Vorwort
Durch den Übertritt 'Umars zum
Islam mit einem Eifer, mit dem er sie zuvor bekämpft
hatte, wurde die Position der Kuraisch weiterhin geschwächt. Weder
versteckte er seinen Islam noch verhehlte er ihn; vielmehr verkündete er
ihn vor aller Welt offen und bekämpfte sie damit. Er war ganz und gar
nicht damit einverstanden, dass die Muslime sich versteckten und sich in
die Außenbezirke Makkas davonstahlen, um dort - unerreichbar für die
Nachstellungen der Kuraisch - das Gebet zu verrichten. Er war vielmehr
unermüdlich im Kampf mit den Kuraisch, so dass er sogar bei der Kaaba
betete und die Muslime mit ihm beteten.
Die Kuraisch gelangten zur Überzeugung, dass das, was sie Muchammad,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, und
seinen Gefährten zufügten, die Annahme des Islams durch die
Menschen nicht verhindern würde, da diese nunmehr bei 'Umar, Hamsa, in
Abessinien oder bei jemand anderem, der ihnen Schutz gewähren konnte,
Zuflucht nehmen würden. Sie berieten sich erneut, was zu tun sei,
einigten sich und verfassten ein Schriftstück. Darin verpflichteten sie
sich, den Kontakt mit den Bann Haschim und Banu Abdul Muttalib zu meiden
sowie Heirats- und Handelsbeziehungen zu verhindern, und hängten das
Blatt dieser Übereinkunft zu seiner Bekräftigung und Aufbewahrung im
Inneren der Kaaba auf. Sie waren fest davon überzeugt, dass diese
Verweigerungspolitik, die Politik des Aushungerns und Meidens wirksamer
sein werde als die Politik der Nachstellungen und des Bedrängens,
wenngleich sie auch damit nicht aufhörten. Die Kuraisch belagerten die
Muslime und die Banu Haschim zwei oder drei Jahre lang. Währenddessen
hofften sie, dahin zu gelangen, dass Muchammads, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, Leute sich von ihm
zurückzögen, er dann isoliert wäre und sowohl er selbst als auch sein
Aufruf keine Gefahr mehr darstellten.
Was Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, betraf, so ließ ihn dies nur noch mehr an der Verbindung
mit Allah festhalten. Und es veranlasste seine Angehörigen und
diejenigen, die an ihn den Imaan verinnerlichten, ihn und den Islam verstärkt
zu verteidigen. Es behinderte nicht die über die Grenzen Makkas
hinausgehende Verbreitung des Rufes zum Islam. Der Aufruf gelangte zu
den Arabern und ihren Stämmen. Das führte dazu, dass das Gespräch über
den Islam sich auf der Halbinsel verbreitete. Zuvor war der Islam zwischen den Bergen
Makkas eingeschlossen, und die Kuraisch
überlegten nun noch angestrengter, wie sie diesen Mann, der gegen sie
rebellierte und ihre Götter beleidigte, bekämpfen und die Verbreitung
seines Rufes unter den Stämmen der Araber verhindern sollten. Jenen
Stämmen, auf die Makka und die auf Makka im gegenseitigen Handel nicht
verzichten konnten. Einem Handel, der von der Mutter der Städte ausging und zu ihr zurückkehrte.
Die Propagandawaffe
Es überschreitet jede Vorstellungskraft, was die Kuraisch zur Bekämpfung
dieser Rebellion alles aufwendeten und mit welcher Ausdauer und Geduld
sie sich um die Beendigung dieses neuen Rufes bemühten. Sie bedrohten
Muchammad, seine Angehörigen und seinen Onkel. Sie spotteten über ihn und
seinen Aufruf und machten sich über ihn und seine Anhänger lustig. Sie
sandten ihre Dichter, ihn zu verunglimpfen und zu verletzen. Sie fügten
ihm Schaden zu und seinen Anhängern Übel und Pein, Sie boten ihm
Bestechungsgeschenke, Königsherrschaft und all das an, wonach es den
Menschen verlangt. Sie vertrieben seine Anhänger aus der Heimat und
verdarben ihnen Handel und Erwerb. Sie drohten ihm und ihnen Krieg und
Gewalttätigkeit an und was diese an Auswirkungen und Zerstörung mit sich
brächten. Sie zu belagern, um sie auszuhungern - sofern sie dies zu
erreichen vermochten -, war ihr letztes Mittel.
Dennoch rief Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auch weiterhin mit Leidenschaft die Menschen in
gütiger und freundlicher Weise zur Wahrheit, mit der Allah ihn als
Freudenbote und Warner zu den Menschen gesandt hatte. Würden die
Kuraisch nun ihre Waffen niederlegen und Al-Amin, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, den Imaan verinnerlichen, den sie seit
seiner Kindheit und seine ganze Jugendzeit hindurch als vertrauenswürdig
kannten? Oder würden sie zu neuen Waffen des Gefechts greifen und sich
einbilden, dadurch die Schlacht gewinnen zu können? Ihren Götzen den
Rang der Gottheit, den sie ihnen zuschrieben, bewahren und in Makka ein
Museum für diese Götzen und einen Ort ihrer Heiligung erhalten können;
damit Makka all das erhalten bliebe, was es aufgrund dieser Götzen an
Heiligkeit genoss?!
Nein! Es war noch nicht Zeit für die Kuraisch, sich zu unterwerfen und
zu ergeben, die heftigste Angst hatten, dass sich Muchammads, Allahs
Segen und Frieden auf ihm, Ruf, der
sich in Makka entfaltet halte, auch unter den Stämmen der Araber
verbreiten würde. Es blieb ihnen eine Waffe, auf die sie von der ersten
Stunde an zurückgegriffen hatten und die ihre Kraft noch nicht eingebüßt
hatte und in deren Schärfe Hoffnung begründet lag, nämlich die Waffe der
Propaganda: Propaganda mit allem, was sie an Debatten, Argumenten,
Beleidigung, Verbreitung von Gerüchten, Entkräftung der gegnerischen
Argumente und Widerlegung von Beweisen durch Beweise beinhaltet.
Propaganda gegen den Islam und den, der sie vertritt, und sie
ihm vorzuwerfen und ihren Inhalt Verdächtigungen auszusetzen. Der
Propaganda, die nicht vor den Toren Makkas Halt machte und derer Makka
nicht so sehr bedurfte wie die Halbinsel mit ihren Bewohnern. Die
Einschüchterung, die Verführung, die Bedrohung und die Peinigung machten
die Propaganda in Makka zwar entbehrlich, aber keineswegs bei den
Tausenden, die Makka jedes Jahr zu Handels- oder Wallfahrtszwecken
aufsuchten; und bei jenen, die sich bei den Märkten von Ukas und
Madschanna und Sul Madschas versammelten, um danach zur Kaaba zu
pilgern, sich ihren Götzen zu nähern, bei ihnen zu opfern und von ihnen
Segen und Vergebung zu erbitten. Deshalb dachten die Kuraisch, seit die
Feindschaft zwischen ihnen und Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, entflammt war, an den Aufbau der
Propaganda gegen ihn.
Verstärkt bemüht waren sie, seit er vorhatte, sich an die Pilger zu
wenden, um sie zur Anbetung von Allah, Der keinen Teilhaber hat,
aufzurufen. Er dachte daran bereits nach den ersten Jahren seiner
Entsendung. Er begann schon ein Prophet zu sein, als die Offenbarung zu
ihm kam, dass er seine nächsten Verwandten warnen solle. Und als er die
Kuraisch gewarnt hatte und einige von ihnen Muslime geworden waren,
andere aber im Kufr und Eigensinn verharrten, wurde ihm
aufgetragen, den Ruf an das gesamte Volk der Araber zu richten. Später
erhielt er den Auftrag, den Ruf auf die ganze Menschheit auszuweiten.
Als er daran dachte, die Pilger der verschiedenen Stämme der Araber zu
Allah zu rufen, versammelte sich eine Gruppe der Kuraisch bei Al-Walid
ibn Al-Murira, um sich zu beraten, was sie den zur Wallfahrtszeit
eintreffenden Arabern über Muchammad sagen könnten, damit sie sich nicht
widersprächen und sich selbst der Lüge überführten. Einige schlugen vor,
sie sollten sagen. Muchammad sei ein Wahrsager. Al-Walid wies diese
Ansicht mit der Begründung zurück, dass das, was Muchammad sage, weder
der geheimnisvollen Rede des Wahrsagers noch seiner Reimprosa
entspräche. Andere schlugen vor zu behaupten, Muchammad, Allahs Segen
und Frieden auf ihm, sei verrückt. Al-Walid wies auch diese Ansicht zurück, da sich bei ihm keine Symptome für
diese Behauptung zeigten. Ein weiterer Vorschlag war, Muchammad der
Zauberei zu verdächtigen. Al-Walid verwarf dies ebenfalls, da Muchammad,
Allahs Segen und Frieden auf ihm,
weder auf den Knoten blies noch sonst irgendeine Zauberhandlung
darbrachte.
Zauberei der Beredsamkeit
Nach der Diskussion schlug Al-Walid ihnen vor, sie sollten zu den nicht-Makkanischen Pilgern sagen:
"Dieser Mann ist fürwahr ein Zauberer
der Beredsamkeit. Was er sagt, ist eine Zauberei, die den Menschen mit
seinem Vater, seinem Bruder, seiner Gattin und seinen Verwandten
entzweit." Als Beweis für diese Aussage könnte ihnen gegenüber den
Arabern das dienen, was sie in Makka an Spaltung, Uneinigkeit und
gegenseitigen Zänkereien befallen habe, nachdem Makka zuvor ein Beispiel
der Einigkeit und Bundesstärke gewesen war. Zur Wallfahrtszeit zogen die
Kuraisch aus, um die Pilger davor zu warnen, auf diesen Mann und die
Zauberei seiner Beredsamkeit zu hören, auf dass sie nicht heimsuche, was
Makka heimgesucht habe, und dann zu einem Aufruhr werde, dessen Feuer
die ganze arabische Halbinsel verbrenne.
An-Nadr ibn Al-Haris
Diese Propaganda allein konnte jedoch nicht bestehen oder der Zauberei
dieser Beredsamkeit, auf die sie hinwiesen, standhalten. Wenn mit dieser
Beredsamkeit des Zauberers die Wahrheit kam, was sollte dann die
Menschen davon abhalten, daran den Imaan zu verinnerlichen?! War das Eingeständnis der
eigenen Unfähigkeit und der Überlegenheit des Gegners je eine nützliche
Propaganda?! Die Kuraisch würden also neben dieser Propaganda noch
weitere Agitationen benötigen, die sie bei An-Nadr ibn Al-Haris suchen
sollten.
Dieser An-Nadr war einer der Teufel der Kuraisch. Er war bereits in Al-Hira gewesen und hatte dort die Berichte über die persischen Könige und
ihre Anbetung und Reden über Gut und Böse und den Ursprung des Seins
studiert. Jedesmal, wenn Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in einer Runde saß, sein Volk zu Allah
rief und sie vor den Konsequenzen warnte - die vor ihnen schon jene
Nationen getroffen hatten, die sich von der Anbetung Allahs abgewandt
hatten -, begann er, Muchammad zu widersprechen und den Kuraisch dir
Geschichte der Perser und ihres Diins zu erzählen, um dann zu sagen:
"Worin ist Muchammad besser an Rede als ich?! Liest Muchammad nicht aus
Fabeln der Früheren vor, so wie ich daraus vorlese!" Die Kuraisch
verbreiteten die Erzählungen An-Nadrs in ihren Äußerungen als
Gegenpropaganda zu dem, wovor Muchammad die Menschen warnte und wozu er
sie aufrief.
Dschabr, der Christ
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, pflegte häufig bei Al-Marwa beim Laden eines christlichen
Jungen zu sitzen, der Dschabr hieß. Die Kuraisch behaupteten, dieser
Christ sei es, der Muchammad das meiste dessen lehrte, womit er
daherkäme. Wenn es einem also schon danach wäre, den Diin der Väter
zu verlassen, so sei doch wohl das Christentum vorzuziehen. Die Kuraisch
brachten diese Behauptung in Umlauf, worauf die Worte des Erhabenen geoffenbart wurden:
"Und Wir wissen fürwahr, dass sie sagen, es lehrt ihn nur ein Mensch.
Die Sprache dessen, dem sie zuneigen, ist nichtarabisch, und dies ist
klare arabische Sprache"
Die Biene 16:103.
Mit dieser und ähnlichen Heimsuchungen begannen die Kuraisch, Muchammad,
Allahs Segen und Frieden auf ihm,
zu bekämpfen, in der Hoffnung, damit bei ihm mehr zu erreichen als
Schädigung und Peinigung seiner Anhänger bewirkt hätten. Die Macht der
Wahrheit in klarer und einfacher Weise - ausgesprochen durch Muchammads
Mund - stand aber über ihrer Rede und hörte deswegen nicht auf, sich
unter den Arabern jeden Tag mehr und mehr auszubreiten.
At-Tufail ibn Amr Ad-Dausi
At-Tufail ibn Amr Ad-Dausi, ein edler, dichterisch begabter und
verständiger Mann, kam nach Makka, und die Kuraisch gingen zu ihm und
warnten ihn vor Muchammad und seiner zaubergleichen Rede, die den
Menschen mit seinen Angehörigen, ja sogar mit sich selbst entzweie. Sie
sagten, dass sie für ihn und sein Volk ähnliches fürchteten wie das, was
sie in Makka getroffen hatte, und dass es das Beste sei, er rede nicht
mit ihm und höre ihm nicht zu.
At-Tufail ging eines Tages zur Kaaba, als Muchammad, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, dort war. Er hörte
etwas von dessen Worten, und siehe, es war eine wohlgefällige Rede! Da
sagte er zu sich selbst: „Wehe mir! Ich bin bei Allah ein einsichtiger
Dichter, und ich kann das Schöne vom Hässlichen unterscheiden. Was
hindert mich also zu hören, was dieser Mann sagt! Wenn es schön ist,
nehme ich es an, und wenn es hässlich ist, verwerfe ich es!“
Und er folgte Muchammad zu dessen Haus und legte ihm sein Anliegen und
was sich in ihm regte dar. Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hieß ihn willkommen und trug ihm den
Qur'an vor. Da wurde er Muslim, bezeugte das Bekenntnis der Wahrheit
und kehrte zu seinem Volk zurück, um es zum Islam aufzurufen. Ein Teil
leistete ihm Folge, und ein Teil zögerte. Abuuu-Tufail setzte sein Rufen
jahrelang ununterbrochen fort, so dass die meisten von ihnen Muslime
wurden und sich nach dem Sieg über Makka und, nachdem die politische
Ordnung im Islam eine bestimmte Form anzunehmen begann, dem Propheten
anschlossen.
At-Tufail Ad-Dausi ist nur eines von vielen Beispielen. Es waren nicht
nur die Götzenanbeter, die Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Ruf Folge leisteten. Als er in
Makka war, kamen zwanzig Männer der Christen zu ihm, da sie von ihm
gehört hatten. Sie saßen bei ihm, fragten ihn und hörten ihm zu,
antworteten ihm und verinnerlichten den Imaan an ihn und bezeugten, dass er die Wahrheit
sprach, wodurch die Kuraisch verärgert wurden, sie beleidigten und zu
ihnen sagten: "Allah lasse euch scheitern, ihr Reisegesellschaft! Die
Angehörigen eurer Diin haben euch entsandt, damit ihr ihnen Kunde
von dem Mann brächtet, und kaum habt ihr mit ihm zusammengesessen,
verlasst ihr euren Diin und verinerlicht den Imaan an ihm!" Diese Rede der Kuraisch
brachte die Delegation jedoch nicht davon ab, Muchammad, Allahs Segen
und Frieden auf ihm, zu folgen, noch
ließ sie sich vom Islam abwenden, sondern stärkte vielmehr ihren schon
vorhandenen Imaan an Allah, da sie Christen waren und sich schon,
bevor sie Muchammad zuhörten, Allah ergeben hatten.
Abuuu Sufjaan, Abuuu
Dschachl
und Al-Achnas
Muchammads Sache erreichte jedoch noch Gewaltigeres. Seine heftigsten
Gegner unter den Kuraisch begannen sich selbst zu fragen: Ist es wahr,
dass er zum richtigen Diin ruft und dass das, was er uns verspricht
und wovor er uns warnt, zutrifft?
Abuuu Sufjaan
ibn Harb, Abuuu Dschachl ibn Hischam und Al-Achnas ibn Scharik
gingen eines Nachts, um Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in seinem Haus zuzuhören; und keiner
von ihnen wusste von der Anwesenheit seines Gefährten. Muchammad blieb
bis auf einen Teil der Nacht wach und rezitierte den Qur'an in Ruhe und
Stille und wiederholte mit seiner wohlklingenden Stimme dessen Ajas, die
Herz und Ohr der heimlichen Zuhörer berührten. Bei Anbruch der
Morgendämmerung entfernten sich die Zuhörer und kehrten zu ihren
Wohnungen zurück. Der Weg führte sie zusammen, und sie machten sich
gegenseitig Vorwürfe und sagten zueinander: "Tut es nicht wieder! Wenn
euch einige eurer Dummköpfe (Anmerkung des Übersetzers:
Damit meinten die Führer der Kuraisch ihre Untergebenen) sähen, würde das eure Sache schwächen
und Muchammad gegen euch helfen."
In der zweiten Nacht trieb es einen jeden von ihnen zum selben Ort, als
ob seine Füße ihn trügen, ohne dass er es verhindern könne. Auf dass er
die Nacht dort verbringe und Muchammad zuhöre, der das Buch seines Herrn
rezitierte. Und wieder trafen sie einander auf dem Rückweg beim Anbruch
des Morgengrauens und machten sich erneut Vorwürfe. Dies hinderte sie
jedoch nicht, auch in der dritten Nacht dorthin zu gehen. Als sie
erkannten, welche Schwäche sie für den Ruf Muchammads hatten, gelobten
sie einander, nicht mehr so zu handeln. Wenngleich das, was sie von
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gehört hatten, in ihnen etwas zurückließ, das sie veranlasste,
sich einander über ihre Meinung zu dem, was sie gehört hatten, zu
befragen. Jeder von ihnen war beunruhigt und fürchtete, schwach zu
werden, obwohl er doch ein Gebieter seines Volkes war, so dass dann sein
Volk mit ihm schwach würde und Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, folgte.
"Er runzelte die
Stirn und wandte sich ab"
Was hinderte sie, Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu folgen? Er wollte weder Geld von ihnen
noch Vorrang unter ihnen noch Königsherrschaft oder Macht über sie. Er
war ein Mann voller Bescheidenheit und heftiger Liebe für sein Volk und
des Wohlwollens ihnen gegenüber und des Verlangens nach ihrer
Rechtleitung. Er ging streng mit sich selbst ins Gericht und fürchtete
sogar, die Armen und Schwachen schlecht zu behandeln. Wenn er eine
Peinigung, die er ertrug, vergab, war sein Herz zufrieden und beruhigte
sich sein Gewissen.
Eines Tages war er mit Al-Walid ibn Al-Murira zusammen und hoffte auf
dessen Annahme des Islam. Al-Walid war einer der Führer der Kuraisch. Da
kam ibn Umm-Maktum, der Blinde, an ihm vorbei und bat ihn, ihm den
Qur'an
vorzutragen. Er bestand darauf, bis Muchammad, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, seine Beharrlichkeit lästig
wurde, da es ihn von dem ablenkte, worüber er mit Al Walid sprach. Da
wandte er sich von ihm ab und ging stirnrunzelnd fort. Als er dann mit
sich alleine war, machte er sich Vorwürfe ob seines Handelns und fragte
sich, ob er einen Fehler gemacht habe, bis dass die Offenbarung mit
folgenden Ajas auf ihn herabgesandt wurde:
"Er runzelte die Stirn und wandte sich ab, da der Blinde zu ihm kam. Was
aber lässt dich wissen, ob er sich vielleicht reinigen wollte und
ermahnen lassen, dass ihm das Ermahnen nützlich sein möge? Was nun den
angeht, der genügend hat, dem wendest du dich zu, und du bist nicht
verantwortlich dafür, dass er sich nicht reinigt. Was nun aber den
angeht, der in Eifer zu dir kommt und voller Furcht ist, von dem wendest
du dich ab. Nein! Dies ist fürwahr eine Ermahnung, und wer da will
gedenke seiner (Qur'an) auf ehrwürdigen Seiten, erhöhten, lauteren,
durch die Hände von Schreibern, edlen, frommen."
80/1-16.
Was hielt die Kuraisch, solange es so mit ihm stand, davon ab, ihm zu
folgen und bei seinem Ruf zu helfen? Insbesondere, nachdem ihre Herzen
weich geworden waren, da die Jahre, während der sie ihn bekämpft hatten,
sie dir Aufrechterhaltung der alten Zustände der Verhärtung vergessen
ließen und sie im Ruf Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Erhabenheit und Vollkommenheit sahen?!
Der Wunsch nach Vollkommenheit
Aber ist es wahr, dass die Jahre die Menschen ihre Verhärtung und ihre
Aufrechterhaltung überkommener Zustände vergessen lassen? Gewiss trifft
dies auf die Vortrefflichen zu und auf die, in deren Herzen ein
beständiger Wunsch nach Vollkommenheit ist. Diese hören nicht auf, ihr
gesamtes Leben hindurch Sachverhalte zu überprüfen, an die sie zuvor
glaubten, um zu verwerfen, was in ihnen an Falschheit steckt, so
ausgeprägt ihre Kultur auch sein mag. Als seien ihre Herzen und Gemüter
wie ständig kochende Schmelztiegel, die alles Neue an Meinungen, das in
sie hineingeworfen wird, aufnehmen. Es dann einschmelzen und läutern,
das Schlechte daran verwerfen und aufbewahren, was darin an Gutem,
Wahrem und Schönem liegt.
Sie suchen die Wahrheit in allem und überall und aus jedem Mund, doch
sie sind in jeder Nation und in jeder Epoche eine erlesene Auswahl und
deshalb stets wenige. Sie finden sich immer im Streit, der aufs
heftigste zwischen ihnen, den Kapitalisten, Angesehenen und Mächtigen
ausbricht. Denn diese befürchten von jeder Neuerung, sie schade ihrem
Vermögen, ihrem Ansehen bzw. ihrer Macht, und kennen im Leben keine
anderen spürbaren Wahrheiten. Alles, was es gibt, ist wahr, wenn es zur
Vermehrung der genannten Dinge führt, und wertlos, wenn es ihrem Inhaber
die leichtesten Schatten eines Zweifels in Bezug auf sie vermittelt:
Der Kapitalist meint, dass eine Tugend wahrhaftig ist, wenn sie sein
Vermögen vermehrt, und schlecht, wenn sie es ihm verwehrt, und dass die
Religion richtig ist, wenn er weiß, wie er sie seinen Neigungen
unterwirft, und falsch, wenn sie diesen Neigungen im Wege steht und sie
zerstört. Der Angesehene und der Mächtige sind darin den Kapitalisten
gleich. In ihrer Feindschaft gegen alles Neue, das sie fürchten, hetzen
sie die Massen, die ihnen Nutzen bringen, gegen den Verkünder dieser
neuen Ansicht auf. Sie hetzen die Massen mittels der Heiligung der alten
Schlösser auf, die bereits der Wurm zerfressen hat, nachdem der Geist
aus ihnen gewichen ist. Sie errichten diese Schlösser in Form von
steinernen Tempeln, um den unschuldigen Massen vorzumachen, dass der
geheiligte Geist, den sie bereits in seine Leichentücher gehüllt haben,
noch in seiner Herrlichkeit in diesen Tempeln eingeschlossen sei.
Die Massen helfen ihnen in den meisten Fällen, da sie vor allem auf ihre
Versorgung schauen. Es fällt ihnen nicht leicht zu erkennen, dass keine
Wahrheit zwischen den Mauern eines Tempels eingesperrt bleiben kann, wie
erhaben ihre Schönheit und Pracht auch sein mögen; dass es in der Natur
der Wahrheil Hegt, unabhängig und frei zu sein, um auf die Menschen
einzuwirken und sie zu nähren. Sie macht keinen Unterschied zwischen
einem Herrn und einem Sklaven, und keine Ordnung steht ihr im Weg, wie
verhärtet sie auch sein mag und wie stark ihre Vertreter sie auch
schützen mögen.
Was die
Kuraisch davon abhielt, Muchammad zu folgen
Wie kann man also von jenen, die sich heimlich davonstahlen, um den
Qur'an zu hören, erwarten, an ihn den Imaan zu verinnerlichen? Wo er sie doch in vielem
anklagte, was sie trieben, und zwischen dem Blinden und dem, der sehr
viel Reichtum angesammelt hatte, nur bezüglich der Reinheit der Seele
unterschied und die Menschen insgesamt rief:
"Wahrlich, der Geehrteste von euch vor Allah ist der Mutaqi von euch"
49:13
Wenn also Abuu Sufjaan und die mit ihm den Diin ihrer Väter beibehielten, so nicht
aufgrund ihres Glaubens daran oder einer Wahrheit, die darin enthalten
war; sondern aus Verlangen nach der alten Ordnung, die sie
aufrechterhielt und ihnen sodann in ihrem Schatten den Anteil am
Überfluss des Geldes und Ansehens gewährte, den sie begehrten und gegen
dessen Minderung sie das ganze Leben über ankämpften.
Neid und Rivalität
Neben diesem Verlangen waren Neid, Rivalität und Streit ein Hindernis
für die Empfänglichkeit der Kuraisch, dem Propheten, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, zu folgen. Umaija ibn Abuu As-Salt war unter denen, die vor Muchammads,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, Auftreten von einem
Propheten gesprochen hatten, der unter den Arabern erscheinen sollte,
bis er sogar für sich selbst auf die Prophetenschaft hoffte. Als die
Offenbarung nicht auf ihn herabgesandt wurde, zerfraß Eifersucht sein
Herz; und wegen der übergroßen Weisheit seiner Dichtung wollte er nicht
jemandem folgen, den er für seinen Nebenbuhler hielt, so dass dieser eines Tages sagte, als ihm diese Dichtung vorgetragen wurde: "Was Umaija
betrifft, so glaubt seine Dichtung und leugnet sein Herz."
Al-Walid ibn Al Murira pflegte zu sagen: "Wird etwa dem Muchammad
geoffenbart, und ich, der Obere und Führer der Kuraisch, und Abuu Masud Amr ibn Umair At-Sakafi, der Führer der Sakif, werden übergangen,
obwohl wir doch die beiden Mächtigen der beiden Städte (Makka und
At-Taif) sind." Darauf
weist die Rede des Erhabenen hin:
"Und sie sprachen: 'Warum wurde dieser Qur'an nicht auf einen mächtigen
Mann aus den beiden Städten herabgesandt?" Verteilen sie etwa die
Barmherzigkeit deines Herrn? Wir verteilen unter ihnen ihren
Lebensunterhalt im diesseitigen Leben."
(43:31-32)
Nachdem Abuu Sufjaan, Abuu Dschachl und Al-Achnas gemäß der Geschichte, die
wir erzählten, dem Qur'an drei aufeinanderfolgende Nächte lang gelauscht
hatten, ging Al-Achnas zu Abuu Dschachl in dessen Haus und fragte ihn: "O
Abuu Al-Hakam, was halst du von dem, was wir von Muchammad gehört
haben?" Abuu Dschachls Antwort war: "Was hast du gehört?! Wir und die Banu Abd
Manaf wetteiferten um die Ehre: Sie und wir speisten die Pilger, sie und
wir trugen Wasser zur Tränkung der Pilger herbei, sie gaben, und wir
gaben, und als wir auf den Reittieren saßen, als ob wir uns in einem
Reiterwettkampf befänden, da sagten sie: Unter uns ist ein Prophet, dem
die Offenbarung vom Himmel kommt. Wann nun werden wir desgleichen
erreichen?! Bei Allah, wir werden niemals an ihn den Imaan
verinnerlichen und ihm niemals trauen."
Neid, Rivalität und Streit waren tief in diesen Beduinen verwurzelt, und
es wäre ein Fehler, wenn man sie zu übersehen versuchte oder nicht
genügend beachtete. Es genügt, daran zu erinnern, welche Macht diese
Leidenschaften auf alle Menschen ausüben, um zu ermessen, dass der
Befreiung von ihrem Einfluss eine lange Reinigung vorangehen muss. Eine
Reinigung, die das Herz läutert und das Urteil des Verstandes über die
Tendenzen zur Begierde erhebt und mit Gefühl und Vernunft auf eine Ebene
erhöht, auf der man erkennt, dass die Wahrheit aus dem Munde des
Gegners, ja Feindes, auch die Wahrheit aus dem Munde des Vertrauten und
Freundes ist. Und dass man durch den Besitz der Wahrheit reicher ist als
durch das Geld von Krösus, den Ruhm Alexanders und die Macht Cäsars. Es
sind die wenigsten, die diese Stufe erreichen, jene nur, deren Herzen
Allah zur Wahrheit leitete. Was die übrigen Menschen betrifft, so
blendet sie das diesseitige Leben durch Reichtum und Besitz und macht
sie blind für das Genießen der unmittelbaren Gegenwart und den Aufstieg
zu jenen edlen Eigenschaften. Wegen dieses diesseitigen Lebens und des
Jagens nach dem Augenblick bekämpften und töteten sie sich. Nichts
hinderte jemanden von ihnen, seine Krallen und Zähne in den Nacken der
Wahrheit, des Guten und der Tugend zu schlagen und den reinsten Ausdruck
der Vollkommenheit unter seinen unreinen Füßen zu zertreten.
Wie stand es wohl mit diesen Arabern der Kuraisch, als sie sahen, wie
Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Zahl seiner Anhänger jeden Tag vermehrte? Sie fürchteten
einen Tag, an dem die Wahrheit, die er verkündete, Macht über sie und
ihr Gefolge haben und sich darüber hinaus zu den Arabern in die
verschiedensten Richtungen der Halbinsel verbreiten würde! Lieber
sollten Köpfe rollen, wenn sie dies vermochten! Lieber wollten sie
massiv Propaganda, Boykott, Belagerung, Peinigung und Misshandlung über
ihre Gegner bringen.
Die Angst vor der Wiedererweckung und Abrechnung am Jüngsten Tag
Es gab noch einen dritten Grund, der die Kuraisch hinderte, Muchammad,
ALlahs Segen und Frieden auf ihm, zu
folgen: Ihre Angst vor der Wiedererweckung und der Höllenstrafe am Tage
des Jüngsten Gerichts. Wir kennen sie als in verschwenderischer Weise
dem Spiel zugeneigt, wozu sie sich durch Handel und Wucher Zugang
verschafften. Der Reiche sah darin kein Laster, das zu meiden wäre.
Sodann behaupteten sie hinsichtlich der Annäherung an ihre Götzen, dass
dadurch ihre Schlechtigkeiten und Sünden gesühnt würden. Es genügte, vor
einem Vorhaben bei Hubal Lospfeile zu ziehen, um das, was die Pfeile
anzeigten, als Befehl Hubais zu deklarieren. Es genügte, den Götzen zu
opfern, damit sie Schlechtigkeiten und Sünden tilgten! Es war gestattet
zu töten, zu rauben, Unzucht zu treiben und schändliche Rede zu führen,
solange man in der Lage war, jene Götter durch Opfer zu bestechen!
Dieser Muchammad verkündete ihnen hingegen furchterregende Ajas, von
deren Schrecken die Herzen erfasst und das Innere beunruhigt wurde: dass
ihr Herr auf sie warten und sie am Jüngsten Tag in einer neuen Schöpfung
wiedererweckt würden und dass ihre Taten allein ihre Fürsprecher seien.
Die Darstellung
des Jüngsten Tages im Qur'an
"Wenn aber der dröhnende Ruf kommt, am Tag, da der Mensch flieht von
seinem Bruder und seiner Mutter und seinem Vater und seiner Gattin und
seinen Kindern. Jeder Mensch ist an jenem Tag durch etwas beschäftigt.
An jenem Tag wird es strahlende Gesichter geben, lachende, fröhliche.
Und an jenem Tag wird es staubbedeckte Gesichter geben. Finsternis wird
sie umhüllen. Diese, das sind die Kaafirs, die Frevler."
(Suura 80 'Abasa عبس (Er runzelte die Stirn) Aja 32-42)
Und der
dröhnende Ruf kommt: "An jenem Tag wird der Himmel wie geschmolzenes Erz
sein, und die Berge werden wie farbige Wolle sein. Und ein Freund wird
nicht seinen Freund fragen. Sie sehen sich; der Sünder wünscht, er
könnte sich loskaufen von der Strafe an jenem Tag mit seinen Kindern und
seiner Gattin und seinem Bruder und seiner Sippe, die ihn aufgenommen
hat, und allen, die auf Erden insgesamt sind; das würde ihn dann retten.
Doch nein! Es ist gewiss eine Flamme, die die Kopfhaut gänzlich
entfernt, sie ruft den, der den Rücken kehrt und sich abwendet und
ansammelt und hortet."
(Suura 70 Al-Ma'aaridsch المعارج (Die Wege des Aufstiegs) Ajas
8-18)
"An jenem Tag werdet ihr vorgeführt, kein Geheimnis von euch wird
verborgen sein. Was aber den betrifft, dessen Buch in seine Rechte
gegeben wird, so spricht er: 'Wohlan! Lest mein Buch, ich habe ja
geglaubt, dass ich meiner Rechenschaft begegnen würde.“ Also ist er in
einem zufriedenen Leben. In einem erhöhten Garten. Seine Früchte sind
nah. 'Esset und trinket zum Wohlsein für das, was ihr in den vergangenen
Tagen vorausschicktet.' Und was den betrifft, dessen Buch in seine Linke
gegeben wird, so spricht er: „O wäre mir doch mein Buch nicht gegeben
worden, und hätte ich doch nicht gewusst, was meine Rechenschaft ist. O
hätte doch der Tod ein Ende gemacht! Nicht nützte mir mein Besitz.
Vernichtet ist mir meine Macht.“ "Ergreift ihn und fesselt ihn! Sodann
lasst ihn in der Hölle brennen! Kettet ihn dann an eine Kette, deren
Länge siebzig Ellen ist! Denn er verinnerlichte ja nicht den Imaan an Allah, den
Allmächtigen. Und hielt nicht zur Speisung der Armen an. Darum hat er
heute hier keinen Freund. Und keine Speise außer vom Eiterfluss, den nur
die Sünder verzehren."
(Suura 69 Al-Haaqqa الحاقة (Das sich Bewahrheitende) Aja 18-37)
Hast du das gelesen! Hast du es gehört! Erfasst dich nicht der
Schrecken, und überkommt dich nicht die Angst! Das ist nur ein bisschen
von dem, womit Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sein Volk warnte. Du liest es heute und hast es
schon zuvor oft gelesen und gehört. Wenn du es liest, rufst du dir die
Darstellung der Hölle im Qur'an ins Gedächtnis zurück:
"An jenem Tag werden Wir zur Hölle sagen: 'Bist du voll?', und sie
wird antworten: 'Gibt es noch mehr?"
(Suura 50 Qaf Aja 30)
"Sooft ihre Haut gar ist, tauschen Wir sie ihnen gegen eine andere Haut,
damit sie die Strafe schmecken."
(Suura 4 An-Nisaa النساء (Die Frauen) Aja´56)
Wenn einem bereits Furcht überkam, dann ist es leicht zu ermessen, was
die Kuraisch und insbesondere die Prasser unter ihnen erfasste, als sie
diese Worte hörten, nachdem sie sich - bevor er sie damit vor der Strafe
warnte - im Schutz ihrer Götter und Götzen in Sicherheit wähnten. Es
fällt hernach leicht zu ermessen, mit welchem Eifer sie Muchammad,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, als
Lügner darstellten, ihm Widerstand entgegenbrachten und gegen ihn
aufhetzten.
Im allgemeinen pflegten sie von der Wiedererweckung nichts zu wissen und
nicht anzuerkennen, was sie davon hörten. Keiner von ihnen glaubte, dass
ihm sein Tun in diesem Leben nach seinem Ableben vergolten werde. Ihre
Angst vor der Zukunft bezog sich nur auf das diesseitige Leben. Sie
fürchteten Krankheit und Verlust ihres Vermögens, ihrer Kinder, ihrer
Stellung und ihres Ansehens. Das Leben war bei ihnen Selbstzweck, galt
der Ansammlung von Mitteln zum Unterhalt und der Bekämpfung all dessen,
was sie in diesem Leben fürchteten. Somit lag die Zukunft ungewiss und
verhüllt vor ihnen. Wenn sie nach einer schlechten Tat empfanden, dass
etwas übersinnliches sie deswegen mit einem Übel heimgesucht hatte,
betrachteten sie dies als gutes bzw. schlechtes Vorzeichen: Sie losten
mit Pfeilen, warfen Steinchen, beobachteten den Vogelflug und opferten
den Götzen. Durch all das schützten sie sich vor dem, was sie von dieser
absehbaren Zukunft im Leben fürchteten.
Was nun aber die Vergeltung nach dem Tod betraf, die Wiedererweckung und
Auferstehung am Tage, da in die Posaune gestoßen wird, das Paradies, das
den Mutaqis, und die Hölle, die den Frevlern versprochen wurde,
all das kam ihnen nicht in den Sinn. All das hatten sie bereits in dem
Diin der Juden und Christen gehört; sie hatten allerdings darüber
keine so beeindruckende, erschreckende Darstellung gehört wie die, die
sie die Offenbarung aus dem Munde Muchammads, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, vernehmen ließ. Die sie vor
einer ewigen Strafe im Höllengrund warnte, wenn sie bei ihrem vergnügten
Leben und ihrer Gewinnsucht blieben, die sie mittels Unterdrückung der
Schwachen, Aneignung des Geldes der Waisen, Vernachlässigung der Armen
und hohem Wucher befriedigten. Eine Strafe, die den Herzen Furcht
einjagte ob ihres Schreckens, der allein schon der Erzählung innewohnte.
Wie ist es aber erst, wenn man sie ständig nach den kurzen Schritten
kommen sieht, die der Mensch aus dem Leben in den Tod tut mit
darauffolgender Wiedererweckung und Auferstehung und Zufriedenheit bzw.
Wehklage.
Die Kuraisch und das Paradies
Was Allah den Mutaqis an einem Paradiesgarten versprach, dessen
Weite die Himmel und die Erde umfasst, in dem man weder eitles Geschwätz
noch sündhafte Rede, sondern nur die Worte: ''Friede, Friede" hört, in
dem sich das befindet, was die Seelen begehren und woran die Augen sich
erfreuen, daran zweifelten die Kuraisch. Und ihre Verbundenheit mit dem
diesseitigen Leben, ihr Verlangen, diese Glückseligkeit als Tatsache für
sie schon im Leben dieser Welt zu sehen, und ihr Überdruss, auf den Tag
der Vergeltung zu warten - abgesehen davon, dass sie an den Tag der
Vergeltung nicht glaubten -, mehrten ihren Zweifel.
Der Kampf zwischen Gut und
Böse
Man wird von Verwunderung ergriffen, wie die Herzen der Araber gegenüber
der Darstellung des jenseitigen Lebens und der Vergeltung in ihm so
verschlossen sein konnten. Obwohl doch der Kampf zwischen Gut und Böse
in dieser menschlichen Welt seit Menschengedenken stattfand, ohne einen
Tag nachzulassen oder zur Ruhe zu kommen.
Die alten Ägypter gaben den Toten Tausende von Jahren vor der Entsendung
Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Verpflegung für die jenseitige Wohnstätte mit und legten in
ihre Leichentücher das "Buch der Toten“ mit Gesängen und Ermahnungen
darin und zeichneten in ihren Kultstätten die Bilder der Waage, der
Vergeltung, der Reue und der Strafe.
Die Inder zeichneten die vollkommen zufriedene Seele im "Nirwana" und
die Wanderung der schlechten Seele in Formen der Schöpfung, während
derer sie Tausende und Millionen von Jahren gestraft wird, bis ihr die
Wahrheit eingegeben werde. Worauf sie sich reinige und erneut zu Gutem
zurückkehre, auf das Erreichen des "Nirwana" hoffend.
Auch den Anhängern des persischen Diins des Zarathustra war der Kampf
zwischen Gut und Böse und den Göttern der Dunkelheit und des Lichts
nicht fremd.
Die Lehren Muusa und 'Isa, ALlahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, beschrieben ebenfalls beide das Leben der
Ewigkeit sowie das Wohlgefallen Allahs und Seinen Zorn. War von all dem
nichts zu diesen Arabern gelangt, die doch Handelsleute waren und auf
ihren Reisen und Fahrten mit den Angehörigen all dieser
Glaubensrichtungen in Berührung kamen?! Wie sollte es möglich sein, dass
es sie nicht erreichte? Wie kann es sein, dass sie davon nicht ein
eigenes Bild hatten, da sie doch
Wüstenbewohner waren, die am unmittelbarsten mit der Unendlichkeit in
Berührung sind? Und der Vorstellung dessen am nächsten, was dieses Sein
an Geistwesen in sich schließt, die in der Glut des Mittags und der
Dämmerung zu Beginn der Nacht erscheinen?! An guten Geistern und an
anderen, bösen! Den Geistern, von denen sie annahmen, dass sie im
Inneren der Götzen wohnten, die sie Allah durch Einschmeichelung
näher brachten. Ohne Zweifel hatten sie über dieses sie umgebende
Übersinnliche nachgedacht. Da sie jedoch Handelsleute waren, waren sie
in höchstem Maße den Tatsachen des sinnlich Wahrnehmbaren zugeneigt; und
da sie Leute des Spiels und Weines waren, missfiel ihnen die Vergeltung
des Jenseits aufs heftigste. Sie dachten, das Gute oder Schlechte, auf
das der Mensch in diesem Leben stößt, sei der Lohn seines Verhaltens.
Und nach diesem Leben gebe es dafür keine Vergeltung.
Deshalb wurde das meiste, was von der Offenbarung an Warnung und
Freudenbotschaft herabgesandt wurde, bereits in Makka zu Beginn der Prophetenschaft
Muchammads herabgesandt und war auf die Rettung dieser
Menschen ausgerichtet, aus deren Reihen Muchammad, Allahs Segen und
Frieden auf ihm, entsandt wurde. Es war
angemessen, dass er ihnen kundtat, in welchem Fehlgehen und Irrtum sie
sich befanden; und es war angemessen, dass er sie vom Götzendienst zur
Anbetung Allahs, des Einen, des Allmächtigen erhob.
Im Dienste der Erlösung
Wie wir bereits vorausschickten, ertrugen Muchammad und die, die an ihn
dem Imaan verinnerlchten, im Dienste dieser geistigen Erlösung für sein Volk und die
Menschen insgesamt vielfältige Peinigungen und Opfer, Schmerzen an Seele
und Körper, Auswanderung aus der Heimat und Feindschaft seitens Familie
und Kindern. Es schien aber, dass Muchammads Liebe für sein Volk und
Verlangen nach ihrer Erlösung zunahmen, sooft sie die Nachstellungen und
Schlechtigkeiten gegen ihn verstärkten. Und der Tag der Wiedererweckung
und der Vergeltung war der entscheidende Aja, der ihnen verkündet
werden musste, um sie vor dem Übel des Götzentums und der Verwicklung in
ihre Sünden zu retten. Deshalb ließ die Offenbarung in den ersten Jahren
nicht nach, sie damit zu warnen und ihnen dafür die Augen zu öffnen.
Dennoch wehrten sie sich in ihrer Ablehnung und Abneigung dagegen, was
sie zur Entfachung dieses mörderischen Krieges veranlasste, dessen
Flammen sich zwischen ihnen und Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, nicht legten, bis der
Durchbruch des Islam endgültig war und Allah Seiner Religion über alle
Diins den Sieg verlieh.