mit Allahs Hilfe seine Gegner überwinden wie seinerzeit Nuuchs. (Maududi) 60. Nuuchs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Zeitgenossen hatten jede Möglichkeit, sich warnen zu lassen und umzukehren. Sie weigerten sich jedoch und gingen unter. Allahs Wahrheit aber überlebte und ging auf die folgenden Generationen über. Will die Menschheit dies nicht begreifen? (Juusuf `Allii) Die Arten der Prüfungen sind vielfältig: Sie werden von Allah aufgestellt, um die Geduld der Menschen und ihre Dankbarkeit zu zeigen, um sie zu belohnen, um sie zu leiten, um sie zu erziehen, um sie zu reinigen und um sie gerade zu richten. (Qutb) Gemeint sind die früheren Völker. Sie wurden durch die Botschaften Allahs geprüft, um aufzuzeigen, wer von ihnen gehorsam und wer ungehorsam war. (Qurtubi) Ein Volk, das die Macht in einem Land erlangt hat, wird nicht sich selbst überlassen. Allah prüft es, wie es mit dieser Macht umgeht. Dies geschieht in Übereinstimmung mit Allahs Gesetzmäßigkeiten, und so wie Nuuchs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Volk für seinen Machtmissbrauch zur Rechenschaft gezogen wurde, so ergeht es auch in der Zukunft jeder Gemeinschaft, die sich ähnlich verhält. (Maududi)
Abschnitt 3 31. Dann brachten Wir ein anderes Volk nach ihnen hervor.61 61. Diese Anspielung bezieht sich möglicherweise auf die `Ad und die Tamuud. "Nach ihnen" bedeutet jedenfalls "nach der Zeit von Nuuchs Volk". (Darjabadi) Wörtlich: "eine Generation (qarn قَرْن) von anderen". Vergleiche auch Suura 6:6 und die entsprechende Fußnote, wo dieser Begriff ausführlich erläutert wird. (Asad) Der Zweck des Erwähnen der Prophetengeschichten sollte nicht der sein, sie gründlich zu erforschen, sondern nur die Einheitlichkeit ihre Worte aufzuzeigen, und auch dass sie alle gleich empfangen wurden. Aus diesem Grund werden zwischen Nuuch, Muusa und ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, keine Namen erwähnt. (Qutb)
32. Und Wir entsandten zu ihnen einen Gesandten aus ihren Reihen,62 (der sagte:) „Dient Allah! Ihr habt keine Gottheit außer Ihm. Wollt ihr also nicht mutaqi sein?"63 62. Einer aus ihrer Sippe, über dessen Geburt und Heranwachsen sie bestens Bescheid wussten, damit sie seinen Worten mehr Vertrauen schenken sollten. (Qurtubi) Wenn sich dies auf einen bestimmten Propheten bezieht, dann muss es sich dabei um Huud handeln, der zu den `Ad gesandt wurde, oder um Saalich der zu den Tamuud geschickt wurde. So folgten jedenfalls nach Nuuch, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen die Generationen aufeinander. Vergleiche auch Suura 11:50-68. Da jedoch kein bestimmter Name genannt wird, neige ich zu der Ansicht, dass damit einfach der Typus der nach Nuuch kommenden Gesandten gemeint ist, bis wir später zu und 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, kommen. Die Zielsetzung liegt hier nicht in der Wiedergabe der Geschichten, sondern es soll gezeigt werden, dass die Opposition der Bösen nicht den Siegeszug der Wahrheit Allahs beeinträchtigt. (Juusuf `Allii) 63. Bezüglich der Einheit Gottes sehen wir hier genau denselben Wortlaut wie zuvor bei Nuuch Allahs Segen und Frieden auf ihm, nur vielleicht in einer anderen Sprache. (Qutb) Die meisten klassischen Kommentatoren nehmen an, dass es sich bei diesem Propheten um Huud, Allahs Segen und Frieden auf ihm, handelt, den Propheten der `Ad. Da dieser Abschnitt jedoch Elemente enthält, die in den Geschichten vieler Propheten erscheinen, einschließlich der des Propheten Muchammad - Friede sei mit ihm - bin ich der Ansicht, dass es von allgemeiner Bedeutung ist, nämlich eine Anspielung auf alle Gesandten Allahs und die immer wiederkehrende Ähnlichkeit ihrer Erfahrung. (Asad)
33. Da sagten die Vornehmen seines Volkes, die kaafir waren und das Zusammentreffen im Jenseits als Lüge verwarfen und denen Wir das diesseitige Leben im Überfluss geboten hatten:64 „Dies ist auch nur ein Mensch wie ihr, der von dem isst, wovon (auch) ihr esst, und der von dem trinkt, wovon (auch) ihr trinkt".65 64. Reichtum in dieser Welt tritt oft in Verbindung mit Mangel an Taqwa und mit Kufr auf. (Darjabadi) Nur weil Allah ihnen in diesem irdischen Leben Wohlstand gegeben hat und diese dadurch verdorben wurden. Vergleiche auch Suura 11:116 und die entsprechende Fußnote, wo das Wort "tarifa" näher erläutert wird. (Asad) Die Leute, die am ehesten Gegner ihres Propheten waren, hatten drei gemeinsame Eigenschaften: 1. sie waren Führer ihres jeweiligen Volkes; 2. sie leugneten ein zukünftiges Leben; und 3. sie genossen irdischen Wohlstand. Offensichtlich liebten sie das Leben in dieser Welt und konnten sich nicht vorstellen, dass ihre Lebensweise, die ihnen Wohlstand und eine führende Position ermöglicht hatte, falsch sein könnte. Deswegen wandten sie sich gegen die Propheten, die sie beunruhigten, indem sie verkündeten, es gebe ein zukünftiges Leben, und die Menschen würden von Allah für ihr Verhalten in dieser Welt zur Rechenschaft gezogen. (Maududi) 65. Er besitzt keinen Vorzug vor euch, da er genau wie ihr der Nahrung bedarf. (Al-Dschalalain) Der Wortlaut der Antwort ist fast der gleiche wie zuvor bei Nuuch, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Qutb) Sie stehen nicht über gewöhnlichen menschlichen Bedürfnissen. Für Menschen mit polytheistisch beeinflussten Vorstellungen war es völlig unverständlich, dass gewöhnliche Menschen Allahs Gesandte sein können. (Darjabadi) 34. Und wenn ihr einem Menschen wie euch gehorcht, denn werdet ihr ganz gewiss verloren sein.66 66. Wenn ihr eure Götter verlasst. (Qurtubi) Dieser Menschentypus, der das Leben genießt, das zukünftige Leben leugnet und auf jeden eifersüchtig ist, der versucht, seinen Horizont zu erweitern, wird hier in kurzen anschaulichen Sätzen dargestellt. Es langweilt ihn, wenn ernsthafte Dinge erwähnt werden, die über seine Vorstellungen hinausgehen. Statt über die Zukunft nachzudenken, sollte man seiner Ansicht nach lieber die Gegenwart genießen; in der Gegenwart könne man gewinnen, der Verlust liegt in der Zukunft." (Juusuf `Allii) "Es wäre doch wirklich unklug, einem bloßen Sterblichen zu folgen". (Darjabadi) Solche Bemerkungen richteten die Einflussreichen an das gewöhnliche Volk. Als die Machthaber spürten, dass sich die Botschaft Gottes im Volk ausbreitete und tatsächlich die Gefahr bestand, diese würde durch den reinen Charakter des Propheten beeinflusst und die Macht der Führer würde ein Ende finden, fingen sie an, Volk mit demagogischen Methoden abzulenken. Bemerkenswert ist, dass sie, wie aus den Beispielen von Nuuch und Huud hervorgeht, den Propheten Machthunger vorwerfen, der gerade für sie selbst eine selbstverständliche Eigenschaft ist. (Maududi)
35. Gibt er euch etwa sein Wort, dass ihr, wenn ihr gestorben und zu Staub und Knochen geworden seid, wieder hervorgebracht werden sollt?67 67. Welch eine merkwürdige Lehre! (Darjabadi) Diese Frage bringt ihr Befremden und ihren Spott zum Ausdruck. (Safwat Al-Tafsir) Wie jene Vorfahren können sie nicht die Weisheit des größeren und vollkommeneren Lebens begreifen,, auf das der Prophet aufmerksam macht. Vollkommenheit wird nicht auf der Erde verwirklicht, und Gutes wie Böses kann nicht in diesem irdischen Leben vollkommen vergolten werden. (Qutb)
36. Weit, weit hergeholt ist das, was euch da versprochen wird! 37. Es gibt kein weiteres Leben als unser Leben in dieser Welt. Die einen von uns sterben und die anderen leben, doch werden wir niemals wiedererweckt werden.68 68. Allem Anschein nach sagen sie: "Es gibt kein zukünftiges Leben; es ist sicher, dass wir sterben; es ist sicher, dass wir dieses Leben haben; einige Menschen sterben, einige werden geboren, einige leben, und so setzt sich der Kreislauf fort; aber wie könnten Tote zum Leben erweckt werden"? (Qutb) Sie behaupten mit Entschiedenheit und Frechheit, dass es nur ein einmaliges Leben und ein einmaliges Sterben gibt. Eine Generation stirbt aus und eine andere wird ins Leben gerufen. Eine Wiedererweckung für jemand, der zu Staub und Asche geworden ist, ist eine Unmöglichkeit. (Qutb)
38. „Fürwahr, er69 ist nichts anderes als ein Mann, der eine Lüge gegen Allah ersonnen hat, doch wir werden ihm niemals den Iman verinnerlichen".70 69. Der Gesandte. (Al-Dschalalain) 70. Diese Worte zeigen, dass dieses Volk nicht eigentlich Allah an sich leugnet. Es setzte Ihm lediglich andere Wesen zur Seite. (Maududi) „Er ist nur ein Narr, der sich Dinge ausdenkt und dann behauptet, es sei eine Offenbarung Allahs! Wir sind zu klug, um auf so etwas hereinzufallen". (Juusuf `Allii) Sie bleiben nicht nur bei dieser Ignoranz stehen, sondern gehen weiter mit ihrer Verleumdung des Gesandten. Sie werfen ihm vor, er habe eine Lüge gegen Allah ersonnen, wobei sie nur an dieser Stelle und zu diesem Zweck an Allah denken. (Qutb)
39. Er sagte:71 „Mein Herr! Hilf mir, denn sie erklären mich zum Lügner"!72 71. Der Prophet, auf den sich Aja 32 bezieht. (Darjabadi) 72. Vergleiche oben Aja 26. Jeder Prophet wird geschmäht und verfolgt. Es ist auf verschiedene Weise immer dieselbe Geschichte. (Juusuf `Allii)
40. Da sprach Er: „Wahrlich, bald werden sie von Reue erfasst werden"!73 73. Wenn die Strafe über sie hereinbricht, tut ihnen alles leid, aber dann ist es zu spät. (Juusuf `Allii)
41. Mit Recht74 erfasste sie darauf ein gewaltiger Schrei,75 und Wir vernichteten sie wie Abschaum.76 Hinweg also mit dem ungerechten Volk! 74. Wie ihnen verheißen worden war. (Darjabadi) Der Ausdruck "bil-haq" بِالْحَق (wörtlich: "der Wahrheit entsprechend" oder "mit Gerechtigkeit") verbindet in diesem Falle die Vorstellungen von Gerechtigkeit, Weisheit, Wahrheit, Unausweichlichkeit und Übereinstimmung mit der Notwendigkeit in dem betreffenden Fall. Daher meine Übersetzung: "gerecht und unausweichlich". (Asad) 75. Ihr Leugnen und ihre Verleumdung. (Al-Dschalalain) Sie werden reuig werden, wenn ihnen keine Reue mehr hilft. (Qutb) Vergleiche auch Suura 11:67 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Ali) Der Schrei der Bestrafung. (Al-Dschalalain) 76. "Rusa'a" غُثَاء : zusammengefegte trockene Blätter, Abschaum. (Juusuf `Allii) Von einem Strom hinweggespülter Abschaum oder Abfall. (Darjabadi) Von der Strömung ans Ufer gespülter Unrat. (Maududi) Da sie selbst jede Verbindung zur himmlischen Schar abgeschnitten hatten, verdienten sie keine Ehrung mehr. (Qutb)
42. Dann ließen Wir zahlreiche Generationen nach ihnen entstehen.77 77. Das heißt neue Kulturen. (Asad) Nach deren Untergang. (Qurtubi)
43. Kein Volk kann die ihr bestimmte Frist vorverlegen78 oder hinausschieben.79 78. Allah allein legt dies fest und entscheidet darüber. (Darjabadi) Vorher stirbt es nicht aus. (Al-Dschalalain) 79. Vergleiche auch Suura 15:5 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad) Jede Generation lebt die für sie festgesetzte Zeit, dann aber vergeht sie. (Qutb)
44. Dann schickten Wir Unsere Gesandten einen nach dem anderen.80 Jedesmal wenn zu einer Gemeinschaf ihr Gesandter kam, beschuldigten sie ihn der Lüge. So ließen Wir sie einander folgen81 und machten sie zu Geschichten.82 Hinweg also mit Leuten, die nicht den Iman verinnerlichen wollen!83 80. Nacheinander zu verschiedenen Völkern. (Darjabadi) 81. In den Untergang. (Darjabadi) 82. Um folgende Generationen zu lehren. (Darjabadi) Als warnendes Beispiel. (Qurtubi) Ihre Wohnstätten und Organisationen wurden vernichtet. Es bleibt nur die überlieferte Geschichte von ihrer Existenz. Wo ihr Name geblieben ist - und das ist nicht immer der Fall - soll damit eine Moral veranschaulicht werden. (Juusuf `Allii) 83. Denjenigen, die nicht an Allahs Gnade den Iman verinnerlichen. (Maududi) 45. Dann entsandten Wir Muusa und seinen Bruder Haruun mit Unseren Zeichen und offenkundiger Ermächtigung84 84. Muusa und Haruun. hatten einen zweifachen Auftrag: 1. an Pharao und seine Berater, die aufgrund ägyptischer Arroganz versagt hatten; 2. an die Israeliten, für die Muusa auch später am Berg Sinai das Gesetz empfing, die aber immer wieder gegen Allah rebellierten. In beiden Fällen fanden Wunder statt, und andere außergewöhnliche Ereignisse ("deutliche Zeichen") wiesen darauf hin, dass die beiden auf Allahs Geheiß gekommen waren und Seinen Auftrag ausführten. (Juusuf `Allii) All die klaren Zeichen und zwingenden Beweismittel, die Allah ihnen mitgab, hinterließen keinen Eindruck in den verschlossenen Herzen, die sich tief in den nichtigen Dingen dieser Welt und ihren billigen Werten verstrickt hatten. (Qutb)
46. Zu Pharao und seinen Anführern.85 Doch sie waren hochmütig und ein überhebliches Volk.86 85. Muusa und Haruun werden hier namentlich erwähnt, weil ihr Fall sich von dem aller anderen Propheten unterschied: sie wurden nicht nur von ihrem eigenen Volk zurückgewiesen, sondern auch von den Unterdrückern ihres Volkes. (Asad) 86. Dies kann entweder bedeuten: "sie waren ein höchst arrogantes und tyrannisches Volk", oder: „sie zeigten sich arrogant und von sich eingenommen". (Maududi)
47. So sprachen sie:87 „Sollen wir an zwei Menschen den Iman verinnerlichen, wie wir selbst es sind? Wo doch ihr Volk uns dienen (muss)„!88 87. In ihrem Hochmut. (Darjabadi) 88. Ihr Nationalstolz veranlasste die Ägypter zu sagen: „Diese Leute gehören einem Volk an, das wir unterworfen und zu unseren Sklaven gemacht haben. Wie können wir sie dann als Gesandte Allahs akzeptieren"? (Juusuf `Allii) Im arabischen Sprachgebrauch ist "Verehrer" und "Diener" gleichbedeutend ('Abid). Als daher die Propheten ihr Volk aufforderten, Allah allein anzubeten, meinten sie damit, dass es Allah allein dienen und Ihn allein verehren sollte. (Maududi)
48. So beschuldigten sie die beiden der Lüge und sie waren unter denen, die der Vernichtung preisgegeben wurden.89 89. Wörtlich: "sie gehörten zu denen, die untergingen", das heißt sie teilten ihr Schicksal mit denen, die zuvor untergegangen waren. (Asad) Durch Ertrinken. (Qurtubi) Dies war das letzte Mal, dass Allah ein ganzes Volk der Vernichtung preisgab. Danach wurden die Mu’mins dazu verpflichtet, gegen die Frevler zu kämpfen. (ibn Kasir) Weitere Details dieser Geschichte finden wir in Suura 2:49-50; 7:103-136; 10:75-92; 11:96-99; 17:101-104; 20:9-80 sowie die entsprechenden Fußnoten.
49. Und Wir gaben Muusa das Buch,90 damit sie vielleicht zur Rechtleitung finden würden.91 90. Die Thora. (Al-Dschalalain) Nach dem Untergang der ägyptischen Armee. (Darjabadi) 91. Nämlich die Kinder Israels. (Darjabadi) Dies bezieht sich auf den zweiten Teil von Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Auftrag, der sich an die Israeliten richtet, den diese aber durch ihren Mangel an Iman fruchtlos machten. Vergleiche auch oben Fußnote 84. (Juusuf `Allii)
50. Und Wir machten den Sohn Marjams und seine Mutter zu einem Zeichen,92 und Wir gewährten ihnen beiden Zuflucht auf einem Hügel93 mit Wiesen und Quellen.94 92. Nach Adam der ohne Vater und Mutter erschaffen worden war, war es die Regel, dass die Menschen von Mann und Frau gezeugt wurden. Die Geburt 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, wich von dieser Regel ab. Es gilt als ein entscheidender Beweis von Allahs Allmacht, dass ohne Vater erschaffen wurde. (ibn Kasir) Die jungfräuliche Geburt ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war sowohl für ihn selbst wie auch für seine Mutter ein Wunder. Man warf ihr unrechtmäßig vor, unkeusch gewesen zu sein, aber das Kind 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vereidigte sie durch seine eigenen Wunder (vergleiche Suura 19:27-33) und verdeutlichte durch seinen Lebenswandel, wie niederträchtig diese Verleumdungen waren. (Juusuf `Allii) `Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seine Mutter werden hier besonders erwähnt, denn sie mussten Verfolgungen und Verleumdungen der Wahrheitsleugner ertragen. (Asad) Vergleiche auch Suura 3:45-49; 19:16-35 und 21:91 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Maududi) 93. In Ägypten, zum Schutz der Verfolgung durch Herodes. "Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden!" Matthäus 2,13-14. (Darjabadi) |