Einleitung
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, schlief, und Hadidscha
schaute ihn an. Ihr Herz war von mitfühlender Besorgnis über das Gehörte
erfüllt. Als sie ihn im tiefen, ruhigen Schlaf versunken sah, ging sie
hinaus. Was ihr Herz bewegte und ihre Besorgnis erregte, ließ ihr keine
Ruhe. Sie dachte an das Morgen und hoffte Gutes für ihn. Sie wünschte, ihr
Gatte sei der Prophet dieses arabischen Volkes, das im Irrtum versank -
und dass er es zum Diin der Wahrheit leiten und ihm den geraden Weg zeigen
würde. Andererseits fürchtete sie für diesen tugendhaften, treuen,
vertrauten Gatten dieses Morgen aufs heftigste.
Sie begann sich vor Augen zu führen, was er ihr erzählt hatte, und stellte
sich den schönen Engel vor, der sich ihm am Himmel gezeigt hatte, nachdem
ihm die Worte seines Herrn geoffenbart worden waren; der das ganze Sein
vor ihm ausfüllte, als er ihn sah, wohin er sein Gesicht auch wandte. Sie
wiederholte die Worte, die Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
rezitiert hatte, nachdem sie in seiner Brust eingraviert waren. Sie vergegenwärtigte sich dies alles; einmal
ließen ihre Lippen ein hoffnungsvolles Lächeln erkennen, ein andermal verfinsterte sich ihre
Miene aus Furcht vor dem, was Al-Amin, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
getroffen hatte. Sie konnte nicht lange allein bleiben, zwischen süßer, lächelnder
Hoffnung und Zweifeln furchtsamer Besorgnis schwankend. Sie dachte deshalb
daran, sich an jemanden zu wenden, von dem sie wusste, dass er Weisheit
besaß und aufrichtigen Rat gab.
Warakas Unterhaltung mit Hadidscha
So eilte sie zu ihrem Vetter Waraka ibn Naufal, der, wie wir bereits erwähnten,
Christ geworden war, das Evangelium kannte und einen Teil davon ins
Arabische übertragen hatte. Nachdem sie ihm berichtet hatte, was
Muchammad,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesehen und gehört und ihr erzählt
hatte, und was sie an Besorgnis und Hoffnung bewegte, schwieg er lange und
sagte dann: "Beim Allmächtigen! Bei Dem, in Dessen Hand Warakas Seele
ruht, wenn du die Wahrheit gesprochen hast, o Hadidscha, dann ist zu ihm
der Engel Dschibril gekommen, der schon zu Muusa, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, gekommen war, und dann ist er der Prophet dieses Volkes. Sage
ihm, er solle standhaft sein!"
Hadidscha kehrte zurück, trat bei Muchammad, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, ein, der immer noch schlief, und blickte ihn in voller Liebe,
aufrichtiger Zuneigung und voller Sorge und Hoffnung an. Während er sich
in tiefem Schlaf befand, schüttelte es ihn, sein Atem wurde schwer, und
Schweiß trat auf seine Stirn. Er erhob sich, um dem Engel zuzuhören, der
ihm die Offenbarung eingab:
"O du Verhüllter, erhebe dich und warne und verherrliche deinen Herrn und
reinige deine Kleidung und meide das Sündhafte und schenke nicht, um mehr
zu bekommen, und gedulde dich für deinen Herrn!"
(74:1-7)
Hadidscha sah ihn in diesem Zustand, und es mehrte ihre Sorge; sie bat
ihn sanft und flehend, er solle ins Bett zurückkehren und schlafen, um
sich auszuruhen. Seine Antwort lautete in etwa so: "O Hadidscha, die Zeit
des Schlafens und des Ausruhens ist zu Ende. Dschibril hat mir befohlen,
die Menschen zu warnen und sie zu Allah und Seiner Anbetung
zurückzubringen. Aber wen soll ich rufen? Und wer wird auf mich hören?"
Hadidscha bemühte sich, ihn die Sache nicht so schwer nehmen zu lassen
und ihn zu bestärken. Sie erzählte ihm von der Mitteilung Warakas und was
er zu ihr gesagt hatte. Dann erklärte sie ihm voller Erwartung und
Ungeduld die Annahme des Islam und ihren Iman an seine Prophetenschaft.
Es war selbstverständlich, dass sie den Iman an ihm verinnerlichte,
nachdem sie ja bereits sein Leben lang seine Zuverlässigkeit,
Wahrhaftigkeit, Erhabenheit der Seele und Liebe für Tugend und
Barmherzigkeit gesehen hatte und wusste, wie er sich in den Jahren
seiner Läuterung mit der Wahrheit beschäftigt hatte, allein mit der
Wahrheit, nach der er gesucht hatte. Er erhob sich dabei mit seinem
Herzen, Geist und Verstand über den Irrglauben jener Menschen, die Götzen anbeteten und
ihnen Opfer darbrachten und in ihnen Götter sahen, von denen sie glaubten,
dass sie Schaden und Nutzen brachten, und die sie der Anbetung und
Ehrerbietung fälschlicherweise für würdig erachteten. Sie hatte ihn während
der Jahre seiner Läuterung gesehen, seinen Zustand bei seiner ersten
Rückkehr aus der Höhle Hira nach der Entsendung, als er sich in tiefster
Ratlosigkeit über sein Geschick befand. Sie bat ihn, ihr mitzuteilen,
wenn der Engel käme. Als er ihn dann sah, setzte sie ihn auf ihr linkes Knie,
dann auf ihr rechtes Knie, dann in ihren Schoß, und er sah ihn immer noch.
Dann entblößte sie sich und warf ihren Schleier ab, und er sah in nicht
mehr. Da waren sämtliche Zweifel bei ihr beseitigt: es war ein Engel und
kein Teufel.
Von der Wortbedeutung her ist Islam die Hingabe an Allah und die
Unterwerfung unter Ihn, wodurch der Mensch Friede mit sich selbst und mit
feiner Umwelt erfährt.
Waraka und Muchammad
Eines Tages danach ging Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zur Umschreitung der Kaba und traf Waraka ibn Naufal; er
erzählte ihm von
sich, und Waraka sagte: "Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ruht, du bist
fürwahr der Prophet dieses Volkes. Der Engel Dschibril, der schon zu Muusa
gekommen war, ist auch zu dir gekommen. Du wirst verleugnet, dir wird
Schaden zugefügt, und du wirst vertrieben und bekämpft werden. Wenn ich
diesen Tag erlebe, werde ich Allah gewiss auf Ihm bekannte Weise helfen.
Er näherte sich Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Kopf und küsste seine Stirn.
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, spürte die
Aufrichtigkeit Warakas in seiner Rede wie auch die Last, die ihm übertragen
worden war. Er begann nachzudenken, wie er die Kuraisch zu Dem aufrufen
sollte, an Den er glaubte. Er wusste, dass sie so sehr auf ihrem Irrtum
beharrten, dass sie dafür sogar kämpfen und sterben würden. Trotz allem
waren sie seine Angehörigen und nächsten Verwandten.
Gewiss, sie befanden sich im Irrtum, und das, wozu er sie aufrief, war die
Wahrheit. Er rief sie dazu auf, sich mit Herz und Geist zu erheben, um mit
Allah in Verbindung treten zu können, Der sie und vor ihnen ihre Väter
erschuf. Um Ihn aufrichtig in Seinem Diin mit reiner Seele anzubeten. Er
rief sie dazu auf, sich Allah zu nähern, indem sie rechtschaffen handelten
und den Verwandten und den Reisenden gegenüber ihren Pflichten nachkamen;
die Anbetung dieser Steine aufzugeben, von denen sie einige zu Götzen
genommen hatten und von denen sie glaubten, sie würden ihnen das Vergnügen
den Frevel, den Wucher und die Aneignung des Vermögens der Waisen
vergeben, so dass diese Anbetung ihre Seelen und Herzen versteinerter und
verhärteter als die Götzen werden ließ! Er rief sie dazu auf zu
betrachten, was von Allahs Schöpfung in den Himmeln und auf Erden war. Sie
sollten das alles aufnehmen und Seine Bedeutsamkeit und Herrlichkeit
erfassen. Alsdann würde in ihrem Verständnis das Gesetz dessen, was in den
Himmeln und auf der Erde ist, an Bedeutung gewinnen; und schließlich würde
der Schöpfer dieses gesamten Seins, allein und ohne Teilhaber, in ihrer
Anbetung an Bedeutung gewinnen. Sie sollten sich deshalb über alles
Minderwertige erheben und über alles Niedere stellen. Sie sollten von
Mitgefühl für jeden ergriffen werden, den Allah nicht rechtgeleitet hatte,
und für seine Rechtleitung arbeiten; und sie sollten gütig gegenüber jedem
Waisen, jedem Leidenden und Schwachen sein.
Ja, sie dazu aufzurufen, hatte Allah ihm befohlen. Aber diese verhärteten
Herzen, diese rauen Gemüter erstarrten in einer Anbetung, der ihre Väter
gefolgt waren. Und sie fanden darin einen Handel, der Mekka zum
Wallfahrtszentrum der Götzenanbetung machte! würden sie also die Religion
ihrer Väter aufgeben und die Stellung ihrer Stadt dem aussetzen, dem sie
ausgesetzt wäre, wenn niemand mehr an der Götzenanbetung festhalten
würde?!
Sodann, wie sollten ihre Herzen vom Schmutz der Leidenschaften gereinigt
und befreit werden und von dem Verlangen, sich darin zur Befriedigung
ihrer Brutalität herabzulassen, während er die Menschen ermahnte, sie
sollten sich über ihre Leidenschaften und über ihre Götzen erheben? Und
wenn sie ihm nicht den Iman verinnerlichen, was könnte er tun? Das war die
große Frage!
Das Ausbleiben der Offenbarung
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wartete auf Rechtleitung durch
die Offenbarung an ihn und damit auf Erhellung seines Weges. Als die
Offenbarung aber ausblieb und Dschibril nicht zu ihm herabkam und Stille
und Schweigen um ihn herum waren, bewirkte dies, dass er sich von den
Menschen und sich selbst zurückzog. Er kehrte zur selben Furcht zurück,
die er vor der Herabsendung der Offenbarung gehabt hatte. Es wird
berichtet, Hadidscha habe zu ihm gesagt: "Wie mir scheint, verabscheut
dich dein Herr." Angst und Furcht überkamen ihn und trieben ihn erneut in
die Höhle Hira zurück, wo er sich mit seiner ganzen Seele auf seinen Herrn
ausrichtete und Ihn fragte, warum Er ihn verabscheue, nachdem Er ihn erwählt
habe. Hadidscha war nicht weniger besorgt und ängstlich als er. Er hätte
sich aufrichtig den Tod gewünscht, wäre ihm nicht bewusst gewesen, was ihm
anbefohlen war, so dass er zu sich selbst und dann zu seinem Herrn
zurückkehrte. Es heißt, er habe daran gedacht, sich vom Gipfel des Berges
Hira oder Abu Kubais zu stürzen. Was war dieses Leben noch wert, wenn
diese seine größte Hoffnung verblüht und am Ende war!
Offenbarung der Surach Ad-Duha
Er war von jenen Ängsten erfüllt, als die Offenbarung nach langem
Ausbleiben wieder zu ihm kam und die Rede des Erhabenen auf ihn
herabgesandt wurde: "Beim Vormittag und bei der Nacht, wenn sie still ist.
Dein Herr hat dich nicht verlassen und dich nicht verabscheut. Und das
Jenseits ist gewiss besser für dich als das Diesseits. Und geben wird dir
dein Herr gewiss, und du wirst zufrieden sein. Hat Er dich nicht als Waise
gefunden und Obdach gegeben und fand dich irrend und zeigte den rechten
Weg, und fand Er dich nicht in Armut und gab Reichtum? Was aber die Waise
betrifft, so unterdrücke sie nicht, und was den Fragenden betrifft, so
weise ihn nicht zurück. Und was die Gnade deines Herrn betrifft, so
berichte!"
Bei Allahs Herrlichkeit! Welche Beruhigung der Seele, Beglückung des
Herzens und Entzückung des Inneren! Muchammads, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, Befürchtungen zerstreuten sich und all sein Schrecken schwand,
auf seinen Lippen zeichnete sich das Lächeln der Zufriedenheit ab, und
seine Zunge löste sich im Ausdruck des Lobpreisens und im Zeichen der
Verehrung und Anbetung. Es blieb nichts von dem, was Hadidscha befürchtet
hatte, dass nämlich Allah ihn verabscheue, und es blieb kein Platz für
seine Angst und Beunruhigung. Vielmehr hatte Allah ihn und sie unter
Seinen Schutz genommen. Alle Furcht und Zweifel wichen von ihm.
Der Ruf zur alleinigen Wahrheit
Keine Ratlosigkeit also, sondern ein Leben des Rufens zu Allah, und nur zu
Allah. Zu Allah, dem Erhabenen, Großen, vor Dem sich die Stirn neigt und
vor Dem sich alles niederwirft, was in den Himmeln und auf Erden ist. Er
allein ist die Wahrheit, und alles, zu dem außer ihm gerufen wird, ist
Falschheit. Zu Ihm allein wendet sich das Herz, auf Ihn allein soll sich
die Seele beziehen, und in Ihm allein soll der Geist aufgehen, "und das
Jenseits ist gewiss besser für dich als das Diesseits." Das Jenseits, in
dem die Seele das gesamte Sein in der Vollkommenheit seiner Einheit
umfasst, in dem Zeit und Raum aufhören und die Bekümmernisse des
minderwertigen diesseitigen Lebens vergessen sind. Das Jenseits, in dem
der Vormittag und das Leuchten seiner strahlenden Sonne sowie die Nacht
und ihre tiefe Finsternis und die Himmel und die Sterne und die Erde und
die Berge alle eins sein werden, verbunden mit dem angenehmen, zufriedenen
Geist. Das ist das Leben, dem das Streben auf der Reise in diesem Leben
gelten soll. Das ist die Wahrheit, und alles, was es daneben gibt, ist nur
ein Abbild von ihr und kann sie nicht ersetzen. Das ist die Wahrheit, die
mit ihrem Licht den Geist Muchammads erleuchtete und ihn erneut über den
Ruf zu seinem Herrn nachdenken ließ.
Der Ruf zu seinem Herrn machte es erforderlich, dass er seine Kleidung
reinigte, das Schlechte mied und erduldete, was ihn auf dem Weg des Rufes
zur Wahrheit an Beeinträchtigungen treffen würde, für die unwissenden
Menschen den Weg des Wissens erleuchtete und deswegen keinen Fragenden
zurückwies und keine Waise unterdrückte. Es genügte ihm die Gnade, dass
Allah ihn für sein Wort auserwählt hatte, auf dass er es verkünde. Es
genügte ihm, dass Allah ihn als Waisen gefunden und in die Obhut seines
Großvaters Abdul Muttalib und seines Onkels Abu Talib gegeben hatte; dass
Er ihn arm fand und durch seine Glaubwürdigkeit reich und ihm Hadidscha
zur Gefährtin seiner Jugend, seiner Läuterung und seiner Entsendung
gemacht hatte, zu einer liebenden, beratenden und nachsichtigen Gefährtin.
Und dass Er ihn irrend gefunden und ihn durch Seine Botschaft
rechtgeleitet hatte. Dies genügte ihm, um unter allen Anstrengungen zur
Wahrheit zu rufen. Das befahl Allah Seinem Propheten, den Er auserwählt
hatte. Er hatte ihn weder verlassen noch verabscheut.
Verpflichtung zum Gebet
Als dem Propheten die Verpflichtung zum täglichen Gebet auferlegt wurde,
kam Dschibril auf den Höhen von Makka zu ihm und grub mit der Ferse ein Loch
an einer Stelle am Wadi, worauf dort eine Quelle hervorsprudelte. Während
der Prophet ihm zusah, vollzog Dschibril die Waschung, um ihm zu zeigen, wie
die Reinigung für das Gebet durchzuführen sei, und darauf wusch sich
Muchammad, wie er es von Dschibril gesehen hatte.
Dann erhob sich der Engel mit ihm zum Gebet, und der Prophet betete wie
er. Nachdem Dschibril wieder entschwunden war, ging Muchammad zu Hadidscha und
verrichtete vor ihr Waschung und Gebet, um es ihr zu zeigen, und Hadidscha
tat es ihm nach.
Von `Utba, einem Freigelassenen des Stammes Taim, hörte ich, wie er von
dem großen Überlieferer Naafi` In Dschubair den folgenden Bericht des ibn `Abbaas
weitererzählte:
Nachdem dem Propheten die Verpflichtung zum Gebet auferlegt worden war,
kam Dschibril zu ihm und betete mit ihm das Mittagsgebet, als die Sonne sich
zu neigen begann, dann das Nachmittagsgebet, als sein Schatten so lang war
wie er selbst, dann das erste Abendgebet, als die Sonne unterging, dann
das zweite Abendgebet, als das Abendrot verging, und dann das Morgengebet,
als die Dämmerung anbrach. Und wieder kam Dschibril zu ihm und betete mit
ihm das Mittagsgebet, als sein Schatten so lang war wie er selbst, dann
das Nachmittagsgebet, als sein Schatten die doppelte Länge hatte, dann das
erste Abendgebet, als die Sonne unterging zur gleichen Zeit wie am
Vortage, dann das zweite Abendgebet, als das erste Drittel der Nacht
verstrichen war, und dann das Morgengebet, als es schon hell war, aber
noch vor Sonnenaufgang.
Sodann sprach Dschibril:
„O Muchammad, die täglichen Gebete sollen jeweils innerhalb der Zeiten
verrichtet werden, an denen du heute und gestern gebetet hast."
Das Gebet
Allah lehrte Seinem Propheten das Gebet, und Hadidscha betete mit ihm.
außer ihren Töchtern lebte 'Allii ibn Abu Talib mit ihnen, der noch ein
Junge war. Dies verhielt sich so, weil die Kuraisch einmal eine schwere
Not traf und Abu Talib viele Familienangehörige zu versorgen hatte.
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagte zu seinem Onkel Al-Abbas,
der unter den Banu Haschim die meisten Mittel besaß: "Dein Bruder Abu
Talib hat viele Angehörige zu versorgen, die Leute hat diese Not
getroffen, die du siehst. Lass uns zu ihnen gehen, damit wir ihm seine
Verpflichtungen erleichtern. Ich nehme einen seiner Söhne, und du nimmst
einen, und wir versorgen sie für ihn." Al-Abbas nahm Dschafar in seine
Obhut und Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nahm 'Allii. Er war
noch bei ihm, als Allah ihn zum Gesandten machte. Als Muchammad, Allahs
Segen und Frieden auf ihm, und Hadidscha eines Tages beteten, kam 'Allii
plötzlich zu ihnen und sah, wie sie sich verbeugten und niederwarfen und
von dem rezitierten, was Allah Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, damals aus dem Qur'an geoffenbart hatte. Der Junge wartete verwundert, bis
sie ihr Gebet vollendet hatten. Dann fragte er: "Vor wem habt ihr euch
niedergeworfen?" Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, antwortete
ihm in etwa: "Wir haben uns vor Allah niedergeworfen, Der mich als
Propheten entsandt und mir befohlen hat, die Menschen zu Ihm zu rufen."
Und Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, rief 'Allii auf zur
alleinigen Anbetung Allahs, Der keinen Teilhaber hat, und zu Seinem Diin,
mit der Er Seinen Propheten entsandt hatte, und zur Zurückweisung der
Götzen wie Al-Lat und Al-Ussa. Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
trug aus dem Qur'an vor, was ihm möglich war, und Allii wurde in seiner
Seele ergriffen, und die Schönheit der Ajachs und ihre Unnachahmlichkeit
bezauberten ihn.
Die Annahme des Islam von Allii ibn Abu Talib
Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Vetter bat, ihm Zeit zu
lassen, bis er seinen Vater um Rat gefragt hätte. Er verbrachte die Nacht
unruhig, bis er ihnen am nächsten Morgen verkündete, dass er ihnen folgen
werde, ohne vorher die Meinung Abu Talibs hören zu müssen. Er sagte:
"Allah hat mich erschaffen, ohne Abu Talib um Rat zu fragen, also bedarf
ich auch seines Rates nicht, um Allah zu dienen." So war Allii der erste
Junge, der Muslim wurde. Nach ihm nahm Said ibn Harisa, der unter dem
Schutz des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, stand,
den Islam an. Damit blieb der Islam zunächst auf den Hausstand Muchammads,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, begrenzt: auf ihn, seine Frau, seinen
Vetter und seinen Schützling. Seine Gedanken drehten sich weiter darum,
wie er die Kuraisch dazu aufrufen könnte. Er wusste, wie mutig sie waren
und in welch tiefgehender Verbundenheit mit den gottesdienstlichen
Handlungen ihrer Väter und mit der Anbetung ihrer Götzen sie standen.
Abu Bakrs Annahme des Islam
Abu Bakr ibn Abu Kuhafa At-Taimi war ein enger Freund Muchammads, Allahs
Segen und Frieden auf ihm. Er vertraute ihm und kannte seine
Rechtschaffenheit, Vertrauenswürdigkeit und Aufrichtigkeit. Deshalb war er
der erste, den Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zur alleinigen
Anbetung Allahs und Aufgabe der Götzenanbetung rief, und der erste, dem er
mitteilte, was er gesehen hatte und was ihm geoffenbart worden war. Abu
Bakr zögerte nicht lange, Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Ruf
zu folgen und daran den Iman zu verinnerlichen. Welcher der Wahrheit
aufgeschlossene Mensch würde zögern, die Götzenanbetung zugunsten der
alleinigen Anbetung Allahs aufzugeben! Welcher Mensch, der etwas
Erhabenheit besitzt, würde der Anbetung Allahs die Anbetung eines Steins,
gleich welcher Form, vorziehen! Welcher geläuterte Mensch würde zögern,
Kleidung und Seele zu reinigen, dem Bittenden zu geben und gütig zur Waise
zu sein! Abu Bakr machte seinen Iman an Allah und Seinen Gesandten unter
seinen Gefährten bekannt.
Abu Bakr war ein Mann, der folgendermaßen beschrieben wurde: "Er war
seinem Volk angenehm und leicht umgänglich, war der edelste der Kuraisch
an Abstammung und derjenige der Kuraisch, der am besten über sie und ihre
guten und schlechten Seiten Bescheid wusste. Er war ein Kaufmann mit
ausgeprägtem Charakter und Ruf. Seine Stammesgefährten mochten ihn aus
mehr als einem Grund: wegen seines Wissens, seines Handels und seines
guten Umgangs."
Die ersten Muslime
Abu Bakr begann, aus seinem Volk Leute, denen er vertraute, zum Islam zu
rufen, und 'Usmaan ibn Affan, Abdurrahman ibn Auf, Talha ibn Ubaidullah, Sad
ibn Abu Wakkas und Subair ibn Al-Auwam folgten ihm im Islam. Danach nahmen
Abu Ubaida ibn Al-Dscharrach und viele andere Einwohner Mekkas den Islam
an. Wenn einer von ihnen Muslim wurde, ging er zum Propheten Muchammad,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, und erklärte ihm seine Annahme des Islam
und erhielt von ihm seine Unterweisung.
Die ersten Muslime pflegten sich aufgrund ihres Wissens um die
Feindschaft, die die Kuraisch gegen jeden hegten, der sich von ihrem Kufr
lossagte, zu verbergen. Wenn sie beten wollten, so gingen sie zu den
Anhöhen Mekkas und verrichteten dort ihr Gebet. Sie verhielten sich so
drei Jahre lang, und der Islam breitete sich währenddessen unter den
Bewohnern Mekkas immer mehr aus. In dieser Zeit wurden Offenbarungen auf
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, herabgesandt, die die Muslime
an Iman und Standhaftigkeit bestärkten.
Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Beispiel sorgte am besten
für
die Verbreitung des Rufes: Er war rechtschaffen und barmherzig, voller
Demut, von vollkommener Mannhaftigkeit, unterhaltsam, liebte die
Gerechtigkeit, gab jedem das ihm zustehende Recht und sah auf den
Schwachen, den Waisen, den Notleidenden und den Bedürftigen mit einem überaus
väterlichen, zärtlichen, mitfühlenden und liebevollen Blick. In seinen nächtlichen
Gebeten und Nachtwachen, in seiner Wiedergabe dessen, was ihm geoffenbart
worden war, in seinem ausdauernden Beschauen der Himmel und der Erde und
der Berührung mit der Lehre im gesamten Sein und allem in ihm, in seiner
beständigen Ausrichtung auf Allah allein, in seiner geheimen Kenntnis der
umfassenden Existenz des Seins im Innersten seiner Seele, und in der Art
seines Lebens war er ein Beispiel.
Ein Beispiel, das diejenigen, die an ihn den Iman verinnerlichten und ihm
ihre Annahme des Islam erklärten, besonders auf ihren Islam bedacht sein
ließ. Es stärkte sie in ihrer Überzeugung im im Gegensatz zur Selbsttäuschung
und Unwissenheit ihrer Väter sowie im Ertragen der Unbill, der sie seitens
der Polytheisten, deren Herzen vom Iman noch nicht durchdrungen waren,
ausgesetzt waren. Von den Kaufleuten Mekkas und seinen Edelleuten
verinnerlichten jene den Iman an Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, bei denen die Seele Reinheit, Rechtschaffenheit, Nachsicht und
Barmherzigkeit kannte. Und alle Schwachen, Elenden und Verstoßenen
verinnerlichten den Iman an ihn; sein Anliegen verbreitete sich in Makka,
und die Menschen, Männer wie Frauen, nahmen einer nach dem anderen den
Islam an.
Die Kuraisch und die Muslime
Die Menschen sprachen über Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und
seinen Aufruf. Jedoch beachteten ihn die Makkaner, soweit ihre Herzen verhärtet
und verschlossen waren, zuerst nicht. Sie vermuteten, seine Rede würde den
Reden der Mönche und Weisen wie Umaija, Waraka und anderer nichts
hinzufügen. Die Menschen würden gewiss zum Diin ihrer Väter und Großväter
zurückkehren, und Hubal, Al-Lat und Al-Ussa sowie Isaf und Naila, bei
denen geopfert wurde, würden schließlich die Sieger sein. Sie vergaßen
dabei, dass Iman niemand besiegen kann und der Wahrheit ewig der Erfolg
beschieden ist.
Muchammads
nächste Verwandte
Drei Jahre nach der Entsendung befahl Allah Seinem Gesandten, offen zu
legen,
was er bisher geheim gehalten hatte, und kundzutun, was ihm von Ihm
mitgeteilt worden war. Es wurden die Offenbarungen herabgesandt:
"Und warne deine nächsten Verwandten. Und nehme unter deinen Schutz, wer
dir von den Mu'mins folgt. Und wenn sie sich dir widersetzen, so sprich,
ich bin gewiss schuldlos an dem, was ihr tut!"
(26:214-216)
Und: "So tue kund, was dir geboten ward, und wende dich ab von den
Götzendienern."
(15:94)
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, lud seine Verwandten zu einem
Essen in sein Haus ein und versuchte, mit ihnen als ein Rufer zu Allah zu
sprechen. Sein Onkel Abu Lahab unterbrach jedoch seine Rede und bat die
Leute, aufzustehen. Am nächsten Morgen lud Muchammad, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, sie ein weiteres Mal ein, und als sie gegessen hatten,
sagte er zu ihnen: "Ich kenne niemanden unter den Arabern, der seinen
Leuten etwas Besseres gegeben hätte als das, was ich euch gab. Ich brachte
das Beste im Diesseits wie im Jenseits. Mein Herr befahl mir, euch zu Ihm
zu rufen. Wer von euch wird mir in dieser Sache beistehen?" Da schwiegen
sie alle und schickten sich an, ihn zu verlassen; nur Allii, der noch ein
Junge war, erhob sich und sagte: "Ich, o Gesandter Allahs, ich helfe dir.
Wen du bekämpfst, werde auch ich bekämpfen." Die Banu Haschim lächelten,
und einige von ihnen lachten schallend. Sie ließen ihren Blick zwischen
Abu Talib und seinem Sohn wandern und gingen spottend fort.
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wandte sich nun mit seinem Ruf
von seinen nächsten Verwandten zu den Einwohnern Mekkas insgesamt. Eines
Tages erklomm er den Hügel As-Safa und rief: "O Kuraisch!" Da sprachen die
Kuraisch: "Muchammad ist auf As-Safa und ruft." Sie versammelten sich um
ihn, um ihn zu fragen, was er habe. Es sagte: "Was meint ihr, wenn ich
euch mitteile, dass sich eine Reitertruppe am Fu?e dieses Berges befände:
würdet ihr mir glauben?" Sie sagten: "Ja! Wir vertrauen dir, denn wir
haben von dir niemals eine Lüge gehört." Er sagte: "Also denn, ich bin ein
Warner vor heftiger Strafe. O Banu Abdul Muttalib, o Banu Abd Manaf, o
Banu Suchra, o Banu Taim, o Banu Machsum, o Banu Asad: wahrlich, Allah hat
mir befohlen, meine nächsten Verwandten zu warnen, und wahrlich, ich
vermag euch weder im Diesseits Nutzen noch im Jenseits einen Anteil zu
garantieren, es sei denn, ihr sprecht: "Es gibt keinen Gott außer Allah"
(So oder ähnlich waren seine Worte.) Da erhob sich Abu Lahab - ein
beleibter Mann, der leicht erzürnte - und schrie: "Vernichtung über dich
den ganzen Tag! Hast du uns deswegen versammelt!"
Es verschlug Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Sprache, und
er blickte seinen Onkel an; dann dauerte es nicht lange, bis die
Offenbarung mit der Rede des Erhabenen kam:
"Vernichtet sind die beiden Hände Abu Lahabs, und vernichtet ist er.
Nichts nützt ihm sein Vermögen und was er erwarb. Er wird einem
flammenreichen Feuer ausgesetzt sein."
Islam und Freiheit
Weder der Zorn Abu Lahabs noch die Gegnerschaft anderer unter den Kuraisch
verhinderten die Verbreitung des Rufes zum Islam unter den Makkanern. Es
verging kein Tag, an dem sich nicht einige von ihnen Allah hingaben. Die
der Welt entsagten, nahmen den Islam bereitwilliger an, weder Handel noch
Geschäfte lenkten sie von der Erwägung dessen ab, wozu Muchammad, Allahs
Segen und Frieden auf ihm, sie rief. Sie sahen, dass er durch den Reichtum
Hadidschas und sein eigenes Vermögen unabhängig war, und doch bedeuteten
ihm dieses Geld und dessen Zunahme und Vervielfältigung nichts. Er rief
auf zu Liebe, Mitgefühl, Freundschaft und Nachsicht. Es kam gar die
Offenbarung zu ihm, dass in der Mehrung des Reichtums ein Fluch für den
Geist liegt. Sagte sie doch:
"Das Mehr-Wollen lenkt euch ab, bis ihr die Gräber besucht. Aber fürwahr,
ihr werdet bald wissen! fürwahr, wüsstet ihr es doch mit Gewissheit! Ihr
würdet die Hölle sehen. Ja, ihr würdet sie mit dem Auge der Gewissheit
sehen! Sodann werdet ihr an jenem Tag gewiss über das Wohlleben befragt
werden."
(102:1-8.)
Was ist besser als das, wozu Muchammad aufruft! Ruft er nicht zur Freiheit!
Zur uneingeschränkten Freiheit, die keine Grenzen kennt! Zur Freiheit, die
der Seele des Arabers so wertvoll ist wie sein Leben! Ja! Befreit er die
Menschen nicht von den Fesseln jeglicher Verehrung neben der alleinigen
Anbetung Allahs! Sprengt er nicht alle Fesseln, die es zwischen ihnen und
Ihm gibt! Weder Hubal, Al-Lat oder Al-Ussa noch das Feuer der Anhänger des
Mazdaglaubens, weder die Sonne der Ägypter noch die Sterne der
Sternanbeter und weder die Jünger 'Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
noch irgendein Mensch, Engel oder Geistwesen treten zwischen Allah und den
Menschen.
Vor Allah, und nur vor Ihm, Der keinen Teilhaber hat, wird der Mensch über
das befragt, was er an Gutem oder Schlechtem getan hat. Allein die Taten
des Menschen sind seine Fürsprecher. Sein Gewissen ist es, das seine Taten
abwägt und allein über ihn Gewalt besitzt, und durch dieses Gewissen erhält
er seine Abrechnung am Tag, da jeder Seele vergolten wird, was sie erwirkt
hat. Welche Freiheil hat größeren Spielraum als diese Freiheit, zu der
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, rief?! Riefen Abu Lahab und
seine Gefährten zu etwas Vergleichbarem?! Oder riefen sie die Menschen
dazu auf, ihre Seelen in der Sklaverei und Verknechtung unter dem
Irrglauben zu belassen? Dieser Irrglaube hängte sich wie ein Schleier über
sie und trennte sie vom Licht der Wahrheit und Glanz der Rechtleitung!
Die Dichter der Kuraisch
Abu Lahab, Abu Sufjan, die Adligen der Kuraisch und ihre Helden, der
Finanzadel und die Helden des Zeitvertreibs begannen zu erkennen, welche
Gefahr der Ruf Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, für ihre
Stellung barg. Sie waren am Anfang der Meinung, sie sollten ihn dadurch
bekämpfen, dass sie seine Sache verächtlich machten und seinen
prophetischen Anspruch als Lüge darstellten. Das erste, was sie in dieser
Hinsicht unternahmen, war das Aufhetzen ihrer Dichter gegen sie: Abu
Sufjan ibn Al-Haris, Amr ibn Al-As und Abdullah As-Sibarai hetzten gegen
ihn und bekämpften ihn. Eine Gruppe muslimischer Dichter übernahm es,
ihnen zu entgegnen, ohne dass Muchammad ihres Wettstreites bedurft hätte.
Die Forderung an Muchammad
nach Wundern
Neben den Dichtern traten andere auf und fragten Muchammad, Allahs Segen
und Frieden auf ihm, nach seinen Wundern, durch die seine Gesandtschaft
bestätigt würde: Wundertaten wie etwa die Wunder Muusa oder 'Isa, Allahs
Segen und Frieden auf ihnen beiden. Oder warum er nicht As-Safa und
Al-Marwa in Gold verwandle; und warum das Buch, von dem er sprach, nicht
geschrieben vom Himmel auf ihn herabgesandt werde! Und warum ihnen nicht
Dschibril erscheine, von dem Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
Rede so oft handle! Warum er die Toten nicht wieder zum Leben erwecke und
die Berge nicht versetze, so dass Mekka nicht mehr zwischen ihnen
eingeschlossen bliebe! Warum er nicht einen Quell mit noch
wohlschmeckenderem Wasser als Samsam entspringen lasse, obwohl er doch
wisse, dass die Bewohner seiner Stadt des Wassers bedurften!
Die Götzendiener beschränkten sich nicht darauf zu spotten, indem sie nach
diesen Wundern fragten, sondern fügten noch weiteren Spott hin/u und
fragten ihn: Warum offenbart ihm sein Herr nicht die Marktpreise, so dass
sie im voraus spekulieren könnten. Ihre Zudringlichkeit dauerte an. Da
wies die Offenbarung ihre Hartnäckigkeit durch das zurück, was Muchammad,
Allahs segen und Frieden auf ihm, von der Rede des Erhabenen geoffenbart
wurde:
"Sprich: ich vermag für mich selbst weder Nutzen noch Schaden zu bewirken,
es sei denn, was Allah will. Und hätte ich Kenntnis vom Verborgenen, hätte
ich vom Guten gewiss im ‹berfluss, und das ‹bel träfe mich nicht. Doch ich
bin nur ein Warner und ein Verkünder froher Botschaft für Menschen, die
den Iman verinnerlichen."
(7:188)
Ja! Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war nur ein Warner und ein
Verkünder froher Botschaft. Wie also konnten sie von ihm fordern, was der
Verstand nicht gelten lassen kann, wo er doch nur etwas von ihnen
forderte, was der Verstand gutheißt, ja, was er sogar gebietet und zur
Pflicht macht?! Wie konnten sie von ihm etwas fordern, was eine edle Seele
von sich weist, wo er doch nur von ihnen forderte, der Eingebung der edlen
Seele zu folgen?! Wie konnten sie von ihm Wunder verlangen, wo doch
dieses Buch, das ihm geoffenbart wurde und zur Wahrheit leitete, das
Wunder der Wunder war?! Was war ihnen, dass sie die Bestätigung seiner
Prophetenschaft durch etwas Außergewöhnliches forderten, um danach dennoch
zu zweifeln, ob sie ihm folgen sollten oder nicht?! Was sie für Götter
hielten, waren nur Steine und Götzen aus Holz, die in der Weite der Wüste
aufgestellt waren und weder nutzen noch schaden konnten; die sie- aber
trotzdem anbeteten, ohne von ihnen etwas zu fordern, was ihre Göttlichkeit
bewiesen hätte! Und selbst wenn sie es gefordert hätten, so wären sie
dennoch leb- und regungsloses Holz bzw. Gestein geblieben, das nichts
bewirken und sich, wenn es jemand zerschlug, selbst nicht wehren konnte.
Der weitere Verlauf der Geschichte
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, schwieg gesenkten Hauptes,
derweil die Geschichte des gesamten Seins eine Weile verblüfft innehielt,
ohne zu wissen, welche Richtung sie einschlagen sollte. In dem Wort, das
über die Lippen dieses Mannes kommen würde, lag ein Urteil über die
Welt: sollte sie im Irrtum verbleiben, in dem sie schwelgte, woraufhin
der Diin Sarasustras über das uneinige und zerrüttete Christentum siegen
und das Kufr mit seinen wertlosen Unwahrheiten seinen schwachsinnigen,
törichten Kopf erheben würde? Oder sollte vor ihr das Licht der Wahrheit
aufleuchten und in ihr das Wort über den Iman an den Monotheismus
verkündet werden? Und sollten in ihr der Geist aus dem Zustand der
Sklaverei und das Herz aus der Gefangenschaft der Einbildung befreit
werden und die menschlichen Seelen sich in ihr erheben, um sich mit den
himmlischen Heerscharen zu vereinen?
Dieser sein Onkel schien durch die Hilfe und den Beistand für ihn geschwächt
und würde ihn im Stich lassen und ausliefern. Und die Muslime waren noch
schwach und brachten die Kraft für einen Krieg nicht auf. Sie vermochten
noch nicht, den mächtigen, vermögenden, gilt ausgerüsteten und zahlenmäßig
starken Kuraisch Widerstand zu leisten. Es blieb ihm also kein Verbündeter
außer der Wahrheit, in deren Namen er die Menschen rief, und außer seinem
Iman. Aber! Das Jenseits ist gewiss besser für ihn als das Diesseits!
Sollte er also seine Prophetenschaft auf sich nehmen und aufrufen zu dem,
was ihm sein Herr befohlen hatte? Es war gewiss besser für ihn, im Iman an
die Wahrheit, die ihm geoffenbart worden war, zu sterben als sie zu
verraten oder in ihr schwankend zu werden. Deshalb wandte er sich, erfüllt
von Willensstärke, an seinen Onkel und sagte zu ihm: "O Onkel, bei Allah,
wenn sie die Sonne in meine Rechte legten und den Mond in meine Linke,
damit ich diese Sache aufgäbe - ich gebe sie nicht auf, bis Allah sie zum
Sieg führt oder ich durch sie vernichtet werde!"
Welche Erhabenheit der Wahrheit und Herrlichkeit des Imans an sie! Der
alte Mann war ergriffen, als er die Antwort Muchammads, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, hörte, und nun hielt er seinerseits verblüfft inne vor
dieser heiligen Kraft und diesem erhabenen Willen über das Leben und das,
was es beinhaltet. Muchammad erhob sich, und die Warnung, mit der ihn sein
Onkel überrascht hatte, hatte in ihm Verbitterung hervorgerufen, obgleich
sich in seiner Seele keine Regung des Zweifels an diesem beschrittenen Weg
gerührt hatte. Nur einen Augenblick schwankte Abu Talib zwischen dem Zorn
seines Volkes und dem Standpunkt seines Neffen ; dann rief er Muchammad,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu sich. Als er kam, sagte er zu ihm:
"Geh, o mein Neffe, und sage, was dir beliebt. Bei Allah, ich werde dich
niemals zu etwas zwingen, was du ablehnst!"
Die Banu Haschim schützen Muchammad vor den Kuraisch
Abu Talib teilte die Worte und den Standpunkt seines Neffen den Banu
Haschim und den Banu Muttalib mit. Sein Bericht über Muchammad, Allahs
Segen und Frieden auf ihm, war voller Bewunderung für das, dessen er Zeuge
war, und geprägt von Erhabenheit dessen, was er empfunden hatte. Er bat
sie, Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vor den Kuraisch zu
schützen. Sie willigten allesamt ein außer Abu Lahab, der ihnen offen die
Feindschaft erklärte und sich ihren Gegnern anschloss.
Zweifellos beschützten sie ihn beeinflusst durch das Gefühl der
Stammeszugehörigkeit und durch die alte Feindschaft zwischen den Banu
Haschim und den Banu Umaija. Aber es war nicht nur die
Stammeszugehörigkeit, die sie alle zur Verteidigung dieses Standpunktes
gegen die Kuraisch veranlasste, in einer Angelegenheit, die so brisant war
wie der Ruf zur Aufgabe ihrer Religion und der Glaubenssätze ihrer Väter.
Es war vielmehr die Haltung Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
ihnen gegenüber und die Kraft seines unbeirrbaren Imans. Und dass er die
Menschen auf moderate Weise dazu aufrief, den Einen und Einzigen
anzubeten. Zudem war es damals unter den arabischen Stämmen allgemein
bekannt, dass es für Allah eine Religion gab, die anders war als die
ihren. Sie betrachteten es deshalb als ein Recht ihres Neffen, dass er den
Menschen seine Ansicht verkündete, wie es schon Ummaija ibn Abu As-Sach
und Waraka ibn Naufal und andere getan hatten. Wenn Muchammad, Allahs Segen
und Frieden auf ihm, der Wahrheit folgte - woran sie allerdings nicht den
Iman verinnerlichten -, so würde die Wahrheit später siegen, und sie hätten
einen Anteil an ihrem Ruhm. Wenn er aber nicht der Wahrheit folgte, dann
würden sich die Menschen von ihm abwenden, wie sie sich vor ihm schon von
anderen abgewandt hatten, und dann hätte sein Ruf keine Wirkung, und es
gab keinen Grund, ihn entgegen ihrer Gepflogenheit seinen Gegnern
auszuliefern, damit diese ihn töten.
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nahm vor den Nachstellungen
durch die Kuraisch Zuflucht bei seinem Stamm, so wie er zu Hause bei
Hadidscha Zuflucht vor seinem seelischen Kummer nahm. Sie war mit ihrem
Iman und ihrer tiefen Liebe eine aufrichtige Stütze, die ihn von all
seinen Sorgen befreite und ihn bei jedem Erscheinen von Schwäche stärkte;
Schwäche, die verursacht wurde durch die Peinigung seiner Feinde und deren
Anstrengungen, ihn zu bekämpfen, sowie das Obergreifen der Beeinträchtigung
auf seine Anhänger.
Die Schikanierung der Muslime durch die Kuraisch
Die Wahrheit ist, dass die Kuraisch weder schliefen noch zu der uns
bekannten früheren Ruhe ihres Wohllebens zurückkehrten. Jeder Stamm fiel
vielmehr über die Muslime unter ihnen her und peinigte sie und versuchte,
sie vom Islam abzubringen. Einer von ihnen warf sogar seinen abessinischen
Sklaven Bilal in den Wüstensand unter brennender Sonne, legte einen
Felsbrocken auf seine Brust und ließ ihn dort zurück, damit er sterbe. Und
das nur, weil er auf dem Islam beharrte. Aber selbst in dieser Lage fuhr
Bilal fort, die Worte zu wiederholen: "Einer, Einer" und ertrug diese Pein
um Allahs willen. Abu Bakr sah ihn eines Tages in dieser qualvollen
Situation, kaufte ihn und ließ ihn frei. Abu Bakr kaufte viele Diener, die
gepeinigt wurden, darunter eine Sklavin von 'Umar ibn Al-Hattab, die er vor
dessen Annahme des Islam von ihm kaufte.
Eine Frau wurde gequält, bis sie starb, weil sie nicht vom Islam zum Diin ihrer Väter zurückkehren wollte. Muslime, die keine Sklaven
waren, wurden geschlagen und den heftigsten Formen der Erniedrigung
ausgesetzt. Obwohl die Banu Haschim und die Banu Al-Muttalib Muchammad
schützten, entging auch er diesen Kränkungen nicht, Umm-Dschamil, die Frau
Abu Lahabs, pflegte den Unrat vor sein Haus zu werfen; Muchammad begnügte
sich jedoch damit, ihn zu entfernen. Als er einmal betete, warf Abu
Dschahl die Innereien einer Ziege auf ihn, die zum Opfer für die Götzen
geschlachtet worden war; er ertrug es und ging zu seiner Tochter Fatima,
damit sie ihn säubere.
All dies geschah zusätzlich zu dem, was die Muslime an dummen Bemerkungen
und unanständiger Rede anhören mussten, wohin sie auch gingen. Dieser
Zustand dauerte lange so an, aber der Eifer in ihrer Religion und Frohsinn
über die Peinigung und das Opfer nahmen um ihres Bekenntnisses und
Glaubens willen zu.
Die Geduld der Muslime
Dieser Abschnitt im Leben Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
gehört zu den erstaunlichsten Dingen, die die menschliche Geschichte je
kannte. Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seine Anhänger
verlangte es weder nach Geld, Ruhm, Herrschaft noch Macht, sondern nach
der Wahrheit und dem Iman an sie. Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, wünschte sich die Rechtleitung für jene, die ihm Schaden zufügten,
und ihre Befreiung von der Knechtschaft des minderwertigen Kufrs, das den
Menschen in die Schmach der Niedrigkeit und Schande stürzte. Nur dieses
erhabenen, geistigen Zieles wegen traf ihn der Schaden, beschimpften ihn
die Dichter und verschworen sich die Kuraisch gegen ihn, bis sogar ein
Mann versuchte, ihn bei der Kaba zu töten. Seine Wohnung wurde mit Steinen
beworfen, und seine Familie und seine Anhänger wurden bedroht. Doch dies
verstärkte nur seine Geduld und seinen Eifer für den Ruf.
Die ihm folgenden Mu'mins wurden von seinen Worten erfüllt: "Bei Allah,
wenn sie die Sonne in meine Rechte legten und den Mond in meine Linke,
damit ich diese Sache aufgäbe - ich gebe sie nicht auf, bis Mäh sie zum
Sieg führt oder ich durch sie vernichtet werde!" Ihnen allen erschienen
große Opfer und der Tod für die Wahrheit und die Rechtleitung der Kuraisch
gering. Dieser Iman, der jene Makkaner erfasste, ist erstaunlich, da der
Islam noch unvollständig und bisher nur wenig vom Qur'an geoffenbart
worden war. Es scheint, dass die Persönlichkeit Muchammads, Allahs Segen
und Frieden auf ihm, seine edle Natur, sein angenehmes Wesen, seine
Aufrichtigkeit, seine Unbeugsamkeit, seine Entschlusskraft und sein fester
Wille die Gründe für all das waren. Ohne Zweifel hatte das alles seinen
Stellenwert, aber es gab darüber hinaus noch andere der Würdigung und
Berücksichtigung werte Faktoren, die ebenfalls einen nicht geringen Anteil
hatten.
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, befand sich in einem Land der
Freiheit, das am ehesten einer Republik ähnelte, und genoss dort an
Ansehen und Abstammung den ersten Rang. Er hatte soviel Geld, wie er
wollte. Genauso verhielt es sich mit den Banu Haschim. Sie vereinigten auf
sich das Wächteramt der Kaba, die Tränkung der Pilger und alle von ihnen
gewünschten religiösen Titel. Geld, Ruhm oder politische religiöse
Stellung benötigte er deswegen nicht. Er unterschied sich darin von den
ihm vorangegangenen Gesandten und Propheten. Muusa, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, wurde in Ägypten geboren, in dem es einen Pharao gab, den
sein Volk als Gott anbetete und der unter ihnen ausrief:
"Ich bin euer höchster Herr."
(79:24)
Die Gruppe der Geistlichen half ihm bei der Unterdrückung der Menschen
durch Unrecht, Ausbeutung und Tyrannei. Die Revolution, mit der sich
Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf Befehl seines Herrn erhob, war
eine Revolution gegen die politische und religiöse Ordnung zugleich.
Wollte er nicht, dass Pharao und die Männer, die das Wasser mit dem
Schaduf (ägyptisches Wasserschöpfgerät für Bewässerungszwecke) aus dem Nil
schöpften, vor Allah gleich waren? Was sollten also die Göttlichkeit
Pharaos und diese bestehende Ordnung! Es war nötig, dass all das
zerschlagen wurde, und dazu bedurfte es zunächst einer politischen
Revolution. Deswegen traf der Ruf Muusas, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, von Anfang an auf Krieg seitens des Pharao. Und die Wunder Muusas,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, bewirkten in verstärktem Maße, dass die
Leute seinem Ruf folgten. Er warf seinen Stab, und dieser wurde zur
dahineilenden Schlange, die verschlang, was die Zauberer Pharaos
hervorgebracht hatten. Aber das half Muusa, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, nichts, und so wurde er zum Verlassen seiner Heimat Ägypten
gezwungen. Bei seinem Auszug unterstützte ihn das Wunder, dass sich das
Meer teilte und einen Weg durch das Wasser freigab.
'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wurde in Nazareth geboren, einer
Provinz in Palästina, die damals der Herrschaft des römischen Kaisers, dem
Unrecht der Kolonialisten und den römischen Göttern unterworfen war. Er
rief die Menschen zur Erduldung des Unrechts auf, zur Nachsicht gegenüber
den Reuigen und zur Barmherzigkeit, was die Befehlshaber als Revolution
gegen ihre Zwangsherrschaft betrachteten. 'Isa, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, wurde unterstützt durch Wunder und die Wiedererweckung der Toten
zum Leben und Heilung der Kranken, wobei ihm der Heilige Geist half. Es
trifft zu, dass ihre beide Lehren von ihrem Inhalt her auf dasselbe
hinausliefen wie der Ruf Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
trotz Unterschieden in Details, für deren Darlegung hier nicht der Platz
ist. Aber diese verschiedenen Faktoren, und voran der politische Faktor,
bestimmen ihre Ausrichtung. Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
Botschaft war entsprechend seiner von uns zuvor beschriebenen Lage
verstandesmäßig und geistig. Ihre Grundlage war der Ruf zur Wahrheit, zur
Güte und zur Schönheit, ein in seiner Äußerung und seinem Ziel selbstloser
Ruf. Wegen seiner Zurückhaltung von jeder politischen Feindschaft störte
er die in Mekka geltende republikanische Ordnung in keiner Weise.
Der Ruf Muchammads
und die moderne wissenschaftliche Methode
Der Leser mag überrascht sein, dass von einer deutlichen Ähnlichkeit
zwischen dem Ruf Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und der
modernen wissenschaftlichen Methode gesprochen wird. Diese
wissenschaftliche Methode verlangt, dass man bei einer beabsichtigten
Forschung jede bestehende Ansicht und jede vorgefasste Meinung aus seinem
Inneren verbannt und mit Beobachtungen und Versuchen beginnt. Es folgen
das Abwägen und Einordnen und dann die Schlussfolgerungen, die sich aus
diesen vorangegangenen wissenschaftlichen Tätigkeiten ergeben. Wenn man
auf diese Weise zu einem Ergebnis gekommen ist, ist es ein
wissenschaftliches, das zwar seiner Beschaffenheit nach der weiteren
Forschung und ‹berprüfung unterworfen ist, aber wissenschaftlich bleibt,
solange die Forschung nicht einen Irrtum nachweist, der sich in eine
seiner Prämissen eingeschlichen hat. Diese Methode ist das Höchste, das
die Menschheit auf dem Weg der freien Entfaltung des Denkens erreicht hat.
Dennoch ist sie eben die Methode Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, und die Grundlage seines Rufes. Wie also überzeugten sich seine Anhänger
von seinem Ruf, so dass sie daran den Iman verinnerlichten? Sie verbannten
alle früheren Glaubenssätze aus ihrem Inneren und begannen über das, was
vor ihnen war, nachzudenken. Jeder der arabischen Stämme hatte einen
Götzen. Welcher Götze verkörperte Wahrheit und welcher Falschheit? Es gab
in Arabien und den benachbarten Ländern Sabier, Angehörige der Diin Sarasustras, die das Feuer anbeteten, und Sonnenanbeter. Welche folgten
der Wahrheit und welche dem Irrglauben?
Das Wesen von Muchammads
Ruf
Wir wollen also das alles beiseite lassen, seine Wirkung in unserem
Inneren tilgen, uns jeder Ansicht und früheren Lehre entledigen und uns
umschauen. Sich umschauen und beobachten sind von Natur aus gleich. Woran
es keinen Zweifel gibt, ist, dass alles Sein mit allem Existierenden in
Verbindung steht. Beim Menschen stehen z.B. seine Stämme und Völker
untereinander in Verbindung. Der Mensch steht mit den Tieren und den
leblosen Dingen in Verbindung. Unsere Erde steht mit der Sonne, dem Mond
und den anderen Gestirnen in Verbindung. Alles steht nach beständigen
Regeln untereinander in Beziehung, die keine Wandlung noch Veränderung
kennt. Der Sonne steht es nicht an, den Mond einzuholen, und der Nacht
nicht, dem Tag zuvorzukommen. Die Wandlung oder Veränderung einer der
Bestandteile dieses Universums würde eine Veränderung all dessen, was in
diesem Universum ist, bewirken. würde die Sonne der Erde nicht Licht und
Wärme spenden - der Regel gemäß, der sie seit Millionen von Jahren folgt
-, würden die Erde und der Himmel zu etwas anderem werden als sie es
vorher waren. Solange sich dies nicht ereignet, muss es für das alles also
ein geistiges Prinzip geben, das es zusammenhält; aus dem es hervorging
und sich entwickelte und zu dem es zurückkehrt. Allein diesem geistigen
Prinzip muss sich der Mensch unterwerfen.
Der Mensch, das Universum, die Zeit und der Raum sind eine Einheit, und
dieses geistige Prinzip ist ihr Wesen und ihr Ursprung. Dieser Kraft
allein also steht die Anbetung zu. Auf diese Kraft müssen sich Herz und
Gemüt ausrichten. Im gesamten Universum müssen wir mittels Beobachtung und
Betrachtung ihre ewigen Gesetze suchen. Also ist das, was die Menschen
neben Allah anbeten - nämlich Götzen, Könige, Pharaonen, Feuer und Sonne -,
eine der menschlichen würde nicht angemessene, falsche Vorstellung, die
weder mit dem Verstand des Menschen noch mit seiner Fähigkeit, Allahs
Gesetze mittels Beobachten Seiner Schöpfung zu entdecken, im Einklang
steht.
Darin liegt die Essenz von Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
Ruf, wie ihn die ersten Muslime kannten. Er ward ihnen von der Offenbarung
durch Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in einer Beredsamkeit
verkündet, die ein Wunder ist und bleiben wird. für sie wurden dadurch die
Wahrheit und ihre Darlegung in vollkommener Schönheit vereinigt. Da wurden
ihre Seelen und Herzen erhöht und ersehnten die Verbindung mit dieser
edlen Kraft. Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gab ihnen
dahingehend die Rechtleitung, dass das Gute der Weg der Verbindung sei und
dass ihnen am Tag, da sie ihre Pflichten in ihrem Leben in Taqwa vollendet
haben würden, dieses Gute vergolten würde, am Tag, an dem jeder Seele
vergolten wird, was sie erwirkt hat.
"Wer also das Gewicht eines Stäubchens an Gutem tut, wird es sehen, und
wer das Gewicht eines Stäubchens an Schlechtem tut, wird es sehen."
(99:7-8)
Welche Erhabenheit des menschlichen Verstandes ist gewaltiger als diese!
und welche Vernichtung seiner Fesseln ist durchgreifender als diese! Es
genügt dem Menschen, das zu begreifen und daran den Iman zu verinnerlichen
und danach zu handeln, um die höchste Stufe des Menschseins zu erreichen.
Auf dem Weg zu diesem Rang wird für den Mu'min jedes Opfer geringfügig.
Aufgrund dieser Erhabenheit von Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, Standpunkt und den seiner Anhänger verstärkten die Banu Haschim und
Banu Al-Muttalib den Schutz für ihn und die Abwehr des Schadens von ihm.
Hamsas Annahme des Islam
Abu Dschahl kam eines Tages an Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
vorbei, verletzte und beschimpfte ihn und hielt ihm vor, was er am Islam
nicht mochte, und setzte diese herab. Muchammad, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, wandte sich von ihm ab und antwortete ihm nicht. Hamsa, sein
Onkel und Milchbruder, hatte die Religion der Kuraisch noch nicht
aufgegeben. Er war ein starker, furchterregender Mann und
leidenschaftlicher Jäger, und wenn er von seiner Jagd zurückkam, umschritt
er die Kaba, bevor er nach Hause zurückkehrte.
Als er an diesem Tag zurückkam und erfuhr, welche Verletzungen seinen
Neffen durch Abu Dschahl getroffen hatten, packte ihn die Wut. Erging zur
Kaba, ohne innezuhalten, um irgendjemanden zu grüßen, wie es sonst seine
Gepflogenheit war. Er betrat die Moschee, fand Abu Dschahl und ging
geradewegs auf ihn zu, um dann seinen Bogen zu heben und ihn damit zu
schlagen. Er fügte ihm eine schlimme Kopfwunde zu. Die Männer der Banu
Machsum wollten Abu Dschahl helfen, aber er verwehrte es ihnen, um
Schlimmes zu verhindern und aus Furcht vor den Folgen und gab zu,
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, schmählich beleidigt zu haben.
Darauf erklärte Hamsa öffentlich seine Annahme des Islam und versprach
Muchammad, ihm zu helfen und auf dem Wege Allahs bis zum Ende Opfer zu
bringen.
Die Gesandtschaft von Utba ibn Kabia
Es bedrückte die Kuraisch zu sehen, dass Muchammad, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, und seine Gefährten jeden Tag stärker wurden, so dass
weder Peinigung noch Strafe sie vom Islam, ihrem offenen Bekenntnis, ihren
Gebeten und der Erfüllung ihrer Pflichten abbrachten. Sie bildeten sich
ein, sie könnten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, durch das,
was sie für die Befriedigung seiner Absichten hielten, loswerden, vergaßen
dabei aber dir Größe des islamischen Rufes, dessen erhabener geistiger
Gehalt nichts mit politischer Streiterei gemein hatte.
Utba ibn Rabia, einer der Führer der Araber, bat die Kuraisch während
einer ihrer Ratssitzungen, mit Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
sprechen zu dürfen und ihm verschiedene Dinge anzubieten, auf dass er
vielleicht etwas davon annehmen würde. Utba sprach mit Muchammad, Allahs
Segen und Frieden auf ihm, und sagte: "O mein Neffe, du hast unter uns den
dir bekannten Rang der Abstammung. Du bist mit einer bedeutenden Sache zu
deinem Volk gekommen, wodurch ihre Gemeinschaft zerbrochen ist. So höre
mir zu, ich werde dir verschiedene Dinge anbieten, damit du etwas davon
annehmen mögest. Wenn du mit all dem nach Vermögen strebst, sammeln wir
von unserem Vermögen, bis du der Vermögendste unter uns bist. Wenn du
damit nach Ansehen strebst, machen wir dich zum Herrn über uns und treffen
keine Entscheidung ohne dich. Wenn du König werden willst, machen wir dich
zum König über uns. Und wenn das, was zu dir kommt, eine Heimsuchung von
Dschinn ist, die du glaubst, nicht von dir weisen zu können, suchen wir
für dich ärztliche Behandlung und wenden unser Geld dafür auf, bis du
geheilt bist."
Als er mit seiner Rede fertig war, trug Muchammad, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, ihm die Surach As-Sadschda (32)
vor, und Utba lauschte andächtig der wunderbaren Rezitation. Er sah vor
sich einen Mann, der kein Verlangen nach Geld, Ansehen oder
Königsherrschaft hatte und nicht krank war, sondern die Wahrheit äußerte,
zum Guten aufrief und sich in unnachahmlicher Ausdrucksweise mit Besserem
verteidigte. Als Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, geendet
hatte, ging Utba, ergriffen von der Schönheit dessen, was er gesehen und
gehört hatte, und ergriffen von der Größe dieses Mannes und dem Zauber
seiner Beredsamkeit zu den Kuraisch. Den Kuraisch gefiel die Sache mit
Utba nicht, und seine Ansicht, sie sollten Muchammad, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, den Arabern überlassen, auch nicht; wenn sie ihn überwältigten,
konnten die Kuraisch zufrieden sein, und wenn sie ihm folgten, Gehörte
sein Ruhm ihnen. Sie nahmen die Feindschaft mit Muchammad, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, und seinen Gefährten wieder auf und fugten ihnen Leid zu,
vor dem er lediglich aufgrund der Stellung unter seinem Volk und aufgrund
seines Schutzes durch Abu Talib, die Banu Haschim und die Banu Al-Muttalib
gefeit war.
Die Auswanderung nach Abessinien
Die Verfolgung der Muslime nahm zu und reichte bis zum Mord, zur Folter
und Verstümmelung. Da riet ihnen Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, sich in der ganzen Welt zu verteilen. Als sie ihn fragten, wohin sie
gehen sollten, riet er ihnen, ins christliche Abessinien zu gehen: "Denn
dort ist ein König, bei dem niemand Unrecht erleidet, und es ist ein Land
der Wahrhaftigkeit, bis Allah euch einen Ausweg aus der Lage, in der ihr
euch befindet, bereitet."
Also zog eine Gruppe der Muslime aus Furcht vor Anfechtungen gegen den
Islam und sich zu Allah flüchtend nach Abessinien. Die Auswanderung fand
in zwei Etappen statt: Beim ersten Mal waren es elf Männer und vier
Frauen, die sich schutzsuchend aus Mekka fortstahlen und dann in guter
Nachbarschaft mit dem Negus lebten. Sie blieben, bis sie die Nachricht
erhielten, die Muslime in Mekka seien mittlerweile vor den Nachstellungen
der Kuraisch sicher, so dass sie zurückkehrten, worauf wir später
zurückkommen werden. Als sie aber auf vermehrte Bedrängnis und Peinigung
seitens der Kuraisch trafen, kehrten sie mit 80 Männern - ihre Frauen und
Kinder nicht mitgerechnet - nach Abessinien zurück und lebten dort bis
nach der Auswanderung des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, nach Jatrib. Diese Auswanderung nach Abessinien war die erste im
Islam.
Wer über Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Geschichte
berichtet, hat ein Recht zu fragen, ob der einzige Zweck dieser
Auswanderung der Muslime auf Befehl und Anraten Muchammads, Allahs Segen
und Frieden auf ihm, die Flucht vor den Kafirs Mekkas und deren Verfolgung
war; oder ob sie ebenso ein politisches, islamisches Ziel hatte, das
Muchammad im Hinblick auf ein oberstes Ziel verfolgte und bedachte? Wer
über Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Geschichte schreibt, hat das
Recht diese Frage zu stellen, denn es hat sich in der Geschichte dieses
arabischen Propheten durch alle Etappen seines Lebens erwiesen, dass er
ein weitsichtiger Politiker war - so wie er Träger der Botschaft Allahs
und einer vorzüglichen Verhaltensweise war, in der ihn kein anderer an
Erhabenheit, Herrlichkeit und Größe übertraf.
Die Gesandtschaft der Kuraisch zum Negus
Die Geschichtsschreiber werden zu dieser Frage durch Berichte veranlasst,
die besagen, dass die Einwohner Mekkas diese Auswanderung der Muslime nach
Abessinien in Unruhe versetzte. Sie schickten zwei Männer mit wertvollen
Geschenken zum Negus, um ihn dazu zu bewegen, die Muslime aus ihrer Heimat
an sie auszuliefern. Abessinien und sein Negus waren Christen. Folglich
fürchteten die Kuraisch sich in religiöser Hinsicht nicht davor, dass sie
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, folgen würden. Waren sie also
über die Angelegenheit besorgt und sandten zum Negus mit der Bitte um
Rückgabe der Muslime, weil sie glaubten, der Schutz, den er ihnen nach
ihrer Anhörung gewährte, könnte Einfluss darauf haben, dass die Bewohner
der arabischen Halbinsel den Diin Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, annehmen und ihm folgen würden? Oder fürchteten sie, ihre Macht würde,
wenn sie in Abessinien blieben, größer werden und sie würden später reich
und zahlreich zurückkehren, um Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
zu helfen?
Die beiden Gesandten waren Amr ibn Al-As und Abdullah ibn Abu Rabia. Sie
überreichten
dem Negus und seinen Patriarchen die Geschenke, auf dass er die Auswanderer
nach Mekka zurückschicke, und sagten dann: "König, von uns sind einige
törichte Burschen in dein Land gekommen, die sich vom Diin ihres
Volkes abgespalten haben, ohne deiner Religion beizutreten. Sie brachten
eine Religion, die sie erfunden haben und die weder wir kennen noch du.
Ihretwegen haben uns die Edlen ihres Volkes aus den Reihen ihrer Väter und
Onkel und Verwandten zu dir gesandt, damit du sie zu ihnen zurückschicken
mögest. Sie kennen sie besser und wissen am besten, was sie ihnen
vorhalten und vorwerfen." Die beiden Gesandten waren nach ‹bergabe der
Geschenke der Makkaner mit den Patriarchen des Negus übereingekommen, dass
sie ihnen bei der Rücksendung der Muslime an die Kuraisch helfen würden,
ohne dass der Negus jene Muslime anhören würde. Doch der Negus weigerte
sich, sie zurückzuschicken, bevor er sie angehört hatte, und schickte nach
ihnen. Als sie kamen, fragte er: "Was für eine Religion ist das, durch die
ihr euch von eurem Volk abspaltet, ohne meiner Religion oder einer
Religion ähnlichen Bekenntnisses beizutreten?"
Die Entgegnung der Muslime auf die beiden Gesandten
Der, den der Negus angesprochen hatte, war Dschafar ibn Abu Talib. Dieser
sagte: "O König, wir waren ein unwissendes Volk: wir beteten Götzen an,
aßen Verendetes, begingen Schandtaten, brachen die Verwandtschaftsbande,
verletzten die Nachbarschaft, und der Starke unter uns vernichtete den
Schwachen. Dem war so, bis Allah uns einen Gesandten aus unserer Mitte
schickte, dessen Abstammung, Aufrichtigkeit, Vertrauenswürdigkeit und
Tugendhaftigkeit wir kannten. Er rief uns zu Allah, auf dass wir uns zu
Seiner Einheit bekennen und Ihn anbeten und uns lossagen von den Steinen
und Götzen, die wir und unsere Väter neben Ihm anzubeten pflegten. Er
gebot uns wahrhafte Rede, getreues Handeln, Pflege der
Verwandtschaftsbande, gute Nachbarschaft und Verzicht auf Verbotenes und
Blut; er verbot uns Schändlichkeiten, falsche Rede, Aneignung des Geldes
der Waisen und die Verleumdung unbescholtener Frauen. Er forderte uns auf,
Allah anzubeten und Ihm nichts beizugesellen, er befahl uns das Gebet, die
Sozialabgabe und das Fasten, " - und er zählte ihm die Bestimmungen des
Islam auf - "und wir verinnerlichten den Iman an ihm darin und folgten ihm
in dem, was von Allah zu ihm kam. Wir beten deshalb Allah allein an, ohne
Ihm etwas beizugesellen, halten uns von allem fern, was Er uns verbot, und
erklären für gesetzlich erlaubt, was Er uns erlaubte. Da befeindete uns
unser Volk, und sie peinigten uns und versuchten, uns von unseren Diin
abzubringen, damit wir von der Anbetung Allahs zur Götzenanbetung
zurückkehren und für erlaubt halten, was wir an Schlechtigkeiten zuvor für
erlaubt zu erklären pflegten. Als sie Zwang auf uns ausübten, uns
ungerecht behandelten und uns in die Enge trieben sowie zwischen uns und
unseren Islam traten, wanderten wir in dein Land aus. Wir wählten dich
wegen deiner Gerechtigkeit und baten um deinen Schutz und hofften, bei dir
nicht ungerecht behandelt zu werden."
Der Negus sagte: "Hast du etwas von dem dabei, was er von Allah brachte,
das ihr uns vorlesen könnt?" Dschafar bejahte dies und trug die Sure
Marjam vom Anfang bis zu den Worten des Erhabenen vor:
"Da deutete sie (Marjam) auf ihn. Sie sagten: 'Wie sollen wir mit jemandem
reden, der noch ein Säugling in der Wiege ist?' Er ('Isa) sprach:
'Wahrlich, ich bin Allahs Diener, Er gab mir die Schrift, und Er machte
mich zum Propheten, und Er machte mich gesegnet, wo immer ich auch sein
mag, und Er trug mir das Gebet auf und die Sozialabgabe, solange ich am
Leben bleibe. Und Ehrerbietung gegenüber meiner Mutter, und Er machte mich
nicht hochmütig oder ungezogen. Und Friede war über mir am Tage, da ich
geboren ward, und wird sein am Tage, da ich sterben werde, und am Tage, da
ich zum Leben erweckt werde"
Die Antwort des Negus und der Patriarchen
Als die Patriarchen diese, das Evangelium bestätigende Rede gehört hatten,
waren sie ergriffen und sagten: "Diese Worte entspringen der Quelle, der
die Worte unseres Herrn Jesus Christus entsprangen/' Und der Negus sprach:
"Dies und das, womit Moses kam, stammen gewiss aus einer Lichtquelle.
Geht, ihr beiden; bei Allah, ich werde sie euch nicht ausliefern!"
Am nächsten Morgen kehrte ibn Al-As zum Negus zurück und sagte zu ihm:
"Wahrlich, die Muslime führen über Jesus, den Sohn der Maria, unerhörte
Rede. Schicke nach ihnen und befrage sie über das, was sie über ihn
sagen." Als sie bei ihm eintraten, sagte Dschafar ibn Abu Talib: "Wir
sagen über ihn das, was unser Prophet brachte. Er sagt, er ist der Diener
Allahs und Sein Gesandter und Sein Geist und Sein der Jungfrau Marjam
gegebenes Wort." Da nahm der Negus einen Stock und zog damit eine Linie
auf der Erde und sagte von unsagbarer Freude erfüllt: "Zwischen eurer
Religion und unserer Religion ist nicht mehr als diese Linie."
Dem Negus war, nachdem er beide Seiten angehört hatte, dadurch klar
geworden, dass diese Muslime 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
anerkannten, das Christentum bestätigten und Allah anbeteten. Sie fanden
in der Nachbarschaft des Negus Sicherheit und Ruhe, bis sie zum ersten Mal
nach Mekka, wo sich Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, noch
befand, zurückkehrten, als sie gehört hatten, dass die Feindschaft der
Kuraisch aufgehört habe. Sie mussten jedoch feststellen, dass dies nicht
der Fall war. Männer, Frauen und Kinder kehrten nach Abessinien zurück.
Fanden diese ihre beiden Auswanderungen allein wegen der Flucht vor den
Nachstellungen statt, oder hatten sie - wenn auch nur in der Planung
Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, - ein politisches Ziel, das
aufzuzeigen sich für die Geschichtsschreiber ziemt?
Die Muslime und das abessinische Christentum
Der Geschichtsschreiber hat ein Recht zu fragen: Wie konnte Muchammad,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, darauf vertrauen, dass diese seine Gefährten
nach Abessinien gingen, wo das Christentum, eine Schriftreligion, die
Religion seiner Bewohner war - deren Gesandter 'Isa war, dessen Botschaft
der Islam bestätigte -, ohne für sie eine Versuchung zu befürchten? Eine ähnliche
Versuchung wie seitens der Kuraisch, wenn auch von anderer Art? Wie fühlte
er sich vor dieser Versuchung sicher, da Abessinien im Gegensatz zu Mekka
ein fruchtbares Land und die Beeinflussung dort stärker als seitens der
Kuraisch war? In der Tat trat einer der Muslime, die nach Abessinien
ausgewandert waren, zum Christentum über. Sein ‹bertritt zeigt, dass
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Furcht vor dieser
Versuchung hätte haben können, zudem er noch schwach war und seine Anhänger
noch sehr stark an seiner Fähigkeit, sie zu beschützen oder ihnen gegen
ihre Feinde zu helfen, zweifelten.
Höchstwahrscheinlich machte sich Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, darüber Gedanken; denn sein umfassendes Verständnis, die Gescheitheit
seines Herzens und seine Weitsicht standen der Erhabenheit seines Geistes,
dem Edelmut seiner Seele, seinem gepflegten Benehmen und seiner
Gutmütigkeit in nichts nach. Aber er war diesbezüglich vollkommen
beruhigt. Der Islam war damals bis zum Tag, an dem der Prophet starb, in
seinem Gehalt lauter, in seiner Reinheit ungetrübt und bar jeden Makels.
Ins Christentum Abessiniens wie in das von Nedschran, Al-Hira und Asch
Scham war bereits der Makel des Streits zwischen denen, die Marjam, und
denen, die 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, vergötterten,
und ihren jeweiligen Widersachern eingedrungen; die Muslime, die von der
reinen Quelle der Botschaft tranken, hatten von dieser Seite nichts zu fürchten.
Tatsächlich haben die meisten Religionen einen Zeitraum von mehreren
Generationen nicht überstanden, ohne dass eine Form des Götzendienstes in
sie eingedrungen wäre. Wenn es auch nicht jene damals in Arabien allgemein
verbreitete Art war, so war es auf jeden Fall Götzendienst. Der Islam kam
als Todfeind der Götzenanbetung in all ihren Formen und Erscheinungen. Zu
jenem Zeitpunkt gestand das Christentum einer Gruppe von Geistlichen eine
besondere Stellung zu, womit der Islam nicht im geringsten etwas gemein
hat. Er war schon damals darüber hoch erhaben und von solchen Dingen frei.
Er war es damals, und er blieb von seinem Wesen her ein Diin, die die
menschliche Seele zu den höchsten Höhen erhebt. Nichts tritt in direkte
Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Herrn außer rechtschaffenes
Handeln und Taqwa, und dass der Mensch für seinen Bruder wünschen soll,
was er für sich selbst wünscht. Keine Götzen, keine Priester, keine
Wahrsager - nichts blieb, was den menschlichen Geist daran hindern konnte,
sich mit dem gesamten Sein durch gute, vorbildhafte Verhaltensweise zu
verbinden, auf dass seine Belohnung von Allah sein Handeln um ein
Vielfaches übertreffe.
Der Geist im Islam
Der Geist! Er ist von Allah und mit der unendlichen Ewigkeit der Zeit
verbunden. So lange er rechtschaffen handelt, gibt es zwischen ihm und
Allah keinen Schleier, und niemand außer Allah hat Macht über ihn. Die
Reichen, Mächtigen und ‹beltäter vermögen den Körper zu strafen, ihm seine
Annehmlichkeiten und Neigungen zu verwehren und ihn zugrundezurichten.
Aber sie erreichen den Geist nicht, solange sich der Mensch durch ihn über
die Macht des Materiellen und der Zeit erheben und mit dem gesamten Sein
verbinden will. Denn dem Menschen wird an jenem Tag vergolten, da jeder
Seele vergolten wird, was sie erwirkt hat. An jenem Tag nimmt weder der
Vater seines Sohnes Stelle noch der Sohn seines Vaters Stelle ein, und
weder wird der Vater seinem Sohn noch der Sohn seinem Vater etwas
vergelten können; an jenem Tag nutzen weder den Reichen ihr Geld noch den
Mächtigen ihre Macht noch den Redegewandten ihre Argumente. Es sind allein
die Taten, die für oder gegen ihren Urheber Zeugnis ablegen. An jenem Tag
hält dieses ganze Universum als wohlgeordnete Einheit in seiner
unendlichen Ewigkeit inne. Dein Herr behandelt niemanden ungerecht. Und
euch wird nur vergolten, was ihr getan habt.
Wie konnte Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Versuchung für
jemanden fürchten, den er diese Bedeutung gelehrt und in dessen Seele er
sie gelegt haue, von wo sie in das Innerste des Herzens, den Ort der
religiösen ‹berzeugung und Imans eindringt! Und wie sollte er für sie die
Versuchung fürchten, so lange ihnen sein Beispiel in seiner geliebten
Person gegenwärtig war! So, dass ein jeder von ihnen ihn mehr als sich
selbst, seine Kinder oder Angehörigen liebte ï ihn, der diese 'Aqidach
über
die Herrschaft über die Erde, Himmel, Sonne und Mond stellte und zu seinem
Onkel sagte: "Bei Allah, wenn sie die Sonne in meine Rechte legten und den
Mond in meine Linke, damit ich diese Sache aufgäbe - ich gebe sie nicht
auf, bis Allah sie zum Sieg führt oder ich durch sie vernichtet werde!"
Ihn, der vom Licht des Imans, der Weisheit, der Gerechtigkeit, der
Trefflichkeit, der Wahrheit und der Schönheit strahlte und zudem noch von
Bescheidenheit, Rechtschaffenheit, Zuneigung und Barmherzigkeit erfüllt
war!
Er war deshalb ob der Auswanderung dieser seiner Gefährten nach Abessinien
vollkommen beruhigt. Ihre Sicherheit beim Negus und ihre innere Ruhe für
den Islam bei einem Volk, das mit ihnen weder durch Verwandtschafts- noch
durch Freundschaftsbande verbunden war, ließ die Kuraisch merken, welche
Ungerechtigkeit, Drangsalierung und Schlechtigkeit in der Peinigung der
Muslime lag, die doch von ihnen stammten und ihre Angehörigen waren und
alle Arten der Nachstellungen ertrugen, die sich über die Peinigung
erhoben und ihnen kein Leid zufügten, sondern im Erdulden des Elends Nähe
zu Allah und Vergebung von Ihm sahen.
Die Annahme des Islam von 'Umar ibn Al-Hattab
Umar ibn Al-Hattab war damals ein Mann zwischen 30 und 35. Er verfügte
über
enorme Muskelkraft und Energie und besaß eine lebhafte Natur, wurde
schnell zornig, liebte Spiel und Wein und zeichnete sich gegenüber seinen
Angehörigen dennoch durch Güte und Zartgefühl aus. Er Gehörte zu denen der
Kuraisch, die den Muslimen den schlimmsten Schaden zufügten und sie am ärgsten
bekämpften. Als er sah, dass sie nach Abessinien auswanderten und der
Negus sie in Schutz nahm, fühlte er sich wegen der Trennung von ihnen
verlassen; er empfand ihr Weggehen von der Heimat mit Schmerz, der in Herz
und Seele schnitt.
Eines Tages versammelten sich Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
und seine Gefährten, die noch nicht ausgewandert waren, in einem Haus bei
As-Safa. Unter ihnen waren sein Onkel Hamsa, sein Vetter Allii ibn Abu
Talib, Abu Bakr ibn Abu Kuhafa und andere von den Muslimen. 'Umar wusste
von ihrer Versammlung und machte sich zu ihnen auf den Weg; er wollte
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, töten, damit wieder Ruhe und
Einigkeit bei den Kuraisch einträten, nachdem er sie gespalten, sie für
dumm erklärt und ihre Götter schlechtgemacht hatte. Unterwegs traf er
Nuaim ibn Abdullah, der sein Vorhaben kannte und zu ihm sagte: "Bei Allah,
du machst dir etwas vor, o 'Umar! Glaubst du, die Banu Abd Manaf lassen
dich am Leben, falls du Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, tötest?!
Willst du nicht lieber zu deinen Verwandten zurückkehren und erst einmal
deren Angelegenheiten ordnen?" Fatima, die Schwester 'Umars, und ihr Gatte
Said ibn Said waren nämlich bereits Muslime geworden. Als 'Umar von Nuaim
darüber informiert worden war, drehte er sich um, um zu ihnen
zurückzukehren.
Er betrat ihr Haus, als gerade jemand bei ihnen war, der ihnen den Qur'an
vorlas. Als sie merkten, dass sich jemand näherte, versteckte sich der, der
gelesen hatte, und Fatima verbarg die Qur'anseiten. Umar fragte: "Was war
dieses Murmeln, das ich hörte?" Als die beiden es leugneten, fuhr er sie
an: "Ich wei?, dass ihr Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, im
seinen Diin folgt" und packte Said. Da erhob sich Fatima, um ihren Gatten
zu schützen, und er schlug sie und verletzte sie am Kopf. Da gerieten die
beiden Eheleute in Wut und schrieen ihn an: "Ja! Wir sind Muslime
geworden, mache was du willst."
Umar war verwirrt, als er bei seiner Schwester Blut sah, und seine Güte
und sein Mitleid überwältigten ihn. Er ließ von ihnen ab und bat seine
Schwester, ihm die Seiten zu geben, die sie gelesen hatten. Und als er sie
las, veränderte sie h sein Gesicht, und er zeigte tiefste Reue über sein
Tun. Das, was er in in den Seiten las, bewegte ihn, und ihre
Unnachahmlichkeit und Erhabenheit und die Ehrwürdigkeit des Rufs ergriffen
ihn, und die Güte gewann die Oberhand über ihn. Sanften Herzens und
beruhigt ging er hinaus. Er machte sich auf den Weg zur Versammlung
Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seiner Gefährten bei Safa,
bat um Einlass und verkündete seine Annahme des Islam. Die Muslime fanden
in ihm und Hamsa eine Stärkung für den Islam und Schutz für sich selbst.
'Umars Annahme des Islam schwächte die Kuraisch, und sie berieten sich
erneut, was sie tun sollten. In der Tat stärkte dieses Ereignis die
Muslime enorm. Die Position zwischen den Kuraisch und den Muslimen veränderte
sich stark und zog eine neue, an Auswirkungen und Opfern reiche Politik
sowie eine neue Stärke zwischen den beiden Parteien nach sich, die zur
Hidschra führte und dazu, dass Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
außer als Gesandter nun auch als Politiker auftrat.