Eine Frau bietet sich 'Abdullah an

Abdullahs Heirat mit Amina

Tod und Hinterlassenschaft Abdullahs

Die  Worte, die Amina in der Schwangerschaft hörte

Muchammads Geburt (570 n. 'Isa)

Die Ammen

Halima bint Suab

Die Geschichte von der Öffnung der Brust

Muchammad in der Wüste

In der Obhut seines Großvaters Abdul-Muttalib

Das Verwaistsein

Aminas Tod

Der Tod von Abdul-Muttalib

In der Obhut seines Onkels Abu Talib

Die erste Reise nach Asch-Scham

Der Mönch Bachira

Der "Fidschar Krieg" (der "unsittliche" Krieg)

Das "Fudul Bündnis"

Der Hirte

Das Leben des Nachdenkens und Betrachtens

Hadidscha

Muchammad im Dienste von Hadidschas Handel

Die Lebensführung Muchammads

Ein Hinweis auf den Propheten Muchammad im Evangelium

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Frau bietet sich 'Abdullah an


Als 'Abdul-Muttalib danach seinen Sohn `Abdullah bei der Hand nahm und mit ihm wegging, trafen sie bei der Ka`ba die Schwester des Waraqa ibn Naufal. Diese blickte `Abdullah ins Antlitz und fragte ihn:
„Wohin gehst du, 'Abdullah?"
„Mit meinem Vater."
„Du erhältst so viele Kamele, wie für dich geschlachtet wurden, wenn du mir sogleich beiwohnst."
„Mein Vater ist bei mir, und ich kann ihm nicht zuwiderhandeln noch mich von ihm trennen."
'Abdul-Muttalib setzte mit ihm seinen Weg fort und brachte ihn zu Wahb ibn `Abdmanaf, der damals an Abstammung und Adel der Führer der Sippe Suchra vom Stamme Kuraisch war. Dieser gab 'Abdullah seine Tochter Amina zur Frau, die damals unter den Kuraisch die edelste war. Sogleich vollzog 'Abdullah mit ihr die Ehe, und sie empfing den Gesandten Gottes. Als `Abdullah sie darauf verließ und zu der Frau ging, die sich ihm zuvor angeboten hatte, fragte er sie:
„Was ist mit dir, dass du mir heute nicht mehr anbietest, was du mir gestern angeboten hast?"
„Das Licht", sprach sie, „das dich gestern begleitete, hat dich verlassen. Ich brauche dich deshalb nicht mehr."
Von ihrem Bruder Waraqa, der Christ geworden war und die Schriften las, hatte sie nämlich gehört, dass in diesem Volke ein Prophet erscheinen werde. So aber war der Gesandte Gottes der edelste und vornehmste seines Volkes sowohl von seines Vaters wie von seiner Mutter Seite.


Abdullahs Heirat mit Amina

Abdul-Muttalib hatte die siebzig bereits überschritten oder gerade erreicht, als Abraha den Angriff auf Mekka und die Zerstörung des alten Hauses versuchte. Sein Sohn Abdullah war vierundzwanzig Jahre alt, als er sich entschied, ihn zu verheiraten. Er wählte für ihn Amina aus, die Tochter des Wachb ibn Manaf ibn Suchra, der damals das Oberhaupt und der Angesehenste des Stammes der Banu Suchra war. Er zog mit ihm zum Lager der Banu Suchra, trat bei Wachb ein und hielt für Abdullah um dessen Tochter an. Einige Historiker behaupten, er sei zu Aminas Onkel Uhaib gegangen, da ihr Vater bereits verstorben war und sie unter der Obhut ihres Onkels stand. Am selben Tag, an dem Abdullah Amina heiratete, vermählte sich Abdul-Muttalib mit der Tochter ihres Onkels, Hala, und sie gebar ihm Hamsa, des Propheten gleichaltrigen Onkel.
Abdullah blieb dem Brauch der Araber entsprechend mit Amina drei Tage im Haus ihrer Angehörigen, als die Heirat im Haus der Braut vollzogen wurde. Als er mit ihr ins Lager der Banu Abdul-Muttalib gezogen war, lebte er noch nicht lange mit ihr zusammen, als er schon eine Handelsreise nach Asch-Scham antrat und sie schwanger zurückließ.
Die Berichte über Abdullah, und ob er neben Amina noch andere Frauen heiratete oder andere Frauen ihn heiraten wollten, gehen auseinander. Der Wissensstand reicht jedoch kaum aus, um derartigen Berichten genauer auf den Grund zu gehen. Alles, was mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass Abdullah ein gutaussehender und kräftiger Jüngling war. So ist es nicht verwunderlich, dass andere Frauen neben Amina auf eine Heirat mit ihm hofften. Als er sie heiratete, wurde den anderen zunächst einmal die Grundlage dieser Hoffnung entzogen. Aber wer weiß? Vielleicht warteten sie lediglich auf die Rückkehr von seiner Reise nach Asch-Scham, um neben Amina seine Gattinnen zu werden.
Abdullah verweilte auf seiner Reise einige Monate in Rassa. Auf seinem Rückweg machte er bei seinen Onkeln in Medina halt, um sich von den Mühen der Reise auszuruhen und danach mit einer Karawane nach Mekka aufzubrechen. Er wurde jedoch bei ihnen krank, und seine Gefährten ließen ihn zurück und unterrichteten nach ihrer Ankunft in Mekka seinen Vater über seine Krankheit. Daraufhin entsandte Abdul-Muttalib sogleich Al-Haris, den Öltesten seiner Söhne, nach Medina, damit er mit seinem Bruder nach dessen Genesung zurückkehre.
 


Tod und Hinterlassenschaft 'Abdullahs

Als Al-Haris Medina erreichte, erfuhr er, dass Abdullah einen Monat nach der Abreise der Karawane nach Mekka gestorben und dort begraben war. Er kehrte um, den Tod seines Bruders seinen Angehörigen zu verkünden. Die Herzen von Abdul-Muttalib und Amina wurden von Kummer und Traurigkeit bewegt, denn Amina verlor ihren Gatten, von dessen Leben sie sich Glück und Wohlstand erhofft hatte, und Abdul-Muttalib hatte ihn so sehr geliebt, dass er ihn von seinen Göttern durch eine derartige Auslösung errettet hatte, wie es die Araber zuvor noch nie gehört hatten.
Abdullah hinterließ fünf Kamele, eine Schafherde und die Sklavin Um-Aiman, die später den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, aufzog. Vielleicht war diese Hinterlassenschaft kein umfangreiches Vermögen, aber sie lässt genauso wenig auf Armut und Elend schließen. Zudem war Abdullah in der Blüte seiner Jahre und zum Erwerb, zur Arbeit und zur Bildung eines ausgedehnten Vermögens in der Lage. Darüber hinaus lebte sein Vater noch
und hatte ihm noch nichts von seiner Erbschaft übergeben.


Die  Worte, die Amina in der Schwangerschaft hörte

Die Menschen erzählen, dass zu Amina, als sie den Propheten unter dem Herzen trug, eine Stimme kam, die zu ihr sprach: „Du hast empfangen den Herrn dieses Volkes, und wenn er geboren wird, so sprich: Ich gebe ihn in die Obhut des Einzigen vor dem Übel eines jeden Neiders!' Und nenne ihn Muchammad, den Gepriesenen!"
Auch sah sie in der Schwangerschaft, wie ein Licht von ihr ausging, in dem sie die Schlösser von Busraa in Syrien erblickte.
Nur kurze Zeit, nachdem Amina den Propheten empfangen hatte, starb `Abdullah, der Vater Muchammads.


Muchammads Geburt (570 n. 'Isa)

Aminas Schwangerschaftszeit und die Geburt verliefen normal. Nach der Entbindung sandte sie nach Abdul-Muttalib, der sich bei der Kaaba aufhielt, ihn zu unterrichten, dass ihm ein Enkel geboren war. Den alten Mann überkam große Freude, als er dies erfuhr, und er gedachte seines Sohnes Abdullah. Sein Herz war von Glückseligkeit über seinen Nachkommen erfüllt, und er eilte zu seiner Schwiegertochter, nahm ihr Kind in seine Arme und lief mit ihm in die Kaaba, wo er es Muchammad nannte. Dieser Name war unter den Arabern zwar unüblich, aber durchaus bekannt. Der Großvater brachte das Kind seiner Mutter zurück und wartete mit ihr auf Ammen vom Stamm der Banu Sad, damit sie ihren Sohn einer von ihnen übergebe; so war es der Brauch der vornehmen Araber unter den Mekkanern.
Die Historiker sind über das Geburtsjahr Muchammads uneins. Die meisten von ihnen sind der Ansicht, es sei das "Jahr des Elefanten "gewesen (570 n. Isa). Ibn Abbas sagt, es war am "Tag des Elefanten". Andere meinen, fünfzehn Jahre davor oder einige Tage, Monate oder Jahre danach; einige schätzen dreißig, andere siebzig.
Ebenso im unklaren ist man sich über den Monat, Die Mehrzahl nimmt jedoch an, Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sei im Monat Rabiul Auwal geboren. Des weiteren wird versichert, es sei im Mucharram oder im Safar gewesen. Manche von ihnen halten den Radschab für wahrscheinlich, andere den Monat Ramadan. (mehr über die islamischen Monate) Ferner wird über den Tag von Muchammads Geburt gestritten. Es wird behauptet, er wurde in der zweiten Nacht des Monats Rabiul Auwal, aber auch, in der achten oder neunten (Der neue Tag des islamischen Kalenders beginnt abends nach Sonnenuntergang. Die zweite Nacht des Rabiul Auwal bezeichnet also den 3. Rabiul Auwal usw.) geboren. Allgemein ist man jedoch der Ansicht, dass es am achtzehnten Rabiul Auwal war, wie es z.B. Ibn Ishaaq und andere feststellten.
Schließlich ist man sich über die Geburtszeit uneinig: Wurde Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, am Tag oder in der Nacht geboren? Strittig ist auch Mekka als Ort seiner Geburt. Gaussin de Perceval hält in seinem Buch über die Araber für wahrscheinlich, dass Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, im August 570 n. Isa, also im "Jahr des Elefanten", in Mekka im Haus seines Großvaters Abdul-Muttalib geboren wurde.
Am siebten Tag nach Muchammads Geburt ließ Abdul-Muttalib ein Schlachtkamel bringen, das geopfert wurde, und lud die Männer der Kuraisch ein. Sie kamen und aßen, und als sie von ihm erfuhren, dass er das Kind Muchammad nannte, fragten sie ihn, warum er auf die Namen seiner Väter verzichtet habe. Er antwortete: "Ich wollte, dass er im Himmel von Allah und auf Erden von Seiner Schöpfung gepriesen werde." (Muchammad bedeutet übersetzt "der Gepriesene")


Die Ammen

Amina erwartete die Ankunft der Ammen von den Banu Sad, damit sie dem Brauch der Vornehmen Mekkas gemäß Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einer übergebe. Dieser Brauch wird bei den Vornehmen Mekkas noch immer befolgt: Sie senden ihre Söhne am achten Tag nach der Geburt in die Wüste und lassen sie nicht in die Stadt zurückkehren, bis sie das achte oder zehnte Lebensjahr erreicht haben. Einige Stämme haben wegen ihrer Ammen einen besonders guten Ruf, darunter der Stamm der Banu Sad. Bis zum Eintreffen der Ammen übergab Amina das Kind Suwaiba, der Sklavin seines Onkels Abu Lahab. Sie stillte ihn eine Zeit, wie sie es auch mit Hamsa tat, so dass sie Milchbrüder wurden. Und obwohl Suwaiba ihn nur wenige Tage säugte, erinnerte er sich ihrer stets mit Zuneigung und gab ihr Geschenke, solange sie lebte. Als sie im siebten Jahr nach der Hidschra (Hidschra bedeutet "Auswanderung"; die Auswanderung des Propheten Muchammad von Mekka nach Medina ist in der islamischen Geschichte als markanter Wendepunkt von der Zeit der Unterdrückung zur Zeit der Entfaltung und Staats- und Gesellschaftsbildung von solch bemerkenswerter Bedeutung, dass sie den Beginn der islamischen Zeitrechung bildet. Siehe auch Kapitel 10 in diesem Buch.) nach Medina verstarb, fragte Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm nach ihrem Sohn, der auch sein Milchbruder war, damit er ihm an ihrer Stelle Geschenke gebe. Er erfuhr aber, dass dieser bereits vor ihr gestorben war.
Die Ammen der Banu Sad kamen nach Mekka, um nach Kindern zu fragen, die sie säugen könnten. Und da sie auf großzügige Entlohnung der Väter hofften, pflegten sie sich von den Waisenkindern abzuwenden. Die Hoffnung für die Waisen war somit sehr gering; keine dieser Ammen nahm Muchammad deshalb an. Jede ging mit einem Kind, von dessen Angehörigen sie reichlich Gutes erhofften.
 


Halima bint Suab

Halima Bint Suab As-Sadija, die sich zunächst wie die anderen auch von Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, abgewandt hatte, fand niemanden, der ihr ein Kind übergab. Denn sie war von schwächlicher körperlicher Verfassung, weshalb die Mütter sie nicht akzeptierten. Als sich ihre Leute versammelten, um Mekka zu verlassen, sagte sie zu ihrem Gatten Al-Haris ibn Abdul-Ussa: "Bei Allah, ich sollte zu diesem Waisen gehen und ihn nehmen!" Ihr Gatte antwortete ihr: "Mache dir keine Gedanken, wenn du es tust, vielleicht macht Allah ihn zu einem Segen für uns." Halima nahm Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und sie zogen mit ihren Leuten in die Wüste. Sie berichtete, dass sie in ihm, seit sie ihn genommen hatte, jeglichen Segen gefunden habe. Ihre Schafe und Ziegen wurden fett, und sie gaben mehr Milch. Allah segnete sie in allem, was sie hatte.
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, blieb zwei Jahre in der Wüste, während der ihn Halima säugte und ihre Tochter Asch-Schaima in die Arme nahm. In der Reinheit der Wüstenluft und der Hirte des Wüstenlebens fand er, was sein Wachstum beschleunigte und die Anmut seiner Äußeren Erscheinung und Schönheit seiner Gestalt förderte. Als er sein zweites Lebensjahr vollendet hatte und zu diesem Zeitpunkt entwöhnt war, ging Halima mit ihm zu seiner Mutter. Beide kehrten aber zusammen in die Wüste zurück: einem Bericht zufolge auf Wunsch der Mutter, einem anderen zufolge auf Halimas Wunsch. Sie kehrte mit ihm zurück, damit er zu einem kräftigen Jungen heranwachse, die Angst um ihn wegen der Seuche, die damals in Mekka wütete, war ein weiterer Grund.
Das Kind blieb zwei weitere Jahre in der Wüste, wo es sich in der Wüstenluft einer uneingeschränkten Wachheit des Geistes erfreute, die keine geistige noch materielle Einschränkung kannte.



Die Geschichte von der Öffnung der Brust

In diesem Zeitraum und bevor er sein drittes Lebensjahr erreichte, soll Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, der Überlieferung zufolge mit seinem gleichaltrigen Milchbruder auf der Weide seiner Angehörigen hinter ihrem Lager gewesen und sein Milchbruder aus dem Stamm der Sad angerannt gekommen sein und seinem Vater und seiner Mutter gesagt haben: "Diesen meinen Bruder von den Kuraisch haben zwei Männer in weißen Gewändern genommen und ihn auf den Boden gelegt und seinen Bauch geöffnet und ihn umgedreht."
Von Halima wird berichtet, sie habe über sich selbst und ihren Gatten gesagt: "Ich und sein Vater rannten hinaus und fanden ihn, wie er kreidebleich dastand; wir verharrten dort und fragten ihn: 'Was ist dir, o unser Sohn?' Da sagte er: 'Zwei Männer in weißen Gewändern kamen und legten mich auf die Seite, dann öffneten sie meinen Bauch und suchten darin etwas, aber ich weiß nicht was'." Halima und sein Vater kehrten zu ihrem Zelt zurück. Der Mann fürchtete, ein Dschin (Geisteswesen aus reinem Feuer erschaffen ( 72:14); es gibt unter ihnen Mu'mins und Kafirs.) habe den Jungen befallen. Sie brachten ihn deshalb zu seiner Mutter nach Mekka zurück.

Ibn Ishaaq berichtet zu diesem Ereignis einen Hadis vom Propheten, der aus der Zeit nach dessen prophetischen Sendung stammt. Ibn Ishaaq war jedoch, nachdem er diese Geschichte erzählt hatte, vorsichtig genug zu erwähnen, dass der Grund für die Rückgabe an seine Mutter nicht die Schilderung von den beiden Engeln war. Nach dem, was Halima Amina berichtete, geschah es vielmehr aus folgendem Grund: Abessinische Christen sahen ihn, als sie mit ihm nach seiner Entwöhnung zurückkehrte; da sagten sie: "Lasst uns diesen Jungen nehmen und mit ihm zu unserem König in unser Land gehen. Denn mit diesem Jungen hat es, wie wir wissen, eine besondere Bewandtnis." Beinahe hätte Halima ihn nicht von ihnen wegbringen können.
Ebenso überliefert At-Tabari die Geschichte, aber er erweckt Zweifel an ihr dadurch, dass er sie diesem dritten Lebensjahr Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zuschreibt und sie dann nochmals erwähnt, dabei aber sagt, sie habe sich kurz vor der prophetischen Sendung ereignet, als er also vierzig Jahre alt war.
Die Orientalisten sowie eine Gruppe der Muslime verlassen sich nicht auf die Geschichte von diesen beiden Engeln und halten ihre Überliefererkette für schwach. Der, der die beiden Männer dem Bericht der biographischen Bücher zufolge sah, war ein Knabe von nur wenig über zwei Jahren, und ebenso alt war Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in jenen Tagen. Die Überlieferungen stimmen darin überein, dass Muchammad beim Stamm Sad bis zu seinem fünften Lebensjahr blieb. Wenn dieses Ereignis stattgefunden hätte, als er zweieinhalb Jahre alt war, und Halima und ihr Gatte ihn damals seiner Mutter zurückgegeben hätten, gäbe es zwischen den beiden Berichten einen nicht hinnehmbaren Widerspruch. Folglich glauben einige Geschichtsschreiber, er sei mit Halima ein drittes Mal zurückgekehrt.
Der Orientalist Sir William Muir gab sich nicht damit zufrieden, auf die Geschichte von den beiden Männern in den weißen Gewändern hinzuweisen; er erwähnte: sollten Halima und ihr Gatte bemerkt haben, dass dem Kind etwas widerfahren sei, ist es vielleicht eine Art Nervenzusammenbruch gewesen, die seine gute gesundheitliche Verfassung nicht zu beeinträchtigen vermochte.
Andere mögen sagen, es habe niemals die Notwendigkeit bestanden, ihm den Bauch oder die Brust zu öffnen, da Allah ihm bereits am Tag seiner Erschaffung versprochen habe, dass er Seine Offenbarung empfangen werde. Dermenghem glaubt, diese Geschichte habe als einzige Grundlage die wörtliche Auslegung der Ajachs:

"Haben Wir dir nicht die Brust geöffnet und dir deine Last abgenommen, die deinen Rücken drückte?"

(94:1-3)

Er glaubt ferner, dass der Qur'an auf einen rein geistigen Akt hinweise, dessen Zweck die Läuterung und die Reinigung dieses Herzens war, auf dass es die heilige Botschaft aufrichtig entgegennehme und sie in reiner Wahrhaftigkeit weitergebe und die schwere Last der Botschaft trage.
Die Orientalisten und die muslimischen Denker sehen sich zu ihrer Stellungnahme zu diesem Ereignis deshalb veranlasst, weil das Leben Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ganz und gar menschlich war und er zur Bestätigung seiner Prophetenschaft nicht in Wundern Zuflucht nahm, wie es die ihm vorausgegangenen Propheten getan hatten. Und sie finden darin Rückhalt bei jenen arabischen Historikern und Muslimen, die nichts vom Leben des arabischen Propheten wissen wollten, was nicht vom Verstand erfasst werden kann. Sie betrachten solche Überlieferungen als unvereinbar mit dem, zu dem der Qur'an hinsichtlich der Betrachtung von Allahs Schöpfung aufruft; und unvereinbar damit, dass es in den Gesetzen Allahs keine Veränderung gibt. Sie sehen darin keine Übereinstimmung mit den Worten des Qur'an an die Polytheisten, dass diese nicht begreifen, dass sie keine Herzen hätten, mit denen sie zur Einsicht kämen.



Muchammad in der Wüste

Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, blieb bis zu seinem fünften Lebensjahr bei den Banu Sad und atmete mit der reinen Wüstenluft den Geist der Freiheit und der seelischen Unabhängigkeit ein. Er lernte von diesem Stamm die Sprache der Araber in mustergültiger Form, so dass er später zu seinen Gefährten sagte: "Ich bin der Arabischste von euch; ich bin ein Kuraisch und wurde bei den Banu Sad ibn Bakr gestillt."
Diese fünf Jahre hinterließen in seinem Wesen die schönste und dauerhaftigste Spur, so wie Halima und ihre Angehörigen sein Leben lang der Gegenstand seiner Liebe und Ehrerbietung blieben: Nach der Heirat Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mit Hadidscha traf die Menschen eine Dürre. Halima kam zu ihm und kehrte von ihm mit einem wassertragenden Kamel und einer vierzigköpfigen Schafherde aus dem Besitz Hadidschas zurück. Jedesmal wenn sie zu ihm kam, breitete er für sie als Zeichen der Hochachtung seinen Umhang aus, damit sie sich darauf setze. Ihre Tochter Asch-Schaima war unter denen, die nach der Belagerung von At-Taif zusammen mit den Banu Hawasin gefangen genommen wurden. Als sie vor Muchammad, Allahs Segen und frieden auf ihm, gebracht wurde und er sie erkannte, ehrte er sie und ließ sie ihrem Wunsch entsprechend zu ihren Angehörigen zurückkehren.


In der Obhut seines Großvaters Abdul-Muttalib

Nach diesen fünf Jahren kehrte er zu seiner Mutter zurück. Es ist überliefert, Halima habe ihn gesucht, als sie mit ihm zu seinen Angehörigen gehen wollte, ihn aber nicht gefunden. Sie sei zu Abdul-Muttalib gekommen und habe ihn unterrichtet, dass sie ihn im oberen Teil Mekkas verloren habe. Er sandte aus, ihn zu suchen, bis ihn den Berichten zufolge Waraka ibn Naufal zurückbrachte. Abdul-Muttalib sorgte für seinen Enkel, brachte ihm große Liebe entgegen und schenkte ihm all seine Aufmerksamkeit. Diesem alten Mann, dem Oberhaupt der Kuraisch und von ganz Mekka, pflegte im Schatten der Kaba ein Polster ausgebreitet zu werden, und seine Söhne saßen aus Ehrerbietung für ihren Vater darum herum. Wenn dann Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, kam, zog ihn Abdul Muttalib an sich und ließ ihn auf dem Polster sitzen, er streichelte ihm den Rücken und zeigte Zeichen der Zuneigung, was Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Onkel hinderte, ihn an ihren Platz zurückzuziehen.

 

Das Verwaistsein

Die Liebe des Großvaters für seinen Enkel nahm zu, so dass Amina mit ihrem Sohn nach Medina ging, um den Jungen dort den Onkeln seitens seines Großvaters bei den Banu An-Naddschar vorzustellen. Sie nahm Um-Aiman mit sich, die Dienerin, die Abdullah zurückgelassen hatte. Als sie dort waren, zeigte sie dem Jungen, wo sein Vater gestorben und begraben war. Dies war das erste Gefühl von Verwaistsein, das sich in der Seele des Jungen einprägte. Vielleicht erzählte ihm seine Mutter ausführlich von diesem geliebten Vater,
der sie nach wenigen Tagen, die er mit ihr verlebte, verließ und bei seinen Onkeln vom Tod überrascht wurde. Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erzählte nach seiner Hidschra seinen Gefährten die Geschichte dieser ersten Reise mit seiner Mutter nach Medina und die Geschichte dessen, der Medina liebte und um seine Angehörigen, die in den dortigen Gräbern lagen, trauerte. Als sie sich in Jasrib einen vollen Monat aufgehalten hatten, entschloss sich Amina zur Rückkehr, und sie, Um-Aiman und Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ritten auf ihren beiden Kamelen, auf denen sie von Mekka gekommen waren.
 


Aminas Tod

Auf dem Weg zwischen den beiden Städten wurde Amina bei Abwa (Ein Ort zwischen Medina und Dschachfa, 23 Meilen südlich von Medina) krank; sie starb und wurde dort begraben. Um-Aiman kehrte mit dem weinenden und alleingelassenen Kind zurück. Er empfand das doppelte Ausmaß seines Verwaistseins, und das Gefühl der Einsamkeit und des Schmerzes nahm zu. Wenige Tage zuvor hatte er bei seiner Mutter den Schmerz über den Verlust seines Vaters vor seiner Geburt erfahren. Und nun musste er mit eigenen Augen den Tod seiner Mutter erleben, und dass sie seinen kleinen Körper zurückließ, der die Last des vollständigen Verwaistseins zu tragen hatte.

Dies ließ die Zuneigung des Großvaters für ihn noch mehr wachsen. Dennoch grub sich die Erinnerung an sein Verwaistsein als ein tiefer Schmerz in seine Seele ein. Es ist sogar im Qur'an zu finden, dass Allah Seinen Propheten an die Gnade ihm gegenüber erinnert und sagt:

"Hat Er dich nicht als Waise gefunden und Obdach gegeben, und fand dich irrend und zeigte den rechten Weg?"
 

(93:6-7)



Der Tod von Abdul-Muttalib

Vielleicht wäre die Heftigkeit dieses Gefühls des Verwaistseins etwas gemildert worden, wenn Abdul Muttalib Älter geworden wäre. Er starb jedoch in seinem achtzigsten Lebensjahr, als Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gerade erst acht Jahre alt war.
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, trauerte über den Tod seines Großvaters so tief wie über den Tod seiner Mutter. Er trauerte so sehr, dass er fortwährend weinte, als er seiner Totenbahre auf dem Weg zu seinem Grab folgte. Ungeachtet dessen, was er danach in der Obhut seines Onkels Abu Talib an Fürsorge, Zuneigung und Schutz über seine prophetische Sendung hinaus bis zu dessen Tod fand, gedachte er stets seines Großvaters.
Der Tod Abdul-Muttalibs war in Wahrheit ein harter Schlag für die Banu Haschim insgesamt. Es gab niemanden von seinen Söhnen, der ein solches Ansehen wie er genoss und über Entschlossenheit, Stärke, Urteilskraft, Großmut und Einfluss unter allen Arabern wie er verfügte. Pflegte er nicht die Pilger zu ernähren und zu tränken und sämtlichen Bewohnern Mekkas Wohltaten zu erweisen, wenn sie Unheil und Schaden traf? Seine Kinder dagegen konnten eine solche Position nicht einnehmen. Denn die Armen unter ihnen konnten nichts geben, und die Reichen waren zu sehr auf ihr Vermögen bedacht. Deshalb zögerten die Banu Umaija nicht, sich auf das Erlangen der Machtstellung, die sie schon früher einmal erstrebt hatten, vorzubereiten, ohne nunmehr die Banu Haschim als einen ernstzunehmenden Rivalen fürchten zu müssen.
 


In der Obhut seines Onkels Abu Talib

Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, kam nun in die Obhut von Abu Talib, obwohl dieser nicht der Ölteste unter seinen Brüdern war. Der Ölteste war Al-Haris; allerdings war er nicht sehr vermögend. Der Bemittelste war Al-Abbas unter ihnen; er war jedoch nur auf sein Geld bedacht. Deshalb hatte er nur das Amt der Sikaja inne, das der Rifada dagegen nicht. Es ist also kein Wunder, dass von ihnen Abu Talib trotz seiner Armut der großmütigste und der am meisten geschätzten und geehrte Mann unter den Kuraisch war. Und es überrascht auch nicht, dass Abdul-Muttalib für den Fall seines Todes die Obhut Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ihm in die Hände legte.
Abu Talib liebte seinen Neffen so sehr wie Abdul-Muttalib ihn geliebt hatte; er zog ihn sogar seinen eigenen Söhnen vor. Er fand in ihm eine Vortrefflichkeit, Intelligenz, Tugendhaftigkeit und Gutmütigkeit, die seine Verbundenheit mit ihm verstärkten.
 

 

Die erste Reise nach Asch-Scham

Als Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in seinem zwölften Lebensjahr stand, wollte Abu Talib eines Tages zu einer Handelsreise nach Asch-Scham aufbrechen. Es war nicht seine Absicht, Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mitzunehmen, da er sich wegen der Mühen der Reise und der Durchquerung der Wüste um ihn Sorgen machte. Aber Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zeigte ein solch aufrichtiges Verlangen, seinen Onkel zu begleiten, dass alles Zaudern Abu Talibs beseitigt wurde und der Junge die Karawane bis nach Busra im Süden von Asch-Scham begleitete. Die biographischen Bücher berichten, dass er auf jener Reise mit dem Mönch Bachira zusammentraf und dieser bei ihm die Zeichen der Prophetenschaft erkannte, für die ihn die Vorankündigungen der christlichen Schriften als Beweismittel dienten. In einigen Überlieferungen heißt es, der Mönch habe Abu Talib geraten, ihn nicht bis ins Landesinnere von Asch-Scham mitzunehmen, da er fürchtete, dass die Juden diese Zeichen an dem Jungen erkennen und ihm Schaden zufügen könnten.
Auf dieser Reise fielen die schönen Augen Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm. auf die Weite der Wüste und hingen an den leuchtenden Sternen ihres klaren Wüstenhimmels. Er kam an Madjan, dem Tal von Kura und den Stätten von Samud vorbei, und seine scharfen Ohren lauschten der Unterhaltung der Araber und der Wüstenbewohner über diese Wohnstätten und ihre Geschichte. Auf dieser Reise stand er aber auch in Asch-Scham vor den blühenden Gärten, die jene von At-Taif bei weitem übertrafen. Dieser Anblick ließ ihn die Gärten am Rande von der Öde der unfruchtbaren Wüste und die kahlen Berge in der Umgebung Mekkas vergessen.
In Asch-Scham erfuhr Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm. ferner einiges über die Römer und ihr Christentum, hörte von ihrer Offenbarungsschrift, vom Streit der feueranbetenden Perser mit ihnen und dem zu erwartenden Krieg zwischen beiden. Wenn er auch erst zwölf Jahre alt war, so verfügte er doch über eine Größe des Geistes, Gescheitheit des Herzens, Überlegenheit des Verstandes,
Feinheit der Wahrnehmung, ein starkes Erinnerungsvermögen und dergleichen Vorzüge, die ihm die Vorsehung Allahs in Vorbereitung auf das gewichtige Prophetenamt verliehen hatte, dass er auf die Dinge und Menschen um ihn herum mit dem Blick eines Prüfenden und Hinterfragenden schaute. Er verließ sich nicht auf alles, was er hörte und sah, sondern prüfte in seinem Inneren und fragte sich: „Wo liegt bei all dem die Wahrheit?"
Wahrscheinlich brachte Abu Talib diese Reise nicht viel Erlös, denn er unternahm danach keine derartige Reise mehr. Er war mit seinem Los zufrieden und blieb in Mekka, wo er mit seinen begrenzten finanziellen Mitteln seine vielen Kinder versorgte. Zufrieden mit seinem Geschick lebte Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mit seinem Onkel so wie seine Altersgenossen. Während der
heiligen Monate blieb er in Mekka bei seinen Angehörigen oder brach mit ihnen zu den benachbarten Märkten in Ukas, Madschanna und Sul Madschas auf, wo er den Rezitationen der Vertreter der Mudhahhabat- und Muallakat-Dichtungen (=die Goldenen ist die Bezeichnung für eine Gedichtform, die besonders treffliche Sinnsprüche enthält. At-Muallakat heißt wörtlich "die Hängenden". Es handelt sich hierbei um Gedichte, die bei einem Wettstreit mit einem Preis ausgezeichnet und dann an die Mauern der Kaaba gehängt wurden) zuhörte. Seine Ohren folgten ihrer Sprachgewandtheit in ihrer Liebespoesie, ihrer Prahlerei und ihren Erinnerungen an ihre Abstammung, Moral, Ehre und Huld. Dann verarbeitete er dies verstandesgemäß und verwarf alles, was er davon nicht richtig fand, und bewunderte alles, was sein Wohlgefallen hervorrief.
Er hörte den Reden der Juden und Christen zu, die den Kufr ihrer arabischen Brüder scharf kritisierten und von den Schriften 'Isas und Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, erzählten und sie zu dem aufriefen, was sie für die Wahrheit hielten. Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wog dies in seinem Inneren ab, und er hielt es für etwas besser als jener Kufr, in das sein Volk versunken war, aber zufrieden war er auch damit nicht. So lenkte die Vorsehung Allahs seine Seele seit seiner frühesten Jugend auf den Weg, der ihn für jenen bedeutungsvollen Tag rüstete, den Tag der ersten Offenbarung, da ihn sein Herr dazu aufrief, Allahs Botschaft zu verkünden: die Botschaft der Rechtleitung und Wahrheit für die gesamte Menschheit.
 

 

Der Mönch Bachira

Abu Talib zog eines Tages als Händler mit einer Karawane nach Syrien. Nachdem er die Vorbereitungen beendet und sich für die Reise entschieden hatte, wurde er vom Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, leidenschaftlich bedrängt, so da? er Mitleid mit ihm empfand und sagte: "Bei Allah, ich will ihn mitnehmen, und wir wollen uns niemals trennen."
So machte er sich mit ihm auf die Reise. In Busra in Syrien, wo die Karawane anlangte, lebte ein Mönch namens Bachira in seiner Klause. Er kannte die Bücher der Christen. Schon immer hatten in jener Klause Mönche gelebt, die ihr Wissen aus einem Buch schöpften, das sie, so wird behauptet, einer zum anderen weitervererbten. Die Makkaner waren früher schon oft bei diesem Mönch vorbeigekommen, doch hatte er nie mit ihnen -- gessprochen noch sich irgendwie um sie gekümmert. Als sie aber in diesem Jahr in der Nähe seiner Klause lagerten, bereitete er ihnen ein großes Mahl. Er hatte nämlich in seiner Zelle gesehen, da? eine Wolke den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in der sich nähernden Karawane beschattete. Und nachdem diese dann herangekommen war und sich in der Nähe unter einem Baum gelagert hatte, bemerkte er, wie die Wolke Schatten über den Baum breitete und dessen Zweige sich so über Muchammad bogen, da? er darunter Kühlung fand. Als Bachira dies sah, kam er aus seiner Klause und lie? ihnen sagen:
"Ich habe euch ein Mahl bereitet, Männer von Kuraisch. Ich möchte, da? ihr alle kommt, jung und alt, Sklave und freier Mann."
"Bei Allah, Bachira, Bedeutsames ist heute an dir", erwiderte einer von ihnen und fuhr fort: "Noch nie hast du dies für uns getan, und wir sind schon oft bei dir vorbeigekommen. Was ist heute mit dir?" "Du hast recht. Es ist, wie du sagst. Aber ihr seid Gäste, und ich möchte euch mit einem Mahl ehren, an dem ihr alle teilhaben sollt." Da kamen sie alle zu ihm. Nur Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, blieb wegen seines jungen Alters beim Gepäck unter dem Baum zurück. Als nun Bachira sich unter seinen Gästen umsah, erblickte er nicht das Zeichen, das er aus dem Buche kannte. Deshalb sprach er:
"Nicht ein einziger von euch, Männer von Kuraisch, soll meinem Mahle fernbleiben!"
"Bachira", antworteten sie ihm, "keiner, dem es gebührte, zu dir zu kommen, ist zurückgeblieben. Nur einen Knaben, den jüngsten von uns, haben wir bei unserem Gepäck gelassen."
"Tut dies nicht!" bat er uns, "ruft ihn, damit er mit euch am Mahle teilnimmt!" Und ein Mann von den Kuraisch pflichtete ihm bei:
"Bei den Göttinnen Lat und Ussa, wir haben Tadel verdient, da? wir den Sohn 'Abdullahs, des Sohnes des 'Abdul-Muttalib, zurückgelassen haben."
Und er ging zu Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, trug ihn in seinen Armen herbei und ließ ihn unter seinen Gefährten sitzen. Als Bachira ihn sah, begann er ihn eindringlich zu beobachten und die Merkmale an seinem Körper zu betrachten, von denen er aus seinem Buche wusste, dass sie ihn kennzeichneten. Nachdem seine Gäste das Mahl beendet hatten und weggingen, trat Bachira zu Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und flehte ihn an:
"O Knabe, ich bitte dich bei Lat und Ussa, beantworte mir, was ich dich frage."
Die beiden Göttinnen rief er vor Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nur deswegen an, weil er zuvor seine Begleiter bei ihnen hatte schwören hören. Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erwiderte:
"Bitte mich nicht bei Lat und Ussa, denn nichts hasse ich mehr als diese beiden!"
"So bitte ich dich denn bei, Allah", sprach Bachira, "mir meine Fragen zu beantworten!"
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, willigte ein, und der Mönch begann, sich nach seinen Träumen, seinem Körper und anderem. zu erkundigen. Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erzählte es ihm. Alles stimmte mit den Merkmalen überein, die Bachira aus seinem Buche kannte. Schließlich betrachtete er auch seinen Rücken und sah an der bestimmten Stelle zwischen seinen Schultern das Siegel der Prophetenschaft. Nachdem er dies alles erfahren hatte, brachte er Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu seinem Onkel Abi Talib zurück und fragte ihn: "Wie steht dieser Junge zu dir?" "Er ist mein Sohn." Dies kann nicht sein, denn sein Vater sollte nicht mehr leben."
"Ja, er ist der Sohn meines Bruders."
"Und was ist mit deinem Bruder geschehen?"
"Er ist gestorben, als seine Frau mit dem Jungen schwanger war."
"Nun hast du die Wahrheit gesprochen. Bringe deinen Neffen zurück in seine Heimat und nehme ihn in acht vor den Juden, denn wenn sie an ihm sehen und erkennen werden, was ich an ihm bemerkt habe, werden sie ihm Schlimmes antun. ‹beraus Großes wird mit deinem Neffen geschehen. So bringe ihn schnell zurück!"
Nachdem Abi Talib in Syrien seine Handelsgeschäfte beendet hatte, zog er deshalb eilends mit Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zurück nach Mekka.
 


Der "Fidschar Krieg" (der "unsittliche" Krieg)

So wie Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Karawanenstraßen in der Wüste durch seinen Onkel kennen lernte und so wie er den Dichtern und Rednern auf den Märkten um Mekka während der heiligen Monate zusammen mit seinen Angehörigen lauschte, so lernte er auch, Waffen zu tragen, als er im "Fidschar-Krieg" an der Seite seiner Onkel stand. Der Fidschar-Krieg war einer der Kriege, die immer wieder zwischen den Stämmen Arabiens ausbrachen. Er wurde Al-Fidschar genannt, weil er in die heiligen Monate fiel, während derer die arabischen Stämme den Kampf einstellten und in Ukas zwischen At-Taif und Nachla sowie in Madschanna und Sul Madschas in der Nähe von Arafat Märkte für ihren Handel abhielten. Dort tauschten sie Waren, Prahlereien und Debatten aus, um anschließend zu ihren Götzen in der Kaba zu pilgern. Der Markt von Ukas war der berühmteste in Arabien. Auf ihm trugen die Vertreter der Muallakat-Dichtung ihre Gedichte vor, hielt Kuss (Kuss war ein bekannter arabischer Redner seiner Zeit sowie Erzbischof von Nadschran) seine Reden und unterhielten sich die Juden, Christen und Götzendiener allesamt über ihre Ansichten, und zwar in Sicherheit, denn es waren ja die heiligen Monate.
Al-Barrad ibn Kais Al-Kinani achtete diese Heiligkeit jedoch nicht, indem er während dieser Zeit die Sorglosigkeit des Urwa Ar Rachhal Utba Al-Hawasini ausnutzte und ihn tötete. Dies hatte seinen Grund darin, dass An-Numan ibn Al-Munsir jedes Jahr eine Karawane mit Moschus von Al-Hira nach Ukas entsandte, die im Austausch dafür mit Fellen, Seilen und Brokatstoffen aus dem Jemen zurückkam. Da bot sich ihm Al-Barrad Al-Kinani an, die Karawane im Bereich seines Stammes Kinana zu führen. Urwa Al-Hawasini schlug vor, auf der Straße des Nedschd zum Hedschas vorzurücken. An Numan entschied sich für Urwa, was Al-Barrad so sehr kränkte, dass er ihm folgte, ihn ermordete und seine Karawane übernahm. Al-Barrad unterrichtete Bischra ibn Abu Hasim, auf dass der Stamm der Hawasin nun an den Kuraisch seine Rache nähme. Die Hawasin holten die Kuraisch ein, bevor sie den heiligen Bezirk betreten hatten. Sie kämpften miteinander, aber die Kuraisch wichen zurück und nahmen vor den Siegenden im heiligen Bezirk Zuflucht. Da schworen ihnen die Hawasin den Krieg bei Ukas im kommenden Jahr.
Dieser Krieg wütete vier aufeinander folgende Jahre zwischen beiden Parteien und endete mit einem der üblichen Friedensschlüsse der Wüste. Das bedeutete: wer weniger Tote zu verzeichnen hatte, musste Blutgeld zum Ausgleich für das Mehr an Toten der anderen Seite bezahlen. Die Kuraisch zahlten das Blutgeld für zwanzig Mann der Hawasin, und Al-Barrad galt von da an als Beispiel unlauteren Verhaltens.
Die Historiker konnten das Alter Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zur Zeit des Fidschar-Krieges nicht ermitteln. Man sagt, er war fünfzehn bzw. zwanzig. Der Grund für diese Differenz liegt vielleicht darin, dass dieser Krieg vier Jahre dauerte; bei Kriegsbeginn wäre er dann fünfzehn Jahre, bei Kriegsende zwanzig Jahre alt gewesen.
Auch nicht einig ist man sich über die Tätigkeit Muchammads in diesem Krieg. Manche sagen, er sammelte die Pfeile ein, die von den Hawasin abgeschossen worden waren, und händigte sie seinen Onkeln aus, um sie gegen ihre Gegner zurückzuschießen. Andere glauben, dass er aktiv teilnahm und selbst Pfeile abschoss. Da dieser Krieg sich über einen Zeitraum von vier Jahren hinzog, gibt es nichts, was die Stimmigkeit beider Behauptungen ausschließen würde: zunächst sammelte er die Pfeile für seine Onkel ein, und später schoss er selbst. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erwähnte den Fidschar-Kricg Jahre nach seiner Berufung zum Propheten und sagte: "Ich nahm an ihm mit meinen Onkeln teil und schoss dabei Pfeile ab; wie sehr wünschte ich, ich hätte es nicht getan!"
 


Das "Fudul Bündnis"

Die Kuraisch begriffen nach dem Fidschar-Krieg, dass alles, was sie und was Mekka insgesamt nach dem Tod von Haschim und von Abdul-Muttalib heimsuchte, an ihren Wortstreitereien lag und an ihrer Zersplitterung. Einst waren sie ohne Frage die Führenden Arabiens und unangreifbar; jetzt strebte jede Gruppe danach, Inhaber der Befehlgewalt zu sein und ihnen ihre Autorität zu entziehen. Da lud As-Subair ibn Abdul-Muttalib die Banu Haschim, Suchra und Taim ins Haus von Abdullah ibn Dschudan ein und bereitete ihnen ein Mahl. Sie einigten sich und schworen bei Allah, dem Vergeltenden, dass sie auf der Seite des Unterdrückten stehen wollten, bis ihm sein Recht zurückgegeben werde. Muchammad war bei diesem Bündnis zugegen, das die Araber "Bündnis der Gnade" nannten. Er sagte: "Ich würde das Bündnis, bei dem ich im Haus von ibn Dschudan zugegen war, nicht gegen eine Herde Esel eintauschen wollen, und wenn ich zu ihm gerufen würde, würde ich dem Ruf nachkommen."

Der Fidschar-Krieg dauerte, wie wir gesehen haben, in jedem Jahr nur wenige Tage. In der übrigen Zeit des Jahres kehrten die Araber zu ihrer Arbeit zurück. Sie setzten sie fort, ohne dass der Krieg in ihnen Bitterkeit zurückließ, die sie am Handel, Wucherzins, Trinken, Zeitvertreib und an reichhaltigen und verschiedenartigen Vergnügungen hätte hindern können. Nahm nun Muchammad gemeinsam mit ihnen daran teil? Oder ließen ihn seine Armut und die Fürsorge seines Onkels ihm gegenüber davon absehen, nach Wohlstand zu trachten? Nach dem, was die Geschichte bezeugt, blieb er all dem vielmehr fern. Aber nicht, weil er nicht in der Lage gewesen wäre, daran teilzunehmen. Sogar die am äußersten Ende Mekkas lebenden Ausgestoßenen und die, die nur einen begrenzten Lebensunterhalt hatten, fanden die Mittel dazu; einige von ihnen waren sogar noch schlimmer in Hingabe und Übertreibung als die Angesehenen Mekkas und die Edlen der Kuraisch.
Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Seele war jedoch ganz damit beschäftigt zu schauen, zu lauschen und zu ergründen. Dass er vom Unterricht ausgeschlossen war, den einige seiner Altersgenossen von den Söhnen der Vornehmen erhielten, verstärkte seinen Wissensdrang. Die kraftvolle Seele, deren Einfluss später gewaltig sein sollte und deren Licht die Welt noch immer erfüllt,
verschmähte in ihrem Streben nach Vollkommenheit jenen Zeitvertreib, nach dem die Makkaner trachteten. Die Wahrheit führte sie zum Licht des Lebens, das
sich in jeder Manifestation des Lebens offenbart. Sie war der Erforschung dessen zugewandt, was diese Erscheinungen aufzeigte und wovon diejenigen sprachen, denen Wissen gegeben war. Deshalb trat Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, von früher Jugend an mit solch einem vollkommenen Charakter und einer Zuverlässigkeit auf, dass ihn alle Makkaner "Al-Amin" ("den Vertrauenswürdigen") nannten.

 

Der Hirte

Die Beschäftigung Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mit dem Hüten der Schafe in jenen Jahren seiner Kindheit ließ seine Hinwendung zum Nachdenken und Betrachten stärker werden. Er hütete die Schafe seiner Verwandtschaft und die der Makkaner. Seiner Hirtenzeit gedachte er stets voller Freude. Er pflegte zu sagen: "Allah hat keinen Propheten gesandt, der nicht ein Schafhirt gewesen wäre“ Und ferner sagte er: "Muusa ward entsandt, und er hütete Schafe; und Dawuud ward entsandt, und er hütete Schafe; und ich ward entsandt , und ich hütete die Schafe meiner Verwandtschaft bei Adschjad."
Der intelligente Schafhirt findet in der Weite des offenen Himmels während des Tages und im Funkeln der Sterne während der Nacht Gelegenheit zum Nachdenken und Betrachten. Er ergründet das Weltall, indem er danach trachtet, das Dahinterliegende zu erkennen, und in den verschiedenartigen Erscheinungen der Natur eine Erklärung für dieses Sein und seine Erschaffung sucht. Solange er tiefsinnig genug ist, sieht er sich selbst als einen Teil dieses Kosmos und keineswegs von ihm losgelöst. Atmet er nicht seine Luft und hört auf zu leben, wenn er sie nicht atmet! Beleben ihn nicht die Strahlen der Sonne und bettet ihn nicht das Licht des Mondes ein! Ist nicht seine Existenz mit den Gestirnen und dem Universum, das er in der Weite des Kosmos vor sich sieht, eins mit dem anderen in vollendeter Ordnung verbunden?

"Der Sonne steht es nicht an, den Mond einzuholen, und der Nacht nicht, dem Tag voranzueilen!"
 

(36:40)

Wenn die Ordnung dieser Schafherde von Muchammad seine ganze Wachsamkeit erforderte, damit der Wolf nicht ein Schaf überfalle oder nicht eines von ihnen sich in der Wüste umherirrend verlaufe, welche Aufmerksamkeit und welche Gewalt wacht dann über die Ordnung der Welt mit höchster Perfektion! Solches Nachdenken und Betrachten bringt den Menschen von Gedanken an die weltlichen Leidenschaften und davon ab, ihnen Vorrang zu geben; denn die Vergänglichkeit ihrer Zier wird ihm dadurch vor Augen geführt. Deshalb unterließ Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in seinem Tun und Verhalten alles, was den Namen beeinträchtigt hätte, der ihm in Mekka gegeben wurde und den er behielt: "Der Vertrauenswürdige". Alles, was er von sich berichtet, belegt dies.
Es heißt z.B., dass er die Schafe mit einem Gefährten weidete und er sich eines Tages vornahm, sich wie die anderen Jugendlichen zu vergnügen. So teilte er diesem seinem Gefährten am Abend mit, er wolle nach Mekka hinuntergehen und sich dort den Vergnügungen der Jugendlichen in der Dunkelheit der Nacht anschließen und bat ihn deshalb, für ihn seine Schafe zu hüten. Er hatte jedoch das obere Mekka noch nicht erreicht, als seine Aufmerksamkeit auf eine Hochzeitsfeier fiel; so hielt er dort inne. Es dauerte nicht lange, und er schlief ein. Er kam aus demselben Grund in einer anderen Nacht erneut nach Mekka herab, und seine Ohren füllten sich mit ausgezeichneten musikalischen Klängen, als sei es die Musik des Himmels. Er setzte sich, um zu lauschen, und schlief dann bis zum Morgen.
Wie sollte es auch möglich sein, dass die Verlockungen Mekkas auf ein reines Herz und eine ganz dem Nachdenken und Betrachten ergebene Seele wirkten!
Wie hätten es diese Verlockungen auch vermocht, da sie doch selbst andere als Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, denen er um ein Vielfaches im voraus war, nicht zufrieden stellten! Deswegen blieb er unmoralischen, minderwertigen Dingen fern und fand für sich keine schönere Freude als das Nachdenken und Betrachten.
 


Das Leben des Nachdenkens und Betrachtens

Das Leben des Nachsinnens und Meditierens sowie eine zufrieden stellende einfache Tätigkeit wie Schafe hüten ist kein Leben, das eine gesicherte Versorgung bietet oder die Tore des Wohlstands öffnet. Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sorgte sich nicht darum. Sein Leben lang blieb er der enthaltsamste Mensch hinsichtlich materieller Dinge und des Strebens danach. Er fand dafür kein Interesse; die Enthaltsamkeit war Teil seiner Natur. Er brauchte nicht mehr zum Leben, als ihn unbedingt am Leben erhielt! Sagte er nicht: "Wir sind Leute, die erst essen, wenn sie hungrig sind, und wenn wir essen, sättigen wir uns nicht!" War er nicht sein Leben lang dafür bekannt, dass er auf eine harte Lebensführung bedacht war und die Menschen dazu aufrief?
Diejenigen, die nach Reichtum streben und sich um dessen Erlangen willen abmühen, erstreben es zur Befriedigung von ausschweifenden Begierden, die Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sein Leben lang nicht kannte. Das größte seelische Vergnügen, das des Genießens der Schönheit im Dasein und der darin enthaltenen Aufforderung zum Betrachten; dieses gewaltige Vergnügen, das nur die wenigsten kennen, aber Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Nahrung seit seiner Jugend war und seit das Leben für ihn von frühester Kindheit an Erinnerungen schuf, die in seiner nach Entsagung des Lebens verlangenden Seele eingeprägt blieben - zuerst den Tod seines Vaters vor seiner Geburt, dann den Tod seiner Mutter und den seines Großvaters -; dieses Vergnügen verlangt nicht nach materiellem, sondern nach großem seelischen Reichtum, durch den der Mensch erfährt, wie er sich auf sich selbst besinnt und mit sich und seinem Inneren lebt. Wäre Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, am Tag, als sein Innerstes mit ihm um Materielles stritt, allein gelassen worden, wäre er dennoch mit seiner Lage zufrieden gewesen, als ein nachdenkender Hirte, der das Sein in sich schließt.


Hadidscha

Wie wir schon erwähnten, war Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Onkel Abu Talib jedoch einer von den Ärmeren und hatte viele Familienmitglieder zu ernähren. Deshalb glaubte er für seinen Neffen eine ergiebigere Lebensgrundlage finden zu müssen als das, was er von den Eigentümern der von ihm zu hütenden Schafe bekam. Eines Tages erfuhr er, dass Hadidscha bint Huwailid Männer der Kuraisch für ihren Handel dingen wollte. Hadidscha war eine Handelsfrau von Ansehen und Vermögen. Sie verpflichtete die Männer gegen Entlohnung, für sie mit ihrem Geld Handel zu treiben. Es hatte ihren Reichtum vermehrt, dass sie - sie war vom Stamm der Banu Asad - bereits zweimal innerhalb der Banu Machsum geheiratet hatte; sie war dadurch zu einer der reichsten Frauen unter den Mekkanern geworden. Sie lebte von ihrem Geld unter helfender Anleitung ihres Vaters Huwailid und einiger ihrer Vertrauten. Sie hatte den Heiratsantrag einiger von den Oberen der Kuraisch zurückgewiesen, weil sie davon überzeugt war, dass sie nach ihrem Reichtum trachteten, und sich entschlossen, ihre Anstrengungen auf die Mehrung ihres Reichtums zu richten.
Als Abu Talib erfuhr, dass sie die Entsendung einer Handelskarawane nach Asch-Scham vorbereitete, rief er seinen Neffen, der damals 25 Jahre alt war, und sagte zu ihm: "Mein Neffe, ich bin ein Mann ohne Geld, und die Zeiten sind für uns härter geworden. Ich habe erfahren, dass Hadidscha jemanden für zwei junge Kamele angedungen hat; aber wir werden für dich nicht damit zufrieden sein, was sie ihm gab. Möchtest du, dass ich mit ihr rede?" Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erwiderte: „Wie du wünschst!" So machte sich Abu Talib auf den Weg zu ihr und fragte sie: "Hast du Interesse daran, o Hadidscha, Muchammad in deinen Dienst zu nehmen? Wir haben erfahren, dass du jemanden für zwei Kamele angedungen hast; wir sind für Muchammad jedoch nicht unter vier jungen Kamelen zufrieden“ Hadidschas Antwort lautete: "Selbst wenn du dies für einen verhassten Fremden gefragt hättest, hätten wir es getan, wie also, wo du es für einen geliebten Verwandten gefragt hast!" Der Onkel kehrte darauf zu seinem Neffen zurück, um ihm alles zu erzählen, und sagte: "Das ist ein Geschenk, das dir Allah zukommen lässt."
 


Muchammad im Dienste von Hadidschas Handel

Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zog mit Maisara, einem ihm von seinen Onkeln empfohlenen Diener Hadidschas, aus. Die Karawane bewegte sich auf der Wüstenstraße nach Asch-Scham, wobei sie am Tal von Kura, an Madjan, den Stätten von Samud und jenen Orten vorbeikam, an denen Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, als zwölfjähriger mit seinem Onkel Abu Talib vorbeigekommen war. Diese Reise rief seine Erinnerungen an seine erste Reise wach. Es ließ ihn Betrachtungen anstellen und nachdenken über alles, was er zuvor an religiösen Handlungen und Bekenntnissen in Asch-Scham oder auf den Märkten, die Mekka umgaben, gesehen und gehört hatte. Als er Busra erreichte, traf er mit Christen von Asch-Scham zusammen und unterhielt sich mit ihren Mönchen und Bischöfen. Es sprach ihn auch ein Nestorianer an, und er hörte ihm zu; und vielleicht führte dieser oder ein anderer Mönch mit Muchammad über Isa (Jesus), Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, ein Streitgespräch, diesen Diin, die sich damals bereits in Sekten und Parteien aufgesplittert hatte, wie wir schon darlegten.
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gelang es aufgrund seiner Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit, mit dem Geld Hadidschas einen einträglicheren Handel abzuschließen als irgendeiner vor ihm. Mit seiner angenehmen Wesensart und ausgeprägten Güte konnte er die Liebe und Achtung Maisaras gewinnen. Als für sie die Zeit zur Rückkehr gekommen war, hatte er für Hadidscha aus den Handelsgeschäften in Asch-Scham alles gekauft, worum sie ihn gebeten hatte.
Als die Karawane auf ihrem Rückweg den Engpass von As-Sachran erreicht hatte, sagte Maisara: "Muchammad, eile zu Hadidscha und teile ihr mit, was Allah durch dich für sie getan hat; sie wird dir dafür gewiss ihre Anerkennung aussprechen!“ Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, machte sich eilends auf den Weg, bis er Mekka um die Mittagszeit erreichte. Hadidscha war in ihrem oberen Zimmer und sah ihn auf seinem Kamel. Sie kam herab, als er ihr Haus betrat, empfing ihn und hörte zu, wie er in seinen beredten, bezaubernden
Worten über die Neuigkeiten seiner Reise, den Ertrag seines Handels und das, was er von den Erzeugnissen Asch-Schams mitgebracht hatte, erzählte. Sie lauschte freudig und ergriffen. Maisara kam bald danach und berichtete ihr über Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seinen liebenswürdigen Charakter und sein anmutiges Wesen, was ihren Wissensstand um seine Überlegenheit gegenüber den anderen Jugendlichen Mekkas erhöhte.
Es dauerte nicht lange, bis sich ihre freudige Zufriedenheit in Liebe wandelte. Sie, die 40 Jahre alt war und zuvor von den Kuraisch die höchsten an Adel und Abstammung zurückgewiesen hatte, wollte diesen jungen Mann, dessen Blicke und Worte tief in ihr Herz gedrungen waren, heiraten. Einer Version zufolge sprach sie darüber mit ihrer Schwester, einer anderen zufolge mit ihrer Freundin Nufaisa bint Munja. Nufaisa ging heimlich zu Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und fragte ihn: "Was hindert dich daran zu heiraten?" Er erwiderte: "Ich besitze nichts, um heiraten zu können." Sie sagte: "Und wenn dir dies erlassen würde und du zu Schönheit, Geld, Ansehen und Angemessenem eingeladen würdest, würdest du nicht darauf reagieren?" Er fragte: "Und wer ist sie?" Nufaisa antwortete mit einem einzigen Wort: "Hadidscha." Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagte: "Wie kann ich zu solcher Ehre kommen?" Auch er mochte Hadidscha, und wenn ihm seine Seele nicht den Gedanken eingegeben hatte, sie zu heiraten, so weil er um ihre Abweisung der Edlen und Reichen der Kuraisch wusste. Als Nufaisa ihm als Antwort auf seine Frage sagte: "Lass mich nur machen", zögerte er nicht, seine Zustimmung zu erklären. Hadidscha teilte sofort die Stunde mit, zu der er mit seinen Onkeln bei ihr erscheinen solle, um ihre Angehörigen bei ihr anzutreffen und die Heirat zu vollziehen.
Ihr Onkel 'Umar ibn Asad vermählte sie, da ihr Vater Huwailid bereits vor dem Fidschar-Krieg gestorben war. Die Berichte, er sei anwesend und mit der Heirat nicht einverstanden gewesen und Hadidscha habe ihm Wein zu trinken gegeben, bis sie ihn überredete und er sie mit Muchammad vermählte, sind nicht Bewiesen.
Hier beginnt ein neuer Abschnitt im Leben Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, das Leben der Ehe und Vaterschaft; der seinerseits und seitens Hadidschas allseits harmonischen und glücklichen Ehe; und der Vaterschaft mit den Schmerzen des Verlustes der Söhne, die Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, durch den Verlust seiner Eltern schon in seiner Kindheit kennen gelernt hatte.

 

Die Lebensführung Muchammads

Nachdem Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, von Allah durch die Heirat mit Hadidscha zur erhabenen Abstammung auch noch ein umfangreiches Vermögen bekommen hatte, lebte Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, von allen Bewohnern Makkas geliebt und geachtet. Er war mit dem, was Allah ihm aus Seiner Gnade heraus geschenkt hatte und was ihm Hadidschas Fruchtbarkeit an rechtschaffenen Nachkommen versprach, zu sehr in Anspruch genommen, um sich mit ihnen zu beschäftigen.
Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich unter sie zu mischen und am öffentlichen Leben teilzunehmen, soweit er dies zuvor schon getan hatte. Sein Rang und seine Stellung unter ihnen wurden höher und seine schon ausgeprägte Bescheidenheit wurde noch gefestigt. Trotz seiner hohen Intelligenz und deutlichen ‹berlegenheit folgte er ihren Unterhaltungen aufmerksam und wandte nie sein Gesicht von jemandem ab.
Er begnügte sich nicht damit, jemandem, der mit ihm sprach, zuzuhören, sondern wandte sich ihm in seiner ganzen Person zu. Er sprach wenig, hörte viel zu und neigte zu ernsthafter Rede, wenngleich er sich nicht weigerte, an einem Spaß teilzunehmen oder selbst zu scherzen. Dabei sprach er jedoch immer die Wahrheit. Manchmal lachte er, bis seine Backenzähne sichtbar wurden. Wenn er sich ärgerte, sah man davon keine Spur außer dem Hervortreten einer Ader zwischen seinen Augenbrauen; denn er unterdrückte seinen Ärger und wollte nicht, da? sein Zorn sichtbar wurde. Er neigte zu Geduld, aufrichtiger Anteilnahme und Gewissenhaftigkeit gegenüber den Menschen sowie zu Güte, Freigebigkeit und Gemeinschaftssinn und zu der ihm eigenen festen Entschlossenheit, Willensstärke, Tapferkeit und Durchsetzungskraft, die keine Unschlüssigkeit kannten.
Diese in ihm vereinten Eigenschaften hinterließen einen tiefen Eindruck bei allen, die mit ihm zusammentrafen; und wer ihn sah, empfand sofort Ehrfurcht, und wer mit ihm zu tun hatte, liebte ihn. Diese Eigenschaften wirkten jedoch am stärksten in der vollkommenen Treue, Wahrhaftigkeit und der Liebe zwischen ihm und seiner Gattin Hadidscha.
 


Ein Hinweis auf den Propheten Muchammad im Evangelium

Zu den Prophezeiungen, die, wie ich erfahren habe, 'Isa, der Sohn Marjams, im Evangelium, das für die Christen von Allah zu ihm kam, über den Propheten Muchammad gemacht hat, gehört das, was Jachja nach dem Testament 'Isa im Evangelium schrieb, nämlich da? 'Isa, Allahs Segen auf ihnen allen sprach:

"Wer mich hasst, der hasst auch den Herrn. Hätte ich unter ihnen nicht die Werke getan, die vor mir kein anderer tat, hätten sie keine Sünde. Aber von nun an sind sie stolz und glauben, dass sie mich und den Herrn besiegen. Aber es muss erfüllt werden das Wort, das im Gesetz steht: Sie hassten mich ohne Grund!' Wenn aber Munhamanna gekommen sein wird, den Gott euch senden wird aus der Gegenwart des Herrn, und der Geist der Wahrheit, der vom Herrn ausgegangen sein wird, darin wird er Zeugnis geben von mir, und auch ihr werdet Zeugnis geben, weil ihr von Anfang an bei mir ward. Darüber habe ich zu euch gesprochen, damit ihr nicht klagt."


Munhamanna bedeutet auf Syrisch Muchammad, auf Griechisch ist es Paraklit.